

»Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.« (6/2005 - Immanuel Kant)
»Gedanken sind zollfrei, aber man hat doch Scherereien.« (5/2005 - Karl Kraus)
»Am allererdrückendsten sind doch die Leute, die Gesetze erlassen und ständig erneuern, stets im Glauben, den Betrügereien im Geschäftsleben Schranken setzen zu können, ohne zu ahnen, daß sie in Wirklichkeit einer Hydra Köpfe abschneiden.« (4/2005 - Platon)
»There are great advantages to being elected president. The day after I was elected, I had my high-school grades classified as Top Secret.« (3/2005 - Ronald Reagan in remarks to the graduating class of Glassboro High School, New Jersey, June 19, 1986)
»Regieren ist die Kunst, Probleme zu schaffen, mit deren Lösung man das Volk in Atem hält.« (2/2005 - Ezra Pound)
»Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muß man erst richtig anfangen.« (1/2005 - Konrad Adenauer)

*"Maessens Original-Graphiti!" Immer wieder neue finden! / Stand: 10.02. 2005, 15.29 Uhr ME(W)Z. *»PFUI« steht für "Political F*ckin' Unacceptable Incorrect"/Copyright-Hinweis siehe unten. Bitte beachten.
Favorit der Woche: »Last Food (Hingericht)« Bis zu 25 Dollar darf ein Todeskandidat in den USA für die Henkersmahlzeit ausgeben. Fast alle Todeskandidaten bestellen sehr üppig. T-Bone-Steak mit Pommes und doppelte Cheeseburger sind nach einer Untersuchung des texanischen Justizministeriums die Lieblingsspeisen der Todeskandidaten. Den größten Appetit aller Todeskandidaten hatte bisher der Mörder Jeffrey Dillingham (auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet). Seine Bestellung: "Ein Cheeseburger mit drei Sorten Käse (Gouda, Chedar und Mozzarella), eine große Portion Pommes, ein Teller Makkaroni mit Käse, Lasagne mit zwei Scheiben Knoblauchbrot, drei Stück Zimtgebäck, fünf Rühreier, zwei Liter Milch." Ich nehme mal an, der wollte sich einfach totfressen, was ja viele Amerikaner sowieso tun. Respekt hat mir persönlich der Mörder Victor Feguer (1963 elektrischer Stuhl) abgenötigt. Der Mann hatte Stil und eine obercoole Henkersmahlzeit: Er begnügte sich mit einer schwarzen Olive.
Majestätärä. Kurz nach Karneval erreicht uns von den Britischen Inseln nicht nur ein Tiefdruckgebiet, sondern auch die Nachricht einer Hochzeit: Prinz Karl (Charles) wird sein vor-, während und nacheheliches Verhältnis legalisieren und Frau Parker Bowles nun endlich zum Altar führen/folgen. Bemerkt ein noch karnevalstrunkener Kollege im Kölner Funkhaus: "Camilla, der Prinz kütt!" Ziemlich gut, isn’t it?
Freistuß. Es ist natürlich immer eine Freude, gut informiert zu werden, aber es gibt Nachrichten, die auch richtig großen Spaß machen. Zum Beispiel diese, die ich mit eigenen Ohren an einem Sonntagmorgen hellwach aus dem Radio vernahm: "Im Irak haben am Morgen die ersten freien Wahlen seit dem Sturz von Saddam Hussein begonnen..." (etc.) Bekanntlich gab es ja unter Saddam Hussein andauernd freie Wahlen. Danach haben die Amerikaner sie erstmal verhindert. Oder was soll uns das sagen?
Wort-Los. Eine Jury hat gekreißt und gesprochen: Unwort des Jahres 2004 sei "Humankapital". Dazu mußten sich die Juroren, angeblich Sprachwissenschaftler und Schriftsteller darunter, mit 1.218 Einzelvorschlägen beschäftigen. Welch unnützer Aufwand! Das Unwort überhaupt und für jedes Jahr steht doch zweifelsfrei fest. Es lautet: "Unwort".
Höhe Null. Die Bundesregierung hat verfassungsrechtliche Bedenken von Bundespräsident Köhler gegen ihr "Luftsicherheitsgesetz" zurückgewiesen. Und zwar mit einer Begründung, bei der einem wiedermal die Luft wegbleibt. Die Regierung ist nämlich geschlossen der Ansicht, daß sie sich mit dem Gesetz "auf verfassungsrechtlich sicherem Boden bewege".
Vonsinnenminister. Bundespräsident Köhler hat verfassungsrechtliche Bedenken geäußert, weil das "Luftsicherheitsgesetz" den Abschuß einer zwecks Terror entführten Passagiermaschine erlauben soll. Innenminister Otto Schily erklärte sofort, die Auffassung des Bundespräsidenten sei "irrig". Das hätte der sich aber auch denken können. Jeder Talkshowgucker weiß doch: In der heutigen Bundesrepublik ist jede Auffassung irrig, sofern sie nicht der Meinung Otto Schilys entspricht. (Das Nähere regelt kein Bundesgesetz, sondern natürlich auch der Minister.)
That's life. Im Phuket ist zu Weihnachten nicht alles zerstört worden. Reporter berichten Verblüffendes: Man hat an Silvester fließendes Wasser, Kanalisation, Strom und Telefon, Essen satt und genug, jenseits des Ufers sind die Geschäfte geöffnet, der Verkehr brummt, an nichts herrscht Mangel, es gibt unversehrte Hotels und glückliche Urlauber. Einer, der sich auf der Terrasse sonnte, wurde gefragt, ob ihn der Lärm der Aufräumarbeiten nicht störe, der Bagger, der nebenan Tod und Trümmer wegräume. Die unvergeßliche Antwort des deutschen Urlaubers: "Damit muß man leben."
Terrorium. Ob das große Unglück rund um den Indischen Ozean auch die Hirne zuhause beschädigt? Meinte doch ein Kommentator, dies sei "ein Terrorakt der Natur"! So zu denken, das ist auch eine Katastrophe.
Kopf. Oder zahl. Aus unserem geliebten Amerika erreicht uns folgende ebenso bestürzende wie komische wie erhellende Nachricht: Eine Geschworenen-Jury in Kentucky (genau: ... fried chicken und umgekehrt!), die sich in einem Mordprozeß nach zweitägiger Beratung nicht einigen konnte, hat über das Schicksal des Angeklagten mit dem Werfen einer silbernen Dollarmünze entschieden. Die Münze fiel auf "schuldig", was mit einiger Gewißheit eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 28-jährigen Angeklagten bedeutet hätte. Der Richter, der von der Art der Urteilsfindung Wind bekam, erklärte aber den Prozeß für gescheitert. Trotzdem: Ich finde, man versteht einige Sonderbarkeiten der in Beratungshinterzimmern gewonnenen Rechtsprechung jetzt besser. Nicht nur in den USA.
Große Qualition. Unsere Bild-Zeitung kennt sich aus und stellt fest, die Opposition sei derzeit nicht regierungsfähig. Das ist schlimm. Aber noch schlimmer: Die Regierung ist es auch nicht.
Fertig. Der Fernsehreporter berichtet vom Baufortschritt des Holocaustbetonstelengedenkfelds in Berlin und verheißt: "Im Mai wird dann das Mahnmal in seiner Endarchitektur fertig sein." Endarchitektur? Endarchitektur! Geschickt, diese Variante von Endlösung. Da muß man erst mal drauf kommen.
Eingemachthaber. Apropos Freud'sche Versprechungen. Unvergeßlich bleibt mir die Tagung in einer Evangelischen Akademie, wo über Strafvollzug an Strafgefangenen diskutiert wurde. Sagt einer auf dem Podium: "Da geht es dann ans Eingemachte." Kann man wohl sagen!
Kinderschreck. Eine alte Dame schreibt der F.A.Z., sie gehöre zu den vielen "Kleinrentnern", die sich auf kulturellem Gebiet nichts mehr leisten könnten; kein Schauspiel, keine Oper, noch nicht mal mehr die F.A.Z.. Verzichten müsse man auch auf gute, gesunde Nahrungsmittel wie Orangensaft und sitze mit dicken Pullovern in ungeheizten Wohnzimmern. Die Dame findet das ungerecht, denn sie habe doch vier Kinder allein großgezogen, alle hätten das Abitur gemacht, zwei dann noch studiert, alle arbeiteten und zahlten hohe Sozialbeiträge ein. Böser Staat! Brave Kinder! Die Mutter, die lassen sie zwar ohne gesunden Orangensaft und ungeheizt sitzen, aber schließlich zahlen sie ja ein. Im Sozialstaat die Hauptsache.
Watt ihr volt. Im Lichte der ebenso merkwürdigen wie großzügigen Zahlungen an Politiker (Hejo Arentz, Laurenz Meyer und wer/was noch so rauskommt) versteht man endlich ganz genau, warum z.B. der Energiekonzern RWE auch wie folgt genannt wird: "Versorgungsunternehmen". Das Motto dieser umweltbewußten politischen Landschaftspflege liegt auf der Hand: "Bei uns kommt das Geld aus der Steckdose". Sogar das RWE-Logo, das begreift man nun erst richtig in seiner ganzen, lobenswert ehrlichen Aussagekraft: Diese eine Hand wäscht die anderen.
Leitungsschaden. Die Öffentlichkeit und die politischen Gegnern fordern natürlich, daß von RWE alimentierte Politiker zurücktreten. Klar, geht in Ordnung. Aber was ist denn eigentlich mit diesem RWE? Wer und Was ist denn da fällig – außer höheren Stromrechnungen für die kleinen Kunden?
Kleines 6x6. Unsere höchst geschätzte Bild-Zeitung berichtet über eine neue luststeigernde Creme. In diesem Zusammenhang wird ein leibhaftiger Professor interviewt, wie es denn mit Sex-Problemen bei Frauen so sei.Und da gab der Hamburger Urologe Prof. Porst eine sensationelle, vollkommen überraschende, völlig unerwartete verwirrende Antwort! Hier ist sie original und unzensiert: "Wenn Paare mit Sex-Problemen zu mir kommen, liegt es zu 50 Prozent an den Frauen."
Naturwunder. Auch das noch: Gerade wieder das eMail-Fach von Spam und Junk gesäubert. Es ist die Pest. Aber trotzdem etwas Amüsierliches gesehen, nämlich folgende Werbung, die uns ernsthaft – und ohne mit der Wimper zu zucken – verheißt: "Natürliche Penisvergrößerung ist möglich." Als ob wir das nicht wüßten!
Bestechend. Die SPD macht einen guten Vorschlag: Unternehmen, die an Korruption beteiligt waren, sollen keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen. Mein Vorschlag ist noch besser: ... und Parteien, die daran beteiligt waren, sollen keine Steuergelder mehr bekommen.
Sing-Sing. Dieter Bohlen, ungeheuer erfolgreicher und (oft sehr witzig!) modern talkender Musikmacher & Macho, ist manchen Menschen echt verhaßt. Und dafür hat er sich einen megagefährlichen Wohnort ausgesucht: Tötensen! Ausgerechnet! Das könnte auch als Imperativ mißverstanden werden.
Aus. Ach, meine inniggeliebten Radio-Nachrichten! Letztens wieder so ein Kunststück, wörtlich: "Der SPD-Vorsitzende schloß Parteiausschlüsse nicht aus."
Geilige Nacht. Das wäre ja noch schöner, wenn das Kind in der Krippe ruhig schlafen könnte und an Heiligabend Friede auf Erden und im deutschen Fernsehn wäre! RTL 2 sendet am 24.12. ungerührt: "Bruce Lee - Die Todeskralle schlägt wieder zu". Ochs und Esel werden geschlachtet, die Engel fallen aus allen Wolken und stürzen sich zu Tode, Maria und Josef prügeln sich grün und blau, die Hirten sind mit ihren Herden auf panischer Flucht, der Weihnachtsstern wird vom Himmel geschossen, worauf die Heiligen Drei Könige sich heillos verirren und nie wieder gesehen werden. Nur der Himmlische Vater bleibt cool und holt Jesus aus der bedenklich wackelnden Krippe wieder zu sich. Der Stall steht in Flammen, Bethlehem liegt in Trümmern, Bruce Lee hat gewonnen. Wie könnte es auch anders sein!
Fußkranker Geist. In der "Neuen Zürcher Zeitung" wird eine Erklärung des Verbandes deutscher Schriftsteller zum Terror zitiert: "Gerade die deutschen Schriftsteller müssen sich den von der Regierung Bush ausgehenden Kampagnen, ganze Völker und Regionen für die Terror-Attentate vom 11. September verantwortlich zu machen, nachdrücklich widersetzen..., damit der Geist vom 9. November 1938 nie wieder Fuß fassen kann." Ich glaube das nicht. Ich glaube trotz allem nicht, daß deutsche Schriftsteller so etwas schreiben: "…damit der Geist … nie wieder Fuß fassen kann“! Ach so, in dem Verband sind fast gar keine Schriftsteller mehr, sondern eigentlich nur noch schreibende bzw. diktierende Gewerkschaftsfunktionäre? Ja dann! Dann kann das natürlich doch sein: Politischer Schwachsinn plus Stilblüte.
On the road again. Im Radio wird gewarnt: "Straßenglätte und Dichter Nebel gefährden den Verkehr". Das geht nun schon seit Jahrzehnten so. Kann denn niemand diesen Dichter Nebel endlich mal von der Straße holen?
Kinderleicht. So wie der Bundeskanzler Gerhard Schröder & Frau Doris ihr russisches Adoptivkind bekommen haben, so hätte kein gewöhnliches deutsches Paar legal adoptieren können. Da möchte man doch glatt folgende Headline schreiben: "Wladimir Putin schenkt dem Kanzler ein Kind". Tun wir aber nicht; der Kanzler möchte das übelnehmen.
From Russia With Love. Zapperlot: Der russische Volksmund ist mir dicht auf den Fersen. Eben berichtet der Kollege Hermann Krause aus Moskau, daß man dort über die Freundschaft von Putin & Schröder frotzele: die sei so innig, die beiden hätten sogar schon ein Kind. Nicht schlecht. Aber der russische Witz hat ja auch ein mächtiges Diktatur-Doping genossen. Genossen? Hinter sich, Genossen!
Heute: Das Märchenjournal. Das ZDF, der Fernsehveranstalter, der ein Auge zudrückt, weil man mit dem zweiten angeblich besser sieht, versucht krampfhaft, jüngere Zuschauer zu gewinnen. Allerdings schüttet man das Kind mit dem Bade ein und läßt eine blauäugige Frau namens Marietta Slomka das Weltgeschehen im "heute-journal" erklären, und zwar in einer Manier, die an den Kinder- und Schulfunk in einem Land vor unserer Zeit erinnert. Die Frau schlägt mit gespenstisch-starrem Blick (der Teleprompter?) einen Märchenerzählton an, der nicht nur die Weltpolitik, sondern auch gleich das Publikum infantilisiert. Übers Weltklima wird von der Märchentante moderiert, als ob man Kindern Punkt für Punkt erklärt, wie man die Schuhe zubindet, über Wirtschaftskrise, als müsse man den lieben Kleinen beibringen, warum Oma nicht mehr bei uns ist. Statt "Liebe Zuschauer" könnte sie auch gleich "Liebe Kinder" sagen, Onkel Joschka und Tante Schmidt, könnte vom bösen Vetter George und seiner strengen Klavierlehrerin Condoleeza fabulieren, vor der Hexe Angela warnen und den bösen Räubern, die den Irak überfallen haben. Aber Spaß beiseite: Das ist nicht niedlich, das ist eine Zumutung. Selbst die Kinder von heute, die das versehentlich hörten und sähen, würden sich bedanken und lieber beide Augen aufmachen.
Climax. Die Hybris der Menschheit ist beängstigend. Jetzt will sie sogar schon den Klimawandel gemacht haben!
Halbtraum. Es gibt auch auf der deutschen Comedy-Müllhalde manche Perle. Unvergessen ist mir aus RTL-Samstagnacht die folgende Nachricht: "Die Bundesregierung hat beschlossen, die Arbeitslosenzahl zu halbieren. Sie heißt jetzt nur noch Osenzahl." – Schön daran ist auch, daß man das seit Kohl erzählen kann und vielleicht sogar noch nach Schröder.
Eidos. Beim Frühstück, den Eierlöffel in der Hand, lesen wir: "Genforscher haben das Erbgut des Huhns entschlüsselt. Eines der Ergebnisse: Noch vor 310 Millionen Jahren hatten Mensch und Huhn einen gemeinsamen Vorfahren." Wer war das? Das Ei? Oder die Henne?
Wortschritt. Die frühere Terroristin Silke Maier-Witt arbeitet jetzt im Kosovo, für Frieden und Frauen. In einem Radio-Interview sagte sie: "Wenn die sich da gegen Gewalt aussprechen, dann wäre das..." – ja, was wohl?! – "...dann wäre das ein gewaltiger Schritt." Es steckt eben drin.
Schwarzseher. Auch darauf muß man erstmal kommen! Da prangte auf der Titelseite der Frühstückszeitung die fette Schlagzeile: „Lichtblick für Afrika". Und worum ging es? Um eine Sonnenfinsternis! Wie gesagt, darauf muß man erstmal kommen.
Armer Kanzler. Es erscheinen große Geschichten über die karge ärmliche Kindheit des Kanzlers Gerhard Schröder. Zufall? Nein, das soll natürlich Moral haben. Uns wird gesagt: "Warum soll es euch besser gehen? Lernt leben wie der junge Kanzler!" Es bleibt ja auch nichts anderes übrig, dafür ist gesorgt.
Einwend. Pisa zeigt die Defizite der Schüler? Ginge es um die Defizite der sogenannten Kultus-, Schul- und Bildungsminister (unter Anführung der eindeutig schimmerlosen Vorsitzenden Frau Ahnen), wäre der gleichnamige Turm nicht schief, sondern läge eingestürzt flach unter der Krume. Diese Laienspielgruppe erklärt uns beispielsweise und schamlos: daß es rechtschreibreformiert aufwändig heißen solle, sei logisch, es hieße ja auch Aufwand. Warum es dann nicht aufwänden, sondern aufwenden heißt, warum dem Einwand nicht einwänden folgt? Zwecklos zu fragen – die Macher und Mitmacher haben doch keine Ahnung von dem, was sie da wie und warum verbrochen haben. Und weil es kompletter Quatsch ist, kann es sinnvolle Antworten auch gar nicht geben. Nur noch Pisa. Und verarschte Schüler.
Bombanieren. Gegen Selbstmordattentäter habe ich eigentlich überhaupt nichts. Sie müssen es aber, bitteschön, nur in menschenleeren Gegenden machen.
Geständniss. Ja, ich gestehe: Am Anfang dieser gründlich verkorksten deutschen Rechtschreibreform war ich guten Willens und wollte auch modern sein. Das hat sich schnell gelegt, als in der Praxis der ganze schreckliche Unfug offenbar wurde. Dann habe ich gedacht, man könne wenigstens das Doppel-S Kuß/Kuss, daß/dass übernehmen. Aber auch falsch. Man darf diesem Schwachsinn nicht den kleinsten Buchstaben reichen. Außerdem ist doch klar, daß ein ß im Text ziemlich gut aussieht.
Neue Serie: *PFUI (Political F*ckin' Unacceptable Incorrect) Paradiesseits. "Warum können Adam und Eva keine Chinesen gewesen sein? Weil sie dann nicht den Apfel gegessen hätten sondern die Schlange!" (Anonymes Pfundstück.)
Big. Viele Freunde und Kollegen können einfach nicht glauben, daß ich ein großer Fan des leider schon verstorbenen Ronald Reagan bin. Dabei sind die Gründe ganz einfach. Hier ist einer: "I am not worried about the deficit. It is big enough to take care of itself." Ronald Reagan wörtlich. Da kann man doch nur hemmungslos bewundern und glücklich sein.
Jelinek etc. Der robuste Slogan des Media-Marktes wirkt erkenntnisfördernd: "Laßt euch nicht verarschen - vor allem nicht vom Nobelpreis!"
Bigger. Noch nicht ganz überzeugt? Noch kein Reagan-Fan, so wie ich? Na gut, dann noch ein Zitat, dem Sie normalerweise nicht widerstehen können: "I have left orders to be awakened at any time in case of national emergency, even if I'm in a cabinet meeting." Weltmacht kann eben auch Weltklasse haben.
Vermummungsgebot. Zum Dritten Advent berichtet ein Korrespondent aus China, daß auch im Reich der Mitte westliche Weihnachtsdekoration mehr und mehr die Tempel des Konsums schmücke. Und gar Wundersames wird uns gesagt: "In Pekinger Kaufhäusern laufen verkleidete Nikoläuse herum." Als was haben sich die Nikoläuse wohl verkleidet? Als Chinesen?
Biggest. "Abortion is advocated only by persons who have themselves been born." Von wem? Da muß man doch nicht dreimal raten!
Jesus! Das Vertrauen in die göttliche Allmacht schwindet rapide. GOtt ist mittlerweile sowas Ähnliches wie Helmut Kohl, kann also eines Tages auch in der dritten Reihe sitzen, während irgendeiner Angela oder Antje gehuldigt wird. Wie weit es mit GOttlosigkeit und Profanierung schon gediehen ist, offenbart eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, in der beschrieben wird, wie sehr sich die Gegend um Nazareth, Bethlehem etc. in den letzten 2000 Jahren verändert hat. Original-Überschrift, sage und schreibe: "Jesus würde das Heilige Land nicht wieder erkennen"!
Köpfchen. (Aus unserer Serie: *PFUI - Political F*ckin' Unacceptable Incorrect) Schlagzeile in einer Zeitung mit großen Buchstaben: "Kanzler-Gattin: Streng erziehen". Diese Schröders! Jetzt wird auch noch die SM-Szene becirct!
Aküfi. Erfolgreiche Vorabendserien werden vom Abkürzungsfimmel liebevoll umbenannt, z.B. GZSZ, also Gute Zeiten - Schlechte Zeiten, oder VL (Verbotene Liebe), aber auch DSDS (Deutschland sucht den Superstar). Der Sender SAT1 soll das gerade noch rechtzeitig bemerkt haben, deshalb wird die neue Soap nicht "Alles nur aus Liebe" heißen. Eigentlich schade.
Badgag. Was hätte Forrest Gump wohl gesagt, hätte er Irak noch erleben müssen? Ich vermute: "Schiit happens!"
Katastrofe. Bildung, Wissen etcetera seien der neue, der wichtigste Rohstoff für unser Land. So tönt es von jeder Regierung + Opposition. Ganz richtig ernst nehmen muß man das wohl nicht. Zum Beispiel wegen der neuen Rechtschreibung. Denn wie wäre es sonst zu verstehen, daß sturheil eine zu 95 Prozent mißratene Rechtschreibreform an den Schulen weiter durchgezogen wird. Kein bündiger Kommentar von Bildungs-, Schul- und Kultusministern zu den inzwischen zahllosen Nachweisen der Fehlerhaftigkeit der Reform und ihrer erschreckenden Dummheit, zu der offensichtlichen Bildungskatastrophe der Macher des Machwerks. Keine Einsicht, keine Reform der Reform. Auch kein Mucks von der Opposition. Die Schüler müssen es büßen. Ein legendäres Transparent aus den glorreichen 68er-Tagen hieß: "Solche Idioten regieren uns". Und richtig geschrieben war das auch.
Tellerminen. Haben Sie es auch schon bemerkt? Unser Minister des Äußersten nähert sich (auf seinem langen Lauf zu sich selbst und zurück) bedenklich der Statur von Ariel Scharon; bald kann man die beiden für Zwillinge halten. Was sagen bloß die Palästinenser dazu? Und was, um Himmelswillen, bedeutet das für den Friedensprozeß in Nahost?
Doll. Die F.A.Z. meldet: "550 Millionen Menschen leben von nur einem Dollar am Tag". Wie soll das gehen? Wieviel ist 1 Dollar geteilt durch 550 Millionen?
Doggiestyle. Nicht daß es jetzt heißt, Politik und die dazu gehörende Publizistik seien auch in Deutschland auf den Hund gekommen. Doch ist es natürlich augenfällig, wie die Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf den first dog "Holly“ reklamemäßig an eine Drogerie-Kette gelegt hat und daß ihr nun Fernsehtalkerin Sabine Christiansen bei Fuß folgt. Nach Angaben des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg ist nämlich die stets gut frisierte Blondine am neuen Hundesalon des überparteilichen Star-Friseurs Udo Walz finanziell beteiligt. Mal sehen, ob nun Holly die Frisur und Haarfarbe von Herrchen bekommt, ob es Afghanen mit der Original-Walz-Merkel-Haartracht gibt, ob Königspudeln die Westerwelle (wow!) gelegt wird. On verra! Ein Teil der Einnahmen des Salons «Spark's Dogs & More» soll zugunsten notleidender Tiere verwendet werden. Ob das die Tiere sind, die bei Walz und Christiansen unter Messer und Fön waren?
Voll strecken. In den USA kämpfen zum Tode Verurteilte meist durch alle Instanzen und mit allen Rechtsmitteln gegen die Hinrichtung. Das kann Jahre, sogar Jahrzehnte dauern. Aber "Hängepartie" sollte man das lieber doch nicht nennen.
Wahlfang. Erich Honecker, würde er noch leben, er würde sich im Grabe (oder in der Urne) umdrehen. Seine Wahlhelfer brachten einst mit Ach und Krach nur schändliche 99,99 Prozent Wahlbeteilung zustande, was natürlich Zweifel am Sozialismus nähren mußte: Die DDR brach zusammen. Der sowjetnahe Osten der Ukraine zeigt nun, wie man's richtig macht: Wahlbeteiligungen von deutlich über 100 Prozent. Das ist einfach vorbildliches Engagement! So kann der Sozialismus vielleicht doch noch siegen.
Status Nazendi. Sage keiner, die Menschheit mache keinen Fortschritt. Zum Beispiel Gentechnologie und Präimplantationsdiagnostik: Die Nazis konnten das lebensunwerte Leben erst nach der Geburt selektieren. Wir können das jetzt schon vorher.
Herzblatt. Ich korrigiere die verehrte (ehrlich!) "Bild-Zeitung" nicht gern, das ist ja evtl. auch riskant, aber jetzt muß es mal sein. Wir lesen über den Bundespresseball und die schöne Gefährtin "Minu" unseres Ministers des Äußersten: "Joschka platzt vor Glück! Er hat ordentlich zugelegt (110 Kilo sind schon in Reichweite), doch sein Herz hüpft wie ein junger Straßenkämpfer." So geht es nicht! Straßenkämpfer hüpfen nicht. Straßenkämpfer schlagen heftig. Wie ein Herz eben.
Bruchstabe. What a difference a day makes - und ein Buchstabe auch. Letztens, beim Videotext-Gucken, durchfuhr mich der Blitz der Sensation. Ich las: "CDU-Vorstand stürzt Merkel". Beim zweiten Blick war's anders: "CDU-Vorstand stützt Merkel". Wahrscheinlich ist es politisch auch immer nur so haarscharf.
Ei(se)nbahn. Der fürs Maut-Lustspiel verantwortliche ehemalige Verkehrsminister Bodewig hatte auch mal verkündet: "Bei der Bahn wird es keinen Richtungswechsel geben." Man stelle sich vor!
Jugend forsch. Wo sind sie geblieben, die alten Fehden und Riesenschlägereien zwischen Jugendbanden ("Romeo und Julia", "West Side Story" usw.)? Gibt es das überhaupt noch? Na klar, sogar institutionalisiert. Die eine Jugendbande heißt "Castor-und-Globalisierungs-Gegner", die andere heißt "Polizei". Oder haben Sie geglaubt, das ganze Theater habe etwas mit Politik zu tun?
Zum Schießen. Es gibt schon geschmackvolle Formulierungen! Zum Beispiel seinerzeit in den Radio-Nachrichten: "In Berlin ist der Startschuss für den Bau des Holocaust-Denkmals gefallen."
Wahllos. Was hat sich nach den Bush-Wahlen (vor allem der ersten) der europäische Dünkel in seiner Ignoranz gespreizt! Wie es denn angehen könne, daß nur wenige Stimmen über den Präsidenten entscheiden oder daß jemand mittels der Wahlmänner-Regelung Präsident werden könne, obwohl er im ganzen Land weniger Stimmen als der Gegner habe. Keine Ahnung herrscht also davon, daß "the winner takes it all" seit je eine urdemokratische Regel z.B. in England ist, wo man locker 40 % aller Wähler, aber keinen einzigen Parlamentssitz bekommen kann. Und das gilt natürlich, was anscheinend überhaupt keiner gemerkt hat, sowieso auch bei jeder Personen-Direktwahl: der Unterlegene wird gar nichts, selbst wenn er/sie 49,5 % der Stimmen hat – sogar im neunmalklug törichten Deutschland ist das so. Oder unser Bundesrat: Bremen mit ca. 700.000 Einwohnern hat dort 3 Stimmen, NRW mit rund 20 Millionen (fast 30 mal mehr!) Menschen hat 6 Stimmen. Und damit werden bei uns die wichtigsten Gesetze gemacht! Was kann einen der dämliche Hochmut, die komplette Schimmerlosigkeit anöden! Kein Wunder, daß Deutschland, große Töne spuckend und wenig begreifend, mit Abstand den wirklich wichtigen Ländern und Entwicklungen hinterherhinkt.
Wie im Leben. Vor einiger Zeit haben Kinder auf einem Spielplatz eine Leiche gefunden, ohne Kopf. Enthauptet. Der abgetrennte Schädel war verschwunden. Trotzdem gelang es, die Identität aufzuklären. Es handelte sich, wie die Polizei mitteilte, um einen 35-jährigen, "getrennt lebenden Mann". Ist das nicht unglaublich? Hat schon so gelebt!
Frauenmenschen. Ja, auch die Partei PDS macht immer wieder Freude. Sagte doch eine kecke junge Abgeordnete in einer Bundestagsdebatte und in vollem Brustton: "Die Frau muß Herr über ihren Körper bleiben." Ach herrje!
Luftlos. Jahrelang – und ergebnislos! – habe ich nun über die folgende Bemerkung im Leitartikel des Chefredakteurs einer unserer großen Tageszeitungen gegrübelt: "Damit verschulden sie (Politiker) das Vakuum mit, in dem Rattenfänger ihre Flöten blasen." Ich gebe das Problem jetzt einfach mal an Sie weiter: Wie blasen Rattenfänger im Vakuum ihre Flöten? Sachdienliche Hinweise bitte wie immer an hmaessen@web.de.
Bombig. Im ZDF, dem einäugigen Fernsehprogramm, wurde eine afghanische Autorin interviewt, zur Lage der Frauen unter Taliban, Nord-Allianz und Krieg. Danach weist die ZDF-Moderatorin die Zuschauer auf den folgenden Internet-Chat hin: "Da können Sie unseren Gast mit Ihren Fragen bombardieren." Wie sinnig.
Hitchfeld. Man muß ihn einfach gern haben, den Sensibilissimus der Düsseldorfer Filmkritik. Welches Vergnügen hat er uns mit seiner Hommage zu Alfred Hitchcocks Hundertstem bereitet! Wörtlich, zum Mitfreuen: "Hitchcock - ein weites Feld, so weit wie die Mais-Anpflanzung im 'Unbekannten Dritten', wo Cary Grant dem Gift-Anschlag eines Sprühflugzeugs zu entfliehen sucht." Oh ja, und Feuilleton - ein ganz weites Feld, so weit wie das Land, wo die Stilblüten blühen und der Redakteur die Effi Briest mit Hitchcocks Maiskolben erschlägt, mitten in einer Prärie, die noch viel, viel weiter ist als das kleine vertrocknete Maisfeld, aber das hätte ja nicht ins literarische Zitat gepaßt, da kann das Schreibzeug noch soviel Geist versprühen. Was soll man dazu bloß filmen? "Bei Artikel Mord"? "Vertigo - Aus dem Reich der Schoten"?
Ausredung. In Europa wird gern behauptet: "Die Amerikaner haben die Indianer ausgerottet." Falsch. Das waren nämlich Europäer. Spanier, Engländer, Franzosen, Skandinavier, Holländer, Iren usw. Und Deutsche auch. Howgh!
Heuschreck. Man soll Menschen nicht Tiere schimpfen (Ratten! Pinscher!! Schmeißfliegen!!!). Mit Touristen macht man's aber. Touristen werden ständig mit biblisch plagenden Heuschrecken gleichgesetzt. Und nun ist es passiert, nun gab es wirklich Heuschreckenschwärme in Urlaubsparadiesen, nun entpuppt sich die leichtfertige insektozide Frivolität. Im folgenden Zeitungsbericht haben wir mal die Heuschrecken einfach gegen Touristen ausgetauscht. Schnallen Sie sich an und stellen Sie bitte die Rückenlehne senkrecht: Kanaren geben Touristen-Entwarnung Europa ist die Touristen wieder los. Regenfälle und Stürme haben den Plagegeistern in Portugal den Garaus gemacht. Auf den Kanaren sind sie einfach so verendet. LAS PALMAS/LISSABON. Fünf Tage nach der "Invasion" von 200 Mill. Touristen auf den Kanarischen Inseln haben die Behörden Entwarnung gegeben. Es seien keine neuen Schwärme mehr auf die Inselgruppe gelangt. Die Touristen auf Lanzarote und Fuerteventura seien verendet. In Portugal vernichteten Regenfälle und Stürme die Schwärme, die sich in der Urlauberregion Algarve niedergelassen hatten. In Ägypten hält die Touristenplage dagegen noch an. Die Kairoer Tageszeitung "Al-Wafd" berichtete, Bauern in den Provinzen nördlich und südlich der Hauptstadt kämpften immer noch gegen Touristen-Invasionen. Landwirte erklärten, sie hätten mit brennenden Autoreifen und anderen primitiven Mitteln versucht, die Schwärme zu vertreiben, die sich über ihre Weißkohl- und Kartoffelfelder hergemacht hätten, leider ohne Erfolg. Nach Auskunft der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) ist die Gefahr einer Ausbreitung der Touristen-Plage auf das europäische Festland gering bis inexistent. Bei den kalten Winden und niedrigen Temperaturen seien sie nicht überlebensfähig.
School's out. Neben dem Tor des innerstädtischen Luisen-Gymnasiums verkündet ein Schild: "Schülern und Schulfremden ist das Befahren des Schulhofes untersagt". Schülern und Schulfremden - ob das überhaupt noch ein großer Unterschied ist?
Letztes Ding. Welch tiefschürfende, hochphilosophische Aussagen sich doch hinter scheinbar flapsigen Bemerkungen verbergen können! Hörte ich nämlich neulich jemanden sagen: "Der Tod, das ist das letzte..."
Last Food (Hingericht). Bis zu 25 Dollar darf ein Todeskandidat in den USA für die Henkersmahlzeit ausgeben. Fast alle Todeskandidaten bestellen sehr üppig. T-Bone-Steak mit Pommes und doppelte Cheeseburger sind nach einer Untersuchung des texanischen Justizministeriums die Lieblingsspeisen der Todeskandidaten. Den größten Appetit aller Todeskandidaten hatte bisher der Mörder Jeffrey Dillingham (auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet). Seine Bestellung: "Ein Cheeseburger mit drei Sorten Käse (Gouda, Chedar und Mozzarella), eine große Portion Pommes, ein Teller Makkaroni mit Käse, Lasagne mit zwei Scheiben Knoblauchbrot, drei Stück Zimtgebäck, fünf Rühreier, zwei Liter Milch." Ich nehme mal an, der wollte sich einfach totfressen, was ja viele Amerikaner sowieso tun. Respekt hat mir persönlich der Mörder Victor Feguer (1963 elektrischer Stuhl) abgenötigt. Der Mann hatte Stil und eine obercoole Henkersmahlzeit: Er begnügte sich mit einer schwarzen Olive.
Red Mill. Im Film-Musical "Moulin Rouge" wird die Belle Époque so furios mit Broadway und Las Vegas verschmolzen, daß man aus dem Fernseher schon hören konnte, in dem Streifen werde (jetzt lautschriftlich:) "Kenn-Kenn“ getanzt. Kann ja sein, daß (die Up-Skirt-Show?) "Cancan" demnächst als Hollywood-Erfindung gilt: "I can dance can."
Hitchbock. Großartig! Hitchcock auf vielen Kanälen, Hitchcock vor allem wieder auf der Leinwand, weil er 100 geworden ist (oder wäre). Wunderwerke wie "Notorious/Berüchtigt" (noch viel besser als "Casablanca", nervenaufreibender Liebesirrsinn in der Folterkammer der Weltpolitik) oder "North by Northwest/Der unsichtbare Dritte" mit Kino-Ikonen wie (u.a.!) Trunken-Todesfahrt, Wüsten-Warten, Maisfeld-Jagd, Mount-Rushmore-Cliffhangers, Zug-in-Tunnel-Akt. Aber was für eine Schande sind die schlechten Kopien, die uns die Verleiher im (Programm-)Kino zumuten. Natürlich verrauscht, verschrammt, aber auch mit Lücken, weil gerissen und geflickt. So geht man mit Meisterwerken um! Man stelle sich vor, ein Picasso käme derart beschädig-ruiniert in die Ausstellung. Alles würde schreien. Aber mit Hitchcock (und Kubrick etc.) kann man's machen? Nein, kann man nicht. Es ist eine Schande. Und banause Frechheit.
Frau Bin Laden. Im Sinne eines Gedankenspiels toller Vorschlag des "Clash-of-Civilizations"-Erfinders Samuel P. Huntington: Osama Bin Laden einfangen, eine Geschlechtsumwandlung durchführen und ihn dann dazu verurteilen, als Burka-Frau unter seinen Talibans zu leben. Das hat etwas von der schönen Gerechtigkeit am Schluß Grimm’scher Märchen!
Papperlapur. Die schwäbische Musik-Gruppe "PUR" ist populär und erfolgreich. Und das, obwohl sie pop-musikalisch am unteren Durchschnitt klampft und die hochgelobten "guten" Texte von Hartmut Engler und Konsorten ein grauenerregendes gymnasiales Gesülze sind. Aber das kommt bei einem Teil der Jugend anscheinend an: Schule, musikalisch untermalt. Nun gut, der Frontmann bzw. Oberlehrer der Truppe, H. Engler, hat beklagt, daß sowas wie "Big Brother" gesendet wird. "Wie soll ich meinen Kindern erklären, daß sie etwas lernen sollen, wenn ihnen vorgeführt wird, daß man sich nur blöd in den Container setzen muß und dabei reich und berühmt werden kann." Okay. Aber wie erklärt dieser Engler seinen Kindern, daß sie etwas lernen sollen, wenn ihnen ihr Vater vorführt, daß man auf der Bühne nur blödes Zeug knödeln muß und dabei reich und berühmt werden kann?! Würde mich echt interessieren.
Populeer. In einem Fernsehbericht erzählt ein Mann etwas über Herzoperationen. Wer ist das? Aha, da kommt schon die erklärende Einblendung: "Yarvis Patrick, berühmter Herzchirurg". Was für ein Unsinn! Die Einblendung beweist doch, daß er nicht berühmt ist. Wäre sie sonst nötig?
Schildbürger. Die Deutschen haben Schwierigkeiten mit dem Raketenabwehrschild der Amerikaner. Und nicht nur politisch. Andauernd wird "das Schutzschild", "das Raketenabwehrschild" etc. der USA geschildert und kritisiert. Dabei kann man "das Schild" bestenfalls irgendwo zur Warnung aufstellen, zum Schutz dient seit immer schon und immer noch "der Schild". Die sprachliche Schlamperei bzw. Inkompetenz ist kein Zufall; sie entspricht der Schimmerlosigkeit in der Sache.
Tierisch. Sie haben sicher auch schon von der These gehört, daß sich Herr und Hund, Frauchen und Wauwau in vielen Jahren der Partnerschaft immer mehr zu ähneln beginnen. Madame mit dem lila Stich im Grauhaar sieht dann aus wie die Schwester der Pudeldame, und der Mann mit dem Boxerrüden läßt immer mehr die Backen hängen. Ich glaube, dieses Phänomen auch in der Politik beobachten zu können. Peter Struck läuft rum wie eine fleischgewordene Kurzstreckenrakete und Walter Riester sah aus wie ein Rentenantrag auf zwei Beinen. Jürgen Trittin könnte man jederzeit mit einer Windkraftanlage verwechseln, Ulla Schmidt mit einer Spalt-Tablette und Edmund Stoiber ist der eingeschneite bairische Grenzpfahl in Person. Aber die dollste Annäherung schafft Renate Künast, die Landwirtschaftsministerin. Gucken Sie mal genau hin: Irgendwie sieht die doch aus wie eine Käfighenne – oder etwa nicht?
Käfig-Haltung. Apropos: Auch die Rechtschreibprüfung von Microsofts "Word" ist ein bißchen political unkorrekt. Für das unbekannte Wort "Künast" wird als Verbesserung vorgeschlagen: "Knast".
Virtuelle Graffiti. Das ist ja interessant, wie jetzt Gebäude bunt beleuchtet werden. Nicht nur in Paris, Washington, Kiew, nein bis in die an und für sich finsterste deutsche Provinz. Schön. Farbe ohne Anstrich. Das wäre auch eine Idee für die Sprayschmierer. Die könnten ihre "Tags" und sonstigen Scheiß (nicht immer Scheiß, aber leider meistens) an Hauswände projizieren, mit kleinen Scheinwerfern sogar überfallartig im Vorübergehen. Rückstandsfrei, straflos und irgendwie moderner, zeitgemäßer. Cooler.
Leise aufs Auge! Bärbel Schäfer, die ehemals nachmittags bei RTL Prols aufwiegelnde Freundin und jetzige Ehefrau vom Kleininquisitor Michel Friedman, die hat einmal in ihrer Talkshow etwas gefragt, was mich grübeln ließ, ob die (sympathische!) Frau nun besonders dämlich oder ziemlich klug ist. Gefragt hat sie nämlich einen Talkgast: "Wie klingt das in Ihren Augen?"
Howdoyoudusel. Der britische Prinz Karl ("Charles“) könnte mir wirklich noch ans Herz wachsen. Wenn das stimmt, was ich aus dem Vereinigten Königreich hörte, tritt er nämlich in die Fußstapfen seines hemmungslos skurrilen Vaters. Prinz Karl soll auf einem Empfang einen der paar Dutzend Brüder von Osama Bin Laden small-talk-mäßig gefragt haben: "Was macht denn Ihr Bruder dieser Tage so?" Die Antwort ist nicht überliefert. Vielleicht: "Danke der Nachfrage, Hoheit. Übrigens: Er will auch Ihre Mutter umbringen. Was halten Sie davon, Sir? Would you mind?"
Zugverkehr. Das schwarz-russische Model, mit dem das blonde Leimener Bum-Bum-Bobbele sich in einer Londoner Wäschekammer mittels natürlicher Methode geclownt hat, versuchte einmal, den folgenreichen Vorgang zu erklären: "Ihn in seiner Erregung zu stoppen, war so unmöglich wie der Versuch, einen Hochgeschwindigkeits-Zug zu stoppen." Wir haben uns bei der Deutschen Bahn erkundigt: Es ist durchaus möglich, auch Hochgeschwindigkeitszüge zu stoppen, z.B. durch das Signal 7 mit der Bedeutung "Halt!". Es gibt sogar ein Vorsignal, nämlich das Signal 9, mit der Bedeutung "Am Hauptsignal ist Halt zu erwarten". Auch die Notbremse tut es selbstverständlich, und äußerstenfalls ein Prellbock. Zu dem darf man sich aber natürlich nicht selber machen, das ist klar.
Bürgschuft. Daß Kinderschänder und notorische Gewalttäter aus einer laxen Haft wiederholt entfliehen und neue Verbrechen begehen können, empört die Öffentlichkeit. Mit Recht. Es ist schon skandalös, wie beispielsweise verträumte Sachverständige in Komplizenschaft mit einer noch verträumteren Sozialarbeiterfraktion immer wieder solches ermöglichen. Es gibt aber ein ganz einfaches probates und gerechtes Mittel für verantwortlichere Gutachten: Die Gutachter und Betreuer müßten für deren Richtigkeit bürgen, und zwar mit derselben Strafe, die ein solcher Täter für Taten erhält, die er trotz/wegen Gutachtens begehen konnte. Sollen wir wetten, daß die angeblich Sachverständigen völlig anders urteilen, wenn ihnen selber ein Übel droht und nicht nur anderen Leuten und anderer Leute Kinder! Wetten?!
Blonde Leimener. Was die Schule so anrichtet! Weil die Deutschlehrer Wortschatz beibringen wollen, kreiden sie in den Aufsätzen Wortwiederholungen an. Das führt später auch zu gräßlichsten neurotischen Verkrampfungen in Presse, Funk und Fernsehen. Als da beispielsweise wären: Der blonde Leimener, die Unruheprovinz, das Hamburger Nachrichtenmagazin, der Weimarer Dichterfürst, der schnelle Kerpener, der schwarze Riese, die grüne Insel, der Meister des Suspense, der Alte aus Rhöndorf, der sturmfeste Niedersachse, das politische Urgestein, der Ferrari-Star, der Herzpionier, die Pythia vom Bodensee, der kühle Bayer, der kleine Schumi, der populärste Ostfriese, die Geißbock-Elf, der Dauerrenner aus Wolfsburg, der sparsame Hesse, der mächtigste Mann der Welt, Jelzins Ziehsohn, die langbeinige Berlinerin, das Sex-Symbol der 60er Jahre, der Cowboy im Weißen Haus, der Promi-Figaro... Alle erkannt?
Schwarz. Bei Mord und Trauer flattern schwarze Bänder an Autoantennen. In Deutschland. In New York, beim schlimmsten Trauerfall, waren es "Stars and Stripes“. Das sagt nicht alles. Aber viel.
Rot. Funk und TV melden: "Unter strengster Geheimhaltung ist eine Bundeswehreinheit in den Mittleren Osten aufgebrochen. Das verlautete aus dem Verteidigungsministerium." Wundert sich da jemand, daß Terroristen so gern in Deutschland schlafen?
Goldig. Jedes Jahr sterben in Deutschland 10.000 Menschen im Auto, 100.000 Menschen am Alkohol und noch mal 120.000 wegen Zigaretten. Normal. Aber wenn viereinhalb Kühe an BSE erkranken, dann kommt die große Todesangst. Ist das nicht bescheuert?
Pfandsache. Einer Notiz in unserem Lieblingsklatschblatt "Gala" verdanken wir eine erschütternde Erkenntnis über das blinde Walten des Schicksals. Wir müssen nämlich lesen: "Wim Wenders. Eigentlich wollte er Musiker werden. Doch dann kam alles anders." "Gala" sagt auch wie und was: Der heutige Filmemacher Wenders habe früher geglaubt, die Musik sei sein Ding, sei seine Zukunft. "Bis zu dem Tag, an dem er im Schaufenster einer Pfandleihe eine Filmkamera entdeckte." Warum nur, warum!? Wir raufen uns das Haar, wir zerreißen unsere Gewänder, wir recken die Arme zum Himmel! Warum hat dieser Unglückswurm von Pfandleiher nicht was anderes im Schaufenster gehabt?! Eine Triangel! Einen Toaster!! Ein Kehrblech!!! Alles, nur keine Kamera. Dem Kino und dem Zuschauer wäre ein bißchen was erspart geblieben.
Ins Auge. Eine Redewendung hat Konjunktur. Immer öfter ist zu hören und zu lesen, irgendjemand müsse mit irgendjemand "auf gleicher Augenhöhe" sein. Gleiche Augenhöhe – das ist das neue Schlagwort der Gleichstellung, der Nicht-Diskriminierung etc. Sogar für Parteien wird das schon formuliert: Die CSU müsse mit der CDU auf gleicher Augenhöhe sein. Zweifellos ist das doch ein Bild aus dem Zweikampf. Man sieht ja förmlich, wie sich da zwei Raufbolde mit vorgeschobenem Kinn in die Augen starren, den Gegner mit dem Blick fixieren, wie Olli Kahn beim Elfmeter. Ein aggressives Kampfbild macht die Runde. Wie kommt das?
W! S! V! Letztens habe ich einen Beate-Uhse-Laden gesehen, der tatsächlich "Winter-Schluss-Verkauf" machte. Nach kurzem Zögern hat mir das eingeleuchtet. In dieser Branche ist das wirklich passend.
Königsweg. Als Niederländer muß man nicht Monarchist sein, aber mit klugen Königinnen (Juliana, Beatrix) fällt das leicht. Mir zum Beispiel. Ich bin überzeugter Anhänger der (konstitutionellen, also republikanisch melangierten) Monarchie. Warum? Weil sie für überparteiliche Kontinuität und mehr Zusammenhalt sorgt. Weil sie Frauen, ohne mit der Wimper zu zucken, schon seit je zu Staatsoberhäuptern macht - was die entmonarchisierten Demokratien nur in rarsten Ausnahmefällen zustandebringen (Schande!). Jetzt habe ich einen dritten überzeugenden Grund gelernt, und zwar durch Otto von Habsburg, ältester Sohn des letzten Kaisers von Österreich. Der erzählt: "Theodore Roosevelt hat einmal Kaiser Franz-Josef gefragt, was eine Monarchie in der modernen Welt zu suchen habe. Er antwortete: 'Das Volk vor seiner Regierung schützen!'"
Freisprech. Beim Telefon, sogar beim mobilen, gibt es die praktische "Freisprech"-Einrichtung. Ich glaube, manche wünschen sich sowas auch für die Justiz.
Mindestens höchstens. Mindestlöhne, diese Schnapsidee für noch mehr Arbeitsplatzvernichtung, die wird es in Deutschland nun doch nicht geben. Der Ansatz war ja völlig falsch. Umgekehrt ist es richtig. Alle Fachleute, also auch die Gewerkschaften und Oskar Lafontaine und mein alter Kollege Albrecht Müller*, wissen es genau: "It's the Konjunktur, stupid!" Die muß angekurbelt werden, der private Konsum. Deshalb bin ich ganz entschieden für die Einführung gesetzlicher Höchstpreise, z.B.: 10 Cent für ein Kölsch/Pils/Alt, 12 Euro für ein Menü in Baiersbronn oder im »Vendôme«, 85,50 Euro für den Riesensuperflachfernsehbildschirm, 149 Euro für die Rolex Daytona (in echt), 299 Euro für vier Wochen Seychellen (La Digue), glatte 500 Euro für einen metallicpfeffergrauen Porsche Cayenne usw. Der Konsum würde anspringen wie Nachbars Lumpi! Was meinst du dazu, teurer Leser? *(Autor von »Die Reformlüge«, Preis nur 99 Cent. Quatsch, kleiner Scherz: 19,90 € natürlich.)
Wie im Himmel, so auf... Heute habe ich mich doch tatsächlich über die "Bild-Zeitung" ärgern müssen. So sehr wie zuletzt im sagenhaften April '68. Denn "Bild" prangerte einen standhaften Apfelbauern an, der keine weiche Birne hat. Also will er sein Land nicht zur Verlängerung der Piste der (von Anfang an fehlgeplanten) Hamburger Airbus-Werft hergeben. Jedenfalls nicht für wenig Geld, sondern wahrscheinlich nur mit ordentlicher Schmutzzulage.* "Bild" macht ihn fertig und titelt: "Apfelbauer gefährdet 4000 Arbeitsplätze - Tollhaus Deutschland". Der arme Mann! Was gab und gibt es für unnütze Gefährdungen von Arbeitsplätzen - auch im Tollhaus von "Bild" persönlich! Rationalisierungen im Springer-Verlag. Diverse Feldzüge gegen Anpassung der Rundfunk-Gebühren – z.B. Kurzum, wie wäre es mit alternativen Schlagzeilen, gesponsert von den tollen Häusern Künast und Trittin: "Flugzeugbauer gefährdet 4000 Apfelbäume" oder ein bißchen grundsätzlicher: "Airbus gefährdet nicht nur am Himmel, sondern auch auf Erden"? *(so ist es gekommen)
Schavansinn. Trotz Wowereit, Westerwelle, Ole von Beust und Franz Münteferings Tochter: Mit der von der Mehrheitsposition abweichenden Sexualität hat das Land und haben Politiker und auch die Journaille immer noch die verklemmtesten echt abartigen Schwierigkeiten. Wie wäre sonst zu erklären, daß der Hinweis auf eine vielleicht lesbische zukünftige Landesmutter als "Schmutzkampagne" verdammt wird?! Homosexualität = Bah? Ist es das? Nicht zu glauben. Und gar nicht gut so.
Harnsträubend. Einer der schlimmsten Alpträume jedes deutschsprachigen Rundfunk- und Fernsehmenschen ist im Jahre des Herrn 2004 wahr geworden: Der Iran betreibt Uran-Anreicherung! Und es ist passiert, weil passiert, was passieren kann, ich habe es gehört: "Der Iran stoppt die Urin-Anreicherung - pardon ..." Ähnlich gefürchtet sind übrigens Meldungen mit Gudrun Schaich-Walch. Warum? Das merken Sie schon, wenn Sie die Politikerin laut aussprechen.
Transportlich. Der Fernsehkanal "Pro 7" hat das Wesen von Castor-Transporten und den dazugehörigen Demonstrationen voll erfaßt. Im Videotext teilte er mit: "Atomtransporte verlaufen planmäßig: Schon 15 Demonstranten verhaftet." Planmäßig eben.
Blondi-Verleihung. Hätte es in einem Drehbuch gestanden, Bernd Eichinger und andere Produzenten hätten den Autor unter infernalischem Hohngelächter vor die Tür gesetzt. Aber dann geschieht es in Wirklichkeit und das Blut gefriert einem in den Adern: Die Mannschaft vom "Untergang", vom unmöglichen Film über Hitlers letzte Stunde, über das private Ende des wahnsinnigen Massenmörders nebst Entourage, des Führers in Unterdrückung, Bücherverbrennung, Menschenschinderei, Vertreibung, Weltkrieg, Judenverfolgung und Auschwitz und Völkermord erhält als Auszeichnung den/das "Bambi". Als sei nicht das Filmische schon peinlich genug, allen voran der zur bellenden Hitler-Charge mutierte Bruno Ganz, nehmen die Mitmacher von einem Amtsnachfolger des Reichskanzlers a.D. (Helmut Kohl) gerührt diese niedliche vergoldete Kitsch-Trophäe entgegen. Motto "Der Führer ist tierlieb"? Wie hieß Hitlers Lieblingsschäferhund? Ja, stimmt: Blondi. So sollte man den Preis ab jetzt nennen.
Kussspende. Der englische Prinz Karl ("Charles") hat durchaus den als typisch geltenden britischen Humor. Wo hat er wohl zum ersten Mal seine langjährig heimliche Gefährtin Camilla öffentlich geküßt? Wo? Auf einem Wohltätigkeitsball... (Apropos: Die Überschrift ist "Neue Deutsche Rechtschreibung".)
Trickgeld. Europäer, von denen viele ihre erfolgreichen Verwandten in den USA gar nicht leiden können, versuchen mit penetrantem & peinlichem Eifer der Komplexbeladenen, alles dort schlechtzumachen. Die Deutschen dabei vorneweg. Sagt man zum Beispiel, daß die Bedienung viel freundlicher sei als in Deutschland, kommt unter Garantie die Antwort: "Das tun die ja nur fürs Trinkgeld!" Freund Jochen, der Glückliche, der geraume Zeit in Kalifornien leben konnte, stellt darauf fest: "Warum die das tun, ist mir egal. In Deutschland gibt's auch Trinkgeld, und die Bedienung ist trotzdem unfreundlich. Dann lieber USA."
Weltblind. Da es aus halbrundem Anlaß und wegen eines sehr schönen Buchs bei Eichborn eine Humboldt-Renaissance gibt, erinnerte ich mich an ein Wort, das man besser nicht vergessen sollte: "Die gefährlichste Weltanschauung liefern Menschen, welche die Welt nie angeschaut haben." Also sprach Alexander von Humboldt, * Berlin 14. 9. 1769, † ebd. 6. 5. 1859! Er kannte die Welt und seine Landsleute wohl auch. Die haben schließlich nicht nur die meisten, sondern auch die verderblichsten Weltanschauungen der Neuzeit fabriziert und praktiziert. Aus Arbeitszimmern und den Kanzleien heraus.
Urmenschlich. Warum scheitern Dikaturen immer? Warum klappt der Kommunismus nicht, warum ist dirigistische Politik von rechts und links fast stets erfolglos, warum erreichen Subventionen ihre Ziele nicht, sondern viel zu oft ganz andere Wirkungen? Warum führen deutsche Gesetze dazu, daß Menschen Geld für den Tankerbau in Korea ausgeben und hoffen, damit Verluste zu machen? Die Antwort liegt in folgender Geschichte, die nicht im Wirtschaftsteil stand, sondern unter "Wissenschaft und Forschung" rubrizierte. Ein Paläontologe suchte in Indonesien nach Spuren von Vormenschen. Eines Tages großer Jubel: Einer der einheimischen Arbeiter brachte ein Knochenstück, und siehe da: Tatsächlich war es von einem Ahnen des heutigen Menschen, millionenjahrealt. Wertvoll! Phantastisch! Der Paläontologe versprach für jedes weitere Fundstück 10 Dollar. Tage später kamen die Arbeiter mit 30 Knochenstücken! Sie hatten ein gefundenes Schulterblatt in eben diese Stücke zerschlagen. Alles klar? Aber ob unsere Politik das auch versteht?
Schlagfertig. Es ist schön, wenn Menschen dazulernen. Sagte doch neulich im Radio ein Altgrüner zur Debatte über Krieg und Frieden und Terror und Parteiaustritt, er wolle in der Partei bleiben: "Denn wir brauchen einen schlagkräftigen Pazifismus." Was Anderes sagt George W. Bush auch nicht.
Niedermachen. Was die Politiker von ihrer täglichen Arbeit so halten, das konnte man hören, als die Opposition sich einmal erdreistete, den Vorgänger Horst Köhlers, den immer noch nicht heiliggesprochenen Johannes Rau zu kritisieren: Der Bundespräsident dürfe nicht in die Niederungen der Tagespolitik gezogen werden, wurde gemahnt. Aha! Niederungen! Interessant. Das wollen wir uns gut merken.
Aufmachen. Meine Lieblingsheimatzeitung (Auflage um die 500.000) kündigt ein kommendes Ereignis so an: "Sofia Loren Überraschungsgast bei Bambi-Verleihung".
Wendersalarm. Es ist in einschlägigen Kreisen wohl bekannt, daß ich von den Wenders-Filmen wenig bis nichts halte. Und etwas Langweiligeres als Film und Fernsehen vom netten Alexander Kluge ist in der westlichen Welt bestimmt weit und breit nicht zu sehen. Aber sogar ich finde es gemein, was ich kürzlich über die beiden gelesen habe: Daß man mit Filmen von Kluge & Wenders ein Kino schneller leerkriege als mit einem Feueralarm. Wirklich nicht nett. Aber auch falsch?
Nichts in Sicht. Aus der heißgeliebten "Bild-Zeitung" erfahren wir (wie immer) Erstaunliches: "US-Marine baut unsichtbares Kriegsschiff." Das kennt man doch aus dem Märchen! Des Kaisers neue Kleider! Stellen Sie sich mal vor, wie das aussieht, wenn das unsichtbare Schiff getauft wird und vom Stapel läuft. Irre. Ich gäbe was darum, das zu sehen.
Tierreich. Verkündete eine unserer großen Tageszeitungen als "Zahl des Tages" diese kleine Meldung aus dem Reich der Forschung: "Bei einem Schimpansen sind 98,5 Prozent der Gene mit dem menschlichen Erbgut identisch." Ich kenne Leute, da muß man das andersherum formulieren.
Ausgelagert. Unsere Lieblingslokalzeitung verwirrte uns wieder einmal und meldete zufrieden vom Sommerschlussverkauf: "Die Lager sind geräumt." Nanu, hat man etwa Flüchtlinge und Umsiedler im Dutzend billiger verschleudern können? Nein, gemeint waren natürlich die "Läger" der Kaufleute. Das kommt davon, wenn man in der Schule einiges von Politik und gar nichts vom Wirtschaftsleben erfährt. Da wird es eben schwierig mit dem Unterschied von C&A und K&Z.
Mitgenommen. Je mehr sich die Menschen von den Parteien, ihren Parolen und Politikern abwenden, je größer die Mehrheit für die Nichtwähler wird, desto öfter reden die auch von allen guten Geistern verlassenen Politiker/innen (samt und sonders!) davon, daß sie "die Menschen mitnehmen müssen". Eine Frechheit. Das sagen ausgerechnet jene, die schon lange nicht mehr mitkommen.
Adellos! 445.000 Euro! Diese horrende Summe soll Prinz August von Hannover zahlen, verdonnert von einer plebejischen Klassenjustiz und auf Grund eines tragischen Mißverständnisses: Nur weil der Prinz seit Jahren versucht, so progressiv zu sein wie der neue Adel, wie die (rot-)grüne Avantgarde an der Regierung! Der unglückliche Prinz hatte in vermutlich bester ökologischer Absicht einen Lärmmacher und Krachschläger vermöbelt, getreu dem erhebenden Vorbild unseres Ministers des Äußersten und der ruhmreichen Westend-Putztruppen. Doch was ist der Dank? Eine Strafe, die einer Enteignung des Adels nahe kommt. Ähnliches Unrecht ist Hoheit schon einmal widerfahren. Als in den 68er-Jahren ein Angeklagter der Außerparlamentarischen Opposition (APO) während der Gerichtsverhandlung vor dem Richtertisch seine komplette Notdurft verrichtete, um damit mutmaßlich zu demonstrieren, daß er auf diesen Rechtsstaat scheiße, da war der Mann ein Held des linken Widerstands, aller Aufmüpfigen und Autonomen auf dem langen Marsch durch Institutionen und an den stillen Örtchen vorbei. Und 30 Jahre später: Ernst August Prinz von Hannover, ein notorischer Mann der Tat, soll an einen Pavillon der Weltausstellung Expo gepinkelt haben. Und was geschieht!? Statt den mannhaften Protest gegen diese blödsinnige geldvernichtende Werbeveranstaltung zu loben, forderte man von ihm eine Entschuldigung. Und wer forderte das? Ein grüner Abgeordneter. Ausgerechnet! Ich frage Sie: Ist es ein Wunder, daß da auch blaues Blut kocht?
Ödi muss. Aus der Inhaltsangabe eines Films: "Der Berg ruft. Dem kann sich auch der Küchenjunge Rudi nicht entziehen. Er setzt alles dran, den Gipfel der Zitadelle zu erobern, obwohl sein Vater dabei umgekommen ist." Obwohl? Weil! Weil!!!
Hohlocaust. Fürs feierliche Bereuen und Deklamieren ist der (seit der amerikanischen Fernsehserie so genannte) "Holocaust" eine feine Sache. Haben andere gemacht. Idioten, die aussehen wie Charlie Chaplin oder Bruno Ganz. Fiese Nazi-Verbrecher. Ist verdammt lang her. Außer Reden halten und letzte Entschädigungen vom shareholder value abzweigen, muß man auch nicht viel tun: 6 Millionen Menschen vernichtet! Nie wieder! Aus der Vergangenheit lernen! Schön, schön. Aber davon muß man kein Wort glauben. Als vor einiger Zeit gemeldet wurde, im östlichen Afrika seien bis zu 16 (sechzehn!!!) Millionen Menschen in höchster Gefahr Hungers zu sterben, was ist da eigentlich passiert außer den üblichen Spendenaufrufen? Mobilmachung? Luftbrücke? Internationale Super-Gipfel-Konferenz? Humanitäre Invasion? Ach was, nichts Besonderes. Der "Holocaust" von heute geschähe ohne große Aufregung. Und ob er wirklich passiert ist, ob Millionen von Menschen letzthin tatsächlich verhungert sind, hat sich dafür irgendjemand überhaupt interessiert? Sie vielleicht?
Zwangsneuhose. Frau Relindis Wüstefeld, 52, muß erwähnt und heftig gelobt werden. Sie ist Leserin der "Rheinischen Post" und hat zur ewigen Diskussion übers fiese wilde Männerpinkeln (an Karneval, Fußball, bei der großen Kirmes etc.) die verblüffendste probate Lösung per Leserbrief beigetragen: "Reißverschlüsse an Männerhosen hinten annähen!" Großartig. Genial! Besser geht’s nicht. Macht vielleicht auch modisch was her.
lechts-rinks. Der eklatante Mangel an politischer Bildung zeigt sich auch immer wieder, wenn die kleinen Neonazis ihre Hakenkreuze schmieren. Sie schaffen es nämlich fast nie, die richtigrum zu klecksen bzw. zu sprayen. Da hat doch die Schule, auch der Zeichenunterricht, versagt: Wie sieht das denn aus!
F*cken? Wo haben die Kinder nur immer die Witze her! Aber letztens war ein richtig guter dabei: "Was ist der Unterschied zwischen Ficken und Vögeln? – Ganz einfach: Ficken können nicht fliegen." (Hätte man auch selber drauf kommen können.)
Leitungsdruck. Sigmund Freud, wir danken dir! Unlängst in den Radio-Nachrichten folgender erstklassiger Versprecher: "Das deutsche Team steht nach den zuletzt schwachen Leitungen – pardon: – Leistungen unter Druck." Hat beides gestimmt!
Zahlenlotto. Das war aber noch mal gutgegangen! Bei einer großen Demo gegen rechte Gewalt in Düsseldorf sollen außer 4.000 Polizisten auch noch 25.000 zivile Teilnehmer gewesen sein. Das waren jedenfalls mehr als bei der Demo gegen die Hundeverordnung. Andererseits: Zur gleichen Zeit, zur nämlichen Stunde, in derselben Gegend waren beim Bundesliga-Spiel Schalke gegen Leverkusen 41.500 Menschen und bei Dortmund gegen Kaiserslautern sogar 62.000. Wie kommt denn das? Haben die geahnt, daß die angeprangerte Gewalt in Wahrheit von kleinen islamistischen Idioten verübt worden war und daß sich wohl niemand von den gutesten Menschen getraut hätte, gegen diese ultrarechten Feinde Israels und der Juden zu demonstrieren und daß die selbstverherrlichende hochmoralische Empörung (à la Antifa) übelst verlogen ist? Ja, dann lieber Fußball. Da werden in der Halbzeit die Seiten wenigstens ehrlich gewechselt.
Ja, erstens. Stand da, aus gegebenem Anlaß, ein Kränzchen herzensbewegter Demonstranten um ein Transparent geschart, auf dem eine bedeutende und erhellende Botschaft geschrieben stand: "Sag Ja zum Frieden! Sag Nein zum Krieg!" Was soll ich da bloß machen? Ich konnte Ja-Sager noch nie leiden.
Alltödlich. Aus einem der beliebten Tierfilme im Fernsehen: "Der Tod ist etwas Alltägliches in der Arktis." Ja und? Bei uns doch auch. Eigentlich überall.
Ja, zweitens. Wenn die Amerikaner und ihre Alliierten einst den Aufruf der heutigen deutschen Friedensbewegten beherzigt hätten ("Ja zum Frieden – Nein zum Krieg"), dann hätten sie doch wohl "Ja zu Hitler und Holocaust" und "Nein zu Freiheit und Menschenrechten" gesagt. Oder habe ich da etwa etwas falsch verstanden? Ich bin ja (!) lernwillig.
Blair Kitsch Project. Ulrike Posche, geschätzte Kollegin von der Illustrierten "Stern" und Biografin des Kanzlers Gerd Schröder, berichtete mal in Form einer anekdotischen Skizze, wie sie sich einst auf einer Reportagereise heftig in den heutigen britischen Premierminister Tony Blair verliebte. Er hat "wunderbare Füße, schöne, weiße Engländerfüße" und trug ein Hemd von Ralph Lauren. Kollegin Posche war in Tonys Sonderzug und harrte der Vorlassung. Und dann löste sich die Spannung; sie schreibt: "Auf der Höhe von Northampton oder Nottingham ließ Blair mich endlich kommen." Soso, okay, aber wie? Heftig? Schnell? Immer wieder? Mit den weißen Engländerfüßen? Ich finde, das sollten Sterngucker und Sexualdemokraten dann doch auch wissen! Don't we?
Hinrichtig? Ja, in der Tat, es ist schon sehr befremdend, daß die Bush-Männer in Washington gegen Abtreibung aber für Todesstrafe sind. Doch mal ehrlich, ganz im Vertrauen: Ist der haargenau umgekehrte Fall (bei uns guten Menschen) wirklich so viel besser?
Ja und nein. Wie man höchst geschickt gleichzeitig ja und nein sagen kann, das lernt man in der Unterdrückung. Zum Beispiel DDR, wo der Volksmund eine Parole passend ergänzte: "Auf ewig mit der Sowjetunion verbunden – aber keinen Tag länger!"
Fastspeak. "Man kann über alles reden. Nur nicht über 5 Minuten" – so lautet eine alte amerikanische Rednerregel. Auch in Deutschland ziehen die langen Reden nicht mehr, müssen die obligaten Ansprachen kürzer gefaßt werden. Um trotzdem gleich viel sagen zu können, wird immer mehr fastspeak praktiziert, eine Art diagonales oder Steno-Sprechen. Unübertroffener Meister darin war der ehemalige Bremer Bürgermeister Koschnik. Der konnte beinahe jedes Wort um mindestens den Faktor 2 komprimieren. Etwa so: "Die Sozdemkran ham nits gen Mionäre i dr Bunzreplik." Geht doch. Sie haben das bestimmt verstanden.
Verdichtet. In diesen schnellen Zeiten ist man auch für kurze Lyrik dankbar. Gerne habe ich daher das folgende Gedicht, dessen Autor mir leider entfallen ist; der Titel lautet, wenn ich mich recht erinnere: "Tod eines Straßenkehrers". Und jetzt der Text: Er kehrt nie wieder.
Hört, hört! Wir lesen mit monarchistisch geschärftem Interesse, daß Prinz Edward, der jüngste Sohn der englischen Königin (auf deutsch: Queen), sich als Festredner anbietet; für die bescheidene Summe von 15.000 Pfund redet er eine Stunde. Was die Zeitungen nicht gemeldet haben: Für 30.000 Pfund redet er bloß 5 Minuten. No, just kidding, sorry.
Beam them up, Scotty! Der deutsche Physiker und Astronaut Ulrich Walter ist fest davon überzeugt, daß die Menschheit den Planeten Erde verlassen und Kolonien im Weltraum und auf dem Mars gründen wird. Wann? So etwa in 80.000 Jahren. Ist ein bißchen lang hin. Von mir aus könnten einige Exemplare schon jetzt den Abflug machen.
Danke, Maestro. Der wunderbare Klavierkomödiant Victor Borge starb hochbetagt, mit 91 Jahren. Zuvor hatte er unzählige Menschen klug und witzig zum Lachen gebracht und er hat – wie Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch und Steven Spielberg – die Nazis mitsamt ihrem geistesgestörten Führer der auch gebührenden Lächerlichkeit preisgegeben. Von Borge stammt nämlich folgendes: "Was ist der Unterschied zwischen einem Hund und einem Nazi? Antwort: Der Nazi hebt den Arm."
Höhnerhaltung. Bärbel Höhn gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingspolitiker(inne)n, aber dennoch ist mir einmal eine Schlagzeile sehr ans Herz gegangen. Da stand nämlich zu lesen: "Höhn will artgerechte Haltung". Und da muß ich sagen, da hat sie recht, auch Ministerinnen in Nordrhein-Westfalen haben wirklich einen Anspruch auf artgerechte Haltung.
Kritzler. Es ist schon ein dolles Ding, daß die zwanghaften Kritzler (Klo, Aufzug, Telefonzelle etc.) glauben, sie könnten noch mit einem hingeschmierten "Ficken" Eindruck oder Schock schinden. Lächerlich, kommt inzwischen in jedem zweiten Hollywood-Film vor und täglich im TV. Wie wär's denn mal mit wirklich schrecklichen Wörtern? Zum Beispiel: "Ökosteuer" oder "PUR" oder "Antifa" oder "Wellness" oder "Trittin" oder "Neun Live" oder so.
Affenstärke. Das Märchen von der Objektivität der Wissenschaft(ler), wer hat das eigentlich jemals geglaubt? Ein ausgesucht schönes Beispiel fürs tendenziöse Frisieren von Ergebnissen war kürzlich zu lesen. Man hat herausgefunden, daß Schimpansen einfaches Rechnen lernen können und verbreitet als Erkenntnis, Affen seien mathematisch auf dem Niveau von Vorschulkindern. Hätte man nicht auch sagen können, daß Vorschulkinder mathematisch das Niveau von Schimpansen haben?
Dreisprung. Machen Sie sich keine Sorgen, Auferstehung ist möglich, jedenfalls in Düsseldorf. Denn wie lesen wir kürzlich in unserer Frühstückszeitung: "Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ist eine Frau vom Parkdeck des Kaufhofs am Wehrhahn in den Tod gesprungen." Ich bin jetzt wirklich gespannt, ob die Frau das noch ein viertes Mal macht.
Hauthentisch. Ich bin sehr dafür, daß jeder, der sich für Gewalt bei Demos ausspricht (Gorleben, Göteborg, Genua, Globalisierung etc.), probehalber gleich eins aufs Maul kriegt. Damit klar ist, wovon geredet wird.
Windig. Seit der Schweizer Wetterfrosch Kachelmann aus Sonne, Wind und Wolken erstens ein Geschäft und zweitens ein Unterhaltungsprogramm gemacht hat, ereignet sich nun täglich auch eine verbale Klima-Katastrophe. Was müssen sich die Wettervorhersager jetzt für lustige Formulierungen abzwingen. Der dämlichste Hit ist der "Mix aus Sonne und Regen". Tja, früher waren die Wetterleute Beamte, heute ist happy hour in der Milli-Bar.
Sonnig. Auch so ein Ding aus der Sprachwetterküche: "Morgen scheint neben Wolken auch die Sonne."
Lüden-Scheid. Was Frauen dazu treibt, die monströs häßlichen und total unpraktischen Doppelnamen zu führen, ist mir seit je komplett schleierhaft. "Leutheusser-Schnarrenberger", "Adam-Schwätzer", "Krone-Schmalz", "Däubler-Gmelin", "Schröder-Köpf", "Caspers-Merk" etcetera und vor allem "Schaich-Walch" (der fällige Zungenbrecher kommt garantiert, siehe oben) sind ja schon bundesweite Lachnummern geworden. Warum nehmen Frauen das auf sich? Um was Eigenes zu haben? Statt Jodel-Kurs? Klar, Doppelnamen sollen natürlich irgendwie emanzipiert sein, weshalb man das Phänomen vor allem in rot-grünen Kreisen beobachten kann. In Wahrheit aber ist gerade das oberkomisch. Denn diese Frauen-Generation besteht also darauf, nicht nur den Namen des Mannes, sondern auch noch den des Vaters (oder Großvaters) zu tragen. Schöner, lustiger und nachdrücklicher (und Blöd-Sinniger) kann das Patriarchat wohl kaum zelebriert werden.
Ruck und Roll. Wie sensibel, wie zivilisiert, wie menschlich unser Land trotz der nachmittäglichen Horror-Talk-Shows geworden ist, das zeigte sich doch schon vor Jahren rührendst bei der Demission des damaligen CDU-Chefs Wolfgang Schäuble. Nirgendwo mochte man von Rücktritt sprechen und schreiben, alle scheuten den komischen Effekt. Die an sich herzlose Presse fand das neue und angemessene Wort für den Rücktritt im Rollstuhl: Der Rückzug.
Blaue Glocke. Was die moderne Wissenschaft nicht alles herausfindet! Zum Beispiel dieses: Die Erde, unser Heimatplanet, die tönt irgendwie. Sie schwingt nämlich mit 370 Millihertz – wie eine riesengroße Glocke. Wir hören das nicht, aber wahrscheinlich schlägt sie Dreizehn.
Leidmotiv. Heute wollen wir mal etwas raten. Welcher begnadete Kritiker hat das Folgende vor nicht allzu langer Zeit in einer der großen Zeitungen des Landes geschrieben? "Es geht um den Kampf gegen die amorphe Masse, den Lehm, aus dem ein Menschen-Bild zu formen ist, beziehungsweise den Ton, aus dem ja auch Musik besteht. Der beharrliche Kampf gegen die Trägheit der anderen (und sogar seine eigene) ist das Leit- oder Leidmotiv seines Seins." Der Lehm, aus dem ja nicht nur GOttes Mensch, sondern auch Musik besteht, der Ton aus dem man sich ein Sätzchen töpfert und mit Freud und Leit kämpft. Großartig! Aber es war nicht Joachim Kaiser. Hellmuth Karasek war's auch nicht. Tja, wer könnte das wohl gewesen sein?
Pisa, politisch. Die Partei hat schließlich viele Wähler. Sie ist auch nicht verboten. Das Parteiprogramm muss man doch nicht ernstnehmen. Wenn die mitregieren, werden sie sich den Realitäten anpassen müssen. Das wird sie auch entzaubern. Kennen Sie diese Argumentation? Ja, richtig, genau so hat das Bürgertum 1932/33 über die Nazis geredet. Was dachten Sie denn? Berlin? Meckpomm? Nicht doch, wer wird denn! Wo doch der Gysi so nett ist.
Nein sowas! Nein, was es nicht alles gibt. Z.B. einen grünen Staatsminister Ludger Vollmer (ja, genau, der mit dem irren Vollmer-Erlaß). Der sagte einst glasklar, warum die Grünen mit "Nein" zum Bundeswehr-Einsatz die Koalition nicht gefährden dürften: "Die erfolgreiche Arbeit von Rotgrün muß fortgesetzt werden. Bei Neuwahlen würden wir Grünen unter 5 Prozent bleiben. Dann hätten wir nicht mehr die Möglichkeit, unsere wichtige und erfolgreiche Politik fortzusetzen." Was ist das denn? Moment mal! Erfolgreiche Politik? Und dann keine 5 Prozent der Wähler?! Also deshalb Wahlen und sich den Wählern verweigern? Gehört sowas nicht auf der Stelle abgewählt und hochkant gefeuert? (Ja!)
Waffig. Irgendwann habe ich auch eine hübsche Zeile über den einsitzenden serbischen Ex-Präsidenten Slobodan Miloševic gelesen: "Diktator zieht angeblich auch Selbstmord in Erwägung." ...zieht Selbstmord in Erwägung! Da können Knarre oder Strick doch eigentlich nur auf einem silbernen Tablett gereicht werden.
Wohnhaft. Thomas Gottschalk, der nette Super-Moderator, war einmal aber richtig böse. Daß der FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle zu Besuch in den Big-Brother-Container gegangen war, fand er schlimm. Aber, lieber Thomas, noch viel schlimmer ist doch eigentlich, daß Westerwelle wieder rausgekommen ist.
Platz!hirsch! Ein lange geheim gehaltener Skandal wurde aufgedeckt! In der deutschen Sprache verbergen sich eindeutige, teils äußerst fragwürdige Befehle. Beispiele gefällig? Asylantenheim, Hindukusch, Hautärzte, Arschbacke, Deutsche Werft Hamburg, Doris Köpf-Schröder, Reit im Winkel, Roter Platz, Hautkranke Studenten, Heimkinder usw. Zu finden sind die unglaublichsten Geheimbefehle in einem bei Eichborn erschienen Buch: "Platz, Hirsch!“ Sehr zu empfehlen! (Natürlich auch deshalb, weil ich einer der Autoren bin – HM)
Selbsthilfe 1. Letztens sind im tiefsten Asien einige Mitarbeiter der "Welthungerhilfe" verschleppt worden. Etwa von Kannibalen?
Schlageranfall. Haben Sie das damals gesehen? Diese deutsche Vor-Ausscheidung für den "Grand Prix d'Eurovision"? Den jaulenden Zlatko? Den rappenden Altenpfleger? Den stammelnden Moshammer? Den verstrahlten Wolf Maahn? Die kreischende Siegerin? Den ebenso grauenhaften Rest? Das haben Sie gesehen? Echt? Und dann sind Sie noch hier? Dann sind Sie nicht ausgewandert? Sie haben vielleicht Nerven!
Mieterschmutz. Letztens klebte wieder einer der selbstgestrickten Wohnungssuchzettel im Stadtteil: "Ehepaar ohne Kinder sucht...". Wer schon so anfängt, dem sollte man überhaupt keine Wohnung vermieten.
Grünzeug. Was für ein Blödsinn wird zusammengeredet, vor allem in "der Politik". Beispielsweise einmal vom Menschenrechtsbeauftragten im Auswärtigen Amt zu Berlin; der hieß Gerd Poppe, ist ehemaliger DDR-Dissident und Bündnis-Grüner wie sein Chef Joschka F. Und er sagte doch allen Ernstes im Fernsehen, ich dachte, ich hätte sowas wie einen schweren Hörsturz: "Wir wissen natürlich, daß die Taten eines Unrechtsregimes nicht aufgearbeitet werden können mit den Kriterien eines Rechtsstaates." Doch, doch, doch: Nur mit den Kriterien eines Rechtsstaates, einzig und allein mit den Kriterien eines Rechtsstaates!
Selbsthilfe 2. Selber gesehen, folgende Ankündigung eines Ladens: "Jetzt neu! Mit Selbstbedienungsservice!" Ist das nicht irre!? Beziehungsweise: klasse?
Kom(m)blödchen. Es ist doch zum Heulen, auf welch schlichtem Niveau heutzutage gelacht werden soll – und wird. Comedy statt Kom(m)ödchen. Haben Sie beispielsweise schon mal diesen unsäglichen Herbert Knebel als Ruhrpott-Rentner gesehen? Völlig witzlos, eine hingequälte Imitation des großartigen Jürgen von Manger, der dem Ruhrpott das amtliche Kabarett-Denkmal gesetzt hat. Aber Knebel: Sauschlecht gespielt, langweilige Geschichten, oberblöde Texte, grauenhafteste Spasti-Mimik. Oder dieser Michael Mittermaier! Wer hat dem eigentlich gesagt, er sei Kabarettist? Wer holt den auf die Bühne, ins Fernsehen? Und warum? Für so'n bißchen doof verbal rumbolzen? Für dürftigste Erkenntnisse von einem fränkischen Knattermimen? Das einzig Tröstliche daran, daß der Mittermaier auf der Bühne steht, ist die Gewißheit, daß er dann wenigstens von der Straße runter ist.
New Dorf. Das war auch so eine irritierende Schlagzeile in unserer Heimatpresse: "Städtevergleich: Düsseldorf liegt vor N.Y." Obwohl ebenfalls Lokalpatriot, kann ich mir das nur damit erklären, daß die zweite Hälfte fehlte, z.B.: "...auf dem Bauch". Oder so.
Gasjammer. Es ist schon unheimlich, wie das mit dem "Freud'schen Versprecher" funktioniert, wie sich das Verdrängte an die Wahrheit durchmogeln kann. Geradezu irrwitziges Exempel im vorletzten Europawahlkampf. Ein Fernsehspot der NPD, die zur braunen Politpampe gehört und der zur Abkürzung NSDAP nur das (oder die) SA fehlt. Der Slogan am Ende des Spots lautete, halten Sie sich fest: "Gas geben, NPD wählen." Das muß man als Neo-Nazi erstmal bringen, das ist wirklich sagenhaft.
Nikonologie. Vor vielen vielen Jahren kaufte ich mir eine Spiegelreflexkamera, eine Nikon. In der Gebrauchsanleitung stand ein mir unvergeßlicher Satz, nämlich dieser: "Immer wenn Sie etwas mit Gewalt machen müssen, machen Sie etwas falsch." Ja, und das gilt möglicherweise nicht nur für Kameras.
Amtsneid. Altbundespräsident Johannes Rau hat einmal (wahrscheinlich verblüfft) festgestellt: "Bestimmte Angebote der Unterhaltungsindustrie signalisieren von vornherein absolute Sinnlosigkeit und werden gerade deshalb begeistert begrüßt." Logisch, daß das Politiker neidisch macht.
Karawanserei. Haben Sie das auch schon bemerkt? Wenn irgendeine Messe, also eine Ausstellung, beginnt, dann ist Gift darauf zu nehmen, daß es in Nachrichten und Berichten heißt: "...öffnet die Soundso-Messe ihre Pforten", oder als Variante: "...ihre Tore". Genauso stereotyp geht es dann weiter. Durch die Messen wird nämlich jeder Ausstellungsort zum "Mekka" von irgendwas. Kein Mensch weiß warum, aber Frankfurt wird dann zum "Mekka der Automobilfans", Hintertupfingen wird für die Dauer einer Ausstellung zum "Mekka der Modellbahnfreunde" – usw. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Sind wahrscheinlich inzwischen Textbausteine bei Nachrichtenagenturen und in Redaktionen.
Es reicht! Ach, wie ist der Marcel Reich-Ranicki supergut, wenn er so richtig in Rage gerät! Sein ehrfurchtgebietendes Wort zur sogenannten Rechtschreibreform müßte über den Portalen aller Kultusministerien und mindestens der höheren Lehranstalten eingemeißelt werden: "Eine von Trotteln verursachte Katastrophe."
Schildstörung. Als Marcel Reich-Ranicki (MRR) den Vorhang für sein Literarisches Quartett endgültig fallen ließ, da gab es wohl kein Medium, das diese historische Tat nicht gewürdigt hätte. Besonders schön unsere Lieblingsheimatzeitung. Dort lasen wir vom Kollegen Literaturkritiker: "Mit zärtlichen Worten konnte MRR Autoren aufs Schild heben..." Soso, naja! Aber man wüsste dann doch zu gern, welches Schild das war. Ein Halteverbotsschild? Das Schild "Abknickende Vorfahrt"? Ein Preisschild? Wir sehen: Auch nach MRR gibt es noch offene Fragen.
Mehr Licht! Die Aufgabe von Moderatoren in Radio und Fernsehen ist es bekanntlich, vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen. Und es ist wirklich nicht einfach, den zu präsentierenden Gemischtwarenladen mit Anstand unter Kontrolle zu halten. So mußte bekanntlich vor einiger Zeit über den Freitod der Kanzlergattin a.D., Hannelore Kohl, berichtet werden, die an einer qualvollen Licht-Allergie litt, und sich nur noch im Dunkeln aufhalten konnte. Gleich danach kommt der Fernseh-Morgenmagazin-Moderator zum nächsten Thema, welches er so ansagt: "Ungemein erfolgreich: Sonnenenergie!"
Big Spender? Haben Sie sowas auch schon mal gelesen: "Stoiber will 500 Euro für jedes Kind zahlen." Nein, es geht nicht um das Übliche wie bei Beckenbauer, Becker, Blanco, sondern um Sozialpolitik. Natürlich will nicht der Stoiber das schöne Geld zahlen, so viel hat auch er nicht auf der Lederhosennaht, nein, die Steuerzahler/innen sollen das machen. Einverstanden. Aber daß diese Leute, der Eichel, der Stoiber, der Kanzler, die Merkel, der Rüttgers, die Schmidt etc., also daß diese ganze politische Angestelltenschaft immer wieder so tut, als sei das ihr Geld, als würden sie uns was schenken, das ist dreist und frech: "Wir geben dem Bürger in diesem Jahr...", der Bürger "erhält ein Steuergeschenk" undsoweiter. Das sind Attitüden von Feudalherren. Man merkt's sowieso: Die Republik, die Volksherrschaft wird verdünnisiert.
Der Dreh. Ja, ja, der deutsche Film. Der Untergang. Die Otto-Zwerge. Dazu mal eine kleine Basis-Information: In Hollywood werden jedes Jahr rund 60.000 (sechzigtausend!) fertig geschriebene Drehbücher angeboten und geprüft. Die schöpfen im sonnigen Kalifornien aus dem Vollen. Ob Schauspieler, Tänzer, Regie, Kamera, Technik, Trick, Ton, Beleuchtung, Musik, Schnitt, Kostüme, dressierte Tiere – egal was, die haben die Leute (und die Viecher), die es können. Und meistens besser als der Rest der Welt. Was man sehen kann.
Dünne Eier. Politiker wie unser Superwirtschaftsarbeitsminister Wolfgang Clement reden gern von Innovation und Technologie und Ökologie. Dabei fehlt es für all das erstaunlicherweise schon am minimalsten Sachverstand. Sagte nämlich Clement auf die Frage einer Zeitung nach der "überflüssigsten Erfindung" tatsächlich dies: "Der elektrische Eierkocher". Wie werden im Hause Clement wohl die Eier gekocht? Durch stundenlanges Reiben? Durch Ausbrüten? Oder in großen Mengen kochenden Wassers, die kilowattfressend auf einem Herd erhitzt werden? Elektrische Eierkocher kochen dagegen mit der geringstmöglichen Menge Wassers und ergo Energie. Die müßten also von Rotgrün nachgerade zur Pflicht gemacht werden, jedenfalls wenn man da wüßte, was man in Regierungserklärungen etc. so daherredet.
Hollymoon. Die "Bild-Zeitung" ist schon klasse. Oft viel hemmungsloser komisch als sogar Stefan Raab oder Harald Schmidt. Da druckt sie angebliche Vorwürfe eines angeblichen US-Wissenschaftlers: Die Mondlandungen zwischen 1969 und 1972 sollen in einem Hollywoodstudio nachgestellt worden sein! Eins der Indizien laut "Bild": "Fotos zeigen eine flatternde US-Flagge. In einem luftleeren Raum wie auf dem Mond nahezu unmöglich." Ist das nicht irre? "Nahezu unmöglich"! Weil das nämlich ganz unmöglich ist, hatten die Flaggen zur Monderoberung einen Querstab, der sie in wehender Form hielt. Apropos Männer auf Frau Luna: "lunatic" heißt in den USA nicht "mondsüchtig", sondern "geistesgestört, wahnsinnig". Paßt das nicht wunderbar?
Stolzen Sie sich! Der ehemalige Bundespräsident (JR) hatte in der Debatte über den Stolz auf Deutschland, bzw. Deutscher zu sein, ein Achtwort gesprochen: Stolz könne man nur auf eine eigene Leistung sein, nicht auf etwas, für das man gar nichts könne. Mir leuchtet das sehr und sofort ein. Allerdings zerbreche ich mir noch den Kopf darüber, wie das in diesem Lichte denn nun mit der deutschen Kollektivscham ist, für die "in deutschem Namen begangenen Verbrechen" etcetera. Wenn man sich für andere schämen muss, dann darf man auch auf andere stolz sein. Und/oder umgekehrt. Ob JR daran wohl gedacht hat?
Fehllatio. Das Schlimmste an den nächtlichen TV-Werbepornos sind nicht die strammstehenden Implantate, sondern die erbarmungswürdigen Schauspielversuche. Die Darstellerinnen beispielsweise können sämtlich nicht mal richtig am eigenen Finger lutschen. Dabei kann das doch jedes Kind!
Volktreffer. Glück gehabt! Vor einiger Zeit ist ein Asteroid von 50 Metern Durchmesser dicht an der Erde vorbeigeflogen. Hätte er getroffen, hätte es einen Mordsbums und einen kilometergroßen Krater gegeben. Und von dieser Himmelskörpersorte soll es mehrere Tausend geben! Bemerkte ein britischer Wissenschaftler, trocken wie die sind: "Wir sehen, daß wir hier eine Art Schießstand sind. Bis jetzt haben wir höchstwahrscheinlich einfach nur Glück gehabt." Die Erde als Schießstand – hübsche Vorstellung. Aber welche Stadt sollte dann die Zwölf sein? Ernstgemeinte Vorschläge bitte an hmaessen@web.de.
Rinderstube. Rinderwahnsinn, Maul- und Klauenseuche sowie die Filmberichte über das brennende Problem hatten doch was Gutes. Jetzt wissen auch die Städter, daß die Kühe sich mit der Zunge in der Nase bohren.
Wegsehen! In privaten TV-Programmen liefen Spots "Medien gegen Gewalt", die von urkomischer Doppeldeutigkeit sind. Claim: "Gewalt ist furchtbar. Wegschauen auch." Merken Sie was? Das war eine Kampagne gegens Wegzappen bei Fernsehperlen wie "Flieh oder stirb", "Im Vorhof der Hölle", "Kampfgeschwader 633", "Invasion der Supermutanten", "Death Machine – Monster aus Stahl", "Irrgarten des Schreckens", "Explosion in Cuba", "Die Spur der Schwarzen Bestie", "Hilfeschrei aus dem Jenseits" – alles an einem Samstagabend auf Sendung. Medien gegen Gewalt? Zum Totlachen.
Tor! Im Fernsehen war das Bild eines Bundesliga-Fußballers zu sehen, und daneben stand "Tor des Jahres". Man kommt ins Grübeln: Vielleicht war das gar keine Blödheit, sondern eine verdammt raffinierte Beleidigung.
BigBang. In den Zeiten von Hitparaden, Harry-Potter-Rekorden und Dax-Notierungen scheint es auch interessant zu sein, wer wieviele Leute im Bett hatte. So werden nicht nur immer neue Rekordversuche aus dem Porno-Lager gemeldet ("Houston's Gangbang: 600 Studs 24 Hours" etc.), auch in den Gesellschaftsspalten der Familienblätter ist die Sache ein Thema. Letzthin der spanische Schmachtfetzen Julio Iglesias mit einer vorläufigen Lebensbilanz: So um die 3.000 Frauen habe er im Bett gehabt, es könnten auch ein paar mehr gewesen sein. Der Mann ist um die 60, nehmen wir mal 40 Jahre heftiger libidinöser Aktion an, dann macht das 75 neue Frauen im Jahr, alle fünf Tage eine andere, wenn man's nicht im Dutzend billiger und schneller macht wie der Jörg Immendorff. Wir erinnern uns: Der Maigret-Erfinder Georges Simenon ließ von 10.000 Frauen munkeln, in rund 50 Jahren. Der schaffte demnach angeblich alle zwei Tage eine neue, nicht gezählt die Wiederholungen und die vielen Male, wo die Angetrauten und die Dienstmädchen herhalten mußten. Wenn wir das alles glauben, dann sagt uns das doch nur eines: Daß Verwahrlosung keine Spezialität sogenannter sozialer Unterschichten ist.
Mel Gibsihm! Zuerst die gute Nachricht: Mel Gibson findet den Wenders-Film "The Million Dollar Hotel", in dem er einen FBI-Agenten spielen mußte, so, wie ich Wenders-Filme überhaupt finde: "...so langweilig wie einen Hundehintern." Und hier die schlechte Nachricht: Inzwischen gibt's den Film sogar auf DVD. Das Elend ist nicht aufzuhalten. Und wurde sogar schon verramscht! Also preiswert unters Volk gebracht. Herrje!
Tuttimutti. Die Verkrampfungen der politisch korrekten Gleichberechtigung machen immer wieder Freude. Man muß sich nur mal die Redner von Politik und Gewerkschaften (usw.) anhören, die den kleinen Unterschied inzwischen einfach wegnuscheln: "Liebe Kolleg'n und Kolleg'n...". Oder: "Ein großer Fortschritt für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmer!" Was die einen sich an weiblicher Endung sparen, holen die strammen Emanzen aber spielend wieder rein. Die sprechen natürlich das doofe Binnen-I, welchselbiges man aber nicht hören kann, wodurch (was mir egal ist) die Männer unerwähnt bleiben: "Liebe KollegInnen!" Daß die neue deutsche Bildungskatastrophe im übrigen mit dem lästigen Gutmenschentum fest verbunden ist, macht die tatsächlich von mir eigenohrig vernommene Wahnsinnsanrede endgültig klar: "Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!"
Selbsthilfe 3. Beschreibung einer Mahlzeit: "Es war so köstlich, so überaus delikat, ich hatte das Gefühl, mich selber zu essen." Klasse, oder? Leider nicht von mir. Ich glaube, der Satz ist von Jean Cocteau.
Namhaft. Natürlich weiß ich, daß man sich über Namen und Namensträger nicht lustig machen soll; die können ja nichts dafür, also ist das gemein. Deswegen habe ich nie etwas erzählt von der vor Jahren gesehenen Todesanzeige für einen verstorbenen Herrn "Karl Niemand“, und habe mir eisern den fälligen Witz verkniffen: "Wer ist gestorben?“ ... Nein, das ist auch pietätlos. Aber manchmal muß man die Komik einfach zur Kenntnis nehmen. Wie bei einer dpa-Meldung, überschrieben: "Ernährungswissenschaftler untersuchen Ess- und Kaufverhalten“. Als Autor zeichnete: Peter Stopfer.
Laufendes Ballett. Das russische Bolschoi-Ballett gastiert. Die tanzende minderjährige Tochter möchte das gerne sehen. Wie erfreulich, wie löblich, das kulturell aufstrebende Kind! Doch sofort der Schock: "Wann läuft denn das?" Läuft! Das Ballett! Bühne mit Kino und Event verwechselt! Und auch noch ein Kalauer: Das Ballett läuft! Die Aufklärung, daß auf der Bühne etwas gegeben oder aufgeführt wird und ein Film(streifen) läuft, die wird von einer anderen Tochter mit der schnappigen Bemerkung quittiert, das müsse man nicht so eng sehen. Ausgerechnet: Die sieht ihren Stiftekopp und das Hip-Hop-Gedöns nämlich obereng. Ja, sowas läuft beim Abendbrot. Man könnte auch sagen: wird gegeben.
Schrecklich gut! Dr. Hannibal Lecter ist hochintelligent, aber sein Darsteller, Anthony Hopkins, wohl auch. Zur Kritik an den Grausamkeiten in "Hannibal“ hat er gesagt, was er für den wahren Schrecken unserer Zeit halte: "Mittelmäßigkeit und genau diese 'political correctness‘.“ Geht mir eigentlich auch so.
Mal im Ernst. An dieser Stelle gebe ich Raum dem Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz, seinen glasklaren Anmerkungen im Interview der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vom 5. Dezember 2004. Das Graphitimäßige daran ist eine groteske deutsche Politik. Sie begann, als Rot (Johannes Rau in NRW 1995) den Grünen an die Regierung half. Das war der Sündenfall. Ich habe damals meine Freunde in SPD-Führungen alarmiert angerufen und angeschrieben, ob sie nicht mehr alle auf der Latte haben. Das nützte natürlich nichts, es ging den sozialistischen Gang, es kam, wie es leider kommen mußte. Die Grünen betreiben hinter dem Auf und Ab von Bauch und Liebschaften des deutschen Lieblingspolitikers (!), dem sinnlosesten Außenminister seit 1949 (mit Klaus Kinkel), eine Politik der schon gar nicht mehr klammheimlichen Deindustrialisierung und Wohlstandsvernichtung. Cool wirtschaften sie (pensionsberechtigt) Deutschland herunter, während die SPD sich zu Tode strampelt. Das ist jetzt keine Prognose mehr, das ist schon passiert. Die SPD kann, mangels Masse, ihre absichernde Sozialpolitik nicht mehr betreiben, sie hat (selber schuld!) nichts mehr zu verteilen, das heißt: auch sie wird von den Grünen kaltlächelnd verelendet. Es zum irre werden, wie die Bevölkerung dies mit sich machen läßt – und die SPD auch. Ob das Land noch kapiert, daß mit Fischer, Trittin, Roth usw. Gaukler an der Macht sind, die dieses Land unbehelligt in Elend und schwere gesellschaftliche Konflikte steuern? Ob es schon zu spät ist? Es kann einem angst und bange werden. Hier sind jedenfalls, als ein Schlußwort, die lakonischen Anmerkungen von Ekkehard Schulz – nichts als die bittere Wahrheit: FRAGE: Sie bauen ein Stahlwerk in Brasilien, warum nicht in Deutschland? ANTWORT: Wir haben das intern natürlich gerechnet. Platz genug haben wir in Duisburg. Nur: In Brasilien ist die Bramme 60 Euro billiger als in Deutschland. FRAGE: Weil hier die Löhne so hoch sind? ANTWORT: Nein, weil das Erz in Brasilien in der Nähe des geplanten Stahlwerks gefördert wird. Das verbilligt den Rohstoff. Außerdem sind in Deutschland die Kosten für Energie und Umwelt dramatisch. FRAGE: Jürgen Trittin ist schuld. ANTWORT: Wir haben die zweithöchsten Industriestrompreise in Europa, vor allem dank staatlicher Eingriffe. So hat Deutschland keine wettbewerbsfähigen Energiepreise. Das kostet Arbeitsplätze. Die Politik sollte einsehen, daß es langfristig ohne Kernkraft nicht geht, wenn man weltweit den Klimaschutz ernst nimmt und gleichzeitig akzeptable Preise haben will. Zudem liegen unsere Umweltschutzkosten pro Tonne Rohstahl in Deutschland um 20 bis 30 Euro höher als in Resteuropa. Wir betreiben einen Wahnsinnsaufwand, um das letzte Mikrogramm Staub herauszufiltern. FRAGE: Die Bevölkerung will nun mal keine schmutzige Industrie. ANTWORT: Mein Eindruck ist eher, daß die Bevölkerung den Kontakt zur wirtschaftlichen Basis dieses Landes verliert. Und das liegt an den politischen Eliten in diesem Land, die ihren Führungsaufgaben nicht nachkommen. Sie sollten den Menschen die Zusammenhänge klarmachen und ehrlich sagen, daß der Preis für hohe Umweltschutzauflagen auch hohe Arbeitslosigkeit sein kann. Wir als Unternehmer haben ein Problem, die Menschen zu erreichen. Uns unterstellt man reines Gewinnstreben.
Hinweis, ernsthaft:
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»Sich alles gleichzumachen, ist ein großes Prinzip der Natur. Nur verschlingt die größre Kraft die andre.« (53/2004 - Johann Wolfgang von Goethe)
»Wenn wir uns nicht in Liebe zusammenstürzen und uns umarmen, sind wir uns doch eigentlich feind und fremd.« (52/2004 - Gottfried Benn, Notiz, 1954, wg Ursula Ziebarth)
»Before I refuse to take your questions, I have an opening statement.« (51/2004 - Ronald Reagan in einer Pressekonferenz)
»Lieber mach' ich mir einen Feind, als daß ich auf eine Pointe verzichte.« (50/2004 - Oscar Wilde, 1854 - 1900)
»There are 10 types of people in the world: Those who understand binary and those who don't.« (49/2004 - gefunden in einer Anzeige auf der The Register-Website)
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