Die wollen nicht nur spielen! Mehr gibt's hier: Graphiti ...
Haltlos. Nach der Panikkatastrophe bei der Duisburger Love-Parade wird gemeldet, Bundespräsident Wulff habe eine »rückhaltlose Aufklärung« gefordert. Gut und schön, aber braucht man für solche Plattitüden wirklich einen Bundespräsidenten? (25. Juli 2010)
ICzeit. Saunazüge, Unpünktlichkeit, Achsbruch, kaputte Türen, gesperrte Klos, Desorganisation, Informationsunfähigkeit – die Deutsche Bahn also, das bekannte Unwesen. Aber das ist noch gar nichts: In den IC-Zügen, mindestens in denen, die Köln und Düsseldorf passieren, herrscht im Sommer noch die Winterzeit: Seit dem 28. März (seit jetzt 4 – vier! – Monaten) gehen die Uhren in den Zügen eine Stunde nach. Korrigiert wird der Fehler wahrscheinlich vollautomatisch: Am 31. Oktober 2010. (Bange Frage: Was läuft und geht da alles falsch, was man nicht sieht?) (23. Juli 2010)
BJ. Die F.A.Z. berichtet über den Besuch des israelischen Premiers bei Präsident Obama und zeigt dazu sehr schön das Nummernschild von Netanjahus Wagen: BJ-3687. Natürlich wissen die Kollegen von der F.A.Z. auch, wofür BJ in den USA steht. Sie wissen es nicht? Nun, ich zitiere einfach mal Diego Maradona: „Die, die nicht an die Nationalmannschaft geglaubt haben, sollen weiter Schwänze lutschen.“ SL, das wäre also die Übersetzung von BJ. Schon eine gekonnte Beleidigung Netanjahus. Danke, F.A.Z.! (8. Juli 2010)
Wulffsrudel. Bild (online) schreibt zu neuen Umfrageergebnissen: "Trotz Wulff-Wahl: Union und FDP auf Rekordtief". Trotz? (7. Juli 2010)
Lach- und Schließgesellschaft. Meldung von Rhein und Ruhr: "Der derzeitige NRW-Arbeitsminister Laumann setzte sich in einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz im Düsseldorfer Landtag knapp gegen Integrationsminister Armin Laschet durch. Für Laumann stimmten 34 Abgeordnete, Laschet erhielt 32 Stimmen." Und jetzt kommt's: "Jürgen Rüttgers bewertete das knappe Wahlergebnis als "Signal der Geschlossenheit"." 34 zu 32 – ein Signal der Geschlossenheit! Der abgewählte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist Träger des Ordens "Wider den tierischen Ernst". Das merkt man. Klatschmarsch. (6. Juli 2010)
Homun-Culus. Gemeldet wird, Iran arbeite an der Herstellung eines "Roboter-Menschen". Da wird einem manches klar: Ahmadinedschad ist vermutlich ein Prototyp. (6. Juli 2010)
GOTTlos. "Maradona mit seiner wirkungslosen Glückskette in der linken Hand", schreibt Bild zu diesem Bild. Ausgerechnet die Zeitung, die einst "Wir sind Papst" titelte, deren Rom-Korrespondent Englisch heißt ("engelhaft"!), die neben Titten auch Bibeln druckt! Das ist ein Rosenkranz, Blödmänner, ein Rosenkranz! (4. Juli 2010)
Give us five. Mit allergrößtem Vergnügen höre ich von Harrison Ford, der verrät, daß George Lucas am Drehbuch eines fünften "Indiana Jones" schreibt und daß Harrison Ford dabei wieder mitspielen und die Peitsche schwingen will. Wunderbar. Es gibt doch keine bessere, größere Kintopp-Serie als diese. Auch der hier und da ein bißchen computersteril wirkende vierte Teil ("Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") hat etwas einmalig Großes: Die lange Fahrt durch den Dschungel mit immer neuen Hindernissen und Wendungen: ein grandioser Film im höchst eiskalt das Herz erwärmenden Film! (4. Juli 2010)
Tore. Die Kanzlerin fliegt zum Viertelfinalspiel der deutschen Fußball-Nationalelf nach Südafrika, auf die Tribüne. Schön, daß sich die Kanzlerin für den Volkssport interessiert und angagiert. Aber warum geht sie nicht zur Fan-Meile in Berlin, zusammen mit dem neuen Bundespräsidenten? Warum? Fragen Sie mich lieber, wer Weltmeister wird. (3. Juli 2010)
Die Bundespräsidentin. Wenn man sich die ersten Auftritte des neuen Bundespräsidenten Wulff mal genauer ansieht, seine sicher sympathische, aber schulprimushaft verklemmte Erscheinung, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Man hätte seine Frau Bettina zur ersten Bundespräsidentin wählen sollen. Die macht was her, damit hätte Deutschland für freudiges Aufsehen und echte Bewunderung gesorgt. Und was die (alten) Männer konnten, das kann so eine cleverschöne Frau doch schon lange. (3. Juli 2010)
Freigebig. Das klingt ja nett und wirkt auf- und abgeklärt, wenn jetzt "Elder Statesmen" (Biedenkopf, Herzog, von Weizsäcker) meinen, die Parteien mögen bitte die Wahl des Bundespräsidenten freigeben, die Mitglieder der Bundesversammlung also frei entscheiden lassen, ob sie Gauck, Jochimsen oder Wulff wählen wollen. Haben wir das nötig - oder die? Die Wahl ist doch geheim. Was ist denn da freizugeben? Die nette Forderung akzeptiert grundsätzlich den Parteienzwang, der sich über Freiheit und Gewissen der Volksvertreter verhängt hat. Und unterstreicht mit generöser Arroganz die Geringschätzung auch der Vertreter des Volkes als Stimmvieh. (27. Juni 2010)
Grenzenloses Nichts. Die neue Mercedes-Kampagne ("Das Beste oder nichts") ist ob ihrer ungelenken Dürftigkeit in den einschlägigen Fach-Foren schon gebührend durch den Kakao gezogen worden; das können wir uns also sparen. Wir müssen aber hier zu Protokoll geben, daß man von Leuten, die keine Grenzen kennen wollen, außer denen der Physik, besser kein Auto kaufen sollte. Und Texte sowieso auch nicht: "Ein Anspruch, der beständig ist, sich aber auch dynamisch zeigen kann: durch das Fahrwerk im E-Klasse Coupé..." Das ist doch ein schreiend tragikomisches Kauderwelsch. Noch nicht mal besser als nichts. (26. Juni 2010)
Wirr in NRW: Nicht regierungsfähig. Hannelore Kraft, die SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im größtenwichtigsten Bundesland NRW, hat vor der Wahl vom 9. Mai stereotyp verkündet, was mittlerweile auf sie selber zutrifft – und auf die SPDNRW:
►„Wir halten die Linkspartei nicht für regierungs- und koalitionsfähig.“ ►„Die Linkspartei ist derzeit nicht koalitions- und regierungsfähig. Punkt.“ Nach der Wahl hat die SPD-Kraft mit den nicht koalitions- und regierungsfähigen Linken dennoch gemeinsam beraten. Ergebnis: ►„Frau Kraft äußerte, sie sehe sich in ihrer im Wahlkampf mehrfach wiederholten Einschätzung bestätigt, dass die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen weder regierungs- noch koalitionsfähig sei.“
Offensichtlich hat Hannelore Kraft mitsamt Partei diese Formel derart internalisiert, daß sie nun auch für Krafts SPD genauso gilt: ►Derzeit nicht koalitions- und regierungsfähig. Punkt. Auch eine Form der ypsilantischen Annäherung und Anverwandlung. Motto: Wirr in NRW. (14. Juni 2010)
Fiskalös. Steuererhöhungen sollten nur Leute fordern dürfen, die auch Steuern zahlen; schon eine Frage des Anstands. (13. Juni 2010)
CDU first? Nebenstehende Grafik wird von der Tagesschau der ARD im Internet präsentiert. Das Ergebnis der aktuellen Bürgerbefragung ist interessant. Aber fast noch interessanter ist die Sortierkunst der in der Beziehung bei mir schon einmal notorisch gewordenen Grafik-Abteilung des Senders. Was entscheidet über die Rangfolge der abgebildeten Kandidaten? Alphabet? Nein. (Weder beim Namen noch bei der Farbe: S vor R!) Ergebnis? Auch nicht! Ladies first? Ach was! Ja, was denn dann?! (11. Juni 2010)
Gefälscht. Aber wahr.
So hätten ARD, infratest dimap, Tagesschau die Grafik präsentieren müssen.
Warum tun die das nicht? Weil es kommt, wie es kommt? Weil man darüber einfach nicht nachdenkt? Weil da keiner drauf achtet? Weil der Grafiker macht, was er will? Weil man unfähig ist? Oder schlimmer noch: sogar parteiisch? Klar ist: Mit Unfragen, auch mit ihrer Darstellung kann man Politik machen. Fragt sich nur: Welche?! (11. Juni 2010)
Zusammen kommen. Unaufhörlich liefert die so genannte Rechtschreibreform feinste Beispiele für ihre schwachsinnige Verkorkst- und Doofheit. Beispiel die trennende Schreibung. Also: wieder herstellen, fertig stellen, zusammen setzen etc. Daß wiederherstellen, fertigstellen und zusammensetzen ganz andere Handlungen sind, wird amtlich unterschlagen: Arme Sprache. Frivoles Exempel des sexual-demokratischen TV-Senders RTL: Fritz Wepper und seine neue junge Liebe sind „zusammen gekommen“. Ob RTL das so meint, ob es dies weiß? Duden und Kamasutra? (10. Juni 2010)
Präsidiable. Wenn der Merkel-Kandidat Christian Wulff wirklich das Zeug zum Bundespräsidenten hätte, würde er zugunsten Joachim Gaucks auf die Kandidatur verzichten. (9. Juni 2010)
Außen. Sinister. Christian Lindner, der junge Generalsekretär der FDP, ist blitzgescheit und ein glänzender Formulierer, mündlich & schriftlich. Was er sagt, darf man also genau nehmen. In „Berlin direkt“ (ZDF, 6.6.2010) sagt er über die Präsidentschaftskandidaten: „Aber wir stehen als Koalition, auch als FDP, für Christian Wulff. (...) Joachim Gauck ist ein Mahner von außen ...“ Von außen! Die Bürger sind außen! Ist es ein Wunder, daß immer mehr Menschen in diesem Land sogar außer sich sind? (7. Juni 2010)
Kachelmanns Pixela? Seit eine Geliebte den Wetterfrosch Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigung angezeigt hat, wird dieser Mann als bekanntes (Un-)Wesen durch den Blätterwald getrieben, in Wort und Bild. Mit Fantasienamen (Simone / Sabine / S.) anonymisiert und verpixelt verborgen, bleibt die Frau im Dunkeln. Fair? Löst man die Bild-Pixel auf, dann könnte die Dame so aussehen wie im rechten Foto.
Das haben wir natürlich nicht gemacht, wie es mit Kevin Costner im Super-Thriller "No Way Out" geschieht, also qua Computer-Programm, sondern bloß mit dem urjournalistischen Mittel der Recherche ("Dem Recherchör ist nichts zu schwör!"). Bekannt ist, daß es sich bei der anzeigenden Kachelmann-Geliebten um eine Schwetzinger Radio-Moderatorin des Lokalsenders "Radio Sunshine" handelt, aber auf der Homepage des Senders findet man kein Bild einer Moderatorin, die der Pixela ähnlich sähe. Jedoch – man höre und staune – bei ebay in Belgien. Dort war die Autogrammkarte einer Moderatorin vom "Radio Sunshine" im Angebot – von Claudia. Deren Bild ist zweifellos die Vorlage für das Pixel-Bild der Bild-Zeitung. Das heißt natürlich nicht, damit wir uns hier richtig verstehen, daß es sich bei Claudia um die Kachelmann beschuldigende Frau handelt. Aber jedenfalls hat sie sich als diejenige verpixeln lassen – sozusagen zur Kenntlichkeit entstellt. (6. Juni 2010)
Wie neu. Der Kanzlerin Merkel hat ihren Präsidenten-Kandidaten Wulff hübsch zweideutig charakterisiert: "Ein Mensch, der immer neugierig auf Menschen ist, der Neues ausprobiert, der kreativ ist, der auf die Menschen zugeht." Na klar, mit diesen schönen Eigenschaften hat Wulff doch seine alte Ehefrau nach 18 trauten Jahren und einem Kind abgelegt. Neugierig war er auf die 13 Jahre jüngere attraktive Bettina Körner, ist auf sie zugegangen, hat Neues ausprobiert, nämlich eine alleinerziehende beruflich erfolgreiche Mutter, kreativ im Sinne der merkelschen Großstadt-CDU. Ausprobier-Ergebnis: Neue Ehe, neues Kind. Tja, so geht es zu: Die CDU wird immer modernder – sorry: moderner. (4. Juni 2010)
Phoenix aus der Flasche. Die sehr junge, sehr laute, sehr blonde Moderatorin im Ereigniskanal des Fernsehens muß von Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf wegen BP-Bohrlochs zum Meeresbiologen moderieren, nach Hamburg, wie sie sagt, und beginnt mit der passenden Begrüßung: "Einen schönen Gruß an die Spree!" Und da reden wir von Öl-Katastrophe ... (27. Mai 2010)
Satellitchen. Fan-Kulte sind unberechenbar und oft nur schwer zu verstehen. Zum Beispiel der momentane um die Schülerin Lena Meyer-Landrut, 18, die in der deutschen Hitparade mit einer US-Komposition einzigartigen Erfolg hat. Warum bloß? Das zappelige Mädchen knödelt sich ihren geflickschusterten Super-Hit »Satellite« echt ungekonnt ab, in einem wie mit vollem Mund gekauten Beinahe-Englisch. Schrecklich. Erfolgreich macht diese vor allem hemmungslose Amateurin das Hirngespinst der anderen Amateure samt Verwandtschaft, auch verkappte Superstars zu sein. Wie sie ist Fräulein Meyer-Landrut aber kein Star, kein Stern, noch nicht einmal ein Sternchen. Bloß ein Satellitchen, das naturgesetzlich bald verglüht. (19. Mai 2010) Nachtrag am 30. Mai 2010: Da der Eurovisions-Grand-Prix ein Wettbewerb des Grauens ist, kann man an dem ersten Platz für »Satellite« nicht wirklich etwas aussetzen.
Auf den Nutz hauen. Radio-Nachrichten verbreiten heute landesweit eine AP-Meldung, die auf den Straßen kämpfende Thai-Opposition habe "zwei Wasserwerfer unschädlich" gemacht. Muß es nicht heißen: "unnützlich" gemacht - oder steht öffentlich-rechtlicher Rundfunk bei Recht und Ordnung gegen den thailändischen Staat an der Seite der Straßenkämpfer? Es ginge auch neutral: "funktionsunfähig" oder so. Oder? (14. Mai 2010)
Prognase. In Steven Spielbergs herrlichem Kintopp-Spektakel "Jurassic Park" gibt es eine höchst witzige Dialogstelle. Da sagt der skeptische Wissenschaftler Dr. Ian Malcolm, als die Dinosaurier außer Kontrolle geraten: "Junge, wie ich es hasse, immer recht zu haben!" Geht mir nach der NRW-Landtagswahl eigentlich fast genauso – siehe 1. April ff. (10. Mai 2010)
Grafik-Quelle: ARD-Internet-Tagesschau, 10.5.2010
Finale. Die Video-Texte der TV-Sender sind eine unerschöpfliche Quelle der Bildung und des Vergnügens. Hier zum Beispiel ist der Papst nicht etwa antiklerikalen Ressentiments zum Opfer gefallen, es handelt sich vielmehr um einen subtilen historischen Hinweis: Die Kirche bemühte sich nämlich im Mittelalter vergeblich um ein Verbot der Turniere. Danke, Video-Text, wieder was gelernt. (3. Mai 2010)
Sorgenmagazine. Vielleicht sind die Fernseh-Morgenmagazine einfach zu früh oder bei gewissen ModeraTorinnen ist alles zu spät. Heute morgen wieder: "Die griechenländische Regierung ..."! Es gibt also Deutschländer-Würstchen nicht nur in Dosen. (26. April 2010)
Nutzen ungarantiert. Die CDU-NRW zeigt ihre Wahlplakate (siehe unten) im Internet. Kostenfrei darf man die runterladen. Aber die CDU warnt wörtlich: "Eine Gewährleistung oder Haftung für Schäden, die durch die Nutzung der Bilder entstehen, wird nicht übernommen." Das kann man sich doch nur auf der Zunge zergehen lassen! Daß die SPD das noch nicht bemerkt hat! (25. April 2010)
Fliegenfänger. Im Video-Text von "Kabel Eins" sehen wir die alarmierende Schlagzeile: "Fliegen im gesperrten Luftraum". Das geht natürlich nicht! Da muss Verkehrsminister Ramsauer sofort mit der Fliegenklatsche ran. (21. April 2010)
Kondolenz garantiert. Hat die CDU in NRW eine Art Todessehnsucht? Hat der Ministerpräsident Rüttgers keine Lust mehr? Das muß man sich doch fragen angesichts des Auftritts per Plakat. Mit der "zweiten Welle" wird ein Rüttgers geklebt, der sich offensichtlich resigniert, alt und müde, ins Halbdunkel zurückgezogen hat und in gedeckte (düstere) Farben gehüllt an Abschiedsrede und/oder Rücktrittserklärung arbeitet. Rüttgers bei seiner eigenen Trauerfeier! Nur traurig! (13. April 2010)
Nachrufschädigung. Der Anlaß ist zwar tragisch, der Effekt aber höchst komisch. Als der Sarg mit Maria Kaczynska, der Frau des ebenfalls verunglückten polnischen Präsidenten, in Warschau eingetroffen ist und der Zwillingsbruder, ihr Schwager, live trauernd gezeigt wird, erläutert der Kommentator der Fernsehübertragung: "Dies ist der zurückgebliebene Bruder des Präsidenten." Dabei soll es eher umgekehrt gewesen sein. (13. April 2010)
Miss Handeln. Die Grünen-Chefin Claudia Roth (übrigens nicht die Mutter unseres Mopses!) hat gefordert, der Augsburger Bischof Mixa müsse sein Amt ruhen lassen, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmißhandlung geklärt seien. Das ist praktisch. Jetzt weiß ich nämlich, wie man es schafft, daß Frau Roth ihr Amt ruhen lassen muß: Einfach Vorwürfe erheben. (7. April 2010)
Hüllfe! Das Fernsehen hat es nicht leicht. Es muß Text und Bild irgendwie zusammenkriegen. Manche Kollegen kommen dabei auf Ideen, da ist man platt. Heute in der "Tagesschau": Der Reporter muß von einer Predigt im Münchner Dom berichten. Also wird der Dom gezeigt, dessen linker Turm aber wegen Bauarbeiten eingerüstet und mit Bauplane verhüllt ist. Das bringt den berichtenden Menschen auf eine großartige Idee (glaubt er jedenfalls!). Die hört sich dann so an: "Der linke Turm des Münchner Liebfrauen-Doms ist derzeit verhüllt. Genauso hüllte sich auch die Katholische Kirche in Deutschland in Schweigen, wenn es um den Missbrauchsskandal ging." Wer solchen Blödsinn verzapft, der sollte bitte sein Haupt auch verhüllen. (2. April 2010)
Verwickelt. Auch nicht schlecht die "Tagesthemen" im Ersten. Bundeswehr-Soldaten sind bei Kundus in ein Feuergefecht geraten, drei Soldaten wurden getötet, mehrere verletzt. Die Moderatorin kündigt ein Highlight der kommenden Berichterstattung an: "Über die Entwicklung in Afghanistan sprechen wir gleich mit dem Entwicklungsminister." Da möchte man doch spontan ausrufen: Ja klar, mit wem denn sonst! (2. April 2010)
Krise? Vor allem das Plakat! Muß man Wahlkampf jedes Mal neu lernen? Warum fangen Wahlkämpfer immer wieder bei Null an? Weil sie keine Ahnung haben. So wie es hier die CDU zeigt mit ihrem Wahlplakat für die wichtige Landtagswahl in NRW am 9. Mai 2010. Mal abgesehen von dem schrecklichen Wort-Salat, ist es doch oberirre, das Wort "Krise" mit der CDU und ihrem Ministerpräsidenten Rüttgers zu verbinden, dazu noch auf einem tristen Grau-Plakat. Sicher ist so: der Kampagnen-Verlierer.
So ist es besser. Und richtig! Die SPD hat wenigstens in diesem Wahlkampf mal wieder begriffen, wie man ein Plakat und eine Kampagne macht. Positive Stimmung, kurze sofort zu erfassende Texte. Sehr gut als Serie umgesetzt. Zum Einsatz kommen: Stolz, Respekt, Freude, Vertrauen, Zuversicht. Wie hatte die verstorbene Demoskopin Noelle-Neumann einst gesagt: "Kassandra wählt man nicht." Frau Kraft hat das begriffen, Herr Rüttgers sicher nicht so richtig. (1. April 2010)
Aber etwas fehlt ... Merken Sie es auch, was oder wer fehlt? Die aktive Frau von heute. Stattdessen vor allem Kinder und Jugendliche, ein junger Arbeitnehmer oder Handwerker, ein flotter Opa mit Enkelin, deren Schwester oder Freundin anscheinend die ist, die sich über ein NRW ohne Studiengebühren freuen soll. Wo ist die Mutter, womöglich alleinerziehend? Wo ist die ältere ledige Schwester, die in NRW Karriere macht, wo die tatkräftige Oma, die den Opa alt aussehen läßt? Ist die SPD in NRW bourgeois? Oder verstellt sie sich zur Wahl? Aber warum sollte sie? Die Antwort dürfte simpel sein: Wahrscheinlich sollte Frau Kraft keine anderen Frauen neben sich haben. Etwas feige. Und ein bißchen dumm leider auch. Sonst aber klasse Plakate. Nach den Regeln der Kunst.
Königshaus gewählt. Als ich diese Überschrift heute in der Zeitung sah, durchzuckte es mich als Staatsbürger des Königreichs der Niederlande natürlich sofort: „Königshaus gewählt“! Aber falscher Alarm. Es handelt sich um den FDP-Abgeordneten Hellmut Königshaus, der zum Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages gewählt wurde. Davon abgesehen: Das niederländische Königshaus würde auch gewählt werden. Klar. (26. März 2010)
Demoskomische Dummfragen. Elisabeth Noelle-Neumann ist tot. Sie hat die Meinungsforschung in der Bundesrepublik etabliert und lange geprägt; sie wurde berühmt, so berühmt, daß der auch große Kabarettist Wolfgang Neuss einmal kalauerte: „Was sind Sie denn nun? Noelle oder Neumann?“ Noelle war einst ins Dritte Reich verstrickt, schrieb z. B. in der Wochenzeitung „Das Reich“ – Herausgeber Joseph Goebbels. Das brachte einen anderen prominenten deutschen Meinungsforscher zu der gekonnt bissigen Invektive: „Noelle-Neumann ist tatsächlich die Erfinderin der Demoskopie in Deutschland. Demoskopie ist ja nur ein anderes Wort für 'Völkischer Beobachter'.“ Böse! Und brillant. (26. März 2010)
Jaulen. Daß wir uns nicht mißverstehen: Der deutsche Schlager ist nicht per se doof. Es gibt sehr witzige, sehr schlaue, sehr schöne. Aber was soll man denn sagen, wenn man jetzt ständig dudeln hört: "Wie ein Dobermann kamst du wieder an ..." Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. (25. März 2010)
Ausnehmezustand. In den Nachrichten ist zu hören: "Bei den morgen beginnenden Warnstreiks im Öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft ver.di die Winterdienste ausnehmen." Wahrscheinlich nicht nur die Winterdienste. (2. Februar 2010)
Ordnungswerk. Wie preist der amtliche Deutsche im Radio-Interview ein riesiges, ein phantastisches, ein noch nie dagewesenes Feuerwerk zur Feier des Ruhrreviers als „Kulturhauptstadt Europas“? So, wie man sich das hätte denken können (aber sich eigentlich - political correct - nicht mehr traut): „Es ist das größte Feuerwerk, das unser Ordnungsamt je genehmigt hat.“ (4. Januar 2010)
Der Letzte: Kürzlich kommentiert im Deutschlandfunk. Die Toten von Dresden. (Bitte links klicken)
Der Aufsehenerregende, auf vielfachen Wunsch: Kommentar "Zur Sache" in WDR 4 über Enkes Totenkult.
Der galante & charmante Kommentar "Zur Sache" in WDR 4: Eva Köhler: Nicht gewählt - und trotzdem im Amt.
z.B. eins der allzeitschönsten & wahrsten Bilder aus dem Netz!
Nicht nur zur Weihnachtszeit ... Hier! Neu: Die Maigret-Gesamtausgabe bei Diogenes. Tolle Sache. Und noch toller: mit einem verlegerischen Blackout, der nach Knast schreit!
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Endlich!!! »Perry Mason« auf DVD.
Die Paramount hat den langanhaltenden Klagerufen endlich nachgegeben und im Februar 2009 die erste DVD der epochalen Krimi-/Gerichtsserie um den Hollywood-Anwalt Perry Mason herausgegeben: 19 von insgesamt 271 TV-Folgen, original ausgestrahlt von CBS in den Jahren 1957-1965.
Die Serie ist legendär, ist die Mutter aller Serien mit ermittelnden Anwälten und den raffinierten Showdowns vor Gericht, also Aufklärung und Rechtsfindung in einem. Das heißt, es ist clever gemachte, vertrackt spannende Unterhaltung in angenehmer Länge (weniger als eine Stunde), zugleich auch die moralisch stärkende Lösung allfälliger menschlicher Konflikte.
Die ganze Serie von höchst professioneller amerikanischer Spitzenklasse, großartiges Ensemble, durchweg hervorragend und sogar in Nebenrollen oft prominent besetzt. Die zweite deutsche (und erste Gesamt-)Synchronisation des überragenden Perry-Mason-Sprechers Engelbert von Nordhausen (um deren Ausstrahlung sich "kabeleins" seit Jahren verdient macht) ist kongenial. Urteil: Alle sehenswert! Kein Makel? Doch: Ausstattung durch Paramount ärmlich und frech: Nämlich keine. Kein Hintergrund, keine Informationen, keine Daten, keine Credits, kein Booklet, kein Bonus - nichts. Um nicht zu sagen: Gar nichts. Trotzdem unbedingt kaufen. Nachtrag Mai 2010: 2 Seasons sind komplett erschienen. Wunderbar.
Hast du Töne!? Ja: zum Beispiel ROMEO.
Nacht (und kein Gefühl)? Doch. Viel. Auf den wunderbaren neuen deutschen Wellen Anfang der 1980er Jahre kam auch dieser Sänger namens Romeo an den Strand unter dem Pflaster. Mit einer Stimme so rauh wie der Wind über den Wogen, mit ganz eigentümlichen Liebesliedern, so süß und salzig wie alle Wasser der Erde. Mit einer wissenden Trauer ob der immer möglichen Vergeblichkeit auch der ganz großen Liebe, um die man so viele Tränen weint, daß sie ein Ozean für sich sind. Und mit einer Ahnung von Unendlichkeit hinter dem Horizont aller Meere und Nächte. Großartig. Aber nie wieder hat man von Romeo gehört. Verschollen. Ertrunken? Hoffentlich im Glück. Und, Romeo, wenn Du dies hier liest: Komm zurück, komm bald wieder! P.S.: Mein Aufruf wurde erhört! Er hat gemailt: Romeo lebt! Ob seine Musik wieder auflebt? Und wann wird das Album endlich auf CD wiederveröffentlicht? Es wird jetzt höchste Zeit!
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Über den Autor Hubert Maessen (sprich: Maaßen).
Hubert Maessen, 1947 geboren in Düsseldorf als niederländischer Staatsbürger. Studium von Politologie, Soziologie und Philosophie in Marburg und Bochum.
Autor und Herausgeber etlicher Bücher zu Themen des Zeitgeschehens, zum Beispiel: "Was wollen die Schüler?" (1969), "Was wollen die Lehrlinge" (1971), "Kriegsdienstverweigerer" (1971) – diese und noch mehr Publikationen bei "Fischer Taschenbücher" zusammen mit Hans-Jürgen Haug (Haug/Maessen!) Weitere Publikationen u.a.: "Der Sprayer von Zürich: Kölner Totentanz" (1982); "Harry Walter: 60, Die Biographie des Vaters der politischen Werbung in Deutschland" (1989); "... und dann kommst du nach Hause – Leben und Wohnen im Revier" (1995); "Platz, Hirsch! – Die verborgenen Befehle unserer Sprache" (2001 mit Jakob Moeller); "Das Rad immer wieder neu erfinden" (2006).
Seit 1967 ständiger Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Autor zahlreicher Beiträge der WDR-Reihe "ZeitZeichen", vieler Features und von TV-Dokus. Moderator in Sendungen zum Zeitgeschehen, Kommentare und Glossen in Programmen des WDR, gelegentlich auch im DLF und auf anderen Wellen der ARD.
Vor allem in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Exkursionen in kommerzielle Werbung (Autoradios! Schokolade! Gelbe Zettel! Mode! Corporate Identities! Tapeten! Medikamente! Solingen! Zigaretten!) und in die Politik mit Kampagnenberatung, zum Beispiel für Bundeskanzler Helmut Schmidt im Wahlkampf 1976, für Johannes Rau und andere, auch im sogenannten Ausland.
Private Geheimnisse: Seit 1992 Ehrenbürger von Little Rock, Arkansas, 1999 in Las Vegas, Nevada, von Pastor Eugene Buddy Yates getraut mit Hulda M. und dadurch auch gesegnet mit 12 bunt gemischten Stiefkindern nebst bis zu dito 9 (Stief-)Hunden, 4 Katzen, 3 Stiefenkeln und 5 Wellensittichen. (GS/PJM)
Was die alles wissen! (oder auch nicht ...)
Rätsel! Wer hat das gesagt?: "Weder aus Frankreich, noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen diese Gesellschaften nicht. Dann entartet die Gesellschaft …" (12.9.1992, Frankfurter Rundschau) Kleine Hilfe: Kardinal Meisner war es nicht!
Nachrichten laufend aktuell!
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