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Stand der Dinge: 22. Januar 2012

Die wollen nicht nur spielen!
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Graphiti ...

Schöne Aussichten fürs Bellevue.
Die "Rheinische Post" meldet zur möglichen Nachfolge des Bundespräsidenten Christian Wulff: "In CDU-Kreisen wird der Name von Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sowie des früheren Uno-Umweltchefs Klaus Töpfer (72) genannt."
Das ist ja furchtbar. Da kann man Wulff nur herzlich bitten, im Amt zu bleiben.
(7. Januar 2012)

Staatsware.
Eine gute Nachricht: Der Staat will die "Trojaner" zur Computer-Überwachung zuünftig nicht mehr von Dienstleistern fabrizieren lassen, sondern in eigener Regie, sozusagen hoheitlich, erstellen.
Eine gute Nachricht, weil man dann sicher sein kann, daß die Überwachung garantiert nicht funktioniert.
(21. Oktober 2011)

Umsonst.
Wieder hat ein einziger Satz genügt, um den unmündigen deutschen Bürger und sein soziales Verschwendungssystem vorzuführen. Im Fernseh-Morgenmagazin geht es ums Service-Thema "Grauer Star". Eine Zuschauerfrage an den Experten: "Was kostet denn eine Operation?" - Antwort: "Das zahlt die Kasse."
(11. Oktober 2011)

Cherchez la France.
Drei Experten ("die Troika") sollen in Griechenland prüfen, ob die Sparmaßnahmen dort so beschaffen sind, daß eine Stütztranche von 8 Milliarden Euro ausgezahlt werden kann, ohne die das Land auch amtlich bankrott wäre.
Ich habe Wetten laufen, daß die Troika die Zahlung freigeben wird. Warum? Weil sie den politischen Auftrag dazu hat; die Prüfung ist bloß Show, politischer Betrug wie so vieles Europäische. Denn: Noch darf Griechenland nicht pleite gehen! Erst wenn für die französischen Banken gesorgt ist.
(5. Oktober 2011)

Skandal um Benedikt.
Warum? Der Papst will partout nicht evangelisch werden.
Welch ein Starrsinn! Sogar beim Deutschlandbesuch!
(25. September 2011)

Avanti Dilettanti!
Der bei den Berliner Wahlen überraschend erfolgreichen Piraten-Partei wird vorgeworfen, von politischen Fakten und Problemen keine Ahnung zu haben. Musterbeispiel ist die Antwort eines Führungsmannes auf die Frage nach den Schulden Berlins: er wisse es nicht genau, aber ein paar Millionen dürften es schon sein. Großes hämisches Trara der Etablierten: Es sind nämlich zig Milliarden - hahahaha!
Dazu ist zu sagen: Da die Altpolitik inzwischen mit Milliarden um sich wirft, als seien es ein paar Millionen, ist die Antwort des Piraten passend - „richtig“ könnte man auch sagen. Und wie steht es denn um Kompetenz und Kenntnis der Politiker, die das Schuldendesaster über Jahre angerichtet haben? Wussten die, was sie taten? Das wollen wir doch nicht hoffen, denn es ist doch besser, ein unschuldiger Dilettant zu sein als ein fähiger Verbrecher.
(20. September 2011)

Unterwegens.
Als vor Jahrzehnten im Süden Deutschlands ein Wetterberichter namens Kachelmann im Radio aufkreuzte, da wurde aufgehorcht. Der sprach anders als die im Beamtenstatus befindlichen Kollegen, die öffentlich-rechtlich das amtliche Wetter vorherzusagen versuchten. Kachelmann macht Karriere, aus dem Mann wurde ein Unternehmen, das am Ende krakenhaft & vertraglich die gesamte ARD einfing.
Und das ist der Punkt, an dem Kachelmanns Wettermasche zur Pest wird, verbreitet von seinen angestellten Jüngern. Die Sprache ist jetzt so verhärtet und langweilig wie die der Vorgänger einst war. Die ehedem witzigen Formulierungen sind eingerostet und verkrampft: Der "Mix aus Wolken und Sonne". "Es scheint neben Wolken auch die Sonne". Der "Wind ist unterwegs". "Nur wenige Wolken sind unterwegs". "Die Warmfront war deutlich schneller unterwegs".
Die Kachelmann-Sprache hat schon Metastasen gebildet. Heute Morgen hörte ich im Radio einen Moderator sagen, der Rauch eines Feuers sei nun nicht mehr "unterwegs". Aber die Pest dieses Dämlich-Sprechs, die ist unterwegs. Hoffentlich zur Hölle.
(18. September 2011)

Prantl im Pech.
Der Kollege Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung mag ja als jetzt schon sehr lange ehemaliger Amtsrichter & Staatsanwalt Ahnung von Politik haben, von Grimms Märchen aber leider nicht.
Er schreibt heute in einem Kommentar zur Kritik an Guido Westerwelle: „Westerwelle ist gewiss kein guter Außenminister; aber so schlecht, wie geschrieben wird, ist er auch wieder nicht. Er ist aber ein Minister ohne Fortune; und Freund und Feind tun sich an seinem Missgeschick gütlich. Im Kabinett Merkel spielt er die Rolle, die im Märchen von der Frau Holle die Pechmarie hat. Wer das Märchen kennt, weiß: Sie wurde von Frau Holle entlassen. So leicht wie im Märchen geht das in der Politik nicht."
Wer das Märchen kennt, der weiß, daß die Pechmarie kein Pech hatte, sondern für ihre frech-böse Faulheit von Frau Holle bestraft wurde. Statt mit Gold wurde sie mit Pech überschüttet, sie wurde also geteert.
Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu – dieser geniale Fußballer-Spruch trifft hier nicht. Nur bei Prantl: Der hat beim Märchenerzählen Pech gehabt.
(29. August 2011)

Autodafés.
In Berlin werden allnächtlich parkende PKW in Brand gesetzt. Angefangen hat das als Klassenkrampf gegen teure Karossen. Inzwischen brennen Automobile aller Preisklassen. Auch von links werden diese Autodafés kritisiert und abgelehnt. Und zwar so, wie das der grüne Berliner Abgeordnete Ströbele heute im Deutschlandfunk musterhaft vormacht: "Ich weiß nicht, was daran politisch sein soll, wenn man da einen alten Audi eines Bürgers in Charlottenburg anzündet." Heißt im Klartext: Ein neuer Porsche (Mercedes, BMW), ja, das wäre was anderes.
(18. August 2011)

Johann Wolfgang von Maessen!
Auf der Homepage der F.A.Z. gibt es neuerdings einen Test: "Ich schreibe wie ...". Man fügt einen Text in ein leeres Feld ein, klickt, und dann analysiert die dahinter verborgene Software den Text und vergleicht ihn mit Analysen anderer Texte.
Bei mir kommt fast immer heraus, daß ich wie Peter Handke schreibe; aber auch Johann Wolfgang von Goethe war mir ähnlich. Denn das sagt das Programm unterm Strich ja auch: Peter Handke und Goethe schreiben wie ich. Rechtlich werde ich dagegen nicht vorgehen.
(17. August 2011)

Sweet Sixteen
Wegen einer Liebesgeschichte ist der Vorsitzende der CDU Schleswig-Holsteins zurückgetreten. Der Vierzigjährige hatte 2010 mit einem Mädchen von 16 Jahren (Chuck Berry: "Sweet Little Sixteen") angebändelt. Als sich abzeichnete, daß er Ministerpräsidenten werden könnte, hat er das Verhältnis, das er immer noch "Liebe" nennt, beendet.
Jetzt ist die Sache durchgestochen worden. Die Nord-CDU ist moralisch empört, vermutlich weil ihr 16 nahe am Sex mit Kindern scheint. Aber daran ist weltweit und sogar in Schleswig-Holstein nichts Ungesetzliches - und, wenn es eine beidseitige Liebe ist, auch nichts Verwerfliches.
Verwerflich aber ist, daß der Mann die Liebe der Karriere geopfert hatte und das Mädchen mit diesem Tort sitzen ließ. Das allerdings ist wirklich ein Rücktrittsgrund. Falls Charakter noch zur politischen Qualifikation gehören sollte.
(15. August 2011)

Erregerin.
Im TV-Morgenmagazin der ARD berichtet eine junge Reporterin aus Bayern und hebt so an: "Der Ehec-Erreger ist in aller Munde." Um Himmelswillen - das wollen wir doch nicht hoffen!
(6. Juni 2011)

Atomstromer.
Es ist soweit: Deutschland beendet binnen eines Jahrzehnts das Atomzeitalter. Das hat die Regierung beschlossen, und niemand ist dagegen. Beschlossen hat man allerdings nicht den Ausstieg aus dem Import von Atomstrom. Schöne Helden, die Deutschen.
(30. Mai 2011)


Stéphane Hessel - WikiCommons 2010„Widerstand ist kreativ“ – das sagt Stéphane Hessel, der mit 93 Jahren einen internationalen Bestseller veröffentlicht hat. Sein Buch „Empört Euch!“ ist eine Streitschrift gegen den Finanzkapitalismus und für die Menschenrechte. Im Tischgespräch mit Claudia Dammann erzählt Stéphane Hessel über sein beeindruckendes Leben: Er hat in der Résistance gegen die Nazis gekämpft und mehrere Konzentrations-Lager überlebt. Nach dem Krieg arbeitete der Deutsch-Franzose als Diplomat im Auftrag Frankreichs an der UN-Menschenrechts-Erklärung mit. Hessel spricht zudem über die ungewöhnliche Beziehung seiner Eltern, die die Vorlage für Truffauts berühmten Film „Jules und Jim“ waren. Der charismatische „Ambassadeur de France“ begeistert auch junge Leute durch seine Bereitschaft, sich trotz seines hohen Alters in Politik und Gesellschaft einzumischen. Stéphane Hessel will mit seinem Optimismus anstecken. Sein neues Buch heißt entsprechend: „Engagiert Euch!“. Inzwischen ist Hessel zum geistigen Mentor von Tausenden von "empörten Bürgern" geworden, die in Madrid, Athen und anderen europäischen Städten auf die Strasse gehen.

Hier klicken &n hören!Aufstehen! Aber früh! 6.05 am Sonntag, 14. August 2011!
Das höchst interessante und exklusive Tischgespräch von Claudia Dammann mit Stéphane Hessel konnten Sie im Radio am frühen Sonntagmorgen hören. 
Da dämmert einem so manches, nicht nur der Tag.
Hören können Sie es auch als Konserve und jederzeit durch Klick am PC, nämlich auf das Logo von WDR 5 hier oben links.

Hier Homepage Tischgespräch!Auf die Homepage des Tischgesprächs kommen Sie hier.
Diesmal mit einem Klick rechts - öffentlich rechtlich ausgewogen.

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Klick! Hier geht's zu den Bücher-Ego-Tippps!Der neue Ego-Tippp!
Wer jetzt Geschenke sucht (oder mal was anderes), der findet in meiner Bücherliste Anregungen durch begründete Empfehlungen. Von A wie Arno Schmidt bis Z wie Zino Davidoff. (Einfach links aufs Buch klicken!) Jetzt u.a. neu auf der Liste: »Trespass. Die Geschichte der urbanen Kunst«. »Trespass« ist das erste Buch, das die ganze historische Tragweite, globale Dimension und technische Entwicklung der Straßenkunst präsentiert. Es enthält Dutzende bisher unveröffentlichter Fotografien von lange verlorenen, legendären urbanen Kunstwerken, die Hauptwerke von 150 Künstlern – vier Generationen visionärer Outlaws wie Jean Tinguely, Keith Haring, Jenny Holzer, Barry McGee, Gordon Matta-Clark, Shepard Fairey, Blu, Billbord Liberation Front, Guerilla Girls und Banksy. Mit dabei natürlich der "Sprayer von Zürich" (Harald Naegeli) mit seinem "Kölner Totentanz", für die Nachwelt fotografisch eindrucksvoll lebendig festgehalten von Hubert Maessen. Ja, genau, von mir.

That's Entertainment!
Man muß die Musik vom "European Song Contest" nicht mögen, Lena darf einem herzlich egal sein und Aserbaidschan samt Stefan Raab auch. Aber wer nicht gesehen hat, daß die Inszenierung dieses Events 2011 in der Düsseldorfer Halle und auf den TV- Bildschirmen eine Show der absoluten Weltklasse war, der kann einem leidtun.
Das war nicht auf der Höhe der Zeit, das war schon meilenweit darüber. Die Videoeffekte, die Lichtspiele, die Bilder, die Kamerafahrten, die Schnitte, Design, Ausstattung und Bühnenarchitektur, die digitale Kunst waren von einer atemberaubenden Perfektion, Ton und seine Mischung makellos, die Dramaturgie auch - geniales Entertainment. Und das alles live - man konnte es kaum glauben. Dagegen ist die Oscarverleihung in Hollywood eine ganz müde, provinzielle Ü-40-Party. Und wenn man an die Video-Kunst im Museum denkt ("Nam June Paik" etc.), kann man bloß noch Mitleid empfinden.
Also großartig, auch wenn Aserbaidschan gewonnen hat, und nicht die irischen Zwillinge mit der Quastenfrisur oder die blonde Röhre Kati Hoff aus Ungarn. Ein Glück, das gegen das eigene Vorurteil gesehen zu haben.
(14. Mai 2011)

Unterirdisch oberflächlich ...
... heute morgen die "Tagesschau" zum spanischen Erdbeben: "Das Epizentrum lag in 1000 Meter Tiefe." Erschütternder Blödsinn: Epizentrum ist die Projektion des Erdbebenzentrums ("Hypozentrum") auf die Erdoberfläche/Landkarte. Das Epizentrum lag also bei der Stadt Lorca, das Hypozentrum in 1000 m Tiefe. Aber allerdings: Ein Fehler, der sich immer und ewig quer durch Presse, Radio und Fernsehen zieht. Egal? Die deutlich zunehmende Schlampigkeit des Nachrichtenwesens durchaus nicht.
(12. Mai 2011)

Schöner Fischzug.
Die folgende Blüte ist zwar schon etwas älter, darf aber keinesfalls der Vergessenheit anheimfallen; sie stammt aus der stramm ökologisch redigierten Zeitschrift "Natur + Kosmos" (7/2006):
"Fische haben erst in den letzten Jahren die Teller der Deutschen erobert."
So kann man es natürlich auch sehen.
(25. Februar 2011)

Feldpost nach Bayreuth.
Die Verteidiger des sogenannten Dr. Guttenberg argumentieren, der Promotionspfusch habe mit dem Ministeramt gar nichts zu tun, das müsse man auseinanderhalten. Warum schreibt dann der Minister seine Promotionskündigung auf dem amtlichen Briefpapier des Verteidigungsministeriums? Da ist doch Hopfen und Malz verloren, der Mann ist nicht zu retten. Auch nicht von der Kanzlerin.
(23. Februar 2011)

Privatsache Promotion?!

Brief nach Bayreuth* auf dem Briefpapier des Ministers!

Ist das denn Feldpost?
Ist das auf Steuerzahlers Kosten getippt und frankiert und zur Post gegeben worden?

Oder ist das (siehe Handschrift) die Fälschung eines Quintaners, nachdem ja Konrad Kujau nachweislich tot ist?

Falls aber der Minister zu Guttenberg den Brief selber geschrieben und unterschrieben habe sollte, hätte er jetzt auch noch sozusagen amtlich gelogen. Denn natürlich hat er mit seiner Dissertation vorsätzlich oder absichtlich getäuscht. Das beweist seine Promotionscollage ohne jeden Zweifel.

Rücktritt? Ja, jetzt müßte es soweit sein.

* Faksimile-Quelle: Rheinische Post, 23.2.2011

(23. Februar 2011, 11.15 Uhr)

Die Guttenberg-Galaxis: Eine Fortsetzungsgeschichte.
Erste (6) Kapitel vom 22.2.2011. Kapitel 7 vom 23.2.2011. Kapitel 8 vom 28.2.2011.
Geht schon bald weiter. Weil Guttenberg mit Macht gefährlich ist. 
Der irrte, der ihn bloß für beschränkt gegelt und eitel dumm halten sollte. Nächste Kapitel: Demagogie. Schleimen.

Die Guttenberg-Galaxis: Antidemokratische Attitüde.
Guttenberg hat wohl auch nicht verstanden, was demokratische Öffentlichkeit bedeutet und was ihr ein Minister (ein Angestellter!) schuldig ist.
Die erste persönliche Stellungnahme zum anschwellenden Nachweis seiner Pfuscharbeit gibt er nicht vor der versammelten Bundespressekonferenz ab, sondern in seinem Ministerium vor ein paar Journalisten und Kameraleuten, die dort Wache geschoben haben. Sein Pressesprecher erklärt der empörten Bundespressekonferenz mit Leichenbittermiene, der Minister äußere sich gerade vor „einigen ausgewählten Medienvertretern“. Der Minister wählt sich seine Journalisten aus!
Er äußert sich, nachdem er über seine Doktorarbeit und seine Maßstäbe schneidig gelogen hat, unter anderem so: „Jede weitere Kommunikation über dieses Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen.“ Das heißt: Er sucht Öffentlichkeit nur zur Entgegennahme seiner Statements, lässt keine Fragen zu, verweigert Kommunikation mit der Öffentlichkeit und tut auch so, als ob er verhindern könne, dass der Bundestag, die Volksvertretung ihn zur Kommunikation zwingt – was später natürlich trotzdem geschah, und zwar in denkwürdiger Manier.
Der Minister kippt sein vorlautes Schweigegebot genauso schnell wie alle anderen markigen Behauptungen zum Doktorspiel, die er in fortgesetztem Betrug absondert. Im hessischen Städtchen Kelkheim kommuniziert er wenige Tage später nun doch nicht nur mit der betrogenen Bayreuther Uni, sondern mit den Besuchern einer CDU-Wahlveranstaltung:
„Und ich mache das mit großer Freude und von Herzen gerne vor Ihnen heute Abend - und nicht alleine vor der Hauptstadtpresse in Berlin. Sondern bewusst und gerne vor Ihnen, weil dieser Bezugspunkt, glaube ich, einer ist, der deutlich macht, dass uns die Öffentlichkeit als Öffentlichkeit wichtig ist. Und dass Sie erfahren können aus erstem Munde, was mir am Herzen liegt und in meinen Augen mitteilenswert ist und Sie nicht erst wieder durch Kommentierung letztlich erreicht.“
Die „Hauptstadtpresse“, die Pressekommentierung wird verhöhnt, in Gegensatz gesetzt zu „Ihnen heute Abend“.
Und er greift die Presse an mit toten und verwundeten Soldaten; sie sollen einen Betrüger schützen, ihm das letzte Geleit geben: „Dass wir am vergangenen Freitag in der Bundesrepublik, wenn man den Fernseher eingeschaltet hatte oder wenn man sich am nächsten Tag die gesamte Medienlandschaft in diesem Land angesehen hat, den Hauptaugenmerk mit Sondersendungen und allem Pipapo auf die gegebenen oder nicht gegebenen Fußnoten in einer ministeriellen Doktorarbeit gelegt haben und gleichzeitig der Umstand, dass in Afghanistan drei Soldaten gefallen sind und zehn Soldaten mitunter schwer verwundet worden sind und immer noch zwei mit dem Leben ringen, dieser Umstand zur Randnotiz verkommen ist, ist in meinen Augen kein wirkliches Beispiel für exzellenten Journalismus."
„Systempresse“ hat die leibhaftige Exzellenz nicht gesagt; aber auch so ist es ja zum  Speien vollauf genug.
(28. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Betrug.
Glasklar, daß der Doktorand Guttenberg seine Dissertation mit dem Vorsatz des Betrugs verfaßt hat – falls er sie überhaupt selber verfaßt hat. Man kann an vielen der schier unzähligen Plagiatstellen sehen, wie ganz bewußt getäuscht wurde. Kleine Änderungen im fremden Text, eindeutig zur Täuschung gesetzte Fußnoten. Das sind keine Fehler, die einem aus Versehen und ohne Absicht unterlaufen können.
(22. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Blendung.
Der Dr. Guttenberg hat auf seiner Homepage seinen Lebenslauf primitiv geschönt, wie die FAZ-Journalisten Lohse und Wehner aufgedeckt haben. Guttenberg führt auf seiner Homepage "Berufliche Stationen in Frankfurt und New York" an. Tatsächlich waren das lediglich Praktika. Dito beim Bio-Eintrag „Freier Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT (bis 2002)“; gleichfalls handelt es sich um ein Praktikum. Journalistischer Ertrag: Acht Beiträge, davon vier zusammen mit Kollegen. Auch hier: Ein stilloser Aufschneider, nicht im mindesten satisfaktionsfähig.
(22. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Denunziation.
Vor einem besinnungslos auf Verehrung getrimmten CDU-Saal haut Dr. Guttenberg seine Wissenschaft in die Pfanne. Er gibt Fehler zu, relativiert sie aber sofort, indem er die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Kriterien denunziert: „Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Codex, den man so ansetzt, nicht erfüllen.“ Codex, „den man so ansetzt“: Irgendwer, beiläufig, so lala; muß man nicht ernst nehmen, haben sich die Unis so ausgedacht, diese weltfremden Wissenschaftler. Was ist das bloß für eine Type! Tage vorher hat der Kerl sich noch in wissenschaftlichem Glanz gesonnt. Wie sagte 007 in „Goldfinger“? „Widerlich, einfach widerlich.“
(22. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Diebstahl.
Oder ist es etwa kein Diebstahl, Texte und Gedanken zu klauen und sie als eigene auszugeben, zumal in einer Dissertation, die landläufig dem Gewinn von Reputation und höheren Einkommens dient? Freibeuter zu Guttenberg hat nachweislich in erheblichem Maße bei anderen Autoren gestohlen, und zwar nicht aus Versehen, sondern mit Energie („mühevollste Kleinarbeit in sieben Jahren“!). Auch geistiger Diebstahl ist Diebstahl.
(22. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Lüge.
Der Doktorand Guttenberg hat nachweislich gelogen, als er seine Dissertation zur Prüfung vorlegte und ehrenwörtlich erklärte, „daß er die Dissertation selbständig verfaßt und keine anderen als die von ihm angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat“.
Der Doktor Guttenberg hat nachweislich gelogen, als er beim Auffliegen des Schwindels erklärte, „der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“ Wir wissen: Er war und ist nicht abstrus; und Guttenberg mußte das auch wissen.
Der Freiherr zu Guttenberg hat nachweislich gelogen, als er vor einem ausgewählten Kreis von Medienvertretern am 18.2.2011 erklärte: „Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir.“ „Es wurde (...) zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.“ Doch, genau das hat der Verfasser getan, und wenn Guttenberg der Verfasser war (wie er steif und fest behauptet), dann hat er es getan und darüber fortgesetzt gelogen.
Der Minister Guttenberg hat gelogen, als er am 21.2.2011 öffentlich in Kelkheim erklärte: „Ich habe nicht absichtlich getäuscht.“ Doch. Anders kann es nicht gewesen sein, das zeigt das Machwerk des freibeuterischen Freiherrn klipp und klar. Also ist auch klar: Guttenberg lügt in der Sache bis zu diesem Augenblick: 23.2.2011, 10.45 Uhr.
(23. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Verarsche.
Am Montagabend, 21.2.2011, stellt sich Dr. Guttenberg im hessischen Kelkheim vor eine verehrunsgwütige CDU-Parteiversammlung und tut das, was ihm die Bild-Zeitung schon vor Tagen wörtlich geraten hatte: er scheißt auf den Doktor. Er gibt ihn zurück, auch wenn er das in Wahrheit gar nicht kann. Die Universität Bayreuth muß ihm den Titel aberkennen und das wird sie auch tun; nach all den Beweisen für dreisten Betrug kann sie nicht anders, CSU hin, CSU her. Dann wird Guttenberg sagen: Ja, aber damit hat sie doch nur getan, was ich selber schon gefordert habe. Der scheinheilige Saubermann.
(22. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Verarsche. Nachtrag.
Hier habe ich mich geirrt: "Die Universität Bayreuth muß ihm den Titel aberkennen und das wird sie auch tun; nach all den Beweisen für dreisten Betrug kann sie nicht anders, CSU hin, CSU her. Dann wird Guttenberg sagen: Ja, aber damit hat sie doch nur getan, was ich selber schon gefordert habe. Der scheinheilige Saubermann."
Zwar hat die Universität Bayreuth den Herrn zu Guttenberg tatsächlich und schneller als gedacht entdoktert und ausgestoßen, aber nicht Guttenberg hat die von mir vorhergesagte dreiste Reaktion geliefert, sondern sein Schutzengel, die mittlerweile anscheinend auch von allen guten Geistern verlassene Kanzlerin Merkel, zitiert nach faz.net: "Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Aberkennen des Doktortitels als richtig und logisch. Die Universität Bayreuth folge mit dieser Entscheidung der Einschätzung des Ministers, sagte Merkel am Mittwochabend in Freiburg bei einer Veranstaltung der Stiftung Ordnungspolitik. „Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat. Sie macht daher Sinn.“ Das Votum zeige, dass zu Guttenberg mit seiner Selbsteinschätzung richtig liege. Der Minister sei durch die Uni-Entscheidung daher in seinem Amt nicht geschwächt." Absurd. Eine Schande, wie die Kanzlerin sich zum  (Nach)Affen machen läßt.
(25. Februar 2011)

Die Guttenberg-Galaxis: Verrat.
Abstoßend wie der Dr. Guttenberg seinen alten Doktorvater verrät und der Lächerlichkeit preisgibt. Dr. G. gesteht vor einem johlenden Publikum: Fehler habe er gemacht, Peinliches geschrieben und Blödsinn, ohne Absicht. Jetzt erst, bei erneuter Lektüre seiner Dissertation, habe er selber das bemerkt. Ungesagt in Klammern steht dabei: Davon haben der Doktorvater und die Prüfer nichts gemerkt, ja, die Deppen haben den peinlichen Blödsinn auch noch mit der höchsten Auszeichnung "summa cum laude" bedacht!
(22. Februar 2011)

Nicht im Bild.
Was ist denn bloß mit unserer innig geliebten Bild-Zeitung los?! Sie ist anscheinend nicht in Form. Früher gab es so tolle Schlagzeilen wie: „Deutschlands frechster Arbeitsloser“, „Deutschlands faulster Politiker“, „Deutschlands dümmster Banker“ usw. Wo bleibt denn „Deutschlands verlogenster Minister“? Das wäre doch auch mal schön.
(21. Februar 2011)

Zerpartnert.
Gestern wieder mehrere Male das Wort "Lebenspartner" gehört. "Mein Lebenspartner"! Schon die Verhinderung dieser verdrucksten Gräßlichkeit ist ein guter Grund zu heiraten.
(10. Februar 2011)

Echt Stonesdorfer.
Der "Internationale Frühschoppen" des 1. Deutschen Fernsehens wird heute von Tina Hassel geleitet, die auf diversen Sendeplätzen immer wieder mit Glanztaten umhaut. Diesmal fragt sie in der Diskussion um Ägypten: "Und die jungen Israelis, wie verfolgen die denn das, was im Moment ihre jungen Altersgenossen einen Steinwurf entfernt in Ägypten eigentlich auf die Beine stellen im Moment?" Steinwurf! Weiß Gott, da muß man erstmal draufkommen.
(6. Februar 2011)

Pyramidal.
Toll! Nach den Neun-Uhr-Nachrichten mit den neuesten Meldungen vom Aufstand in Ägypten greift der Redakteur einer populären Radio-Welle im Westen traumwandlerisch  sicher zur passenden Pop-Musik: "Walk Like An Egyptian" von den Bangles. Umschalten aufs Dritte Programm? Aber da läuft wahrscheinlich schon Aida ...
(30. Januar 2011)

Aufs Auge.
Auch nach dem Bericht über ein schweres Zugunglück bei Magdeburg mit vielen Toten beweist die oben erwähnte Redaktion ein sicheres Händchen und läßt Snow Patrol singen: "Shut your eyes". Nur: was ist mit den Ohren?
(30. Januar 2011)

Finster.
Heute partielle Sonnenfinsternis. Dafür guckt der moderne Mensch nicht aus dem Fenster und nicht in den Himmel. Sondern gleich auf den Bildschirm.
(4. Januar 2011)

Bunter Graumann.
Der neue Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat sich höchst vergnüglich, weil schlau und witzig, eingeführt. Er räsonnierte z.B. darüber, ob es gut und richtig sei, daß sein Verein stets und ständig als Mahner, Ermahner auf den Plan tritt. Wörtlich: „Dieser jüdische Mahnsinn“. Herrlich. Weiter so.
(28. November 2010)

Claudia Roth zieht sich aus
Das konnte man letzte Nacht im Bildschirmtext des ZDF lesen. Erst auf den zweiten Blick kam dann die nächste Zeile: der Olympiabewerbung zurück.
Nachdem die ZDF-Texter weniger Rechtschreibfehler machen, haben sie sich jetzt wohl auf Späßchen verlegt. Das ist ja auch besser.
(22. November 2010)

Due Espressis!
Im deutschen Kulturradio hat man hörbare Schwierigkeiten zum Beispiel mit der Sprachkultur. Heute morgen: "Das war eine Komposition für zwei Cellis." Gibt es bei dieser Welle keine Lexikas?
(22. November 2010)

Sitzpinkeln auf dem Pissoir.
Auf derselben Berliner Welle, fünf Minuten später: Eine Dame erzählt über Kunst und spricht auch von Marcel Duchamps, der eine Kloschüssel zu Kunst gemacht habe. Vielleicht kann diese Dame, die sich viel im feministischen Gender-Gedöns bewegt, das nicht so wissen: Es war ein Pissoir (deutsch: Urinal), und das ist doch vor allem auch für die Sitzpinkler-Fraktion was ziemlich anderes.
(22. November 2010)

P.S.
Es könnte aber natürlich auch sein, daß Marcel Duchamps’ Kunststück gendermäßig geklittert werden soll – nichts ist unmöglich im Wunderland von Alice.
(22. November 2010)

Die allermeisten Kultursendungen im deutschsprachigen Fernsehen werden anscheinend von einer kleinen zurückgebliebenen Feuilleton-Sekte gemacht, die noch nicht bemerkt hat, daß auch der Kulturzeitgeist längst woanders ist. Die sogenannte Moderne sieht da ganz schön alt aus, Postmoderne inklusive. Beispiel: Da wird doch der Skandal um die von den Chinesen verhinderte Übergabe des Friedensnobelpreises tatsächlich so berichtet und kommentiert: "Im letzten Jahr konnte Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis in Oslo entgegennehmen, doch in diesem Jahr wird die Verleihung zur Farce werden." In diesem Jahr? Das war sie doch schon bei Obama. Und was für eine.
(19. November 2010)

Kiss me Kate.
"William heiratet Kate", "Prinz William heiratet Kate Middleton" – wie kommt es unisono zu solchen Schlagzeilen? Warum nicht: "Kate heiratet William"? (Ladies first!) Und: So ist das doch auch tatsächlich, die Frauen wählen, wem sie zusagen.
(17. November 2010)

Blow, Bill, blow!
Schlagzeile über einen Auftritt des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in einer TV-Serie: "Bill Clinton spielt sich selbst". So what? Das hat er doch immer getan.
(16. November 2010)

Wurzelgemüse.
Auf dem Parteitag der CDU lobt die Vorsitzende Merkel den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, und zwar mit diesen denkwürdigen Worten:
"Danke dafür, daß Du die christlich-demokratische Wurzel immer hochgehalten hast." Verstehen Sie, was damit gemeint ist – botanisch, politisch (oder gar sexuell?)?
(15. November 2010)

Chicken-Girls.
Was die deutsche (alt-europäische) Fernsehkultur sich so zusammenübersetzt, das ist sagenhaft. Zwei Beispiele von gestern und heute: Keith Richard erzählt aus seinem Leben und daß die "chicks" so geschrien hätten, daß von der mühevoll erarbeiteten Musik der Stones gar nichts zu hören gewesen sei; für die waren wir "sex objects", sagt Richards im Original. Deutsch wird das wiedergegeben als "Sex-Symbole"! Was ist denn das für ein Eunuchen-Blödsinn? Noch doller: In einem Film über Las Vegas spricht der Casino-Tycoon Steve Wynn von "the dancing chicks"; übersetzt wird das: "die tanzenden Girls(!)". Oberirre! Was können diese Kulturredakteure sonst noch nicht?
(13. November 2010)

Dunkles Verhalten.
Die Entführung des Kindes Mirco ist ein schreckliches Verbrechen. Das bedeutet, die folgende Meldung der Bild-Zeitung ist tragikomisch:
"Über die Farbe des Autos herrscht noch Unklarheit. Das Problem: „Im Dunkeln erscheinen auch helle Fahrzeuge dunkel“, sagte ein Mitglied der Sonderkommission, die das Verhalten der Fahrzeuge zur Tatzeit am 3. September rekonstruierte."
(29. Oktober 2010)

Primat inter pares.
Interessante Schlagzeile gesehen: "Affe sprengt Vorlesung". "Affe hält Vorlesung" wäre natürlich nicht so interessant gewesen - das ist ja nichts Neues.
(26. Oktober 2010)

Schlichter Geißler.
Das lese ich heute als Überschrift zu einer Meldung über Stuttgart 21.
Und ich glaube: Da ist sogar was dran.
(25. Oktober 2010)

Trotzdem!
Aus meinem Archiv gedruckter Perlen. Der dpa-Autor hat das sicher nicht so gemeint, aber da der liebe Gott (mithilfe Sigmund Freuds) die Feder geführt hat, ist ihm ein hübsches gepflegtes Stück Wahrheit gelungen.
(23. Oktober 2010)

Reinhold Beckmann: Tor des Monats.
Der TV-Moderator Reinhold Beckmann erinnert in der Bild-Zeitung an die großartige, jetzt verstorbene Kanzlergattin Loki Schmidt und zitiert die letzte Strophe ihres Lieblingsliedes "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius:

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

Beckmann schließt daran an mit der blasphemischen Verirrung eines frommtuenden Schwätzers: "Gott wird Loki, da bin ich sicher, einer so aufrechten und engagierten Frau, diesen Wunsch erfüllen. Er kann gar nicht anders."
Gott kann nicht anders? Da Gott allmächtig ist, kann er ganz klar auch anders. Seine Wege sind unerforschlich wie doch der frömmelnde Schwadroneur wissen sollte - wenn der wirklich an Gott glaubt. Aber: Der Beckmann sollte besser bei der Bundesliga bleiben. Die ist für ihn unerforschlich genug. Und Bayern München kann auch anders.
(22. Oktober 2010)

Nachschuss.
Beckmann hätte den Matthias Claudius mal ganz lesen oder singen sollen. Dann wäre ihm mehr als bloß der Mond aufgegangen. In der vierten Strophe steht nämlich etwas über ihn und seinen gotteslästerlichen Nachruf (arme Loki Schmidt):

Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

(22. Oktober 2010)

Pudding à la Président.
Was hat der Bundespräsident eigentlich zu Deutschland und Islam gesagt? Da geht im Nachhinein vieles durcheinander. Deshalb hier das amtliche wörtliche Zitat aus der Rede zum 3. Oktober 2010: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“
Interessant, wie puddinghaft das konstruiert ist. Leicht durchschaut man das Hausmacher-Rezept und darf ob der geschmacksverirrten Primitivität von Absicht und Rhetorik peinlich berührt sein.
So wird’s gemacht: Man setze Christentum an die erste Stelle, verstärkt mit dem Zusatz „zweifelsfrei“. Gleich dahinter dann das Judentum, ebenfalls mit dem Geschmacksverstärker „zweifelsfrei“. Dann werden diese beiden Zutaten nochmal zusammengebunden: „Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte.“ Diese Emulsion bildet nun eine Barriere gegen den Rest, der jetzt noch reingerührt wird: Islam. Die Trennschärfe wird abgemildert durch das betonte „Aber“, durch das „auch“ und das allen drei „Religionstümern“ gemeinsame Element „gehört“. Offen, ungeklärt bleibt jedoch, ob der Islam damit auf dieselbe Stufe gehoben ist – oder eben nicht. Diese schwiemelige Unbestimmheit ist Absicht – gesagt und zugleich nicht gesagt. Das ist skandalös, das ist eines Bundespräsidenten unwürdig. Aber, so muß man sich nach 100 Amtstagen fragen: Ist Christian Wulff das nicht vielleicht auch? Eine Fehlbesetzung von Merkels Gnaden?
P.S.: Der Islam gehört nicht in gleicher Weise zu Deutschland. Er gehört zweifelsfrei zu Deutschland und dem Rest der Welt wie Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Konfuzianimus, Bahai, Mormonen, Scientology. Sollte eine Religion fehlen, schreiben Sie bitte nicht mir, schreiben Sie an das Bundespräsidialamt, 11010 Berlin.
(12. Oktober 2010)

Hier kocht der Kellner.
Die Zeitschrift „Der Spiegel“ veröffentlicht Umfragezahlen für das Bundesland Baden-Württemberg. Danach haben die CDU 34 %, die Grünen 32 %, die SPD 19 %, die FDP 6 %, die Linkspartei 5 %.
Bemerkenswert ist die Umkehrung von Rotgrün zu Grünrot. In einer Koalition mit den Sozialdemokraten wären die Grünen führend und stellten den Regierungschef. Überraschend ist das nicht. Schon seit Jahren laufen die Sozialdemokraten den Grünen hinterher. Warum soll es dann bei Umfragen & Wahlen anders sein?
(11.10.2010)

Rettet dem Dativ!
Endlich auch in der FAZ.
Und sogar da, wo das hingehört: Im Feuilleton!
Während ich dieses ergötzlich belehrende Dokument (in stillem Gedenken an die Poor-Boy-Lords und ihr begnadetes „my mother learned me to say“) scanne und ins Internet stelle, höre ich einen Radio-Reporter, der vom „geborsteten“ Auffang-Becken der ungarischen Aluminium-Hütte berichtet.
Kurz zuvor hat ein Interviewer zum Gesprächspartner gesagt: „Ich freue mich, mit Ihnen zu sprechen, weil ich habe schon viel von Ihnen gelesen.“ Und in der Nacht hat eine Feature-Frau formuliert, daß „die Stadt seine Bedeutung“ dem und dem verdanke.
Ja, ewig jammerschade, daß Joachim Gauck nicht Präsident geworden ist. Dann hätte vielleicht mal jemand in allerbestem Deutsch davon gesprochen, daß Deutsch zu Deutschland gehört.
(7. Oktober 2010)

Deutschland 21: Platanenrepublik.
Oder etwa nicht?
(6. Oktober 2010)

Pfusch mit Bau.
Zum ersten Mal im Bild: Die taktischen Argumentationen von Grünen und Roten in Sachen "Stuttgart 21". Was von diesen politischen Dekonstruktivisten an irrwitziger Begriffsverwirrung angemischt wird, wie man da ideologischen Beton gießt, wie leichtfertig Fundamente der Demokratie und des Rechtsstaates unterminiert werden, das ist sagenhaft.
Wenn man Özdemir und Gysi hört, mit ihrer klar geplanten Laubsäge-Demagogie, dann kann man nur bangest daran denken, wie Weimar auch von einer solchen Linken einst  kaputtgemacht wurde. Falls jemand diesen politischen Pfusch am Bau für rechtsstaatlich runinös hielte, wie wollte man dem widersprechen?
(6. Oktober 2010)

Wurzelbehandlung.
Christlich-jüdische Wurzeln Deutschlands? Wer hat sich das bloß ausgedacht?
Leichter zu beantworten ist die Frage „Warum“. Das Konstrukt ist ja von tollkühner Schlichtheit. Man will eine deutsche Leitkultur definieren – in moralisch nicht angreifbarer Abgrenzung zum (gegen) den Islam.
Abendland, was zum orientalischen Islam gut paßte, wird vor dem Hintergrund allfälliger EU-Erweiterung als irgendwie geo-rassistisch verworfen. Einfach nur „christlich“ zu sagen, traut sich der deutsche Gutmensch aber auch nicht: Riskante Frontstellung, einseitig religiös, Kreuzzugsverdacht (wie bei Abendland). Außerdem ist den bastelnden Strategen sofort siedend heiß aufgefallen, daß man damit die jüdischen Mitbürger ausgrenzt. Da dies schon mal Formen angenommen hatte, werden die flugs vereinnahmt. Einfach so. Man hakt zum Kreuz die Juden unter, heim ins Reich. Mehrere Fliegen mit einer Klatsche: Religiöse Offenheit, doppelte Front gegen Islam, Versöhnung nach Auschwitz per Bindestrich, Du bist nicht allein. Also christlich-jüdisch.
Historisch ist das natürlich Mumpitz. Man könnte bestenfalls das Alte Testament im Kopf haben, doch dann müßte es wohl „jüdisch-christliche Wurzeln“ heißen. Aber egal: Die Formulierung ist und bleibt ein übers Knie gebrochener Blödsinn aus dem Handbuch für political correctness der ganz dämlichen Sorte.
Denn die deutschen Wurzeln sind natürlich maßgeblich diese: germanisch-römisch-christlich. Daß im Römischen das Griechische (deutsche Klassik, Hellenismus plus Aufklärung) drinsteckt und im Christlichen Jüdisches als Ursprung und zugleich Überwundenes (AT/Christusmörder/NT), das ist klar.
Aber christlich-jüdisch als deutsche Wurzel? Was würde Heine dazu sagen? Oder Tucholsky? Oder Broder?
(5. Oktober 2010)

Potent-Lösung.
Gemeldet wird, in der geplanten Verfilmung des Lebens der Sex-Pionierin Beate Uhse spiele die Schauspielerin Franka Potente die Hauptrolle. Wer denn sonst, möchte man fragen.
(5. Oktober 2010)

Ohne Kommenttar.
Nur so viel: Der Zeitungsauschnitt ist echt. Befindet sich in meinem Archiv schöner Drucksachen. Demnächstt mehr.
(5. Oktober 2010)

Des Menschen Wulff.
Der Bundespräsident Wulff (bzw. sein Redeschreiber) hat jetzt offenbart, daß Deutschland "christlich-jüdische Wurzeln" habe. Rundherum gefällt diese irgendwie nette Idee.
Allerdings: Man merkt die plumpe Absicht und ist nicht nur historisch verstimmt – ein peinlicher Versuch des Unterhakens, eine Anbiederei, die man auch als widerlich empfinden könnte. Nicht zu übersehen der Tritt mit dem Pferdefuß: Nun hat auch Auschwitz christlich-jüdische Wurzeln.
(4. Oktober 2010)

Schöne Wirtschaft!
Hübsche Diskussion auf dem SPD-Parteitag. Im Antrag des Vorstands ist die Rede von "demokratischer Marktwirtschaft". Das hat eine Delegierte entdeckt, die den Begriff bemängelt: Bei Wikipedia und sonstwo habe sie nur "soziale Marktwirtschaft" gefunden, und dabei solle man doch bleiben. Der Sprecher des Vorstands (Olaf Scholz) will sich darüber nicht verkämpfen und akzeptiert die Änderung achselzuckend. Was ich partout nicht verstehe: Warum hat man nicht gleich "sozialdemokratische Marktwirtschaft" geschrieben und beschlossen?
(27. September 2010)

Specktrumm.
Sigmar Gabriel, auch "Harzer Roller" genannter derzeitiger Vorsitzender der SPD, wendet sich auf dem heutigen Sonderparteitag der Sozialdemokraten dem Thema "Thilo Sarrazin" zu. Als er anhebt, feierlich über Meinungsfreiheit und -vielfalt zu reden, mischt sich von oben Sigmund Freud ein und läßt Gabriel sich versprechen: "Spektraum". Statt Spektrum. Das Trauma derer, die mit staatlicher Gewalt alles bestimmen und regeln wollen, läßt sich eben doch nicht verbergen. Oder geht es bei Gabriel nur um den Traum vom fetten Essen? Um beides, nehme ich vorsichtshalber mal an.
(26. September 2010)

AMOK & KOMA
An und für sich ist gegen Amokläufe nichts zu sagen.
Das Problem ist doch nur, daß sie immer verkehrtrum veranstaltet werden und der Täter sich erst am Schluß erschießt. Damit muß er (sie) anfangen, dann läuft der Amok richtig.
(20. September 2010)

Affront.
Günter Grass (82), Deutschlands berühmtester Schriftsteller, fühlt sich vor allem durch die Sprache an Deutschland gebunden. "Wegen vieler Kampagnen gegen mich war ich oft kurz davor, das Land zu verlassen. Was mich zurückgehalten hat, war die deutsche Sprache. Sie gab mir den Halt, all das zu ertragen", sagte Grass. Wo sagte er das? Halten Sie sich fest: beim "Harbour Front"-Literaturfestival in Hamburg.
(19. September 2010)

Verschleierung.
Renate Künast, immerhin Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, sagt im "Morgenmagazin" des ZDF: "Wir haben kein Islam-Problem." Daraus folgt: Frau Künast hat ein Realitäts-Problem. Verschleierte Wahrnehmung.
(7. September 2010)

Rotzturbation.
Auffällig das ständige Ausspucken der männlichen Jugend ("Rotzlöffel"). Ich nehme an, es handelt sich um fehlgeleitete Ejakulationsübungen.
(4. September 2010)

Na denn Proust!
Tja, als ich diese Schlagzeile sah, dachte ich sofort und irrtümlich, es handele sich um einen recht bekannten deutschen Literaturkritiker. 
(2. September 2010)

Sarrazin & Ahmadi.
In Thilo Sarrazins heftig umstrittenem Buch "Deutschland schafft sich ab" gibt es eine bemerkenswerte Pointe, die bislang aber noch niemand bemerkt zu haben scheint. Es geht in dem Werk bekanntlich auch um den problematischen Zuzug von Muslimen, von Türken und Arabern. Da ist es doch hübsch, im Impressum zu lesen, wer das Buch lektoriert und gesetzt hat: Ditta Ahmadi, Berlin.
(30. August 2010)

Tati, Mon Oncle, 1958
Jacques Tatis Film "Mon Oncle" gehört zu den ganz großen Meisterwerken des Kinos, wie schon sein fulminantes "Jour de fête"  (Schützenfest) von 1949. In beiden Filmen nimmt Tati die Moderne leichthändig auf den Arm, verspottet sie nach Strich und Faden im Namen einer liebenswerteren vergehenden Welt. Hat Tati bemerkt, wie modern er dabei selber war? So sehr, daß seine Modernität noch 50 Jahre später nicht veraltet ist und auf die Bühne kommt.

Copyright: Bayreuther Festspiele. Bild wird zur Dokumentation zitiert - Einwände bitte an hmaessen@web.deBayreuth, Lohengrin, 2010
Die Ähnlichkeit des Bühnenbilds im Bayreuther "Lohengrin" von 2010 ist doch frappant und kann kein Zufall sein. Ein Plagiat aber wohl auch nicht. In Bayreuth (ich bin bekennender Fan) inszenieren gebildete Menschen großen Geschmacks – also ein bewußtes Zitat, ein Gruß von Künstler zu Künstler unter den Augen des Publikums. Ganz im Sinne Wagners, für den Hören und Sehen nicht zu trennen waren. Wie bei Jacques Tati.
(27. August 2010)


Ga-Ga-Gabriel?
»Die „Energiekonzerne“ sind eine winzige Gruppe von Unternehmern, um Staatsfinanzen zu plündern und Beute anzuhäufen. Um die Fortdauer ihrer Geschäfte abzusichern, übernahmen sie die Kontrolle des Staates. In volkstümlicher Ausdrucksweise werden sie „die Oligarchen“ genannt – eine Verbindung zweier griechischer Wörter „oligoy“ (wenige) und „arkho“ (regieren). Sie wissen, wie man eine wirtschaftliche Anarchie ausbeutet, um für fast gar nichts Besitz zu erlangen. Sie benützen jeden möglichen Trick, einschließlich Betrug, Bestechung und Mord. Jeder von ihnen hat eine kleine Privatarmee. Nachdem sie zunächst einander bekämpft hatten, entschieden sie sich, dass es nützlicher für sie sei, zusammenzuarbeiten, um den Staat zu übernehmen. Sie haben fast unbegrenzte Geldmittel, Kontrolle über alle Fernsehkanäle und die meisten anderen Medien.«
Sie haben es natürlich bemerkt, geschätzte Leserinnen und Leser. Es handelt sich um einen leicht abgewandelten Text des Kollegen Uri Avnery über russische Oligarchen (http://zmag.de/artikel/Die-Oligarchen). Ich habe im Sinne des SPD-Vorsitzenden Gabriel lediglich "Oligarchen" durch "Energiekonzerne" ersetzt. Und wenn ich mal fragen darf: Was meinen Sie? Steht Genosse Gabriel nur unter Strom oder ist er doch schon voll duchgeknallt?
(23. August 2010)

Total elitär.
Schon lange eine glasklare erschreckende Erkenntnis: Alle Menschen & Gruppierungen, die Weltverbesserung anstreben, haben (mehr oder weniger) den Totalitarismus eingebaut. Da sie ja genau wissen, wie die Welt auszusehen hätte, fühlen sie sich im Recht, diese Verbesserung durchzusetzen. Zugunsten des großen hehren (quasi schöpferischen) Plans notfalls auch unter dem guten alten Motto "legal-illegal-scheißegal". 
Grün und Rot, und vor allem in dieser Kombination, zeigen immer wieder ihre totalitäre Tendenz – desto dreister je dümmer sie werden. In der Bundesrepublik ist nie so viel reguliert, geregelt, gegängelt, vorgeschrieben, verfügt, verboten worden wie unter Grünrot. Entgegenstehende Rechte, Regeln und Gesetze aber werden missachtet und notfalls auf der Straße (außerparlamentarisch) demoliert und zerstört.
Lackmusfrage: Gibt es einen der CDU oder FDP anhängenden „außerparlamentarischen“ gewaltbereiten Mob? Und wie ist das bei Grünen und Sozialisten?
(23. August 2010)

Demagoge? Demagaga?
Linkes äußert der jetzige SPD-Vorsitzende zu einer deutschen Kernfrage (FAS/22.8.2010). Ein Fall fürs Fremdschämen! Es geht nicht um 30.000 Arbeitsplätze in Kernkraftwerken, sondern um 3 Millionen oder auch 30 Millionen Arbeitsplätze, die von bezahlbarer Energie abhängig sind. Auch Sozialismus hatte mal was mit Ökonomie statt Ökokomik zu tun.
(22. August 2010)

Brennelemente.
Dieselben Leute, die jede mindestens halblinke, aus mehr als drei Teilnehmern bestehende Bürgerinitiative loben und preisen, Demonstrationen organisieren und feiern, Blockaden gegen Gesetze und andere Meinungen für richtig und legitim halten, die haben jetzt Schaum vorm Mund (Künast, Höhn, Gabriel etc. plus Follower), weil rund 40 Unternehmer, Manager, Politiker, Publizisten, Wissenschaftler eine Zeitungsanzeige in Sachen Energiepolitik veröffentlicht haben, mit der sie ihre Meinung äußern und an die Politik appellieren – ein klassisches Mittel der Bürgerinitiative.
Dieselben Leute, die im Wahlkampf Prominente wie diese in Anzeigen als Unterstützer (Testimonials und Spende) haben wollen, die sprechen ihnen ab, eine Meinung pro Atom & Kohle äußern zu dürfen, weil sie damit die Politik (Merkel) unter Druck setzten.
Es ist so verlogen und so ruinös für die Demokratie, was das totalitär kontaminierte grünrote Milieu ungeniert betreibt. Eine andere Meinung soll verachtet, verfemt, unterdrückt werden. Hinterm Horizont geht’s weiter: Andersdenkende, politische Gegner stellt man in Gedanken schon mal rechtlos. Darin hat Deutschland Übung, mit allen Konsequenzen.
(21. August 2010)

Mein Lesbenpartner?
Homo-Ehe, Schwulen-Ehe, das sind die gängigen Bezeichnungen für die in Deutschland gesetzlich mögliche Lebenspartnerschaft. Was für ein dahergeplapperter Quatsch. Denn es gibt natürlich überhaupt keine Prüfung der sexuellen Orientierung oder gar Vollzugspraxis. Voraussetzung ist lediglich das gleiche Geschlecht und dass man nicht im ersten Grad miteinander verwandt ist. Es können ja auch ein Schwuler und eine Lesbe eine richtige Ehe schließen. Und Lebenspartnerschaft eben auch zwei muntere Witwen oder alte Freunde.
(16. August 2010)

Für die Ewigkeit.
Dies ist eine Meldung aus der geschätzten WAZ, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", nach "Bild" die größte Tageszeitung Deutschlands.
Die philosophische Tiefe dieser kleinen Zeitungsnotiz ist so groß, daß ich dazu wohl ausnahmsweise nichts weiter sagen muß.
Ich überlasse Sie also Ihren Gedanken.
Und mich den unergründlichen praktischen Fragen:
Wie alt war wohl die Frau, als man sie vor Jahrzehnten das letzte Mal sah?
War sie damals schon die älteste Frau Tokios?
Warum hat man ihr nicht zum 100. und 110. und 111. und 112. Geburtstag gratuliert?
Wenn sie gestorben ist, wo liegt dann die Leiche?
Und wie alt ist die? Ist sie die älteste Leiche?
Man bedenke: In der vergangenen Woche entdeckten Vertreter der japanischen Hauptstadt das Skelett eines vor Jahrzehnten gestorbenen Mannes, dem sie eigentlich zum 111. Geburtstag gratulieren wollten; mumifiziert lag er in seinem Bett.
Und letzte bange Frage: Ist Sushi vielleicht doch nicht so gesund?
(5. August 2010)

Ohne Leben.
Beim Frühstück berichtet mir meine Frau, ein Journalist der "Süddeutschen Zeitung" habe im Selbstversuch ein halbes Jahr auf eMail und Internet verzichtet und darüber ein Buch geschrieben.
Was ist das nur immer wieder für ein Quatsch, die Uhren zurückdrehen zu wollen: Leben ohne Fernseher, Leben ohne Strom, Leben ohne Auto usw. Ob es solche Idiotien auch bei Steinzeitmenschen gegeben hat: Leben ohne Speer? Leben ohne Feuer? Ultimativ wäre übrigens: Leben ohne Menschen.
(1. August 2010)

Mehr Bilder? Klicken! Und an dieser Stelle demnächst wieder SEX!Huch! Was ist das denn?!
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Das, meine Damen und Herren, das ist eine kleine Werbeunterbrechung.

Werbung (ganz offen, ohne Schleich) für einen alten Freund und Partner, der jetzt "wolfen" heißt und als Fotograf tolle Bilder macht.
So wie dieses. Aber andere auch.

Im früheren Leben war er Düsseldorfs & Deutschlands schnellster ArtDirector. Zusammen haben wir extrem gute Werbung produziert, das darf ich nicht nur sagen, das muß ich sogar sagen; denn es ist die Wahrheit.

wolfen hat jetzt eine Foto-Agentur. Unter www.finest-picture.com gibt es viel Schönes und Interessantes zu sehen. Und nicht nur das: Sogar zu kaufen und zu buchen. Für Agenturen und Zeitungen und alle, die Bilder brauchen. So schnell und gut wie damals das dynamische Duo!

Zahlentage.
Duisburg, also die Loveparade mit 21 Toten und einem halben Tausend Verletzter, zeigt den besinnungslosen Fetischismus der Rekordzahlen drastisch & peinlich. Der Veranstalter sprach vor begeistert nickenden Reportern von 1,4 Millionen eingetroffenen Teilnehmern. Genehmigt waren 250.000. Zum Zeitpunkt der menschenzerquetschenden Ballung waren es höchstens 150.00.
Und so geht es bei der Trauerfeier weiter, der Schaden macht nicht klug: Vorab gemeldet wird, man erwarte bis zu 100.000 Besucher. Deshalb wird der Gottesdienst auch ins örtliche Fußballstadion übertragen. Es hat Platz für 25.000 Menschen, gekommen sind allerhöchstens 2.500. Ein Trauermarsch wird für 20.000 Menschen angekündigt, es marschieren nicht mehr als 2.000. Wie schrieb der große Aphoristiker Leç? »Satiriker, pfeift auf Worte, laßt Zahlen sprechen.«
(31. Juli 2010)

Haltlos.
Nach der Panikkatastrophe bei der Duisburger Love-Parade wird gemeldet, Bundespräsident Wulff habe eine »rückhaltlose Aufklärung« gefordert. Gut und schön, aber braucht man für solche Plattitüden wirklich einen Bundespräsidenten?
(25. Juli 2010)

Hier klicken!Ansichtssache?
Vier Wochen nach dem dem 4:1 der deutschen Nationalfußballer gegen England, ja sogar über England, wird das umstrittene Tor des perfiden Albions bei der WM 2010 endlich aufgeklärt und als optische Täuschung entlarvt. Damit entfällt auch die metaphysische Erklärung von einem gerechten (göttlichen!) Ausgleich für das falsche dritte Tor der Engländer im Wembley-Endspiel von 1966.
Die optische Täuschung in voller Größe bei Klick aufs Bild!
(25. Juli 2010)

ICzeit.
Saunazüge, Unpünktlichkeit, Achsbruch, kaputte Türen, gesperrte Klos, Desorganisation, Informationsunfähigkeit – die Deutsche Bahn also, das bekannte Unwesen.
Aber das ist noch gar nichts: In den IC-Zügen, mindestens in denen, die Köln und Düsseldorf passieren, herrscht im Sommer noch die Winterzeit: Seit dem 28. März (seit jetzt 4 – vier! – Monaten) gehen die Uhren in den Zügen eine Stunde nach. Korrigiert wird der Fehler wahrscheinlich vollautomatisch: Am 31. Oktober 2010. (Bange Frage: Was läuft und geht da alles falsch, was man nicht sieht?)
(23. Juli 2010)

Beleg-Bild: Ausschnitt F.A.Z. 8. Juli 2010BJ.
Die F.A.Z. berichtet über den Besuch des israelischen Premiers bei Präsident Obama und zeigt dazu sehr schön das Nummernschild von Netanjahus Wagen: BJ-3687. Natürlich wissen die Kollegen von der F.A.Z. auch, wofür BJ in den USA steht. Sie wissen es nicht? Nun, ich zitiere einfach mal Diego Maradona: „Die, die nicht an die Nationalmannschaft geglaubt haben, sollen weiter Schwänze lutschen.“ SL, das wäre also die Übersetzung von BJ. Schon eine gekonnte Beleidigung Netanjahus. Danke, F.A.Z.!
(8. Juli 2010)

Wulffsrudel.
Bild (online) schreibt zu neuen Umfrageergebnissen: "Trotz Wulff-Wahl: Union und FDP auf Rekordtief". Trotz?
(7. Juli 2010)

Lach- und Schließgesellschaft.
Meldung von Rhein und Ruhr: "Der derzeitige NRW-Arbeitsminister Laumann setzte sich in einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz im Düsseldorfer Landtag knapp gegen Integrationsminister Armin Laschet durch. Für Laumann stimmten 34 Abgeordnete, Laschet erhielt 32 Stimmen."
Und jetzt kommt's: "Jürgen Rüttgers bewertete das knappe Wahlergebnis als "Signal der Geschlossenheit"." 34 zu 32 – ein Signal der Geschlossenheit!
Der abgewählte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist Träger des Ordens "Wider den tierischen Ernst". Das merkt man. Klatschmarsch.
(6. Juli 2010)

Homun-Culus.
Gemeldet wird, Iran arbeite an der Herstellung eines "Roboter-Menschen". Da wird einem manches klar: Ahmadinedschad ist vermutlich ein Prototyp.
(6. Juli 2010)

Beleg-Bild von Bild-Online 4.7.2010 - AusschnittGOTTlos.
"Maradona mit seiner wirkungslosen Glückskette in der linken Hand", schreibt Bild zu diesem Bild. Ausgerechnet die Zeitung, die einst "Wir sind Papst" titelte, deren Rom-Korrespondent Englisch heißt ("engelhaft"!), die neben Titten auch Bibeln druckt! Das ist ein Rosenkranz, Blödmänner, ein Rosenkranz!
(4. Juli 2010)

Give us five.
Mit allergrößtem Vergnügen höre ich von Harrison Ford, der verrät, daß George Lucas am Drehbuch eines fünften "Indiana Jones" schreibt und daß Harrison Ford dabei wieder mitspielen und die Peitsche schwingen will. Wunderbar. Es gibt doch keine bessere, größere Kintopp-Serie als diese. Auch der hier und da ein bißchen computersteril wirkende vierte Teil ("Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") hat etwas einmalig Großes: Die lange Fahrt durch den Dschungel mit immer neuen Hindernissen und Wendungen: ein grandioser Film im höchst eiskalt das Herz erwärmenden Film!
(4. Juli 2010) 

Tore.
Die Kanzlerin fliegt zum Viertelfinalspiel der deutschen Fußball-Nationalelf nach Südafrika, auf die Tribüne. Schön, daß sich die Kanzlerin für den Volkssport interessiert und angagiert. Aber warum geht sie nicht zur Fan-Meile in Berlin, zusammen mit dem neuen Bundespräsidenten? Warum? Fragen Sie mich lieber, wer Weltmeister wird.
(3. Juli 2010)

Bild: BPADie Bundespräsidentin.
Wenn man sich die ersten Auftritte des neuen Bundespräsidenten Wulff mal genauer ansieht, seine sicher sympathische, aber schulprimushaft verklemmte Erscheinung, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen:
Man hätte seine Frau Bettina zur ersten Bundespräsidentin wählen sollen. Die macht was her, damit hätte Deutschland für freudiges Aufsehen und echte Bewunderung gesorgt.
Und was die (alten) Männer konnten, das kann so eine cleverschöne Frau doch schon lange.
(3. Juli 2010)

Freigebig.
Das klingt ja nett und wirkt auf- und abgeklärt, wenn jetzt "Elder Statesmen" (Biedenkopf, Herzog, von Weizsäcker) meinen, die Parteien mögen bitte die Wahl des Bundespräsidenten freigeben, die Mitglieder der Bundesversammlung also frei entscheiden lassen, ob sie Gauck, Jochimsen oder Wulff wählen wollen.
Haben wir das nötig - oder die? Die Wahl ist doch geheim. Was ist denn da freizugeben?
Die nette Forderung akzeptiert grundsätzlich den Parteienzwang, der sich über Freiheit und Gewissen der Volksvertreter verhängt hat. Und unterstreicht mit generöser Arroganz die Geringschätzung auch der Vertreter des Volkes als Stimmvieh.
(27. Juni 2010)

Grenzenloses Nichts.
Die neue Mercedes-Kampagne ("Das Beste oder nichts") ist ob ihrer ungelenken Dürftigkeit in den einschlägigen Fach-Foren schon gebührend durch den Kakao gezogen worden; das können wir uns also sparen.
Wir müssen aber hier zu Protokoll geben, daß man von Leuten, die keine Grenzen kennen wollen, außer denen der Physik, besser kein Auto kaufen sollte.
Und Texte sowieso auch nicht: "Ein Anspruch, der beständig ist, sich aber auch dynamisch zeigen kann: durch das Fahrwerk im E-Klasse Coupé..."
Das ist doch ein schreiend tragikomisches Kauderwelsch. Noch nicht mal besser als nichts.
(26. Juni 2010)

Wirr in NRW: Nicht regierungsfähig.
Hannelore Kraft, die SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im größtenwichtigsten Bundesland NRW, hat vor der Wahl vom 9. Mai stereotyp verkündet, was mittlerweile auf sie selber zutrifft – und auf die SPDNRW:

►„Wir halten die Linkspartei nicht für regierungs- und koalitionsfähig.“
►„Die Linkspartei ist derzeit nicht koalitions- und regierungsfähig. Punkt.“
Nach der Wahl hat die SPD-Kraft mit den nicht koalitions- und regierungsfähigen Linken dennoch gemeinsam beraten. Ergebnis:
►„Frau Kraft äußerte, sie sehe sich in ihrer im Wahlkampf mehrfach wiederholten Einschätzung bestätigt, dass die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen weder regierungs- noch koalitionsfähig sei.“ 

Offensichtlich hat Hannelore Kraft mitsamt Partei diese Formel derart internalisiert, daß sie nun auch für Krafts SPD genauso gilt:
►Derzeit nicht koalitions- und regierungsfähig. Punkt. 
Auch eine Form der ypsilantischen Annäherung und Anverwandlung.
Motto: Wirr in NRW.
(14. Juni 2010)

Fiskalös.
Steuererhöhungen sollten nur Leute fordern dürfen, die auch Steuern zahlen; schon eine Frage des Anstands.
(13. Juni 2010)

Original Deutschlandtremd von dimap für ARDCDU first?
Nebenstehende Grafik wird von der Tagesschau der ARD im Internet präsentiert.
Das Ergebnis der aktuellen Bürgerbefragung ist interessant.
Aber fast noch interessanter ist die Sortierkunst der in der Beziehung bei mir schon einmal notorisch gewordenen Grafik-Abteilung des Senders.
Was entscheidet über die Rangfolge der abgebildeten Kandidaten? Alphabet? Nein. (Weder beim Namen noch bei der Farbe: S vor R!) Ergebnis? Auch nicht! Ladies first? Ach was!
Ja, was denn dann?!
(11. Juni 2010)

Original von mir gefälscht - aber richtig!Gefälscht. Aber wahr.

So hätten ARD, infratest dimap, Tagesschau die Grafik präsentieren müssen.

Warum tun die das nicht? Weil es kommt, wie es kommt? Weil man darüber einfach nicht nachdenkt? Weil da keiner drauf achtet? Weil der Grafiker macht, was er will? Weil man unfähig ist? Oder schlimmer noch: sogar parteiisch?
Klar ist: Mit Unfragen, auch mit ihrer Darstellung kann man Politik machen.

Fragt sich nur: Welche?!
(11. Juni 2010)

Zusammen kommen.
Unaufhörlich liefert die so genannte Rechtschreibreform feinste Beispiele für ihre schwachsinnige Verkorkst- und Doofheit. Beispiel die trennende Schreibung. Also: wieder herstellen, fertig stellen, zusammen setzen etc.
Daß wiederherstellen, fertigstellen und zusammensetzen ganz andere Handlungen sind, wird amtlich unterschlagen: Arme Sprache. 
Frivoles Exempel des sexual-demokratischen TV-Senders RTL: Fritz Wepper und seine neue junge Liebe sind „zusammen gekommen“. Ob RTL das so meint, ob es dies weiß? Duden und Kamasutra?
(10. Juni 2010)

Präsidiable.
Wenn der Merkel-Kandidat Christian Wulff wirklich das Zeug zum Bundespräsidenten hätte, würde er zugunsten Joachim Gaucks auf die Kandidatur verzichten.
(9. Juni 2010) 

Außen. Sinister.
Christian Lindner, der junge Generalsekretär der FDP, ist blitzgescheit und ein glänzender Formulierer, mündlich & schriftlich. Was er sagt, darf man also genau nehmen. In „Berlin direkt“ (ZDF, 6.6.2010) sagt er über die Präsidentschaftskandidaten:
„Aber wir stehen als Koalition, auch als FDP, für Christian Wulff. (...) Joachim Gauck ist ein Mahner von außen ...“ 
Von außen! Die Bürger sind außen! Ist es ein Wunder, daß immer mehr Menschen in diesem Land sogar außer sich sind?
(7. Juni 2010)

Definitiv dieselbe Frau?Kachelmanns Pixela?
Seit eine Geliebte den Wetterfrosch Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigung angezeigt hat, wird dieser Mann als bekanntes (Un-)Wesen durch den Blätterwald getrieben, in Wort und Bild.
Mit Fantasienamen (Simone / Sabine / S.) anonymisiert und verpixelt verborgen, bleibt die Frau im Dunkeln. Fair?
Löst man die Bild-Pixel auf, dann könnte  die Dame so aussehen wie im rechten Foto.

Autogrammkarte vom belgischen ebayDas haben wir natürlich nicht gemacht, wie es mit Kevin Costner im Super-Thriller "No Way Out" geschieht, also qua Computer-Programm, sondern bloß mit dem urjournalistischen Mittel der Recherche ("Dem Recherchör ist nichts zu schwör!"). Bekannt ist, daß es sich bei der anzeigenden Kachelmann-Geliebten um eine Schwetzinger Radio-Moderatorin des Lokalsenders "Radio Sunshine" handelt, aber auf der Homepage des Senders findet man kein Bild einer Moderatorin, die der Pixela ähnlich sähe. Jedoch – man höre und staune – bei ebay in Belgien. Dort war die Autogrammkarte einer Moderatorin vom "Radio Sunshine" im  Angebot – von Claudia.
Deren Bild ist zweifellos die Vorlage für das Pixel-Bild der Bild-Zeitung. Das heißt natürlich nicht, damit wir uns hier richtig verstehen, daß es sich bei Claudia um die Kachelmann beschuldigende Frau handelt. Aber jedenfalls hat sie sich als diejenige verpixeln lassen – sozusagen zur Kenntlichkeit entstellt.
(6. Juni 2010)

Wie neu.
Der Kanzlerin Merkel hat ihren Präsidenten-Kandidaten Wulff hübsch zweideutig charakterisiert: "Ein Mensch, der immer neugierig auf Menschen ist, der Neues ausprobiert, der kreativ ist, der auf die Menschen zugeht."
Na klar, mit diesen schönen Eigenschaften hat Wulff doch seine alte Ehefrau nach 18 trauten Jahren und einem Kind abgelegt. Neugierig war er auf die 13 Jahre jüngere attraktive Bettina Körner, ist auf sie zugegangen, hat Neues ausprobiert, nämlich eine alleinerziehende beruflich erfolgreiche Mutter, kreativ im Sinne der merkelschen Großstadt-CDU. Ausprobier-Ergebnis: Neue Ehe, neues Kind.
Tja, so geht es zu: Die CDU wird immer modernder – sorry: moderner.
(4. Juni 2010)

Phoenix aus der Flasche.
Die sehr junge, sehr laute, sehr blonde Moderatorin im Ereigniskanal des Fernsehens muß von Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf wegen BP-Bohrlochs zum Meeresbiologen moderieren, nach Hamburg, wie sie sagt, und beginnt mit der passenden Begrüßung: "Einen schönen Gruß an die Spree!" Und da reden wir von Öl-Katastrophe ...
(27. Mai 2010)

Satellitchen.
Fan-Kulte sind unberechenbar und oft nur schwer zu verstehen. Zum Beispiel der momentane um die Schülerin Lena Meyer-Landrut, 18, die in der deutschen Hitparade mit einer US-Komposition einzigartigen Erfolg hat. Warum bloß? Das zappelige Mädchen knödelt sich ihren geflickschusterten Super-Hit »Satellite« echt ungekonnt ab, in einem wie mit vollem Mund gekauten Beinahe-Englisch. Schrecklich.
Erfolgreich macht diese vor allem hemmungslose Amateurin das Hirngespinst der anderen Amateure samt Verwandtschaft, auch verkappte Superstars zu sein. Wie sie ist Fräulein Meyer-Landrut aber kein Star, kein Stern, noch nicht einmal ein Sternchen. Bloß ein Satellitchen, das naturgesetzlich bald verglüht.
(19. Mai 2010)
Nachtrag am 30. Mai 2010: Da der Eurovisions-Grand-Prix ein Wettbewerb des Grauens ist, kann man an dem ersten Platz für »Satellite« nicht wirklich etwas aussetzen.

Auf den Nutz hauen.
Radio-Nachrichten verbreiten heute landesweit eine AP-Meldung, die auf den Straßen kämpfende Thai-Opposition habe "zwei Wasserwerfer unschädlich" gemacht. Muß es nicht heißen: "unnützlich" gemacht - oder steht öffentlich-rechtlicher Rundfunk bei Recht und Ordnung gegen den thailändischen Staat an der Seite der Straßenkämpfer? Es ginge auch neutral: "funktionsunfähig" oder so. Oder?
(14. Mai 2010)

Prognase.
In Steven Spielbergs herrlichem Kintopp-Spektakel "Jurassic Park" gibt es eine höchst witzige Dialogstelle. Da sagt der skeptische Wissenschaftler Dr. Ian Malcolm, als die Dinosaurier außer Kontrolle geraten: "Junge, wie ich es hasse, immer recht zu haben!" Geht mir nach der NRW-Landtagswahl eigentlich fast genauso – siehe 1. April ff.
(10. Mai 2010)

    Grafik-Quelle: ARD-Internet-Tagesschau, 10.5.2010

Finale.
Die Video-Texte der TV-Sender sind eine unerschöpfliche Quelle der Bildung und des Vergnügens. Hier zum Beispiel ist der Papst nicht etwa antiklerikalen Ressentiments zum Opfer gefallen, es handelt sich vielmehr um einen subtilen historischen Hinweis: Die Kirche bemühte sich nämlich im Mittelalter vergeblich um ein Verbot der Turniere. Danke, Video-Text, wieder was gelernt.
(3. Mai 2010)

Sorgenmagazine.
Vielleicht sind die Fernseh-Morgenmagazine einfach zu früh oder bei gewissen ModeraTorinnen ist alles zu spät. Heute morgen wieder: "Die griechenländische Regierung ..."! Es gibt also Deutschländer-Würstchen nicht nur in Dosen.
(26. April 2010)

Nutzen ungarantiert.
Die CDU-NRW zeigt ihre Wahlplakate (siehe unten) im Internet. Kostenfrei darf man die runterladen. Aber die CDU warnt wörtlich: "Eine Gewährleistung oder Haftung für Schäden, die durch die Nutzung der Bilder entstehen, wird nicht übernommen." Das kann man sich doch nur auf der Zunge zergehen lassen! Daß die SPD das noch nicht bemerkt hat!
(25. April 2010)

Fliegenfänger.
Im Video-Text von "Kabel Eins" sehen wir die alarmierende Schlagzeile: "Fliegen im gesperrten Luftraum". Das geht natürlich nicht! Da muss Verkehrsminister Ramsauer sofort mit der Fliegenklatsche ran.
(21. April 2010)

Die zweite Welle - auch nicht besser ...Kondolenz garantiert.
Hat die CDU in NRW eine Art Todessehnsucht? Hat der Ministerpräsident Rüttgers keine Lust mehr?
Das muß man sich doch fragen angesichts des Auftritts per Plakat. Mit der "zweiten Welle" wird ein Rüttgers geklebt, der sich offensichtlich resigniert, alt und müde, ins Halbdunkel zurückgezogen hat und in gedeckte (düstere) Farben gehüllt an Abschiedsrede und/oder Rücktrittserklärung arbeitet. Rüttgers bei seiner eigenen Trauerfeier! Nur traurig!
(13. April 2010) 

Nachrufschädigung.
Der Anlaß ist zwar tragisch, der Effekt aber höchst komisch. Als der Sarg mit Maria Kaczynska, der Frau des ebenfalls verunglückten polnischen Präsidenten, in Warschau eingetroffen ist und der Zwillingsbruder, ihr Schwager, live trauernd gezeigt wird, erläutert der Kommentator der Fernsehübertragung: "Dies ist der zurückgebliebene Bruder des Präsidenten." Dabei soll es eher umgekehrt gewesen sein.
(13. April 2010)

Miss Handeln.
Die Grünen-Chefin Claudia Roth (übrigens nicht die Mutter unseres Mopses!) hat gefordert, der Augsburger Bischof Mixa müsse sein Amt ruhen lassen, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmißhandlung geklärt seien.
Das ist praktisch. Jetzt weiß ich nämlich, wie man es schafft, daß Frau Roth ihr Amt ruhen lassen muß: Einfach Vorwürfe erheben.
(7. April 2010)

Hüllfe!
Das Fernsehen hat es nicht leicht. Es muß Text und Bild irgendwie zusammenkriegen. Manche Kollegen kommen dabei auf Ideen, da ist man platt. Heute in der "Tagesschau": Der Reporter muß von einer Predigt im Münchner Dom berichten. Also wird der Dom gezeigt, dessen linker Turm aber wegen Bauarbeiten eingerüstet und mit Bauplane verhüllt ist. Das bringt den berichtenden Menschen auf eine großartige Idee (glaubt er jedenfalls!). Die hört sich dann so an: "Der linke Turm des Münchner Liebfrauen-Doms ist derzeit verhüllt. Genauso hüllte sich auch die Katholische Kirche in Deutschland in Schweigen, wenn es um den Missbrauchsskandal ging." Wer solchen Blödsinn verzapft, der sollte bitte sein Haupt auch verhüllen.
(2. April 2010)

Verwickelt.
Auch nicht schlecht die "Tagesthemen" im Ersten. Bundeswehr-Soldaten sind bei Kundus in ein Feuergefecht geraten, drei Soldaten wurden getötet, mehrere verletzt. Die Moderatorin kündigt ein Highlight der kommenden Berichterstattung an:
"Über die Entwicklung in Afghanistan sprechen wir gleich mit dem Entwicklungsminister."
Da möchte man doch spontan ausrufen: Ja klar, mit wem denn sonst!
(2. April 2010)

So macht man's falsch! CDU-Wahlplakat NRW 2010 ...Krise? Vor allem das Plakat!
Muß man Wahlkampf jedes Mal neu lernen? Warum fangen Wahlkämpfer immer wieder bei Null an? Weil sie keine Ahnung haben. So wie es hier die CDU zeigt mit ihrem Wahlplakat für die wichtige Landtagswahl in NRW am 9. Mai 2010.
Mal abgesehen von dem schrecklichen Wort-Salat, ist es doch oberirre, das Wort "Krise" mit der CDU und ihrem Ministerpräsidenten Rüttgers zu verbinden, dazu noch auf einem tristen Grau-Plakat. Sicher ist so: der Kampagnen-Verlierer.

So ist es viel besser und richtig: SPD-Plakat NRW 2010.So ist es besser. Und richtig!
Die SPD hat wenigstens in diesem Wahlkampf mal wieder begriffen, wie man ein Plakat und eine Kampagne macht.  Positive Stimmung, kurze sofort zu erfassende Texte. Sehr gut als Serie umgesetzt. Zum Einsatz kommen: Stolz, Respekt, Freude, Vertrauen, Zuversicht.
Wie hatte die verstorbene Demoskopin Noelle-Neumann einst gesagt: "Kassandra wählt man nicht." Frau Kraft hat das begriffen, Herr Rüttgers sicher nicht so richtig.
(1. April 2010)

Aber etwas fehlt ...
Merken Sie es auch, was oder wer fehlt? Die aktive Frau von heute. Stattdessen vor allem Kinder und Jugendliche, ein junger Arbeitnehmer oder Handwerker, ein flotter Opa mit Enkelin, deren Schwester oder Freundin anscheinend die ist, die sich über ein NRW ohne Studiengebühren freuen soll. 
Wo ist die Mutter, womöglich alleinerziehend? Wo ist die ältere ledige Schwester, die in NRW Karriere macht, wo die tatkräftige Oma, die den Opa alt aussehen läßt?  Ist die SPD in NRW bourgeois? Oder verstellt sie sich zur Wahl? Aber warum sollte sie? Die Antwort dürfte simpel sein: Wahrscheinlich sollte Frau Kraft keine anderen Frauen neben sich haben. Etwas feige. Und ein bißchen dumm leider auch. Sonst aber klasse Plakate. Nach den Regeln der Kunst.


Königshaus gewählt.
Als ich diese Überschrift heute in der Zeitung sah, durchzuckte es mich als Staatsbürger des Königreichs der Niederlande natürlich sofort: „Königshaus gewählt“!
Aber falscher Alarm. Es handelt sich um den FDP-Abgeordneten Hellmut Königshaus, der zum Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages gewählt wurde.
Davon abgesehen: Das niederländische Königshaus würde auch gewählt werden. Klar.
(26. März 2010)

Demoskomische Dummfragen.
Elisabeth Noelle-Neumann ist tot. Sie hat die Meinungsforschung in der Bundesrepublik etabliert und lange geprägt; sie wurde berühmt, so berühmt, daß der auch große Kabarettist Wolfgang Neuss einmal kalauerte: „Was sind Sie denn nun? Noelle oder Neumann?“ Noelle war einst ins Dritte Reich verstrickt, schrieb z. B. in der Wochenzeitung „Das Reich“ – Herausgeber Joseph Goebbels. Das brachte einen anderen prominenten deutschen Meinungsforscher zu der gekonnt bissigen Invektive: „Noelle-Neumann ist tatsächlich die Erfinderin der Demoskopie in Deutschland. Demoskopie ist ja nur ein anderes Wort für 'Völkischer Beobachter'.“ Böse! Und brillant.
(26. März 2010)

Jaulen.
Daß wir uns nicht mißverstehen: Der deutsche Schlager ist nicht per se doof. Es gibt sehr witzige, sehr schlaue, sehr schöne. Aber was soll man denn sagen, wenn man jetzt ständig dudeln hört: "Wie ein Dobermann kamst du wieder an ..." Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.
(25. März 2010)

Ausnehmezustand. 
In den Nachrichten ist zu hören: "Bei den morgen beginnenden Warnstreiks im Öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft ver.di die Winterdienste ausnehmen."  Wahrscheinlich nicht nur die Winterdienste.
(2. Februar 2010)

Ordnungswerk.
Wie preist der amtliche Deutsche im Radio-Interview ein riesiges, ein phantastisches, ein noch nie dagewesenes Feuerwerk zur Feier des Ruhrreviers als „Kulturhauptstadt Europas“?
So, wie man sich das hätte denken können (aber sich eigentlich - political correct - nicht mehr traut):
„Es ist das größte Feuerwerk, das unser Ordnungsamt je genehmigt hat.“
(4. Januar 2010)

Hier klicken ...Der Letzte:
Kürzlich kommentiert im Deutschlandfunk.
Die Toten von Dresden. (Bitte links klicken)

... und hier ...Der Aufsehenerregende, auf vielfachen Wunsch:
Kommentar "Zur Sache" in WDR 4
über Enkes Totenkult.

... und hier natürlich auch!Der galante & charmante
Kommentar "Zur Sache" in WDR 4:
Eva Köhler: Nicht gewählt - und trotzdem im Amt.


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Endlich!!! »Perry Mason« auf DVD.

Die Paramount hat den langanhaltenden Klagerufen endlich nachgegeben und im Februar 2009 die erste DVD der epochalen Krimi-/Gerichtsserie um den Hollywood-Anwalt Perry Mason herausgegeben: 19 von insgesamt 271 TV-Folgen, original ausgestrahlt von CBS in den Jahren 1957-1965.

Die Serie ist legendär, ist die Mutter aller Serien mit ermittelnden Anwälten und den raffinierten Showdowns vor Gericht, also Aufklärung und Rechtsfindung in einem. Das heißt, es ist clever gemachte, vertrackt spannende Unterhaltung in angenehmer Länge (weniger als eine Stunde), zugleich auch die moralisch stärkende Lösung allfälliger menschlicher Konflikte.

Die ganze Serie von höchst professioneller amerikanischer Spitzenklasse, großartiges Ensemble, durchweg hervorragend und sogar in Nebenrollen oft prominent besetzt. Die zweite deutsche (und erste Gesamt-)Synchronisation des überragenden Perry-Mason-Sprechers Engelbert von Nordhausen (um deren Ausstrahlung sich "kabeleins" seit Jahren verdient macht) ist kongenial. Urteil: Alle sehenswert! Kein Makel? Doch: Ausstattung durch Paramount ärmlich und frech: Nämlich keine. Kein Hintergrund, keine Informationen, keine Daten, keine Credits, kein Booklet, kein Bonus - nichts. Um nicht zu sagen: Gar nichts. Trotzdem unbedingt kaufen. Nachtrag Mai 2010: 2 Seasons sind komplett erschienen. Wunderbar.

Neu: Mit Keren Ann!Hast du Töne!? Ja: zum Beispiel ROMEO.

Nacht (und kein Gefühl)? Doch. Viel.
Auf den wunderbaren neuen deutschen Wellen Anfang der 1980er Jahre kam auch dieser Sänger namens Romeo an den Strand unter dem Pflaster. Mit einer Stimme so rauh wie der Wind über den Wogen, mit ganz eigentümlichen Liebesliedern, so süß und salzig wie alle Wasser der Erde. Mit einer wissenden Trauer ob der immer möglichen Vergeblichkeit auch der ganz großen Liebe, um die man so viele Tränen weint, daß sie ein Ozean für sich sind. Und mit einer Ahnung von Unendlichkeit hinter dem Horizont aller Meere und Nächte. Großartig. Aber nie wieder hat man von Romeo gehört. Verschollen. Ertrunken? Hoffentlich im Glück. Und, Romeo, wenn Du dies hier liest: Komm zurück, komm bald wieder! 
P.S.:  Mein Aufruf wurde erhört! Er hat gemailt:
Romeo lebt! Ob seine Musik wieder auflebt? 
Und wann wird das Album endlich auf CD wiederveröffentlicht? Es wird jetzt höchste Zeit!


Von Freunden freundlich verfasst!

Orange? Na klar! Immer oben!Über den Autor Hubert Maessen (sprich: Maaßen).

Hubert Maessen, 1947 geboren in Düsseldorf als niederländischer Staatsbürger.
Studium von Politologie, Soziologie und Philosophie in Marburg und Bochum.

Autor und Herausgeber etlicher Bücher zu Themen des Zeitgeschehens,
zum Beispiel: "Was wollen die Schüler?" (1969), "Was wollen die Lehrlinge"
(1971), "Kriegsdienstverweigerer" (1971) – diese und noch mehr Publikationen
bei "Fischer Taschenbücher" zusammen mit Hans-Jürgen Haug (Haug/Maessen!)
Weitere Publikationen u.a.: "Der Sprayer von Zürich: Kölner Totentanz" (1982);
"Harry Walter: 60, Die Biographie des Vaters der politischen Werbung in
Deutschland" (1989); "... und dann kommst du nach Hause – Leben und Wohnen
im Revier" (1995); "Platz, Hirsch! – Die verborgenen Befehle unserer Sprache"
(2001 mit Jakob Moeller); "Das Rad immer wieder neu erfinden" (2006).

Seit 1967 ständiger Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks in Köln.
Autor zahlreicher Beiträge der WDR-Reihe "ZeitZeichen", vieler Features
und von TV-Dokus. Moderator in Sendungen zum Zeitgeschehen,
Kommentare und Glossen in Programmen des WDR, gelegentlich auch
im DLF und auf anderen Wellen der ARD.

Vor allem in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Exkursionen
in kommerzielle Werbung (Autoradios! Schokolade! Gelbe Zettel!
Mode! Corporate Identities! Tapeten! Medikamente! Solingen! Zigaretten!) und
in die Politik mit Kampagnenberatung, zum Beispiel für Bundeskanzler
Helmut Schmidt im Wahlkampf 1976, für Johannes Rau und andere, auch
im sogenannten Ausland.

Private Geheimnisse: Seit 1992 Ehrenbürger von Little Rock, Arkansas,
1999 in Las Vegas, Nevada, von Pastor Eugene Buddy Yates getraut
mit Hulda M. und dadurch auch gesegnet mit 12 bunt gemischten Stiefkindern
nebst bis zu dito 9 (Stief-)Hunden, 4 Katzen, 3 Stiefenkeln und 5 Wellensittichen.
(GS/PJM)


Einfach klicken, schon weiß man mehr!Was die alles wissen! (oder auch nicht ...)


Hier  gibt's des Rätsels Lösung!Rätsel! Wer hat das gesagt?:
"Weder aus Frankreich, noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen diese Gesellschaften nicht.
Dann entartet die Gesellschaft …" (12.9.1992, Frankfurter Rundschau)
Kleine Hilfe: Kardinal Meisner war es nicht!

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Dem Himmel sei Dank.






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