Männliche Wichtigtuer. Als Touristin habe ich über 60 Länder bereist. Wenn dort etwas funktionierte, war es den Frauen zu verdanken. Sie kaufen ein, kochen, waschen, bringen die Kinder zur Schule, arbeiten auf dem Feld und bringen die Erzeugnisse auf den Markt. Derweil sitzen die Männer in Bars oder Cafés und trinken Tee oder Alkohol. Den maroden deutschen Staat haben wir Männern zu verdanken. Frau Merkel wird daran nichts ändern können. Wenn sie brutto und netto verwechselt, finde ich das weniger schlimm als die Schönredereien der männlichen Wichtigtuer. Edelgard Richter, Berlin (STERN, Nr. 34/2005)
Dieser hübsche Leserbriefkommentar zu einem Artikel über den "Faktor Frau" (also Angela Merkel) im Wahlkampf verwechselt natürlich die Bundesrepublik mit der Dritten Welt. Aber auch unsere Frauen und Mütter (die allermeisten) halten den Laden zusammen und am Laufen. Außerdem: falls rotGRÜN weitermachen sollte, dann schaffen die uns auch noch in die Dritte Welt. Für Männer allerdings wäre das schön (siehe oben).
Wieder Änderungen in der Rechtschreibung zum neuen Schuljahr Die „Zwischenstaatliche Kommission für die deutsche Rechtschreibung“ will auf die anhaltende Kritik an der Rechtschreibreform und die gestiegenen Fehlerzahlen bei der neuen Rechtschreibung in den Schulen nun mit einer Neufassung der neuen Orthografie reagieren. Danach sollen die neuen Regeln konsequenter als bisher angewendet werden.
So soll zum Beispiel das so genannte Stammprinzip durchgängig ins Regelwerk einfließen. Künftig wird man also behände (von Hand), belämmert (von Lamm), dänken (von Gedanken), sprächen (von Sprache), Ältern (von alt – älter) oder mässen (von Maß) schreiben.
Auch die logischen Regeln der neuen s-Schreibung sollen eine stringente Anwendung finden. So wird es bald – gemäß der Regel „Doppel-s nach kurzem Vokal“ – wass, biss, bissher, Buss und so weiter heißen. Die Regel „nach langem Vokal und Doppellaut steht ß“ führt dann zu Loß, Hauß, Hinweiß oder Ausweiß.
Auch bei der Groß- und Kleinschreibung soll es Vereinheitlichungen geben. So wird man gemäß „Es tut mir Leid“ künftig auch „Es tut mir Gut“ schreiben. Analog „zu Grunde“ und „zu Gunsten“ wird es nun auch „zu Nichte“ heißen. Ähnliches gilt für die Zusammenschreibung: Dem neu zusammengeschriebenen „zurzeit“ folgt jetzt „immoment“, „zumbeispiel“ und „zursache“.
Da die Schulkinder die neuen Regeln bislang kaum richtig beherrschen, sieht die Kommission in dem Erfordernis des erneuten Umlernens keine unzumutbare Belastung, zumal die Reform der Reform das Regelwerk vereinfache. Für die Bevölkerung sei, so ein Sprecher der Kommission, zwar eine längere Umgewöhnungsphase anzusetzen, doch würden die Rechtschreibreformen ja ohnehin nur für Schüler, die nach den neuen Regeln unterrichtet würden, und staatliche Stellen gelten.
Die neue Orthografie wird zum Sommer erarbeitet sein; allerdings werden die Verlage diese für die Schulbücher zum neuen Schuljahr noch nicht berücksichtigen können.
Es gibt kein SPD-Gefängnis / von Joachim Schucht, dpa / 10.06.2005, 14.04 Uhr
Berlin (dpa) - Der Parteichef redete seinen Stellvertretern ins Gewissen. Sie sollten nun endlich Ruhe geben mit den ständigen Querschüssen, gab sich Franz Müntefering bei der außerplanmäßigen Telefon-Schaltkonferenz der SPD-Fraktionsspitze am Freitag viel Mühe. Eine feste Zusage, dass mit den verbalen Amokläufen nun endgültig Schluss sei, war aus den Lautsprechern aber nicht zu vernehmen.
Mit viel Nervosität blickt die SPD-Spitze deshalb auf das Wochenende. Gespannt ist man dort, ob die beiden Müntefering- Stellvertreter Michael Müller und Ludwig Stiegler erneut daran gehen, ohne Rücksicht auf Verluste per Interviews für Verwirrung zu sorgen. Beiden müsse klar sein, dass sie ab sofort nur noch unter Bewährung stünden, lautet die klare Erwartung. Halten sie sich jetzt nicht an die deutlichen Warnungen, dürfte eine besonders turbulente SPD- Fraktionssitzung am Dienstag anstehen.
Insbesondere für das Verhalten des unberechenbaren «Michi» Müller mag allerdings niemand so recht die Hand ins Feuer legen. «Der braucht die öffentliche Aufmerksamkeit wie andere Leute Viagra», lautet eine in der SPD kursierende Einschätzung. Dem Sprecher der Fraktions-Linken, der laut SPD-Kennern im Rheinischen an einem genossenschaftlich organisierten Beerdigungsunternehmen mit ökologischer Ausrichtung beteiligt ist, sei es dabei offenbar ziemlich egal, ob er sich auch noch zum «Mit-Totengräber der SPD» mache.
«Franz Müntefering denkt an den Wahltag am 18. September, Müller bereits an den 19. September», heißt es aus der SPD. Müller und seine Mitstreiter treibe vor allem die nicht ganz unrealistische Aussicht um, dass in den Geschichtsbüchern zu lesen sein wird, die SPD-Linke habe wieder einmal - wie bei Helmut Schmidt - den eigenen Kanzler zu Fall gebracht. Anders seien die jüngsten «Ausraster» von Müller, Stiegler und anderen nicht zu erklären.
Dass sich auch Mitglieder des rechten «Seeheimer Kreises» an der vielstimmigen Beschimpfung von Bundespräsident Horst Köhler kräftig beteiligten, wird als Ausdruck für anhaltende Orientierungslosigkeit in der Partei gewertet. «Unsere Heuschrecken, die über die SPD herfallen», heißt es deshalb in der SPD spöttisch in Anspielung auf die von Müntefering angestoßene Kapitalismus-Debatte.
Es gebe ja leider «kein Parteigefängnis, in das man jemand einweisen kann», bedauerte ironisch Kurt Beck mit Blick auf diejenigen, die sich da «vergaloppiert haben». Immerhin fühlte sich der rheinland-pfälzische SPD-Regierungschef aber auch zu der Feststellung veranlasst: «Die Partei wird noch geführt.»
Dies muss der Doppelvorsitzende Müntefering, dessen Autorität durch die Anti-Köhler-Debatte auch nach eigenem Eingeständnis gelitten hat, in den kommenden Tagen unter Beweis stellen. Dass er fest gewillt ist, den eigenen Laden irgendwie zusammenzuhalten, daran lässt er keinen Zweifel. Ob ihm das gelingt, dürften schon die nächsten Tage zeigen. Wie unkalkulierbar schnell sich derzeit die jeweiligen Lagen ändern, zeigt der Ablauf der Woche. Wurde Müntefering noch am Dienstag von eigenen Genossen als baldiger Nachfolger für Gerhard Schröder im Kanzleramt ins Gespräch gebracht, wird seine Führungskraft nun oft von den selben Leuten in Frage gestellt und schon nach einem neuen Vorsitzenden Ausschau gehalten. dpa js yydd ol
Glosse im Feuilleton der F.A.Z., 6. Juni 2005 Die Marktführer
Es war Mark Twain, der die Wahrheit als unser kostbarstes Gut bezeichnete und empfahl, möglichst sparsam damit umzugehen. Nirgendwo dürfte diese Maxime auf fruchtbareren Boden gefallen sein als bei den deutschen Kultusministern, den Weltmarktführern in Sachen Einfalt und Schamlosigkeit. Hatten die Kultusminister den Schülern, Eltern und Lehrern nicht versprochen, daß zum 1. August eine verbindliche Rechtschreibung in Kraft treten würde, die alle Unsicherheiten beseitigen sollte? Statt dessen hat die Kultusministerkonferenz nach ihrer Sitzung am Freitag einen Torso präsentiert: Die neue Rechtschreibung wird zum Stichtag in weiten Teilen verbindlich, aber die besonders gewichtigen Bereiche der Getrennt- und Zusammenschreibung bleiben davon vorerst ausgenommen. Am selben Tag hat der von den Kultusministern eingesetzte Rat für Rechtschreibung beschlossen, für diese Bereiche die Rückkehr zu den bewährten Regeln zu empfehlen. Und noch schlimmer: Die Kultusminister erklärten die „unstrittigen Teile“ des Regelwerks für verbindlich, während ihre Experten ankündigten, sich in den nächsten Sitzungen ebendieser Bereiche annehmen zu wollen. Denn es gibt keinen nennenswerten Bereich dieses Reformwerks, der nicht umstritten wäre. Diese Tatsache läßt sich von keinem Kultusminister aus der Welt lügen. Wie aber ist dieses ans Wahnhafte grenzende Narrenspiel der Minister zu erklären? Zunächst die gute Nachricht: Es läßt sich erklären, denn es waltet Kalkül in ihm. Und die schlechte Nachricht? Dieses Kalkül ist von größter Infamie. Die Kultusminister haben geglaubt, sie hätten mit dem Rat für Rechtschreibung ein willfähriges Instrument geschaffen. Mehrheitlich besteht der Rat, der Beschlüsse nur mit Zweidrittelmehrheit fassen kann, aus den Konstrukteuren der Reform. An seine Spitze wurde mit Hans Zehetmair ein Kollege berufen, der als ehemaliger Kultusminister Bayerns die Reform selbst über Jahre befördert hatte. Was sollte da noch passieren? Zehetmair hat das wahrlich unbequeme Amt des Ratsvorsitzenden jedoch aus einem Motiv übernommen, das offenbar jenseits der Vorstellungskraft seiner Politikerkollegen liegt: Er möchte eine Fehlentwicklung, an der er beteiligt war, zum Besseren wenden. Und der Rat hat den Mut und die Kraft gefunden, ihm auf diesem Weg zu folgen. Was tut in dieser Situation die KMK? Sie verkündet ihre konterkarierenden Beschlüsse, während der Rat noch tagt. Deutlicher kann man die Geringschätzung eines Gremiums nicht demonstrieren. Aber es geht um mehr als nur Geringschätzung: Die Kultusminister wollen den Rat zermürben und desavouieren, bevor er in der Öffentlichkeit jene Position einnimmt, die ihm die Minister selbst einmal zugedacht hatten. Der Rat sollte die Entwicklung der deutschen Sprache und ihres Gebrauchs beobachten und kommentieren und die Kultusministerkonferenz in ihren Beschlüssen beraten. Die Legitimation, die er dazu benötigt, kann ihm nicht verliehen werden, sie will erworben sein. Genau dies wollen die Kultusminister nun verhindern, denn ein Gremium, das nicht nach ihrer Pfeife tanzt, darf es nicht geben. Drei Befunde liegen seit dem Wochenende auf dem Tisch. Erstens: Die Einheit der Rechtschreibung wird auch nach dem 1. August nicht gegeben sein, nicht im Bereich der Schulen, geschweige denn in der Öffentlichkeit. Zweitens: Der Rat für Rechtschreibung hat bewiesen, daß er zu unabhängiger und konstruktiver Arbeit fähig ist. Drittens: Die Kultusministerkonferenz ist und bleibt eine Versammlung blindwütiger Flickschuster. igl
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.06.2005 Seite 29
Europas Aufbruch Kommentar von Roger Köppel in "Die Welt" | Artikel v. 03.06.2005 | Rubrik: Forum
Nach der deutlichen Absage an die EU-Verfassung in Frankreich bringt das noch entschiedenere Nein der Niederländer die Europäische Union in die größte Legitimitätskrise ihrer Geschichte. An der Urne abgestraft wurde ja nicht irgendein Vertrag, sondern das ungeschickterweise von seinen Urhebern zur Verfassung hochgelobte, für Normalsterbliche allerdings völlig unüberblickbare EU-Zentraldokument, das die WELT als einzige Zeitung Europas vor einem Jahr im Wortlaut druckte. Der voluminöse Paragraphenhaufen brachte zum Ausdruck, woran das europäische Projekt seit Jahren krankt: an einer enthemmten Expansions- und Regulierungswut, die im Gegensatz steht zu den freiheitlich-föderalen Traditionen Europas. Die EU ist zum Ego-Projekt einer gläubigen Funktionärskaste geworden. Sie verkörpert eine bürokratisch-zentralistische Weltsicht, die bei gewöhnlichen Leuten, so sie denn gefragt werden, mehrheitlich und zu Recht Befremden auslöst. Man kann es deshalb in diesen Tagen nicht genug betonen: Der durch die Referenden in Frankreich und Holland hervorgerufene Realitätsschock ist heilsam für Europa. Das doppelte Nein bewirkt keinen Rückfall in die Steinzeit des Nationalismus. Es zeugt von intakten demokratischen Instinkten, von der ureuropäischen Tugend der Skepsis gegenüber politischen Großphantasien, die in der europäischen Geschichte vor allem Unheil gestiftet haben. Gestärkt wird die Idee eines freiheitlichen und friedlichen "Europa der Vaterländer". Entsorgt wird der planwirtschaftliche Gedanke einer Zwangsbeglückung des Kontinents durch erleuchtete Funktionäre. Die Chancen sind beträchtlich. Europa kann sich von überholten Konzeptionen seiner selbst befreien. Das Europa der Bananenregulierer und der Gurkenpolizei muß wieder zu einem Europa der Unternehmer und des wirtschaftlichen Erfolgs werden. Dazu braucht es keinen pseudogouvernementalen Überbau in Brüssel, sondern entschlossene Landesregierungen, die aus eigener Kraft die Prinzipien der Marktwirtschaft durchsetzen. Und die beste Nachricht der Woche: Es waren die Wähler, nicht die Politiker, die den Impuls zur Selbstbesinnung gaben.
Breakdance Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und der Resignation zu gönnen. Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse [Schandfleck] der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen bringen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt! Man muß das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen. Man erfüllt damit ein unabweisbares Bedürfnis des deutschen Volks, und die Bedürfnisse der Völker sind in eigener Person die letzten Gründe ihrer Befriedigung. Karl Marx »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie«, Einleitung (MEW, Band 1, Seite 381)
Diplom-Gurkensammler (Ein Brief an die F.A.Z.) Zum Beitrag „Fit durch den Sommer“ (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 23. April): Es ist nicht zu fassen. Ihre Berichterstattung zum Fitnesstraining für deutsche Erntehelfer verfolge ich schwankend zwischen Belustigung und Entsetzen. Die Trümmerfrauen müssen wohl nach Jahrzehnten, in denen sie ihr Leid überwunden glaubten, anfangen zu heulen. Kein Volkshochschulkurs im Steineschleppen und keine psychologische Betreuung bei der Frage, ob dieser Brocken noch verwendbar sei oder jener. Es ist nicht auszudenken, worin die fleißigen Polen und anderen Osteuropäer noch alles überlegen sind, wenn sie erst unser Ausbildungs- und Technologieniveau erreicht haben werden. Derweil kommen wir vor lauter deutscher Gründlichkeit nicht ans Ziel und werden unsere wirtschaftlichen Defizite in einem universitären Studiengang mit Abschluß zum Diplom-Gurkensammler aufgearbeitet haben. Neben der theoretischen Ausbildung noch präventiv der Besuch in der staatlich subventionierten Rückenschule – vielleicht können sie parallel auch den Bauchtanzkurs der AOK besuchen. Ich jedenfalls verwahre mich dagegen, daß meine Beiträge in diesen Unsinn fließen. Dr. Sigrid Mulas, Schriesheim Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.05.2005 Seite 38
Das letzte Vergnügen (Ein Brief an die F.A.Z.) Zu „Deutscher Städtetag fordert Strafe für Spucken“ (F.A.Z. vom 25. April): Merkwürdig: Vor etwa zwanzig Jahren, als das Hinauswerfen von Kippen aus dem fahrenden Auto – eine praktische Sache, zumindest wenn das glühende Ding nicht auf die rückwärtigen Polster flog – verboten wurde, in diesen Jahren also, da die deutsche Regelungswut allmählich in Fahrt kam, prophezeite ich meinen damals noch heranwachsenden Söhnen: „Paßt mal auf, Jungens, wenn ihr einmal groß seid, dann werdet ihr in diesem Lande keinen Furz mehr auf der Straße lassen dürfen.“ Wie man sich doch irren kann! Jetzt, da der Städtetag das Spucken auf der Straße, das Wegwerfen von Kippen und Kaugummis, das Pinkeln in der Öffentlichkeit und alle diese kleinen Freuden des Alltags unter Strafe stellen will, jetzt bleibt also ausgerechnet das Flatulieren auf der Straße das einzige Vergnügen, dem man sich noch ungestraft hingeben kann. Dank sei Petra Roth, der Präsidentin des Städtetages, für ihr Verständnis und ihr Entgegenkommen. Dr. med. Jochen W. Bierbach, Hofen Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.05.2005 Seite 8
Das Zweite Buch Mose Das 6. Kapitel 1. Der HERR sprach zu Mose: Nun sollst du sehen, was ich Pharao tun werde; denn durch eine starke Hand muß er sie lassen ziehen, er muß sie noch durch eine starke Hand aus seinem Lande von sich treiben. 5. Auch habe ich gehöret die Wehklage der Kinder Israel, welche die Ägypter mit Frönen beschweren, und habe an meinen Bund gedacht. 6. Darum sage den Kindern Israel: Ich bin der HERR und will euch ausführen von euren Lasten in Ägypten und will euch erretten von eurem Fronen und will euch erlösen durch einen ausgereckten Arm und große Gerichte; 10. Da redete der HERR mit Mose und sprach: 11. Gehe hinein und rede mit Pharao, dem Könige in Ägypten, daß er die Kinder Israel aus seinem Lande lasse. Das 10. Kapitel 3. Also gingen Mose und Aaron hinein zu Pharao und sprachen zu ihm: So spricht der HERR, der Ebräer GOtt: Wie lange weigerst du, dich vor mir zu demütigen, daß du mein Volk lassest, mir zu dienen? 4. Weigerst du dich, mein Volk zu lassen, siehe, so will ich morgen Heuschrecken kommen lassen an allen Orten, 12. Da sprach der HERR zu Mose: Recke deine Hand über Ägyptenland um die Heuschrecken, daß sie auf Ägyptenland kommen und fressen alles Kraut im Lande auf samt alle dem, das dem Hagel überblieben ist. 13. Mose reckte seinen Stab über Ägyptenland. Und der HERR trieb einen Ostwind ins Land den ganzen Tag und die ganze Nacht; und des Morgens führete der Ostwind die Heuschrecken her. 14. Und sie kamen über ganz Ägyptenland und ließen sich nieder an allen Orten in Ägypten, so sehr viel, daß zuvor des gleichen nie gewesen ist, noch hinfort sein wird. 15. Denn sie bedeckten das Land und verfinsterten es. Und sie fraßen alles Kraut im Lande auf und alle Früchte auf den Bäumen, die dem Hagel waren überblieben, und ließen nichts Grünes übrig an den Bäumen und am Kraut auf dem Felde in ganz Ägyptenland. 16. Da forderte Pharao eilend Mose und Aaron und sprach: Ich habe mich versündiget an dem HERRN, eurem GOtt, und an euch. 17. Vergebet mir meine Sünde diesmal auch und bittet den HERRN, euren GOtt, daß er doch nur diesen Tod von mir wegnehme. 18. Und er ging aus von Pharao und bat den HERRN. 19. Da wendete der HERR einen sehr starken Westwind und hub die Heuschrecken auf und warf sie ins Schilfmeer, daß nicht eine übrig blieb an allen Orten Ägyptens.
Zitiert nach der Lutherbibel von 1545, unrevidierte Ausgabe P.S. Man beachte die Rolle von Ostwind und Westwind!
Elke Heidenreich über die wichtigste Frau in ihrem Leben Soviel wie die Pauker wußte Erika Fuchs schon lange!
Die wichtigsten Männer in meinem Leben waren mein Vater Karl, der mir mit zwölf Jahren Autofahren und Rauchen beibrachte, und eine Ente im Matrosenanzug namens Donald Duck, meine große Liebe. (Nur wer Donald kennt, versteht auch Beckett: scheitern, wieder scheitern, immer scheitern, besser scheitern!)
Die wichtigste Frau in meinem Leben hieß Erika Fuchs. Mein Vater konnte mir nie schlüssig erklären, wieso, wenn doch nach dem Krieg alle mit vierzig Mark wieder angefangen hatten, mein Onkel Hans nie auf einen grünen Zweig kam, Alfred Krupp aber schon. Das erklärte mir Erika Fuchs in den „Micky Maus“-Heften der fünfziger Jahre, von meiner Mutter als Schund bezeichnet, von mir eisern verteidigt und gegen jedes Verbot regelmäßig gelesen. Hier trat mir zum erstenmal Kapitalismuskritik entgegen, hier begriff ich, daß Onkel Dagobert nur soviel Geld hatte, weil er auch die Produktionsmittel, sprich die Fabriken, hatte, staun, grins, versteh! Onkel Dagobert konnte noch soviel Geld ausgeben, ständig wuchs das Gold in seinen Speichern zu Phantastillionen an. Das erklärte mir Erika Fuchs, von der ich damals noch keine Ahnung hatte. Sie lehrte mich, warum sich Onkel Dagobert immer so müde fühlte: weil alle seine Poren mit Goldstaub verstopft waren, tja, das passiert eben denen, die täglich im Geld schwimmen. Also: Vorsicht vor der Anhäufung allzu großer Reichtümer. (Ich vermute, hier hat’s auch Müntefering her!)
Erika Fuchs war mir eine mächtige, sprachgewaltige Lehrerin, die mir auch beibrachte, die Absurditäten des Lebens früh zu verstehen. Wußte ich noch von meinem Vater, wie gern im Krieg gesungen wurde, daß uns heute Deutschland, morgen aber die ganze Welt gehöre, lernte ich bei den Panzerknackern: „Wir sind die Panzerknacker / und tun, was uns gefällt. / Heute gehört uns die Kohldampfinsel / und morgen die ganze Welt.“ Da war wieder Erika Fuchs am Werk gewesen, und auch die immer noch gültige „Tick, Trick&Track“-Hymne geht auf ihre Dichtkunst zurück: „Wir pfeifen auf Pomade, / auf Seife, Kamm und Schwamm, / wir bleiben lieber dreckig / und wälzen uns im Schlamm.“ Das sah eine gute deutsche Mutter wie die meine nicht gern.
Ich blieb eisern. Ich fühlte, daß hier genau die Nahrung war, die ich brauchte und die mir der elterliche Bücherschrank (Sauerbruch: „Das war mein Leben“, Olaf Gulbransson: „Und ewig singen die Wälder“, Heinrich Spoerl: „Der Gasmann“, Adolf Hitler: „Mein Kampf“ und so weiter) eben nicht bot: Hier war Frechheit, Mut, Aufsässigkeit, hier waren Revolution und Widerstand, lange vor der Schiller-Lektüre. Meine verblödete Essener Mädchenschule mit ihren verbitterten Nachkriegslehrern lehrte mich nichts, was ich je hätte brauchen können. Mit Erika Fuchs und Onkel Donald reiste ich nach Singapur und lernte fremde Menschen kennen – und „die gute Lore aus Singapore“, einen Papagei, der freche Sachen sagte, während der Papagei im heimatlichen Zoo immer noch „Heil Hitler!“ schrie. (Papageien merken sich einmal Erlerntes lange und werden sehr alt.)
Als ich später Germanistik studierte, schreckte mich kein Professorengeschwätz. Ich hatte bei Erika Fuchs schon erfahren: „Unter den Talaren / Muff von tausend Jahren“, lange ehe wir das an die Tafeln schrieben, und Onkel Donald hatte mir bereits den „Lehrsatz von der kurzfristigen Bilanzschwebe und der kreditabwürgenden Unsicherheitstheorie“ beigebracht, und wer das versteht, den schreckt kein Wiesengrund Adorno mehr.
Mein Vater ist zu früh gestorben. Erika Fuchs durfte sehr alt werden und unser aller Sprachgefühl lange schulen. Onkel Donald lebt. Er hat mich gelehrt, was scheitern und wieder aufstehen ist, was Poesie und Melancholie sind und daß man subversiv viel erreicht. Dafür, liebste Erika Fuchs, schluchz, schnief: ewig danke.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.04.2005 Seite 37
Nachbemerkung: Ich hoffe, Elke Heidenreich und das donaldistische Feuilleton der F.A.Z., namentlich die Herren Bahners und Platthaus, haben nichts dawider, daß ich Elke Heidenreichs Nachruf auf die verehrte Erika Fuchs hier ins Netz hänge. E.H. hat mir so sehr aus der Seele geschrieben, so genau getroffen, was ich zu Donald Duck und Erika Fuchs und Literatur und Schule von Wort & Witz seit je denke und empfinde, da will ich doch keine konkurrierende Doublette verfassen. Ich grüße Elke Heidenreich herzlich und gestehe freimütig: Peng! Ich bin enthusiasmiert!
Der philologischen Ordnung halber hier die Anmerkung eines F.A.Z.-Lesers: Bitte lesen Zu „Elke Heidenreich über die wichtigste Frau in ihrem Leben. Soviel wie die Pauker wußte Erika Fuchs schon lange!“ (F.A.Z. vom 27. April): So ist es, wenn eine die Bücher im elterlichen Bücherschrank nicht interessieren. Dann schreibt sie den Namen des Verfassers von „Und ewig singen die Wälder“ doppelt falsch, weil sie einen anderen Namen im Kopf hat. Der Autor der Norwegen-Saga heißt Trygve Gulbranssen, der norwegische Maler, Zeichner und Karikaturist heißt Olaf Gulbranssen, der dem „Simplicissimus“ seinen Stempel aufdrückte. Bitte lesen, Elke Heidenreich! Hans-Dieter Bossert, Biberach am Riß Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.05.2005 Seite 38
Und noch ein kluger Kopf hinter der F.A.Z. - ist doch herrlich, was sich alles zu Fuchs, Duck, Entenhausen und Heidenreich bemerken läßt. Tut dem Text auch gar keinen Abbruch. Bei Erika Fuchs und Elke Heidenreich Zu „Soviel wie die Pauker wußte Erika Fuchs schon lange!“ von Elke Heidenreich (F.A.Z. vom 27. April): Frau Heidenreich beklagt in ihrem Nachruf auf Erika Fuchs, daß ihr Vater ihr nie erklären konnte, „warum mein Onkel Hans nach dem Krieg mit 40 Mark nie auf den grünen Zweig kam, Alfred Krupp aber schon.“ Das hätte auch der klügste Vater nicht erklären können, denn Alfred Krupp starb bereits 1887. Sicherlich meinte Frau Heidenreich Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, den Urenkel des Patriarchen. Auch dieser konnte nach der Währungsreform nicht gleich durchstarten, weil er nach Verurteilung durch das Nürnberger Militärtribunal im Gefängnis saß. Aufgrund einer Amnestie des amerikanischen Hochkommissars McCloy wurde er vorzeitig entlassen und erhielt große Teile seines Unternehmens zurück – glücklicherweise. Dank seiner unternehmerischen Fähigkeiten florierte die Firma bald wieder und stieg erneut zu einem Unternehmen von Weltrang auf und gab mehr als 10 000 Menschen einen Arbeitsplatz. Ähnlich daneben liegt Frau Heidenreich auch mit ihrer Anspielung auf großdeutsche Zeiten. Ob das Lied „im Krieg gern gesungen wurde“, sei dahingestellt. Mit Sicherheit war aber nicht davon die Rede, daß „uns heute Deutschland, morgen aber die ganze Welt gehöre“. Den Panzerknackern mag dank der genialen Übersetzung von Erika Fuchs heute die Kohldampfinsel gehört haben, aber im Text des Vorbildes heißt es „. . . heute hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. Dr. Armin Quentmeier, Dortmund Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.05.2005 Seite 6
Der Sängerkrieg in und um Entenhausen geht aber noch weiter. Was hört Deutschland und wem gehört die Welt einschließlich Kohldampfinsel? Dummer Text im Repertoire Zum Brief „Bei Erika Fuchs und Elke Heidenreich“ von Leser Dr. Armin Quentmeier (F.A.Z. vom 21. Mai): Leser Quentmeier geht in seinem Brief auf den Text des Liedes „Es zittern die morschen Knochen ...“ ein und meint, es habe darin nie geheißen „... denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“. Vor fast 70 Jahren war dieses Lied Hauptbestandteil des „Repertoires“ unseres Fähnleins; wir haben es fast jede Woche mehrmals singen müssen. Deshalb sitzt noch heute sein Text – und der lautete unmißverständlich „... denn heute gehört uns Deutschland ...“. Erst Ende 1943 wurde uns plötzlich verkündet, daß wir das Lied so nicht mehr singen könnten. Und so erfolgte die Änderung in „... heute hört uns Deutschland ...“. Ausschlaggebend dafür waren wohl die Niederlage von Stalingrad und die weiteren verlorenen Schlachten an der Ostfront. Wenn man den ganzen Text der ersten Strophe des Liedes liest, ist das „gehört“ auch folgerichtig: „Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem großen Krieg. Wir haben den Schrecken gebrochen, für uns war’s ein großer Sieg. Wir werden weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.“ Heute wird uns, die wir damals „Pimpfe“ waren, erst deutlich, was für ein dummer Text das war. Ich habe das Lied nur bis April 1944 singen müssen; nach „feierlicher“ Übernahme in die HJ habe ich nie mehr „Dienst“ tun müssen und kam auch um die Ausbildung „zum letzten Aufgebot“ herum, weil ich durch Wechsel der Schule in eine andere Stadt offensichtlich vergessen wurde. Günter Weiß, Suhl Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.06.2005 Seite 7
F.A.Z.-Leser Weiß irrt trotz eigener Erfahrung. Geschrieben hat Hans Baumann 1932 folgenden Lied-Text:
Es zittern die morschen Knochen 1. Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem roten Krieg. Wir haben den Schrecken gebrochen, für uns war's ein großer Sieg. Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt; denn heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. 2. Und liegt vom Kampfe in Trümmern die ganze Welt zuhauf, das soll uns den Teufel kümmern, wir bauen sie wieder auf. Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt; denn heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. 3. Und mögen die Alten auch schelten, so laßt sie nur toben und schrei'n, und stemmen sich gegen uns Welten, wir werden doch Sieger sein. Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt; denn heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt. 4. Sie wollen das Lied nicht begreifen, sie denken an Knechtschaft und Krieg - derweil uns're Äcker reifen. Du Fahne der Freiheit, flieg! Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt; denn heute, da hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt.
Als Schlußrefrain ist auch zu finden, und da kommt das "gehört" ins Spiel, allerdings in etwas anderer Konnotation:
Wir werden weitermarschieren, Wenn alles in Scherben fällt; Die Freiheit stand auf in Deutschland Und morgen gehört ihr die Welt.
Die singenden, grölenden Nazitrupps haben das Lied "weiterentwickelt", haben aus dem Verkünden den Zugriff gemacht, und so ist es wohl auch politisch folgerichtig.
Hans Baumann übrigens schrieb viel, auch in der Bundesrepublik. Bei wikipedia findet man Verblüffendes:
Hans Baumann (* 22. April 1914 in Amberg; † 7. November 1988 in Murnau) war ein deutscher Lyriker und Liedschreiber sowie Kinder- und Jugendbuchautor und Übersetzer. Leben Baumann wurde als Sohn eines Berufssoldaten geboren. Zunächst war er Mitglied in einem katholischen Jugendbund und kam danach zur Hitler-Jugend. Seinen Beruf als Volksschullehrer übte er nur kurze Zeit aus. Baumann wurde 1934 in die Reichsjugendführung berufen, wo er 1935 zunächst als Mitarbeiter der Abteilung "Laienspiele" und später als Referent für auslandsdeutsche Kulturarbeit tätig war. Von 1939 bis 45 war er Soldat, meist in der Propagandakompanie 501 an der Ostfront. 1941 wurde er zusammen mit dem völkischen Literaturhistoriker Adolf Bartels mit dem Dietrich-Eckart-Preis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Hierfür war nicht dessen literarische Qualität entscheidend, sondern dessen populär-lyrische Darstellung der Ideen der NS-Ideologie. Bestimmende Themen seiner Dichtung waren der soldatische Gehorsam, die Frontkameradschaft und der ehrenvolle Tod fürs Vaterland. Die Pflichterfüllung von Bauern und Arbeitern und die Verherrlichung der Mütter als Garanten für die Erhaltung des Volkes, waren die weiteren Leitgedanken aus dem ideologischen Kanon. Der Schwerpunkt seines Schaffens nach dem Kriege lag auf Darstellung historischer Ereignisse und die Konfrontation der Hauptfiguren mit der Macht und dem Charisma realer Personen, wie in Ich zog mit Hannibal. Damit reflektierte er stets auch sein Wirken während des Dritten Reiches, das bis heute umstritten ist. Lied-Dichter für die Nationalsozialisten Baumann schrieb (und komponierte) Lieder für die Hitler-Jugend und den Bund Deutscher Mädchen (so z. B. das berühmt-berüchtigte "Es zittern die morschen Knochen ..." aber auch das heute noch populäre "Hohe Nacht der klaren Sterne"). Hiervon distanzierte er sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Teil der Literaturkritiker stellte diese Absage an seine damaligen Werke immer wieder in Frage, da Baumann in der literarischen Bewältigung seiner Tätigkeit im Dritten Reich - offensichtlich unbewußt - die damaligen Machtträger durch Zuweisung einer mehr oder weniger großen Teilschuld an die Opfer, zu entlasten suchte. Als Beispiel hierfür erlangte das im Zusammenhang mit der Verleihung des Gerhart-Hauptmann-Preises 1959 bekannt gewordene Drama Im Zeichen der Fische öffentliche Aufmerksamkeit. Dieses unter einem Pseudonym eingereichte Stück, wurde von der Berliner Volksbühne ausgezeichnet, der Preis aber nach Bekanntwerden der Urheberschaft Baumanns 1962 wieder zurückgezogen. Die "Amberger Zeitung" schrieb am 15. April 2005 unter der Überschrift Lied-Dichter für die Nationalsozialisten: Nach Auskunft von Frau Elisabeth Baumann entstand das Lied mit den berüchtigten Versen "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt" 1932 während einer Wallfahrt Hans Baumanns nach Neukirchen bei Heiligenblut. Damals war er Mitglied im katholischen Bund "Neu Deutschland". Große Karriere machte dieser Text ab 1934 in den Organisationen der NSDAP. Er gehörte zu den Standardtexten der Hitler-Jugend und SA und wurde zum Pflichtlied des Reichsarbeitsdienstes. Baumann selbst nutzte es aufgrund seiner einflussreichen, beruflichen Stellung in der Reichsjugendführung sehr effektiv. 1993 setzte das Landgericht Hannover das Lied auf die Liste der verbotenen, nationalsozialistischen Kennzeichen. Sein Erfolg als Autor von Jugendbüchern, die allesamt nach dem Krieg entstanden und vielfach übersetzt wurden, blieb hiervon unberührt, wie auch die internationale Anerkennung bewies.
Auszeichnungen Dietrich-Eckart-Preis (1941) Friedrich-Gerstäcker-Preis (1956) Gerhart-Hauptmann-Preis 1959 (zurückgezogen 1962) Preis der New York Herald Tribune für das beste Jugendbuch (1968) Mildred L. Batchelder Award (1972) für Das Land Ur Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis für Flügel für Ikaros Werke Lyrik Macht keinen Lärm, 1933 Der helle Ton, o.J. Unser Trommelbube, 1934 Horch auf Kamerad, 1936 Wir zünden das Feuer, 1936 Kampf um die Karawanken, 1938 Der helle Tag, o.J. (um 1938) (Hrsg.) Morgen marschieren wir. Liederbuch der deutschen Soldaten, 1939 Atem einer Flöte, 1940 Briefgedichte, 1941 Der Wandler Krieg. Briefgedichte, 1942 Die helle Flöte, 1948 3 x 13 kleine Fische, 1964 Reisepass, 1978/1985 Dramen Rüdiger von Bechelaren Alexander Der Turm Nahaj, 1941 Im Zeichen der Fische, 1960 Kinder- und Jugendbücher Ich zog mit Hannibal Flügel für Ikaros Bombo zaubert anders Bergbauernweihnacht Brennende Quellen Buchstaben zu verkaufen Das Einhorn und der Löwe Das Everl und der Aff Das gekränkte Krokodil Das große Familienbuch für die Advents- und Weihnachtszeit Das heimliche Haus Das Karussell auf dem Dach Das Karussell zur weiten Welt Das Karussellgeheimnis Das Kind und die Tiere Das Liederboot Das Schaukelschaf Das Schiffschaukelschiff Der Bär und seine Brüder Der bekränzte Spiegel Der Drache von nebenan Der große Elefant und der kleine Der grüne Esel. Sieben alte Fabeln neu erzählt Der Junge aus dem Vogelnest Der Kindermond Der Löwe und die Maus Der Mutter zulieb Der rote Pull Der Schatz auf der Dracheninsel Der Schimmel aus dem Bild Der Sohn des Columbus Der Weg zum Kap. Aus der Zeit Heinrichs des Seefahrers Der wunderbare Ball Kadalupp Der Zirkus ist da Die Barke der Brüder Die drei im blauen Luftballon Die Feuerwehr hilft immer Die Höhlen der großen Jäger Die Kinder und der große Drache Die Stadt der Tiere Die Welt der Pharaonen Dimitri und die falschen Zaren Drei Bären im Bärenhaus Drei Esel und ein Elefant Ein Brief nach Buxtehude Ein Fuchs fährt nach Amerika Ein Kompaß für das Löwenkind Ein Stern für alle Fenny Gold und Götter von Peru Hänschen in der Grube Hasenwettlauf, aber ehrlich Ich bin dabei Igel haben Vorfahrt Und 2 andere Geschichten Im Lande Ur In meinem Haus Kasperle hat viele Freunde Katzimir der Größte Kleine Schwester Schwalbe Kopfkissenbuch für Kinder Krokodilvogel und Affenkind Löwentor und Labyrinth Mischa und seine Brüder Penny Redleg. Der Piratenjunge im Schottenrock Schorschi der Drachentöter Steppensöhne Tina und Nina Und wer fährt vorn? Und wo wohnst Du? Vom goldnen Licht Vorstoß zum Pazifik Warum Fiffi Fiffi heißt Wer Flügel hat, kann fliegen Wer rettet Eirene? Wie kommt die Katze aufs Dach? Wie Tierkinder schlafen Wie Tierkinder spielen Wolkenreise für den König Übersetzungen Das Regenbogentor (Russische Kinderreime) Der Sonnenblumengarten (Russische Kinderreime) Ein Reigen um die Welt - Gedichte aus 75 Sprachen Gockelhahn und Hexenhaus (Russische Volksverse) Russische Gedichte Russische Lyrik 1185-1963 Anna Achmatowa: Gedichte Fjodor Michailowitsch Dostojewski: Der Großinquisitor Nikolai Dubow: Das Zelt am Meer Pawel W. Katajew : Der kleine Robinson Juri Korinetz: Das ganze Leben und ein Tag Der Mückensammler Dort, weit hinter dem Fluß In der Mitte der Welt Wolodjas Brüder Juri Kowal: Der Kartoffelhund Polarfuchs Napoleon III Wasja kauft den Hund im Sack Ivan Krylow (1768-1888): Das Kästchen Das Quartett Der Affenspiegel Der Machthaber Der Wißbegierige Fischsuppe bei Demjan Kleiner Weltspiegel Wasserfall und Quell Sergej Michalkow: Ein Autogramm vom Elefanten Gennadi Snegirjow: Die Polarfuchs-Insel Leo Tolstoi: Die Brüder des Zaren Die Osterkerze Drei Kranzkuchen und ein Kringel. Geschichten für Kinder Gottes Erde Vadim Netschajew: Pat und Pilagan Literatur Agnes Biedermann: Hans Baumann im Banne der HJ. Gruppenlied unterm Hakenkreuz. Karlsruhe: Musikhochschule Staatsexamensarbeit. 1997. Winfred Kaminski: Heroische Innerlichkeit. Studien zur Jugendliteratur vor und nach 1945. Frankfurt am Main: dipa. 1987. (= Jugend und Medien; 14) ISBN 3-7638-0127-8 Sonja Kröger: Schatten der Vergangenheit. Leben und Werk Hans Baumanns. Kiel: Univ. M. A. 1994. Marcel Reich-Ranicki: Der Fall Baumann. In: Ders.: Literarisches Leben in Deutschland. Kommentare und Pamphlete. München: Piper. 1965. Weblinks Marcel: Hans Baumann (http://www.zeit.de/archiv/1962/10/Zt19620309_012_0034_Li) In: Die Zeit. 1962. Liedtexte von Hans Baumann (http://ingeb.org/hbaumann.html)
Täterforschung Im Land der Täter geht es wohl nicht anders, auch nicht anläßlich der vierfach gescheiterten Ministerpräsidentenwahl in Kiel. Nicht Ursache, nicht Wirkung, nicht Hintergrund, der „Täter“ steht zunächst einmal im Vordergrund, nach ihn zuvörderst fahndete Sandra Maischberger bei n-tv, und um nichts anderes kümmerte sich sehr viel später Stefan Raab, wenn auch mit seinen wesentlich bescheideneren Mitteln (Beavis und Butthead sind wirklich rhetorische Talente im Vergleich zu ihm): Wer war’s? Das wollten sie wissen und erst dann, warum und wieso, wonach wenigstens in Maybrit Illners Talkshow „Berlin Mitte“ im ZDF gefragt wurde, auch wenn das dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck gar nicht recht war. „Verrat“ war das Stichwort, und natürlich ist es ein Verrat an der Partei, hinter dem der Verrat an Wählern, Land und Leuten lässig zurücktritt. Wie bereits zuvor war an diesem Abend zu besichtigen, wie nonchalant das Fernsehen an den größten politischen Zumutungen vorübergeht und gleich zu dem kommt, woraus Boulevardzeitungen Schlagzeilen machen. Ist es denn nicht einmal im Kommentar der „Tagesthemen“ möglich, darauf zu rekurrieren, mit welcher Chuzpe an Machtversessenheit man ans Werk gehen muß, wenn man einer Zwei-Prozent-Partei, die nur dank einer fragwürdigen Sonderregelung überhaupt das Zünglein an der Waage spielen kann, um der Regierungsbildung ohne Mehrheit willen zugesteht, dem Land ein ganz neues Schulsystem zu verordnen? Es ist ja ohnehin erstaunlich, was sich die Bürger dieses Landes an Bevormundung bieten lassen – müssen –, nicht mehr erstaunlich, um so bedauerlicher aber ist, daß in dem Kommunikationstheater, wie wir es anläßlich der erneut gescheiterten Ministerpräsidentenwahl in Kiel erlebt haben, davon kaum etwas zum Tragen kommt.
Auszug aus einer Glosse von Michael Hanfeld, Medienseite der F.A.Z. vom 19.3.2005. Leider hackt der Kollege Hanfeld mit Lust und Laune oft recht ungerecht auf den Öffentlich-Rechtlichen herum, und ich möchte ihm und uns allen nicht wünschen, daß er damit eines Tages Erfolg haben könnte. Jedoch: Wo er recht hat, hat er recht.
Mal im Ernst. An dieser Stelle gebe ich Raum dem Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz, seinen glasklaren Anmerkungen im Interview der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vom 5. Dezember 2004.
FRAGE: Sie bauen ein Stahlwerk in Brasilien, warum nicht in Deutschland?
ANTWORT: Wir haben das intern natürlich gerechnet. Platz genug haben wir in Duisburg. Nur: In Brasilien ist die Bramme 60 Euro billiger als in Deutschland.
FRAGE: Weil hier die Löhne so hoch sind?
ANTWORT: Nein, weil das Erz in Brasilien in der Nähe des geplanten Stahlwerks gefördert wird. Das verbilligt den Rohstoff. Außerdem sind in Deutschland die Kosten für Energie und Umwelt dramatisch.
FRAGE: Jürgen Trittin ist schuld.
ANTWORT: Wir haben die zweithöchsten Industriestrompreise in Europa, vor allem dank staatlicher Eingriffe. So hat Deutschland keine wettbewerbsfähigen Energiepreise. Das kostet Arbeitsplätze. Die Politik sollte einsehen, daß es langfristig ohne Kernkraft nicht geht, wenn man weltweit den Klimaschutz ernst nimmt und gleichzeitig akzeptable Preise haben will. Zudem liegen unsere Umweltschutzkosten pro Tonne Rohstahl in Deutschland um 20 bis 30 Euro höher als in Resteuropa. Wir betreiben einen Wahnsinnsaufwand, um das letzte Mikrogramm Staub herauszufiltern.
FRAGE: Die Bevölkerung will nun mal keine schmutzige Industrie.
ANTWORT: Mein Eindruck ist eher, daß die Bevölkerung den Kontakt zur wirtschaftlichen Basis dieses Landes verliert. Und das liegt an den politischen Eliten in diesem Land, die ihren Führungsaufgaben nicht nachkommen. Sie sollten den Menschen die Zusammenhänge klarmachen und ehrlich sagen, daß der Preis für hohe Umweltschutzauflagen auch hohe Arbeitslosigkeit sein kann. Wir als Unternehmer haben ein Problem, die Menschen zu erreichen. Uns unterstellt man reines Gewinnstreben.
Lakonische Anmerkungen von Ekkehard Schulz – nichts als die bittere Wahrheit über eine groteske deutsche Politik. Sie begann, als Rot (Johannes Rau in NRW 1995) den Grünen an die Regierung half. Rotgrün im größten Bundesland, in einem Industrieland: Das war der Sündenfall. Das war der Dammbruch auch für Bonn/Berlin. Ich habe damals meine Freunde in SPD-Führungen alarmiert angerufen und angefaxt, ob sie nicht mehr alle auf der Latte hätten, sich den Abbruchunternehmer ins Haus zu holen. Es nützte natürlich alles Warnen nichts, es ging den sozialistischen Gang, es kam, wie es leider kommen mußte. Die Grünen betreiben hinter dem Auf und Ab von Bauch und Liebschaften des deutschen Lieblingspolitikers (!), des sinnlosesten Außenministers seit 1949 (mit Klaus Kinkel), eine Politik der schon gar nicht mehr klammheimlichen Deindustrialisierung und Wohlstandsvernichtung. Cool wirtschaften sie (pensionsberechtigt) Deutschland herunter, während die SPD sich zu Tode strampelt. Das ist jetzt keine Prognose mehr, das ist schon passiert. Die SPD kann, mangels Masse, ihre absichernde Sozialpolitik nicht mehr betreiben, sie hat (selber schuld!) nichts mehr zu verteilen, das heißt: auch sie wird von den Grünen kaltlächelnd verelendet. Es ist zum irre werden, wie die Bevölkerung dies mit sich machen läßt – und die SPD auch. Ob das Land noch kapiert, daß mit Fischer, Trittin, Roth usw. Gaukler an der Macht sind, die dieses Land unbehelligt in Elend und schwere gesellschaftliche Konflikte steuern? Ob es schon zu spät ist? Es kann einem angst und bange werden. (Geschrieben 6.12.2004)