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Der beste Film aller Zeiten! Man muß es sich einfach trauen und zugeben: Titanic ist alles in allem wohl das beste Stück Kino, das man je zu sehen bekommen hat: äußerst klug, betörend, thrillend. Fabelhaft, wie hier das Kammerspiel junger Liebe und die Geschichte eines Jahrhunderts gesellschaftlicher Brüche verknüpft werden mit einer atemberaubend realistisch nachgestellten historischen Katastrophe, Mythos und Metapher. Perfekt inszeniert, atemberaubend gefilmt, hervorragend gespielt: die junge Kate Winslet beispielsweise ist zum Niederknien. Ganz großes Kino. Was ist Kino? Nicht: abgefilmtes Theater. Nicht: krampfhaft bebilderter Essay. Nicht: ins Kino gezwungene Literatur. Aber: Was ist Kino?

Kino muß uns das zeigen, was so keine andere Kunstform zeigen kann. Also etwa lebendige Dinosaurier. Das Rote Meer, wie es sich teilt. Der Mord unter der Dusche. Der Gladiator, der mit dem Kaiser im Colosseum kämpft. Das Weiße Haus, wie es von fremden riesigen Raumschiffen pulverisiert wird. E.T., der nach Hause telefoniert.  Humphrey Bogart am Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Astronauten, die zum Jupiter und in die Unendlichkeit reisen. Warschauer Schauspieler, die die Nazis an die Wand spielen. Ein Computer, der unzuverlässige Menschen eiskalt tötet. Ein Riesenaffe, der mit der Angebeteten aufs Empire State Building klettert. Das Massaker am Valentinstag. Elvis, der seine Rockbewegungen von einem kleinen Jungen lernt. Die Menschmaschine, die aus der Zukunft kommt, um sie ändern. Das legendäre Schiff im Todeskampf, das Liebespaar, das über den Ozean fliegt. Das alles ist Kino. das muß man gesehen haben! Schlaue Dialoge, bedeutende Sentenzen kann man lesen oder hören, dazu muß man nicht ins Spielfilm-Kino, da sind Buch und Hörbuch und Radio die Medien der Wahl. Und Kammerspiele ("Neues Deutsches Kino") gehören auf die Bühne. Allenfalls herausragende Umsetzungen mit Weltklasse-Schauspielern sind die zulässige Ausnahme von der Regel, beispielsweise "Indiskret" mit Ingrid Bergman und Cary Grant oder "Ein seltsames Paar" mit Jack Lemmon und Walter Matthau u.v.a.m. Ansonsten: Zur Dokumentation für die Nachwelt mag man so etwas im Film festhalten, oder für theaterferne Interessenten rund um den Globus. Also: Was ist Kino?

Ich halte es mit dem Regisseur Samuel Fuller, der in Godards "Pierrot le Fou" ("11 Uhr nachts") einen Auftritt hat und die Frage klar & hammerhart beantwortet: "Film is like a battleground. Love. Hate. Action. Violence. Death....in one word, emotion." Liebe, Haß, Action, Gewalt, Tod - in einem Wort: Emotion. E-Motion! Ja, so muß Kino (Motion Picture!) sein, und so ist Titanic. Die Zuschauer der ganzen Welt haben das kapiert. Die sehkranken Kritiker im alten Europa (New Yorker inklusive) gingen gurgelnd unter. In die Irre gesteuert von zwanghaften und nachgerade pathologischen Abwehrreflexen (Hollywood-Schmutz-und-Schund-und-Kitsch-und-Kommerz) haben die meisten von ihnen weggeguckt und den Film runtergeschrieben. Worüber die Putzfrau weint, darüber können sich deutsche Langweil-Kritiker nicht freuen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Für den größten Teil der Feuilleton-Besatzung jedenfalls war der Film der Eisberg. Nicht sie haben ihn – er hat sie versenkt. Einige sind wieder aufgetaucht und haben sich zurück auf ihre einsame Insel gerettet. Bedauerlich. Immerhin für alle Zeiten pudelnaß. Wir schicken ihnen eine Flaschenpost. Auf dem Zettel darin steht geschrieben: "Der beste Film aller Zeiten ist auch der erfolgreichste und umgekehrt! Er ist unsinkbar. Merkt euch das, Schriftbrüchige!"


Bitte zählen Sie nicht nach: Es sind jetzt gut 400 Filme bewertet. Aber es werden 500!

Bei der Zusammenstellung lege ich Wert darauf, die Genres und wichtigen Film-Länder sämtlich zu berücksichtigen. Von Action über Dokumentation, Drama, Experiment, Komödie, Krimi, Mantel & Degen, Melodram, Musik, SciFi, ScrewBall, Tanz, Thriller bis Zeichentrick. Immer das, was ich hemmungslos subjektiv für das Beste halte, von dem ich meine, daß man es gesehen haben muß/sollte. Es sind auch politische Kriterien sichtbar: Gute Filme gegen Totalitarismus (z.B. in alphabetischer Reihenfolge: Nazis, Stalinisten) bekommen bei mir einen Bonus, das gebe ich gern zu. Auch gestehe ich: Mit »StarWars«, »Herr der Ringe« u.ä. kann ich nicht viel anfangen. Es interessiert mich einfach nicht, so schön, so filmisch toll darin manches auch ganz offensichtlich ist.
Begründete Kritik an meiner Auswahl und Bewertung, qualifizierte Anregungen sind willkommen.


Diese Seite ist in Produktion. Sie ist vorläufig. Heute ist sie auf dem Stand vom 26.7.2009.
Die Liste ist alphabetisch, nach ganzem Filmtitel; Artikel (Das, Der, Die, Ein) eingeschlossen.
Maßgebend sind hierzulande geläufige Titel, z.B. "Total Recall" statt "Die totale Erinnerung".
Bitte beachten Sie die Hinweise auf Quellen etc. sowie die »Reklame« am Fuß dieser Seite.*
Wichtiger Hinweis: Alle Bilder dieser nicht-kommerziellen journalistischen Kolumne stammen aus dem Internet und kursieren dort – falls nicht anders angegeben – ohne Angabe eines Urhebers. Sie dienen hier der Dokumentation von Präsentation und Selbstverständnis der jeweiligen Filme; die Abbildung neben den Rezensionen ist nach meiner Auffassung durch das deutsche Zitatrecht gedeckt. Sollten dennoch Urheberrechte bestehen und durch das kommentierte Zitieren der Bilder auf dieser Seite evtl. verletzt sein, bitte ich um einen Hinweis. Bitte eMail an hmaessen/at/web.de; siehe auch Extras + Impressum.


Meine persönlichen Bewertungen:
* * * * * * = Unsterbliche Werke & Überragende Meisterwerke.
* * * * * = Großartig, Meilensteine in den Genres.
* * * * = Köstliche Filme, sollte man auch auf die Insel mitnehmen, falls Platz in Koffer und Seekiste.
* * * = Sehenswert, noch über dem guten Durchschnitt bzw. auf jeden Fall filmgeschichtlich von Belang.
* * = Mißglückt, sollten Cineasten aber kennen.
* = Hat für Hardcore-Filmfreaks interessante Ansätze und schadet nicht.  



»16 Uhr 50 Uhr ab Paddington« / »Murder She Said« * * * *
Großbritannnien 1961, Länge: 85 Minuten, Regie: George Pollock, Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon, David Osborn, Kamera: Geoffrey Faithfull, Musik: Ron Goodwin, Schnitt: Ernest Walter.
Mit Margret Rutherford (Miss Marple!, Muriel Pavlow als Emma Ackenthorpe, Charles Tingwell als Inspektor Craddock, Arthur Kennedy als Dr. Quimper, James Robertson Justice als Ackenthorpe.

Der erste Film einer durchaus bemerkenswerten Serie um die Agatha-Christie-Figur der "Miss Marple". Ein Evergreen! Miss-Marple-Filme laufen ständig im TV, werden von Millionen geguckt. Es gab die Video-Edition im Schuber, dito gibt es die DVD-Box. Wie kommt das? Es sind sorgfältig gemachte Filme, traditionelles Handwerk wie es sein muß, gut und schön und haltbar wie eine Tweedjacke, lecker wie in kleinen Kupferkesseln gerührte Marmelade. Die Geschichten sind spannend und unterhaltsam, so selbstironisch wie man es am britischen Witz rühmt und schätzt.

Herrlich die liebevoll karikierten Figuren und Schauplätze einer etwas derangierten Insel: leicht angestoßener Landadel, eine knattermimenhafte Schauspieltruppe auf den Shakespeare-Brettern, Country-Herrenreiterei, die es im Kreuz hat, Britannias Marine als beschützende Sozial-Werkstatt.
Sorgfältigst und ohne Sperenzchen in Szene gesetzt, knackig schwarz-weiß, allerliebste Filmmusik mit Ohrwurm-Qualität. Hervorragende, best-gelaunte Darsteller, an der Spitze die glorreiche Margaret Rutherford. Kurzum: Höchst vergnügliche Stücke besten Kinos. 

 Das ab jetzt noch öfter herangezogene »Zweitausendeins-Lexikon des Internationalen Films«: »Ein sympathischer Kriminalfilm mit vielen amüsanten und auch spannenden Details und kleinen satirischen Seitenhieben. Leitete einen kleinen Zyklus von sehr erfolgreichen »Miss Marple«-Filmen ein... Weitere Produktionen: »Der Wachsblumenstrauß« (1963), »Vier Frauen und ein Mord« (1963), »Mörder Ahoi« (1964).«

»1941 - Wo, bitte, geht's nach Hollywood?« / »1941« * * * *
USA 1978, Länge: 114/118 Minuten, Regie: Steven Spielberg, Buch: Robert Zemeckis, Bob Gale, Kamera: William A. Fraker, Musik: John Williams, Produzent: Buzz Feitshans.
Mit: Dan Aykroyd, John Belushi, Lorraine Gary, Christopher Lee,  Warren Oates, Robert Stack, Mickey Rourke, Michael McKean.

Ein japanisches U-Boot will Hollywood angreifen; das läßt sich von der Gelben Gefahr hysterisieren (shocking: ein Mädchen mit gelbem Schlüpfer und dito Strapsen!) und dreht das Entertainment auf. Man kämpft gegen sich selber, während die militärische Führung im Kino sitzt und beim Disney-Film schluchzt. Die Japaner schaffen es schließlich, ein großes Rad zu drehen, nämlich das Riesenrad von der Santa-Monica-Pier zu schießen. Außerdem erbeuten sie einen Radioapparat, der kaum durch die U-Boot-Luke paßt. Murmelt der Japaner: "Das müssen wir mal irgendwie kleiner machen.“ Die Geschichte kann man natürlich auch als Satire der Eroberung von Hollywood durch japanische Konzerne sehen (Sony: Columbia Tristar/MGM, Matsushita: Universal). Film im Film: 10-min-Supersoldatenschlägerei * * * * *!

»1984« (1955/56!) * * *
Großbritannien 1955/56, Länge: 89/91 Minuten, Regie: Michael Anderson, Buch: William P. Templeton und Ralph Bettinson, Kamera: C. Pennington-Richards, Musik: Louis Levy.
Mit: Edmond O'Brien, Michael Redgrave, Jan Sterling, David Kossoff, Mervyn Johns.

Diese schwarz-weiße Verfilmung gefällt mir viel besser als die spätere mit Richard Burton – aber man bekommt sie nirgendwo mehr zu sehen. Ärgerlich.

»Big Brother is watching! In a totalitarian society of the not-too-distant future, protagonist Winston Smith commits the punishable crime of falling in love. He and his beloved are pursued relentlessly by the minions of "Big Brother", the omnipotent and omnipresent leader who will stop at nothing to root out all subversive activities and thoughts. Produced by N. Peter Rathvon. Written by Ralph Gilbert Bettison and William Templeton, based on the novel by George Orwell.« (Klappentext aus GB)

Bild: WDR, Köln»1A Landeier – Polizeiruf 110« * * * *
Deutschland 1995, Länge: 86 Minuten, Regie: Ulrich Stark, Buch: Dirk Salomon, Thomas Wesskamp, Kamera: Manfred Ensinger, Musik: Birger Heymann. Mit: Martin Lindow, Oliver Stritzel, Inge Meysel, Andrea Sawatzki, Rolf Illig, Ulrich Gebauer, Ygal Gleim, Dirk Galuba, Ulrike Mai.

»Auf dem Polizeirevier Volpe im Bergischen Land taucht eines Tages Elisabeth Kampnagel auf. Sie fühlt sich bedroht und verfolgt. Die Polizeibeamten glauben ihr nicht so recht; sie suchen nach psychologischen Erklärungen und wollen die alte, etwas verwirrte Dame abwimmeln. Als sie dann aber ihren toten, angeblich vergifteten Hund präsentiert, muss Polizeihauptmeister Siggi aktiv werden. Der anfangs verharmloste Fall wird immer mysteriöser, als sich zu dem toten Hund noch weitere Leichen gesellen. Die Situation spitzt sich zu, und die Bedrohung der Oma Kampnagel wächst. Nun schaltet sich auch noch die Kripo – von ganz oben – ein, denn eine heiße Spur führt nach Köln. Doch die Lösung des Falls liegt im Bergischen Land, und es ist der kleine Polizist Siggi, dem diese vor Ort gelingt.« (ARD)

Ein kleines funkelndes Juwelchen deutschen Filmschaffens der 90er-Jahre. Natürlich: im Fernsehen. Politik und Verbrechen in der bergischen Kleinstadt Volpe mit den Dorfsheriffs Sigi Möller (Martin Lindow) und Kalle Küppers (Oliver Stritzel). Alles stimmt: Die Story, die Kamera, die Spannung, der Witz und der Stoff für den Kopf. Darsteller sämtlich in Hochform, liegt sicher am fabelhaften Buch und einem erstklassigen Regisseur. 1996 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Übrigens ist daraus eine auch von der FAZ gewürdigte kleine Serie geworden: 1995 »1A Landeier« / 1995 »Roter Kaviar« / 1997 »Gänseblümchen« / 1998 »Mordsmäßig Mallorca« / 2000 »La Paloma« / 2000 »Bruderliebe« / 2001 »Fliegende Holländer« / 2003 »Mein letzter Wille«. Insgesamt äußerst sehenswert!

Warum es das weder auf Video noch auf DVD gibt, ist eines der großen Geheimnisse der öffentlich-rechtlichen Anstalten.


»2001 Odyssee im Weltraum« / »A Space Odyssey« * * * * * *
USA 1968, Länge: 149 (1. Fassung: 160) Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Drehbuch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke, Kamera: John Alcott, Geoffrey Unsworth, Musik: Aram Khatschaturian, Johann Strauß, Richard Strauss, György Ligeti, Schnitt: Ray Lovejoy.
Mit Robert Beatty, Daniel Richter, William Sylvester, Keir Dullea, Leonard Rossiter, Frank Miller, Ed Bishop, Gary Lockwood und HAL 9000.

Fast gleichauf mit der unvergleichlichen »Titanic« zweifellos der beste aller Filme. Ich betone: Filme. Nicht irgendein verfilmtes Theater oder krampfhaft bebilderte Essays oder ins Kino gebrachte Romane: Kino muß Kino sein. Und diesen Film, genau wie »Titanic«, kann man deshalb eigentlich gar nicht auf dem TV-Screen (Video/DVD) angemessen betrachten. Aber, was bleibt, bei dem Zustand unserer Kinokultur, anderes übrig?!

Waschzettel zur DVD-Veröffentlichung: »2001 - Odyssee im Weltraum ist der Countdown in die Zukunft, der Ausblick über das Schicksal der Menschheit, die Suche nach der Unendlichkeit. Mit seinen atemberaubenden visuellen Effekten, dem unentrinnbaren Konflikt zwischen Mensch und Maschine, der überwältigenden Verschmelzung von Musik und Bewegung wurde der Film so einflussreich, dass Steven Spielberg ihn als den alles bestimmenden "Urknall" seiner Filmemacher-Generation definierte.«

Das »Zweitausendeins(!)-Lexikon des Internationalen Films«: »Kubricks fantastisches Kinoabenteuer vereint technische Utopie und kulturphilosophische Spekulation zu einer Weltraumoper von überwältigendem Ausmaß. Der kühne gedankliche Entwurf des Films (eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit voller Skepsis und bitterer Ironie) wird mit nicht minder kühnen optischen Effekten und einer revolutionären Tricktechnik realisiert, die das Genre des Science-Fiction-Films in den folgenden Jahren entscheidend prägten.«

Allerdings macht auch das ziemlich unentbehrliche Zweitausendeins-Lexikon den immer wieder durch fast alle Kritiken des Films getratschten Fehler vom Fehler des versagenden/durchdrehenden Bordcomputers HAL 9000. Großer Unsinn. Die Sache ist so: HAL 9000, der fabelhafte fehlerlose Computer, der mit seinen roten Augen alles an Bord des Jupiter-Raumschiffes in »2001« überwacht, der auch mehr (!) Informationen zur Mission hat als die Astronauten, der übernimmt kurz vor Ende des Fluges die totale Kontrolle und schaltet die Menschen einen nach dem anderen ab und aus. Ein Kampf Mensch gegen Maschine beginnt. Ist der Computer irre geworden? Ja, konnte man in nahezu allen Kommentaren lesen.

Generationen von Zuschauern und Kritikern haben die Mord-Aktion von HAL 9000 in »2001« als ein Computerversagen gedeutet – Motto: »Da kann man mal sehen, was passiert, wenn man sich auf Maschinen verläßt.« Technikskeptizismus, ungefähr ab damals auch political correct (Kernkraft, Castor, Gentechnik). Auch Hellmuth Karasek, der Dampfplauderer, schreibt in seinem mißglückten Kino-Buch (100 Filme): »Als HAL einen Fehler macht...«
Ja, denkste! HAL macht nämlich gar keinen Fehler. Er prüft im Dienste der Mission, von der er mehr weiß als die Astronauten: Er meldet den kommenden Ausfall einer Antenne. Die ist aber in Ordnung, und der Zwillingscomputer auf der Erde sagt auch, daß HAL sich wohl irren müsse. Die Astronauten werden mißtrauisch. Sie beschließen, den Computer lahmzulegen. Der kriegt das mit und schaltet nun seinerseits die Menschen ab. Er hatte gar keinen Fehler gemacht!
Er hatte die Menschen auf die Probe gestellt: Vertrauen sie dem Computer, der (systematisch) mehr weiß als sie? Nein, mit ihrem Mißtrauen haben sie versagt.

Man muß im Film nur ein bißchen aufpassen. Denn die entscheidende Szene geht so: HAL 9000 schaut sich die Zeichnungen eines Astronauten an, lobt sie, und fragt dann den Menschen, ob er sich niemals Gedanken über die Mission gemacht hätte, über die merkwürdigen Umstände, die Geheimniskrämerei, die tiefgefroren an Bord gebrachten Wissenschaftler. Der Astronaut wundert sich und fragt: »Arbeitest du an einem psychologischen Bericht?!« HAL: »Ja, das tue ich, entschuldige bitte, Dave.« Und dann kommt's sofort: »Just a Moment - in 72 Stunden wird die Antenne ausfallen.« Das, genau das ist der psychologische Test! HAL testet das Vertrauen der Menschen. Und die versagen. Wollen, was der Computer für irre hält – halten muß! –, den Computer abschalten.

Ist das nicht viel spannender und intelligenter als das dumme Gerede vom Computerfehler? Achten Sie mal drauf, wenn Sie sich den Film nochmals ansehen, was man mindestens einmal im Jahr tun sollte.

»(A) Clockwork Orange« (deutsch auch: »Uhrwerk Orange«)
 * * * * *
Großbritannien 1971, Länge: 137 Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Drehbuch: Stanley Kubrick (nach dem Roman von Anthony Burgess), Kamera: John Alcott, Musik: Wendy Carlos.
Mit: Malcolm McDowell, Patrick Magee, Paul Farrell, Carl Duering, Michael Bates, Warren Clarke, Adrienne Corri.

»Randale, Krawall machen, klauen, grölen, steppen und vergewaltigen: Alex (Malcolm McDowell) ... hat so seine eigene Auffassung davon, was Spaß macht. ... Alex’ Odyssee vom amoralischen Punk zum per Gehirnwäsche angepassten Musterbürger bildet den Spannungsbogen in Stanley Kubricks verstörender Zukunftsvision nach dem Roman von Anthony Burgess.«  (Text zur DVD)
Das »Zweitausendeins-Lexikon des Internationalen Films«: »Ein filmisch brillanter Diskurs über den hysterischen Hedonismus der Konsumkultur, über die perverse Ästhetik der Gewalt und über die Wirkungs- und Manipulationsmöglichkeiten visueller Medien.«
Stimmt. Aber so, wie sich das liest, sieht der Film nicht aus. So sähe er aus, wenn Alexander Kluge ihn gedreht hätte. Und übrigens: Für diesen Satz wäre der Kritiker von den im Film marodierenden Vor-Punk-Gangs, vor allem Alex and his three droogs, erst mal heavy getolchockt worden, zur göttlichen Musik von »Ludwig van«. Kurzum: Ungeheurer Film! Kann man tief erschüttert (Moderne Zeiten! Die Jugend! Die Politik!) sehen oder als Groteske und sich krumm lachen. Machte ein schönes Mädchen, mit dem ich den Film einst in deutscher Fassung sah! Ich wollte empört sein, aber dann habe ich noch im Kino  gesehen und begriffen, wie komisch der Film eben auch ist. Danke, Petra! (Nein, nicht P.P., auch nicht P-M.N., sondern: P.K.)

»A Hard Day's Night« * * * * *
(deutsch auch: "Yeah! Yeah! Yeah!"(!!!))
Großbritannien 1964, Länge: 87 Minuten,
Regie: Richard Lester, Drehbuch: Alun Owen, Kamera: Gilbert Taylor, Musik: John Lennon, Paul McCartney, George Martin, Schnitt: John Jympson, Art Direction: Ray Simm, Costume Design: Julie Harris, Makeup Department: Betty Glasow (hair stylist), John O'Gorman (makeup artist), Produzent: Walter Shenson.
Mit*: George Harrison, John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr, Deryck Guyler, Anna Quayle, Victor Spinetti, John Junkin, Norman Rossington, Wilfred Brambell, Richard Vernon.

Das Zweitausendeins-»Lexikon des Internationalen Films«:
Szenen aus dem Leben der Beatles während einer Konzerttournee in England: eine Kombination aus dokumentarischen Musikmitschnitten ihrer Bühnenauftritte, eingeflochtenen Slapstick-Gags und rudimentärer Spielhandlung, mit viel Witz, Tempo und dramaturgischem Geschick inszeniert. Neuartig und richtungsweisend für spätere Musikfilme ist die authentische Wiedergabe von Lebensgefühl und Zeit-Atmosphäre, die weniger durch protokollarischen Realismus als durch schöpferische Unordnung und parodistische Stilexperimente erreicht wird.«

Ewig schade ist die deutsche Heißa-was-sind-wir lustig-Synchronisation von schon damals abgetakelten Berliner Alt-Kabarettisten aus dem Kreis und Umfeld der »Stachelschweine«, Wolfgang Gruner und so. GOTTseidank hat man die herrliche Musik nicht synchronisiert. Das ist nochmal gutgegangen.

Bei listology.com setzt »100 Best / Favorite Movies of All Time by jgandcag« den Film an die 38. Stelle seiner interessanten und intelligent kommentierten Top-100-Liste: »A Hard Day’s Night is the least respected most influential movie ever. It also is a great deal of fun and the soundtrack ain’t bad either. To many young viewers the premise and delivery of the movie is old hat, but back in 1964 the look was so new, so fresh and just cheeky enough of a tweak to establishment to let people know the doldrums of Rock and Roll and Movies of the early Sixties were over. Often it is regarded as the point America stopped grieving for the Kennedy assassination, but this is only really important to people old enough to justify this thesis. And I am sure that was not the Beatles intention. Do we have an MTV without this movie? Probably but it would not have been the fun it was when it first started (unlike the 24 hour commercially crass excuse they now air). There is always room in this world for irreverence and the Beatles showed us all why it can be so much fun.«

Songs und andere Musik im Film, in der Reihenfolge des Auftritts: »A Hard Day's Night«, »I Should Have Known Better«, »I Wanna Be Your Man«, »Don't Bother Me« (George Harrison), »All My Loving«, »If I Fell«, »Can't Buy Me Love«, »And I Love Her«, »I'm Happy Just to Dance with You«, »This Boy (Ringo's Theme)« (instrumental, performed by the George Martin Orchestra), »Tell Me Why«, »She Loves You« alles von John Lennon and Paul McCartney geschrieben und komponiert (außer Harrisons »Don't bother me«), performed by the one and only The Beatles. Göttlich. Die Giganten. (Die anderen: Chuck Berry, Elvis, Dylan, Stones. Wer noch?)
* Mit dabei übrigens: Pattie Boyd (Georges erste Ehefrau) als Jean (schoolgirl on train)(uncredited) und (!) Phil Collins als "Seated fan with necktie" und Brille im TV-Theater (uncredited).

»Adel verpflichtet« / »Kind Hearts and Coronets« * * *
Großbritannien 1949, Länge: 101 Minuten, Regie: Robert Hamer, Buch: Robert Hamer und John Dighton, Kamera: Douglas Slocombe, Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, Produzent: Michael Balcon.
Mit: Alec Guinness, Dennis Price, Audrey Fildes, Valerie Hobson, Joan Greenwood, John Penrose, Miles Malleson, Arthur Lowe, John Salew, Clive Morton.

Alec Guinness in einer Achtfach-Rolle, als Gesamtfamilie, die von einem illegitimen Verwandten zu Erbzwecken ausgerottet wird. Tolle Familienähnlichkeit. Gehört wahrscheinlich ins Guninness-Buch der Rekorde (okay, Kalauer), sollte man als gelungene Kino-Kuriosität auf jeden Fall gesehen haben. We are amused!
»111 Meisterwerke des Films«: »Die Qualität des Films liegt ganz zweifellos in seinem hervorragend konstruierten Drehbuch. (...) Die Krone aber gebührt Alec Guinness, der mit dieser Leistung seinen Weltruhm begründete.« Entzückend geschmackvoll synchronisiert!

»Affäre Blum« * * * *
Deutschland 1948 (DEFA), Länge: 110 Minuten, Regie: Erich Engel, Buch: Robert A. Stemmle, Kamera: Friedl Behn-Grund, Karl Plintzner, Musik: Herbert Trantow.
Mit: Hans Christian Blech, Gisela Trowe, Arno Paulsen, Maly Delschaft, Blandine Ebinger, Kurt Ehrhardt, Alfred Schieske, Karin Evans, Paul Bildt, Ernst Waldow.

Kurt Laser schreibt in »... und dann kam Otto Normalverbraucher – Der Nachkriegsfilm in der deutschen Hauptstadt« (Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift Heft 12/2000):
»Zu den Publikumserfolgen der DEFA in dieser Zeit gehört auch der 1948 entstandene Film »Affäre Blum« mit Erich Engel als Regisseur und Robert A. Stemmle als Drehbuchautor. Sie heben das Genre des Kriminalfalls auf ein hohes künstlerisches Niveau. Den historischen Stoff entnehmen sie einem in der Weimarer Republik geführten Prozess, in dem ein jüdischer Fabrikant verdächtigt wurde, seinen Buchhalter ermordet zu haben, der ihn wegen Steuerhinterziehung angezeigt hat. Der drohende Justizmord, zu dem die antisemitischen Richter durchaus fähig sind, wird durch einen ehrlichen Kriminalkommissar aus Berlin verhindert sowie durch das erwachende Verantwortungs- Bewusstsein der Geliebten des wirklichen Mörders, eines ehemaligen Freikorpsmannes.
Der Film, der am 3. Dezember 1948 im Babylon uraufgeführt wird, zählt in zehn Tagen mehr als 30 000 Besucher. »Die >Affäre Blum< ist das deutsche Gegenstück zur französischen Dreyfus-Affäre«, schreibt der »Telegraph« am 5. Dezember 1948. »Ein Zeitfilm ohne jeden falschen Ton ... Er fand eine ungeteilte enthusiastische Aufnahme.« Der Filmkritiker der »Welt« hält ihn »für die geschlossenste und in ihrer Wirkung stärkste Leistung der deutschen Nachkriegsfilmproduktion«. Der »Nacht- Express« meint: »Gemessen an dem, was heute im Film geleistet wird, hat diese »Affäre Blum« berechtigte Aussicht, ein Welterfolg zu werden.««
Das Zweitausendeins-Lexikon des Internationalen Films: »Feinfühlig inszeniert und von vorzüglichen Schauspielern getragen.«

»Alice im Wunderland« / »Alice in Wonderland« * * * *
USA 1951, Länge: 72/75 Minuten, Disney-Zeichentrick, Regie: Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, William Sterling, Buch: Winston Hibler, Lloyd Beebe, Bill Peet, Joe Rinaldi, William Cottrell, Musik: Oliver Wallace, Produzent: Walt Disney.

Ein sehr eigenwilliger, fast radikaler Disney-Film: keine klassische Handlung, sondern Alices Trip durch Absurdistan. So was konnte damals nur von Zeichentrickkünstlern realisiert werden. War aber ein riskantes Experiment.
Wiedermal nicke ich dem 2001-Lexikon des Internationalen Films zu: »Die absonderlichen Abenteuer der kleinen Alice als Zeichentrick-Adaption von Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker. Kommerziell ein Mißerfolg, war der turbulente, tricktechnisch virtuose Film lange Jahre einer der unterschätzten Langfilme des Disney-Studios.«
Dazu eine ergänzende Information: »Für die Musik gab es zwar eine Oscar-Nominierung, aber kommerziell war der Film bei Kosten von 3 Millionen Dollar und rund 5 Jahren Produktionszeit ein Flop. Deshalb lief er bereits 1954 als erster Disney-Kinofilm überhaupt im Fernsehen.« (Ralf Bauer, www.trickfilmwelt.de)

»Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt« / »Alien« * * * * *
Großbritannien 1979, Länge: 111/116 Minuten, Director’s Cut: 115 Minuten, Regie: Ridley Scott, Buch: Dan O'Bannon, Ronald Shusett, Kamera: Derek Vanlint, Effekt: Guy Hudson, Bernard Lodge, Phil Knowles, Denis Lowe, Neil Swan, Roger Nichols, Carlo Rambaldi, David Watkins, Schnitt: Terry Rawlings, Peter Weatherley, Musik: Jerry Goldsmith, Lionel Newman, Produzent: Gordon Carroll, David Giler, Walter Hill.
Mit: Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Veronica Cartwright, John Hurt, Harry Dean Stanton, Ian Holm, Yaphet Kotto.

»Eine extrem spannende, stilistisch brillante Variation des Science-Fiction-Motivs der Bedrohung durch ein außerirdisches Lebewesen, mit deutlichen sexual-psychologischen Akzenten. Ein Film mit einer perfekt entwickelten Spannungsdramaturgie; die düsteren Albtraumwelten wurden von dem Maler H.R. Giger entworfen.« (2001-Lexikon des Internationalen Films)

Großartig lapidar mein leider anonymer Lieblings-Film-Blogger "Der Außenseiter" (filmforen.de):
»Einer dieser Filme, die ich hervorragend finde, ohne sie zu mögen.« Ja, das gibt's; bei mir auch - H.M.

»Alien Empire« / »Alien Empire - Inside The Kingdom Of The Insect« * * * * *
Großbritannien 1995, 3-teilige BBC-Dokumentation: 1. »Voyagers; War of the Worlds« / »Planet der Insekten« – 2. »Battlezone; Metropolis« / »Kämpfer und Eroberer« – 3. »Hardware; Replicators« / »Krieg der Welten«. Länge jeweils 60 Minuten. Produktion: Steven Nichols, Rupert Barrington, Peter Bassett ; Drehbuch: David Hellon. Kamera: Kevin Flay and Rod Clarke, Schnitt: Tim Coope, Martin Elsbury , MusiK: Martin Kiszlo.

«A journey to the heart of the insect empire, using the latest computer animation and technology to offer a unique perspective on one of the most prolific and diverse life forms on the planet.«

Das ist eine der spannenden angelsächsischen Dokumentationen, für die Walt Disney einst das Vorbild lieferte, mit dem Klassiker »Die Wüste lebt«. Natur wird dramatisiert, populäre filmische Mittel werden benutzt, krasse Effekte zwecks Aufmerksamkeit nicht gescheut. Diese britische Dokumentation über die Welt der Insekten ist irre aufwendig produziert, mit vielen verblüffenden Ideen, filmisch auf allerhöchstem Niveau. Erstaunlich! Viele Wissenschaftler lehnen solche Dokumentationen als unseriös ab; aber was die schreiben, lesen ja nur sie und ein paar Kollegen; und die Filme, die sie drehen würden, die wären unsichtbar, für die gäbe es nämlich kein Publikum.

»All about Eve« / »Alles über Eva« * * * * * *
USA 1950 Länge: 138 / 133 Minuten, Regie & Buch: Joseph L. Mankiewicz, Musik: Alfred Newman, Kamera: Milton R. Krasner, Schnitt: Barbara McLean, Produzent: Darryl F. Zanuck.
Mit: Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Hugh Marlowe, Gregory Ratoff, Thelma Ritter, Marilyn Monroe, Barbara Bates.
Sensationell: Deutsche Dialoge von Erich Kästner, wie überhaupt die Synchronisation ein adäquates Kunstwerk ist, mit Sprechern, die in den 50er/60er Jahren selber Leinwandstars waren; zum Beispiel ist der Erzähler, der Mann, der alles über Eve weiß, O.E.Hasse. Ich vermute sowieso, es gibt auf der ganzen Welt keine Synchronisationsqualität, wie sie sich in Deutschland herausgebildet hat – in Europa jedenfalls nicht.

So skizziert das „Lexikon des Internationalen Films“ den Inhalt: „Eine skrupellos ehrgeizige Kleindarstellerin erschleicht sich die Protektion eines alternden Broadway-Stars und steigt unaufhaltsam in der Schauspieler-Hierarchie auf, bis sie ihr früheres Idol nahezu aus dem Geschäft verdrängt. Nur mit Mühe kann die einstige Diva ihre Position beruflich und privat behaupten und einen moralischen Sieg erringen. Bitter-witzige Tragikomödie aus der Welt des amerikanischen Showgeschäfts, mit treffsicheren Dialogen und herausragenden Schauspielerleistungen; auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Eitelkeit und Herzlosigkeit der Filmbranche. Perfekte und faszinierende Kinounterhaltung.“ 

Das ist eine geradezu unterkühlte Wertung. »All about Eve« ist eines der ganz großen Meisterwerke des Films. Eine packende Betrachtung (Selbstreflexion!) über die Sucht nach Starruhm am Broadway, in Hollywood und überall da, wo Schein das Sein ist. Herausragendes Drehbuch mit brillanten Dialogen, überragende Besetzung bis in die kleinste Rolle, wie immer natürlich mit den stärksten Effekten: die glorreiche Bette Davis – sie gibt aber nicht die Titelrolle, Anne Baxter ist Eve. 

Der außerordentlichen Film erhielt höchste Auszeichnungen: Nominiert für 14 Oscars 1951 (Rekord! – eingestellt erst von »Titanic«); 6 Oscars wurden es: Film, Regie, Drehbuch, Männliche Nebenrolle (George Sanders), Kostüme (Edith Head!), Ton. Die Nominierungen: Anne Baxter, Bette Davis, Celeste Holm und Thelma Ritter; außerdem Dekoration, Kamera in einem Schwarz-Weiß-Film, Schnitt, Musik.
Golden Globe fürs Drehbuch. Preis der New Yorker Kritiker-Vereinigung für Film, Regie und Bette Davis.
Preis der amerikanischen Regie-Gilde und der Gilde der Drehbuchautoren für Joseph L. Mankiewicz.
Filmfestspiele in Cannes 1951: Beste Darstellerin Bette Davis, Spezialpreis der Jury für Joseph L. Mankiewicz.

2006 wurde das Drehbuch von der Gilde der US-Drehbuchautoren zum fünftbesten Drehbuch aller Zeiten gewählt. Bei der Konkurrenz American Screenwriters Association (ASA) Platz 49 der Top100, immerhin vor »2001: A Space Odyssey« (Platz 50).

»All about Eve« ist auf DVD erhältlich, zum Beispiel in der Reihe "Cinemathek" der Süddeutschen Zeitung, wie dort üblich der pure Film ohne Extras.

Es gibt aber auch eine mit Extras ausgestattete Ausgabe, die „Cinema Premium Edition“. Beigelegt ist ein Booklet, das die Darsteller und ihre Rollen auf einer Art Set-Cards vorstellt. Die Informationen auf der Packung sind nicht ganz ernstzunehmen, sind nicht von Filmkundigen, sondern offensichtlich von einer Werbeabteilung verfaßt. Neben Bette Davis wird dort Marilyn Monroe herausgestellt, die aber nur einen Mini-Auftritt hat; allerdings sieht man die Monroe vor der Monroe und kann bei genauem Hinsehen beobachten, was sich mit ihr anbahnt. Fehlerhaft auch der Kommentar-Hinweis, mit dem der Sohn des Regisseurs als der Regisseur notiert wird.

Zu den filmischen Extras merkt Movieman.de ("Deutschlands schnellstes Filmmagazin") völlig richtig an: "Kernstück des Bonusmaterials bilden zwei Audiokommentare. Im ersten sind der Sohn des Regisseurs, Christopher Mankiewicz, Autor Kenneth Geist (er schrieb ein Buch über die Arbeiten von Joseph Mankiewicz) und Schauspielerin Celeste Holm. Die Beiträge der drei wurden unabhängig voneinander aufgenommen und zusammengefügt, was ein schönes Ganzes ergibt. Zwar ist der Audiokommentar einigermaßen trocken, bietet aber Berge an Infos und noch dazu wird ein bisschen Gift verspritzt, denn Geist hat wenig Gutes über seinen Kollegen Sam Staggs, der das Buch "All About All About Eve" geschrieben hat und den zweiten Audiokommentar bestreitet. Bei den Featurettes bildet die "Vorgeschichte" das Highlight. Da die Beteiligten des Films größten Teils tot sind, kommen hier Nachkommen, Filmhistoriker und Biographen zu Wort. Der Rest der Extras besteht aus dem Trailer, zwei kurzen Interviews, die zu Zeiten des Films entstanden, und ein paar Wochenschauen."

Präzise und richtig auch die Hinweise des Fachmagazins Movieman.de auf die technische Qualität der DVD-Fassung (gilt für beide hier vorgestellten): „Die Qualität des Films ist recht ordentlich, aber natürlich kann er sein Alter ... nicht verleugnen. Die Vorlage ist sauber und ohne Verschmutzungen. ... Im Ton scheint sich zur ersten Auflage nicht viel verändert zu haben. Noch immer herrscht ein Nachhall beim deutschen Ton vor, was diesen etwas eigenartig klingen lässt. Der englische Ton hat leichtes Rauschen, klingt dafür aber etwas vitaler. Neu hinzugekommen ist die englische Stereospur, die der Monospur vorzuziehen ist. Sie klingt noch etwas voller und breiter.“

Auch hier ist – wie meistens, wenn Bild und Ton digital restauriert worden sind – die Originalfassung, aber nicht die deutsche Synchronisation bearbeitet. Bei der Neu-Ausgabe des phänomenal restaurierten Beatles-Klassikers „Help“ beispielsweise ist daher konsequent keine Synchronisation beigegeben. Nur Disney macht sich die konsequente Mühe, bei den Neuausgaben seiner Klassiker auch die (ebenfalls klassische!) deutsche Synchronisation digital zu verbessern.

»Amadeus« * * * *
USA 1984, Länge: 153/160 Minuten / Director's Cut: 171/180 Minuten, Regie: Milos Forman, Buch: Peter Shaffer, Kamera: Miroslav Ondricek, Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, John Strauss (?!), Giovanni Battista Pergolesi, Antonio Salieri, Produzent: Saul Zaentz.
Mit: F. Murray Abraham, Tom Hulce, Elizabeth Berridge, Simon Callow, Roy Dotrice, Christine Ebersole, Jeffrey Jones, Charles Kay, Kenneth McMillan, Kenny Baker, Lisabeth Bartlett, Barbara Bryne, Martin Cavani, Roderick Cook, Milan Demjanenko, Peter DiGesu, Richard Frank, Patrick Hines, Nicholas Kepros, Philip Lenkowsky, Hermann Meckler, Jonathan Moore, Cynthia Nixon, Brian Pettifer, Vincent Schiavelli, Douglas Seale, Miroslav Sekera, Cassie Stewart, John Strauss, Karl Heinz Teuber, Rita Zohar.

Acht Oscars und sowieso herausragend - wäre ja auch noch schöner, wo es doch um Mozart geht.

»Wikipedia« über den Film: »Die Handlung setzt ein mit der Ankunft des jungen Genies am Hof in Wien. Schnell erkennt Salieri das Talent des seiner Meinung nach charakterlich unreifen, albernen Komponisten, auf dessen Fähigkeiten er eine maßlose Eifersucht entwickelt. Zwar sieht die Umgebung diese nicht und Mozart verschwendet seine Möglichkeiten an Verwechslungskomödien, aber durch Mozart wird Salieri auf seine eigene Mittelmäßigkeit zurückgeworfen. Während er sich gegenüber Mozart als väterlicher Freund darstellt, schmiedet er hinterrücks Ränkepläne. Mozarts früher Tod wird auf die Machenschaften Salieris zurückgeführt, dessen Schuldgefühle und Frustrationen diesen am Ende in den Wahnsinn treiben.

Seit dem 1831 entstandenen Dramolett Mozart i Saljeri von Alexander Puschkin geistert die Mär von der angeblichen Feindschaft der beiden Komponisten durch die Literatur- und auch Musikgeschichte. Die Handlungen der Bühnenstücke von Puschkin und Shaffer und des Films, der am Ende deutlich von seiner Vorlage abweicht, sind aber rein fiktiv und entbehren häufig jeglicher historischer Grundlage.
Der Film wurde 1984 in Prag, Kroměříž und Wien gedreht. Forman setzte häufig einheimische Künstler ein, so etwa Theodor Pistek, einen bekannten Prager Filmschaffenden, der die Kostüme entwarf und schneiderte und hierfür mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
Der Soundtrack zu diesem Film (hauptsächlich Mozartstücke) wurde von der Akademy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner aufgenommen.
Amadeus wurde mit acht Oscars ausgezeichnet: Bester Film / Beste Regie / Bester Hauptdarsteller (F. Murray Abraham) / Art Direction- Set Decoration / Bestes Kostüm / Bestes Maske- Up / Bester Sound / Bestes adaptiertes Drehbuch (Peter Shaffer). Weitere Nominierungen gab es in den Kategorien: Bester Hauptdarsteller (Tom Hulce), Beste Kamera, Bester Schnitt.
Bei der Verleihung der Golden Globes gewannen Film, Regie, Drehbuch und Abraham, eine Nominierung erhielten Hulce und Jeffrey Jones für die Beste Nebenrolle. Zu den vielen anderen Preisen gehörte die Verleihung des französischen Filmpreises César als Bester ausländischer Film oder die Goldene Kamera in Deutschland.«

Aus »BZ Berlin«, anläßlich des Erscheinens von »Amadeus - Director's Cut« (USA 2001, 180 Minuten):
»Was schenkt sich Milos Forman zum 70. Geburtstag? Eine um 20 Minuten längere Fassung seines besten Films "Amadeus"! Die Geschichte von Mozart (Tom Hulce) und seinem Neider Salieri (F. Murray Abraham) begeisterte schon vor 18 Jahren das Publikum und wurde mit zehn Oscars belohnt. In den neuen Szenen erlebt man Salieri noch böser und gefährlicher. Er demütigt Mozart mit weiteren Intrigen und zwingt Mozarts Frau, sich ihm hinzugeben, um sie dann wie ein Flittchen abblitzen zu lassen. "Amadeus" ist und bleibt ein Meisterwerk! Markus Tschiedert traf den Regisseur zum Interview.
Warum sind diese Szenen damals der Schere zum Opfer gefallen?
Ich war ein bisschen panisch, das Publikum mit einem Film zu überfordern, der fast drei Stunden dauert. Eigentlich sollte "Amadeus" nur einen neuen Sound bekommen, weil sich die Tontechnik in den letzten Jahren unheimlich verbessert hat. Für einen Musikfilm nicht unerheblich. So kamen wir auf die Idee, "Amadeus" so zu präsentieren, wie er ursprünglich gedacht war.
Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied zur ersten Version?
Man sieht Mozarts Frau Constanze jetzt mit ganz anderen Augen. Sie wirkt nicht mehr so naiv. Man spürt, dass sie Mozart über alles geliebt hat. Damit bekommt auch die Schlussszene, wenn sie Salieri aus der Wohnung wirft, ein ganz anderes Gewicht.

Der Film löste damals ein Amadeus-Fieber aus, das mit dem Falco-Song seinen Höhepunkt fand. Glauben Sie, dass Mozart auch heute noch Jugendliche begeistern kann?
Es gibt Filme wie "Manche mögen's heiß" oder "Casablanca", die nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Deshalb nennt man sie Klassiker. Sie sind zeitlos, weil sie eine tolle Story haben. Ich hoffe, dass "Amadeus" auch dazu gehört.
Damals sollen sich Stars sogar darum geschlagen haben, in "Amadeus" mitzuspielen.
Ja, einmal bekam ich einen Anruf von einem Manager, der mir vorschlug, Walter Matthau die Rolle von Mozart zu geben. Ich sagte: Hören Sie, Mozart war 36, als er starb." Doch er meinte nur, das weiß doch keiner. Später fand ich heraus, dass Matthau eigentlich die Rolle von Salieri wollte.
Ein kleiner Rückblick, nun, wo Sie 70 Jahre alt sind?
Ich bin sehr glücklich mit meinen Filmen. Aber manchmal wünschte ich mir, noch einmal dieses atemberaubende Gefühl zu haben, als ich zum ersten Mal in meinem Leben im Kino saß.«

»Wikipedia« meint zur 3-Stunden-Version: »Leider musste der Director's Cut wegen der zusätzlichen Szenen teilweise neu synchronisiert werden. Für Mozart und Konstanze konnten die gleichen Stimmen vors Mikrofon geholt werden, Salieris Part wurde komplett neu synchronisiert.«

»Amarcord« * * * * *
I/F 1973, Länge: 127 Minuten, Regie: Federico Fellini, Drehbuch: Federico Fellini, Tonino Guerra, Kamera: Giuseppe Rotunno, Musik: Nino Rota, Schnitt: Ruggero Mastroianni.
Mit Nando Orfei als Pataca, Ciccio Ingrassia als Onkel Teo, Armando Brancia als Tittas Vater, Giuseppe Ianigro als Tittas Großvater, Bruno Zanin als Titta, Pupella Maggio als Tittas Mutter, Magali Noël als Gradisca.

Das Zweitausendeins-»Lexikon des Internationalen Films«: »Fellini erinnert sich an seine Jugendzeit in Rimini und zeichnet eine von einfachen Menschen, Käuzen und Originalen belebte Provinzlandschaft, wobei er auch psychische und politische Bedingtheiten der 30er Jahre einbezieht. Der Film ist ... ein durch Erinnerungen verändertes und verwandeltes Zeitbild, in dem der Satiriker Fellini seiner Phantasie und Vorliebe fürs Groteske freien Lauf läßt - eine bildmächtige Schau des vielfältigen, abgrundtief häßlichen wie unendlich schönen Lebens.«

»American Beauty« * * * *
USA 1999, Länge: 122 Minuten, Regie: Sam Mendes, Buch: Alan Ball, Kamera: Conrad L. Hall, Musik: Thomas Newman, Produzent: Bruce Cohen, Dan Jinks, Stan Wlodkowski und Alan Ball.
Mit: Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch, Wes Bentley, Mena Suvari, Peter Gallagher, Alison Janney, Chris Cooper, Scott Bakula, Sam Robards.

Thomas Hunziker im schweizerischen »cineman«:
»Wie schön das Leben ist sehen leider nur die Wenigsten. Auch Lester Burnham (Kevin Spacey) hat kein Auge für Schönheit, die ihn umgibt. Seelenruhig teilt er uns mit, dass er kaum mehr ein Jahr zu leben hat. Enttäuscht ist er darüber nicht, denn irgendwie fühlt er sich schon seit einiger Zeit leblos, schliesslich ist die morgendliche Masturbation in der Dusche für gewöhnlich der Höhepunkt seines Tages. An seinem Arbeitsplatz erfüllt er die Erwartungen des jungen Vorgesetzten nicht mehr, seine karrieregeile Frau (Annette Bening) sucht ihre Erfüllung beim Verkauf von Immobilien und seine Tochter Jane (Thora Birch) schämt sich in Grund und Boden, weil sich der Vater jedes Mal wie ein sexsüchtiger Teenager benimmt, wenn er ihrer Schulfreundin Angela (Mena Suvari) gegenübersteht. Tagaus, tagein dasselbe. Da tritt ein neuer Nachbar in das Leben von Vater und Tochter. Aus sicherer Distanz hält Ricky (Wes Bentley) seine Umgebung auf Video fest. Besonders angetan hat es ihm dabei Jane, und für den Vater hat er ganz entspannende Stoffe auf Lager.

Seit der Oscarauszeichnung als Bester Nebendarsteller für seine Darstellung in The Usual Suspects brilliert Kevin Spacey in einer Rolle nach der anderen. In American Beauty zeigt er sich wieder von seiner besten Seite. (...) Für seine meisterliche Darstellung darf Spacey auch auf das Talent seiner Nebendarsteller vertrauen. Neben der hervorragenden Annette Bening verdienen sich vor allem auch die drei jüngeren Schauspieler Thora Birch, Wes Bentley und Mena Suvari ihre Lorbeeren. Letztere ist ausserdem in den USA die allseits gefeierte Lolita du jour ...

Für den britischen Theaterregisseur Sam Mendes ist «American Beauty» das Debüt auf der Leinwand. Mit den Konventionen des Kinos findet er sich bestens zurecht. Einzig die Traumsequenzen, in denen Lester seine American Beauty anhimmelt, erinnern vielleicht ein wenig zu sehr an eine Theateraufführung. Ansonsten beweist Mendes ein waches Auge für die kleinbürgerlichen Verhältnisse amerikanischer Vorstädte. Eine Auffassungsgabe, die auch das Publikum zu überzeugen vermochte: Mundpropaganda und eine gute Vermarktungsstrategie verhalfen «American Beauty» zum verdienten Erfolg. Während die meisten Filme auf möglichst vielen Leinwänden starten, um möglichst mit den quantitativen Einspielergebnissen des ersten Wochenendes für sich selber zu werben, vertrauten die Verleiher hier ganz auf die Qualitäten ihres Juwels und präsentierten «American Beauty» das erste Wochenende auf bloss sechzehn Leinwänden. Das Interesse für die vielgelobte Satire wurde dadurch geschickt gesteigert, so dass die Kinosäle ständig voll waren, bis der Film schliesslich in der vierten Woche sein höchstes Einspielergebnis verzeichnete und inzwischen das vielfache seiner Produktionskosten eingespielt hat.«

»American Graffiti« * * * * *
USA 1973, Länge: 101/109 Minuten, Regie: George Lucas, Buch: George Lucas, Gloria Katz, Willard Huyck, Kamera: Ron Everslage, Jan d'Alguen, Musik: Walter Murch, Produzent: Francis Ford Coppola, Gary Kurtz.
Mit: Richard Dreyfuss, Ron Howard, Charlie Martin Smith, Paul Le Mat, Harrison Ford, Cindy Williams, Mackenzie Phillips, Candy Clark, McKenzie Phillips, Bo Hopkins, Kathleen Quinlan, Manuel Manuel Padilla Jr., Wolfman Jack, Beau Gentry, Manuel Manuel Padilla jr., Deby Celiz.

Die Jugend einer (amerikanischen) Kleinstadt zwischen Rock’n’Roll und Beat’n’1968, zwischen Abschied von der Kindheit und Aufbruch ins Erwachsensein, zwischen Kennedy-Traum und Vietnam-Trauma.
Und: Eine der Keimzellen des neuen mega-erfolgreichen Hollywood; aus diesen Jugendlichen ist was geworden: George Lucas, Richard Dreyfuss, Ron Howard, Harrison Ford, Francis Ford Coppola!

Außerdem: Mega-Soundtrack, da durchgehend Original-Musik der Zeit: (We're Gonna) Rock Around the Clock : Bill Haley and His Comets (2:08) / Sixteen Candles : The Crests (2:48) / Runaway : Del Shannon (2:18) / Why Do Fools Fall in Love : Frankie Lyman and the Teenagers (2:14) / That'll Be the Day : Buddy Holly (2:14) / Fanny Mae : Buster Brown (2:52) / At the Hop : Flash Cadillac and the Continental Kids (2:25) / She's So Fine : Flash Cadillac and the Continental Kids (2:18) / The Stroll : The Diamonds (2:26) / See You in September : The Tempos (2:03) / Surfin' Safari : The Beach Boys (2:05) / He's the The Great Imposter : The Fleetwoods (1:33) / Almost Grown : Chuck Barry (2:09) / Smoke Gets in Your Eyes : The Platters (2:37) / Little Darlin' : The Diamonds(2:04) / Peppermint Twist : Joey Dee and the Starlighters(1:58) / Barbara Ann : The Regents(2:14) / Book of Love : The Monotones(2:17) / Maybe Baby : Buddy Holly(2:01) / Ya Ya : Lee Dorsey(2:22) / The Great Pretender : The Platters(2:35) / Ain't That a Shame : Fats Domino (2:31) / Johnny B. Goode : Chuck Berry (2:38) / I Only Have Eyes for You : The Flamingos (3:09) / Get A Job : The Silhouettes (2:37) / To The Aisle : The Five Satins (2:44) / Do You Wanna Dance : Bobby Freeman (2:35) / Party Doll : Buddy Knox (1:54) / Come Go With Me : The Del-Vikings (2:37) / You're Sixteen-You're Beautiful (And You're Mine) : Johnny Burnette (1:56) / Love Potion No. 9 : The Clovers (1:53) / Since I Don't Have You : The Skyliners (2:35) / Chantilly Lace : The Big Bopper (2:21) / Teen Angel : Mark Dinning (2:35) / Crying in the Chapel : Sonny Till and the Orioles (3:04) / A Thousand Miles Away : The Heartbeats (2:25) / Heart and Soul : The Cleftones(1:49) / Green Onions : Booker T. and the M.G.'s (2:25) / Only You (And You Alone) : The Platters (2:35) / Goodnight, Well It's Time to Go : The Spaniels (2:43) / All Summer Long : The Beach Boys (2:05).

Auf filmzentrale.com (25.06.2003) schreibt Ulrich Behrens: »"American Graffiti“ ist eine Mischung aus nostalgischer Erinnerung, Road-Movie und sanftem Jugenddrama. Der Film spielt in einer einzigen Nacht, vor allem in Autos und um Autos herum. Lucas überzog den Film mit einem Soundtrack, bestehend aus über 40 Rock'n'Roll-Hits, die teilweise von dem legendären Outlaw und DJ Wolfman Jack angekündigt werden. Bühnenbild, Kostüme, Musik, Autos, Geschäfte, Bars usw. vermitteln en detail den Stil der Zeit. "American Graffiti“ bietet eine Art Sittengemälde der amerikanischen Jugend Anfang der 60er Jahre, zur Blütezeit des Rock'n'Roll. Zehn Jahre später, als der Film gedreht wurde, hatte sich einiges geändert: Beatles, Stones, Hard Rock, Hendrix, Joplin, Woodstock, aber auch: Studentenrevolten, Anti-Vietnamkriegs-Proteste, (...) die Ermordung der Kennedys und Martin Luther Kings.
"American Graffiti“ spielt sozusagen am Vorabend dieser Ereignisse, fast könnte man in der Retrospektive sagen, am unschuldigen Vorabend (...) Für Lucas und seine Generation sicherlich eine nostalgische Reminiszenz, vielleicht auch ein bisschen Verklärung der eigenen, zwar nicht unproblematischen, aber dennoch glücklichen Jugendjahre ...«

Leider gibt es kein Plakat, da TV-Produktion des verdienstvollen WDR. Cleo Kretschmer und Wolfgang Fiereck gucken sich tief in die Augen. Bild auch vom WDR!»Amore« * * *
BRD 1978, Länge: 72:09 Minuten, Regie & Buch: Klaus Lemke, Kamera: Rüdiger Meichsner, Redaktion: Alexander Wesemann, WDR.
Mit: Ingeborg Maria ("Cleo") Kretschmer, Pietro Giardini, Peter Kienberger, Wolfgang Fiereck, Brigitte Platzer, Hilde Grädinger u.a.

Ich muß es gestehen: Ich liebe diese Filme von Klaus Lemke aus Milieus. Sie sind einfach schön, einfach und schön, und Cleo Kretschmer ist sensationell. (Siehe auch: »Arabische Nächte«!)

»»Amore«, eine Komödie aus dem Jahr 1978, für die Lemke ein Jahr später mit dem Adolf Grimme Preis in Silber ausgezeichnet wurde. Maria ist die Tochter eines kleinen deutschen Obst- und Gemüsehändlers. Pietro ist der Sohn eines großen italienischen Obst- und Gemüseimporteurs. Beide treffen sich täglich in der Großmarkthalle in München, aber Welten liegen zwischen beiden: Maria ist unscheinbar, Pietro ausgesprochen attraktiv; Maria interessiert sich nicht für Männer, Pietro interessiert sich für alle Mädchen - ausser eben für Maria. Maria ist das egal - bis ihre beste Freundin auf den Casanova hereinfällt. Jetzt beginnt Marias Rache-Expedition - und, wie es in einer Komödie sein muss, gelingt es dem Mädchen gegen alle Erwartungen, den wilden Pietro zu zähmen.« (WDR-Filmarchiv)

»Diese Charaktere«, sagt Klaus Lemke über »Amore«, »besonders das freche, selbstständige junge Mädchen, das Cleo hier spielt, gab es damals noch gar nicht in Deutschland. Jetzt siehst du sowas in jeder Vorabendserie, das ist jetzt Mainstream. Da bin ich tausendmal beklaut worden. Aber das macht gar nichts, ich hab auch geklaut, und oft genug bei mir selbst.« (Fanseite www.mach-dich-grade.de)

Auch von der "Lemke-Seite" des WDR-Filmarchivs (www.wdr.de): »Film in München vor 1967 waren Enno Patalas und seine Doktors von der 'Filmkritik'. Gleich neben dem Bungalow gab es das billigste Bier und die größten Angeber der Stadt wie Thome, Wenders, Zihlmann, Enke, Fürstenberg und Lemke, die stoned und besoffen nach der fiesen Authentizität dieser Filme gierten, in denen endlich Attitude über das Narrative triumphierte. Eines Tages würden wir auch solche antiintellektuellen Filme machen; und das Leben und der Film würden uns vor lauter Begeisterung aus der Hand fressen." (Aus einem Brief Lemkes an den Verf.) Nach zwei Spielfilmen war für Klaus Lemke 1968 der Traum vom großen Kino erst mal ausgeträumt, danach blieb er "festgewachsen in der Leopoldstraße, geliebt von Halbirren" (TIP). Fürs Fernsehen drehte er kontinuierlich, aber nie routiniert Film um Film. Erst Genrefilme mit Laiendarstellern wie "Rocker", später verdanken wir ihm "Stars" wie Cleo Kretschmer, Wolfgang Fiereck und Dolly Dollar, die seine "Trilogie der Leidenschaften" zu einem Publikumserfolg machte. Nach dem Koksprozess von 1981 geriet die Karriere des "Königs von Schwabing" außer Tritt, erst 1992 gelang ihm wieder ein Treffer mit "Die Ratte". Jetzt ist der alte Schwung wieder da, und wir haben hinreichend Gelegenheit, einzutauchen in die wunderbar eigensinnigen Filme des Klaus Lemke.«
Ulrich Kriest in Intro 14.4.04

»Als eigenwillig wurde er oft beschrieben, als "wunderbar eigensinnig" (Ulrich Kriest) gelten seine Filme: Zweifellos gehört Klaus Lemke zu den großen Individualisten unter den deutschen Filmemachern. Das Arbeiten mit Laiendarstellern und ohne ausgearbeitetes Drehbuch wurden zum Markenzeichen seiner Filme, genauso wie die ungeschliffene Sprache der Darsteller und seine beiläufige Art der Inszenierung, die fehlende Perfektion bewusst zum Stil erhob. Er war der Entdecker von Dolly Dollar ebenso wie von Ingeborg Maria ("Cleo") Kretschmer, die zusammen mit Wolfgang Fierek in den 70er Jahren in mehreren seiner Filme als komisches Paar vor der Kamera stand. Mehrfach spielten die Filme des "Königs von Schwabing" ab Ende der 60er Jahre in seiner Wahlheimat und machten das Lebensgefühl der Münchner Bohème rund um Klaus Lemke, Werner Enke, May Spils und Rudolf Thome, aber auch der kleinen Leute und der Menschen am Rand der Gesellschaft zum Thema. Nachdem es in den 80er Jahren still um den Künstler geworden war, hat er sich später wieder mit einer Reihe neuer Filme zurückgemeldet; seit Mitte der 60er Jahre sind so über 30 Kino- und Fernsehfilme entstanden, teilweise in enger Zusammenarbeit mit dem WDR.«

»Animal Farm - Aufstand der Tiere« / »Animals' Farm« * * * *
Großbritannien 1955, Zeichentrickfilm, Länge: 76 Minuten, Regie: John Halas und Joy Batchelor, Buch: Lothar Wolff, Borden Mace und Philip Stapp, Borden Mace und Philip Stapp nach dem Roman "Animal Farm" von George Orwell, Kamera: S. G. Griffiths, Musik: Matyas Seiber.

Auf Stalins Kommunisten gemünzte Fabel, die von Orwells klarer Hellsichtigkeit zeugt. Ewig lehrreiche Impfung gegen die Macht, die es doch nur gut mit uns meint.

»Die Tiere des Bauern Jones haben mehr und mehr unter der Willkür des stets betrunkenen Farmers zu leiden. Der preisgekrönte Eber Old Major erklärt den anderen Tieren, daß sie von den Menschen ausgebeutet werden. Ohne deren Herrschaft wäre ein Leben im Überfluß sicherlich keine Utopie. Zwar stirbt der alte Eber, aber seine Saat geht auf. Unter der Führung des Schweins Schneeball wird Jones vom Hof gejagt und das Reich der Tiere proklamiert. Sieben Gebote sollen das demokratische Zusammenleben regeln. Wichtigstes Gebot: "Alle Tiere sind gleich!" Doch das Schwein Napoleon läßt Schneeball von Bluthunden ermorden. Unter der neuen Führung werden die Gebote relativiert, bis hin zu der makaberen Formel: "Alle Tiere sind gleich - aber einige Tiere sind gleicher!" Als die Tiere bemerken, daß die Schweine den Menschen immer ähnlicher werden, rufen sie die Revolution aus.« (Text des Verleihs »atlas intermedia«) 

»Anna Karenina« (1935) * * * *
USA 1935, Länge: 89 Minuten, Produzent: David O. Selznick, Regie: Clarence Brown, Drehbuch: Clemence Dane, S.N. Behrman, Salka Viertel, Kamera: William H. Daniels, Musik: Herbert Stothart, Schnitt: Robert J. Kern.
Mit: Greta Garbo Fredric March, Basil Rathbone, Reginald Denny, Phoebe Foster, Reginald Owen, Freddie Bartholomew, Maureen O'Sullivan.

Die ARD ("Das Erste") zeigt anläßlich des 100. Geburtstags von Greta Garbo  (18.9.1905) eine retrospektive Reihe und kündigt »Anna Karenina« so an: »Moskau um die Jahrhundertwende. Anna Karenina, die Frau eines hohen russischen Regierungsbeamten, verliebt sich in einen jungen Offizier. Die Affäre verstößt gegen die Konventionen der feudalen russischen Gesellschaft und wird für Anna zum Verhängnis. In Clarence Browns einfühlsamer Verfilmung des gleichnamigen Tolstoi-Romans spielt Greta Garbo eine ihrer besten Rollen.

Stiva Oblonsky (Reginald Owen) hat wieder einmal seine Frau Dolly (Phoebe Foster) betrogen. Er lädt seine Schwester Anna Karenina (Greta Garbo), die als Frau eines hohen Beamten in St. Peterburg lebt, nach Moskau ein, damit sie die Wogen glättet. Bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof begegnet sie Stivas Freund, dem Gardeoffizier Wronsky (Fredric March), und verliebt sich sofort in den jungen Grafen. Nach ihrer Rückkehr nach St. Petersburg werden Wronskys häufige Besuche bei der verheirateten Frau von der feinen Gesellschaft rasch als Skandal erachtet. Annas Ehemann Alexei Karenin (Basil Rathbone) ist weniger besorgt um die Liebe seiner Frau, als um seine gesellschaftliche Reputation. Er besteht darauf, dass Anna jeden Anlass zum Klatsch vermeidet. Um ihres Sohnes Sergei (Freddie Bartholomew) willen hält Anna die Fassade eine Weile aufrecht. Doch als ihre Sehnsucht zu stark wird, flüchtet sie mit Wronsky nach Venedig. Bald wird das Glück der beiden getrübt durch Annas Sehnsucht nach ihrem Sohn. Außerdem wird das illegitim zusammenlebende Paar in eine zermürbende Isolation von der offiziellen Gesellschaft gezwungen. Wronsky, der wegen Anna seine militärische Laufbahn aufgeben musste, beginnt seine Affäre langsam zu bereuen. Als der Aufruf ergeht, ein Freiwilligenregiment für den serbisch-türkischen Feldzug aufzustellen, flüchtet Wronsky in den Krieg. Anna ist von allen verlassen... 
Die nuancierte Regie Clarence Browns entwickelt die Tragik der Heldin aus Tolstois Roman ohne melodramatische Überhöhungen. Greta Garbo wurde für ihre Leistung von der New Yorker Filmkritik 1935 als bester Schauspielerin des Jahres gelobt.«

2001-Lexikon des Internationalen Films: »Im feudalen Rußland bricht eine mit einem herrischen, ungeliebten Mann verheiratete junge Frau aus Liebe zu einem anderen die Ehe und bäumt sich vergeblich gegen Moral und Konventionen auf. Der Film behandelt das Thema feinfühlig und dezent und erhält durch Greta Garbos Aura, die Tragik und Einsamkeit vermittelt, eine eigenwillige Faszination.«

»Apocalypse Now Redux« * * * * *
USA 1979/2001, Länge: 202 Minuten, Regie: Francis Ford Coppola, Buch: John Milius, Francis Ford Coppola, Michael Herr, Kamera: Vittorio Storaro, Musik: The Doors, Carmine Coppola, Francis Ford Coppola, Schnitt: Walter Murch, Richard Marks, Produzent: Francis Ford Coppola und Kim Aubry.
Mit: Marlon Brando, Robert Duvall, Martin Sheen, Frederic Forrest, Albert Hall, Sam Bottoms, Laurence Fishburne, Dennis Hopper, G. D. Spradlin, Harrison Ford, Jerry Ziesmer, Scott Glenn, Cynthia Wood, Colleen Camp, Linda Carpenter, Christian Marquand, Aurore Clément, R. Lee Ermey. Sprecher: Michael Herr.

Blickpunkt: Film (Autorkürzel: kob.) kommentiert diese erweiterte Fassung von Coppolas Meisterwerk bestechend kundig und hellsichtig:
»22 Jahre nach seiner Premiere findet Francis Ford Coppolas episches Gemälde über den Wahnsinn des Kriegs und die animalische Natur des Menschen ins Kino zurück. Mit 49 zusätzlichen Minuten korrigieren der kalifornische Kinopatriarch und sein Cutter Walter Murch die seinerzeit von den chaotischen Produktionsbedingungen erzwungenen Kompromisse der Erstfassung. Eine einmalige Chance für Cineasten, eine große Liebe wieder am richtigen Ort zu feiern, noch mehr aber für Neueinsteiger, die diese Cinemascopeschönheit bisher gar nicht oder im Fernsehen nur als Tesafilm oder Vollbildsünde kennen gelernt haben.

Die Qualitäten dieses surrealen, ästhetisch wunderschönen Albtraums, die ihm wohl einen Platz unter den zehn besten Filmen aller Zeiten sichern, bleiben auch in der nun 203 Minuten langen Fassung unverändert, sind als Superlativ im Grunde nicht steigerungsfähig. Somit sind die Ergänzungen, die nach Neusichtung des kompletten Materials vorgenommen wurden, nicht zwangsläufig alle eine Verbesserung, immer aber zumindest ein willkommener Bonus. Sie variieren von minimal und unmerklich bis zu auffallend und diskussionswürdig. Der gravierendste Eingriff umfasst die Plantagensequenz, die es dank Eleanor Coppolas Tagebuch und der Dokumentation 'Hearts of Darkness' zu legendärem Ruf gebracht hat. Ihre Integration erfolgt nach dem bestürzenden Tod von Larry Fishburnes Jungsoldaten, lässt die Crew von Captain Willard, die nächste große Sequenz im Lager von Marlon Brandos Colonel Kurtz vorwegnehmend, auf französische Plantagenbesitzer treffen, die wie Geister aus dem Nebel auftauchen und, von der Zeit überholt, auch wie lebende Tote wirken. Die Konfrontation von Alt- und Neo-Kolonialisten nutzt Coppola für eine recht plakative Geschichtslektion über die Rolle Amerikas in der Genese des Indochinaproblems, dient aber auch als atmosphärisch perfekte Vorbereitung für die folgende Sequenz, die zu Colonel Kurtz' Armee, den animalischen erwachsenen Kindern des Dschungels führt. Die Playmate-Sequenz, die Willards Crew nun Sex mit zwei Bunnies haben lässt, ist eine weitere Ergänzung zur Erstfassung, funktioniert sowohl als komisches Intermezzo wie auch entlarvender Kommentar, wenn Frauen für Benzin verschachert werden. Ein sehr markanter Eingriff erfolgt schließlich am Abspann, der nun ohne Napalmzerstörung über die Leinwand flimmert und Willards Waffenverzicht nach der Erlösung von Kurtz konsequent weiterführt. Mit unverändertem Staunen begleitet man als Zuschauer diese Reise ins Herz der Finsternis, die nun durch den Zusatztitel 'Redux' als das markiert ist, was sie cineastisch erst jetzt darstellt, entwicklungsgeschichtlich aber schon immer war: eine Rückkehr zu den Anfängen. So wartet dieser geheimnisvolle shape shifter, der immer neue Facetten zeigt und auch mit dieser Fassung längst nicht seine ganze Gestalt offenbart, auf eine neue Generation von Zuschauern, die hier provokatives, philosophisches und nicht nur visuell aufregendes Monumentalkino in Perfektion erleben können.«
kob.

Na klar: Polnisches Plakat. Gehörten immer schon zu den besten. Dagegen konnten auch die Kommunisten nichts machen.Über die erste Fassung »Apocalypse now« bemerkt Jeff Shannon von der Amazon-Redaktion (hier klicken und DVD bestellen!):
»In der Tradition von solchen ganz von ihren Obsessionen getriebenen Regisseuren wie Werner Herzog und Erich von Stroheim hat sich Francis Ford Coppola der Produktion von Apocalypse Now genähert, als ob sie seine höchst persönliche, heldenhafte Mission ins Herz der Finsternis gewesen sei. Vor Ort auf den ständig von Stürmen verwüsteten Philippinen wurde er im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig, als das Projekt drohte, ihn in einem Strudel künstlerischer Verzweiflung zu verschlucken. Aber aus diesem Irrsinn entstand einer der größten Filme aller Zeiten. Alles begann mit einem Drehbuch von John Milius, das Joseph Conrads klassische Erzählung Das Herz der Finsternis in die Schrecken des Vietnam-Krieges verlegt und dem kriegsmüden Captain Willard (Martin Sheen) bei einer geheimen, stromaufwärts führenden Mission folgt. Er soll den abtrünnigen Colonel Kurtz (Marlon Brando) töten, der in einen vorzivilisatorischen Zustand von mörderischem und mystischem Wahnsinn zurückgefallen ist. Die Reise ist äußerst gefahrvoll und umfasst Kriegshandlungen von zum Teil epischen Ausmaß und zum Teil sehr intimen Charakter. Ein großes Maß seiner Furcht einflößenden, fast schon körperlichen Wirkung verdankt der Film einer Reihe von Sequenzen, Bildern und Dialogsätzen, die sich regelrecht in unser filmisches Bewusstsein eingebrannt haben. Zu ihnen gehören neben dem Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf zu den Klängen von Wagners "Ritt der Walküren" und der brutalen Ermordung einiger blinder Passagiere auf einer Sampan eines Bauern und auch die Furchtlosigkeit des surfenden Kriegers Lieutenant Colonel Kilgore (Robert Duvall), der liebevoll vom "Geruch von Napalm am Morgen" spricht. Wie Herzogs Aguirre, der Zorn Gottes ist auch dieser Film der eines Genies, das in die Tiefen der Hölle gestoßen wurde und einem Phoenix gleich triumphierend zurückkehrt. Coppolas Besessenheit (äußerst anschaulich zu sehen in der aufschlussreichen Dokumentation Hearts of Darkness, auch unter dem Titel Ins Herz der Finsternis, die von Coppolas Frau Eleanor gedreht und von George Hickenlooper zusammengestellt wurde) ist in jeder Szene und in jeder Einstellung zu spüren, und ihr Ergebnis ist ein Film für die Ewigkeit.«

»Arabische Nächte« * * *
BR Deutschland 1979, Länge: 91 Minuten, Regie: Klaus Lemke, Buch: Klaus Lemke, Kamera: Rüdiger Meichsner, Musik: Jürgen Knieper.
Mit: Wolfgang Fierek, Cleo Kretschmer, Christine Gianna, Michael Lampert, Micha Lampert, Zachi Noy, Johnny Badr, Jonny Badr, Horatius Häberle.

Eine niederbayrische Tankstellenbesitzerin (Cleo Kretschmer) angelt sich in London einen reichen Ölscheich, um ihren treulosen Geliebten Wolfgang (Wolfgang Fierek) zu bestrafen. Doch schon bald zieht es sie zu ihrem leichtlebigen Geliebten zurück ...

»Die lockere Provinzkomödie verdankt ihren Reiz den charmanten Laiendarstellern und der unbekümmerten Improvisationslust Lemkes. Durch zahlreiche Fernsehausstrahlungen erlangte sie Kultstatus.«
(Fanseite www.mach-dich-grade.de)

»Arizona Junior« / »Raising Arizona« * * * *
USA 1986, Länge: 94 Minuten, Regie: Joel Coen, Buch: Ethan Coen und Joel Coen, Kamera: Barry Sonnenfeld, Musik: Carter Burwell, Produzent: Ethan Coen, Mark Silverman.
Mit: Nicolas Cage, Holly Hunter, Trey Wilson, John Goodman, William Forsythe, Sam McMurray, Frances McDormand, Randall "Tex" Cobb, T.J. Kuhn.

»Der glücklose Gelegenheitsganove Hi McDonnough beendet seine Verbrecherlaufbahn und heiratet seine Lieblingspolizistin Ed. Weil dem jungen Glück eigene Kinder verwehrt sind, klaut Hi ein Baby aus dem mit Fünflingen gesegneten Heim eines Möbel-Tycoons. Hi's schmieriger Vorarbeiter, ein apokalyptischer Motorradrocker und zwei Freunde aus dem Knast, die den hohen Finderlohn kassieren wollen, dämpfen nachhaltig die Freude am geklauten Nachwuchs. Am Ende geben Hi und Ed das Baby zurück. Rasante, grell inszenierte Actionkomödie mit Coppola-Neffe Nicolas Cage ("Mondsüchtig") und Holly Hunter ("Nachrichtenfieber"), in der augenzwinkernd die verschiedensten Genres, vom Italowestern bis zum Roadmovie, zitiert werden. Starke Besetzung, witzige Machart, temporeiche Action.« (VideoWoche)   

»Arsen und Spitzenhäubchen« / »Arsenic and Old Lace« * * *
USA 1944, Länge: 115 Minuten, Regie: Frank Capra, Buch: Julius J. Epstein und Philip G. Epstein, Kamera: Sol Polito, Musik: Max Steiner, Schnitt: Daniel Mandell, Produzent: Frank Capra.
Mit: Cary Grant, Raymond Massey, Priscilla Lane, Raymond Massey, Josephine Hull, Jean Adair, Edward Everett Horton, Peter Lorre, Jack Carson, John Alexander, Charles Lane, James Gleason.

Berühmte Farce, mit Kultstatus. Ist auch wirklich eine hübsche Groteske, doch – seien wir ehrlich – ein bißchen arg überschätzt. Und der junge Cary Grant kreischt mir einfach zu viel.

Der gar nicht hoch genug zu schätzende öffentlich-rechtliche TV-Sender »arte« ist etwas anderer Meinung und bläst wie der jagdlüsterne Onkel unverdrossen die volle Trompete:
»Ausgerechnet an seinem Hochzeitstag entdeckt Mortimer Brewster, dass seine netten alten Tanten Abby und Martha aus Mitleid ein Dutzend allein stehender älterer Herren mit vergiftetem Holunderwein aus ihrer Einsamkeit erlöst haben. Und jetzt wollen auch noch Mortimers psychotischer Bruder Jonathan und der verrückte Dr. Einstein mit einer Leiche im Haus der Tanten untertauchen. 

Mortimer Brewster, bisher eingefleischter Gegner der Ehe, hat kapituliert: Elaine Harper ist die Glückliche, mit der der junge Theaterkritiker in die Flitterwochen starten will. Doch nicht ohne zuvor seinen zauberhaften Tanten Abby und Martha einen Besuch abgestattet zu haben. Mortimer trifft fast der Schlag, als er im Haus der beiden alten Damen eine Männerleiche entdeckt. Abby und Martha sind wenig erschüttert - im Gegenteil. Offenherzig erläutern sie ihrem Neffen, dass sie schon ein ganzes Dutzend älterer Herren mit vergiftetem Holunderwein umgebracht haben, um ihnen ein weiteres Leben in Einsamkeit zu ersparen. Die Toten wurden im Keller bestattet, wobei Teddy, der Bruder der alten Damen, eifrig half: Mortimers wirrer Onkel hält sich für Präsident Teddy Roosevelt und glaubt steif und fest, in den Tiefen des Hauses den Panama-Kanal zu bauen, während er die Leichen der alten Herren verbuddelt. Um den Wahnsinn komplett zu machen, platzt auch noch Mortimers durchgedrehter Bruder Jonathan mit seinem verrückten Kumpan Dr. Einstein ins Haus. Als polizeilich gesuchter Massenmörder hat er den Ehrgeiz, seine Tanten zu übertrumpfen. Darum will er auch Mortimer unbedingt zu den übrigen Leichen befördern. 

»Arsen und Spitzenhäubchen«, nach einer Vorlage von Joseph Kesselring entstanden, gehört zu den Klassikern der schwarzen Komödie. Die Geschichte der alten Tanten, die ein Dutzend Leichen im Keller haben, war schon als Bühnenstück am Broadway ein Renner. Als Frank Capra, späterer Schöpfer des Weihnachtsklassikers »Ist das Leben nicht schön?« (1946), eine der Vorstellungen besuchte, war er von der turbulenten Geschichte so angetan, dass er sie ins Kino bringen wollte. In nur vier Wochen entstand eine der schönsten Gruselgrotesken der Filmgeschichte, die sich durch unzählige dramaturgische Wendungen und unerwartete Einfälle auszeichnet. Obwohl die Filmadaptation von »Arsen und Spitzenhäubchen« bereits 1941 fertig wurde, durfte Capra den Kinofilm wegen einer Vertragsklausel erst nach Absetzen des Bühnenstücks veröffentlichen. 1944 gelang es ihm mühelos, an die Popularität des Theaterstücks anzuknüpfen, der Bühnenerfolg wiederholte sich triumphal auf der Leinwand. Da sich fast die ganze Geschichte an einem einzigen Abend im Salon der mörderischen Tanten abspielt, liegt es vor allem an den Schauspielern, das Kammerspiel voranzutreiben. Das gelingt ihnen bravourös: Josephine Hull und Jean Adair, die Capra direkt aus dem Broadway-Hit übernahm, geben gekonnt die gewieften Brewster-Tanten, die in diesem Film mit ihren Vorstellungen von Anstand und Nächstenliebe die üblichen Moralnormen Kopf stehen lassen. Ein brillant agierender Cary Grant als Mortimer sowie Raymond Massey als Bösewicht Jonathan und Peter Lorre als versoffener, schäbiger Schurke Dr. Einstein machen den Film auch gut 60 Jahre nach seiner Entstehung zu einem Filmvergnügen mit Kultcharakter.« 
Das stimmt. 

»Auf der Flucht« / »The Fugitive« * * * * *
USA 1993, Länge 120/125/130 Minuten (Angaben differieren wild), Regie: Andrew Davis, Buch: Jeb Stuart, David N. Twohy, Kamera: Michael Chapman, Musik: James Newton Howard, Produzent: Arnold Kopelson, Keith Barish.
Mit: Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Jeroen Krabbé, Sela Ward, Joe Pantoliano, Andreas Katsulas, Julianne Moore, Daniel Roebuck, L. Scott Caldwell, Tom Wood, Ron Dean.

First-Class-Arzt wird wegen Mordes an seiner Frau unschuldig zum Tode verurteilt. Es gelingt ihm die Flucht – irrsinnige Sequenz vom Zusammenstoß des Gefangenenbusses mit einem Güterzug, nervenzerfetzend: * * * * * *! Auf der Flucht versucht der Doktor ("Richard Kimble“) den wahren Täter zu finden, einen Einarmigen; gleichzeitig selber verfolgt von einem Großaufgebot der Polizei, an dessen Spitze ein zynischer Marshall (gegeben vom großartigen und dafür Oscar-gekrönten Tommy Lee Jones), der sich mit Harrison Ford ein tolles Duell liefert. Spannende überraschende Auflösung des Falles. Kurzum: Hervorragend gelungenes Remake der berühmten Schwarzweiß-Serie des amerikanischen Fernsehens der 60er Jahre; sorgfältig mit viel Filmverstand inszeniert, große spannende Unterhaltung, echtes Kino.

»Außer Atem« / »À bout de souffle« * * * * *
Frankreich 1959, Länge: 88 Minuten, Regie: Jean-Luc Godard, Buch: François Truffaut, Kamera: Raoul Coutard, Musik: Martial Solal, Produzent: Georges de Beauregard.
Mit: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Van Doude, Liliane David, Claude Mansard, Daniel Boulanger, Henri-Jacques Huet, Jean-Pierre Melville, Michel Favre, Richard Balducci, Liliane Robin, Jean-Luc Godard.

»Kultfilm. Kleiner Autodieb erschießt auf der Flucht einen Polizisten; seine Romanze mit einer Studentin endet tödlich. Belmondo setzt den Bogart-Hut auf den Hinterkopf, jongliert mit Zigaretten, Gegnern und Gefühlen. Pariser Straßen, Kneipen, Unterwegssein, Bleibenwollen, Gefahr – das lockere Netz der Subkultur, das bis in die Unterwelt reicht. Ein Gegenentwurf zum klassischen Studiofilm und zum Kunstkino; Hommage für den "Film noir". Godards erster langer Spielfilm leitete die "Nouvelle Vague" ein.« (Adolf Heinzlmeier, Lexikon Filme im Fernsehen. Rasch und Röhring Verlag, Hamburg, 2. erw. Aufl, 1990)

»Truffaut, ehemaliger Kritikerkollege Godards bei den "Cahiers du Cinéma" und wie dieser Mitbegründer der Nouvelle Vague, wagte nach der Premiere von À bout de souffle die Prophezeiung, daß das Kino niemals mehr so sein werde wie zuvor. Manche Zeitgenossen gingen soweit, Godards Revolution im Kino mit der umwälzenden Kraft des Kubismus in der Malerei zu vergleichen.

Godards Film wirkte auf die damaligen Zuschauer nicht nur irritierend, sondern geradezu schockierend, weil er gegen die bis dahin geltenden ästhetischen Regeln des Erzählkinos in eklatanter Weise verstieß: Gedreht wurde nicht im Studio, sondern auf der Straße, auf dem Lande, in den Zimmern und den Büros, um das Leben dort zu filmen, "wo es ist" (Godard). Da ohne Kunstlicht gefilmt wurde, sind bei Innenaufnahmen - trotz des verwendeten hochempfindlichen Filmmaterials - die Gesichter stellenweise nicht richtig zu erkennen. Die bewegte Kamera benutzt weder Schienen noch Stativ: Das verleiht den Filmbildern ihr nervöses Temperament, den Szenen und Sequenzen ihren lebhaften Rhythmus. Am gravierendsten jedoch waren die technischen und dramaturgischen Verstöße. So mußte der Kameramann Raoul Coutard Schwenks über die konventionellen Margen hinaus vornehmen, kleine Achsenverschiebungen und sogar Sprünge über die Achse. Falsche Anschlüsse und eine durch "jumpcuts" geprägte elliptische Erzählweise, bei der oftmals Dialoge und Bildmontage asynchron verlaufen, negieren die klassische Dramaturgie. «Eigentlich ist es ein Film, der am Ende der Nouvelle Vague kam-, so Godard im Rückblick, 30 Jahre nach der Premiere, -es ist ein Film ohne Regeln oder dessen einzige Regel hieß: Die Regeln sind falsch oder werden falsch angewendet. Die stilistischen Besonderheiten verdanken sich jedoch nicht allein dem Kunstwillen Godards, sondern auch den ökonomischen Zwängen der Produktion. So mußte er seinen mehr als zwei Stunden langen Film auf die vereinbarten 90 Minuten kürzen. Das führte z. B. dazu, daß das Gespräch zwischen Michel und Patricia während ihrer Fahrt im offenen Wagen durch Paris nicht im üblichen Schuß-Gegenschuß-Verfahren gezeigt wird. Um Einstellungen und damit Zeit zu sparen, ist während des Dialogs nur der zu sehen, der zuhört.« (Achim Haag in: Michael Töteberg (Hrsg.), Metzler Filmlexikon. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar 1995)

»Avanti, Avanti!« * * *
USA 1972, Länge: 144 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond, Kamera: Luigi Kuveiller, Musik: Carlo Rustichelli, Gianfranco Plenizio, Capaldo, Fassone, Produzent: Billy Wilder.
Mit: Jack Lemmon, Juliet Mills, Clive Revill, Gianfranco Barra, Edward Andrews, Franco Angrisano, Pippo Franco, Franco Acampora, Harry Ray, Lino Coletta, Giselda Castrini.

Wikipedia notiert zutreffend, daß der Film jahrelang sträflich unterschätzt wurde;  Hier Wikipedia:

»Ein gestresster amerikanischer Manager (Jack Lemmon) und eine leicht übergewichtige Britin (Juliet Mills) treffen sich auf Ischia um seinen Vater und ihre Mutter zu beerdigen, die dort auf einer gemeinsamen Autofahrt durch die Weinberge tödlich verunglückt sind, und werden nach allerlei humorvoller Irrungen und Wirrungen wie einst ihre Eltern ein Paar. Italien im Umbruch zwischen Tradition und Moderne zu Beginn der 70er Jahre, mit lauten Kirchenglocken neben Nonnen, die ins Kino gehen, um den Film Love Story zu sehen, Pferdekutschen neben Motorroller fahrenden Leichenbestattern, Erpressung, Mord und einem ungehobelten amerikanischen Diplomaten, der die Sache am Ende fast noch verdirbt.

Neben Eins, Zwei, Drei ist Avanti, Avanti Wilders wohl beste Komödie*, und wie die letztere von den Kritikern Jahrzehnte lang verkannt. Der Film glänzt durch wunderschöne italienische Musik und ist bis in die letzte Nebenrolle erstklassig besetzt, wenngleich mit weitgehend unbekannten Schauspielern; für Juliet Mills war es der Höhepunkt ihrer Karriere.
Für seine Darstellung des Wendell Armbruster erhielt Jack Lemmon 1973 den Golden Globe in der Kategorie Bester Schauspieler in einer Komödie. Außerdem hatte der Film fünf Nominierungen für den Golden Globe. Oscarnominierungen hat der Film nicht erhalten.«

*Anmerkung: Den schönen leisen zarten Film in einem Atemzug mit dem rasanten »Eins, Zwei, Drei«  zu nennen, kann man gelten lassen, aber zu Wilders besten Komödien gehört zweifellos auch »Some Like It Hot« - wenn das nicht sowieso doch seine beste ist.
Und: Weiß jemand, warum  der Film original »Avanti!« heißt und in Deutschland  »Avanti, Avanti!«?

»Barry Lyndon« * * * * *
Großbritannien 1973-75, Länge: 185 Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Buch: Stanley Kubrick, Kamera: John Alcott, Musik: Leonard Rosenman, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Giovanni Paisello, Antonio Vivaldi, Produzent: Stanley Kubrick.
Mit: Ryan O'Neal, Marisa Berenson, Hardy Krüger, Patrick Magee, Diana Körner, Steven Berkoff, Gay Hamilton, Marie Kean, Murray Melvin, Frank Middlemass, André Morell, Arthur O'Sullivan, Godfrey Quigley, Leonard Rossiter, Philip Stone, Leon Vitali, Jon Bindon, Roger Booth, Billy Boyle, Jonathan Cecil, Peter Cellier, Geoffrey Chater, Anthony Dawes, Patrick Dawson, Bernard Hepton, Barry Jackson, Wolf Kahler, Hans Meyer, Ferdy Mayne, Liam Redmond, Pat Roach, Frederick Schiller, George Sewell, Anthony Sharp, John Sullivan, Harry Towb.

Sehr zutreffende Rezension aus der Amazon.de-Redaktion von Sascha Westphal:
»In dem Nachruf, den die New York Times Stanley Kubrick gewidmet hatte, hieß es, dass der große Regisseur, der mit Dr. Seltsam, 2001 und Uhrwerk Orange gleich drei Meisterwerke in Folge gedreht hatte, mit Barry Lyndon zum ersten Mal ins Stolpern gekommen sei.
Diese Einschätzung wirkt wie ein Echo der Reaktionen, die Kubricks Verfilmung von William Makepeace Thackerays Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon 1975 bei seiner Erstaufführung hervorrief. Sie ist den Ruf, zu lang und viel zu kalt zu sein, nie wirklich losgeworden, und selbst diejenigen, die dieses ausufernde Werk schätzen, sehen in ihm meist nur ein faszinierendes Experiment. Doch Barry Lyndon ist viel mehr als nur das, es ist ein durch und durch einzigartiger Film, ein geradezu titanisches Opus, das keinerlei Konzessionen an den Zuschauer macht.

Auf den ersten Blick ist die Geschichte von Redmond Barry (Ryan O'Neal), der nach Jahren voller Abenteuer und Betrügereien die Witwe Lady Lyndon (Marisa Berenson) heiratet und als Barry Lyndon zu Geld und Ansehen kommt, um schließlich tief zu fallen, ein klassischer Stoff für großes historisches Kino. Und in gewisser Weise bedient Stanley Kubrick dieses Genre auch mit den aufwändigen (so im Original der Quelle - H.M.) Schlachtszenen aus dem Siebenjährigen Krieg, den beiden Duellen, die Barrys Lebensgeschichte beinahe einzurahmen scheinen, den Liebesabenteuern seines (Anti-)Helden und der so schwelgerischen wie verschwenderischen Ausstattung. Aber Kubrick wäre eben nicht Kubrick, würde er nicht auch hier den Rahmen des Genres sprengen und den Konventionen seine Vision entgegenhalten.
Der Vorwurf der Kälte resultiert aus der Distanz, die Kubrick zwischen Thackerays Geschichte und seiner Adaption aufbaut. Kein anderer historischer Film zuvor hat die von ihm behandelte Epoche mit solch einer akribischen Versessenheit rekonstruiert wie Barry Lyndon -- und auch kein Film nach ihm. (...)
Nur dienen der ungeheure Aufwand und die Technik, die es Kubricks Kameramann John Alcott ermöglichte, seine Bilder in das Licht zu tauchen, das auch die Gemälde von Watteau und Thomas Gainsborough erstrahlen ließ, nicht der Identifikation. Kubrick rekonstruiert die Vergangenheit als Vergangenheit. Er breitet eine chaotische und korrupte Epoche vor uns aus, damit wir sie durchschauen und sezieren können. Die Sentimentalität des historischen Dramas weicht einer Schönheit des Analytischen, deren Reichtum auch nach wiederholtem Sehen des Films nicht erschöpft ist.« (Zitiert inklusive der dem beamtlichen Regelmachwerk leider folgenden Orthographie: aufwändig etc.)

»Basic Instinct« * * * * *
USA 1991, Länge: 127 Minuten, Regie: Paul Verhoeven, Buch: Joe Eszterhas, Kamera: Jan De Bont, Musik: Jerry Goldsmith, Produzent: Mario Kassar.
Mit: Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Jeanne Tripplehorn, Denis Arndt, Leilani Sarelle, Bruce A. Young, Chelcie Ross, Dorothy Malone, Wayne Knight, Danie von Bargen, Stephen Tobolowsky.

»Die Polizei von San Francisco muss sich mit der Aufklärung des Mordes an einem Rocksänger befassen. Das Opfer wurde brutal mit einem Eispickel ermordet. Detective Nick Curren (Michael Douglas) verdächtigt Catherine Tramell (Sharon Stone), die hochintelligente, steinreiche, aber eiskalte Bettgenossin des Opfers. Nick ist von Catherine fasziniert und gerät mit der Zeit immer mehr in ihren Bann. Ein leidenschaftliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, das von Catherines lesbischer Freundin eifersüchtig beobachtet wird. Aber auch Nicks ehemalige Freundin, die Psychiaterin Beth (Jeanne Tripplehorn), ist skeptisch, was die Beziehung zwischen Nick und Catherine angeht. Nick ist hin- und hergerissen. Als er erfährt, dass Beth während ihres Studiums ein Verhältnis mit Catherine hatte, beginnt er, den Fall plötzlich von einer ganz anderen Seite aus zu betrachten...« (Text zur DVD-Veröffentlichung)

»Bei Anruf Mord« / »Dial M for Murder« * * * *
USA 1954, Länge: 106 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Frederick Knott, Kamera: Robert Burks, Musik: Dimitri Tiomkin, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, Anthony Dawson, Antonio Margheriti, John Williams, Alfred Hitchcock, Patrick Allen.

»Grace Kelly spielt Margot, die reiche Ehefrau des windigen Playboys Tony Wendice (Ray Milland). Tony fürchtet den Verlust des Geldes, weil Margots Liaison mit dem Schriftsteller Mark (Robert Cummings) zu einer Scheidung führen könnte. Er zwingt einen ehemaligen Schulkameraden, der in Schwierigkeiten steckt, zum Mord an seiner Frau. Der minutiös ausgefeilte Plan droht zu scheitern, als Margot es mit letzter Kraft schafft, ihren vermeintlichen Mörder mit einer Schere zu erstechen. Doch Tony schaltet schnell: mit eiskalter Berechnung liefert er der Polizei Hinweise, die seine Frau auf den elektrischen Stuhl bringen könnten...« ("Waschzettel" zur DVD-Veröffentlichung)

»Ben Hur« * * * * *
USA 1959, Länge: 213 Minuten, Regie: William Wyler, Buch: Karl Tunberg, Kamera: Robert Surtees, Robert L. Surtees, Musik: Miklos Rozsa, Miklós Rózsa, Produzent: Sam Zimbalist.
Mit: Charlton Heston, Stephen Boyd, Jack Hawkins, Haya Harareet, Hugh Griffith, Martha Scott, Sam Jaffe, Cathy O'Donnell, Finlay Currie, Frank Thring, Ferdy Mayne, Terence Longdon, André Morell.

Schon wegen des * * * * * *-Wagenrennens! Und weil der kolossale Kitsch wirklich monumental, ein Denkmal des Breitwandkinos ist.

»Der von seinem jüdischen Volk hoch geachtete Fürst Judah Ben-Hur lebt zur Zeit Christi Geburt als reicher Händler in Jerusalem. Ben-Hur hat die Herrschaft Roms anerkannt, doch als sein römischer Jugendfreund Messala als machtbesessener Tribun in die Stadt zurückkehrt und ihn zum Verrat am jüdischen Volk zwingen will, verkehrt sich die Freundschaft der einst Unzertrennlichen in erbarmungslosen Hass. Der skrupellose Messala will Härte beweisen und nutzt den erstbesten Vorwand, um Ben-Hurs Familie einzukerkern und den früheren Freund als Sklaven zu verbannen... Ein monumentaler Sandalenfilm, der geschickt das Leben Ben Hurs mit der Geschichte Christi und den damaligen Problemen mit der römischen Besatzung verbindet. Dieser Film ist - trotz armbanduhrtragendem Römer beim atemberaubenden Wagenrennen - mit 11 Oscars die bislang am meisten ausgezeichnete Hollywoodproduktion. Nur James Camerons "Titanic" schaffte es, 1998 den Rekord einzustellen. Regisseur William Wyler arbeitete übrigens schon bei der ersten Filmfassung 1924 mit. Er war bei dem Stummfilm-Epos für einige Massenszenen verantwortlich.« (www.prisma-online.de)

»Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« * * * * *
Deutschland, 1927, Dokumentarfilm, Produktionsfirma: Deutsche Vereins-Film AG/Fox Europa, Länge: 69 Minuten (18 B/Sek.), Produzent: Karl Freund, Regie: Walther Ruttmann, Drehbuch: Walther Ruttmann, Karl Freund, Kamera: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Lászlo Schäffer, Musik: Edmund Meisel, Schnitt: Walther Ruttmann.

»Eine klassische Bildreportage über 24 Stunden im Leben der Metropole Berlin des Jahres 1927 - ganz mit den Augen der (u.a. in einer Litfaßsäule versteckten) Kamera gesehen.

Ein ungemein eindringlicher und informativer Stummfilm von großem zeitdokumentarischem Wert.

Bei der Uraufführung im Tauenzienpalast wurde zur genauen Übereinstimmung von Bild und Musik erstmals das Musik-Chronometer von Carl Robert Blum verwendet.«
(Aus: »Lexikon des Internationalen Films« von 2001)

»Bestie Mensch« / »La bête humaine« * * * * *
Frankreich 1938, Länge 96/101 Minuten, Regie: Jean Renoir, Buch: Jean Renoir, Kamera: Curt Courant, Musik: Joseph Cosma, Produzent: Robert Hakim, Raymond Hakim.
Mit: Jean Gabin, Simone Simon, Julien Carette, Fernand Ledoux, Jean Renoir, Colette Regis, Jenny Helia, Blanchette Brunoy, Gerand Landry.

NDR-Film zum Inhalt: »Jacques Lantier ist mit Leib und Seele Lokomotivführer. Er fährt auf der Strecke Paris-Le Havre, seine Lok nennt er zärtlich 'Lison'. Der junge Mann ist für sein Alter ein sehr ernster Mensch. Er leidet unter Depressionen und unheimlichen Anfällen und führt das auf seine Herkunft aus einer Familie von Trinkern zurück. Eines Tages wird in einem Zug, mit dem er zur Arbeit fährt, ein reicher Gutsbesitzer ermordet. Der Mörder Roubaud, Bahnhofsvorsteher in Le Havre, handelt aus Eifersucht. Lantier schöpft Verdacht, behält das aber für sich, weil ihn Severine, die schöne junge Frau des Mörders, fasziniert. Severine trifft sich fortan heimlich mit ihm und wird seine Geliebte, vor allem aber will sie ihn überreden, ihren Mann umzubringen, vor dem sie sich fürchtet. Sie ahnt nicht, was sie damit für sich und Lantier heraufbeschwört.«

Das Südwest-Fernsehen (»Unser Drittes«): »Jean Renoirs meisterhafte Verfilmung des Zola-Romans setzt andere Akzente als die literarische Vorlage. Bei Zola bestimmt erbliche Belastung durch eine Generation von Trinkern Lantiers Verhalten; im Film wird dieser Sachverhalt zwar angesprochen, der Weg in die Katastrophe aber psychologisch sorgfältig begründet.
Jean Gabin wartet mit einer schauspielerischen Glanzleistung auf; die Szenen auf der Lokomotive gehören zu den eindrucksvollsten Passagen des Films, den eine glänzende Ensembleleistung und die hervorragende Kameraführung zu einem packenden Drama voller faszinierender Alltagsbeobachtungen machen.«

Das »Deutsche Historische Museum Berlin« in seinem Film-Programm: »In seiner Filmkritik zu La bête humaine schrieb der französische Historiker Georges Sadoul am 5. Januar 1939 begeistert in der Zeitung REGARDS: „Das Kino hat noch kein universelles Genie hervorgebracht wie die Literatur. Aber vielleicht hat es jetzt seinen Zola: Jean Renoir.“ Die Assoziation zu Zola kam Sadoul hier nicht zufällig, denn dieser Film Renoirs basiert auf einem Roman des berühmten Schriftstellers. Eigentlich geht es um die Gefahr des Alkoholismus im Arbeitermilieu. Doch hat Renoir aus diesem Stoff die psychologischen Probleme des Alkoholikers zugunsten einer Betonung von Lebensumständen und Arbeitsbedingungen verringert. Nicht der Alkohol steht also in direktem Bezug zu dem Beziehungskonflikt, sondern die auswegslose Armut des Chefs einer Eisenbahnstation. Robeaux wünscht sich nichts sehnlicher als eine glückliche Ehe mit seiner von ihm geliebten Frau. Doch kann er ihr finanziell nichts bieten. Das Paar lebt in einer kleinen Wohnung direkt am Bahngleis, nur der Kanarienvogel auf dem Balkon versprüht mit seinem vergnügten Piepsen ein wenig Fröhlichkeit in der Tristesse. Séverine, die Frau Robeaux’, ist nebenbei noch die Liebhaberin eines sehr reichen Adligen, der ihr einige materielle Wünsche ermöglicht. Als Robeaux davon erfährt, plant er den Mord an dem reichen Nebenbuhler. Trotz der exponierten Rolle Robeaux’ ist doch eigentlich der von Jean Gabin verkörperte Lantier die Hauptperson, der als Maschinist in Lokomotiven arbeitet und in die Welt der Eisenbahn einführt. Nicht nur die dokumentarisch anmutenden Fahrten auf der Lokomotive, auch den Arbeiteralltag in den Bahnhallen hat Renoir realistisch und gleichzeitig in poetischen Bildern eingefangen, um eine kausale Verbindung zwischen den schweren Arbeitsbedingungen, dem fehlenden Geld und der Entwicklung der „Bestie Mensch“ herauszustellen. Dazu bemerkte Sadoul, dass der Film Renoirs in manchem die Literaturvorlage Zolas überflügelte und André Bazin, Filmkritiker und Wegbereiter der Nouvelle Vague, meinte: „Renoir interessiert sich bei aller Verschiedenheit seiner sozialen Figuren immer nur für dieselbe moralische Wahrheit, weil der gesellschaftliche Realismus für ihn nur ein Weg ist, die Grundgestalt des Menschen und seiner Probleme aufzuspüren und zu befragen. Renoir ist ein Moralist.“«

»Bettgeflüster« / »Pillow Talk« * * * * *
USA 1959, Länge: 98/104 Minuten, Regie: Michael Gordon, Drehbuch: Stanley Shapiro, Maurice Richlin, Kamera: Arthur E. Arling, Musik: Joseph Gershenson, Frank De Vol, Schnitt: Milton Carruth.
Mit: Rock Hudson, Doris Day, Tony Randall, Lee Patrick, Thelma Ritter.

Unverwüstlich amüsant. Habe den Film mindestens 15 mal gesehen und weiß genau, daß er mich auch beim 16. Mal wieder höchst entzücken wird. Beste Laune, bestes Hollywood. Ein Meisterwerk, in dem mehr Grips und Kinokunst steckt als in der Jahresproduktion des deutschen Kinos der Gegenwart.

Klappentext zur DVD: »Brad Allen (Rock Hudson) ist der sprichwörtliche Junggeselle – er verdient als erfolgreicher Liederschreiber sein Geld und ist obendrein ein hemmungsloser Playboy. Jan Morrow (Doris Day) hingegen ist eine angesehene Innenarchitektin, die genau weiß, was sie vom Leben erwartet und von Leuten wie Brad Allen gar nichts hält. Eigentlich hätten die beiden sich auch nie kennengelernt – wenn sie sich nicht dummerweise die Telefonleitung teilen müssten. Immer wieder kommen sich die beiden bei ihren Telefonaten ins Gehege. Vor allem Jan findet den unverschämten Mitbenutzer ihrer Leitung völlig unmöglich und hält mit ihrer Meinung auch nicht hinterm Berg. Durch einen Zufall lernt Jan eines Abends Brad kennen – ohne die geringste Ahnung zu haben, dass ihr charmanter Gegenüber und ihr verhasster Telefonpartner ein und derselbe sind! Brad hingegen hat sich vorgenommen, es dieser verklemmten Innenarchitektin so richtig heimzuzahlen. Der Plan scheint Anfangs auch zu funktionieren, bis Brad feststellen muss, dass Jan ihm besser gefällt als vorgesehen...«

»Blade Runner« * * * *
USA 1982, Länge: 117 Minuten, Regie: Ridley Scott, Buch: Hampton Fancher, David Webb Peoples, Kamera: Jordan Cronenweth, Musik: Vangelis, Produzent: Michael Deeley.
Mit: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, Daryl Hannah, M. Emmet Walsh, Joe Turkel, Brion James, William Sanderson, Joanna Cassidy, James Hong.

Der »Director’s Cut« ist eine Variante, in wesentlichen Elementen (z.B. der Schluß) geändert, also ein zweiter Film. Welcher der bessere ist? Sehen Sie selbst.

Prisma-Online meint: »Im futuristisch-gigantischen L.A. des 21. Jahrhunderts erhält ein Special-Detective, auch "Blade Runner" genannt, den Auftrag, vier androidische Replikanten ausfindig zu machen und zu liquidieren. Im Laufe seiner Jagd lernt er die "menschlichen" Qualitäten der künstlichen Geschöpfe zu schätzen und muß sich entscheiden, ob er seinen Auftrag trotzdem erfüllen will... Nach dem SF-Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" von Philip K. Dick entstand der Science Fiction-Film der 80er Jahre. Regisseur Ridley Scott inszenierte vor der überwältigende Kulisse einer ebenso gigantischen wie trostlosen Metropole einen ungemein packenden Action-Thriller, der nichts von seiner Kraft verloren hat. Indiana-Jones-Darsteller Harrison Ford glänzt in der Paraderolle des zwiespältigen Detectivs, Kontrahent Rutger Hauer liefert eine perfekte Vorstellung des künstlichen Übermenschen. Dazu wird eine Fülle sehenswerter Spezialeffekte (Oscar-Nominierung für Douglas Trumbull) geboten. Der kürzere "Director's Cut" bietet noch ein weitere Variante: der Schluß wurde ebenso wie der erzählerische Off-Kommentar weggelassen und eine kurze Traumsequenz verstärkt die Wahrscheinlichkeit, dass der "Blade Runner" ebenfalls ein Android ist. So entstand tatsächlich ein anderer Film.«

»Blob - Schrecken ohne Namen« / »The Blob« * *
USA 1958, Länge: 87/95 Minuten, Regie: Irvin S. Yeaworth jr., Buch: Theodore Simonson und Kate Phillips, Kamera: Thomas Spaulding, Musik: Burt Bacharach, Ralph Carmichael, Jean Yeaworth, Produzent: Jack H. Harris.
Mit: Steve McQueen, Aneta Corseaut, Earl Rowe, Olin Howlin, Stephen Chase, John Benson, Vincent Barbi, Julie Cousins, Tom Ogen, Elbert Smith, Audrey Metcalf, Ralph Roseman, Elinor Hammer, Diane Tabban, Keith Almoney.

Eine durchgeknallte Horrorschote mit dem jungen Steve McQueen. So bescheuert, daß es schon wieder gut ist. Für den Durchgeknallt-Faktor: * * * *.

»Ein Meteoritenschauer stört die abendliche Kleinstadtidylle. Doch was Steve (Steve McQueen) und Jane (Aneta Corseaut) zunächst für eine riesige Sternschnuppe halten, entpuppt sich als ein todbringendes, extraterrestrisches Schleimmonster, das alles Leben aufsaugt und auslöscht. Das Wesen wächstt unaufhaltsam und ist gegen Feuer und modernste Waffentechnik resistent. Nur Kälte scheint es stoppen zu können. Wird die Armee es schaffen die Bedrohung aus dem All in die Eiswüste der Arktis zu vertreiben, oder wird der „Blob“ die Menschheit vernichten?« (Text zur DVD-Veröffentlichung im Oktober 2005)

»Blow up« * * * *
Großbritannien 1966, Länge: 111 Minuten, Regie: Michelangelo Antonioni, Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Edward Bond, Kamera: Carlo Di Palma, Musik: Herbie Hancock, The Yardbirds.
Mit: David Hemmings, Vanessa Redgrave, Veruschka von Lehndorff, Sarah Miles, The Yardbirds, Peter Bowles Jane Birkin.

»Der Fotograf Thomas hat nichts gesehen. Und doch hat er alles gesehen: Heimlich hat er ein Liebespaar im Park fotografiert – erst auf den Vergrößerungen der Fotos entdeckt er Indizien dafür, dass vor seinen Augen ein Mord geschah. Oder doch nicht?
Michelangelo Antonionis Blow-up wurde 1966 vom gerade gegründeten US-Verband der Filmkritiker mit den Preisen für den Besten Film und den Besten Regisseur ausgezeichnet: Seine stilsichere Studie der Paranoia und Intrigen einer orientierungslosen Generation erwies sich als sehr einflussreich. Kein Film liefert ein besseres Porträt des Lebensgefühls im „Mod“-London: Mode, freie Liebe, Partys, cooler Jugendjargon und Musik (Herbie Hancock schrieb den Soundtrack, und die Yardbirds sind beim Auftritt in einem Club zu sehen). David Hemmings spielt den abgestumpften Fotografen, dem das Geheimnis seiner Fotos einen neuen Impuls gibt. Vanessa Redgrave tritt als die mysteriöse Frau auf, die auf diesen Fotos zu sehen ist. Und das Rätsel dessen, was wir sehen, was wir nicht sehen und was die Kamera sieht, müssen wir als Zuschauer selbst lösen.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)

»Blue Velvet« * * * * *
USA 1986, Länge: 114/116/120 Minuten (Achtung: Es gibt gekürzte Fassungen für Freigabe ab 16, die »Blue Velvet (Gold Edition)« von »MGM Home Entertainment« soll allerdings mit Freigabe ab 16 ungekürzt sein, wird mit 116 DVD-Minuten angegeben; die »Special Edition« soll identisch sein, eine VHS-Version wird mit 120 Minuten angeboten – ja es ist eine fremde seltsame Video-Welt!), Regie: David Lynch, Buch: David Lynch, Kamera: Frederick Elmes, Joe Dunton (Widescreen-Kamera), Musik: Angelo Badalamenti, Produzent: Fred Caruso.
Mit: Isabella Rossellini, Kyle MacLachlan, Dennis Hopper, Laura Dern, Dean Stockwell, George Dickerson, Hope Lange, Brad Dourif, Priscilla Pointer, Frances Bay, Jack Harvey.

DVD-Covertext: »Schmucke Vorgärten, wohlerzogene Schulkinder und Menschen, die liebevoll ihren Rasen pflegen: Das ist Lumberton, eine typisch amerikanische Kleinstadt. Doch hinter dem scheinbaren Idyll lauert ein finsterer Abgrund ...
Am hellichten Tag macht Collegestudent Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) einen grausigen Fund: Auf einer Wiese liegt ein abgetrenntes menschliches Ohr. Durch seine Nachforschungen zusammen mit der hübschen Polizistentochter (Laura Dern) begegnet Jeffrey der verführerischen Nachtclubsängerin Dorothy (Isabella Rossellini) und dem drogensüchtigen Sadist Frank (Dennis Hopper). Bald ist Jeffrey in einer ihm bisher unbekannten, verstörten Welt, in einem mörderischen Bann voller abgründiger Leidenschaft und Gewalt - bis es kein Zurück mehr gibt!
Mit Blue Velvet schuf Kultregisseur David Lynch (Twin Peaks, Wild at Heart, Mulholland Drive) ein mehrfach preisgekröntes Meisterwerk - eine virtuose Mischung aus Psychothriller, Surrealismus und modernem film noir.«

»Blutige Hochzeit« / »Les noces rouges« * * * *
Frankreich/Italien 1972, Länge: 96 Minuten, Regie: Claude Chabrol, Buch: Claude Chabrol, Kamera: Jean Rabier, Musik: Pierre Jansen, Produzent: André Génovès.
Mit: Stéphane Audran, Michel Piccoli, Claude Piéplu, Clotilde Joano, Eliana de Santis, François Robert.

Aus dem »Lexikon des Internationalen Films« bei 2001:
»Ein Liebespaar, das seine störenden Ehepartner durch Morde aus dem Weg geschafft hat, bleibt zunächst auf höhere Weisung unbehelligt, bis die Tochter der Frau die Polizei zum Handeln zwingt.

Deutlicher als in seinen früheren Filmen verknüpft Chabrol eine melodramatische Kriminalgeschichte aus dem Milieu des französischen Bürgertums mit konkreten politischen Anspielungen und scharfer Kritik an gaullistischen Rechtstendenzen.
Die Premiere des Films fand aufgrund einer Intervention der Zensur und des Kulturministeriums erst nach den französischen Parlamentswahlen von 1973 statt.«

»Bonnie und Clyde« * * * *
Regie:  Arthur Penn, Kamera:  Burnett Guffey.
Mit:  Warren Beatty, Faye Dunaway, Michael J. Pollard, Gene Hackman, Estelle Parsons, Gene Wilder.

»Sie sind jung, verliebt und sie töten Menschen.
Mit Bonnie und Clyde begann in Amerika ein Kino der Gegenkultur, der Kompromisslosigkeit. Arthur Penn erzählt die zum Mythos gewordene, wahre Geschichte des Gangsterpärchens Bonnie Parker und Clyde Barrow, die in den depressionsgeschüttelten 30er Jahren Banken ausraubten und auf der Flucht vor der Polizei quer durch die goldglänzende Landschaft des amerikanischen Südwestens unzählige Menschen erschossen.
Bonnie und Clyde sind Galionsfiguren des New Hollywood.
Ohne Rücksicht auf Verluste auf der Jagd nach Freiheit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit. Mit unschuldiger Naivität durchbrachen sie die Schallmauer der etablierten Mächtigen und wurden so zur Legende. Der Outlaw ist Sympathiefigur, Gesetzesbruch zur uramerikanischen Tat geworden.
„Bonnie und Clyde“ wurde zum Wegweiser für eine filmische Neubewertung des amerikanischen Traumes. Ein Meilenstein der Kinogeschichte, dessen Radikalität und Wirkungskraft bis heute unerreicht sind.« ("Neue Visionen", der Filmverleih 2005)

»Cabaret« * * * *
USA 1972, Länge: 117 (124 Langfassung) Minuten, Regie: Bob Fosse, Buch: Jay Presson Allen, Kamera: Geoffrey Unsworth, Musik: John Kander, Produzent: Cy Feuer.
Mit: Liza Minnelli, Michael York, Joel Grey, Helmut Griem, Fritz Wepper, Marisa Berenson, Georg Hartmann, Helen Vita, Elisabeth Neumann-Viertel, Ricky Renee, Gerd Vespermann.

Die Bühnen-Szenen im "Cabaret" sind hinreißend: * * * * *

The Alternative Film Guide meint: »Musicals tend to be either vacuous and light as air (e.g., An American in Paris) or vacuous and heavy as lead (e.g., Doctor Dolittle). Cabaret fits into neither category. Set at the dawn of the Nazi era, Bob Fosse's best film is a socio-political-psychological musical. If it's not the first of its kind, it surely is the best. Fosse's choreography is electrifying, the production values are superb, and Cabaret also offers good performers in top form: Liza Minnelli as the free-spirited girl; Michael York as the shy, intellectual (and sexually ambivalent) boy; and Joel Grey as pre-Nazi Germany itself.«

»Berlin Anfang der 30er Jahre. Die Nazi-Diktatur kündigt sich an. Die US-Sängerin Sally Bowles ist der gefeierte Star des Kit-Kat-Klubs - ein Cabaret, wo man mit grell-aufreizenden Darbietungen für Stunden zu verdrängen sucht, was sich in Deutschland politisch zusammenbraut. Lebenshungrig und ungeniert sucht Sally ihren Weg nach oben. Sie träumt von der ganz großen Karriere und, als sie den Engländer Brian trifft, auch von der großen Liebe. Ihr Traum wird wahr - für kurze Zeit. Doch jedes Glück hat seinen Preis...« (Text zur DVD-Veröffentlichung)

»Casablanca« * * * * * *
USA 1942, Länge: 82/102 Minuten, Regie: Michael Curtiz, Buch: Howard Koch, Philip G. Epstein, Julius J. Epstein, Casey Robinson, Kamera: Arthur Edeson, Musik: Max Steiner, Produzent: Hal B. Wallis.
Mit: Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Peter Lorre, Conrad Veidt, Sydney Greenstreet, Curt Bois, Szöke Szakall, Leonid Kinskey, Dooley Wilson, S.Z. Sakall, Ilka Grüning, Ludwig Stössel, Joy Page, John Qualen, Marcel Dalio, George Meeker, Hans Heinrich von Twardowski.

Legendäres Stück Kino, unglaublich gelungenes Melodram, bewegendste Dreiecksverhältnisse in Liebe und Politik.
Mit europäischen Emigranten, gefährlichen Nazis, korrupten Polizisten, maghrebinischen Halunken, amerikanischem Realisten (= Zyniker), heldenhaftem Widerstandskämpfer, schönen Frauen, heimtückischen Spitzeln, politischen Hasardeuren, kleinen Gaunern, großen Gefühlen.

Eigentlich eine wüste Kolportage, die sich aber unter der Hand durch die Kunst einer genieträchtigen Versammlung erstklassiger Filmmenschen in Kinozauberei verwandelt hat. Ganz und gar unsterblich.

Natürlich ist der Jahrhunderterfolg »Casablanca« unendlich oft zitiert, kopiert und ausgeschlachtet worden. Das kann ja keiner mehr zählen, wie oft ein Flugzeug abrauscht und die Liebe am Boden mit einem allerletzten Sehnsuchtsblick zurückläßt. Undsoweiter. Nicht zu zählen auch die Hommages/Parodien in der Werbung, sowohl Print als auch TV. Nicht immer dumm, und wer so berühmt und groß ist, der muß es sich auch gefallen lassen, wenn am Bart und am Rockzipfel gezupft wird.
Aber was soll man denn sagen, wenn nicht ganz periphere Leute wie der Regisseur Steven Soderbergh und die Reinkarnation von Cary Grant, also der von mir hoch geschätzte George Clooney, sich nicht verblöden, mit einem astreinen Plagiat des Casablanca-Plakats  ihren Film "The Good German" (**) zu bewerben? Was will man uns, denen das auffällt, denn damit eigentlich sagen? Soll man das als eine Verbeugung vor den Meistern verstehen? Soll signalisiert werden, daß man auf Augenhöhe gedreht hat? Oder ist es nicht doch nur der völlig verpeilte Versuch, ein kleines und leiderleider mißratenes Filmchen in ach-zu-große Kleider zu hüllen? Das nehme ich bedauernd an.

»Charade« * * *
USA 1963, Länge: 113 Minuten, Regie: Stanley Donen, Buch: Peter Stone, Kamera: Charles Lang jr., Musik: Henry Mancini, Produzent: Arthur Carroll.
Mit: Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy, Ned Glass, Thomas Chelimsky, Jacques Marin, Dominique Minot, Paul Bonifas.

Ganz schöner hitchcockstyled Kriminalfilm. Und eine noch erstklassigere Besetzung. Trotzdem erreicht der Film des verdienstvollen Stanley Donen (Spitzenklasse: "Singin' In The Rain", "Indiskret") nie das Niveau vom vorbildlichen Master of Suspense. Hart an der Grenze zu Überdruss und Langweile wird zum Beispiel auf dem eher dürftigen McGuffin herumgeritten. Man sieht dem Film zu viel gut gemeinte Absichten an. Aber er unterhält, es gibt witzige Wortgefechte von Grant und Hepburn, es gibt einen sehenwerten Show-Down zwischen den Säulen vom Pariser Palais Royal und es gibt last not least einen sehr hübschen überraschenden Schluss. Außerdem äußerst sehenswert die Givenchy-Haute-Couture, die Audrey Hepburn noch ansehnlicher macht als sie von Natur aus sowieso schon ist (horribile dictu: war).

Klappentext einer DVD-Edition: »Eine Kriminalkomödie mit spannendem Plot voll überraschender Wendungen und mit zwei überragenden Hauptdarstellern (Audrey Hepburn und Cary Grant), die sich Dialogduelle von geschliffener Intelligenz liefern: Der Mann der US-Amerikanerin Regina Lampert kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Offensichtlich steht sein Tod in Zusammenhang mit Geschehnissen aus dem Zweiten Weltkrieg. Kriegskameraden ihres Mannes tauchen auf und verlangen eine Viertelmillion von ihr, ein CIA-Agent fordert sie zur Zusammenarbeit auf, und ein charmanter wie zwielichtiger Helfer, der sich in immer neue Lügen verstrickt, wirbelt ihr Gefühlsleben durcheinander.«

»Christine« * * * *
USA 1983, Länge: 110 Minuten, Regie: John Carpenter, Buch: Bill Phillips, Kamera: Donald M. Morgan, Musik: John Carpenter, Schnitt: Marion Rothman.
Mit: Harry Dean Stanton, Alexandra Paul (fast so schön wie das Auto!), Robert Prosky, David Spielberg, John Stockwell, Keith Gordon.

Der Märchenfilm der automobilen Generation!

Das 2001-Lexikon meint: »Ein amerikanischer Oldtimer des Jahres 1957 - ein Plymouth Fury, "Christine" genannt - wird nach seiner Reparatur und durch die "Liebe" seines 17jährigen Besitzers zum Leben erweckt und zum mordgierigen Ungeheuer. John Carpenter, Spezialist für unheimliche Stoffe, spielt ironisch auch diesmal mit Angst und Schrecken, aber trotz aller Trickeffekte und manchen Feuerwerks ohne besonderen Erfolg.«

Von wegen! Bei mir mit riesigem Erfolg. Bei Jochen auch. Ist nämlich ein Super-Film für echte Jungs, die schon mit Cowboy-Stiefeln gasgegeben haben.

»Citizen Kane« * * * * *
USA 1941, Länge: 117 Minuten, Regie: Orson Welles, Buch: Herman J. Mankiewicz, Orson Welles, John Houseman, Kamera: Gregg Toland, Musik: Bernard Herrmann, Produzent: Orson Welles.
Mit: Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore, Everett Sloane, Ruth Warrick, Ray Collins, Agnes Moorehead, Harry Shannon, Erskine Sanford, George Coulouris, Paul Stewart, Alan Ladd, William Alland.

Hervorragend, aber auch: Überschätzt, weil längst nicht mehr der beste Film aller Zeiten. Das wird, ausgehend von den USA, durch die Best-of-Listengenerationen bloß weitergetratscht. Aber ganz klar sehenswert, nicht nur als großes Stück der Filmgeschichte. Außerdem: Wenn man weiß, was das Schlüsselwort »Rosebud« im amerikanischen Sex-Slang bedeutet, hat man ein großes zusätzliches Vergnügen. Von wegen: Kinderschlitten!

P.S.:
Übrigens habe ich nun (Februar 2005) auch erfahren, daß der Zeitungsmogul Hearst, das Vorbild für Kane, tatsächlich »Rosebud« als Kosewort für ein gewisses Körperteilchen seiner Geliebten, Marion Davies, benutzte. Vor allem deshalb soll er über den Film, über Mankiewicz und Welles getobt haben. Ist ja auch toll: Woher die das wohl wußten?! Da kann doch nur Miss Davies mal geplaudert haben. Aber bei wem? Und wo? Ach, herrliches Hollywood mit so vielen Rosebuds!

Tim Dirks (filmsite.org): »The fresh, sophisticated, and classic masterpiece, Citizen Kane (1941), is probably the world's most famous and highly-rated film, with its many remarkable scenes and performances, cinematic and narrative techniques and experimental innovations (in photography, editing, and sound). Its director, star, and producer were all the same genius individual - Orson Welles (in his film debut at age 25!), who collaborated with Herman J. Mankiewicz on the script (and also with an uncredited John Houseman), and with Gregg Toland as his talented cinematographer. [The amount of each person's contributions to the screenplay has been the subject of great debate over many decades.] Toland's camera work on Karl Freund's expressionistic horror film Mad Love (1935) exerted a profound influence on this film.«

Klappentext zur DVD: »James Foster Kane - so heißt der ehrgeizige junge Medienzar der zwanziger Jahre in Amerika.
Als vielfacher Millionär herrscht er Jahrzehnte lang über unzählige Zeitungen und Radiostationen. Der Erfolg ist es jedoch auch, der ihn mit der Zeit zu einem korrupten und machtgierigen Menschen macht. Verlassen von allen Freunden endet er schließlich in völliger Einsamkeit. ”Rosebud” ist das letzte Wort auf seinen Lippen, bevor er stirbt. Ein Journalist verfolgt die Spur dieses Rätsels und deckt ein faszinierendes Leben auf.«

»Das Appartement« / »The Apartment« * * * * *
USA 1960, Länge: 125 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond, Kamera: Joseph LaShelle, Musik: Adolph Deutsch, Produzent: Billy Wilder.
Mit: Jack Lemmon, Shirley MacLaine, Fred MacMurray, Ray Walston, Jack Kruschen, Edie Adams, David Lewis, Joan Shawlee, Hope Holiday, Johnny Seven, Naomi Stevens.

Bitter-schön, herzzreißend. Ganz große Kunst vom ruhmreichen Billy Wilder, von Lemmon, MacLaine und MacMurray. Einer der 50 besten Filme überhaupt. Mindestens.

Text zur DVD-Ausgabe: »Der kleine Angestellte C. C. "Bud" Baxter hält den Schlüssel für den beruflichen Aufstieg in den Händen. Es ist der Schlüssel zu seinem Apartment, das er seinen Chefs als Liebesnest zur Verfügung stellt. Für diese "Leistung" wird er regelmäßig befördert. Ein großer Sprung auf der Karriereleiter winkt ihm als er dem obersten Boss J. D. Sheldrake sein Apartment für ein Rendezvous mit der Fahrstuhlfahrerin Fran Kubelik leiht. Doch als er Fran an diesem Abend mit einer Überdosis Schlaftabletten findet, wird er mit den zynischen Machenschaften seines Chefs konfroniert. Baxter muss sich entscheiden.«

»Das Biest muss sterben« / »Que la bête meure« * * * *
Frankreich/Italien 1969, Länge: 112 Minuten, Regie: Claude Chabrol, Buch: Paul Gégauff und Claude Chabrol, Kamera: Jean Rabier, Musik: Pierre Jansen und Johannes Brahms ("Vier ernste Gesänge"), Produzent: André Génovès.
Mit: Michel Duchaussoy, Caroline Cellier, Jean Yanne, Marc di Napoli, Stéphane di Napoli, Anouk Ferjac, Maurice Pialat.

Gehört zu den drei besten Chabrol-Filmen. Die anderen sind: »Der Schlachter« und »Blutige Hochzeit«. Wer Film liebt, muß die allesamt gesehen haben. Gibt’s in Deutschland weder auf Video noch auf DVD. Schon wieder eine Schande. Aber, Nachtrag: Seit 2007 ist die Schande gemindert, denn der Film ist mit 4 anderen aus der Zeit in einer deutschen Box herausgekommen. Was dazu zu sagen ist, steht bei: "Der Schlachter".

»"Ich werde einen Menschen töten . . ." Der Entschluss des Protagonisten steht am Anfang. Ein Unbekannter hat seinen kleinen Sohn überfahren und dann Fahrerflucht begangen. Der Vater, ein Schriftsteller, macht sich daran, den Schuldigen aufzuspüren und den Tod seines Sohnes zu rächen. Er stößt dabei auf einen Patriarchen, der seine Sippe tyrannisiert. Am Ende lässt der Machtkampf der Väter auch die (lebenden) Söhne nicht unberührt.« (Isabella Reicher, Österreichisches Filmmuseum, in: Der Standard, Wien, 04.04.2006)

»Das Boot« * * * * *
BR Deutschland 1979, Länge: 149 / Director's Cut: 208 / TV-Fassung: 300 Minuten, Regie: Wolfgang Petersen, Buch: Wolfgang Petersen, Kamera: Jost Vacano, Musik: Klaus Doldinger, Produzent: Günter Rohrbach.
Mit: Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Klaus Wennemann, Hubertus Bengsch, Martin Semmelrogge, Bernd Tauber, Martin May, Uwe Ochsenknecht, Otto Sander, Erwin Leder, Claude-Oliver Rudolph, Joachim Bernhard, Jan Fedder, Ralph Richter, Heinz Hoenig, Martin Hemme, Günter Lamprecht, Konrad Becker, Luth Schnell, Oliver Stritzel.)

Da tauchte deutsche Kinokunst mal wieder ganz kurz auf. Dann mußte weiter gelacht werden – bis zum Untergang (mit dem bellenden Bruno Ganz; wen hat der eigentlich gespielt? Hitler oder den Schäferhund?).

Pazifisten ohne Tiefgang bemeckern den Film, leider auch das 2001-Lexikon. Nicht irre machen lassen, das ist ein richtig guter Film. Interessant ist natürlich der Vergleich der drei Fassungen; ich bevorzuge die lange Fernsehfassung, für mich ist sie das Original.

Text zur DVD (ohne Tiefgang): »Es ist ein wahrer Höllentrip auf Leben und Tod, dem die U-Boot Mannschaft der U 96 auf ihrer Feindfahrt täglich ausgesetzt ist. Kapitänleutnant Heinrich Lehmann, von seinen Männern respektvoll „Der Alte“ genannt, und seine Besatzung werden erbarmungslos von feindlichen Zerstörern gejagt und Flugzeugen bombardiert. Sie versenken feindliche Schiffe, geraten in schwerste Unwetter, steuern durch die streng bewachte Meerenge bei Gibraltar und sinken schließlich manövrierunfähig fast ohne Luftvorräte auf Grund. Doch immer wieder gelingt es den Männern, dem sicheren Tod durch nahezu unmenschliche Anstrengungen zu entkommen. Mit letzter Kraft steuern das U-Boot und seine Mannschaft den scheinbar sicheren Heimathafen an, das Schicksal und der Feind kennen für die Männer der U 96 jedoch kein Erbarmen …«

»Das Cabinet des Dr. Caligari« * * * * * *
Deutschland 1919, Länge: 56 Minuten, Regie: Robert Wiene, Buch: Hans Janowitz und Carl Mayer, , Kamera: Willy Hameister, Musik: 1997 Neuvertonung von Armin Brunner, Rainer Viertlböck unter Verwendung der Bläsersymphonie op. 34 von Ernst Krenek, Produzent: Rudolf Meinert.
Mit: Conrad Veidt, Werner Krauss, Lil Dagover, Rudolf Lettinger, Friedrich Féher, Hans Heinrich von Twardowski, Elsa Wagner, Ludwig Rex.

Einer der wichtigsten frühen Filme überhaupt, schon am Beginn der Filmkunst ein Meisterwerk der expressionistischen Filmsprache, die Deutschland damals dem Kino geschenkt hat.

»Die Binnenhandlung dieses expressionistischen Stummfilmklassikers erzählt die Geschichte des wahnsinnigen Dr. Caligari, der mit Hilfe eines Somnambulen namens Cesare eine kleine norddeutsche Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Tagsüber präsentiert Caligari den an einer merkwürdigen, tranceartigen Krankheit leidenden Cesare auf dem Jahrmarkt. Dort sagt der hochgewachsene, dürre und blasse Somnambule den Schaulustigen die Zukunft voraus. Des Nachts aber schleicht dieser Sklave Caligaris durch die Stadt und begeht unter dem Einfluß seines Herrn furchtbare Morde.
Als eines Nachts ein junger Mann ermordet wird, dem Cesare den nahen Tod prophezeit hatte, ahnt Francis, ein Freund des Toten, daß Dr. Caligari mit der Sache zu tun hat. Als Francis´ Freundin Jane von Cesare bedroht und entführt wird, wird der Verdacht zur Gewißheit. Eine aufgebrachte Menge macht sich auf die Jagd nach dem flüchtenden Doktor. In einem Irrenhaus scheint Francis den Schausteller in die Enge getrieben zu haben, da muß er eine furchtbare Entdeckung machen: der wahnsinnige Dr. Caligari ist der Direktor der Anstalt... Die Rahmenhandlung schafft die Doppelbödigkeit des Films: denn Francis, der die Geschichte von Dr. Caligari erzählte, ist selbst Insasse der Nervenheilanstalt.« (Murnau-Stiftung)

»Das Fenster zum Hof« / »Rear Window« * * * * * *
USA 1954, Länge: 112 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: John Michael Hayes, Kamera: Robert Burks, Musik: Franz Waxman, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: James Stewart, Grace Kelly, Wendell Corey, Thelma Ritter, Raymond Burr, Judith Evelyn, Ross Bagdasarian, Georgine Darcy.

Großer Hitchcockfilm, kann gar nicht genug bewundert werden. Auch nach mehr als fünfzig Jahren vollkommen frisch, immer noch mit dem Touch von Avantgarde, auch in den erotischen/sexuellen Aspekten kein bißchen angestaubt. Wie kommt das? Durch die hemmungslose Radikalität, die sich Hitchcock auf seinem Hollywood-Höhepunkt erlauben konnte und eben GOTTseidank ganz hemmungslos sich erlaubt hat. Mit einem Raffinement, das von Zensoren gar nicht begriffen wird. Hinreißend der Kniff, die Geschichte aus der Sicht eines an den Rollstuhl gefesselten beinbrüchigen Fotoreporters zu erzählen, dessen Voyeurismus natürlich eine deformation professionelle ist. Und so macht Hitchcock auch den Kinozuschauer zum Voyeur (was er ja in gewisser Weise stets ist) und bietet ihm dafür allerhand. Denn der beäugte Hinterhof hat viele Fenster und all diese Fenster sind wie Kino-Leinwände, auf denen sich viele Geschichten zum Thema Paare und Paarungen abspielen. Letzteres auch das große Thema der zielbewussten Freundin des Fotografen: Grace Kelly, eine schöne, hypermoderne Frau, der Emanzen aus dem deutschen Emma-Umfeld das Wasser auch nach einem halben Jahrhundert nicht reichen können. Besetzung sowieso Spitzenklasse, James Stewart in Top-Form, auch Thema Ritter als massierende Zugehfrau hier so herrlich wie in "Bettgeflüster" als ständig besoffene Putzfrau. Undankbare fiese Dunkelmann-Rolle für Raymond Burr. Als "Perry Mason" ist er mir viel lieber.

»Jeff (James Stewart) ist Pressefotograf und durch einen Beinbruch an den Rollstuhl und seine Wohnung gefesselt. Um der drohenden Langeweile zu entkommen, beobachtet er aus seinem Fenster zum Hof die Nachbarschaft und lernt sie so bestens und von allen Seiten kennen. Seine Freundin Lisa (Grace Kelly) ist zunächst wenig begeistert davon, aber schließlich ist die Neugier doch stärker. Als die beiden im Leben ihres Nachbarn von gegenüber, Mr. Thorwald (Raymund Burr = Perry Mason H.M.), einige Merkwürdigkeiten beobachten, keimt in ihnen der Verdacht, dass mit dessen Frau etwas nicht stimmt. Jeff wittert Mord und lässt den Hinterhof von nun an nicht eine Sekunde aus den Augen...« (Text zur Veröffentlichung auf DVD)

Auch Tim Dirks zählt ihn auf www.filmsite.org selbstredend zu seinen »Greatest Films« und bemerkt:
»Rear Window (1954) is an intriguing, brilliant, macabre Hitchcockian visual study of obsessive human curiosity and voyeurism. John Michael Hayes' screenplay was based on Cornell Woolrich's (with pen-name William Irish) original 1942 short story or novelette, It Had to Be Murder.
This film masterpiece was made entirely on one confined set built at Paramount Studios - a realistic courtyard composed of 32 apartments (12 completely furnished) - at a non-existent address in Manhattan (125 W. 9th Street). Each of the tenants of the other apartments offer an observant comment of marriage and a complete survey of male/female relationships (all the way from honeymooners to a murderous spouse), as the main protagonist watches / spies / spectates through his 'rear window' on them. Remarkably, the camera angles are largely from the protagonist's own apartment, so the film viewer (in a dark theatre) sees the inhabitants of the other apartments almost entirely from his point of view - to share in his voyeuristic surveillance.«

»Das Fliegende Klassenzimmer« (1954!) * * * *
BR Deutschland 1954, Länge: 92 Minuten, Regie: Kurt Hoffmann, Buch: Erich Kästner, Kamera: Friedl Behn-Grund, Musik: Hans-Martin Majewski, Produzent: Klaus Stapenhorst.
Mit: Paul Dahlke, Heliane Bei, Erich Ponto, Rudolf Vogel, Bruno Hübner, Peter Kraus, Michael Verhoeven.

»Vergnügliche und warmherzige Verfilmung des Kinderromans von Erich Kästner«, meint das 2001-Lexikon, und damit hat es wirklich recht. Das ist auch heute noch die beste Verfilumg; diskutabel ist die von 2003 (Regie: Tomy Wigand), indiskutabel und geradezu abschreckend aber die von 1973: bloß nicht angucken, Gefahr von Kontamination. (Mehr zu Kästner bei den Buch-Tips. Hier.)

»Miteinander befreundete Schüler einer Gymnasialklasse führen eine Privatfehde mit den gleichaltrigen Schülern einer Realschule. Für die Weihnachsfeier haben sie ein Stück mit dem Titel 'Das fliegende Klassenzimmer' geschrieben. Sie nehmen den neuen Schüler Martin in ihrem Kreis auf und spielen Streiche: So wird der kleine Uli im Papierkorb unter die Zimmerdecke gehängt. Ihren geliebten Lehrer Dr. Böck, Justus genannt, bringen sie mit seinem verloren geglaubten Jugendfreund, Aussteiger und ehemaliger Arzt, Nichtraucher genannt, zusammen.
Erich Kästners vierter Kinderroman (1933) hält mit den Freunden ein prächtiges Spektrum jugendlicher Charaktere bereit, deren Solidarität und Mut, Missgeschicken tapfer zu trotzen, gefeiert wird. Die Verfilmung von Kurt Hoffmann, zu der Kästner das Drehbuch schrieb, fügt eine Liebesgeschichte zwischen Krankenschwester Beate und Nichtraucher hinzu. Zum vorzüglichen Jungen-Team gehören Peter Kraus und Michael Verhoeven.« (VideoWoche)

»Das Haus der Lady Alquist« / »Gaslight« * * * * *
USA 1943, Länge: 112 Minuten, Regie: George Cukor, Buch: John Van Druten, Walter Reisch und John Balderston, Kamera: Joseph Ruttenberg, Musik: Bronislau Kaper, Produzent: Arthur Hornblow jr..
Mit: Ingrid Bergman, Charles Boyer, Joseph Cotten, Dame May Whitty, May Whitty, Barbara Everest, Angela Lansbury, Eustace Wyatt, Emil Rameau, Edmund Breon, Halliwell Hobbes, Tom Stevenson, Heather Thatcher.

Viktorianisch gruselig. Enorm spannender Film. Fulminante Psycho-Studie. Überragende Schauspieler.

»Die Lampen flackern und werden dunkler. Durch die Zimmerdecke sind Schritte auf dem fest verschlossenen Dachboden zu hören. Nur die zartbesaitete junge Paula nimmt diese geheimnisvollen Vorgänge wahr – sie muss deshalb fürchten, dass sie langsam ihren Verstand verliert. Und genau darauf spekuliert ihr heimtückischer Ehemann Gregory.
Das Haus der Lady Alquist, inszeniert von George Cukor, ist ein hervorragendes Beispiel für Kinospannung pur. Ingrid Bergman gewann ihren ersten Oscar®* als Paula, die sich verzweifelt an ihre Vernunft klammert, obwohl sie sich bald selbst für verrückt hält. Der ebenfalls für den Oscar®* nominierte Charles Boyer spielt als aalglatter Bösewicht Gregory gekonnt gegen sein Image an. Joseph Cotten, Dame May Whitty und die damals 18-jährige Angela Lansbury in ihrer ersten Filmrolle (auch sie wurde für den Oscar® nominiert*) sorgen für die intensiv nachempfundene Atmosphäre der viktorianischen Epoche, die auch durch das Produktionsdesign äußerst überzeugend ausgestaltet ist – es wurde mit dem Oscar® für die beste Innenausstattung belohnt.« (Text zur Veröffentlichung auf DVD)

»Das Haus der sieben Sünden« / »Seven Sinners« * * *
USA 1940, Länge: 83 Minuten, Regie: Tay Garnett, Buch: John Meehan und Harry Tugend, Kamera: Rudolph Maté, Musik: Frank Skinner, Produzent: Joe Pasternak. Mit: Marlene Dietrich, John Wayne, Broderick Crawford, Mischa Auer, Oscar Homolka, Oskar Homolka, Billy Gilbert, Albert Dekker, Anna Lee, Reginald Denny, Samuel S. Hinds, Vince Barnett.

Sehenswert vor allem auch wegen der vermutlich doch schönsten handfesten * * * * * - Kneipenschlägerei der Filmgeschichte.

Die üppigst-witzigste Saalschlacht ist ergänzend in Spielbergs »1941« zu besichtigen; unvergesslich dabei die gelbe Gefahr von Schlüpfer und Straps einer auf dem Kopf stehenden Dame.

Allerdings: Nicht zu verachten auch das elegant-schöne Gerangel und Gerutsche um den Diamanten bzw. das lebensrettende Gegengift im zweiten "Indiana Jones" ("Der Tempel des Todes").
Wo kann man so was sehen – außer im Film?

»Das kalte Herz« * * * *
DDR 1950, Märchenfilm. Länge: 104 Minuten, Regie: Paul Verhoeven (nicht der von »Basic Instinct«, »Robocop« etc.!), Buch: Paul Verhoeven, Wolff von Gordon, Kamera: Bruno Mondi, Ernst Kunstmann, Musik: Herbert Trantow, Produzent: Fritz Klotzsch.
Mit: Lutz Moik, Hanna Rucker, Paul Bildt, Erwin Geschonneck, Paul Esser, Hansgeorg Laubenthal, Walter Tarrach, Lotte Loebinger.

Erstklassiger Märchenfilm; kein Kleinkind-Kitsch, nimmt Kinder und sein Thema ernst: Wie einer gegen Geld sein Herz (die Seele!) verkauft. Sehenswert auch jenseits des Jugendalters. Sollte sicher die sozialistische, die anti-kapitalistische Moral stärken, ist aber siebenmeilenweit entfernt von Propaganda, geht tiefer als das, was sich SED-Funktionäre immer so gedacht haben – die hatten ja auch ihr Herz verkauft: an die Partei und die ruhmreiche Sowjetunion.

Dazu eine Information des dhm (Deutsches Historisches Museum) anläßlich einer Plakatausstellung:  »Das Drehbuch für den Film "Das kalte Herz" wurde vom Politbüro als kleinbürgerlich kritisiert und mußte überarbeitet werden. Vor allem im Schluß sollte die Hoffnung auf eine bessere Welt und die Solidarität mit den Werktätigen mehr Raum erhalten. Vgl. SAPMO, DY 30/IV 2/906-208, Sitzung der DEFA-Kommission des Politbüros, 11.3.1950, Protokoll vom 14.3.1950.«

Text zur DVD: »Da wo der Schwarzwald am dichtesten ist, lebt der Köhler Peter Munk. Als er die schöne Lisbeth heiraten will, wird ihm seine Armut schmerzlich bewußt, und er bittet das Glasmännlein, den guten Geist des Waldes, um Hilfe. Er bekommt sie auch, doch er verspielt sie leichtfertig. Nun ruft er den bösen Geist, den Holländer-Michel. Der verspricht ihm allen Reichtum der Welt, wenn er sein Herz gegen einen kalten Stein eintauscht. Peter ist einverstanden, und von Stund an wird er reich und reicher, aber auch brutal und gemein. Erst als er Lisbeth aus Wut über ihre Gutmütigkeit erschlägt, kommt er zur Besinnung. Noch einmal soll ihm das Glasmännlein helfen. Für Peter gibt es jedoch nur Hoffnung, wenn er sein wahres Herz von Michel zurückerhält. Peter muß eine List anwenden, um wieder der werden zu können, der er einst war.«

»Das Leben der Anderen« * * * * *
Deutschland 2005, Länge: 137 Minuten, Regie & Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck, Kamera: Hagen Bogdanski, Schnitt: Patricia Rommel, Musik: Gabriel Yared, Stéphane Moucha, Szenenbild: Silke Buhr, Produktion: Wiedemann & Berg, Koproduktion: Bayerischer Rundfunk, Arte, Creado Film.
Mit: Ulrich Mühe, Martina Gedeck, Sebastian Koch, Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Hans-Uwe Bauer, Volkmar Kleinert, Matthias Brenner, Bastian Trost, Herbert Knaup u.a.
Auszeichnungen: Bayerischer Filmpreis 2005: Bestes Drehbuch, Beste Nachwuchsregie, Bester Darsteller (Ulrich Mühe) / Deutscher Filmpreis 2006: Bester Spielfim in Gold, Beste darstellerische Leistung – männliche Hauptrolle: Ulrich Mühe, – männliche Nebenrolle: Ulrich Tukur, Beste Regie, Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Drehbuch / Europäischer Filmpreis: Bester Film, Bester Europäischer Schauspieler: Ulrich Mühe, Bestes Drehbuch / Oscar 2007 & César 2008: Bester ausländischer Film.

Prisma-online, die lobenswerte Filmdatenbank nordrhein-westfälischer Tageszeitungen: »DDR, 1984: Die Stasi hat schon immer ein besonderes Auge auf die nationale Künstlerszene geworfen. Als besonders gewiefter Stasi-Mann gilt Hauptmann Gerd Wiesler, der sogar neues Personal ausbilden darf. Da der Kulturminister auf die Schauspielerin Christa-Maria Sieland abfährt, soll der offenbar völlig gefühlstote Wiesler deren Lebensgefährten unter die Lupe nehmen. Zunächst erweist sich Theater-Autor Georg Dreyman als linientreuer Literat, der an die Grundfeste der DDR glaubt. Doch als - auch durch Eingriffe der Stasi - Dreymans Glaube mehr und mehr erschüttert wird, zieht sich das Netz um ihn immer fester zu. Bis er schließlich staatsfeindliche Aktionen durchführt...
Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck taucht in seinem vielfach preisgekröntem Langfilmdebüt in die jüngere deutsche Geschichte, speziell in die Bespitzelungsarbeit der Stasi. Er schildert eindringlich das finstere, gefühllose Fäden ziehen im Hintergrund, das schließlich ein derbes menschliches Drama auslöst. Gekonnt und enorm spannend geht es hier um Machtmissbrauch und Manipulation von Menschen. Grandiose Schauspieler - brillant: das Minenspiel von Ulrich Mühe, der 2006 den Europäischen Filmpreis als bester Schauspieler erhielt -, die bewegende Geschichte und die durchaus Leinwand füllenden Bilder beweisen, dass man auch in Deutschland großes Kino produzieren kann. "Das Leben der Anderen" erhielt im Dezember 2006 den Europäischen Filmpreis als bester Film und wurde 2007 mit dem Oscar - gegen den hohen Favoriten "Pans Labyrinth" - als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. Ein herausragendes Werk!«
So ist es.

»Das Loch« / »Le Trou« * * * *
Frankreich/Italien 1960, Länge: 131 (121/109) Minuten, Regie: Jacques Becker, Buch: Jacques Becker, José Giovanni und Jean Aurel, Kamera: Ghislain Cloquet.
Mit: Michel Constantin, Jean Keraudy, Philippe Leroy, Raymond Meunier, Marc Michel, André Bervil, Eddy Rasimi, Jean-Paul Coquelin.

Auch intellektuell spannender Film. Jacques Becker drehte in Frankreich Filme mit amerikanischem Touch. Außerordentlicher Regisseur, in Deutschland so gut wie unbekannt. Wolfgang Melchior schreibt in der sowieso empfehlenswerten kinolounge.de:

»Der Schwarzweißfilm Le Trou (Das Loch) von 1960, beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Plot ist so schnell erzählt wie spannend umgesetzt: Es geht um einen Ausbruchsversuch von fünf Insassen eines Gefängnisses. Darauf errichtet der Regisseur Jacques Becker die Konfliktthemen des Films Ehre, Freundschaft und Vertrauen mit einer fast meditativen Strenge und beklemmender Eindringlichkeit. Sie werden in der Enge der Zelle mit einer kammerspielartigen Brisanz aufbereitet.
So dreht sich der Film einmal um die technische Machbarkeit des Ausbruchs und den Erfindungsreichtum, die Behutsamkeit und den Durchhaltewillen der Protagonisten. Dabei lebt der Film von seinen Suspense- und Überraschungs-Elementen. Zum anderen zeigt der Film, dass der Ausbruch nur als Team und nur dann gelingen kann, wenn alle Zellen-Insassen an einem Strang ziehen, wenn eben gewisse moralische Prämissen erfüllt sind. Genau diese Annahme soll sich am Ende als fatal erweisen ... ein pessimistisches Szenario menschlicher Moral.
Jacques Becker (1901-1960), ein Schüler von Jean Renoir (1894-1979), dem großen Meister des Poetischen Realismus, drehte Le Trou in der Tradition des Film noir. Licht und Ton werden genial pointiert eingesetzt, die Charaktere bleiben bewusste Schatten ihrer selbst. Die Schauspieler spielen mit einer realistischen Eindringlichkeit, die Ihresgleichen sucht. Ein Film, der nicht nur für Filmfreaks mit historischem Interesse spannend sein dürfte.«

»Das Mädchen Irma La Douce« / »Irma La Douce« * * * *
USA 1962, Länge: 142 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond, Kamera: Joseph LaShelle, Musik: André Previn, Marguerite Monnot, Produzent: Billy Wilder.
Mit: Jack Lemmon, Shirley MacLaine, Lou Jacobi, Bruce Yarnell, Herschel Bernardi, Joan Shawlee, Hope Holiday, Grace Lee Whitney, Tura Santana, Harriet Young, Bill Bixby.

Text zur DVD: »Die verrückte Story: Der leicht verklemmte Polizist Nestor (Jack Lemmon) wird ausgerechnet ins Hallenviertel von Paris versetzt, wo eine Riege freundlicher Damen dem horizontalen Gewerbe nachgeht. Eine davon ist die süße Irma (Shirley MacLaine), in die sich Nestor prompt verliebt.

Nach grotesken Verwicklungen verliert Nestor seinen Job und findet sich als Irmas „Manager“ wieder. Aber wie soll er sie von ihren vielen Freiern loseisen? – Ganz einfach: Nestor schlüpft in die Rolle eines wohlhabenden Lords, der Irmas einziger Kunde wird. Das aber kostet nicht nur Zeit und Geld. So richtig in die Bredouille gerät Nestor erst, als Irma entdeckt, dass sie den zauseligen, alten Lord mehr liebt als ihn. Kurz: Der Lord muss fort!«

»Das Schloß in den Ardennen« / »Castle Keep« * * * * *
USA 1969, Länge: 108 Minuten, Regie: Sydney Pollack, Buch: Daniel Taradash und David Rayfiel, Kamera: Henri Decaë, Musik: Michel Legrand, Produzent: Martin Ransohoff, Martin Ransohoff und John Calley.
Mit: Burt Lancaster, Patrick O'Neal, Jean-Pierre Aumont, Peter Falk, Al Freeman, Scott Wilson, Astrid Heeren, Bruce Dern, Michael Conrad.

Völlig unbekannter großartiger Film mit raffinierten Zügen absurden Theaters. Burt Lancaster anbetungswürdig – aber das ist er ja fast immer. Sagenhafter Auftritt von Peter Falk, der seine Einheit verläßt und zur Bäckerei des besetzten Ortes geht. "Ich bin ein Bäcker", sagt er der Frau dort an der Tür. - "Ich bin eine Bäckersfrau", sagt die Frau, deren Mann wohl im Feld (oder schon gefallen ist). Und ab da sind die beiden das Bäckerpaar.

Text zur DVD: »Die Ardennenoffensive 1944 bildet den Hintergrund für den verzweifelten Überlebenskampf amerikanischer Infanteristen gegen eine deutsche Panzereinheit. Die Schlacht tobt um ein mittelalterliches Schloss, das von einem Grafen und seiner Tochter bewohnt wird. Unermessliche Reichtümer, die in den Kellergewölben und Geheimgängen verborgen sind, werden zum Gegenstand tödlicher Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Amerikanern.«
Das heißt: Alles, was geschützt oder erobert werden soll, das gute alte Europa nämlich, wird zerstört.

»Das Schweigen« / »Tystnaden« * * * * *
Schweden 1963, Länge: 95 Minuten, Regie: Ingmar Bergman, Buch: Ingmar Bergman, Kamera: Sven Nykvist, Musik: Johann Sebastian Bach, Produzent: Allan Ekelund.
Mit: Hakan Jahnberg, Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, Birger Malmsten, Jörgen Lindström.

Enormer Skandal der frühen Sechziger: Masturbation und G-Akt. Eins der Enden der Nachkriegszeit und Auftakt zur Revolte. Auch für sich ein beeindruckendes Stück nordisch herber Filmkunst. Zwar kann man den Symbolismus erigierender Panzerkanonenrohre nicht mehr in heiligem Ernst anschauen, aber es ist ja nicht nur gut gemeint, es ist ja auch richtig.

»Ester, ihre Schwester Anna und deren neunjähriger Sohn Johan müssen ihre Heimreise unterbrechen, weil die lungenkranke Ester einen Zusammenbruch erleidet. Sie übernachten in einer fremden Stadt, deren Einwohner eine unverständliche Sprache sprechen. Das bizarre Hotel beherbergt außer ihnen nur noch eine Gruppe von Liliputanern. Völlig isoliert von der Außenwelt und unfähig zur Kommunikation untereinander fallen sie in einen Strudel der sexuellen Begierde, der Exzesse und des Hasses…

Durch seine provozierende Darstellung von Sexualität sorgte Meisterregisseur Ingmar Bergman in ganz Europa für Furore. Besonders die Masturbationsszene von Ingrid Thulin erregte die Gemüter. Allein in Deutschland sahen 11 Millionen Zuschauer den Skandalfilm.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)

»Das Schweigen der Lämmer« / »The Silence of the Lambs«
* * * * *
USA 1990, Länge: 118 Minuten, Regie: Jonathan Demme, Buch: Ted Tally, Kamera: Tak Fujimoto, Musik: Howard Shore, Produzent: Gary Goetzman, Edward Saxon, Kenneth Utt, Ron Bozman.
Mit: Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Anthony Heald, Brooke Smith, Diane Baker, Charles Napier, Kasi Lemmons, Roger Corman, Paul Lazar, Chris Isaak, George A. Romero.

Erstklassiger, geschmackvoller Horror. Außerdem ist Chris Isaac (ja, der Sänger!) als Sondereinsatzkommandist mit von der Partie.

DVD-Text zum Inhalt des Films: »Die junge FBI Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) kann einen Serienmörder nur mit Hilfe des brillanten Psychiaters Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) fassen.
Doch Dr. Lecter ist selbst ein inhaftierter Killer mit einem unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch.«

»Das Spiel ist aus« / »Les jeux sont faits« * * * *
Frankreich 1947, Länge: 86/93 Minuten, Regie: Jean Delannoy, Buch: Jean-Paul Sartre, Jacques-Laurent Bost und Jean Delannoy, Kamera: Christian Matras, Musik: George Auric.
Mit: Micheline Presle, Marcello Pagliero, Charles Dullin, Marguerite Moreno, Fernand Fabre, Jacques Erwin, Colette Ripert, Danièle Delorme, Marcel Mouloudji.

»Irgendwo in einer faschistischen Diktatur: Eve, eine Dame der obersten Gesellschaftsschicht, ist von ihrem ehebrecherischen Mann vergiftet worden; Pierre, ein Vorarbeiter und Anführer der Revolutionäre, ist aus dem Hinterhalt von einem Polizeispitzel erschossen worden. Beide treffen sich im Totenreich und erhalten von einer mysteriösen Registraturdame wegen eines Buchungsfehlers die Chance, unter die Lebenden zurückzukehren, wenn sie binnen 24 Stunden die ihnen vorherbestimmte Liebe zueinander ohne Wenn und Aber verwirklichen. Unüberwindliche Hindernisse im Milieu, Standesunterschiede und Pflichten stellen sich ihnen in den Weg. Sie können nicht eins werden und müssen zurück zu den Toten. Delannoy hat das von Sartre als Filmerzählung konzipierte Originalmanuskript meisterhaft und getreu dem existentialistischen Entwurf inszeniert; die Menschen bewegen sich in determinierten Bahnen, das Leben erscheint als ausweglose Situation.«
(Kabel1 Filmlexikon/filmdienst) 

»Das Testament des Dr. Mabuse« * * * * *
D 1932, Länge: 122 Minuten, Regie: Fritz Lang, Buch: Thea von Harbou (fußend auf Motiven und Charakteren aus dem Roman "Dr. Mabuses letztes Spiel" von Norbert Jacques), Kamera: Fritz Arno Wagner, Karl Vash, Musik: Hans Erdmann, Schnitt: Conrad von Molo, Lothar Wolff, Effekte:  Ernst Kunstmann, Produzenten: Seymour Nebenzahl, Wilhelm Löwenberg.
Mit Rudolf Klein-Rogge, Gustav Diessl, Karl Meixner, Oscar Beregi, Georg John, Wera Liessem, Theodor Loos, Karl Platen, Paul Henckels, Camilla Spira, Theo Lingen, Rudolf Schündler, Otto Wernicke.

»Intuitiv ist in Das Testament des Dr. Mabuse zweifellos das Aufkommen der Nazi-Herrschaft erfaßt worden. Lang schrieb an Norbert Jacques, der die Mabuse-Figur erfunden hatte, man plane mit der Fortsetzung etwas Zeitverbundenes. In einem Werbetext hatte der Verleih zehn Jahre zuvor zur Premiere von Dr. Mabuse, der Spieler behauptet: «Dieser Dr. Mabuse ... war 1910 undenkbar und wird 1930 vielleicht nicht mehr möglich sein - das wollen wir hoffen, möchte man sagen.» Diese Hoffnung hatte getrogen. Angesichts der Wirtschaftsdepression und der politischen Instabilität der Weimarer Republik, der mobilisierten Massen, die sich offene Straßenschlachten lieferten, den SA- und SS-Überfällen und Putschversuchen, deren die rasch wechselnden Regierungen durch Notverordnungen Herr zu werden suchten, angesichts des von Unsicherheit und Angst geprägten gesellschaftlichen Klimas mußte, selbst wenn Lang die politische Analogie nicht bewußt war, Mabuse als höchst zeitgemäße Figur erscheinen.

Im ersten «Mabuse»-Film war der diabolische Verbrecher am Ende nicht (wie in der Romanvorlage) gestorben, sondern wurde in eine Irrenanstalt eingeliefert. Von dort aus treibt er nun sein Unwesen. Den Arzt und Anstaltsleiter hat er mit Hilfe hypnotischen Zwangs zu seinem Werkzeug gemacht, um einen ebenso genialen wie wahnsinnigen Plan zu verwirklichen: Sabotage- und Terrorakte sollen die Ordnung unterminieren und zerstören, um auf dem Chaos die Herrschaft des Verbrechens zu errichten: «Die Seele des Menschen muß in ihren tiefsten Tiefen verängstigt werden durch unerforschliche und scheinbar sinnlose Verbrechen, Verbrechen, die niemandem Nutzen bringen, die nur den einen Sinn haben, Angst und Schrecken zu verbreiten.» Es ist ein mit Raffinement inszenierter Kriminalfilm, in dem unschwer Motive, die Lang zeitlebens fasziniert haben, wiederzuerkennen sind: klaustrophobische Ängste in geschlossenen Räumen, magische Kommunikation mittels Hypnose oder technischer Apparate, rätselhafte Zeichen und ihre Dechiffrierung. Auch die beiden Gegenspieler sind Figuren aus früheren Filmen; Mabuse aus dem zehn Jahre zuvor gedrehten Stummfilm und Kommissar Lohmann aus «M». Beide Filmstile vermischen sich in Das Testament des Dr. Mabuse: Die generalstabsmäßig organisierten Aktionen der Verbrecherbande und das Zusammenziehen des Verfolgernetzes werden virtuos dargestellt mit den bei «M» erprobten neuen ästhetischen Möglichkeiten; in der Welt Mabuses, der in der Zelle stumm und dumpf brütend seine Botschaften aufzeichnet, dominieren die visuellen Effekte des expressionistischen Films. In der Figur des Psychiaters laufen beide Linien zusammen; seine gespaltene Existenz wird durch Doppelbelichtungen sichtbar.«
(Michael Töteberg: »Fritz Lang mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten«, Reinbek 1985 / rororo bildmonographien - Rowohlt-Taschenbuch)

»Das Wunder von Mailand« / »Miracolo a Milano« * * * * *
Italien 1950, Länge: 95 Minuten, Regie: Vittorio De Sica, Buch: Cesare Zavattini, Vittorio De Sica, Suso Cecchi d'Amico, Mario Chiari und Adolfo Franci, Kamera: Aldo Graziati, Musik: Alessandro Cicognini.
Mit: Francesco Golisano, Brunella Bobo, Emma Gramatica, Paolo Stoppa, Guglielmo Barnabo, Brunella Bovo, Anna Carena.

Meisterwerk von Poesie und Sozialkritik. Auch der Film ist ein Wunder!

»Vittorio de Sicas zauberhaftes Märchen aus der Periode des ausgehenden Neorealismus. Mit 18 aus dem Waisenhaus entlassen, läßt sich der junge Toto in einer Barackensiedlung am Rande Mailands nieder, wo man ihn sehr bald als freundlichen Helfer in allen Lebenslagen schätzen lernt. Als auf dem Grund Öl gefunden wird, entdeckt der reiche Besitzer des Grundstücks, auf dem die Siedlung liegt, plötzlich sein Interesse für das Gelände und will die Armen vertreiben. In höchster Not schickt Totos Mutter eine wundertätige Taube vom Himmel, mit deren Hilfe die Pläne des Grundstücksbesitzers zunichte gemacht werden. In ihrem Übermut mißbrauchen die Armen jedoch die unverhoffte Gnade. Die Taube entschwindet, und die Armen werden endgültig aus der Siedlung verdrängt. Da gelingt Toto ein neues Wunder ...« (BetaTaurus/tiscali.de)

»Der blaue Engel« * * * * *
Deutschland 1929, Länge 108 Minuten, Regie: Josef von Sternberg, Buch: Karl Vollmoeller, Josef von Sternberg, Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Kamera: Günther Rittau, Hans Schneeberger, Musik: Friedrich Hollaender, Produzent: Erich Pommer.
Mit: Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers, Reinhold Bernt, Eduard von Winterstein, Hans Roth, Rolf Müller, Roland Verno, Carl Balhaus, Robert Klein-Lörk, Karl Huszar-Puffy, Wilhelm Diegelmann, Gerhard Bienert, Ilse Fürstenberg.

Mit diesem heute natürlich & leider etwas antiquiert wirkenden Film wurde Marlene Dietrich zur Ikone des Vamps und der Verruchtheit. Wie der Einstein mit der rausgestreckten Zunge so hat die bestrapste Dietrich mit dem Zylinder eins der großen Bilder des 20. Jahrhunderts geschaffen: Oben bürgerliche Wohlanständigkeit, untenrum die verbotenen Gelüste – die Dietrich (bzw. Josef von Sternberg) zeigten es schamlos öffentlich. Das Bild vom »Blauen Engel« ist eines der Bilder, die sich ins Gedächtnis der Menschheit gegraben haben; so wie dieser Film sich in die Kino-Geschichte.

»Der Blaumilchkanal« * * *
BR Deutschland/Israel 1969, Länge 87 Minuten, Regie: Ephraim Kishon, Buch: Ephraim Kishon, Kamera: Manny Wynn und David Garfinkel, Musik: Noam Sherif.
Mit: Bomba Zur, Nissim Azikri, Arner Heskiyahu, Shraga Friedman, Oded Teumi, Zaharira Harifai, Rina Ganor, Gideon Zinger, Miriam Gabriely, Aviva Paz, Mosco Alkalai, Avraham Ronai, Nathan Wolpowitz.

»Blaumilch, ein harmloser Geisteskranker, stiehlt einen Presslufthammer und beginnt in der Morgendämmerung Tel Avivs meistbefahrene Straße aufzureißen. Das Chaos ist perfekt. Wer ist dafür verantwortlich? Die Polizei? Die Landesbaubehörde? Die Stadtverwaltung? Begünstigt durch Kompetenzstreitigkeiten vollendet Blaumilch sein Wahnsinnswerk, zu dem kein Auftrag existiert. Schließlich treten die Behörden die Flucht nach vorne an, geben das einströmende Wasser als Touristenattraktion aus und feiern Tel Aviv als "Venedig des Nahen Ostens". Und während der Bürgermeister und seine Oberbauräte das ruhmreiche Werk als ihr Verdienst präsentieren, setzt Blaumilch seine Arbeit an der nächsten Kreuzung fort...« (atlas Filmverleih)

Von allerschönstem Witz und lockerster Erledigung der weltweit gleichen Bürokratie und verlogenen Politik . Eine der schönsten * * * * *-Szenen: Vom Baulärm gequälte Bürger machen die Maschinen auf dem Polizeirevier kakophonisch nach – großartig; schon das lohnt den Kauf der DVD.

»Der Clou« / »The Sting« * * * * *
USA 1973, Länge 124/129 Minuten, Regie: George Roy Hill, Buch: David S. Ward, Kamera: Robert Surtees, Musik: Marvin Hamlisch, Produzent: Richard D. Zanuck, Tony Bill, Julia Phillips und Michael Phillips.
Mit: Paul Newman, Robert Redford, Robert Shaw, Charles Duming, Eileen Brennan, Ray Walston, Charles Durning, John Hefferman, Sally Kirkland, John Heffernan, Harold Gould, Dana Elcar, Jack Kehoe, Dimitra Arliss, Robert Earl Jones.

»Chicago 1936. Nachdem zwei kleine Gauner den Geldkurier einer der Könige der Unterwelt überfallen haben, gibt der den Auftrag, die beiden zu töten. Den einen erwischt es sofort, der andere, gespielt von Robert Redford, kann sich zunächst absetzen und will seinen Freund rächen. Gemeinsam mit einem erfahrenen Betrüger (Paul Newman) plant er den Riesen-Coup, in dem er dem Ober-Bösewicht Lonnegan eine halbe Million Dollar abknöpfen will. Mit Hilfe eines falschen Buchmacher-Ladens als Kulisse für ihren Betrug gelingt den beiden ihr Drahtseilakt: Sie schlagen sowohl der Polizei, als auch den Chicagoer Banden ein Schnippchen und sind immer einen Schritt voraus.
„Der Clou“ glänzt bis in die kleinsten Rollen mit einer hervorragenden Besetzung. In die Geschichte ging auch der Soundtrack zum Film ein, der ein wahres Revival von Scott Joplins Ragtime-Jazz auslöste. Der Film wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet, inklusive „bester Film“. Obwohl aus den frühen 70-ern, hat er bis heute nichts von seinem Charme eingebüßt - „Der Clou“.« (SWR3 DVD-Datenbank)

»Der Dieb von Bagdad« / »The Thief of Baghdad« * * * * *
Großbritannien 1940, Länge: 108 Minuten, Regie: Ludwig Berger, Michael Powell und Tim Whelan, Buch: Miles Malleson und Lajos Biro, Kamera: Georges Périnal und Osmond Borradaile, Musik: Miklos Rozsa, Produzent: Alexander Korda.
Mit: Michael Powell, Conrad Veidt, Sabu, June Duprez, John Justin, Morton Selten, Miles Malleson, Mary Morris, Rex Ingram.

»Ein listiger kleiner Junge und ein guter, mächtiger Geist helfen einem entmachteten jungen König, dem bösen Wesir von Bagdad ein Schnippchen zu schlagen. Witz, Fantasie, Action und - für die damalige Zeit - brillante Tricks in einem zeitlosen Märchenfilm, der den Zauber von 1001er Nacht vorzüglich eingefangen hat.«  (filmdienst)

»Der Dritte Mann« / »The Third Man« * * * * * *
Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed, Buch: Graham Greene, Kamera: Robert Krasker, Musik: Anton Karas, Produzent: David O. Selznick, Alexander Korda, Carol Reed. Mit: Joseph Cotten, Alida Valli, Orson Welles, Trevor Howard, Ernst Deutsch, Erich Ponto, Siegfried Breuer, Paul Hörbiger, Hedwig Bleibtreu, Bernard Lee.

Einer der besten Kriminalfilme (und mehr!) der bisherigen Kinogeschichte. Unglaublich packend die düstere Atmosphäre des befreiten & besetzten, des kontrollierten & gesetzlosen Wiens der Nachkriegszeit. Hervorragendes Buch, beste Besetzung, meisterhafte Inszenierung, großartige Kamera und ein Score, der nicht nur ins Ohr, sondern gleich in die Knochen geht. Man kann Filme anders drehen – aber kaum besser.

Text zur DVD-Veröffentlichung: »Wien, 1948: Der amerikanische Schriftsteller Holly Martins will in der besetzten Stadt seinen alten Freund Harry Lime besuchen. Aber am Tag seiner Ankunft wird Lime beerdigt. Von einem britischen Offizier erfährt Martins, daß Lime ein skrupelloser Schwarzhändler gewesen sei. Martins glaubt es nicht und stellt eigene Nachforschungen an. Limes Geliebte Anna, die aus dem russischen Sektor geflohen ist, hilft ihm dabei. Seine Suche nach der Wahrheit zieht Martins immer tiefer in einen gefährlichen Teufelskreis aus Betrug, Korruption und Mord. Schließlich führt ihn die Jagd nach dem "dritten Mann" in das unterirdische Kanalisationsnetz der Stadt...
Ein preisgekrönter Thriller mit Orson Welles und Joseph Cotten und den unsterblichen Zitherklängen von Anton Karas. Beste Kamera 1950 (s / w), Großer Preis in Cannes 1949, Oscar 1951«

»Der eiskalte Engel« / »Le Samourai« * * * * *
F/I 1967, Länge 98/103, Regie: Jean-Pierre Melville, Buch: Jean-Pierre Melville, nach einem Roman von Goan McLoad, Kamera: Henri Decae, Musik: François de Roubaix.
Mit Alain Delon, Nathalie Delon, François Périer, Cathy Rosier, Catherine Jourdan.

prisma-online.de: »Der junge Jeff Costello ist ein professioneller Killer, der seine Aufträge routiniert und ohne Skrupel erledigt. Doch dann hat er Pech: Trotz seines Alibis wird er von der Polizei des Mordes verdächtigt. Seine Auftraggeber versuchen deshalb, ihn zu beseitigen... Zwischen nouvelle vague und film noir inszenierte Jean-Pierre Melville virtuos stilisiertes Gangster-Kino über einen Killer, der seinen Job verliert, ohne den er nicht existieren kann: "Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, es sei denn die eines Tigers im Dschungel", lautet das Bushido-Motiv aus dem Vorspann und erklärt damit den Originaltitel.«

»Der Feuerwehrball« / »Hori, ma panenko« * * * * *
CSSR, Italien 1967, Länge: 71 Minuten, Regie: Milos Forman, Buch: Milos Forman, Jaroslav Papousek, Jaroslav Papousek und Ivan Passer, Ivan Passer und Václav Sasek, Kamera: Miroslav Ondricek, Musik: Karel Cerny, Karel Mares.
Mit: Jan Vostrcil, Václav Stockel, Josef Svét, Josef Svet, Frantisek Debelka, Josef Sebànek, Karel Vainoha, Josef Sebanek, Josef Rehorek, Václav Stöckel, Marie Jezkovà, Josef Kolb.

Eine der bissigsten und witzigsten Satiren auf den damals noch "real existierenden" Kommunismus. Die unfähige Feuerwehr veranstaltet einen Chaos-Ball und das Festkomitee (der Vorstand) ist eine Versammlung verklemmter Deppen, also so was wie die Zentralkomitees der kommunistischen Parteien & Länder bis 1989/90. Zum Schreien komisch, aber noch nicht mal das haben die Kommunisten in ihrer seinerzeitigen CSSR gerafft.
Dieser Film ist das angemessene Denkmal für die politischen Idioten (und Gauner) hinterm Eisernen Vorhang. Die Verbrecher (Stalin, Ulbricht etc.) sind noch ein anderes, finsteres Kapitel.

»Forman treibt hier den pointillistischen Anekdotenstil auf die Spitze. / Ball der Feuerwehr in einem böhmischen Dorf. Unvorhergesehene Dinge stören den Ablauf des Programms und bringen das Ballkomitee in Schwierigkeiten. Die Wahl der Ballkönigin gestaltet sich zum Fiasko, die Preise der Tombola verschwinden trotz Bewachung, die Ehrung des Jubilars fällt einem Brand zum Opfer, zu dem die Feuerwehr wegen des Festes zu spät kommt, für die Geschädigten werden wertlose Tombolalose eingesammelt und Schaulustige bleiben dem Kellner die Zeche schuldig.« (www.film.at)

»Der Fremde im Zug« / »Strangers on a Train« * * * * *
USA 1951, Länge 92/97/99/103 Minuten, deutscher Titel auch: »Verschwörung im Nord-Express«, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Raymond Chandler, Czenzi Ormonde und Whitfield Cook, Kamera: Robert Burks, Musik: Dimitri Tiomkin und Ray Heindorf, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: Farley Granger, Robert Walker, Ruth Roman, Leo G. Carroll, Patricia Hitchcock, John Brown, Norma Varden, Jonathan Hale, Marion Lorne, Laura Elliot, Howard St. John, Robert Gist, John Doucette, Charles Meredith, Murray Alper, Robert B. Williams, Roy Engel, Alfred Hitchcock.

»Während einer Bahnfahrt wird ein Tennisstar von einem Fremden angesprochen, der ihm ein merkwürdiges Geschäft vorschlägt:
Er will die scheidungsunwillige Frau des Sportlers töten, der Champion soll dafür seinen verhaßten Vater töten. Nachdem er ungefragt "seinen" Teil des Mordplans ausgeführt hat, setzt er den vermeintlichen Partner unter Druck. Eine Lektion in Sachen "Suspense" und ein Versuch über heimliche Mordgelüste und deren Belastung für das Gewissen; spannend inszeniert und voller "nebenbei" angerissener moralischer Problemstellungen wie Schuld und Angst.« (filmdienst) 

»What could have been a more inspired collaboration than one between the cinematic master of suspense and the hardboiled novelist who made detective fiction a respected literary genre? While it seems like a perfect pairing in retrospect, director Alfred Hitchcock and writer Raymond Chandler clashed continually during the making of Strangers on a Train (1951). In The Dark Side of Genius: The Life of Alfred Hitchcock by Donald Spoto, the director admitted, "Our collaboration was not very happy. After a while I had to give up working with him. Sometimes when we were trying to get the idea for a scene, I would offer him a suggestion. Instead of giving it some thought, he would remark to me, very discontentedly, 'If you can go it alone, why the hell do you need me?' He refused to work with me as a director." In the end, Hitchcock threw out Chandler's screenplay and hired Czenzi Ormonde to rewrite it with some additional dialogue supplied by Alma Hitchcock. Even with the last minute change of screenwriters, Strangers on a Train is generally acknowledged as one of Hitchcock's best films and was a remarkable comeback from the director's previous commercial failures of Stage Fright (1950), Under Capricorn (1949), Rope (1948), and The Paradine Case (1948). Of course, Chandler devotees claim they can clearly see the novelist's imprint on the final film but the ironic part is that every trace of the screenwriter's original work was removed by Hitchcock.

Based on a novel by Patricia Highsmith, the author of The Talented Mr. Ripley, Strangers on a Train presents us with two men from different worlds who strike up a fateful conversation during a train trip. Guy Haines (Farley Granger) is a professional tennis player with social aspirations. He'd like to marry Anne Morten (Ruth Roman), the daughter of a prominent Washington senator, but Miriam, his spiteful wife, refuses to divorce him. Bruno Anthony (Robert Walker) is an effete and emotionally unstable dilettante with a deep hatred for his wealthy father. In the course of their conversation, Bruno makes the suggestion that they exchange murders. If Guy will murder Bruno's father, Bruno will murder Miriam. Guy dismisses Bruno's comment as a macabre joke but soon comes to realize he is dealing with a psychopath.
Originally William Holden was considered for the role of Guy but when he wasn't available, Hitchcock signed his former leading man from Rope, Farley Granger. The director was less pleased with the casting of Ruth Roman as Anne Morten who was forced on him by Warner Brothers. For the role of Anne's spunky sister, Barbara, who witnesses Bruno's dark side at a social gathering, Hitchcock cast his own daughter Patricia in the part after she agreed to a screen test. However, you couldn't really say she was treated with kid gloves. A press release from the set revealed a cruel joke Hitchcock played on her one night. When Pat begged for a ride on the Ferris wheel on the fairground set, he gave his permission and then stopped the ride when she reached the topmost point, extinguishing all the lights. Hitchcock then went off to direct another scene in a far corner of the park, leaving her stranded for more than an hour in the darkness.
Of course, the real surprise of Strangers on a Train is Robert Walker as Bruno Anthony. Walker had always been typecast as the All-American boy-next-door in such wholesome MGM fare as See Here, Private Hargrove (1944) and The Clock (1945) but Hitchcock saw another side of Walker which he effectively exploited in his film. Unfortunately, Walker, who had just recovered from a nervous breakdown prior to filming Strangers on a Train, would die just a year later during the filming of My Son John (1952), a rabid anticommunist melodrama that ended up using some outtake footage of Walker in Strangers on a Train to fill in some continuity gaps. Hitchcock later said in an interview with Jay Robert Nash: "I remember one night we had him at a party, God rest his soul....a little party after the picture's showing at our house and my wife gave him brandy. Someone said, 'Oh, you should never do that, never give him brandy, because he'll be gone.' And he was gone, too. He had two or three. Then he took my wife aside and talked about me. He said: 'You know, I love him, but I hate him at the same time!' This was Robert Walker. It's scary, isn't it? In our own home!"« (by Jeff Stafford - TCM Turner Classic Movies)

»Der gewisse Kniff« / »The Knack... And How To Get It« * * * *
Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester, Buch: Charles Wood, Kamera: David Watkin, Musik: John Barry, Produzent: Oscar Lewenstein.
Mit: Rita Tushingham, Michael Crawford, Ray Brooks, Donal Donnelly, William Dexter, John Bluthal, Jacqueline Bisset.

Der Film der frühen 60er Jahre Swinging Sixties. Hilft sehr, auch die 68er zu verstehen. Was sie inzwischen nötig haben.

Text zur DVD: »Der leicht verklemmte Lehrer Colin will bei seinem Nachbarn, dem gerissenen Playboy Tolen Nachhilfe in puncto Anmache nehmen. Da muss zunächst einmal das richtige Equipment her. Und während Colin ein überdimensioniertes Bett vom Schrottplatz nach Hause bugsiert, läuft ihm die ebenso nette wie naive Landpomeranze Nancy über den Weg. Ein willkommenes Übungsobjekt der Begierde! Aber auch Tolen kann seine Finger natürlich wieder nicht bei sich behalten.«

»Der gläserne Schlüssel« / »The Glass Key« * * * *
USA 1942, Länge: 85 Minuten, Regie: Stuart Heisler, Buch: Jonathan Latimer, Kamera: Theodor Sparkuhl, Musik: Victor Young, Schnitt: Archie Marshek, Produzent: Fred Kohlmar.
Mit: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Arthur Loft, Moroni Olsen, Bonita Granville, Tom Fadden, Edmund Cobb, Brian Donlevy, Richard Denning.

»Unter der Regie von Stuart Heisler entsteht 1942 "Der gläserne Schlüssel", eine hervorragende Verfilmung eines Romans von Dashiell Hammett. Der Film ist für damalige Verhältnisse ungewöhnlich brutal, und unvergessen ist die Szene, in der Alan Ladd von William Bendix aufs Übelste misshandelt wird. Es ist übrigens im Film zu sehen, dass Bendix bei den Dreharbeiten nicht immer danebengeschlagen hat.
Ladd spielt in "Der gläserne Schlüssel" die rechte Hand eines Politikers, der den Mord am Sohn des einflussreichen Mannes aufklären soll. Er stellt fest, dass die Tochter des Politikers selbst den Verdacht auf den - in Wirklichkeit schuldigen - Vater gelenkt hat. Zwischen Veronica Lake und Alan Ladd knistert es spürbar, die erotische Spannung zwischen den beiden ist von Drehbuchautor Jonathan Latimer hinzugedichtet, gibt dem Film aber einen zusätzlichen Reiz.« (www.prisma-online.de)
Siehe auch: "Die blaue Dahlie"!

»Der Glöckner von Notre Dame« / »The Hunchback of Notre Dame« (1939) * * * *
USA 1939, Länge: 116 Minuten, Regie: William Dieterle, Buch: Sonya Levien, Bruno Frank, Kamera: Joseph August, Musik: Alfred Newman, Produzent: Pandro S. Berman. Mit: Charles Laughton, Cedric Hardwicke, Thomas Mitchell, Maureen O'Hara, Edmond O'Brien, Alan Marshal, Walter Hampden, Harry Davenport.

»Die Zigeunerin Esmeralda, blutjung und voll anmutiger Schönheit, tanzt auf den Straßen im spätmittelalterlichen Paris.
Der missgestaltete Glöckner Quasimodo entbrennt in zärtlicher Liebe zu dem Mädchen, das als einzige ein wenig Mitleid für ihn zeigt. Sie zu beschützen, ist fortan sein alleiniges Ziel.
Als Esmeralda als angebliche Hexe verfolgt wird, setzt der entstellte Glöckner alles aufs Spiel, um seine schöne Angebetete zu retten...« (Text zur DVD-Veröffentlichung)

Enorme, tiefst berührende Darstellung von Charles Laughton. Diese Rolle begründete endgültig seinen sagenhaften Ruhm als einer der besten Schauspieler seiner Zeit.

»Der große Diktator« / »The Great Dictator« * * * * *
USA 1940, Regie: Charlie Chaplin, Buch: Dan James, Bob Meltzer, Charlie Chaplin, Wheeler Dryden, Kamera: Karl Struss, Roland H. Totheroh, Musik: Charlie Chaplin, Produzent: Charlie Chaplin.
Mit: Charlie Chaplin, Reginald Gardiner, Jack Oakie, Chester Conklin, Billy Gilbert, Paulette Goddard.

Der unverzichtbare öffentlich-rechtliche Fernsehsender »arte« widmete dem denkmalwürdigen Film 2003 die folgenden Anmerkungen:
»Der prahlerische Despot Adenoid Hynkel herrscht in Tomanien, einem Polizeistaat mit Konzentrationslagern und Gettos für die jüdische Bevölkerung. Als ein einfacher jüdischer Friseur, der dem Diktator wie aus dem Gesicht geschnitten ist, aus einem KZ entkommt und mit Hynkel verwechselt wird, kommt es zu überraschenden Ereignissen.

Die legendäre Parodie auf Hitler entstand im Jahre 1940. Chaplin spielt in einer Doppelrolle einen gewitzten jüdischen Barbier und den Despoten Adenoid Hynkel. Hynkel herrscht in Tomanien, einer Mischung aus Operetten- und Polizeistaat mit jüdischen Gettos und Konzentrationslagern, und plant den Einmarsch ins Nachbarland Austerlich - gemeint ist Österreich. Dagegen formiert sich in Gestalt des altgedienten Offiziers Schultz heimlicher Widerstand. Schultz sucht im jüdischen Getto Unterstützung für seine Attentatspläne. Dabei trifft er auf einen kleinen Friseur, der dem Diktator zum Verwechseln ähnlich sieht und der eine entscheidende Rolle spielen soll.

“Der große Diktator” wurde Chaplins erster wahrhaftiger Tonfilm. Adenoid Hynkel ist eine grotesk ins Neurotische verzerrte Karikatur Hitlers. In seiner Autobiografie schrieb der Regisseur später, dass er den Film nie gemacht hätte, wenn er damals die Wahrheit über die deutschen Konzentrationslager gewusst hätte. “Der große Diktator” ist ein für die amerikanische Filmproduktion der damaligen Zeit äußerst kritischer und mutiger Film. Nach dem Sieg der Alliierten und dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Film in den USA und England zum Kassenschlager. Gleichzeitig verabschiedete Chaplin mit diesem Film die von ihm ins Leben gerufene Figur des Tramp aus seiner Filmografie. In der Rolle des jüdischen Friseurs blieb er der Pantomime aus alten Stummfilmtagen treu. Hatte er sich vier Jahre zuvor in “Moderne Zeiten” noch weitgehend der Stilmittel des Stummfilms bedient, so akzeptierte Chaplin mit “Der große Diktator” endgültig den Tonfilm als künstlerisches Medium.
Charles Chaplin wurde 1941 in den Kategorien Beste Hauptrolle, Bester Film, Bestes Drehbuch und Beste Musik (gemeinsam mit Meredith Willson) für den Oscar nominiert, ebenso wie Jack Oakie als bester Nebendarsteller.
Aus der Presse:
“Wahrlich herausragendes Werk eines wahrlich großen Künstlers und - aus einem bestimmten Blickwinkel - vielleicht der bedeutsamste Film, der je produziert wurde.” (New York Times)
„Die Dreharbeiten mussten 1939 auf Druck interessierter Kreise in den USA unterbrochen werden, während der deutsche "Film-Kurier" Chaplin als Juden Karl Tonstein "entlarvte". Chaplin spielt in diesem Klassiker die Doppelrolle des pazifistischen jüdischen Friseurs und des Diktators Hynkel; Letzterer klettert vor Angst einen Vorhang hoch und lässt 3.000 streikende Arbeiter erschießen. Trotz der überlangen Friedensrede zum Schluss brachte Chaplin das zwischen Angst und Aggression oszillierende Wesen des Faschismus auf den Punkt. Und niemand wird Hynkels Tanz mit dem plötzlich zerplatzenden Globus vergessen.“ (André Simonoviczs, tip, 9/97)«

»Der große Irrtum« / »Il Conformista« * * * * *
Italien 1969, Länge 110/115 Minuten, Regie und Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Kamera: Vittorio Storaro, Musik: Georges Delerue, Schnitt: Franco Arcalli. Mit: Dominique Sanda, Jean-Louis Trintignant, Pierre Clementi, Enzo Tarascio, Gastone Moschin, Stefania Sandrelli.

Von der Bildfläche verschwundener großer kleiner Film des Meisters nach dem Roman von Alberto Moravia. Für mich sein wichtigster, bester (vor »1900«). Aber: »Der letzte Tango« kommt öfter (im TV), denn er hat Marlon Brando, er zeigt die nackte, überall (oben und unten, hinten wie vorne) üppige Maria Schneider und das Ding mit der guten Butter (Butt!) – ist aber, seien wir ehrlich, doch bloß ein gräßlicher Schmarren mit einem auf Kunst&Weltschmerz gequälten Saxophon-Gejaule.

The Alternative Film Guide teilt meine Ansicht: »Quite possibly Bernardo Bertolucci's best film, Il Conformista / The Conformist is a first-rate psychological thriller that associates fascistic tendencies with repressed sexuality. Politicians everywhere should take a good look at it. Bertolucci, who also wrote the screenplay from a Alberto Moravia novel, focuses on the story of a Fascist-in-the-making, brilliantly played by Jean-Louis Trintignant, whose lust for power and control has its roots in his totally suppressed homosexuality.«

»Der Job« / »Il Posto« * * * *
Italien 1961, Länge: 92 Minuten, Regie: Ermanno Olmi, Buch: Ermanno Olmi, Ettore Lombardo, Kamera: Roberto Barbieri, Musik: Pier Emilio Bassi.
Mit: Loredana Detto, Sandro Panzeri, Tullio Kezich, Mara Revel.

»Lexikon des Internationalen Films«: »Die Geschichte eines jungen Mannes, der aus einem Provinznest nach Mailand reist, um sich bei einem großen Industrieunternehmen um eine Stelle zu bewerben. Der gutwillige, aber schüchterne und linkische Jüngling wird der Marter der Eignungstests ausgesetzt und erhält schließlich nur einen schäbigen Posten zugeteilt. In "Il posto" bringt Olmi den Stil des phänomenologischen Realismus - Beobachtung wird neben Beobachtung scheinbar ohne Intervention des Autors gesetzt - zur Vollendung. Dennoch verraten Humor und satirische Ironie die führende Hand des Regisseurs.« 

»Cinetecamilano«: »Attraverso le vicende di un giovane che trova il suo primo impiego in una grande azienda milanese, uno spaccato dell'Italia che cambia all'inizio degli anni '60 e un'indagine sull'alienante routine del mondo del lavoro.«

»Der König der Löwen« / »The Lion King« * * * * *
USA 1993, Disney-Zeichentrick. Länge: 88 Minuten, Regie: Roger Allers, Rob Minkoff, Buch: Irene Mecchi, Jonathan Roberts, Linda Woolverton, Jorgen Klubien, Musik: Hans Zimmer, Elton John, Lebo M., Sprecher: Rowan Atkinson, Matthew Broderick, Niketa Calame, Jim Cummings, Whoopi Goldberg, Robert Guillaume, Jeremy Irons, James Earl Jones, Moira Kelly, Nathan Lane, Zoe Leader, Cheech Marin, Ernie Sabella, Madge Sinclair, Jonathan Taylor Thomas.

Einer der späten Disney-Filme, der es blendend und betörend schafft, an die großen Klassiker anzuschließen. Wohl das letzte Werk dieser Art vor der Herrschaft der Computer-Animation.

Das »Lexikon des Internationalen Films« informiert & meint: »Majestätisch thront der gerechte König Mufasa über den Tieren der Steppe. Doch der "Löwenkönig" wird von seinem Bruder Scar ermordet, sein kleiner Sohn Simba, der Thronfolger, vertrieben. Mit Hilfe vieler Urwaldbewohner sowie Simbas einstiger Spielgefährtin gelingt es schließlich, den Tyrannen zu bezwingen. Ein abenteuerlicher Zeichentrickfilm, der die Initiationsgeschichte beschwingt und höchst vergnüglich inszeniert. Zwar orientiert er sich dabei mehr als nötig am Realfilm, anstatt sich auf die originären Qualitäten eines Trickfilms zu verlassen, bietet aber dennoch mitreißende Unterhaltung.«

»Der Kontrakt des Zeichners« / »The Draughtman's Contract«
* * * * *

Großbritannien 1982,  Länge: 103/108 Minuten, Regie: Peter Greenaway, Buch: Peter Greenaway, Kamera: Curtis Clark, Musik: Michael Nyman, Produzent: Dave Payne.
Mit: Anthony Higgins, Janet Suzman, Anne Louise Lambert, Neil Cunningham, Hugh Fraser, Dave Hill, David Gant, David Meyer, Tony Meyer, Nicholas Amer, Suzan Crowley.

»Sommer 1694. Nur zögernd erklärt sich der erfolgreiche Maler Neville bereit, den Herrensitz Compton Anstey in der südenglischen Grafschaft Wiltshire zu zeichnen. Allerdings besteht der arrogante Künstler darauf, dass die Dame des Hauses ihm neben ihrer Gastfreundschaft auch ihre intimste Aufmerksamkeit widmet. Die Gelegenheit ist günstig, da sich der Inhaber Mr. Herbert gerade in Southampton amüsiert. So bleibt es nicht bei den Schäferstündchen mit Mrs. Herbert, auch deren unglücklich verheiratete Tochter Mrs. Talman ist bereit für amouröse Gefälligkeiten. Als überraschend Mr. Herberts Leiche aus dem Teich des Anwesens gefischt wird, gerät Neville in Schwierigkeiten. Seine geradezu pedantisch genauen Zeichnungen offenbaren ein paar sonderbare Details...

Das bissige Lügen- und Intrigenspiel im England des 17. Jahrhunderts wurde von Greenaway in prächtige Bilder gefasst. Dabei griff der ehemalige Maler auf die herausragende Musik von "Piano"-Komponist Michael Nyman zurück. Ein Leckerbissen für alle Cineasten! Die DVD basiert auf brillantem neuen Material, das unter der Aufsicht Peter Greenaways abgetastet wurde!« (Text zur DVD-Ausgabe)

»Der Krieg ist vorbei« / »La guerre est finie« * * * *
Frankreich, Schweden 1966,  Länge: 116/121 Minuten, Regie: Alain Resnais, Buch: Jorge Semprun, Kamera: Sacha Vierny, Musik: Giovanni Fusco, Produzent: Catherine Winter, Gisèle Rebillon.
Mit: Yves Montand, Genevieve Bujold, Ingrid Thulin, Dominique Rozan, Françoise Bertin, Gérard Séty, J. P. Kérien, Jean Dasté, Jorge Semprun, Michel Piccoli.

Die Filmredaktion von 3sat, also des öffentlich-rechtlichen TV-Programms deutschsprachiger Länder, begleitet die leider nur äußerst seltene Ausstrahlung des Films so:
»Der spanische Emigrant Diego Mora ist als Verbindungsmann für eine revolutionäre Organisation tätig, die von Paris aus das Franco-Regime bekämpft. Von einem illegalen Aufenthalt in Madrid kehrt Diego nach Paris zurück, um seinen Kampfgefährten Gefahr zu signalisieren. Doch das gegenseitige Vertrauen und Einverständnis ist gebrochen. Von der Begegnung mit der jungen, romantischen Rebellin Nadine, die ihn als "Professionellen" bewundert, ist Diego berührt. Das Einzige, das ihm aber wirklich Halt gibt, ist seine Lebensgefährtin Marianne, eine unpolitische, künstlerisch arbeitende Frau.  
Der Film schildert drei Tage aus Diegos Leben, in denen sich die Krise und die Biografie des alternden Revolutionärs zu einem brillanten Mosaik verdichten. Alais Resnais ("Mein Onkel aus Amerika", "Das Leben ist ein Roman", "Smoking/No Smoking") gehörte mit seinem ersten großen Film "Hiroshima mon amour" (1959) nach einem Drehbuch von Marguerite Duras zu den Mitbegründern der "Nouvelle Vague". Bald zeigte sich jedoch, dass er ein Einzelgänger mit einem ausgeprägten, eigenen Stil ist. Zu seinen revolutionären Neuerungen gehören im Bereich der Formensprache des Films die Trennung von Wort und Bild und die Verflechtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer subjektiv erlebten Gleichzeitigkeit. Für "Der Krieg ist vorbei", den er nach einem Drehbuch des spanischen Schriftstellers Jorge Semprun drehte, fand Resnais eine klare und poetische Bildsprache.«

»Der letzte Mann« * * * * *
Deutschland 1924, Länge: 73 Minuten, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, Buch: Carl Mayer, Kamera: Karl Freund, Robert Baberske, Musik: Giuseppe Becce, Produzent: Erich Pommer, Union Film der Universum-Film AG.
Mit: Emil Jannings, Maly Delschaft, Max Hiller, Emilie Kurz, Hans Unterkircher, Olaf Storm, Hermann Vallentin, Georg John, Emmy Wyda.

»Der alte Portier des Hotels „Atlantic“ verdankt seiner prächtigen Uniform Selbstwertgefühl und Anerkennung: Vor der Drehtür des Hotels ist er stolzer Diener, der die Gäste begrüßt, zuhause im Hinterhofmilieu ein viel bewunderter Mann. Doch eines Tages beobachtet der Geschäftsführer, wie schwer dem alten Portier das Hantieren mit den Koffern fällt: Er verbannt ihn daraufhin in den Keller, degradiert ihn zum Toilettenmann. In seinem Milieu wagt er nicht, den Abstieg einzugestehen. Als seine Tochter heiratet, stiehlt er die Uniform, um wenigstens hier den Schein zu wahren. Doch der Schwindel fliegt auf, er wird von seinen Hausbewohnern verlacht und gedemütigt, seine Verwandten wenden sich von ihm ab. Verzweifelt zieht sich der alte Mann in den Waschraum der Hoteltoilette zurück. Friedrich Wilhelm Murnau hat an diese Handlung, getrennt durch den einzigen Zwischentitel des Films, ein Happy-End gesetzt: Auf der Toilette stirbt ein reicher Hotelgast in den Armen des Alten und vermacht ihm sein ganzes Vermögen. So wird aus dem "letzten Mann " ein umworbener Hotelgast.« (Murnau-Stiftung)

»Der Mann der Liberty Valance erschoß« / »The Man Who Shot Liberty Valance« * * * *
USA 1961,  Länge: 113 Minuten (Kinofassung)/122 Minuten (Neufassung TV), Regie: John Ford, Buch: James Warner Bellah und Willis Goldbeck, Willis Goldbeck und James Warner Bellah, Kamera: William H. Clothier, Musik: Cyril J. Mockridge und Alfred Newman, Cyril J. Mockridge, Produzent: Willis Goldbeck.
Mit: James Stewart, John Wayne, Vera Miles, Lee Marvin, Edmond O'Brien, Andy Devine, Jeanette Nolan, Woody Strode, John Qualen, John M. Qualen, John Carradine, Ken Murray, Jack Pennick, Willis Bouchey, Anna Lee, Lee Van Cleef, Carleton Young, Strother Martin, Denver Pyle.

»'Der Mann der Liberty Valance erschoss' - zusammen mit "Ringo" einer der größten Filme seines Genres - ist ein moderner Western, der alle bisherigen Western in den Schatten stellt. John Ford, mit dessen Name man unweigerlich Western verbindet, führt Regie bei einer idealen Besetzung. James Stewart spielt den ungeschickten, aber charmanten Rechtsanwalt, der entschlossen ist, das friedliche Städtchen Shinbone von dem Hauptübeltäter und Bösewicht zu befreien: Liberty Valance. Und als ob das nicht genug wäre, spielt der größte Star, der je einen Revolver in der Hand hatte, den Titelhelden: John Wayne. Der höchst korrekte Stewart und der rauhe Rancher Wayne haben auch Interesse an derselben Frau. Der eine kriegt den Revolverhelden, der andere die Frau.« (Text zur DVD)

Bedenkenswert (wie oft) die Kurzkritk von "Der Außenseiter" im Blog filmforen.de:
»John Fords Western gilt als einer der größten Westernklassiker, ja sogar als Klassiker des Films generell. Doch diesen Anspruch kann der statisch, antiquierte Film bei mir nicht erreichen. Es ist ein hervorragender Edelwestern, einer der letzten seiner Art, der durchdacht die alte Frontierthematik reflektiert, aber leider ist auch alles sehr vorhersehbar und wirkt in Figurenzeichnung und Handlungsentwicklung didaktisch und steif. Man will einen großen Western schaffen, hat dies auch, aber doch bleibt alles sehr „amerikanisch“ sauber und moralisch. Einfach nicht mein Ding.«

Kann man so sehen, aber: schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort. Der Film ist ein makelloses Stück größten Kinos, mit einer Truppe der besten Leute Hollywoods vor und hinter der Kamera. Das gleichzeitig Denkmalsetzende und Denkmalzersetzende des Films ist sein Kern. Er setzt einen Punkt unter den Mythos vom Wilden Westen, der allen Kino-Gängern weltweit zu einer Heimat geworden ist; man empfindet einen sentimentalen Abschiedsschmerz. Aber der Punkt ist natürlich ein Doppelpunkt: Der Mythos lebt weiter. Denn wer will schon, daß er endet.

»Der Partyschreck« / »The Party« * * * * *
Großbritannien 1967, Länge 95/99 Minuten, Regie: Blake Edwards, Buch: Blake Edwards, Tom Waldman, Frank Waldman, Kamera: Lucien Ballard, Musik: Henry Mancini, Produzent: Blake Edwards.
Mit: Peter Sellers, Claudine Longet, Marge Champion, Fay McKenzie, Buddy Lester, Steve Franken, J. Edward McKinley, Sharron Kimberley, Denny Miller, Gavin MacLeod, Sharron Kimberly.

Peter Sellers als völlig verstrahlter indischer Kleindarsteller zerlegt Hollywood im Alleingang. Purste Groteske, so wahnsinnig, daß man vor lauter Fremdschämen immer wieder weggucken muß.

Text zur DVD: »Der tollpatschige indische Komparse Hrundi V. Bakshi (Sellers) sprengt aus Versehen eine monumentale Filmkulisse in die Luft. Schnaubend vor Wut ordnet der Regisseur an, den Katastrophen-Schauspieler auf die „Schwarze Liste“ zu setzen. Durch einen Schreibfehler landet Bakshi jedoch auf der „A-Liste“ – und wird prompt zur pompösen Party der Studiobosse eingeladen. Was für eine Chance, die Hollywood-Bonzen von seinem Talent zu überzeugen! Das tut Bakshi mit buchstäblich durchschlagendem Erfolg: Je später der Abend, desto mehr gleicht die Nobel-Villa des Gastgebers einem Schlachtfeld – verwüstet von Lachsalven und Gagkanonaden!«

»Der Pate« / »The Godfather« * * * * *
USA 1972, Länge: 168/176 Minuten, Regie: Francis Ford Coppola, Buch: Francis Ford Coppola, Mario Puzo, Kamera: Gordon Willis, Musik: Nino Rota, Carmine Coppola, Produzent: Albert S. Ruddy.
Mit: Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, Talia Shire, Diane Keaton, John Cazale, Morgana King, John Marley, Lee Strasberg, Al Martino, Tom Rosqui, Michael von Gazzo, Robert Duvall, Michael V. Gazzo, Richard Castellano, G. D. Spradlin, Sterling Hayden, Richard Conte, Abe Vigoda, Harry Dean Stanton, Roger Corman.

»In Francis Ford Coppolas meisterhaftem Epos spielt Marlon Brando den Patriarch der Corleone-Familie ­ und wurde dafür mit dem Oscar ® (Bester Schauspieler, 1972) ausgezeichnet. Regisseur Coppola zeichnet ein abschreckendes Portrait über Aufstieg und Fall eines sizilianischen Clans in Amerika. Grandios balanciert die Handlung zwischen dem Familienleben der Corleones und den schmutzigen Mafia-Geschäften, in die sie verwickelt sind. Basierend auf Mario Puzos Bestseller und mit den herausragenden schauspielerischen Leistungen von Al Pacino, James Caan und Robert Duvall wurde dieser brillante Film für zehn Oscars® nominiert und mit dreien ausgezeichnet, einschließlich der Kategorie Bester Film (1972).« (Text zur DVD)

»Der Prinz und die Tänzerin« / »The Prince and the Showgirl« * * *
Großbritannien 1957, Länge: 114 Minuten, Regie: Laurence Olivier, Drehbuch: Terence Rattigan (!), Kamera: Jack Cardiff, Musik: Richard Addinsell, Schnitt: Jack Harris.
Mit Marilyn Monroe, Laurence Olivier, Jeremy Spenser, Sybil Thorndike, Richard Wattis.

»Im Jahre 1911 kommt Großherzog Karl. Prinzregent von Karpathien zu einer Krönungsfeier nach London. Gleich der erste Abend beschert einen reizenden Zwischenfall, der nicht ohne folgen bleibt: Beim Besuch einer Revue begegnet der Monarch der überaus attraktiven Tänzerin Elsie. Ausgerechnet beim offiziellen Hofknicks löst sich ein Träger ihrer tiefgeschnittenen Bühnenrobe. Kein Wunder, dass der Prinz über die Maßen beeindruckt ist. Ein anschließendes Tete-a-Tete endet jedoch anders als erwartet. Die couragierte Elsie bringt den hochgestochenen Balkanprinzen gehörig durcheinander, und auch seine Annäherungsversuche finden nicht die erhoffte Reaktion. Bis er dann endlich doch noch zum "süßesten Großherzog der Welt" ernannt wird, müssen noch zahlreiche Turbulenzen überstanden werden.« (Text zur DVD)

Das schon öfters erwähnte 2001-Lexikon bemerkt: »Charmant, witzig, graziös und geistreich inszenierte Verfilmung eines Bühnenstücks. Marilyn Monroe zeigt in dieser bezaubernden Komödie eine ihrer besten Leistungen.« So ist es!

Ganz froh soll der Shakespeare-Darsteller Olivier darüber übrigens nicht gewesen sein, er hatte die amerikanische Sexbombe aus Kassengründen in die Produktion genommen. Und dann hat sie ihn locker an den Vorhang gespielt. Um auch das mal zu klären. Olivier ist Brite und kein Franzose; deshalb spricht er sich auch nicht »Olivijiee« sondern hartsilbig »O-li-vi-eh«.

»Der rosarote Panther« / »The Pink Panther« * * *
USA 1963, Länge: 95 Minuten, Regie: Blake Edwards, Buch: Maurice Richlin und Blake Edwards, Kamera: Philip Lathrop, Musik: Henry Mancini, Produzent: Martin Jurow.
Mit: David Niven, Peter Sellers, Robert Wagner, Claudia Cardinale, Capucine, Brenda de Banzie, Fran Jeffries, Brenda De Banzie, James Lanphier, Guy Thomajan.

Fröhliche Krimi-Komödie der Sonderklasse, natürlich vor allem wegen des begnadeten Peter Sellers. Genial das musikalische Motiv von Henry Mancini, hat schon Unsterblichkeit erlangt.

Text zur DVD: »Die haarsträubenden Kriminalfälle des trotteligen Inspector Clouseau, der selbst seinen Chef in den schieren Wahnsinn treibt, haben längst Filmgeschichte geschrieben. Der unbezahlbare Diamantklunker einer indischen Prinzessin (Claudia Cardinale) gab der erfolgreichsten Kinoserie aller Zeiten ihren Namen. Zur Erinnerung: Inspector Clouseau wird darauf angesetzt, das „Phantom“, einen international gesuchten Edelstein-Dieb (David Niven), dingfest zu machen, der den „Rosaroten Panther“ in seinen Besitz bringen will. Die irrwitzigen Verkettungen, die Clouseau auf der Jagd nach dem Phantom – und dann in den Folgefilmen – anstößt, muss man einfach gesehen haben!«

»Der rote Korsar« / »The Crimson Pirate« * * * * * *
USA 1952, Länge 101/105 Minuten, Regie: Robert Siodmak, Buch: Roland Kibbee, Kamera: Otto Heller, Musik: William Alwyn. Mit: Burt Lancaster, Nick Cravat, Eva Bartok, Torin Thatcher, Christopher Lee, James Hayter, Leslie Bradley, Margot Grahame, Noel Purcell, Frederick Leicester, Eliot Makeham, Frank Pettinggell, Dagmar Wynter.

Schönster Piratenfilm aller Zeiten und der Sieben Meere. Also: Der Piratenfilm!

Der »Schauburg-Filmpalast« (Gelsenkirchen) setzt die Segel und signalisiert dem Publikum: »Robert Siodmaks aufwendig inszenierte, spannende wie humorvolle Seeräubergeschichte um einen edlen Piraten (Burt Lancaster) - ein absoluter Höhepunkt des Genres. Seeräuber-Kapitän Vallo (Burt Lancaster) ist enttäuscht über seinen Fang, denn das eroberte Schiff der Königlichen Marine hat wider Erwarten kein Gold an Bord. Immerhin erbeutet er eine Unmenge von Waffen und Munition, die er dem Rebellenführer El Libre verkaufen will. Als sich Vallo aber in dessen Tochter Consuelo (Eva Bartok) verliebt, geraten Geschäft und Gefühl durcheinander ...
DER ROTE KORSAR zählt zu den unverwüstlichen Klassikern des Abenteuerfilms. Der deutsche Regisseur Robert Siodmak traf darin genau den richtigen Ton, um turbulente Action, köstliche Komik und heißblütige Hollywood-Liebe unter einen Hut zu bringen. Burt Lancaster hat hier eine seiner schönsten Rollen. Das gilt auch für dessen Leinwand-Partnerin Eva Bartok, die übrigens eine der zahlreichen Gattinnen von Curd Jürgens war. In einer kleinen Nebenrolle ist zudem der spätere Dracula-Darsteller Christopher Lee zu sehen.«

Auch video-online.net hat es voll begriffen und feuert eine Breitseite: »Mit unverwüstlichem Grinsen braust Burt Lancaster als ROTER KORSAR im 17. Jahrhundert durch die Karibik. Hier eine Seeschlacht, dort ein Schwertkampf, hier die Armen rächen, dort Jungfern retten oder Verbrecher richten. Ein umwerfendes Seeabenteuer.«
Kann man wohl sagen. Kartätscht den Depp mit "Piraten der Karibik" mühelos in die Tiefe.

»Der Schimmelreiter« * * * *
Deutschland 1933, Länge: 86 Minuten, Regie: Hans Deppe, Curt Oertel, Drehbuch: Hans Deppe, Curt Oertel, Kamera: Alexander von Lagorio, Musik: Winfried Zillig.
Mit Mathias Wieman, Marianne Hoppe, Walther Süssenguth, Hans Deppe.

»Ein friesischer Deichgraf im 19.Jahrhundert kämpft gegen Trägheit und Unwissenheit der Landleute um den Bau eines Damms (Deich und Koog - H.M.) und stürzt sich samt seinem Pferd ins Meer, als dieser bei einer Sturmflut bricht. Die Verfilmung von Theodor Storms Novelle nimmt dem Stoff das Balladesk-Mystische zugunsten eines zeitgemäßeren Realismus, besticht aber durch ihre Bildkompositionen und gute Darsteller.«  (filmdienst)

Wegen seiner Entstehungszeit (Dreh 1933 / Kinostart 12.1.1934) und einem bäuerlich-friesischem Umfeld wird dem Film immer wieder Nazi-Ideologie ("Blut & Boden") angedichtet; dies von Menschen, die meinen, als Antifaschist und daher guter (edler?) Mensch müsse man weiter nichts wissen und begreifen. Beim Schimmelreiter-Film zeigt sich, daß seine pawlowschen Kritiker weder etwas von Film verstehen noch von den Nazis. Die waren ja, wie langsam mal begriffen werden sollte, hinter einem bäuerlichen, germanischen Mummenschanz (zum Einlullen der "reaktionären" Kundschaft) in Wahrheit fortschrittswütige Modernisierer (siehe auch Futurismus/Faschismus in Italien), vom Motoren-Fetischismus über Autobahnen, Flugzeuge ("Hitler über Deutschland"), Raketen etc., dann Frauen in Fabriken, in Hosen, bis zur industriellen Menschenvernichtung. Für die Hardcore-Nazis konnte der aufgeklärte fortschrittlich handelnde Deichbauer Hauke Haien gewiß ein Vorbild sein, aber nicht die abergläubische Bauernschaft, die sich gegen den modernen Deichgrafen stellt und ihn mit "Sabotage" in den Tod treibt. Am Ende kein Held, keine Helden für die Nazis. Ja, es ist ein Jammer, daß der Novellen-Autor Storm und die hervorragende Verfilmung sich immer wieder so dünnstrahlig anpinkeln lassen müssen. Der deutsche Antifa-Antifaschismus ist derart einfältig, daß jeder halbwegs clevere Nazi dafür nur dankbar sein kann.

Leider gibt es den filmisch beachtlichen, menschlich (psychologisch, philosophisch) berührenden Film nur als Video-Kopie von arg verschlissenem Zelluloid. Da muß was geschehen!

»Der Schlachter« / »Le boucher« * * * * *
Frankreich, Italien 1969, Länge: 94 Minuten, Regie: Claude Chabrol, Buch: Claude Chabrol, Kamera: Jean Rabier, Musik: Pierre Jansen, Produzent: André Génovès. Mit: Stéphane Audran, Jean Yanne, Roger Rudel, Mario Beccaria, William Guerault, Antonio Passalia, Pasquale Ferone.

»Ein idyllisches Dorf im Südwesten Frankreichs. Kinder toben auf dem Schulhof herum. Im Hintergrund künden Gendarmen mit Suchhunden zunächst kaum merklich drohendes Unheil an. In den kleinen Läden machen Informationen und Gerüchte die Runde – eine junge Frau soll verschwunden sein.
Eine weitere wird wenig später ermordet aufgefunden. Bei einem Schulausflug zu prähistorischen Höhlenmalereien ist ihr Blut auf eines der Kinder getropft. Mademoiselle Hélène, die junge Schulleiterin, entdeckt am Schauplatz des Verbrechens ein Indiz für einen möglichen Schuldigen: den Sohn des Schlachters, den alle Paulchen nennen und der nach fünfzehn Jahren Armeedienst nun das Geschäft seines Vaters übernommen und gerade damit begonnen hat, die allein stehende Hélène vorsichtig zu umwerben.
... fraglos eines von Claude Chabrols Meisterwerken. Ein intelligent konstruierter Psychothriller, der im Gewande einer ländlichen Romanze daherkommt, in historische Bezüge eingetaucht und sich zur düsteren Charakterstudie zweier Einzelgänger wandelt. Einer von jenen Filmen, mit denen Claude Chabrol in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren ein erstes Comeback feiert. Auch wenn ihm sein distanzierter, hintergründiger Blick auf die Figuren zu Unrecht den Ruf eines mitleidlosen Zynikers eingebracht hat.« (Isabella Reicher, Österreichisches Filmmuseum, in: Der Standard, Wien, 04.04.2006)

Und »amazon.com« (Tom Keogh) urteilt sehr richtig: »This 1969 masterpiece by Claude Chabrol is a high point of the French New Wave director's mid-career, as well as that of actress Stéphane Audran, Chabrol's then-wife. Audran plays a lonely schoolteacher who develops an inexplicable draw toward an ex-army butcher (Jean Yanne) who may or may not be a serial killer plaguing a small town. Drawing on Hitchcockian themes of exchanged guilt and shared secrets, Chabrol constructs an extraordinary relationship between the two characters that marries unspoken self-awareness with constant suspense over the unresolved nature of their bond. The film becomes so responsive to their tiny, meaningful gestures, their pregnant silences, and the comic-tragic synchronicity of their insulated world that the mere blinking of an elevator light speaks volumes about the hell of privileged knowledge.«

Daß es auch diesen wichtigen und herausragenden Chabrol-Film in Deutschland nicht auf Video oder DVD gibt, das ist unfaßbar! Dieser Satz galt bis 2007: Inzwischen gibt es ihn in einer "Claude Chabrol Classic Edition" mit 5 Filmen. Dort auch "Das Biest muß sterben", großartig (auch mit dem sensationellen Jean Yanne), leider nicht die "Blutige Hochzeit". Bedauerlich: keine Restaurierung der notorisch verblassten Filme, klägliche Extras, nämlich gar keine, auch kein Booklet, nichts, rien. Lieblos ediert, einfach in die Pappbox gepackt, mal französische, mal deutsche Kopie (deutsche Titelei und Credits), ganz schnurziger Umgang mit großen Filmen. Trotzdem: Endlich! Enfin! Alles andere egal.

»Der schwarze Falke« / »The Searchers« * * * * *
USA 1956, Regie: John Ford, Buch: Frank Nugent, Jeffrey Hunter, Kamera: Winton C. Hoch, Musik: Max Steiner, Produzent: Merian C. Cooper und C.V. Whitney.
Mit: John Wayne, Jeffrey Hunter, Vera Miles, Ward Bond, Natalie Wood, Harry Carey jr., Patrick Wayne, Dorothy Jordan, Olive Carey, John M. Qualen, Ken Curtis, Walter Coy, Hank Worden, Lana Wood, Pippa Scott, Antonio Moreno, Henry Brandon.

»Einsam und verbittert steht der Cowboy Ethan Edwards vor den rauchenden Trümmern der Ranch seines Bruders. Die ganze Familie wurde von den Comantschen getötet, seine kleine Nichte Debbie verschleppt. Von blindem Haß getrieben, entfesselt Edwards einen gnadenlosen Rachefeldzug. John Wayne und Natalie Wood als Debbie sind die Stars in dem spannenden Westernklassiker, der für viele Kritiker als bester Film des legendären Starregisseurs John Ford gilt.« (Text zur DVD)
 
Lexikon des Internationalen Films: »Epischer Western um einen spröden, einsamen Westerner. Ein Meisterwerk des Genres, bis ins Detail stimmig und vorzüglich komponiert.« Ja, man wankt zwischen Bewunderung und Erschütterung. Ganz groß!

»Der Tag bricht an« / »Le jour se lève« * * * * *
Frankreich 1939, Länge: 93/86 Minuten, Regie: Marcel Carné, Buch: Jacques Prévert und Jacques Viot, Kamera: Philippe Agostini, André Bac, Albert Viguier, Curt Courant (nicht genannt)  , Musik: Maurice Jambert, Bauten: Alexandre Trauner (nicht genannt), Ton: Armand Petitjean, Schnitt: René Le Hénaff.
Mit: Jean Gabin,  Arletty, Jacqueline Laurent, Jules Berry, René Génin, Jacques Baumer, Bernard Blier.

»Als der nächste Tag anbricht, ist er für Jean Gabin bereits gelaufen. In seiner kleinen Wohnung, an dem kleinen Platz eines Industrievorortes von Paris, hat er sich verbarrikadiert, um der Polizei zu entkommen. Während er sich dort verschließt, werden in Rückblenden die Ereignisse aufgezeigt, die ihn in diese Situation brachten. In erster Linie geht es um eine unglückliche Liebe, um zwischenmenschliche Beziehungen, die durch Armut, Ausbeutung und Abhängigkeit gekennzeichnet sind.
In Carnés Film klingen düstere Stimmungen an. Von der fröhlichen Phase der Front Populaire ist in diesem 1939 entstandenen Film nichts mehr zu spüren. Alle Illusionen von der Überwindung existenzieller Nöte und wahrer Menschlichkeit sind angesichts des drohenden Krieges und des gescheiterten Experiments der Volksfront-Regierung unter Léon Blum vergangen. Trotzdem schimmert auch in diesem Film noch etwas von der Sehnsucht nach dem großen Glück zwischen Fabrikschloten und Großmaschinen durch. Die Poesie wird durch ein Blumenmädchen verkörpert, das sich auf ein Fabrikgelände verirrt und dort den Arbeiter Gabin kennen lernt.« (Das Kommunale Kino in Freiburg)

»Das Paradestück von Carnés und Préverts düsterem "poetischen Realismus".Banlieue. Der Monolith eines Zinshauses, sechsstöckig. In oberster Etage ein Mann, der sich gegen die Polizei verbarrikadiert: eine andere Art von Monolith, schmallippig, revolverbewehrt, im Antlitz ein Amalgam aus Tragik, Trotz und Desillusionierung. Dreieinig - man begreift - vermögen Figur, Situation, Film nur auf eine Art zu enden - im gewaltsamen Tod.« (film.at - Wien)

»Der Terminator« / »The Terminator« * * * * *
USA 1984, Länge: 97/107 Minuten, Regie: James Cameron, Buch: James Cameron, Gale Anne Hurd, Kamera: Adam Greenberg, Musik: Brad Fiedel, Produzent: Gale Anne Hurd.
Mit: Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Rick Rossovich, Bess Motta, Earl Boen, Dick Miller, Shawn Schepps.

www.prisma-online.de spricht mir – Groß-Fan von Arnold und Titanic-Cameron – aus dem Herzen:
»Ein überaus finsteres Science-Fiction-Werk vom Meister des Genres. Mit einem ideal besetzten Hauptdarsteller, jeder Menge Action und einigem Tiefgang unter der reißerischen Oberfläche schuf James Cameron ("Titanic") einen packenden Film, der nicht nur neue Maßstäbe setzte, sondern auch das vorwegnahm, was später in der Sciencefiction-Literatur als "Cyberpunk" bekannt wurde. Dies wiederholte sich mit den genialen Nachfolgern "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" und "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen".«

Bei der Gelegenheit weise ich auch dringend hin auf »Robocop« und »Total Recall«.

»Der Tiger von New York« / »Killer's Kiss« * * * *
USA 1955, Länge: 63 (Original 64) Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Buch: Stanley Kubrick und Howard Sackler, Kamera: Stanley Kubrick, Musik: Gerald Fried, Produzent: Stanley Kubrick, Morris Bousel. Mit: Frank Silvera, Jamie Smith, Irene Kane, Jerry Jarret, Ruth Sobotka, Phil Stevenson.

3sat, das öffentlich-rechtliche TV-Programm deutschsprachiger Länder anläßlich einer Kubrick-Retrospektive:
»Davy Gordon, ein ringerfahrener Boxer, verliert einen wichtigen Kampf gegen einen Neuling durch k.o. Seine Karriere scheint beendet und so spielt er mit dem Gedanken, seine Zelte in New York abzubrechen. Doch dann verliebt er sich in seine Nachbarin Gloria Price, die in der Tanzbar des zwielichtigen Vincent Rapallo arbeitet. Gloria erwidert Davy's Gefühle und die beiden wollen heiraten. Als Rapallo, der selbst um Gloria geworben hat, merkt, dass er die junge Frau an Davy zu verlieren droht, setzt er zwei Killer auf ihn an. Die verwechseln ihn jedoch mit seinem Manager und töten diesen. Schließlich lässt Rapallo Gloria entführen. Davy setzt nun alles daran, um Gloria zu befreien. Im Kampf mit Rapallo und seinen Muskelmännern zieht er zunächst den kürzeren. Doch er gibt nicht auf, und so kommt es in einer Lagerhalle zu einem dramatischen Showdown.  
"Der Tiger von New York" entstand 1955, zwei Jahre vor "Wege zum Ruhm", der Stanley Kubrick international bekannt machte. Der frühere Pressefotograf Kubrick arbeitete bei diesem Boxerdrama im "Film noir"-Stil noch als Regisseur, Autor, Kameramann und Produzent in Personalunion. Kubricks raffinierter Einsatz akustischer Mittel und sein schmuckloser dokumentarischer Stil sorgen für eine hyperrealistische Atmosphäre, die später auch zum Markenzeichen seines Klassikers "Die Rechnung ging nicht auf" werden sollte.«

»Der Tod eines Killers« / »The Killers« * * * * *
USA 1964, Länge: 94 Minuten, Regie: Don Siegel, Buch: Gene L. Coon, Kamera: Richard L. Rawlings, Musik: John Williams, Schnitt: Richard Belding, Produzent: Don Siegel. Mit: Lee Marvin, Angie Dickinson, John Cassavetes, Ronald Reagan, Clu Gulager.

Im Blog von filmforen.de bemerkt ein anonymer Cineast ("Der Außenseiter") kurz & knapp und völlig richtig: »Der absolute Hammer. Don Siegel schlug innerhalb seines Schaffens eine neue Richtung ein und lieferte einen so zynischen Gangsterkrimi in Farbe ab wie höchstens noch John Boorman mit POINT BLANK. Die Szene am Anfang, in der Marvin und Gulager eine blinde, ältere Frau zusammenschlagen, bleibt lange im Gedächtnis. Cassavetes spielt in seinem Authentical Acting gewohnt "straight" und die Dickinson überzeugt als geistig gestörte Femme Fatale. Siegel entnimmt dem Film Noir seine Versatzstücke und überführt sie in eine Technicolor- Optik, in der das Blut die Künstlichkeit von Filmgewalt perfekt unterstreicht.«

Und Ronald Reagan ist als richtig böser Gangsterboß so erstklassig wie dann als richtig guter Präsident.

»Der Tod in Venedig« / »Morte a Venezia« * * * * *
Italien 1970, Länge: 130 (Original 135) Minuten, Originalformat: CinemaScope, Regie: Luchino Visconti, Buch: Luchino Visconti, Nicola Badalucco, Kamera: Pasquale de Santis, Musik: Gustav Mahler, Schnitt: Ruggero Mastroianni, Produzent: Luchino Visconti.
Mit Dirk Bogarde, Silvana Mangano, Leslie French, Björn Andresen, Franco Fabrizi, Romolo Valli, Mark Burns, Marisa Berenson.

»Der Komponist von Aschenbach verbringt seinen Urlaub in Venedig. Dort begegnet er Tadzio, einem Knaben von rätselhafter Schönheit, dem er bald vollständig verfällt. Aschenbach beobachtet und verfolgt den Jungen, bis er letztlich an dieser Liebe zerbricht. "Das wirkliche Thema der Geschichte ist die Suche des Künstlers nach Vollendung und die Unmöglichkeit, je Vollendung zu finden. In dem Augenblick, in dem der Künstler zur Vollendung findet, erlischt er." (Luchino Visconti). Die 1913 entstandene Novelle von Thomas Mann wurde von Visconti für die Leinwand nicht einfach adaptiert, sondern neu geschaffen. Aschenbach wird zum Komponisten, der die Züge von Gustav Mahler trägt. In erlesenen Bildern und einer Bestandsaufnahme der Belle Epoque, begleitet von Mahlers elegischer Musik, erzählt Visconti einmal mehr eine bewegende Geschichte von Liebe, Kunst und Tod. Eine zwar nicht bruchlose, in der Beschwörung der morbiden Atmosphäre aber großartige Verfilmung ...« (Aus dem Programm des Kulturzentrums Pelmke, Hagen)

Was mit diesem großen Meisterwerk von Verleih und Fernsehen heutzutage angestellt wird, ist ein Skandal, bei dem einem vor Wut und Verachtung kotzübel werden kann. Im Umlauf ist eine 35mm-Fassung, die rechts und links drastisch beschnitten ist, also statt Breitwand-CinemaScope nur einen Ausschnitt des Filmbildes zeigt. Warum? Um dem blöden Fernseh-Publikum (uns!) die dicken schwarzen Streifen oben und unten zu ersparen. CinemaScope wird auf fast 4:3 umfomatiert, dabei verschwindert alles aus dem Bild, was von Visconti in voller Absicht weit recht und weit links, weit auseinander plaziert worden ist. Der Film wird also schwerstens amputiert vorgeführt, kein einziges Mal sieht man in dieser gefälschten Fernsehfassung ein von Visconti komponiertes und gefilmtes Bild.
Dies führt natürlich auch zu grotesken dramaturgischen Effekten, daß nämlich Darsteller überhaupt nicht mehr im Bild sind, Szenen gar nicht mehr zu verstehen sind. Der komplette Irrsinn, völlig sinnlos, dies zu zeigen. Genau genommen ist es sogar ein Betrug, denn es ist irgendwas, aber auf keinen Fall der Film "Tod in Venedig" von Luchino Visconti. 

3sat, der an sich kulturbewußte Fernsehsender, zeigt den Film zu Ehren Viscontis an dessen 100. Geburtstag und kündigt ihn cineastisch pompös an - so:

»Donnerstag, 2. November 2006, 22.25 Uhr
Tod in Venedig
Zum 100. Geburtstag von Luchino Visconti
(Morte a Venezia)
Spielfilm, Italien 1970, 125 Minuten
Regie: Luchino Visconti
Mit Dirk Bogarde, Silvana Mangano, Björn Andresen, Mark Burns, Romolo Valli, Nora Ricci
Ein in Venedig weilender deutscher Komponist verfällt in platonische Liebe zu einem polnischen Jüngling und muss in der choleraverseuchten Stadt im Angesicht des Todes erkennen, dass er in Leben und Arbeit den falschen Maximen folgte. - 3sat feiert Luchino Viscontis 100. Geburtstag mit der faszinierenden Verfilmung der gleichnamigen Thomas-Mann-Novelle. 
Sommer 1911. Der Himmel über Venedig ist grau verhangen. Bei Tagesanbruch nähert sich ein Dampfschiff der Lagunenstadt. Auf seinem Deck kauert fröstelnd der deutsche Komponist Gustav von Aschenbach. Die tiefen Ränder unter seinen Augen verraten eine schwere Krankheit. In Venedig sucht der Künstler nun Erholung und Zeit, sein Leben Revue passieren zu lassen. Sobald er jedoch die Stadt betritt, umweht ihn ein choleraverseuchter Schirokko mit unerträglicher Schwüle. Eine Kette von sonderbaren Begegnungen nimmt ihren Anfang. Im berühmten Grand Hotel des Bains am Lido gibt sich, drei Jahre vor Beginn des Ersten Weltkriegs, das Großbürgertum noch einmal ein Stelldichein. Einer polnischen Familie gilt von Aschenbachs besondere Aufmerksamkeit. Der Grund ist ein etwa 15-jähriger, blonder Junge mit ebenmäßigen Gesichtszügen und vollkommenen Körperproportionen. Angeregt durch die jugendliche Schönheit, die der Junge namens Tadzio durch Posen und Gesten zu inszenieren weiß, erinnert sich der Komponist an philosophische Gespräche mit seinem Schüler Alfried. War er bislang davon überzeugt, dass Schönheit ein gänzlich unsinnliches Konstrukt des Geistes sei, muss von Aschenbach nun in Venedig sein künstlerisches Selbstverständnis in Zweifel ziehen.
Mit "Tod in Venedig" gelang dem großen italienischen Regisseur Luchino Visconti eine kongeniale Verfilmung von Thomas Manns gleichnamiger Novelle. War es in Manns literarischer Vorlage noch ein erfolgreicher deutscher Schriftsteller, der in der pittoresken Lagunenstadt dem Rausch der Schönheit und der Todessehnsucht verfällt, so ist es in Viscontis Film ein Komponist in einer Lebenskrise, der unverkennbar Gustav Mahler nachempfunden ist. Dessen Musik, besonders das Adagietto aus der 5. Sinfonie, ist es auch, die die melancholische, traumartige Atomsphäre des Films entscheidend prägt. Die Erfahrung von Schönheit und Tod werden in Novelle und Film zu zentralen Motiven. Bei den Filmfestspielen von Cannes 1971 wurden „Tod in Venedig“ und Visconti für sein Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Festivals ausgezeichnet. 
3sat zeigt "Tod in Venedig" zum 100. Geburtstag von Luchino Visconti, der am 2.11.1906 als Nachkomme des berühmten lombardischen Adelsgeschlechts der Visconti geboren wurde. Neben Klassikern des italienischen Neorealismus ("Besessenheit", "Die Erde bebt") inszenierte er in den 60er und 70er Jahren Filme, die heute zu den wichtigsten Werken der internationalen Filmkunst zählen und in ästhetischer Vollendung zumeist in Form von Familiengeschichten wichtige gesellschaftliche und historische Veränderungen beschreiben ("Rocco und seine Brüder", "Der Leopard", "Gewalt und Leidenschaft"). Luchino Visconti starb am 17.3.1976 in Rom.«

So weit so gut. Und was zeigt 3sat? Ja genau, den falschformatigen Film, die vom Verleih schamlos vertriebene beschnittene Fassung. Der zuständige Redakteur antwortet mir auf eine Beschwerde freundlich, das sei eben die Verleihfassung, die man bekomme und sich leisten könne, aber man sei doch froh, zu Ehren Viscontis diesen großartigen Film "Tod in Venedig" zeigen zu können. Da bleibt einem die Spucke weg, denn man zeigt ja gerade nicht Visconti. Glaubt eine Filmredaktion im Ernst, man könne Visconti mit einem vom Verleih ruinierten Film, mit einem Machwerk ehren, bei dessen Anblick Visconti noch im Grab der Schlag treffen würde?! Dann könnte man ein Gedicht von Goethe ja auch so abdrucken:

er allen Gipfe
t Ru
allen Wipfe
ürest
um einen Hau;
e Vögelein schweigen im Wal
rte nur, bal
hest Du au

Unmöglich? Die Filmredaktion von 3sat macht genau das mit "Tod in Venedig". Der ist im Fernsehen dann auch richtig tot.

»Der unbekannte Feind« / »Breaking The Sound Barrier«
* * *

Großbritannien 1952, Länge: 110 Minuten, Regie: David Lean, Buch: Terence Rattigan, Kamera: Jack Hildyard, Musik: Malcolm Arnold, Produzent: David Lean.
Mit: Ralph Richardson, Ann Todd, Nigel Patrick, John Justin, Dinah Sheridan, Jack Allen, Denholm Elliott, Ralph Michael, Anthony Snell, Joseph Tomelty.

Bemerkenswerter Film des großen David Lean, Anlauf zu seinen berühmten epischen Werken. Der spannende Schwarz-Weiß-Streifen zeigt den ungeheuer gefährlichen Versuch, mit Menschenmut und Düsenkraft die Schallmauer zu durchbrechen. Ist natürlich eine nervtreffende Parabel über den Ikarus-Trieb des Menschen, alle Mauern und Grenzen zu überwinden in seinem ewigen Versuch GOtt auf die Schliche zu kommen, um sich an seine Stelle setzen zu können. Aber: Absturz droht (klar: auch immer und ewig).

»David Lean's third and final film with his wife Ann Todd was also his first for Alexander Korda's London Films, following the break-up of Cineguild. Prompted by a newspaper story, the film was fundamentally a tale of male courage in exploring the unknown, and the women who wait at home. With its exciting, if repetitive, flying sequences, the film marked a departure from the domestic or literary concerns which had characterised Lean's choice of subject matter to date. Its heroics look forward to The Bridge on the River Kwai (1957) and Lawrence of Arabia (1962).
Lean devised some effective sequences, especially Tony and Susan's flight from London to Cairo, when the Alps and Greek and Egyptian antiquities are seen to the accompaniment of the jet's vapour trail in the sky, and the roar of its engine on the soundtrack. Also memorable is the prologue to Tony's fatal test flight, when he observes a bird climbing high into the sky before dropping like a stone towards the earth.
Distinguished playwright Terence Rattigan's script is strong when charting the difficult relationships of John Ridgefield with his daughter and his chief designer, but the domestic scenes between Tony and Susan, Phil and Jess, are weak. The mix of 'human stories' with supersonic thrills is an uneasy one. Renowned stage actor Ralph Richardson, who had appeared in several films for Korda, is a powerful presence as the ruthless tycoon and his two big scenes with Ann Todd are very effective.
The Sound Barrier was a great box-office success, but it is now rarely seen and has become one of the least-known of David Lean's films.« (Janet Moat, British Film Institute)

»Der unsichtbare Dritte« / »North by Northwest« * * * * * *
USA 1959, Länge: 136 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Ernest Lehman, Kamera: Robert Burks, Musik: Bernard Herrmann, Produzent: Alfred Hitchcock und Herbert Coleman. Mit: Cary Grant, Eva Marie Saint, James Mason, Jessie Royce Landis, Leo G. Carroll, Martin Landau, Philip Ober, Adam Williams, Edward Platt, Robert Ellenstein.

Meisterwerk von Hitchcock. Hier zeigt er alles, was er kann – nur er kann. Dieser Film ist ein Kompendium der Kino-Kunst für alle Zeiten. Man kann sich nie sattsehen.

Text zur DVD: »Ein unbescholtener Werbefachmann (Cary Grant) gerät irrtümlich ins Fadenkreuz eines feindlichen Spionagerings. Gefährliche Profikiller hetzen ihn quer durch die USA. Schließlich kommt es auf dem Präsidenten-Denkmal am Mount Rushmore zu einem spektakulären Showdown. „Der unsichtbare Dritte“ gilt als einer der großen Geniestreiche Alfred Hitchcocks. Sein rasantes Tempo und der perfekte Spannungsaufbau waren wegweisend für die Entwicklung des modernen Thrillers.«

»Der Untertan« * * * *
DDR 1951, Länge: 109 (BRD 97! Zensur im Kalten Krieg!) Minuten, Regie: Wolfgang Staudte, Buch: Fritz und Wolfgang Staudte, Kamera: Robert Baberske, Musik: Horst Hans Sieber, Produzent: Willi Teichmann.
Mit: Werner Peters, Paul Esser, Sabine Thalbach, Renate Fischer, Hans-Georg Laubenthal, Friedrich Maurer, Ernst Legal, Blandine Ebinger, Erich Nadler, Gertrud Bergmann, Carola Braunbock, Emmy Burg, Friedel Nowak.

Der Fernsehsender 3sat resümiert und kommentiert den (leider) zeitlosen Film so: »'Der Untertan' ist die kongeniale Verfilmung des gleichnamigen Literaturklassikers von Heinrich Mann. Wolfgang Staudte (1906-1984) schrieb gemeinsam mit seinem Vater Fritz Staudte die Drehbuchadaption des Stoffs und hielt sich dabei eng an die Romanvorlage, die schon vor dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht worden war. Selten sind der kleinbürgerliche Mief, die ungeheure Doppelmoral und der unheilvolle Untertanengeist eindringlicher gezeigt worden als in dieser Satire. In der Titelrolle ist Werner Peters zu sehen, der als Diederich Heßling den klassischen Vertreter eines Menschentyps darstellt, den der englische Literaturkritiker Martin Seymour-Smith so charakterisiert: "In der deutschen Literatur ist er der Prototyp eines Nazi mit großem Verallgemeinerungsgrad. Die erste psychologische Analyse der Angst, der Dummheit und Grausamkeit; Elemente, aus denen sich die Mentalität eines durchschnittlichen Hitler-Faschisten zusammensetzt." Die DEFA-Verfilmung wurde seinerzeit über die Grenzen der DDR hinweg auch im Ausland ein Erfolg. In die Kinos der Bundesrepublik kam der Film erst 1957 (gekürzt, zensiert!!! - H.M.) und löste große Kontroversen aus. Sowohl die schauspielerischen Leistungen, die Musik, die Kameraarbeit und die Regie machen aus diesem Film einen Klassiker des deutschen Nachkriegskinos.«

»Der verrückte Professor« / »The Nutty Professor« * * * *
USA 1962, Länge: 107 Minuten (Video/DVD 103, technisch bedingt), Regie: Jerry Lewis, Buch: Jerry Lewis, Jerry Lewis und Bill Richmond, Bill Richmond, Kamera: W. Wallace Kelley, Musik: Walter Scharf, Produzent: Jerry Lewis, Ernest D. Glucksman.
Mit: Stella Stevens, Del Moore, Jerry Lewis, Kathleen Freeman, Howard Morris, Elvia Allman, Elvira Allman, Med Flory, Norman Alden, Skip Ward.

Text zur DVD: »Mit dieser turbulenten Slapstick-Komödie, in der er nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch Regie führte und am Drehbuch mitarbeitete, setzte Jerry Lewis neue Maßstäbe für das ganze Genre.
Lewis ist Dr. Julius Kelp, ein kurzsichtiger, unansehnlicher Chemielehrer, von der Damenwelt ignoriert und von seinen Schülern und Kollegen verspottet. Doch eines Tages braut er einen magischen Trank zusammen, der ihn in einen erfahrenen, gut aussehenden Herzensbrecher verwandelt: den selbstsicheren, lockeren "Buddy Love". Aber die ständigen Verwandlungen bringen den tollpatschigen Professor im Handumdrehen in größte Schwierigkeiten – denn die Studentin, die er heimlich verehrt, ist ausgerechnet dem eingebildeten, leichtfertigen Buddy verfallen.«

»Der zerbrochene Krug« * * * *
Deutschland 1937, Länge: 85 Minuten, Regie: Gustav Ucicky, Buch: Thea von Harbou (natürlich nach Heinrich von Kleist), Kamera: Fritz Arno Wagner, Musik: Wolfgang Zeller.
Mit: Emil Jannings, Friedrich Kayßler, Elisabeth Flickenschildt, Max Gülstorff, Lina Carstens, Angela Salloker, Paul Dahlke, Bruno Hübner, Walter Werner, Erich Dunskus, Gisela von Collande, Lotte Rausch.

»Lexikon des Internationalen Films« urteilt zutreffend: »Ein Film von bleibendem Rang.« Und das liegt erstens daran, daß Kleists herrliches Stück unverwüstlich ist, weil die bigotten und korrupten hohlen Autoritäten nicht aussterben, sondern immer neu zur Macht streben und (leider) kommen. Und das liegt zweitens daran, daß hier ein Ensemble versammelt ist, wie es das in dieser geballten Klasse für den "Zerbrochenen Krug" nie wieder geben wird. So etwas gekonnt zu verewigen – das ist eben auch Kino.  

»In einem kleinen Dorf findet bei Richter Adam eine Verhandlung statt, die vom Gerichtsrat persönlich geleitet wird. Es geht um den zerbrochenen Krug der Witwe Rull, und für sie ist der Täter eindeutig Ruprecht, der Verehrer ihrer Tochter Eva. Wahrscheinlich ist das Malheur beim nächtlichen Einstieg in deren Zimmer passiert. Aber Ruprecht streitet alles ab. Richter Adam, der eigentliche Übeltäter, ist heilfroh, daß ihn niemand erkannt hat, und bietet seine ganze Redekunst auf, um Ruprecht zu verurteilen. Doch Eva weiß genau, daß es Adam war, der den Krug zerbrach, und daß es Ruprecht war, der ihn erwischt und verprügelt hat. Trotzdem erfindet der Dorfrichter immer wieder neue Ausreden, bis eine alte Frau mit seiner Perücke, die er bei dem Ausflug verloren hat, vor Gericht erscheint. Nun wissen alle, daß der Dorfrichter sich sein eigenes Urteil gesprochen hat, und unter dem Gespött der Leute wird er durch das ganze Dorf gejagt.« (Murnau-Stiftung)

»Der zerrissene Vorhang« / »Torn Curtain« * * * *
USA 1966, Länge: 126 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Brian Moore, Kamera: John F. Warren, Musik: John Addison, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: Paul Newman, Julie Andrews, Günter Strack, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Lila Kedrova, Tamara Toumanova, Ludwig Donath, Gisela Fischer, David Opatoshu, Mort Mills.

Gilt als einer der schwächeren Filme Hitchcocks, viele halten ihn für unfreiwillig komisch mißglückt, weil zwar die Russen aussehen wie Russen, aber die Ostzone nicht wie die Ostzone. Sowas war Hitchcock jedoch egal, mir dann auch. Der Film ist spannend und unverwechselbarer Hitchcock und er enthält eine Sequenz, die in die Kino-Ruhmeshalle gehört: Wie schwierig es ist, einen Menschen zu töten, und wie man ihn dann – in Deutschland – schließlich in den Backofen schiebt und das Gas andreht. Erschütternd. Großartig der früh eines natürlichen Todes gestorbene Wolfgang Kieling.

Text zur DVD: »Der weltberühmte Wissenschaftler Michael Armstrong (Paul Newman) besucht mit seiner Assistentin und Verlobten Sarah Sherman (Julie Andrews) einen internationalen Physik-Kongress in Kopenhagen. Während ihres Aufenthaltes erhält Sarah irrtümlich eine für Armstrong bestimmte Nachricht, die in ihr die Vermutung weckt, dass er sich nach Ostdeutschland absetzen will. Von dem gefährlichen Doppelspiel, das Armstrong für den Geheimdienst spielt, ahnt sie nichts. Als Armstrong untertaucht, um streng geheime Informationen herauszufinden, gerät das Paar in eine rasante Verfolgungsjagd...«

»Des Teufels General« * * *
BR Deutschland 1954, Länge: 117 Minuten, Regie: Helmut Käutner, Buch: Georg Hurdalek, Helmut Käutner, Gyula Trebitsch, Kamera: Albert Benitz, Musik: Archivmaterial, Produzent: Walter Koppel, Gyula Trebitsch.
Mit: Curd Jürgens, Viktor de Kowa, Karl John, Eva-Ingeborg Scholz, Marianne Koch, Camilla Spira, Albert Lieven, Paul Westermeier, Erica Balqué, Werner Fuetterer, Harry Meyen, Beppo Brem, Joseph Offenbach, Inge Meysel.

Text zur DVD: »Deutschland, Dezember 1941 - die Welt steht mitten im Krieg. Die deutschen Städte sind unzähligen Luftangriffen feindlicher Geschwader ausgesetzt, immer klarer wird erkennbar: Wer die Überlegenheit in der Luft besitzt, wird den Krieg gewinnen. Die SS versucht mit allen Mitteln der Gewalt den populären Luftwaffengeneral Harras, der sich aus fliegerischer Besessenheit Hitlers Wehrmacht verschrieben hat, für ihre Ziele zu gewinnen. Harras erkennt, daß er an einem grausamen Krieg und Unmenschlichkeit mitschuldig ist. Er sühnt sein Versagen, indem er durch seinen Tod einen Freund vor der SS rettet.
Ein wertvolles, ernst zu nehmendes Zeitdokument aus dem Dritten Reich für Menschen, die den zeitgeschichtlichen Hintergrund dieses Werkes erforschen und weiterfragen, wo der Film nichts mehr zu sagen hat.«

»Die Abenteuer des Prinzen Achmed« * * * * *
Deutschland 1926, Trickfilm, Länge: 66 Minuten, Regie etc.: Lotte Reiniger.
Ziemlich einzigartiges Filmwerk: Bewegter Scherenschnitt in Trickfilmtechnik, also Bild für Bild produziert,  24 Bilder für  1 Sekunde. Es gibt ja abfilmbares Silhouettentheater in Asien, bei dem die Figuren mit Stangen bewegt werden; hier ist das anders, in den Filmen Lotte Reinigers ist, wie bei Disney, mit wahnwitziger Arbeit alles zu animieren und animiert.
Text zur DVD: »Mächtige Zauberer und böse Geister haben sich verbündet, um eine große Liebe zu verhindern. Die schöne Prinzessin und der arme Schneider sollen kein Paar werden. Aber ein verliebter Held ist nicht zu besiegen. Ein atemberaubend schönes Märchen nach Motiven aus "1001 Nacht". Seine Poesie und seine genialen Figuren machen ihn noch immer zu einem Erlebnis.
Mit viel Phantasie und poetischen Szenerien erzählt der Silhouettenfilm den Kampf zwischen Gut und Böse. In den Jahren 1923 bis 1926 entstanden etwa 250.000 Einzelaufnahmen auf einem Tricktisch, fast 96.000 Frames fanden für den Film endgültig Verwendung. Lotte Reiniger schnitt ihre vorgezeichneten Figuren aus schwarzem Photokarton mit einer Schere aus und verband die einzelnen Glieder mit Draht, um sie für die Aufnahmen zu animieren. Als Hintergründe verwendete sie transparente Lagen aus Butterbrotpapier. Ebenfalls mit der Schere gestaltete sie kunstvolle Landschaften, Städte oder orientalische Interieurs. Die Musik zum Film von Wolfgang Zeller entstand in enger Zusammenarbeit mit Lotte Reiniger. DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED zählt laut einer Umfrage des Kinemathekenverbundes (1995) zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen und wurde von der internationalen Online Film Critics Society (2003) als einziger deutscher Film unter die »100 besten programmfüllenden Trickfilme aller Zeiten« gewählt.«

»Die Bettwurst« * * * *
BR Deutschland 1970, Länge: 78 Minuten, Regie: Rosa von Praunheim, Buch: Rosa von Praunheim, Kamera: Rosa von Praunheim, Musik: div. Songs, Igor Strawinsky, Musik: eine Caféhaus-Kapelle, Schnitt: Rosa von Praunheim, Gisela Bienert, Bernd Upnmoor, Produzent: Rosa von Praunheim.
Mit: Luzi Kryn, Dietmar Kracht, Steven Adamczewski.

Ein Trash-Film ganz klar, in allem amateurhaft wirkend, wie Heimkino mit Laien und der 8-mm-Kamera. Aber doch ein bewegender ganz einzigartiger Film aus der Zeit, in der man meinte, Kunst (Politik etc.) könne jeder, wenn er nur was täte. Der Film zeigt die kitschige Liebe eines schrillen Paares, so furchtbar schlecht gespielt, daß es schreiend komisch ist. Aber das Tolle: der Film denunziert das spießige Freak-Paar überhaupt nicht, er ist bewegend und feiert die romantische Liebe auch der kleinen Leute – und das ist mehr wert und ehrlicher als vieles, was mit dem eitlen Gestus der großen Kunst Eindruck und Abstand schinden will.

Klappentext der inzwischen erfreulicherweise erschienen DVD:
»Es war Liebe auf den ersten Blick: Luzi und der arbeitslose Dietmar finden sich, ohne sich gesucht zu haben. Die Bettwurst, eine Nackenrolle fürs Bett, die Luzi ihrem Dietmar zu Weihnachten schenkt, bestätigt das Kleinbürger-Glück mehr als die erste Liebesnacht. Das Paar feiert Verlobung unterm Tannenbaum. Doch ein Schatten aus Dietmars Vergangenheit stört das Glück der Liebenden, verändert ihr Leben. Luzi wird vor der Tür von einem früheren Freund Dietmars entführt, um ihn ins kriminelle Milieu zurückzuzwingen. Dietmar greift zur Pistole. Schrill engagiert und kompromißlos. Für die Filme des Regisseurs Rosa von Praunheim gibt es keine eindeutigen Etiketten, zu sehr widersetzen sie sich allen gängigen Genrezuordnungen. Sie sind nicht bequem, schon gar nicht nett, schön oder gefällig, aber gerade deswegen gehören sie zu den großen Herausforderungen, die der Deutsche Film zu bieten hat. Praunheim bekennt sich offen zur Homosexualität. Er lebt in Berlin. Seit Anfang der siebziger Jahre zeitweise auch in den USA.«

Der Macher Rosa von Praunheim über seine Hauptdarstellerin, seine Tante Luzi Kryn, den Film, die Presse:
»Ich war begeistert. Luzi war für mich Theater.
Mit ihrer schrillen Stimme übertönte sie alles. Ich wollte sie schon damals auf die Bühne stellen. 1969 setzte ich sie zum ersten Mal in meinem dritten Kurzfilm "Schwestern der Revolution" ein. Ich brachte ihr als Partner einen jungen Stricher aus Berlin mit, Dietmar Kracht, beide total schräg und sehr, sehr lieb. Luzi akzeptierte Dietmar sofort, reagierte sehr unbürgerlich und drehte mit ihm einige Szenen an der Kieler Bucht.
Luzis Qualität war ihre unerschüttlerliche Selbstliebe.
Kritik an ihrem eigenwilligen Äusseren ignorierte sie. Sie machte das, was ihr gefiel und setzte es auch durch. Film machte ihr Spaß, liebte sie doch Fotos, besonders von sich selbst in allen Posen, selbst am Grab der toten Mutter ließ sie sich fotografieren. Ich war begeistert. Luzi Superstar. Mit meinen Kurzfilmen hatte ich Preise gewonnen und bekam 1970 einen Auftrag vom ZDF, im "Kleinen Fernsehspiel" meinen ersten Langfilm zu drehen. "Humoristische Dialektik" nannte ich ihn, später wurde daraus "Die Bettwurst". Wer konnte ahnen, dass Luzi mich mit dieser "Bettwurst" berühmt machen würde.
Die Kritik jubelte, Stars wurden geboren. Solch ungewöhnliche Darsteller hatte man im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen. Das was Stefan Raab heute im Fernsehen macht, das habe ich schon vor 30 Jahren gemacht. "Die Bettwurst" ist immer noch Kult. Ganze Fanclubs spielen die berühmte Liebesszene "Dietmar, ich liebe Dich, Luzi, ich liebe Dich, so wie die Luft wo ich atme" nach. Luzi und Dietmar waren echt, echt in ihrer scheinbaren Unbeholfenheit, in ihren scheinbaren Schwächen, die doch in Wirklichkeit Stärken waren.«

Presse:
Auch das nichtkommerzielle Kino hat seine Meister, ihr größter in Deutschland: Rosa von Praunheim. Sein im ZDF uraufgeführter Film "Die Bettwurst" bestätigte erneut, was seine schon auf vielen Festivals gezeigten Werke "Rosa Arbeiter auf goldener Straße" und "Schwestern der Revolution" kennzeichnen: Eine in Deutschland überaus seltene Mischung aus künstlerischem Ideenreichtum, sozialkritischem Bewußtsein – und Humor. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

So grotesk und unterhaltsam von Praunheims Trivialhandlung auf dem Bildschirm erscheint, - die "Bettwurst" hat dennoch die Qualitäten eines seriösen, wohldurchdachten Soziogramms.
Denn dieser ohne Drehbuch in 10 Tagen aufgenommene Film, will vor allem als dokumentarisches Zustandsbild der beiden Hauptdarsteller verstanden sein. (Der Spiegel)

»Die blaue Dahlie« / »The Blue Dahlia« * * * *
USA 1946, Länge: 100 Minuten, Regie: George Marshall, Buch: Raymond Chandler, Kamera: Lionel Lindon, Musik: Victor Young, Schnitt: Arthur Schmidt, Produzent: John Houseman. Mit: Veronica Lake, Alan Ladd, William Bendix, Howard da Silva, Doris Dowling, Hugh Beaumont.

Der im "Lexikon des Internationalen Films" aufgegangene filmdienst sah/sieht hier mit klarem Auge nebst dito Verstand:

»Ein Kriegsheimkehrer findet seine Frau der Trunksucht verfallen und in zweifelhafter Gesellschaft. Kurz darauf wird sie ermordet und er der Tat verdächtigt. Im Nachtclub- und Unterweltmilieu angesiedelter spannender "film noir"-Klassiker nach einem Drehbuch von Raymond Chandler, der vor allem durch seine brillanten Dialoge und die exzellente Schauspielerführung besticht.«

Und mit dem besten Noir-Paar ever: Veronika Lake & Alan Ladd!

»Die Brücke« * * * * *
BR Deutschland 1959, Länge: 105 Minuten, Regie:  Bernhard Wicki, Drehbuch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier, Buchvorlage: Manfred Gregor, Kamera: G. von Bonin, Musik: Hans-Martin Majewski. Mit: Fritz Wepper, Michael Hintz, Volker Lechtenbrink, Günter Pfitzmann, Cordula Trantow, Volker Bohnet.

Eine Schulklasse in einer deutschen Kleinstadt wird im April 1945 noch eingezogen und zur (überflüssigen) Verteidigung einer kleinen Brücke gegen die anrückenden Amerikaner eingesetzt. Stolz versuchen sie, diese Aufgabe zu erfüllen. Bei einem Tieffliegerangriff kommt der erste von ihnen ums Leben, Panzer nahen, in dem sinnlosen Kampf sterben alle Jungen, bis auf einen.

Der Film wurde mit Preisen überhäuft, als besonders (vor allem pädagogisch) wertvoll gefeiert und an den Schulen in den üblichen 16mm-Kopien zur pazifistischen Belehrung rauf- und runtergespielt. Mir blieb er deshalb als eine Art Konfirmationsunterricht im Gedächtnis, als gutgemeinte, aber weiter nicht wichtige Antikriegsschnulze.
Welch ein Irrtum aus leichtsinniger Jugendzeit! Hier wird reuig Abbitte geleistet. Denn: Beim Wiedersehen 2005 enorm beeindruckt von der Modernität des Films, von seiner Radikalität und Kunstfertigkeit. Alles von größter Klasse: Buch, Kamera, Schnitt, Regie, die Schauspieler, vor allem natürlich die jungen Laien. Meine Güte, wie weit war man damals im deutschen Film, und was haben an sowas gemessen die gegen "Opas Kino" hochmütig aufmüpfenden "Oberhausener" Revoluzzer  nach 1968 meistenteils für einen ungekonnten Scheiß abgedreht.
Bemerkenswert auch: Der Film ist eine Brutstätte für neue erfolgreiche Schauspieler/Kinomenschen gewesen, so wie "American Graffiti" und Petersens "Das Boot". Interessant: In Deutschland sind es Kriegsfilme, in den USA ein High-School-Rock-Streifen.

Einige Kommentare:
»Wickis realistische, auf Effekte weitgehend verzichtende und in den Gefechtsszenen erstaunlich souveräne Inszenierung fand als einer der wenigen deutschen Filme des Jahres 1959 größere internationale Beachtung und wurde dennoch kontrovers diskutiert. Umstritten waren - wegen ihrer Härte - gerade die Sequenzen des Kampfs, obwohl sie auch in dieser Form unerläßlich sind als Antwort auf die ahnungslose Zustimmung, mit der die Jungen ihr Kriegsabenteuer beginnen. Während heute auch die "sensiblen Psychogramme von Sechszehnjährigen in einer deutschen Kleinstadt kurz vor Kriegsende" gepriesen werden (so Hans Helmut Prinzler in seiner "Chronik des deutschen Films"), warfen Gregor/Patalas in ihrer Filmgeschichte Wicki eine "apolitische Perspektive" vor - zu Unrecht, wie auch heute noch zu sehen ist.« (Quelle: Goethe Institut)

»Bernhard Wickis Spielfilmdebüt skizziert in eindringlicher Weise sowohl die von Angst und Hoffnung bestimmte Atmosphäre der letzten Kriegstage als auch das psychologische Portrait einer von Ideologie und pubertärer Abenteuerromantik beeinflussten Jugend. Dem auch international äußerst erfolgreichen Film gelang unter Verzicht auf gängige Genreklischees die treffende Analyse der Auswirkungen des Krieges, der ebenso drastisch wie unpathetisch dargestellt wird.« (Quelle: Reclams Lexikon des deutschen Films, Stuttgart, 1995)

»Hitlers Kindersoldaten / Vor 45 Jahren: Uraufführung des Antikriegsfilmes "Die Brücke"
"Ich will weg hier. Ich will nach Hause." Volker Lechtenbrink in der Rolle des Jugendlichen Klaus Hager kann diese Hölle nicht mehr ertragen. Er schreit vor Angst nach seiner Mutter und macht sich in die Hose. Karl Horber (Karl-Michael Balzer) reisst ihn zurück an sein Maschinengewehr und brüllt ihn an: "Nimm dich doch zusammen!". Blutüberströmte, verbrannte und zerfetzte Leichen liegen im Dreck. Einem Soldaten quellen die Gedärme aus dem Bauch. Seine Todesschreie scheinen endlos. "Karl, schieß doch! Mach ihn tot, Karl!"
Mit Grauen erregendem Realismus schildert Regisseur Bernhard Wicki in seinem Antikriegsfilm "Die Brücke" den sinnlosen Kampf von deutschen Kindersoldaten wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Film wird am 22. Oktober 1959 in München uraufgeführt. Darin erhalten sieben Gymnasiasten, Durchschnittsalter 16 Jahre, ihren Einberufungsbefehl. Einen Tag lang lernen die jungen Rekruten in der Kaserne den Umgang mit Waffen. Dann werden sie an den Rand ihrer Heimatstadt abkommandiert, um eine unwichtige Brücke, die ohnehin gesprengt werden soll, vor den Amerikanern zu sichern. Die Jungs sind auf sich allein gestellt. Als die feindlichen Panzer anrücken, beginnt ein aussichtloser, selbstmörderischer Kampf, den nur einer von ihnen überlebt.
"Die Brücke" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Martin Gregor alias Gregor Dorfmeister. Wie die Schüler im Film, wird er selbst kurz vor Kriegsende eingezogen: "Ich habe in diesen letzten drei Kriegstagen aus der Gruppe, mit der ich ausgerückt bin, vier Mann verloren." Dorfmeister schildert zeitlich verdichtet alle Erlebnisse, die ihm überlebende Kameraden erzählt haben. Die Verfilmung muss zunächst einige Hürden nehmen. Nachdem es namhafte Regisseure kurz nach der Wiederbewaffnung ablehnen, den Stoff zu inszenieren, wird Bernhard Wicke engagiert, der bis dahin nur einen halbdokumentarischen Film über Jugendliche gemacht hat. Als Wicki beim Drehbuch-Schreiben erfährt, dass sein Mitautor bei der Waffen-SS war, bricht er die Zusammenarbeit ab. Schließlich gibt es Auseinandersetzungen mit dem Produzenten Hermann Schwerin, weil Wicki Budget und Drehzeit überzieht: Da er im oberpfälzischen Cham im Sommer drehen muss, die Geschichte aber im Mai spielt, lässt er alle Bäume im Blickfeld der Kamera entlauben.
Der Film wird mit Ehrungen förmlich überschüttet: Bundesfilmpreis, Oscar-Nominierung und Golden Globe. Heute zählt er zum Filmkanon, einer Liste mit internationalen Filmen, die 2003 von einer Expertenkommission für den Schulunterricht empfohlen wird. Ganz im Sinn von Regisseur Wicki: "Ich möchte zeigen, wohin es führt, wenn man Kinder mit falschen Idealen erzieht, wenn man sie verkauft, verrät und schließlich verrecken lässt."« (WDR-Radio, "Stichtag", 22.10.2004)

»Die Brücke am Kwai« / »Bridge on the River Kwai« * * * * *
USA 1957, Länge: 170 (DVD 160) Minuten, Regie: David Lean, Buch: Pierre Boulle, Michael Wilson (ungenannt) und Carl Foreman (ungenannt), Kamera: Peter Newbrook, Jack Hildyard, Musik: Malcolm Arnold, Schnitt: Peter Taylor, Produzent: Sam Spiegel. Mit: Alec Guinness, William Holden, Jack Hawkins, Sessue Hayakawa, James Donald, Geoffrey Horne, André Morell, Peter Williams, John Boxer.

Beindruckender Film über ein Kapitel aus dem WK2. Kriegsgefangene Engländer sollen den Japanern eine Brücke bauen, was den Ehrgeiz des britischen Kommandanten herausfordert, den Japanern mal zu zeigen, wie Engländer sowas anpacken und welch klasse Brücke sie bauen können. Als ein alliierter Stoßtrupp die Brücke zu zerstören sucht, begreift der britische Colonel erst in allerletzter Sekunde, was er angerichtet hat. Spannender, sehr interessanter und äußerst sehenswerter Film mit erstklassigen Darstellern und prächtigen Schaueffekten. Wie die schöne Brücke in die Luft fliegt, das ist eben Kino. Berühmt geworden ist auch der im Film gepfiffene "Colonel-Bogey-Marsch", nebst deutscher Verballhornung "Eia, Soraya kriegt kein Kind ...".

»Die Caine war ihr Schicksal« / »The Caine Mutinity« * * * *
USA 1954, Länge: 125 Minuten, Regie: Edward Dmytryk, Drehbuch: Stanley Roberts, Kamera: Franz Planer, Musik: Max Steiner, Schnitt: William A. Lyon, Henry Batista, Produzent: Stanley Kramer.
Mit: Humphrey Bogart, Van Johnson, Fred MacMurray, May Wynn, Lee Marvin, José Ferrer, Katherine Warren, Arthur Franz, Tom Tully, Robert Francis, Claude Akins, Steve Brodie, E.G. Marshall, Jerry Paris.

Text zur DVD: »Kapitän Queeg (Humphrey Bogart) übernimmt das Kommando auf der US "Caine". Er verwirrt seine Mannschaft mit unverständlichen Entscheidungen über die Führung des Schiffes. Nach und nach wird die Situation immer unhaltbarer, die Mannschaft merkt, daß Queeg neurotisch ist und eine Gefahr für alle darstellt. Als der Kapitän während eines Hurrikans völlig die Nerven verliert, übernimmt der Zweite Offizier das Kommando, um das Schiff zu retten. Für Queeg ist das Meuterei. Er rächt sich bitter für die Schande während der Verhandlung vor dem Militärgericht.«

»Die fabelhafte Welt der Amélie« / »Le fabuleux destin d'Amélie Poulain« * * * *
Frankreich 2001, Länge: 122 Minuten, Regie: Jean-Pierre Jeunet, Buch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet, Kamera: Bruno Delbonnel, Musik: Yann Tiersen, Schnitt: Céline Kelepikis, Produzent: Claudie Ossard und Arne Meerkamp van Embden.
Mit: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau, Artus Penguern, Urbain Cancellier, Dominique Pinon, Maurice Benichou, Claude Perron, Isabelle Nanty, Claire Maurier, Clotilde Mollet, Serge Merlin, Jamel Debbouze, Flora Guiet, André Dussollier, Michel Robin, Lorella Cravotta, Armelle, Amaury Barbault, Ticky Holgado, Andrée Damant, Frankye Pain, Jean Darie.

Was für ein schöner Film! Ganz altmodisch und zugleich hypermodern.

Text zur DVD: »Amélie (Audrey Tautou) hat ihre eigene fabelhafte Welt. Sie liebt die kleinen Dinge, die leisen Töne und die zarten Gesten. Sie hat ein Auge für Details, die jedem anderen entgehen und einen Blick für magische Momente, die flüchtiger sind als ein Wimperschlag. Amélie hat den Kopf über den Wolken, und steht dennoch mit beiden Beinen auf der Erde. Ihr kleines Universum ist bevölkert von suizidgefährdeten Goldfischen, gescheiterten Genies, sehnsuchtskranken Hypochondern und anderen skurrilen Gestalten. Als sie eines Tages beschließt, als gute Fee in das Leben ihrer Mitmenschen zu treten, weiß sie genau, was sie zu tun hat: Sie schickt einen Gartenzwerg auf Weltreise, zaubert jahrzehntelang verschollene Liebesbriefe wieder herbei und wird zum Schutz- und Racheengel in einer Person. Nur wenn es um ihr eigenes Glück geht, steht Amélie sich selbst im Weg. Und als sie sich in den schüchternen Nico (Mathieu Kassovitz) verliebt, weiß sie sich kaum einen Rat - bis ihr ein guter Geist auf die Sprünge hilft ...« 
 
Blickpunkt Film: »In der ersten Stunde überrollt Jeunets wunderbar romantische Ode an die Liebe und Paris den Zuschauer, dann nimmt der Regisseur ihn mit an Bord und lässt ihn mit der schönsten Kinoheldin seit Jahren schwelgen, durch einen Film, der märchenhafte Züge mit den schönsten Elementen der Nouvelle Vague kreuzt.« / Cinema: »Surreale Plots, bizarre Gags und hinreißende Details. Eine entspannte, liebenswürdig - irre Kinoballade.« / Der Spiegel: »Ein witziges, intelligentes Außenseitermärchen. Hinreißend verschrobene Fabel.«

Laß mich jetzt nicht los - sagt sie!»Die Falschspielerin« / »The Lady Eve« * * * * * *
USA 1941, Länge: 90 Minuten, Regie: Preston Sturges, Buch: Monckton Hoffe, Preston Sturges, Kamera: Victor Milner, Schnitt: Stuart Gilmore, Ton: Don Johnson, Harry Lindgren, Musik: Sigmund Krumgold, Clara Edwards, Produzent: Paul Jones, Albert Lewin, Produktion: Paramount Pictures.
Mit: Barbara Stanwyck, Henry Fonda, Charles Coburn, Eugene Pallette, William Demarest, Eric Blore, Melville Cooper, Martha O'Driscoll, Janet Beecher, Robert Greig, Dora Clement, Luis Alberni.

Unglaublich perfekte Screwball-Comedy. Vollkommen ebenbürtig der »Nacht vor der Hochzeit«, den Leoparden, die man nicht küßt etc. Ach, was sage ich! In dieser Superliga ist die Lady die wahre Meisterin. Echt besser, raffinierter, tiefgründiger! Ein Wunderwerk von Witz & Weisheit, das staunen macht – und glücklich. 
Daß der Mann der ehrlichen Falschspielerin nicht glaubt und sie verstößt, die doppelt-betrügerische Falschspielerin aber anhimmelt und stehendes Fußes heiratet, dies sagt wohl eine ganze Menge über die Paradiesvögel Adam und Eva. Vielleicht sogar alles.

Schlangenforscher hat von Äpfeln keine Ahnung!Der öffentlich-rechtliche TV-Sender arte: »Jean Harrington und ihr Vater sind professionelle Falschspieler und immer auf der Suche nach neuen, wohlhabenden Opfern. Als ihnen auf einem Passagierdampfer der ebenso reiche wie weltfremde Brauerei-Erbe Charles Pike begegnet, glauben sie zunächst, das perfekte Opfer gefunden zu haben. Doch dann verliebt sich Jean unverhofft in den tölpelhaften "Hopfie". Der merkt erst nicht, dass er wie eine Weihnachtsgans ausgenommen werden soll und kann dann - als Jean und ihr Vater als Schwindler auffliegen - nicht glauben, dass Jean ihn tatsächlich aufrichtig liebt. Doch Jean will sich nicht damit abfinden, dass Pike sie einfach fallen lässt und ersinnt aus Rache einen haarsträubenden Plan: Mit Hilfe eines befreundeten Schwindlers verschafft sie sich Zutritt bei den Pikes und gibt sich als englische Lady Eve Sidwich aus, die - aber darüber spräche ihre noble Familie nur ungern - eine verkommene Falschspielerin zur Schwester hat. Da sie sich einzig mit einem englischen Akzent "maskiert", stürzt die Ähnlichkeit zwischen Lady Eve und Jean den armen "Hopfie" in so große Verwirrung, dass er nicht nur über jedes Möbelstück des Familiensitzes stolpert, sondern sich prompt in die falsche Lady verliebt. In der Hochzeitsnacht erwartet den ahnungslosen Pike dann eine böse Überraschung.

Deutsche Synchronisation ist besser als das Plakat.Preston Sturges' Film ist ein Screwball-Klassiker voller komischer Einfälle und haarsträubender Slapstickeinlagen. Die romantische Komödie zeichnet sich durch das Erzählexperiment aus, die Geschichte in der Mitte zu teilen und unter umgekehrten Vorzeichen ein zweites Mal von vorne beginnen zu lassen. Neben dieser virtuosen Dramaturgie lebt der Film vor allem vom Können seiner Darsteller: Barbara Stanwyck als Falschspielerin Jean, Henry Fonda in der Rolle des tölpelhaften "Hopfies" und Charles Coburn als Colonel Harrington loten die Doppelbödigkeiten ihrer Rollen aus. Henry Fonda zeigt sich von einer komischen Seite, die in seiner Filmkarriere oft zu kurz kam. Nur zwei Jahre nach seinem nahezu mythischen Auftritt in John Fords Meisterwerk "Young Mr. Lincoln" (1939) karikiert er lustvoll sein Image des ernsten, rechtschaffenen Helden. Auch Barbara Stanwyck glänzt in ihrer Rolle der Jean beziehungsweise Lady Eve als zugleich sinnliche, intelligente, boshafte, verführerische, mütterliche und berechnende Frauengestalt. Preston Sturges (1898 - 1959) gehört zu den großen Filmschaffenden des amerikanischen Kinos. Für seinen selbst geschriebenen und realisierten Film "Der Große McGinty" (1940) wurde er 1941 mit einem Oskar für das beste Drehbuch ausgezeichnet. In der ersten Hälfte der 40er Jahre, eine seiner stärksten kreativen Phasen, schuf Sturges gleich sechs Meisterwerke der Filmgeschichte: Neben "Die Falschspielerin" (1941) realisierte er "Weihnachten im Juli" (1940), "Sullivans Reisen" (1941), "Palm Beach Story - Atemlos nach Florida" (1942), "Sensation in Morgans Creek" (1944) und "Heil dem Siegreichen Helden" (1944). Sein Film "Die Falschspielerin" wurde 1942 für einen Oskar nominiert.« (ARTE zeigte den Film zu Ehren Henry Fondas, dessen Geburtstag sich 2005 zum 100. Mal jährte.)  Ich verweise auch hier mit Nachdruck auf die außerdentliche Filmsite von Tim Dirks, der sich auch die Mühe gemacht hat, lange Passagen der  hinreißenden Dialoge in seiner Review zu dokumentieren: http://www.filmsite.org/ladye.html

»Die Ferien des Monsieur Hulot« / »Les vacances de Monsieur Hulot« * * * *
Frankreich 1953, Länge: 89 Minuten, Regie: Jacques Tati, Buch: Jacques Tati und Henri Marquet, Kamera: Jacques Mercanton und Jean Mousselle, Musik: Alain Romans, Produzent: Orain-Cady/Discina.
Mit: Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Michèle Rolla, Louis Perrault, André Dubois, Lucien Frégis.

Jacques Tati ist ein einzigartiger, im richtigen Sinne eigenartiger Filmkünstler. Ihn mit Chaplin zu vergleichen, liegt nahe, wird aber beiden nicht gerecht. Chaplins Charlie will in/von einer schwierigen Welt geliebt werden; Tati ist der skeptische Sonderling, ist in der Welt ein Fremder, weil nicht er sondern "moderne" Welt und dito Menschen so sonderbar sind.
Tatis wenige Filme gehören (wie die von Chaplin) zu den großen Schätzen der Kino-Geschichte. Es sind Grotesken, der keine Mode etwas anhaben kann, weil die Sucht modisch und modern zu sein ihr Thema ist: schneidend und sentimental.

Text zur DVD: »Gerade weil sich Monsieur Hulot solche Mühe gibt, ein "richtiger" Tourist zu sein, unterliegt er ständig der Tücke der Objekte. Ganz egal, ob geselliges Beisammensein, gemeinsame Mahlzeiten und Ausflüge, ein Ausritt oder Tennismatch: zwei linke Hände und Füße verkehren seine guten Absichten meist ins Gegenteil.«

»Die Feuerzangenbowle« * * * * *
Deutschland 1944, Länge: 93 Minuten, Regie: Helmut Weiss (und Heinz Rühmann himself), Buch: Heinrich Spoerl (nach seinem ebenfalls fröhlich-unterhaltenden Roman), Kamera: Ewald Daub und Igor Oberberg, Musik: Werner Bochmann. Mit: Karin Himboldt, Heinz Rühmann, Hilde Sessak, Erich Ponto, Paul Henckels, Hans Leibelt, Hans Richter, Lutz Götz, Max Gülstorff, Margarete Schön.

Ein wirklich unverwüstlicher humoriger Film, flott liebevoll inszeniert – und das 1944 in Nazi-Deutschland: Kaum zu glauben. Aber was genehmigt man nicht alles, um den Bombenhagel etc. zu überspielen, und wenn der damals schon hochberühmte Filmstar Heinz Rühmann bei den zuerst nicht amüsierten Obernazis persönlich Krach schlägt. Denn die für Januar 1944 angesetzte Premiere wurde wegen "Respektlosigkeit gegen Autoritäten" von den Nationalsozialisten zunächst verboten.

Auf der Homepage www.ruehmann-heinz.de stellt Michael Knoke die Sache so dar:
»1943 drehte Heinz Rühmann in Berlin "Die Feuerzangenbowle". Die mitwirkenden Primaner einer Berliner Schule hofften, dass die Dreharbeiten noch lange dauern würden, damit sie nicht einberufen werden konnten. Andere Kleindarsteller wurden sogar von der Wehrmacht zurückgeholt. Die ganzen Dreharbeiten waren schon ziemlich absurd. Nach Bombennächten ohne Schlaf sollten heitere Szenen gedreht werden. Aber irgendwie hat es funktioniert.
Dann kam die Nachricht, dass "Die Feuerzangenbowle" nicht aufgeführt werden durfte. Rühmann drehte gerade bei Kempten im Allgäu den zweiten "Quax"-Film. Der für den Unterricht zuständige Minister Rust hatte den Film verboten. Begründung: Es fehle ohnehin der Nachwuchs für den Lehrerberuf, und man könne es sich nicht leisten, solche Typen als Lehrer zu zeigen. Aber Rühmann war immer ein Kämpfer und gab nicht auf. Rühmann hatte, wegen der Quax-Filme, Kontakt zum für die Flugaufnahmen zuständigen Oberst Angermund vom Reichsluftfahrtministerium. Diesen kontaktierte er. Angermund wollte feststellen, ob Hermann Göring sich für diesen Film interessieren könnte. Tage später erhielt Rühmann einen Anruf, er solle mit einer Filmkopie ins Führerhauptquartier kommen. Ein Adjutant holte Rühmann am Bahnhof ab und (er -H.M.-) wurde im Gästehaus des Führerhauptquartiers untergebracht, wo er bis zum Abend des dritten Tages warten musste. Die Vorführung des Filmes wurde im engsten Kreis vollzogen. Es war ein großer Erfolg. Göring berichtete Hitler über den Film. Hitler: "Ist der wirklich so komisch?" Göring: "Wir haben uns auf die Schenkel geschlagen!" Hitler: "Dann soll er sofort anlaufen!" Adolf Hitler hat Heinz Rühmann nur aus der Ferne gesehen.«

»1943 drehte Heinz Rühmann in Berlin "Die Feuerzangenbowle". Die mitwirkenden Primaner einer Berliner Schule hofften, dass die Dreharbeiten noch lange dauern würden, damit sie nicht einberufen werden konnten. Andere Kleindarsteller wurden sogar von der Wehrmacht zurückgeholt. Die ganzen Dreharbeiten waren schon ziemlich absurd. Nach Bombennächten ohne Schlaf sollten heitere Szenen gedreht werden. Aber irgendwie hat es funktioniert.
Dann kam die Nachricht, dass "Die Feuerzangenbowle" nicht aufgeführt werden durfte. Rühmann drehte gerade bei Kempten im Allgäu den zweiten "Quax"-Film. Der für den Unterricht zuständige Minister Rust hatte den Film verboten. Begründung: Es fehle ohnehin der Nachwuchs für den Lehrerberuf, und man könne es sich nicht leisten, solche Typen als Lehrer zu zeigen. Aber Rühmann war immer ein Kämpfer und gab nicht auf. Rühmann hatte, wegen der Quax-Filme, Kontakt zum für die Flugaufnahmen zuständigen Oberst Angermund vom Reichsluftfahrtministerium. Diesen kontaktierte er. Angermund wollte feststellen, ob Hermann Göring sich für diesen Film interessieren könnte. Tage später erhielt Rühmann einen Anruf, er solle mit einer Filmkopie ins Führerhauptquartier kommen. Ein Adjutant holte Rühmann am Bahnhof ab und (er -H.M.-) wurde im Gästehaus des Führerhauptquartiers untergebracht, wo er bis zum Abend des dritten Tages warten musste. Die Vorführung des Filmes wurde im engsten Kreis vollzogen. Es war ein großer Erfolg. Göring berichtete Hitler über den Film. Hitler: "Ist der wirklich so komisch?" Göring: "Wir haben uns auf die Schenkel geschlagen!" Hitler: "Dann soll er sofort anlaufen!" Adolf Hitler hat Heinz Rühmann nur aus der Ferne gesehen.«

»Die Frauen« / »The Women« * * * *
USA 1939, Länge: 132 Minuten, Regie: George Cukor, Buch: Anita Loos und Jane Murfin, Kamera: Oliver T. Marsh, Joseph Ruttenberg, Musik: Edward Ward, David Snell, Schnitt: Robert J. Kern, Produzent: Hunt Stromberg.
Mit: Norma Shearer, Joan Crawford, Rosalind Russel, Rosalind Russell, Paulette Goddard, Joan Fontaine, Mary Boland, Lucile Watson, Hedda Hopper, Phyllis Povah, Virginia Weidler, Florence Nash, Muriel Hutchison.

Der Film ist ein Unikum! Muß man gesehen haben. Warum? Lesen Sie, was der TV-Sender "mdr" zur Ausstrahlung bemerkt:
»'Frauenregisseur' George Cukor drehte hier einen Film, in dem kein einziger Mann auftritt (und das bei 135 Sprechrollen, so die Studioangaben). Dabei dreht sich alles um die Männer – die Sehnsüchte, die Hoffnungen, die Ängste der Frauen, die Cukor mit einem großen Aufgebot weiblicher Stars vorführt, wobei die boshaft karikierten Gesellschaftsdamen durchaus nicht das letzte Wort haben. Der Schwarzweißfilm enthält eine einzige Technicolor-Sequenz, eine luxuriöse Modenschau.«

»Die Kameliendame« / »Camille« * * * * *
USA 1936, Länge: 109 Minuten, Regie: George Cukor, Buch: Zoe Akins, James Hilton, James Marion, Kamera: Karl Freund, William Daniels, Musik:  Herbert Stothart, Schnitt: Margaret Booth, Produzent: Irving Thalberg (= Bernard H. Hyman). Mit: Greta Garbo, Robert Taylor, Lionel Barrymore, Elizabeth Allan, Jessie Ralph, Henry Daniell, Leonore Ulric.

Ungeheuer ans Gefühl gehender schöner Film. Und Robert Taylor ist so schön, daß ich auch modernste (emanzipiercte!) Frauen im Kino habe aufseufzen hören.
Tim Dirks schreibt auf seiner herausragenden »Filmsite« (www.filmsite.org): »Camille (1936) is one of the most romantically-atmospheric films ever made. It is a tearjerker classic - a well-known, lavish, luxuriously-mounted, melodramatic love/tragedy of Hollywood's Golden Age. Director George Cukor's film, his first with Greta Garbo, was also the first talking version of the content.«

»Die Lady von Schanghai« / »The Lady from Shanghai«
* * * * * *
USA 1948 (angegeben wird meist 1947, auch 1946, die Jahres des Drehs; veröffentlicht wurde der Film aber erst 1948), Länge: 87 Minuten, deutsche Synchronfassung: 79!!!, Regie: Orson Welles, Buch: Orson Welles, Kamera: Charles Lawton jr., Musik: Heinz Roemheld, Morris W. Stoloff, Produzent: Orson Welles. Mit: Rita Hayworth, Orson Welles, Everett Sloane, Glenn Anders, Ted de Corsia, Erskine Sanford, Gus Schilling, Carl Frank, Louis Merrill, Evelyn Ellis, Harry Shannon, Sam Nelson, Tiny Jones, Edythe Elliott, Peter Cusanelli, Joseph Granby, Errol Flynn.

»Forget Kane. Lady From Shanghai presents Welles at his most finely tuned baroque. The story is a perverse murder mystery/love and power triangle. Hayworth is used to great advantage as the irresistible temptress, Sloan is her creepy husband, and Welles is the picaresque adventurer who wanders into their lair. The hall of mirrors climax is justifiably regarded as one of the all-time great sequences of filmmaking.«
Marjorie Baumgarten, The Austin Chronicle, 12. August 1999.

Prisma-Online informiert (leider etwas schludrig): »Michael O'Hara ist ein junger, draufgängerischer Abenteurer. Als er auf der Jacht eines reichen, behinderten Mannes anheuert, verguckt sich dessen hübsche Frau in den jungen, adretten Burschen [allerdings ist es umgekehrt: Erst wird sich verguckt und dann angeheuert, pikanterweise durch den Mann der Lady – H.M.]. Dadurch wird Michael zur Spielfigur der ... Eheleute, er findet sich ... in einer finsteren Mordintrige wieder... Ganz in der Tradition des amerikanischen film noir schuf Orson Welles dieses vielschichtige Kriminaldrama, in dem er den moralischen Verfall einer kapitalistischen Gesellschaft sichtbar macht. Die Produktion stand unter einem schlechten Stern: Kurz nach Drehbeginn folgten zeitraubende Aufnahmen vor der traumhaften Kulisse von Acapulco. Errol Flynn, ein guter Freund von Welles, stellte seine Yacht zur Verfügung. So weit, so gut. Doch bald wurde die Crew von lästigen Stechinsekten geplagt, und hinzu gesellten sich permanent finanzielle Probleme und Vorgaben des Studios. Das Ergebnis kann dennoch als perfekt bezeichnet werden.«

Perfekt? Atemberaubend. Große Kunst. Enormes Kino. Wir alle können Hollywood nur immer wieder auf den Knien danken.

Lesenswert die Filmkritik von Ekkehard Knörer auf seiner Web-Seite www.jump-cut.de, für Cineasten eine der wichtigsten Adressen im Netz:
»Mit den Dingen, auf die Orson Welles in Die Lady von Shanghai pfeift, bestreiten andere Regisseure ganze Lebenswerke. In erster Linie: Kohärenz, dreiaktige Wohlgeordnetheit, Psychologie als Erklärung von Motivationen, durchschaubare Handlung, greifbare Charaktere. Nichts davon in diesem Film. Orson Welles' Inszenierung ist stattdessen theatral, in dem Sinne, dass es Auftritte, Szenen, extrem künstliche Arrangements von Körpern, stilisierte Dialogtexte gibt. Rechtfertigungen der üblichen Art für die Übergänge von einer Szene zur nächsten hält der Film nicht für nötig. Nur einen Beteiligten gibt es, der alles Theatrale von den Füßen auf den Kopf stellt, das ist die Kamera. Camera stylo, eigenwilliger Blick, sie zersetzt das Vokabular der Hollywood-Kamera-Ästhetik. Es gibt Großaufnahmen von allen Beteiligten in erstaunlicher Zahl, in altmeisterlicher Manier gesetzte Glanzlichter und Weichzeichner, aber nichts ergibt hier den üblichen Sinn. So groß und so nah die Gesichter auch sind, die Opazität der Charaktere verhindert alle Adoration, alle Identifikation. Die Gesichter sind Zombies, Wiedergänger eines Sinns, den die Geschichte der Lady von Shanghai im zugrundeliegenden Roman (und dem verlorenen eine Stunde längeren Director's Cut) vielleicht einmal gemacht hat.
Alle Figuren des Films sind erratisch. Nichts macht sie transparent, verständlich, begreifbar, sie bleiben reine Präsenz, Drohung, Oberfläche, die alles verspricht und nie durch Erklärung eingelöst wird. Sie sind, beinahe, abgelöst von der wüsten Geschichte, die dennoch erzählt wird, konstelliert in Attraktionsbeziehungen, die einem ständigen Wandel zu unterliegen scheinen. Der aber gehorcht nicht nur keiner narrativen, sondern überhaupt keiner Logik. Im Mittelpunkt Elsa Bannister und Michael O'Hara, die die meiste Zeit auf Halbdistanz bleiben, aber diese Halbdistanz scheint der Punkt, an dem sich extreme Kräfte - Begehren wie Hass - neutralisieren. Nur zweimal sind sie vereint - nur zum Kuss, beim zweiten Mal aber als ausgerechnet vor dem Hintergrund von Aquarien mit bizarren Meerestieren verschmelzende Schattenrisse. Dieses Verhältnis ist so fluid wie die Kamera, die gerade in dieser Szene ein Eigenleben entwickelt, das Oktopusse mit demselben Interesse ins Bild bringt wie das Liebespaar. Auch Arthur Bannister und sein Partner George Grispy sind physische Präsenzen, an denen die sie beinahe verschlingende Kamera eine Art Wahnsinn aufspürt, wildes Zucken und Grimmassieren in Grispys Gesicht, bei Bannister bleibt das schielende Auge ein ständiges Irritationsmoment.
Es gibt in Die Lady von Shanghai, etwas überspitzt gesagt, keine kontinuierliche Geschichte, sondern nur wilde Ausbrüche aus ihr. Szenen. Großaufnahmen. Schieren Wahnsinn. So die Szene vor Gericht, die nach recht zivilen Anfängen in die Groteske ausartet, in der, als sollte alle Konstanz von Charakteren und Rollenzuweisung verlacht werden, Bannister sich selbst zum Zeugen beruft und ausfragt. Der reinste Karneval, nichts hält diesen Film (und vielleicht nur: diesen Michael O'Hara, den schwarzen Iren, der auf keinen Nenner zu bringen ist) in irgendwelchen Grenzen, das Recht schon gar nicht. O'Hara entkommt als vermeintliches Mitglied der Jury eines anderen Prozesses, landet - hier wird das Shanghai-Motiv vom Anfang ohne klare Motivierung wieder aufgenommen - im chinesischen Theater und dann in einer Mischung aus Spiegelkabinett und Geisterbahn, die gut und gerne der einzige Grund für Orson Welles gewesen sein könnten, diesen Film zu machen. In der Vervielfachung der Figuren geht es nicht um Schizophrenie, eher um die weitere Auflösung der Identität der Figuren, oder auch: Ikonisierung in Kaleidoskopform. Ein Verfehlen, Schuss um Schuss, bis kein Glas mehr heil ist - nicht zuletzt das Glas der Kamera scheint in einer kurzen Einstellung selbst gesprungen. Die Lösung ist dann wieder ganz noir-gemäß: alle sind tot, bis auf den Helden, der keiner ist, das hat er uns gleich zu Anfang schon gesagt. Er tritt hinaus und zurück in die geordnete Welt, spricht letzte Worte in diesem unsäglichen Irish Brogue, dann fällt der Vorhang.«
(Zitiert mit freundlicher Genehmigung von Ekkehard Knörer, www.jump-cut.de.)

»Die Marx Brothers im Krieg« / »Duck Soup« * * * *
USA 1933 (deutsch auch »Entensuppe«), Länge: 65 Minuten, Regie: Leo McCarey, Buch: Bert Kalmar, Nat Perrin, Arthur Sheekman, Harry Ruby, Kamera: Henry Sharp, Musik: Harry Ruby, Bert Kalmar, Schnitt: LeRoy Stone.
Mit: Groucho Marx als Rufus T. Firefly, Zeppo Marx als Bob Rolland, Harpo Marx als Brownie, Chico Marx als Chicolini, Margaret Dumont als Mrs. Teasdale.

Text zur DVD: »Diese pointierte politische Satire ist zugleich der amüsanteste und abgedrehteste Film der Marx Brothers. Groucho spielt Rufus T. Firefly, den verrückten Diktator des Phantasie-staates Freedonia. Derweil werden Harpo und Chico von Grouchos politischem Rivalen, dem hinterhältigen Trentino (Louis Calhern), als Spione angeheuert. Der Film enthält viele klassische Marx Brothers-Sequenzen: den Limonadenstand, die Paul Revere-Parodie, die Nummer "We´re Going to War" (eine gelungene Persiflage auf die Musicals der Dreißigerjahre), die unvergessliche Spiegelszene und zum Abschluss die große Schlacht, die immer wieder kopiert worden ist, sei es von Woody Allen oder vom Mad-Magazin.«

Lexikon des Internationalen Films hat recht: »Ein Höhepunkt der amerikanischen Tonfilmkomödie, an Geschlossenheit den anderen Marx-Brothers-Filmen überlegen.«

»Die Nacht des Jägers« / »Night of the Hunter« * * * * * *
USA 1955, Länge: 90 Minuten, Regie: Charles Laughton, Buch: James Agee, Kamera: Stanley Cortez, Musik: Walter Schumann, Produzent: Paul Gregory.
Mit: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish, James Gleason, Evelyn Varden, Billy Chapin, Peter Graves, Sally Jane Bruce, Don Beddoe, Gloria Castillo.

Text zur DVD: »Ben Harper sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Bei einem Banküberfall erschoss er zwei Angestellte und erbeutete 10.000 US-Dollar, die er vor seiner Verhaftung noch verstecken konnte. Wo genau, das versucht sein Zellengenosse Harry Powell vergeblich herauszufinden.
Nach Bens Hinrichtung macht sich Harry auf die Jagd. Skrupellos erschleicht sich der Psychopath das Vertrauen von Harpers Witwe. Für sie und ihre beiden unschuldigen Kinder beginnt ein Albtraum...«

Schockierender Film. Unglaublich bösartig. Einzige Regie des großen Schauspielers Charles Laughton – und gleich ein Meisterwerk. Expressionistische Kulisse und Kamera. Außerordentlich: Robert Mitchum – einer der schrecklichsten Ganoven der Filmgeschichte, immer wieder furchterregend.

»prisma-online.de« ist meiner Meinung: »Die einzige Regiearbeit des großen Schauspielers Charles Laughton erweist sich als ein einzigartiges, expressionistisches Meisterwerk mit beklemmender, teilweise sogar schockierender Atmosphäre und einem bemerkenswert psychopathisch agierenden Mitchum, dessen Performance stark an »Ein Köder für die Bestie« erinnert. Ein Film, der in Atmosphäre und Thema seiner Zeit weit voraus war. Düsterer geht es kaum!«

»Die Nacht vor der Hochzeit« / »The Philadelphia Story«
* * * *
USA 1940, Regie: George Cukor, Buch: Donald Ogden Stewart und Waldo Salt, Kamera: Joseph Ruttenberg, Musik: Franz Waxman, Produzent: Joseph L. Mankiewicz.
Mit: Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard, Roland Young, John Halliday, Mary Nash, Virginia Weidler, Henry Daniell, Lionel Pape.

Funkelnde Wortgefechte über Möglichkeiten/Unmöglichkeiten von Paarung und Sortierung der Geschlechter, verfilmt mit höchster Eleganz und Intelligenz. Großartige Schauspieler (Hepburn, Grant, Stewart) am Anfang überragender Klasse und Berühmtheit.

Fulminanter Auftakt: Sich trennendes Paar auf der Schwelle, der Mann mit gepacktem Koffer, die Frau mit bösem Gekeife; der Szene macht der Mann ein Ende, indem er gegen alle (immer noch geltenden) Regeln der Frau mit der flachen Hand fest ins Gesicht packt und sie zu Boden stößt. Man weiß also schon in den allerersten Sekunden, daß dies ein mindestens unkonventioneller Film sein wird; und so ist es auch. Leider hängt das Werk in der Mitte etwas arg philosophisch, sich selbst zu ernst nehmend durch, will allzu absichtlich Kunst sein (was ein bißchen verstimmt), aber das tut der legendären Screwball-Comedy nicht wirklich Abbruch.

»Die nackte Kanone« / »The Naked Gun« * * * *
USA 1988, Länge: 85 Minuten, Regie: David Zucker, Buch: Jim Abrahams, David Zucker, Jerry Zucker, Pat Proft, Kamera: Robert Stevens, Musik: Ira Newborn, Produzent: Robert K. Weiss.
Mit: Leslie Nielsen, George Kennedy, Priscilla Presley, Ricardo Montalban, O.J. Simpson, Nancy Marchand, John Houseman, Raye Birk, Ed Williams, Tiny Ron.

Urkomische Klamotte, riskiert jeden noch so geschmacklosen Kalauer, wimmelt von witzigen Zutaten – pardon: Zitaten aus Hollywoods Filmgeschichte; auch deswegen ein großes Vergnügen für ernstzunehmende Cineasten.
Ja, natürlich, der Streifen spielt in der Liga, um die sich auch die deutschen Spaßmacher (Otto, Kalkofe-Pastewka, Hape Kerkeling, Tom Gerhardt und Bully Herbig) ernsthaft bemühen - und sogar mit Erfolg. Aber das Wasser, mit dem auch die Amis kochen, das können sie denen doch nicht reichen.

»Die Narbenhand« / »This Gun for Hire« * * * * *
USA 1941, deutscher Titel auch: »Killer zu vermieten«, Länge: 78 Minuten, Regie: Frank Tuttle, Buch: Albert Maltz und W. R. Burnett, Kamera: John F. Seitz,, Musik: David Buttolph, Produzent: Richard M. Blumenthal. Mit: Alan Ladd, Veronica Lake, Laird Cregar, Robert Preston, Tully Marshall, Roger Imhof, Marc Lawrence.

Lakonischst. Makellos. Bewegend.

»www.prisma-online.de« faßt zusammen (und ist bei diesem Schwarzen Meisterwerk hellsichtiger als das 2001-Filmlexikon): »Profi-Killer Raven wird nach Erledigung eines Jobs von seinem Auftraggeber an die Polizei verraten. Doch Raven kann dem Zugriff der Cops entkommen und beginnt nun einen gnadenlosen Feldzug gegen seinen Auftraggeber. Die schöne Sängerin Ellen wird auf ihn angesetzt. Raven nimmt sie als Geisel und verliebt sich fatalerweise in die Schöne... Frank Tuttle lieferte mit seinem finsteren Gangster-Drama einen brillant fotografierten Vorläufer des film noir, der für dieses Genre stilbildend war.«

Kann man wohl sagen. Alan Ladd und Veronika Lake die kongeniale Besetzung. Viel kälter und cooler als Bogart/Bacall.

»Die Rocky Horror Picture Show« / »The Rocky Horror Picture Show« * * *
Großbritannien 1974, Länge: 94 Minuten, Regie: Jim Sharman, Buch: Jim Sharman, Richard O'Brien, Kamera: Peter Suschitzky, Musik: Richard O'Brien, Produzent: Michael White, John Goldstone.
Mit: Tim Curry, Susan Sarandon, Barry Bostwick, Peter Hinwood, Richard O'Brien, Patricia Quinn, Jonathan Adams, Charles Gray, Meatloaf, Nell Campbell.

Tim Curry in Strapsen. Auch der Tanz »Time Warp« oberheiß. Absolut größter Kultfilm aller Zeiten. Aber viel mehr, ehrlich gesagt, dann doch auch nicht. Toll natürlich das Gemeinschaftserlebnis der Dauerbesucherfreaks, die den Film im Saal mitspielen. Einzigartig.

20th Century Fox preist deshalb frohgemut und unverdrossen an: »Während eines Unwetters finden Janet (Susan Sarandon) und Brad (Barry Bostwick) Schutz in einem unheimlichen Schloß.
Herr dieses Gemäuers ist der außerirdische Transvestit und Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter (Tim Curry). Er und seine exzentrischen Freunde sind begeistert von dem seriösen Pärchen und so präsentieren sie ihnen eine Horror-Show, die wohl niemand jemals vergessen wird. Seit mehr als 20 Jahren ist dieser Film ein echter Kultklassiker. Wer ihn einmal gesehen hat kommt nie mehr von ihm los.«

»Die schreckliche Wahrheit« / »The Awfull Truth« * * *
USA 1937, Länge 90 Minuten, Produktion und Regie: Leo McCarey, Buch: Viña Delmar, Kamera: Joseph Walker, Musik: Ben Oakland, Schnitt: Al Clark.
Mit: Irene Dunne, Cary Grant, Ralph Bellamy, Alex D'Arcy, Cecil Cunningham, Alexander D'Arcy, Molly Lamont, Esther Dale, Joyce Compton, Robert Allen, Robert Warwick, Mary Forbes, Claud Allister, Zita Moulton und dem berühmten Hollywood-Terrier "Asta".

Eine der berühmtesten und meistgefeierten Screw-Ball-Comedies überhaupt. Und sie ist auch sehr hübsch, in der Tat. Aber so groß wie die Fama leider nicht; verglichen mit der auch nicht viel jüngeren »Lady Eve« (»Die Falschspielerin«) höchstens die halbe Wahrheit. Der junge Cary Grant fulminant (aus dem mußte was werden), ganz herrlich Ralph Bellamy als bizarrer Hinterwäldler (aus Oklahoma); ganz offensichtlich ein Zitat dieser Rolle gibt Rock Hudson in »Bettgeflüster«. Leider eine schreckliche Fehlbesetzung ist die weibliche Hautrolle Irene Dunne, von der man zu recht nicht viel gehört hat. Sie ist so unattraktiv, daß einem überhaupt nicht klar wird, warum gleich zwei formidable Kerle hinter ihr her sein sollen. Kurzum: Wenn man nichts besseres zu tun hat oder ganz großer Screw-Ball-Fan ist, dann bitte. Aber ich empfehle: lieber »The Lady Eve« zweimal gucken, immer wieder. Das ist die köstliche Wahrheit.

Inhaltsskizze des Verleihs: »"Die Schreckliche Wahrheit" präsentiert sich als komödiantisches Schlachtfeld, auf dem sich zwei ebenbürtige Sparring-Partner gegenüberstehen. Cary Grant spielt Jerry, die eine Hälfte eines Paares, das kurz vor der Scheidung steht und um das Sorgerecht für den gemeinsamen Hund, Mr. Smith, feilscht. Kurz bevor die Scheidung rechtskräftig wird, will Jerry plötzlich seine Frau Lucy zurückerobern - und muss feststellen, dass diese sich inzwischen dazu entschlossen hat, ein Landei zu heiraten. Jerry revanchiert sich, indem er seine Verlobung mit der aristokratischen Molly Lamont bekannt gibt, und löst so ein pikantes, spitzzüngiges Kräftemessen zweier Geister aus, das als eine der amüsantesten Komödien der Leinwandgeschichte gilt.«

Das 2001-Lexikon urteilt: »... ist ein Kleinod der amerikanischen "screwball comedy" der 30er Jahre. Die Dialoge sitzen perfekt, Irene Dunne und Cary Grant sind in ihrem Element, spielen sich gegenseitig die Bälle zu, dominieren die Szene, wobei den Mitspielern jedoch auch Gelegenheit für kleine Kabinettstückchen eingeräumt wird. Den Regeln des Genres zufolge bringt nicht ein offenes Wort die Klärung, sondern eine nicht abreißen wollende Kette von Verstrickungen, Verwicklungen und Intrigen, an deren Ende sich die Scharade in Wohlgefallen auflöst. Seinen Regiekollegen jener Jahre gleich, ergeht sich auch McCarey in der Kunst der Andeutung, spielt mit Frivolitäten, ohne je wirklich frivol zu sein. (...) Der bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzte Film brachte Leo McCarey einen "Oscar" für die beste Regie ein, Irene Dunne und Ralph Bellamy wurden für einen "Oscar" nominiert. Auch heute hat der Film noch nichts von seiner Eleganz und seinem Spielwitz verloren.«

»Die Spur des Falken« / »The Maltese Falcon« * * * *
USA 1941, Länge: 96 (Original 100) Minuten, Regie: John Huston, Buch: John Huston, Kamera: Arthur Edeson, Musik: Adolph Deutsch, Schnitt: Thomas Richards, Produzent: Hal B. Wallis, Henry Blanke.
Mit: Humphrey Bogart, Peter Lorre, Mary Astor, Sydney Greenstreet, Elisha Cook jr., Barton MacLane, Ward Bond, Jerome Cowan, Gladys George, Lee Patrick, James Burke, Murray Alper, John Hamilton, Walter Huston.

»Als "bester Detektivfilm, der je gedreht wurde" gilt die erste Regie-Arbeit des jungen John Houston auch heute noch. In seinem 42. Film brilliert Humphrey Bogart in der Rolle des hartgesottenen, zynischen Privatdetektivs Sam Spade, der bei der labyrinthischen Suche nach einer kostbaren antiken Figur (dem Malteser Falken) einer Reihe zwielichter Gestalten begegnet. Mit der Spur des Falken begann Hollywoods "Schwarze Serie".« (Text zur DVD)

»Die Vögel« / »The Birds« * * * *
USA 1963, Länge: 119 (DVD 115) Minuten,Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Evan Hunter, Kamera: Robert Burks, Musik: Bernard Herrmann, Remi Gassmann und Oskar Sala, Schnitt: George Tomasini, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt, Malcolm Atterbury, Lonny Chapman.

»Als die schöne, verwöhnte Melanie Daniels (Tippi Hedren) dem begehrten Junggesellen Mitch Brenner (Rod Taylor) in die Kleinstadt Bodega Bay folgt, wird sie unerklärlicherweise von einer Möwe angegriffen. Doch dieser Akt der Aggression bleibt leider kein Einzelfall: bald schon suchen Tausende von Vögeln die Stadt heim und greifen jeden an, der sich ins Freie wagt. Mitch und Melanie müssen gegen die tödliche Macht einer unkontrollierbaren Naturgewalt, für die es scheinbar keine Erklärung gibt, um ihr Leben kämpfen...« (Text zur DVD)

Seit es Vogelgrippe gibt noch beängstigender.

»Die weiße Hölle vom Piz Palü« * * * * *
Deutschland 1929, Länge: 133 Minuten, Regie: Arnold Fanck, G.W. Pabst, Kamera: Sepp Allgeier, Richard Angst, Hans Schneeberger.
Mit: Gustav Diessl, Leni Riefenstahl, Ernst Petersen, Ernst Udet.

Der Bergfilm.
Fanck hat das Genre erschaffen. Und den Gipfel gestürmt.
Bis heute unerreicht.
Messner hält ja nur Dia-Vorträge.

»Ein junges Paar trifft in einer Berghütte in den Dolomiten auf einen seltsam verschlossener Mann. Von blinden Schuldgefühlen getrieben, bezwingt er jährlich zum Todestag seiner Frau den Piz Palü, der einst ihr Leben forderte. Das junge Paar folgt ihm über gefährliche Grate und Wände in die Nordwand. Und wieder fordert der Piz Palü sein Opfer. Die bizarren Bergmassen werden zum Schauplatz einer dramatischen Rettungsaktion, bei der ein waghalsiger Sportflieger alles riskiert ...« (Text zur DVD)

»Die Wendeltreppe« / »The Spiral Staircase« * * * *
USA 1945/Erstaufführung Januar 1948, Länge: 82 Minuten, Regie: Robert Siodmak, Buch: Mel Dinelli, Kamera: Nicholas Musuraca, Musik: Roy Webb, Schnitt: Harry Gerstad, Harry Marker, Produzent: Dore Schary.
Mit: Dorothy McGuire, George Brent James Bell, Gordon Oliver, Rhonda Fleming, Ethel Barrymore, Kent Smith, Elsa Lanchester.

Angstmachend!
Reflektiert im Verbrecher den Vernichtungswahn der Nazis.


»Die Wüste lebt« / »The Living Desert« * * * * * *
USA 1954, Dokumentarfilm, Produktionsfirma: Walt Disney, Länge: 67 Minuten, Regie: James Algar, Drehbuch: Winston Hibler, James Algar, Ted Sears, Kamera: N. Paul Kenworthy jr., Robert H. Grandall, Musik: Paul J. Smith.

Vor allem mit diesem hoch ausgezeichneten Klassiker des Dokumentarfilms (1953 Golden Globe und Oscar, 1954 Internationaler Preis in Cannes) lieferte Walt Disney das Vorbild für populäre Naturfilme, die dank TV und quotenträchtig entzücktem Publikum nicht zu den bedrohten Arten gehören. Natur wird dramatisiert, populäre filmische Mittel werden benutzt, krasse Effekte zwecks Aufmerksamkeit nicht gescheut. Viele Wissenschaftler lehnen solche Dokumentationen als unseriös ab, halten die »Vermenschlichung« tierischer Verhaltensweisen für komplett verfehlt. Stimmt schon, da gibt es Manipulationseffekte, die dem Entertainment dienen und nicht der wissenschaftlichen Aufklärung; andererseits ist die Sicht auf unsere Nähe zum Animalischen und der übrigen organischen Natur auch ganz nützlich – Stichwort Hybris; die Krone der Schöpfung ist ins Wackeln gekommen.

Auf der Homepage »The Walt Disney Family Museum«, die über »Walt’s Masterworks« informiert, findet sich interessante Hintergrundinformation zu diesem mehrfach preisgekrönten Dokumentations-Klassiker und Disneys enormem Einfluss auf das Genre sowie lesenswerte Bemerkungen zur Kritik von Wissenschaftlern:
»In a time when cable television is full of all manner of documentaries about animals -- and even features an all-animals, all-the-time channel -- the concept of wildlife as entertainment seems commonplace. But when Walt first began to create his True-Life Adventures series -- the first, "Seal Island," was released in 1948 -- the idea was original. The series origin is described in the book, "The Man Behind the Magic:" "Mystifying his staff, he commissioned a husband-and-wife team of filmmakers (Elma and Al Milotte) to take movies of Alaska. Everyone was baffled by the endless footage of wildlife, Eskimos, forests, and glaciers that they sent in. Walt himself didn't know quite what to do with the miles of snowy film. But after a trip to Alaska with Sharon, he decided to turn it into a film about seals. John Hench recalled, 'You never saw anything so dull in your life as these seals . . . seals scratching their sides and their fannies and sniffing and looking at each other. And all seals look alike anyway. . .. But he was delighted with it.'" Once again, Walt had seen an opportunity everyone else had missed. Create a story line, add music, clever editing, and good writing, and you had a new kind of entertainment.
Even Walt's distributors at RKO were dubious. So after "Seal Island" won an Academy Award for Best Documentary, legend has it, Walt took the award down to his brother Roy's office and said, "Here, Roy, take this over to RKO and hit them on the head with it." Meanwhile, the True-Life Adventures were off and running. Between 1948 and 1960, 13 of them were released. Eight won Academy Awards. When Walt decided to make a feature-length True-Life Adventure, RKO balked again. This time, Walt started his own distribution company. The feature was called "The Living Desert." It earned an Academy Award and brought in some $5 million in its original release, on an investment of only $500,000. Purists complained when Walt attributed human emotions to animals and when he used trick photography to create amusing scenes -- as in the scorpion dance from "The Living Desert." Others complained about set-up scenes, but the vast bulk of the footage used was genuine, captured by photographers in the wild who were encouraged by Walt to shoot more, more, and still some more.«
(http://disney.go.com/disneyatoz/familymuseum/collection/masterworks/truelife/index.html

»Die Zehn Gebote« / »The Ten Commandments« * * * *
USA 1957, Länge: 222 Minuten, Regie: Cecil B. DeMille, Buch: Aeneas MacKenzie, Fredric M. Frank, Jesse Lasky Jr., Jack Gariss, Kamera: Loyal Griggs, Musik: Elmer Bernstein, Produzent: Cecil B. DeMille. Mit: Charlton Heston, Yul Brynner, Anne Baxter, Edward G. Robinson, Yvonne De Carlo, Yvonne de Carlo, Debra Paget, Nina Foch, Cedric Hardwicke, John Derek.

Biblische Wunder in Technicolor und Breitwand. Das ist Kino. Vor allem die tosende * * * * *-Teilung des Roten Meeres. Kann man nirgendwo sonst sehen!

Text zur DVD: »Das Leben des Propheten Moses ist in „Die zehn Gebote“ mit großer Starbesetzung und aufwendigsten Kulissen verfilmt worden. Der kleine Moses, der von der Pharaonentochter Nefretiri in einem Körbchen, auf dem Nil schwimmend, gefunden wurde und von ihr als eigenes Kind aufgezogen wird, sieht als Prinz von Ägypten das entsetzliche Elend der unterdrückten Hebräer-Sklaven. Als er schließlich durch Intrigen seine wahre Herkunft erfährt, kehrt er seinem luxuriösen Leben den Rücken und beschließt, sein Volk - die Hebräer - in die Freiheit zu führen...«  
 
RoRoRoFilmlexikon: »Ein Klassiker des Hollywoodmonumentalfilms, der einige Szenen enthält, die auch im Rückblick noch durch ihren Effektreichtum beeindrucken.«

»Don Camillo und Peppone« / »Le petit monde de Don Camillo« * * * *
Italien/Frankreich 1952, Länge: 108 Minuten, Regie: Julien Duvivier, Buch: Julien Duvivier und René Barjavel, Kamera: Nicolas Hayer, Noel Martin, Musik: Alessandro Cicognini.
Mit: Fernandel, Gino Cervi, Sylvie, Franco Interlenghi, Vera Talqui, Vera Talchi, Charles Vissières, Cuciano Manara, Armando Migliari.

Text zur DVD: »Ein kleines Dorf in Norditalien ist Schauplatz für die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Don Camillo und Peppone. Der eine, Don Camillo, ist katholischer Pfarrer, doch von heißem Blut und lockerer Faust. Sein Gegner Peppone, Anführer der "Roten" und Bürgermeister des Dorfes, ist nicht minder schlagkräftig. Doch trotz ihrer Gegnerschaft wollen sich die beiden Streithähne nicht ernstlich schaden. Und wenn alles nicht hilft, dann entledigt sich Don Camillo seines Priesterrocks und regelt die Angelegenheiten mit Peppone ganz "wie unter Männern" - im ehrlichen Faustkampf. Selbst der Bischof auf Stippvisite bleibt da sprachlos...«

»Dr. Jekyll und Mr. Hyde« * * * * *
USA 1931, Länge: 90 (gekürzt 80) Minuten, Regie & Produktion: Rouben Mamoulian, Buch: Samuel Hoffenstein, Percy Heath, Kamera: Karl Struss, Musik: Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Schnitt: William Shea.
Mit: Edgar Norton, Holmes Herbert, Miriam Hopkins, Fredric March, Rose Hobart.

Bis dato nicht übertroffene Verfilmung des Klassikers; inszeniert glänzend den sexuellen Aspekt der Verwandlung, als Ausbruch der von viktorianischer Prüderie verdrängten Lust.


»Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben«
* * * * *

Großbritannien 1963, Länge: 94 (Original 102) Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Buch: Peter George, Stanley Kubrick, Terry Southern, Kamera: Gilbert Taylor, Musik: Laurie Johnson, Schnitt: Anthony Harvey, Produzent: Stanley Kubrick.
Mit: Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden, Keenan Wynn, Peter Bull, Slim Pickens, Tracy Reed, James Earl Jones, Jack Creley, Frank Berry, Shane Rimmer.

Atomkrieg? Zum Totlachen.

»Dracula« * * * * *
USA 1930, Länge: 75 Minuten, Regie: Tod Browning, Buch: Garrett Fort, Kamera: Karl Freund, Musik: Richard Wagner, Peter Iljitsch Tschaikowski, Schnitt: Milton Carruth, Maurice Pivar, Produzent: Carl Laemmle jr.
Mit Bela Lugosi, Herbert Bunston, Helen Chandler, Dwight Frye, Edward Van Sloan, David Manners, Frances Dade.

Bis heute die allerbeste Verfilmung des unsterblichen Vampir-Klassikers. Es kommt eben nicht auf Großtechnik, Technicolor und CinemaScope an.

»Dresden« * * *, mit notwendiger Anmerkung:
Als Dresden den Feuerberg rammte.
D 2006, Länge: 2 x 90 Minuten, TV 16:9, Regie: Roland Suso Richter, Buch: Stefan Kolditz, Dramaturgie: Carolin Haasis, Kamera: Holly Fink, Schnitt: Bernd Schlegel, Musik: Harald Kloser, Szenenbild: Thomas Stammer, Art Director: Nils Eichberg, SFX Karl-Heinz Bochnig, VFX: Denis Behnke, Kostüme: Lucia Faust, Maske: Gerhard Zeiss, Ulrich Ritter, Brigitte Dettling, Produktionsleitung: Sebastian Werninger, Co-Produzent: Jan Mojto, Redaktion ZDF: Heike Hempel, Günther van Endert, Produzenten: Nico Hofmann, Sascha Schwingel, Produktion: teamWorx Television & Film in Koproduktion mit dem ZDF und EOS Entertainment, gefördert durch die Filmstiftung NRW, den FilmFernsehFonds Bayern, die Mitteldeutsche Medienförderung MDM und das Medienboard Berlin-Brandenburg.
Mit: Felicitas Woll, John Light, Benjamin Sadler, Heiner Lauterbach, Wolfgang Stumph, Katharina Meinecke, Susanne Bormann, Marie Bäumer, Kai Wiesinger.

Sehr, sehr gelobt, bemerkenswert überschwenglich sogar in sonst vornehm blasierten Blättern, wurde/wird der Fernsehfilm »Dresden« (D 2006). Der ZDF-Zweiteiler zeigt eine Liebesgeschichte, die vom monströsen Alliierten-Brand-Bombardement in der Nacht des 13. Februar 1945 getroffen wird.

Aus einem Pressetext des ZDF: »Es ist heiß, es ist gefährlich, es ist eine Feuerhölle - vor gut 60 Jahren ging die Stadt Dresden im Bombenhagel eines alliierten Luftangriffs unter. Seitdem steht der Name Dresden in Deutschland für die Schrecken des durch die Nazis verursachten Weltkrieges. Zum
ersten Mal ist jetzt der Untergang der Stadt in einem Film thematisiert worden. Der ZDF Zweiteiler "Dresden" ist ein packendes und hochemotionales Antikriegsdrama geworden. Im Mittelpunkt steht
eine Liebesgeschichte zwischen einer deutschen Krankenschwester und einem in der Stadt untergetauchten englischen Piloten. Die Liebesgeschichte ist fiktiv, die Fakten zum Leben in der Stadt und zur Bombardierung Dresdens sind historisch exakt recherchiert und umgesetzt. In der aufwendigen Produktion ist die elbflorentinische Pracht Dresdens wiederauferstanden. Die englischen Piloten und Generäle wurden von britischen Schauspielern gespielt und in Englisch gedreht. Höhepunkt und aufwendigster Teil der Produktion war eindeutig das riesige Feuerset, in dem die Szenen der Bombennacht gedreht wurden. Der ZDF-Zweiteiler "Dresden" ist mit zehn Millionen Euro Produktionskosten nicht nur sehr aufwendig produziert, sondern auch der derzeit teuerste deutschsprachige Fernsehfilm.«  

Ja, der Film ist sorgfältig und mit sichtbarem Aufwand produziert, solide erzählt, ein bißchen arg ruhig-flach (sprich: langatmig, im ersten Teil mit Momenten der Langeweile), fernsehspielhaft eben; entwickelt sich zäh-zart und gewinnt packende Erschütterung erst beim heftig, höchst trickreich-kunstvoll dargestellten Bombenangriff – der allerdings auf kleiner Flamme wütet; man scheute sich wohl vor einem Realismus, der den Jugendschutz auf den Plan gerufen hätte. Die behauptete Katastrophe wird nicht sichtbar, schon gar nicht für ein jüngeres Publikum, das schon ganz andere Schrecken im Kino und mit DVD gesehen hat. Und was dazu politisch kritisch angemerkt werden kann, das hat in der Wochenzeitung »Die Zeit« (10/2006, 02.03.2006) Evelyn Finger mokant zu Papier gebracht, unter dem im cinematografischen Kontext schön gemeinen Titel »Der englische Pilot« – äußerst lesenswert! 

»Dresden« ist aber, alles in allem, für deutsche Verhältnisse wirklich gut gemacht, mit sehr gut geführten Schauspielern (ganz ausgezeichnet Marie Bäumer, Wolfgang Stumph – sogar Heiner Lauterbach) und mit einer absolut sensationellen Hauptdarstellerin (die stupend talentierte, anscheinend begnadete Felicitas Woll * * * * *). Alles viel besser als der zur selben Nazi-Endzeit spielende Führerbunker-»Untergang«, der dagegen eine primitiv unbeholfen inszenierte Klamotte für ein Ensemble aus Laiendarstellern und entsetzlichen Knallchargen war/ist.

Doch Überraschung: »Dresden« ist nun leider auch nur die schwächere Kopie eines wirklich großen Films, der gezeigt hat, wie das mit individueller Liebe und weltgeschichtlicher Katastrophe im Kino geht. Genau: »Titanic«! Das Plagiatöse am Dresden-Film ist verblüffend, man braucht nur Schiffsuntergang gegen Stadtuntergang auszutauschen. Erinnern Sie sich an »Titanic«? Dann vergleichen Sie mit:


                               








Eine Frau ist einem Mann versprochen. Der ist mehr an Karriere und Geld auch aus fiesen Geschäften interessiert als an der wahren Liebe. Ehe ist gesellschaftliche Formsache. Frau verliebt sich also in einen fremden Outlaw (Titanic: streunender Bohèmien der Unterschicht, Dresden: britischer Bomberpilot auf der Flucht), schläft mit ihm. Große Liebe! Liebe bekommt Unterstützung (Titanic: Patente Millionärin, Dresden: Patenter Pastor). Verlobter und Vater (Titanic: Mutter) versuchen den Störenfried kaltzustellen, fluchtunfähig zu machen, dem Tod auszuliefern. Das mißlingt; beide Liebhaber-Männer wetteifern nun darum, das Mädchen vor dem Tod beim Untergang (des Schiffes, der Stadt) zu retten. In der Katastrophe klammern sich die Liebenden aneinander, Menschen singen Kirchenlieder, es wird schrecklich gestorben (ertrinken/verbrennen), es werden die Liebenden auseinander gerissen, die Frau trägt das Vermächtnis des Geliebten (tot) in sich (Titanic: die Emanzipation, Dresden: eine Tochter).

Es ist wirklich erstaunlich, man muß sagen, sogar ein bißchen dreist. Im Film ist es noch krasser als in meiner gerafften Schilderung. Allerdings entschädigt die Woll wirklich für diesen Dreh hart am Plagiat. Die muß man gesehen haben! Nur deshalb (und wegen der rührenden Hommage an meinen Lieblingsfilm) ist »Dresden« hier bei den wichtigen und großen Werken der Filmkunst erwähnt.

Achja: Noch eine recht ungenierte Anleihe: Im Film »Dresden« werden Geschäfte gemacht mit Morphium, das im Krankenhaus unterschlagen wird; dieses Motiv stammt natürlich aus dem »Dritten Mann«, wo Harry Lime im bombenzertrümmerten Nachkriegs-Wien Penicillin verschiebt.
Tja. Wenigstens hat man bei den richtigen Filmen abgekupfert, das ist doch auch schon was..

»Dressed to Kill« * * * *
USA 1980, Länge 106 Minuten, Regie: Brian De Palma, Buch: Brian De Palma, Kamera: Ralf D. Bode, Musik: Pino Donaggio, Produzent: George Litto.
Mit: Angie Dickinson, Michael Caine, Nancy Allen, Keith Gordon, Dennis Franz, David Margulies, Kenny Baker, Brandon Maggart, Susanna Clemm, Fred Weber.

»Drillinge an Bord« * * *
BR Deutschland 1959, Länge: 82 Minuten, Regie: Hans Müller, Buch: Gustav Kampendonk, Kamera: Erich Claunigk, Musik: Heino Gaze.
Mit: Heinz Erhardt, Peter Carsten, Ann Smyrner, Paul Dahlke, Trude Herr, Günter Pfitzmann, Ingrid van Bergen, Billy Mo, Kathrin Ackermann, Ralf Wolter, Paul Westermeier, Günther Jerschke, Günther Ungeheuer.

Ein wirklich lustiger deutscher Film, der dazu auch tricktechnisch verblüffend gut gemacht ist. Heinz Erhardt in Hochform.
Löblich: Keine Schwuchtelblödheiten wie in späteren deutschen Blockbustern.

Text zur DVD: »Heinz, Eduard und Otto Bollmann sind zwar recht unterschiedliche Charaktere, hausen aber friedlich und gesellig in gemeinsamer Wohnung. Hein, das Küken versorgt den gemeinsamen Haushalt, er kocht und näht, während Otto als Werbetexter und Eduard als Chorsänger die Brötchen verdienen. Doch auch Heinz ist pfiffig, er hat einen Werbevers Ottos einer von Eduard erfundenen Melodie unterlegt und den entstandenen Schlager heimlich zu einem Fernsehwettbewerb eingereicht. Prompt gewinnt der Schlager den Ersten Preis: eine 14tägige Luxus-Seereise zu den Kanarischen Inseln. Keiner möchte zurücktreten und so finden sie sich plötzlich alle drei in der Luxuskabine, als das Schiff ablegt. Dass die Seereise nicht ohne Schwierigkeiten abläuft, versteht sich von selbst...«

»Duell in der Sonne« / »Duel in the Sun« * * * *
USA 1946, Länge: 138 Minuten, Regie: King Vidor, Buch: David O. Selznick und Oliver H.P. Garrett, Kamera: Lee Garmes, Harold Rosson, Ray Rennahan, Musik: Dimitri Tiomkin, Produzent: David O. Selznick.
Mit: Jennifer Jones, Gregory Peck, Joseph Cotten, Lillian Gish, Lionel Barrymore, Herbert Marshall, Walter Huston, Butterfly McQueen, Charles Bickford, Joan Tetzel, Harry Carey, Otto Kruger, Sidney Blackmer, Tilly Losch, Scott McKay, Hank Worden.

Wahnsinnige Liebes- und Haßgeschichte. Mit einem irrsinigen bösen Ende: Sie lieben und sie töten sich. Üppiges Melodram der Sonderklasse.


»Duell« / »Duel« * * * *
USA 1971, Länge: 86/90 Minuten, Regie: Steven Spielberg, Buch: Richard Matheson, Kamera: Jack A. Marta, Musik: Billy Goldenberg, Produzent: George Eckstein.
Mit: Dennis Weaver, Jacqueline Scott, Eddie Firestone, Lou Frizzell, Lou Frizelli, Gene Dynarski, Lucille Benson, Shirley O' Hara.

Spielbergs Gesellenstück. Schon meisterlich. Purer Film. Nichts als eine Verfolgungsjagd. Böser Truck jagt piefige Limousine, in allen Varianten. ohne Erklärung, ohne sonstwas. Ohne Grund. Außer dem: Im Kino anderthalb Stunden zu thrillen.

Text zur DVD: »Ein Horrorfilm, bei dem das Grauen aus einer ganz anderen Ecke kommt, als gewohnt. Das Monster ist eine riesige schwarze Stahlblech-Scheußlichkeit, ein 40 Tonnen Tanklaster. Mr. Mann ist Handlungsreisender. Wie jeden Tag ist er unterwegs, um Geschäfte zu machen und die tägliche Arbeit möglichst reibungslos hinter sich zu bringen. Er fährt auf einer dieser endlosen, einsamen Straßen und überholt ein riesiges Ungetüm von Laster, alles ist wie gewöhnlich. Der Laster holt wieder auf und Mr. Mann ist ärgerlich, das übliche Überholgeplänkel beginnt. Aber das Ungetüm läßt sich nicht abschütteln und die Spannung der Zuschauer auch nicht mehr, sie läßt ihn keinen Augenblick mehr los. Das anonyme Monstrum jagt Mr. Mann, versucht ihm den Weg abzuschneiden, ihn zu überfahren, seitlich zu rammen, die Böschung hinabzudrängen, in einen Zug hineinzujagen, bis ihm nur noch die bloße Angst im Nacken sitzt. Warum - wer will ihn töten, gibt es einen Ausweg?«

»Dumbo, der fliegende Elefant« / »Dumbo« * * * *
USA 1941, Zeichentrickfilm, Länge: 64 Minuten, Produzent: Walt Disney, R (Regie) Ben Sharpsteen, B (Drehbuch) Joe Grant, Dick Huemer, K (Kamera) Harold Pearl, M (Musik) Oliver Wallace, Frank Churchill.

Sehr richtig urteilt das 2001-Lexikon des Internationalen Films: »Ein vergleichsweise kleiner Disney-Film, verdichtet zu einer Sternstunde an Leichtigkeit und zeichnerischer Erfindungsgabe. (Ein Tiefpunkt ist indes die deutsche Synchronisation.)«

Nach dem fliegenden Elefanten ist natürlich das Boeing-Flugzeug benannt: »Jumbo«. So wie Kubricks 2001-Computer HAL 9000 eben doch nach IBM (oder glaubt da irgendjemand wirklich an Zufall?!).

»E.T. - Der Außerirdische« / »E.T. - The Extraterrestrial«
* * * * *
USA 1981, Länge: 114 Minuten,  Regie: Steven Spielberg, Buch: Melissa Mathison, Kamera: Allen Daviau, Dennis Muren, Effekte: Industrial Light and Magic, Musik: John Williams, Schnitt: Carol Littleton,  Produzent: Steven Spielberg, Kathleen Kennedy.
Mit: Henry Thomas, Drew Barrymore, Matthew DeMeritt als ein E.T.-Darsteller, Pat Bilou als ein E.T.-Darsteller, Tamara De Treaux als eine E.T.-Darstellerin, Robert MacNaughton, K.C. Martel,  Dee Wallace Stone, Sean Frye, C. Thomas Howell, Peter Coyote, Tom Howell.

Wundervolles Märchen über die Begegnung von Kindern mit einem auf der Erde gestandeten außerirdischen Wesen. Die Kinder schließen unbefangen Freundschaft, die Erwachsenen bekämpfen die Gefahr bzw. erforschen sie (fast) zu Tode. Das Raumschiff, das E.T. am Ende wieder heimholt, sieht aus wie eine Weihnachtsbaumkugel und vielleicht ist E.T. ja auch tatsächlich so etwas wie das Christkind.

Der Film wurde von Spielberg nachträglich digital verändert:
Waffen wurden entfernt. Auf der DVD »Collectors Edition« (3 DVDs) befindet sich auch die ursprüngliche Originalfassung.

»Ehe im Schatten« * * *
Deutschland 1947 (DEFA), Länge: 105 Minuten, Regie: Kurt Maetzig, Drehbuch: Kurt Maetzig, Kamera: Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann, Musik: Wolfgang Zeller, Schnitt: Alice Ludwig. Mit: Ilse Steppat, Hans Leibelt, Paul Klinger, Willy Prager, Alfred Balthoff, Claus Holm.

Diesen Film habe ich als Kind im Fernsehen gesehen, in dem kleinen »Grundig Zauberspiegel«, den sich meine arme, tapfere Mutter so gerade leisten konnte. Unauslöschlich hat der Film sich in mein Gedächtnis gegraben als Beginn meiner Verachtung von nazistischer Unmenschlichkeit, von willkürlicher hassender Gewalt, von Politik, die mit Unrecht herrscht. Ich erinnere mich daran, daß es entsetzliche »Kristallnacht«-Szenen gab, perfide unbarmherzige Brutalität gegen ein liebendes Paar, ich erinnere mich daran, heftig geweint zu haben und vor Angst und Trauer untröstlich gewesen zu sein.

Den Inhalt und die Geschichte von »Ehe im Schatten« skizziert Kurt Laser in »... und dann kam Otto Normalverbraucher – Der Nachkriegsfilm in der deutschen Hauptstadt« (Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift Heft 12/2000):

»Er behandelt das tragische Schicksal des Berliner Schauspielerehepaars Gottschalk, das wie ein großer Teil der bürgerlichen Intelligenz die nazistische Gefahr zunächst unterschätzt. Joachim Gottschalk lehnt es ab, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen, und trotzt auch allen Korrumpierungsversuchen der Nazis. Seine Frau verzichtet auf die noch mögliche Flucht ins Ausland, weil sie Repressalien gegen ihren Mann fürchtet. Nach jahrelangem, sich ständig verstärkendem Druck scheidet das Künstlerehepaar gemeinsam aus dem Leben.
Wegen der Bedeutung des Films »Ehe im Schatten« führt die DEFA Verhandlungen mit den vier Besatzungsmächten, um zu erreichen, dass er gleichzeitig in allen vier Sektoren Berlins uraufgeführt wird. Die Verantwortlichen sagen zu, und so erlebt der Film am 3. Oktober 1947 im Filmtheater Friedrichshain (sowjetischer Sektor), im Filmtheater Cosima in Friedenau (amerikanischer Sektor), im Filmtheater Kurbel in Charlottenburg (britischer Sektor) und im Primus Palast am Gesundbrunnen (französischer Sektor) sein Uraufführung.
Die »Tägliche Rundschau« berichtet über die Premiere im Friedrichshain: »Das Publikum verharrte lange in schweigender Ergriffenheit, nachdem am Schluss in ein kahles, trostloses Friedhofsbild die Widmung des Werkes an den toten Schauspieler Joachim Gottschalk und alle seine Mitopfer eingeblendet war. Dann löste sich herzlicher, ehrlicher Beifall.«« Soweit Kurt Laser.

Es war für mich interessant und ziemlich verunsichernd, als ich 2005 eine Kritik des Filmes fand, die gleich nach der Uraufführung in »Neue Zeit« (Berlin, 5.10.1947) erschienen war und ein glatter Verriß ist. Hier ist sie: Neuer Stil oder Unvermögen / (...) Kurt Maetzig, der Regisseur und Drehbuchautor, ist der Meinung, eine Erneuerung des Films könne nur vom Inhalt her kommen. Die Wahrheit dieser wie der gegenteiligen Behauptung, die Erneuerung müsse von der Form her kommen, liegt, wie meist, in der Mitte, doch im Grunde wird sie überhaupt, wie immer bei einem Kunstwerk, von dem Maß seines Gelingens bestimmt und daher immer neu gefunden und gesetzt werden. Dr. Maetzig hat diesen Film nach seinem Grundsatz ganz vom Inhaltlichen her aufgebaut und dabei das Optische, was noch immer das formbestimmende Element des Filmes ist, weitgehend vernachlässigt oder in einer ganz konventionellen Manier behandelt. Die Geschichte der "Mischehe" des Schauspielers Wieland mit einer jüdischen Schauspielerin wird in epischer Breite erzählt und in den Ablauf der Jahre 33 bis 44 hineingestellt.
Die Anlage des Drehbuchs zeigt dasselbe Bestreben, das man wiederholt schon bei DEFA-Filmen feststellen konnte; den behandelten Stoff möglichst nach allen seinen Ausstrahlungen hin auszuleuchten und so gewissermaßen die Totalität des Lebens einzufangen. So steht dieses Drehbuch der Vertiefung dieses Themas selbst im Licht und läßt den Film im Schatten einer Unsicherheit, von der man nicht weiß, ist diese primitive Aneinanderreihung von unzähligen Szenen, Szenchen und Überblendungen, die ohne jeden optischen Einfall sind, nun die Offenbarung eines neuen realistischen Stils oder sind sie einfach Unvermögen. (...)

Tja, ich habe das so nicht gesehen und freue mich darüber, daß der Film auch im Lexikon des Internationalen Films von 2001 anders gesehen wird: »Nach der Novelle "Es wird schon nicht so schlimm", in der Hans Schweikart das tragische Schicksal seines Freundes Joachim Gottschalk nachzeichnete, drehte Maetzig für die DEFA dieses erschütternde, zeitgeschichtlich bedeutsame und formal anspruchsvolle Filmdrama, das auch international Anerkennung fand.«

»Ein andalusischer Hund« / »Un chien andalou« * * * * * *
Frankreich 1928/29, Länge: 17 Minuten, Produktion, Regie, Schnitt: Luis Buñuel, Buch: Luis Buñuel, Salvador Dali, Kamera: Albert Duverger, Dekoration: Pierre Schilzneck, Salvador Dali, Musik: Richard Wagner.
Mit: Pierre Batcheff, Simone Mareuil, Jaime Miravilles Miravitiles, Salvador Dalì, Luis Buñuel, Salvador Dali, Robert Hommet.

Das Online-Lexikon „Wikipedia.org“ über dieses epochale Stück Filmgeschichte: »Ausgangspunkt für den Film sind zwei Träume die sich Buñuel und Dali in Figueres (Spanien), der Heimatstadt von Dali erzählten. Buñuels Traum enthielt eine lange Wolke, die den Mond "durchschnitt und wie eine Rasierklinge" ein Auge zerschneidet. Dalis Traum enthielt eine Hand die voller Ameisen war. Beide Träume finden in dem fertigen Film Verwendung. Insbesondere die Szene in der Simone Mareuil mit einem Rasiermesser das Auge zerschnitten wird, erlangt Weltruhm. Diese Szene ruft Urängste bei allen Menschen wach, völlig unabhängig von ihrem kulturellen Kontext. (Ähnliche Urängste ruft auch George Orwell wach, wo dem Held in dem Roman 1984 damit gedroht wird, sein Gesicht von einer Ratte zerfressen zu lassen.) Bei einem Brainstorming, bei dem nur das Irrationale, nicht aber das Rationale, psychologisch Erklärbare von beiden akzeptiert wurde entstand das Drehbuch innerhalb von weniger als einer Woche. Beide erfüllen also die Grundsätze, wie sie André Breton in dem Manifest des Surrealismus (Paris 1924) einige Jahre vorher formuliert hatte.«

Gleich schneidet das Rasiermesser das Auge entzwei. Im Film sieht man das. Wenn man das Auge aufmacht.Und zur Musik finden wir in „Wikipedia.org“: »Luis Buñuel legt abwechselnd Richard Wagners (Tristan und Isolde) und argentinische Tangos auf. Es scheint aber auch eine Filmkopie zu existieren, auf der zusätzlich noch Ludwig van Beethoven zu hören ist. Luis Buñuel erwähnt in seinem Buch »Mein letzter Seufzer« Beethoven nicht. Die erste Version des Films war ein Stummfilm, zu dem er Tangos und Wagner auf einem Grammophon, das sich hinter der Leinwand befand, auflegte. Entweder war die Tonfassung nicht von ihm autorisiert, oder er konnte sich bei der Niederschrift seines Buches nicht mehr an die Abweichung der beiden Fassungen erinnern. "Wir waren zu fünft oder zu sechst im Atelier" in Billancourt (Frankreich). Dort, und in Le Havre (Frankreich), wurde der Film innerhalb von vierzehn Tagen gedreht.«

»Ein Fall für die Borger« / »The Borrowers« * * * *
Großbritannien 1997, Länge: 86 Minuten, Regie: Peter Hewitt, Buch: Gavin Scott, John Kamps, Kamera: Trevor Brooker, Musik: Harry Gregson-Williams, Schnitt: David Freeman, Produzent: Tim Bevan, Eric Fellner, Rachel Talalay.
Mit: John Goodman, Jim Broadbent, Celia Imrie, Flora Newbigin, Tom Felton, Mark Williams, Hugh Laurie, Ruby Wax, Bradley Pierce, Aden Gillett, Doon MacKichan.

Witzig liebenswerter Film, der tolle Trickkunst wie nebenbei nutzt.

DVD-Text: »Wenn es im Haus knackt, ist das nicht immer das Holz, das "arbeitet". Und wenn auf unerklärliche Weise immer wieder Dinge des alltäglichen Lebens einfach verschwinden, dann sind das keine unerklärlichen Phänomene. Es sind die Borger! Zehn Zentimeter kleine Leute mit großem Herzen, die in den Häusern ihrer menschlichen Gastfamilien unter Dielenbrettern oder in Hohlräumen der Wände leben und sich "borgen", was sie so für ihr Leben alles brauchen. Socken werden zu Betten, Briefmarken zu Postern und Zahnseide zum Kletterseil. Die Clocks, eine typische Borger-Familie, leben im Haus der Lenders. Keiner hat sie je bemerkt, niemand hat sie je gesehen - bis die kleine Arrietty eines Tages bei einem ihrer Streifzüge nachlässig ist, und vom jungen Menschenkind Peter entdeckt wird. Und damit beginnt das Abenteuer von Arrietty, ihrem Bruder Peagreen, und ihren Eltern, die sich mit den Lenders gegen den fiesen Anwalt Ocious Potter verbünden, der sie mit allen Mittel aus ihrem Haus vertreiben will...« 

»Ein Haufen toller Hunde« / »The Hill« * * * *
Großbritannien 1964, Länge: 123 Minuten, Regie: Sidney Lumet, Buch: Ray Rigby, Kamera: Oswald Morris, Musik: Art Noel, Don Pelosi, Schnitt: Thelma Connell, Produzent: Kenneth Hyman, Raymond Anzarut.
Mit: Sean Connery, Ian Hendry, Ossie Davis, Ian Bannen, Alfred Lynch, Roy Kinnear, Harry Andrews, Michael Redgrave, Jack Watson.

Prisma-Online bemerkt sehr zutreffend: »Während des Zweiten Weltkriegs kommt der Panzersoldat Joe Roberts in ein britisches Militärstraflager in Nordafrika. Dort läßt der verschlagene Sergeant-Major Wilson die Häftlinge erbarmungslos schinden, um ihnen Kadavergehorsam einzubleuen. Als einer der Männer, die bei sengender Hitze immer wieder einen riesigen Sandhügel erklimmen mussen, die Tortur nicht überlebt, widersetzt sich Roberts verbissen dem Versuch, den Tod als Unfall zu kaschieren. Das hat dramatische Folgen für ihn...
Ein beeindruckend inszeniertes und gespieltes Kriegs-Drama von Sidney Lumet. Sean Connery brilliert in der Rolle des Panzersoldaten Joe Roberts, der sich gegen den ebenso eindrucksvoll aufspielenden Harry Andrews in der Rolle des Peinigers stellt. Lumet inszenierte das Werk nach einem erfolgreichen TV-Spiel von Ray Rigby, der für sein Drehbuch bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet wurde. "Ein Haufen toller Hunde" war die erste Zusammenarbeit von Regisseur Lumet mit Connery, die danach noch vier weitere Filme (u.a. "Mord im Orientexpreß", "Der Anderson Clan" und "Family Business") gemeinsam drehten.«

»Ein Kartenhaus« (1) / »House of Cards« * * * * *
Großbritannien 1990, Fernsehfilm, Länge 204 Minuten (2 Teile!), Regie: Paul Seed, Buch: A. Davies, Andrew Davies, Musik: Jim Parker.
Mit: Ian Richardson, Diane Fletcher, Susannah Harker, David Lyon, Malcolm Tierney, Malcom Tierney, Miles Anderson, Alphonsia Emmanuel, James Villiers, John Hartley, Kenny Ireland, William Chubb, Nicholas Selby, Christopher Owen, Damien Thomas.

From Wikipedia, the free encyclopedia.: «House of Cards was a highly political television drama serial, made by the BBC, which ran in 1990 at the end of Margaret Thatcher's tenure as British Prime Minister. It has since been adapted for radio. The story was adapted by Andrew Davies from a novel by Michael Dobbs. In it, the fictional Chief Whip, Francis Urquhart (the initials, "F.U.", were deliberately chosen), played by Ian Richardson, is seen engaging in all the skullduggery of power politics, including murder, in his efforts to become Prime Minister. Susannah Harker plays Mattie Storin, the journalist who tries to uncover his misdeeds.
There were two sequels: To Play the King in 1994 (with the King, resembling Prince Charles, Prince of Wales, played by Michael Kitchen) and The Final Cut in 1995. It has been said that Richardson agreed to appear in a third series only on the understanding that the character got his come-uppance.
Frequently during the drama Urquhart talks through the camera to the audience, breaking the 'fourth wall'. The drama also introduced the phrase »You Might Say That, I Couldn't Possibly Comment« (in der deutschen Fassung auch süffisantst diabolisch: »Sie mögen das so sehen, aber ich kann es unmöglich kommentieren« – H.M.) which was frequently used by Urquhart whenever he didn't want to give an actual answer to a question put to him.«

»Ein Kartenhaus« (2) – »Um Kopf und Krone« / »To Play the King« * * * * *
Großbritannien 1993, Regie: Paul Seed, Buch: Andrew Davies, A. Davies, Kamera: lan Punter und Jim Fyans, Ian Punter und Keith Thomas, Ian Punter, Keith Thomas, Musik: Jim Parker. Mit: Ian Richardson, lan Richardson, Michael Kitchen, Susannah Harker, Kitty Aldrige, Kitty Aldridge, David Lyon, Colin Jeavons, Malcom Tierney, Diane Fletcher, Miles Anderson, Rowena King, Malcolm Tierney, Alphonsia Emmanuel, Nicholas Farrell, James Villiers, Bernice Stegers, Brenice Stegers, John Hartley, David Ryall, Kenny Ireland, Pip Torrens, William Chubb, Frederick Treves, Nicholas Selby, Christopher Owen, Damien Thomas.

»Ein Kartenhaus« (3) – »The Final Cut«
Großbritannien 1995, Regie: Mike Vardy. Mit Ian Richardson

»Ein seltsames Paar« / »The Odd Couple« * * * * *
USA 1967, Länge: 105 Minuten, Regie: Gene Saks, Buch: Neil Simon, Kamera: Robert B. Hauser, Musik: Neal Hefti, Schnitt: Frank Bracht, Produzent: Howard W. Koch.
Mit: Jack Lemmon, Walter Matthau, Herbert Edelman, Carole Shelley, John Fiedler.

Ein Mann trennt sich von seiner Frau (darunter leidend) und zieht beim besten Freund ein, einem fröhlich geschiedenen Hallodri. Der hat aber mit dem neuen Wohngenossen sowas wie eine superordentliche Hausfrau bekommen. Das kann nicht gut gehen und führt zu erzkomischen Szenen einer Ehe. Tolles Ensemble, vor allem (der sowieso begnadete) Walter Matthau in hinreißender Top-Form: »Hör auf mit Saubermachen, ich bin noch nicht fertig mit Dreckmachen!«

»Eine Dame verschwindet« / »The Lady Vanishes« * * * *
GB 1938, Länge: 97 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Sidney Gilliat, Alma Reville, Frank Launder, Kamera: Jack Cox, Musik: Louis Levy, Schnitt: Alfred Roome, R.E. Dearing, Produzent: Edward Black.
Mit: Michael Redgrave, Dame May Whitty, Margaret Lockwood, Paul Lukas, Basil Radford, Cecil Parker.

Höchst spannender, amüsanter und sogar politisch anregender very british Hitchcock. Aus einem offensichtlich faschistischen Land auf dem Kontinent will eine Spionin (die Dame) eine wichtige Nachricht nach England bringen, als Melodie codiert.
Im Orient-Express ereignen sich merkwürdige Dinge, und die Dame verschwindet.

Das Verhalten der Engländer im Zug spielt an auf die britannische Politik gegenüber Hitler: Nicht Wahrhaben-Wollen der Gefahr, Appeasement in München, Hauptsache die Cricket-Ergebnisse, so was tun doch auch die Faschisten ganz bestimmt nicht etc.
Wirklich echt witzig, immer wieder lehrreich, wenn man kurz davor ist, Politikern wie beispielsweise Schröder und Fischer doch zu glauben bzw. zu folgen.

»Eins, Zwei, Drei« / »One, Two, Three« * * * * *
USA 1961, Länge: 108 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond, Kamera: Daniel L. Fapp, Musik: André Previn, Schnitt: Daniel Mandell, Produzent: Billy Wilder.
Mit James Cagney, Liselotte Pulver, Horst Buchholz, Hanns Lothar, Arlene Francis, Ralf Wolter, Pamela Tiffin, Hubert von Meyerinck, Karl Lieffen.

Nachkriegsberlin im Kalten Krieg: Amis, Russen, Ex-Nazis, Coca-Cola, idealistische Jung- und abgefuckte Alt-Kommunisten, kloputzende Adelige und liebestolle Teenager. Daraus macht Billy Wilder mit einem bestens gelaunten Ensemble eine der heißesten Komödien aller Zeiten. Auch politisch lehrreich. Also: Besonders wertvoll.

Klasse Text zur DVD: »C. R. MacNamara (Cagney), ehrgeiziger Statthalter von Coca Cola in West-Berlin, soll die Tochter seines Chefs hüten, als diese die Stadt besucht. Doch die mannstolle Scarlet (Pamela Tiffin) legt ihm ein rotes Kuckucksei ins Nest: Otto Ludwig Piffl (Buchholz), linientreuer Jungkommunist aus dem Osten, der das verwöhnte Millionärstöchterchen heimlich geheiratet und obendrein geschwängert hat. Ausgerechnet jetzt kündigen Scarlets Eltern ihren Besuch an. Will Mac seine Karriere retten, muss der Kulturbolschewik Piffl – eins, zwei, drei – zum vorzeigbaren Schwiegersohn mutieren. Bei der irrwitzigen Umerziehung sind u. a. behilflich: der zackige Buchhalter Schlemmer (Hans Lothar), ein klammer adliger Toilettenmann (Hubert von Meyerinck), eine sexuell ausgehungerte russische Handelsdelegation und nicht zuletzt Macs verführerische Sekretärin Ingeborg (Liselotte Pulver in einer grandiosen Monroe-Parodie). Mac riskiert Konflikte mit Deutschen, Russen, Amerikanern und – am allerschlimmsten – mit seiner Frau.«

»Ekel« / »Repulsion« * * * *
Großbritannien 1965, Länge: 105 Minuten, Regie: Roman Polanski, Buch: Roman Polanski und Gérard Brach, Kamera: Gilbert Taylor, Musik: Chico Hamilton, Schnitt: Alastair McIntyre, Produzent: Gene Gutowski.
Mit: Catherine Deneuve, Ian Hendry, John Fraser, Patrick Wymark, Yvonne Furneaux, Renee Houston, Helen Fraser, Valerie Taylor, James Villiers.

»Carol (Catherine Deneuve) lebt zusammen mit ihrer Schwester Helene (Yvonne Furneaux) in einer Mietwohnung. Carol ist nicht nur äußerst schüchtern und extrem introvertiert, sie hat sogar regelrecht Angst vor dem männlichen Geschlecht. Carols Ekel vor Männern nimmt zunehmend psychopathische Züge an, und als ihre Schwester mit ihrem Geliebten Michael (Ian Hendry) eine vierzehntägige Reise unternimmt und Carol allein lässt, explodieren ihre Wahngefühle und es kommt zur Katastrophe ...«
(splashmovies.de, Andreas Schultz)

»Großaufnahme eines Auges, unterlegt mit dumpfen unheilverkündenden Trommelschlägen.
Es erinnert an den fünf Jahre älteren "Psycho", in dem Hitchcock nach dem berühmten Duschenmord die Kamera auf das tote Auge des Opfers richtet und davon ausgehend langsam das Gesicht der Toten und dann den Tatort zeigt. (Aber natürlich auch ein Verweis auf Bunuels/Dalis Andalusischen Hund. Überdeutlich im Vorspann: alle Texte laufen von oben nach unten, als Liste, nur Regie: Roman Polanski schneidet als Zeile von rechts nach links durchs Auge - wie das berühmte Rasiermesser, das auch in "Ekel" eine Rolle spielen wird - H.M.) Das unruhig umher suchende Auge in "Ekel" gehört zu einer jungen Frau, Carol, die gezeigt wird, wie sie auf der Arbeit vor sich hin träumt. Sie wird von Anfang an als jemand dargestellt, der nicht ganz da ist, abwesend, so als sei sie nicht in der Wirklichkeit angekommen. Sehr überzeugend und eindrucksvoll wird diese Hauptfigur von Catherine Deneuve gespielt, die mit dieser Rolle international bekannt wurde. Nur durch wenige Gesten wird ein rundes, komplexes Bild von einem gestörten Charakter entworfen, der sich zum Ende des Films gar nicht mehr in der Realität zurechtfinden kann.
Zuerst erleben wir Carol bei ihrer Tätigkeit als Maniküre - noch funktioniert sie, auch wenn sich ihre Arbeitskolleginnen manchmal über ihre Art wundern. Auch Carols Schwester Héléne, bei der sie lebt, weiß um ihre Eigenarten, aber macht sich nicht weiter ernsthafte Sorgen um sie. Sie ist ein ganz anderer Typ als Carol: lebensfroh, unbekümmert, bestimmt, selbstbewußt. Sie weiß um ihre Attraktivität, und sie hat einen Geliebten.
Dieser macht sich so seine Gedanken über Carol, nennt sie "Dornröschen" und "ein bißchen überdreht". Als er seiner Geliebten sagt, daß Carol "mal zum Arzt gehen sollte" reagiert sie empfindlich darauf, doch sie sprechen nicht weiter davon. Hélène tut es damit ab, daß ihre Schwester eben eine "Mimose" sei. Mit dieser Feststellung liegt sie nicht ganz falsch: Carol ist empfindsam und weicht Berührungen aus; sie zuckt zusammen, wenn ihr jemand zu nahe kommt. Doch ihre Probleme gehen noch viel tiefer.
Sie zieht sich immer weiter zurück, gerät zunehmend in die Isolation. Sie ist nicht an Männerbekanntschaften interessiert, noch scheint sie überhaupt Interesse an irgend etwas zu haben. Mit ihrer abweisenden Art stößt sie einen Verehrer vor den Kopf, der nicht verstehen kann, was mit ihr los ist. Seine Annäherungsversuche beängstigen sie. Mit sich allein weiß Carol auch nichts anzufangen, im Bett liegend starrt sie an die Zimmerdecke oder sieht zum Fenster hinaus auf das gegenüberliegende Kloster. Die Wohnung ist für sie gleichzeitig Zuflucht und Gefängnis. Dort wägt sie sich sicher vor der feindlichen Außenwelt, doch der Geliebte ihrer Schwester dringt als störendes Element in ihre kleine Welt ein. Sie ekelt sich vor seiner Zahnbürste in ihrem Glas, fühlt sich allein gelassen, wenn Hélène mit ihm ausgeht und kann es nicht ertragen zuhören zu müssen, wenn die beiden nebenan Sex haben.
Die Situation eskaliert, als das Liebespaar für ein bis zwei Wochen verreist und Carol allein auskommen muß. Sie leidet zunehmend unter Angstzuständen und Halluzinationen. Irgendwann geht sie nicht mehr zur Arbeit.
In der verdunkelten Wohnung dämmert sie vor sich hin. Ihr Verehrer Colin bricht besorgt die Wohnungstür auf, als er nichts von ihr hört. Sie fühlt sich durch ihn bedroht und erschlägt ihn. Bevor ihre Schwester zurückkehrt und sie wie paralysiert auffindet, begeht Carol noch einen Mord an dem zudringlich werdenden Vermieter.
Übrig bleibt die Frage nach dem "warum". Polanski gibt uns dreimal den Verweis auf die Vorgeschichte, indem er uns ein altes Familienfoto aus Carols Kindheit zeigt. Auch dort hat sie den abwesenden Blick. Doch Erklärungen bekommen wir nicht. Daß viele Interpretationsmöglichkeiten offen gehalten werden, ist auch eine der Stärken des Films. Eine Interpretation wäre, daß Carol eine gewisse Veranlagung hat, die durch eine gefilterte Wahrnehmung der Umgebung verstärkt wird. Wir als Zuschauer sehen, wie sich Colin sehr geduldig um Carol bemüht, doch sie fühlt sich nur von ihm bedrängt und mißtraut ihm - zuvor hatte sie ja noch von ihrer Arbeitskollegin gehört wie "gemein" Männer seien. Eine andere Möglichkeit wäre, daß sie in ihrer Kindheit ein Trauma erlebt hat, z.B. sexuell mißbraucht wurde. Dies könnte ihr gestörtes Verhältnis zu Männern und zu allem Körperlichen erklären.
"Ekel" ist wie eine psychologische Studie, die Kamera zeigt unbarmherzig jede Regung in Carols Gesicht und informiert uns jederzeit über ihren fortschreitenden seelischen Verfall.
Interessant ist, wieviel Sympathie Polanski mit seiner Hauptfigur hat: Sie ist nicht einfach eine "männermordene Irre", sondern mehr ein tragischer Charakter wie etwa eine der zerbrechlichen Heldinnen bei Tennessee Williams. Deneuve spielt Carol sehr in sich gekehrt, still und wie erstarrt, aber auch mit einer nervösen Motorik, wenn sie versucht etwas für uns unsichtbares wegzuwischen. Sie hält mitten in Bewegungen inne und ist nicht ansprechbar. In der deutschen Synchronisation wurde ihr starker französischer Akzent übernommen, die Stimme klingt träge, manchmal weinerlich. Oft wirkt sie wie ein kleines Kind, unschuldig, unwissend und emotional von der Schwester abhängig, allein nicht überlebensfähig.
Ihre Wahnvorstellungen erlebt der Zuschauer aus Carols Sicht, als geschähen sie in echt. Es ist nicht immer eindeutig zu unterscheiden, was Carol nur glaubt zu sehen oder was wirklich passiert. Auf einmal sind Männer in ihrem Zimmer, Räume verändern sich, Wände reißen auf und beginnen ein Eigenleben zu entwickeln.
Schockmomente sind perfekt inszeniert und werden sorgfältig vorbereitet.
Vorherrschend sind lange Kameraeinstellungen und Großaufnahmen der Gesichter.
Die Atmosphäre ist bedrückend und beklemmend: Carol ist von Tod und Verwesung in Form eines toten Kaninchens und der Leichen umgeben. Es gibt lange Momente der absoluten Stille ähnlich wie bei Bergman, und ab der zweiten Hälfte des Films spricht Carol fast kein Wort mehr.
Musik wird im Film bewußt sparsam und um so effektiver eingesetzt: Im Moment emotionaler Erregung setzt plötzlich laute Jazzmusik und Trommelwirbel ein.
"Ekel" war Roman Polanskis zweiter Film im Ausland und ein großer künstlerischer Erfolg. Polanski entwickelte in diesem Werk Ideen, die er über 10 Jahre später in seinem lange unterschätzten Film
"Der Mieter" wieder aufgriff. Thema und Stil dieser Filme gelten als typisch für Polanski, obwohl er auch erfolgreich und gelungen Komödien bzw. Tragikkomödien drehte - wie z.B. sein Klassiker "Tanz der Vampire" (1967) oder auch der weniger bekannte "Wenn Katelbach kommt" (1966).
Der Film endet wie er begann mit der Großaufnahme eines Auges, so schließt sich der Kreis.«
(Jessica Ridders bei filmrezension.de)

»Elf Uhr nachts« / »Pierrot le fou« * * * *
Frankreich, Italien 1965, Länge: 110 Minuten, Regie: Jean-Luc Godard, Buch: Jean-Luc Godard, Kamera: Raoul Coutard, Musik: Antoine Duhamel, Schnitt: Jean-Luc Godard.
Mit: Jean-Paul Belmondo, Anna Karina, Dirk Sanders, Raymond Devos, Graziella Galvani, Roger Dutoit, Hans Meyer, Jimmy Karoubi, Samuel Fuller, Jean-Pierre Léaud, Christa Nell, Pascal Aubier, Pierre Hanin.

»Widerwillig lässt sich Ferdinand Griffon von seiner Frau zum Besuch einer Party seines Schwiegervaters überreden. Gelangweilt verlässt er schon bald wieder die in Werbespruchblasen miteinander redenden Partygäste. In seiner Wohnung trifft er zu seinem Erstaunen als Babysitter seine frühere Freundin Marianne Renoir. Seines komfortablen, doch eigentlich öden Lebens überdrüssig, nimmt Ferdinand seine alte Affäre wieder auf, um kurz darauf in eine mysteriöse Mordgeschichte verwickelt zu werden. Überstürzt verlässt das Paar Paris in Richtung Süden. Auf einer Mittelmeerinsel verschwindet Marianne spurlos. Wenige Wochen später findet Ferdinand sie in Toulon mit einem anderen Liebhaber wieder, der sein Geld mit undurchsichtigen Waffengeschäften zu verdienen scheint. Noch einmal lässt sich Ferdinand von Marianne zu einer gefährlichen Aktion überreden.  

Wie bereits in "Außer Atem" kann man auch Godards zehntem Spielfilm die Begeisterung für den amerikanischen "Film noir" ansehen: ein Liebespaar auf der Flucht, auf einer unentrinnbaren Reise in den Verrat, die Rache, den Tod. Doch während die filmischen Vorbilder der 40er und 50er Jahre noch eine erfassbare Welt zeigten, zerlegt Godard sein filmisches Universum systematisch in Erzählfragmente und Handlungszitate. Ein Werbetext für den Film, den Godard wahrscheinlich selbst geschrieben hat, lautet: "Pierrot le fou, das ist ein kleiner Soldat, der mit Verachtung entdeckt, dass man sein Leben leben muss, dass eine Frau eine Frau ist und dass man in einer neuen Welt eine Außenseiterbande werden muss, um sich nicht außer Atem wiederzufinden." Anders ausgedrückt: "Elf Uhr nachts" ist die Summe fast aller bisherigen Godard-Filme. Der Regisseur selbst nannte den Film "das Fazit meiner romantischen Periode".« (Filmredaktion 3sat)

»Emil und die Detektive« (1931!) * * * *
Deutschland 1931, Länge: 75 Minuten, Regie: Gerhard Lamprecht, Buch: Billy Wilder, Kamera: Werner Brandes, Musik: Allan Gray, Produzent: Günther Stapenhorst.
Mit: Rolf Wenkhaus, Käthe Haack, Fritz Rasp, Rudolf Biebrach, Olga Engl, Inge Landgut, Hans Joachim Schaufuß, Hubert Schmitz, Hans Richter.

Deutsches Filminstitut: »Die erste Verfilmung des 1928 erschienenen Kinderkrimis von Erich Kästner wurde ein internationaler Erfolg und gilt heute als Meisterwerk des frühen deutschen Tonfilms. Der Film um eine Gruppe von Kindern, die sich gegen einen Erwachsenen durchsetzen, weil sie sich solidarisch zusammen schließen, wirkt sowohl märchenhaft als auch realistisch. Der Kampf des Guten gegen das Böse findet mitten im Alltag statt, im krisengeschüttelten Berlin, mit dessen damaliger Realität der Film sich auseinander setzt. Durch die vielen Außenaufnahmen, die das Berlin und Dresden der 30er Jahre porträtieren, ist er zugleich ein einzigartiges Zeitdokument. Kurz nach Ende der Stummfilmzeit gedreht, bezeugt er ohne viele Worte die Macht der Bilder. Das Drehbuch schrieb kein geringerer als Billy Wilder.

Inhalt: Emil Tischbein, ein aufgeweckter Junge aus Neustadt, wird zum Besuch der Großmutter nach Berlin geschickt. Mutter und Sohn stammen aus einfachen Verhältnissen, die Mutter verdient als Friseuse das Notwendigste zum Überleben. Emil soll seiner Großmutter die mühsam gesparten 140 Reichsmark mitbringen. Im Zug wird er von einem unheimlichen Mann, Herrn Grundeis, mit einem Bonbon betäubt und bestohlen.
Erst in Berlin erwacht Emil wieder und entdeckt den Diebstahl. Er kann sich gerade noch an die Fersen des Diebes hängen. Während der Verfolgung Grundeis´ lernt Emil Berliner Jungs kennen, die sofort Feuer und Flamme sind und ihre Hilfe zur Ergreifung des Diebes anbieten. Nach spannenden Verfolgungsjagden und trickreichen Manövern gelingt es Emil und seinen Detektiven, den Dieb zu fassen. Auf dem Polizeirevier stellt sich heraus, dass Grundeis ein vielgesuchter Bankräuber ist, auf den eine Belohnung von 1000 RM ausgesetzt ist. Mit einem großem Fest werden Emil und die Detektive in Neustadt als Helden empfangen.«

»Emil und die Detektive« (1954!) * * * *
Auch sehenswert die Verfilmung von 1954 im noch zertrümmerten, mit Wiederaufbau aber schon kräftig zum Wirtschaftswunder strebenden Berlin; sehr hübscher Film und überdies ein wirklich sagenhaftes Zeitdokument in pastelliger Nachkriegs-Farbe.

BR Deutschland 1954, Länge: 90 Minuten, Regie: Robert A. Stemmle, Buch: Robert A. Stemmle nach Entwurf von Billie (!) Wilder, Kamera: Kurt Schulz, Musik: Georg Haentzschel, Produzent: Heinz Willeg, Karl Mitschke.
Mit: Peter Finkbeiner, Kurt Meisel, Margarete Haagen, Heli Finkenzeller, Wolfgang Lukschy, Ruth Nimbach, Camilla Spira, Claudia Schäfer, Wolfgang Condrus, Roland Kaiser (jawohl: der spätere Sänger - Santa Maria! - in einer Kurze-Hosen-Rolle).

»Schon bei der ersten Verfilmung prägte das Berliner Lokalkolorit maßgeblich die Gestaltung des Films. Das ist bei dieser Fassung nicht anders, anders ist nur das gezeigte Berlin. Die Ruinen der Gedächtniskirche bestimmen das Bild, Spiegel und Stern hängen am Kiosk aus und Pony Hütchen fragt nach dem Interzonenzug. Die wesentliche Änderung ist jedoch die Rahmenhandlung, die Emil und seine Mutter am Schluss als Belohnung sogar zum Polizeisportfest nach Berlin führt. Nach wie vor ist die Verfilmung für alle großen und kleinen Detektive ab sechs Jahren ein gelungenes Vergnügen. Aber der Film spielt eindeutig in der bunten Welt der 50er-Jahre, sodass ein erklärendes Wort hier und da für die kleinen Zuschauer sicher hilfreich ist.« - Birgit Schwenger/Amazon

»Engel unter Sündern« / »The Mating Game« * * *
USA 1959, Länge: 96 Minuten, Regie: George Marshall, Buch: William Roberts, Kamera: Robert Bronner, Musik: Jeff Alexander, Schnitt: John McSweeney jr., Produzent: Philip Barry jr.
Mit: Tony Randall, Debbie Reynolds, Paul Douglas, Philip Ober, Fred Clark, Una Merkel.

Liebenswürdiges Hohelied auf Mitmenschlichkeit, Mißtrauen gegen den Staat und Praktizieren kerngesunder Anarchie. Urkomisch wiedermal: Tony Randall.

»Engel« / »Angel« * * * * *
USA 1937, Länge: 91 Minuten, Regie: Ernst Lubitsch, Buch: Samson Raphaelson, Guy Bolton, Russell Medcraft, Kamera: Charles B. Lang, Musik: Leo Robin, Friedrich Hollaender, Schnitt: William Shea, Produzent: Ernst Lubitsch.
Mit Marlene Dietrich, Herbert Marshall, Melvyn Douglas, Ernest Cossart, Laura Hope Crews, Edward Everett Horton.

Höchst elegante Komödie, wie es bei Lubitsch nicht anders sein kann. Epochal die Sequenz, in der die Dienerschaft anhand der zurückgebrachten Teller die Lage der im Dreiecksverhältnis befindlichen Herrschaft analysiert. 

»Engelsgesicht« / »Angelface« * * * *
USA 1953, Länge: 90 Minuten, Regie: Otto Preminger, Buch: Frank Nugent, Oscar Millard, Kamera: Harry Stradling, Musik: Dimitri Tiomkin, Schnitt: Frederic Knudtson, Produzent: Otto Preminger.
Mit: Robert Mitchum, Jean Simmons, Leon Ames, Herbert Marshall, Mona Freeman, Barbara O'Neil.

Prisma-online.de: »Frank Jessup ist Chauffeur bei der Familie des erfolgreichen und wohlhabenden Schriftstellers Charles Tremayne. Schon bald verliebt sich Frank in die Tochter des Hauses, die junge Diane. Doch die hat es faustdick hinter den Ohren, denn eines Tages bringt sie ihre Stiefmutter aus Hass um. Allerdings wird bei dem von ihr inszenierten Autounfall auch ihr geliebter Vater getötet. Neben Diane gerät Frank ebenfalls unter Mordverdacht und beide werden gemeinsam vor Gericht gestellt. Durch eine schnelle Heirat können sie die Sympathie der Jury gewinnen und werden freigesprochen. Doch das tödliche Spiel ist noch nicht zu Ende...
Diese totale Machtlosigkeit des Protagonisten, hier Robert Mitchum als Frank Jessup, ist ein typisches Merkmal für den späten film noir. Charakteristisch für die Filmkunst von Regisseur Otto Preminger ist aber auch das Stilmittel der Zeitdehnung, das wohl einzigartig im Hollywood-Kino der Fünfzigerjahre ist. Diane durchwandert das einsame Haus, lässt Erinnerungen aufleben und denkt über ihr Leben nach, das ihr aus den Händen zu gleiten scheint. Die Kameraschwenks und die Gesten der Frau vermitteln Isoliertheit und Einsamkeit - ein Gefühl, das der Exilant Preminger fern ab der Heimat nur zu gut kannte.«

»Es geschah am hellichten Tag« * * * *
BR Deutschland, Schweiz 1958, Länge: 99 Minuten, Regie: Ladislao Vajda, Buch: Friedrich Dürrenmatt, Ladislao Vajda und Hans Jacoby, Kamera: Heinrich Gärtner, Musik: Bruno Canfora, Schnitt: Hermann Haller, Produzent: Lazar Wechsler, Artur Brauner.
Mit: Heinz Rühmann, Michel Simon, Gert Fröbe, Ewald Balser, Berta Drews, Siegfried Lowitz, Maria Rosa Salgado, Anita von Ow, Barbara Haller, Heinrich Gretler.

Friedrich Dürrenmatt hat hervorragende Kriminalromane geschrieben, vor allem natürlich den berühmten "Der Richter und sein Henker" und mit demselben magenkranken Kommissar Bärlach "Der Verdacht". Von diesen Meisterwerken gibt es keine annehmbare Verfilmung, was bei so potenten Stoffen wirklich seltsam ist; alle Versuche sind durchaus ehrbar, aber doch gescheitert, auch an der Kasse. Umgekehrt hat es aber geklappt: Dürrenmatt hat das Drehbuch zu einem Kriminalfilm geschrieben, zu diesem hier, und der ist richtig gut, sogar Heinz Rühmann packt die ungewohnte ernste Rolle. Aus dem Film hat Dürrenmatt dann selber einen Roman ("Das Versprechen") gemacht, auch der von allerbester Qualität und unbedingt lesenswert.

Der Klappentext zum Film: »In einem Wald in der Nähe einer Straße wird ein ermordetes Mädchen gefunden. (...)  Der Hausierer Jacquier wird sofort der Tat verdächtigt, obwohl er selbst die Polizei auf die Leiche des Mädchens aufmerksam gemacht hatte. Doch Kommissar Matthäi ist von Jacquiers Unschuld überzeugt. Er hat den Eltern der ermordeten Gritli Moser "bei seiner Seligkeit" versprochen, dass er den Mörder finden wird. Er erinnert sich an eine Zeichnung des ermordeten Kindes, auf der kleine stachelige Bälle, ein sehr großer Mann und ein Auto zu erkennen waren. Es könnten Trüffel sein, die ein Mann mit einem Auto dem Opfer geschenkt hat. Matthäi mietet eine Tankstelle an der Straße. Er nimmt die junge Frau Heller und ihr Töchterchen Annemarie als Lockvogel ins Haus. Aber sind seine Schutzmaßnahmen für das Kind ausreichend? Dann wird Annemarie eines Tages von einem Fremden angesprochen…« 

Prisma-online.de: »Regisseur Ladislao Vadja ... gelang hier ein psychologischer Kriminalfilm mit wahren Meisterleistungen von Gert Fröbe und Heinz Rühmann. Vajda drehte das Werk, das zu den Highlights des deutschsprachigen Nachkriegskinos zählt, nach einem Originaldrehbuch des Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Friedrich Dürrenmatt. Dieses Drehbuch verarbeitete Dürrenmatt später zu dem Roman »Das Versprechen«.« Und das 2001-Lexikon des Internationalen Films: »Kriminalfilm voll atmosphärischer Spannung und psychologischem Raffinement, mit vorzüglichen Darstellern und Heinz Rühmann in einer seiner ernsten Rollen.«

»Fahrstuhl zum Schafott« / »L'ascenseur pour l'échafaud«
* * * * *

Frankreich 1957, Länge: 90 (Original 92) Minuten, Regie: Louis Malle, Buch: Roger Nimier, Louis Malle, Kamera: Henri Decaë, Musik: Miles Davis, Schnitt) Léonide Azar, Produzent: Jean Thuillier.
Mit: Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Jean Wall, Georges Poujouly, Yori Bertin, Ivan Petrovich, Elga Andersen.

Perfekter französischer Thriller, mit genialer * * * * * *-Musik vom Amerikaner Miles Davis. Cool, schon 1957.

»Der 25jährige Louis Malle drehte mit Ascenseur pour l’échafaud seinen ersten Film in alleiniger Regie, der als Vorläufer der »Nouvelle Vague« gilt.
Julien Tavemier (Maurice Ronet) glaubt, ihm sei ein perfekter Mord gelungen, als er den Mann seiner Geliebten Florence (Jeanne Moreau) nach Dienstschluss in dessen Geschäftsräumen umbringt. Kurz darauf bleibt er im Fahrstuhl des großen Bürohauses stecken, weil der Strom abgeschaltet wird. Während er gefangen im Lift sitzt und Florence später im nächtlichen Paris verzweifelt nach ihm sucht, unternimmt ein junges Pärchen mit Tavemiers gestohlenem Auto eine abenteuerliche Spritztour, die fatale Folgen für alle hat: der junge Mann ermordet im Motel ein Ehepaar.
Zwar wird erst Julien der Tat verdächtigt, doch ein unentwickelter Film aus dem Wagen beweist seine Unschuld. Ein anderes Foto offenbart allerdings seine Beziehung zu Florence – und so kommt die Polizei ihm doch noch auf die Schliche.
Ideale Ergänzung der stimmungsvoll-düsteren Schwarzweiß-Bilder ist die melancholische Jazz-Musik von Miles Davis.« (Deutsches Historisches Museum, Zeughauskino, 2006)

»Fantasia« (1940) * * * * *
USA 1940, Zeichentrickfilm. Produktion: Walt Disney, Ben Sharpsteen, Länge: 120 Minuten. (Originalfassung), 112 Minuten (deutsche Videofassung von 1991/1995). Regie, Buch und Trick der Episoden des Films lag in den Händen mehrerer Dutzend Personen, zu viele um sie hier aufzulisten. Bei »http://www.epilog.de/Film/F_Fk/Fantasia_(USA_1940).htm« findet man gründliche und äußerst interessante Information (Stand 1/2005) zu diesem bahnbrechenden Kinostück. Musik: Johann Sebastian Bach, Toccata und Fuge d-moll, BWV 565, Paul Dukas, Der Zauberlehrling, Modest Mussorgski, Eine Nacht auf dem kahlen Berge, Amilcare Ponchielli, La Gioconda: Tanz der Stunden, Franz Schubert, Ave Maria, Igor Strawinsky, Das Frühlingsopfer, Peter Iljitsch Tschaikowsky, Nußknacker-Suite, op. 71a, Ludwig Van Beethoven, Symphonie Nr. 6 F-Dur, op. 68, »Pastorale«, Philadelphia Orchestra, Leopold Stokowski (Dirigent, Orchestrierung Toccata und Fuge) Mit: Dirigent: Leopold Stokowski, Erzähler: Deems Taylor, Erzähler (digitale Sound-Fassung von 1982): Hugh Douglas, Mickey Mouse (Stimme): Walt Disney, Solistin (Ave Maria): Julietta Novis.

Das 2001-Lexikon des internationalen Films erläutert »Fantasia« so:
»Disneys Versuch, klassische Musik, die erstmals stereophon aufgenommen wurde, mit den Mitteln des Zeichentrickfilms zu illustrieren, wurde erst Jahrzehnte später in seiner ganzen Bedeutung (an-)erkannt. Entstanden ist ein technisch perfekter, einfallsreicher und höchst unterhaltsamer Trickfilm, der zugleich ein radikaler Experimentalfilm ist. Semi-abstrakte Farbspiele illustrieren Bachs "Toccata und Fuge" (Orchestrierung und Dirigat: Leopold Stokowski) unter Mitwirkung des deutschen Filmpioniers Oskar Fischinger; Pilze tanzen zu Tschaikowskis "Nußknacker Suite"; Micky Maus spielt den "Zauberlehrling" von Paul Dukas, mitreißend von James Algar inszeniert; Dinosaurier gibt es zu Strawinsky ("Sacre du printemps"), griechische Zentauren zu Beethovens "Pastorale"; Ponchiellis "Tanz der Stunden" wurde zum grandiosen Ballett für Nilpferde; schließlich folgt ein friedvolles Tableau zu Schuberts "Ave Maria". Dazu ein Gastspiel der "Tonspur", die verschiedene Instrumente visualisiert.«

»Fellinis Roma« / »Roma« * * * *
Italien/ Frankreich 1971, Länge: 119 (DVD 113) Minuten, Regie: Federico Fellini, Buch: Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Kamera: Giuseppe Rotunno, Musik: Nino Rota, Schnitt: Ruggero Mastroianni, Produzent: Turi Vasile.
Mit: Marcello Mastroianni, Alberto Sordi, Federico Fellini, Anna Magnani, Fiona Florence, Peter Gonzales, Gore Vidal.

Mit Modenschau für Priester. Halleluja!

Die ARD (Das Erste Deutsche Fernsehen) anläßlich einer Reihe mit Filmen Fellinis:»Fellinis Film bildet Rom nicht ab, sondern gestaltet es aus seiner subjektiven Sicht in barock übersteigerten Episoden. Erinnerungen an die Kindheit in Norditalien bilden den Auftakt; mit 18 Jahren kommt der junge Fellini (Peter Gonzales) zum ersten Mal in die Metropole und beginnt, sie für sich zu entdecken. Das vollzieht sich auf mehreren Zeitebenen unter wechselnden Perspektiven. Das Rom der kleinen Leute präsentiert sich mit bombastischen Mietskasernen und überfüllten Straßenrestaurants, an deren brechend vollen Tischen die Straßenbahn quietschend vorbeifährt.

Schon im Andrang zur käuflichen Liebe trennen sich die sozialen Milieus - die feineren Herren frequentieren feinere Etablissements. Die Parade der Huren mit ihren freizügig dargebotenen Proportionen und animierenden Derbheiten wechselt ab mit einer "kirchlichen Modenschau" für einen leutseligen Kardinal und anderes illustres Publikum, gipfelnd in einer gespenstischen Papst-Erscheinung.

In einem Bautunnel der U-Bahn begegnen sich Gegenwart und Vergangenheit Roms, als man auf eine über 2.000 Jahre alte Villa stößt; die eindringende Luft zerstört ihre Fresken vor den Augen der Entdecker.

Nur noch hektische Gegenwart ist der infernalische Verkehr auf der römischen Ringstraße, dort tritt Fellini mit seinem Team selber in Erscheinung. Beim beklemmenden Finale kreisen schwarz gekleidete Rocker auf ihren Motorrädern durch die verlassene nächtliche Stadt - moderne "Kentauren", Symbol für den Einfall neuer Barbaren?«

»Findet Nemo« / »Finding Nemo« * * * * *
USA 2003, Trickfilm, Länge: 106 Minuten, Regie: Andrew Stanton, Lee Unkrich, Buch: Andrew Stanton, Bob Peterson, David Reynolds, Kamera: Sharon Calahan, Jeremy Lasky, Musik: Thomas Newman, Schnitt: David Ian Salter.
Sprecher: Albert Brooks, Ellen DeGeneres, Alexander Gould, Willem Dafoe, Brad Garrett, Allison Janney, Austin Pendleton, Stephen Root, Vicki Lewis, Joe Ranft, Geoffrey Rush, Andrew Stanton, Elizabeth Perkins, Barry Humphries, Christian Tramitz, Anke Engelke, Domenic Redl, Udo Wachtveitl, Erkan Maria Moosleitner, Stefan Lust, Thomas Fritsch, Jean Pütz, Martin Umbach, Michael Gahr, Sibylle Nicolai, Claus Brockmeyer, Kai Taschner, Marina Köhler, Frank Lenart, Claudia Lössl, Maxi Belle, Thomas Albus, Willi Röbke, Geraldine Haacke-Guillaume, Johannes Bachmann, Sophia Krois, Kevin Iannotta, Walter von Hauff.

Riesenerfolg berechtigt: Toller, mega-intelligent-witziger Trickfilm!

»Forrest Gump« * * * * *
USA 1994, Länge: 142 (DVD 136) Minuten, Regie: Robert Zemeckis, Buch: Eric Roth, Kamera: Don Burgess, Musik: Alan Silvestri, Schnitt: Arthur Schmidt, Produzent: Wendy Finerman, Steve Tisch, Steve Sharkey, Charles Newirth.
Mit: Tom Hanks, Robin Wright, Gary Sinise, Mykel T. Williamson, Sally Field, Tiffany Salerno, Marla Sucharetza, Jenny Curran, Michael Conner Humphreys, Hanna R. Hall, Geoffrey Blake.

Über diesen wunderbaren makellosen Film steht im Zweitausendeins-Lexikon (vor allem in der Buch-Version) ein solch horrender Blödsinn, daß man irre werden könnte. Bloß nicht lesen. Oder doch: als absurdes Rezensieren.

Der Verleih rühmt seinen Film und hat vollkommen recht:
»Tom Hanks brilliert als Forrest Gump in diesem erstaunlichen Meisterwerk von Regisseur Robert Zemeckis. Ein Film, der schon heute zu den erfolgreichsten aller Zeiten zählt und die Gemüter wie kein anderer bewegt. Drei turbulente Jahrzehnte hindurch erlebt Forrest eine Reihe von Abenteuern, in denen er vom körperlichen Schwächling zum Football-Star wird, vom Vietnamhelden zum Krabben-König und die ihn nach allerhöchsten Ehrungen durch das Weiße Haus in die Arme seiner einzigen, wahren Liebe bringen. Forrest ist die Verkörperung einer Ära – ein Unschuldiger in einem Amerika, das gerade seine Unschuld verliert. Sein Herz weiß, was sein beschränkter IQ nicht fassen kann. Sein moralischer Kompass weicht niemals vom Kurs ab. Seine Triumphe haben uns alle beeindruckt.«

epd-Film 10 / 94: "Ein komplexes, cleveres Spiel um Erfindung und Wirklichkeit, um Rekonstruktion und Dekonstruktion von Geschichte. Zemeckis macht daraus ein Kino zum Staunen. Tom Hanks wandelt durch das Archivmaterial, als sei er schon immer ein Teil der Bilder gewesen; man traut seinen Augen kaum - und weiß nun endgültig, daß man seinen Augen in Zukunft nicht mehr trauen darf. Forrest Gump, das ist lustvolle Geschichtsklitterung als Erzählprinzip. Die eigene Absurdität betont der Film mit schelmischer Freude." *** Ausgezeichnet mit 10 Oscars ***

»Frau ohne Gewissen« / »Double Indemnity« * * * * *
USA 1944, Länge: 108 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, Raymond Chandler, James M. Cain, Kamera: John F. Seitz, Musik: Miklós Rózsa, César Franck, Franz Schubert, Schnitt: Doane Harrison.
Mit: Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson, Porter Hall, Jean Heather, Tom Powers, Byron Barr, Richard Gaines, Fortunio Bonanova, John Philliber.

Super-Klassiker des Film Noir. Dieser verdammte Billy Wilder! Der konnte alles! Jedes Genre. Nur einer konnte das auch, wenn auch auf andere strengere Art. Wer? Das fragen Sie doch nicht ernsthaft.


»Frenzy« * * *
Großbritannien 1971, Länge: 116 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Anthony Shaffer, Anthony Shaffer und Arthur La Bern, Kamera: Gilbert Taylor, Musik: Ron Goodwin, Schnitt: John Jympson, Produzent: Alfred Hitchcock.
Mit: Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt, Anna Massey, Alec McCowen, Vivien Merchant, Billie Whitelaw, Bernard Cribbins, Clive Swift, Michael Bates, Jean Marsh.

Insgesamt einer der schwächeren Filme Hitchcocks; krankt auch an dem völlig uninteressanten Hauptdarsteller, bei dem es einem völlig egal ist, ob er unschuldig ist oder sonstwie verfolgt und eingebuchtet wird. Aber!: Zwei äußerst schöne, berühmt gewordene * * * * *-Sequenzen, die man unbedingt gesehen haben muß: Der Rückzug der Kamera durchs Treppenhaus auf die Straße, als der Mörder ein Opfer in die Falle gelockt hat; und der Versuch des Verbrechers, auf einem fahrenden Kartoffellaster einer im Kartoffelsack steckenden Ermordeten ein Beweisstück aus den totenstarren Fingern zu winden, was mittels Knochenbrechen und während eines Kampfs mit kullernden Kartoffeln vonstatten geht. Ungemein spannende Sequenz allerhöchster Filmkunst! Und auch: Sehr sehr witziger Schluß.
Der Running-Gag, unfreiwillig auf die Mordarten bezogener Nouvelle-Cuisine-Zaubereien der Kommissars-Frau, ist nur im ersten Moment ganz witzig, bei genauerem und öfterem Sehen jedoch eher dürftig, so wie der ganze Plot. Daß Hitchcock hier seine drastischsten Leichen und einen ziemlich fiesen Mörder vorführt, rettet nicht.

»Frühstück bei Tiffany« / »Breakfast at Tiffany's« * * * *
USA 1960, Länge: 115 Minuten, Regie: Blake Edwards, Buch: George Axelrod, Kamera: Franz Planer, Musik: Henry Mancini, Schnitt: Howard A. Smith, Produzent: Martin Jurow, Richard Shepherd.
Mit: Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Mickey Rooney, Buddy Ebsen, Alan Reed, Martin Balsam, José-Louis de Villalonga, John McGiver.

Bitter-süßes Kunststück, feinste Unterhaltung am Nachmittag. Und einfach nur zum Anbeten: Audrey Hepburn.

DVD-Text: »Die Namen von Audrey Hepburn und Holly Golightly sind eins, seit Truman Capotes erfolgreicher Roman zu dieser sprühenden, romantischen Komödie umgestaltet wurde. Holly ist ein zauberhaft-exzentrisches New Yorker Playgirl, das sich in den Kopf gesetzt hat, einen brasilianischen Millionär zu heiraten. George Peppard spielt ihren nächsten Nachbarn, einen Schriftsteller, der von der reichen Patricia Neal unterstützt, aber auch überstrapaziert wird. Als sie ihre gegenseitigen Vorzüge und Fehler entdecken und sich über komische Verwicklungen näher kennen lernen, beginnt eine leidenschaftlich-heitere Romanze.«

»Full Metal Jacket« * * * * *
Großbritannien, USA 1987, Länge: 116 Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Buch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford, Kamera: Doug Milsome, Musik: Abigail Mead, Produzent: Stanley Kubrick.
Mit: Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey, Dorian Harewood, Arliss Howard, Kevyn Major Howard, Ed O'Ross, John Terry, Kirk Taylor.

Der TV-Sender arte zeigt den Film 2007 in einer Kubrick-Reihe und bemerkt im Begleittext:
»Als "unorganisierten Haufen von amphibischer Urscheiße" bezeichnet Sergeant Hartman mit Vorliebe seine Rekruten. Das oscarnominierte Antikriegsdrama "Full Metal Jacket" beschreibt die Grausamkeit und Sinnlosigkeit der Kämpfe in Vietnam ebenso kompromisslos wie Gustav Hasfords Erfahrungsbericht "The Short-Timers", der als Drehbuchgrundlage diente. Die Schizophrenie des Krieges findet ihre Personifizierung in Joker, der sich zwar "Born to kill" - "Zum Töten geboren" - auf den Helm geschrieben hat, an der Jacke aber ein Abzeichen der Friedensbewegung trägt. Durch die Zweiteilung des Films in eine erste Hälfte, die ausschließlich die Rituale der Ausbildung schildert und eine zweite, die aufzeigt, wie wenig das Training mit dem realen Kriegsgeschehen zu tun hat, entfaltet der Film seine verstörende Wirkung.«

Verstörend? - das ist völlig untertrieben. Der Film führt Krieg gegen die Zuschauer. Unbarmherzig.

»Gefährliche Begegnung«, »Die Frau im Fenster« / »Woman in the Window« * * * *
USA 1944. Deutsche Verleihtitel auch: „Jenseits der Liebe“, „Schöne Frauen sind gefährlich“, „Die Frau am Fenster“! Länge: 100 Minuten, Regie: Fritz Lang, Buch: Nunnally Johnson, Kamera: Milton Krasner, Musik: Hugo Friedhofer, Arthur Lang, Schnitt: Gene Fowler jr., Marjorie Johnson, Produzent: Nunnally Johnson. Mit: Edward G. Robinson, Joan Bennett, Thomas E. Jackson, Raymond Massey, Edmond Breon, Dorothy Peterson, Dan Duryea.

Mordsspannend und herrlich überraschend.


»Gefährliche Leidenschaft« / »Gun Crazy« / »Deadly Is The Female«
USA 1949, Länge: 85 Minuten, Regie: Joseph H. Lewis, Buch: MacKinley Kantor, Millard Kaufmann, Kamera: Russell Harlan, Musik: Victor Young.
Mit: Peggy Cummins, John Dall, Barry Kroeger, Annabel Shaw, Harry Lewis, Nedrick Young, Stanley Praeger.  

Der WDR zeigt 2005 den in Deutschland zuerst nur verstümmelt erschienenen Film restauriert und merkt kundig und ausführlich an:
»"Gun Crazy" (1949), ein kleiner, billig produzierter B-Film, der die Geschichte von Bonnie und Clyde variiert, gehört zu den Höhepunkten des "Film noir" der vierziger Jahre. Das Westdeutsche Fernsehen zeigt den Film in der Originallänge. Fünf Szenen von insgesamt etwa sechs Minuten Dauer, die in der deutschen Kinofassung fehlten, sind dabei im amerikanischen Original mit deutschen Untertiteln zu sehen.

Schusswaffen faszinierten den elternlosen Bart Tare schon von klein auf. Mit vierzehn bringt ihn seine gefährliche Leidenschaft in eine Besserungsanstalt. Jahre später begegnet er auf einem Rummelplatz der Kunstschützin Annie Laurie Starr. Er verliebt sich und wird ihr Bühnenpartner. Sie verlieren ihren Job und heiraten. Bart will eine solide Arbeit, Laurie lieber Aufregung, Action und schnell "richtiges" Geld. Sie überredet ihn zum Risiko. Beide geraten in einen Strudel von Leidenschaft und Verbrechen.

Das Tempo von "Gun Crazy" gleicht der verrückten Energie und Vitalität seiner Protagonisten. Deren Aktionen werden immer verzweifelter und gewalttätiger, je enger sich das Netz der Polizei zieht. Dabei enthält sich Regisseur Joseph H. Lewis psychologischer Erklärungen. John Dall spielt einen sensiblen, sympathischen jungen Mann, der eben Waffen liebt; und Peggy Cummins eine starke Frau mit dunkler Vergangenheit und jähen Angstzuständen, die seine Leidenschaft teilt. Für die selbstmörderische Psychopathie der beiden gibt es keine Entschuldigung: sie sind einfach "crazy", völlig verrückt - "knarrengeil". Der Waffenfetischismus ist beiden bereits vorgegeben und bestimmt ihre erotische Annäherung und Sexualität. Die Steigerung der Dosis muss unweigerlich zu Verbrechen und Mord führen. Lewis' Gangster- und Liebespaar drückt sich ausschließlich durch seine immer kriminelleren Aktionen aus. Das Wettschießen und die Raubzüge der beiden werden zum Spiegel ihrer Gefühle füreinander, und, wie sich zeigt, ist diese Liebe noch verhängnisvoller als ihre Liebe zu Waffen. "Wir passen zusammen", sagt John Dall gegen Ende des Films zu Peggy Cummins, "ich weiß nicht warum. Vielleicht wie Waffen und Munition zueinander passen."

In "Gun Crazy" kontrastiert die Hektik der ständigen Flucht und Überfälle mit der Ruhe und Gleichförmigkeit der Landschaft. Mehr noch als sonst im Gangsterfilm wird das Auto zum lebenswichtigen Bestandteil der eigenen Existenz. Eine der besten Szenen des Films zeigt die Vorbereitung und Durchführung eines Banküberfalls 'in einer einzigen langen Einstellung vom Rücksitz des Fluchtwagens aus. Regisseur Joseph H. Lewis über die Dreharbeiten: "Wir räumten den Fond von Peggys Cadillac aus und legten ihn mit Brettern und einem Jockey-Sattel für den Kameramann aus. Vier von uns drängten sich dort hinten zusammen. Wir drehten den Bankraub ohne Straßenabsperrung und ohne die Fußgänger zu informieren, was wir vorhatten. Als jemand .'Überfall' schreit, war das nicht geprobt. Wir fuhren mit laufender Kamera um den Häuserblock, ohne zu wissen, ob vor der Bank überhaupt ein Parkplatz war. Wäre keiner da gewesen, wir wären einfach noch einmal um den Block gefahren."«

»Giganten« / »Giant« * * * *
USA 1956, Länge: 186 (2001-Lexikon sagt: Video/DVD 193!) Minuten, Regie: George Stevens, Buch: Fred L. Guiol, Ivan Moffat, Kamera: William C. Mellor, Musik: Dimitri Tiomkin, Produzent: George Stevens, Henry Ginsberg.
Mit: James Dean, Rock Hudson, Elizabeth Taylor, Mercedes McCambridge, Chill Wills, Jane Withers, Carroll Baker, Dennis Hopper, Rod Taylor, Sal Mineo.

Text zur DVD: »Eines Tages entdeckt der Ranchgehilfe Jett Rink (James Dean) auf seinem eigenen kleinen Stück Land eine riesige Ölquelle. Durch den plötzlichen Reichtum steigt er auf zum mächtigsten Konkurrenten seines ehemaligen Arbeitgebers, des Rinderbarons Bick Benedict (Rock Hudson) und dessen Frau Leslie (Elizabeth Taylor). Aber (wieso aber? - H.M.) das Öl verändert auch sein Leben.« 

Lexikon des Internationalen Films: »Über das menschliche und künstlerische Interesse hinaus eine der bedeutendsten kritischen Selbstdarstellungen der USA im Film. 'Oscar' für Regisseur Stevens; letzte Filmrolle für James Dean.« 

»Gilda« * * * * *
USA 1946, Länge: 110 Minuten, Regie: Charles Vidor, Buch: Marion Parsonnet und Ben Hecht, Kamera: Rudolph Maté, Marlin Skiles, Musik: Marlin Skiles und Morris W. Stoloff, Produzent: Virginia van Upp, Virginia Van Upp.
Mit: Rita Hayworth, Glenn Ford, George MacReady, Steven Geray, Joseph Calleia, Joseph Sawyer, Gerald Mohr, Robert Scott, Ludwig Donath, Donald Douglas, Lionel Royce, Saul Z. Martel, George J. Lewis, Rosa Rey, Ruth Roman, Ted Hecht, Argentina Brunetti, Jerry DeCastro.

Großer Klassiker des Film Noir. Berühmt der "Handschuh-Striptease" von Rita Hayworth.

Text zur DVD: »Der Film, der Rita Hayworth unsterblich machte! Sie spielte Gilda, eine temperamentvolle, verführerische Frau, die nur ein Ziel hat: so viele Männer wie nur möglich zu bezaubern und sie sich hörig zu machen. Auf einer Geschäftsreise lernt Ballin Mundson (George MacReady), der Boss eines illegalen Spielcasinos in Südamerika, Gilda kennen, heiratet sie und nimmt sie mit in seine tropische Heimat. In dieser Welt des Glückspiels, der Schmuggler und der Killer trifft Gilda auf Mundsons rechte Hand Johnny Farrell (Glenn Ford), mit dem sie früher mal eine kurze, aber stürmische Affäre hatte. Ausgerechnet Johnny erhält von Mundson den Auftrag auf Gilda aufzupassen. Johnny versucht, standhaft zu bleiben und erweckt dadurch Gildas Ehrgeiz, ihn erneut zu verführen. Das Satansweib macht ihm das Leben zur Hölle.«

»Gladiator« * * * * * *
USA 2000, Länge: 155 Minuten, Regie: Ridley Scott, Buch: David Franzoni, John Logan, William Nicholson, Kamera: John Mathieson, Musik: Hans Zimmer, Lisa Gerrad, Produzent: Douglas Wick, David Franzoni, Branko Lustig, Steven Spielberg.
Mit: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Derek Jacobi, Bodo Wolf, Djimon Hounsou, Richard Harris, David Schofield, John Shrapnel, Ralf Möller, David Hemmings.

Ganz großartiger Film. Das ist Kino! Überraschend: Auch die deutsche Filmkritik hat hier Momente von Durchblick und Hellsichtigkeit. René Classen schreibt im 2001-Lexikon des Internationalen Films eine sehr lesenswerte Rezension. Zum Beispiel: »Scott hat endlich wieder zu alter Form zurückgefunden. Dabei wird "Gladiator" gewiss nicht überall auf Beifall stoßen, stemmt sich Scott doch bewusst gegen derzeit dominante Trends im aktuellen Filmbetrieb. Jenseits von postmoderner Coolness und ironischer Distanz setzt er allein auf die Effektivität einer mit Ernst und Entschlossenheit erzählten Geschichte, die aufgrund ihres Heldenkults die Testosteron-Toleranz mancher Zuschauer überfordern mag, aber in ihrer emotionalen Direktheit die geballte Kraft des Kinos mobilisiert.(...)

Scott erzählt eine Tragödie von epischem Ausmaß, deren Protagonisten von Emotionen in existenzieller Reinheit angetrieben werden. Dennoch hat er nicht den Fehler begangen, sie zu lebensfernen Idealtypen zu überhöhen.
Vielmehr gelingt ihm der delikate Balanceakt zwischen Psychologie und Pathos, der es dem Betrachter erlaubt, die Figuren als Menschen ernst zu nehmen, auch wenn sie innerhalb eines überlebensgroßen Kontexts agieren.
 (...)
Auch wenn er mit gewaltigen Landschaftspanoramen regelmäßig die monumentale Dimension der Geschichte betont, bewirkt seine präzis-pointierte Bildsprache, dass sich das erhabene Epos zum individuellen Drama verdichtet und man den Mann aus dem antiken Rom als eine tragische Heldenfigur akzeptiert.«

Gewonnene Oscars 2001: Best Picture,Best Actor in a Leading Role (Russell Crowe), Best Costume Design, Best Effects, Visual Effects, Best Sound.

Oscar-Nominierungen: Best Actor in a Supporting Role (Joaquin Phoenix), Best Art Direction-Set Decoration, Best Cinematography, Best Director, Best Editing, Best Music, Original Score (Hans Zimmer), Best Writing, Screenplay Written Directly for the Screen.
Hans Zimmer hätte den Musik-Oscar unbedingt bekommen müssen. Zusammen mit der phänomenalen Lisa Gerrard von "Dead Can Dance" hat er für "Gladiator" eine betörende Untermalung komponiert, die äußerst kunstvoll die Musik der hier auftretenden Völker des Römischen Imperiums zitiert und melangiert. Der Film ist ja in Wahrheit ein ganz und gar europäischer Film. Von Germanien bis nach Spanien (und Nordafrika), von Gallien bis hinter die östlichen Gestade des Mittelmeers herrscht Rom und wird Rom gemacht, aus diesem großen Reich, das fast deckungsgleich ist mit der angestrebten EU, kommen die Menschen im Film, die Kulturen. Bezeichnend aber, daß Europa nicht imstande war, diesen seinen Film zu drehen. Die Europäer (Scott, Zimmer etc.) schafften das nur dank der filmischen Kraft & Macht des neuen Rom. 

»Goldenes Gift« / »Out of the Past« * * * *
USA 1947, Länge: 97 Minuten, Regie: Jacques Tourneur, Buch: Geoffrey Homes, James M. Cain (ungenannt), Frank Fenton (ungenannt), Kamera: Nicholas Musuraca, Musik: Roy Webb und Constantin Bakaleinikoff, Produzent: Warren Duff.
Mit: Robert Mitchum, Kirk Douglas, Jane Greer, Steve Brodie, Virginia Huston, Rhonda Fleming, Richard Webb, Paul Valentine, Dickie Moore, Lee Elson, Ken Niles, Frank Wilcox, Mary Field.

Tim Dirks, der Autor von »The Greatest Films« auf seiner »filmsite.org«, überschlägt sich förmlich in Bewunderung. Vielleicht ein bisschen zu sehr, aber wie er’s macht und warum, das ist lesenswert:
»Out of the Past (1947), is one of the greatest, multi-layered film noirs of all time. The downbeat screenplay was based on Geoffrey Homes' (a pseudonym - his real name was Daniel Mainwaring) 1946 novel Build My Gallows High, a book that consciously imitated Dashiell Hammett's The Maltese Falcon (1941). (An uncredited James M. Cain wrote some of the script.)
Director Jacques Tourneur, who collaborated with legendary producer Val Lewton, was well-known for his subtle horror films, including Cat People (1942) and I Walked With A Zombie (1943). (And this film marked the third and final time that Tourneur worked with cinematographer Nicholas Musuraca.) His masterful ability to create a doom-laden, dark, shadowy mood of terror, assisted by black and white cinematographer Nicholas Musuraca, is perfectly blended into this tragic film noir classic. Unfortunately, the film was ignored and lacked even a single nomination by the Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

The quintessential classic film noir masterpiece from RKO, a definitive flashback film of melodramatic doom, contains all the elements of the genre. First and foremost, there is an irresistible but deadly, chameleon-like femme fatale (Greer) who is the object of romantic fascination for both a detective Mitchum) and a gangster (Douglas). Themes of betrayal, passion, and a cynical, perverse, and a morally ambiguous atmosphere are all interwoven and entangled together in a confusing and convoluted dark plot (mixing narrative flashback with linear narrative) with both double- and triple-crosses. Eventually, all three individuals meet their inescapable, tragic ends typical of a Shakespearean-level tragedy.
The three major figures in the film are iconic symbols, perfectly and vividly portrayed: the sleepy-eyed, ill-fated, joyless and laconic investigator Jeff (Robert Mitchum in one of his defining roles), lethal and slick racketeer/gangster czar Whit (Kirk Douglas in his fourth film), and the self-indulgent, lethal, and erotic enchantress Kathie (Jane Greer) - she ultimately has the upper hand over both male leads. Director Taylor Hackford's remake, titled Against All Odds (1984), starring Jeff Bridges, James Woods and Rachel Ward (and with Jane Greer in a cameo role as the mother of her original character), was an inferior work.«

»Goldfinger« * * * * *
Großbritannien 1964, Länge: 106 Minuten, Regie: Guy Hamilton, Buch: Richard Maibaum und Paul Dehn, Kamera: Ted Moore, Musik: John Barry, Produzent: Albert R. Broccoli, Harry Saltzman. Mit: Sean Connery, Gert Fröbe, Bernard Lee, Desmond Llewelyn, Harold Sakata, Honor Blackman, Lois Maxwell, Tania Mallett, Martin Benson, Austin Willis, Shirley Eaton.

Zweifellos der beste aller Bond-Filme (vor dem leider sofort und bis heute fast völlig verkannten »Im Geheimdienst Ihrer Majestät« mit George Lazenby und Diana Rigg). Sean Connery ist in »Goldfinger« nach zwei sehr ansehnlichen  Trainingsfilmen (»James Bond jagt Dr. No« und »Liebesgrüße aus Moskau«) in viril-lässiger und britisch-spöttischer Höchstform. Sein Gegenspieler Gert Fröbe als »Auric Goldfinger« ist ein Bösewicht der absoluten Sonderklasse und hat einen horrormäßigen Butler, der Frauen durch Vergolden tötet, Golfbälle in der Hand zerkrümelt und einen Hut trägt, der mit tödlicher Krempe sogar Mamorstatuen mühelos im Fluge köpft. Der Film wimmelt von fantastischen Ideen und Überraschungen, nicht nur bei den Todesarten, er hat hohes Tempo und eine Menge von klügerem, oft sogar recht elegantem Witz.
Was den zuständigen Autor des »2001-Filmlexikons« geritten hat, das Folgende zu schreiben, ist für mich völlig unerfindlich: »Der englische Geheimagent James Bond ("007") im Einsatz gegen den Chef einer mit rotchinesischen Agenten durchsetzten Verbrecherorganisation, der die in Fort Knox eingelagerten Goldreserven der USA atomisieren will. Der dritte Bond-Film ist ein betont jenseits aller Glaubwürdigkeit angesiedeltes Kino-Abenteuer in der hinlänglich bekannten, formal nicht ungeschickten Mischung aus Science Fiction, Erotik und Brutalitäten. Die in ihrer Verschwommenheit und Pauschalität abträgliche machtpolitische Charakterisierung der Konflikte wird durch die Irrealität der Ereignisse nur bedingt ausgeglichen.«
Ach herrje! Jeder, der »Goldfinger« schon mal gesehen hat (kann man immer wieder), der weiß, daß diese Kritik ein haarsträubender Stuß ist. Da kann man doch nur sagen: Dieser Autor sollte nicht die Lizenz zum Schreiben von Filmkritiken haben. Man ist geschüttelt, nicht gerührt.

»Goldrausch« / »The Gold Rush« * * * * *
USA 1924/25, Länge: 78 Minuten, Regie: Charles Chaplin, Buch: Charles Chaplin, Kamera: Roland H. Totheroh, Musik: Charles Chaplin, Produzent: Charles Chaplin.
Mit: Charles Chaplin, Georgia Hale, Mack Swain, Tom Murray, Betty Morissey.

Legendär die Szene, in der Chaplin von Hunger getrieben seinen Schuh verspeist. Aber höchst kultiviert, mit Messer und Gabel. Die Schnürsenkel werden zu Spaghetti. Filmbilder für die Ewigkeit.

Text zur DVD-Veröffentlichung: »Über Goldrausch ist Charles Chaplins berühmte Aussage überliefert: „Mit diesem Film möchte ich in Erinnerung bleiben.“ 1998 erinnerten sich führende Filmkritiker und Experten – und wählten diese einzigartige Komödie in die vom American Film Institute zusammengestellte Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten.
Chaplins kleiner Tramp lässt sich nicht unterkriegen: diesmal will er bei der Goldsuche im Yukon-Gebiet reich werden. Der unsterbliche Filmklassiker wird hier sowohl in Chaplins späterer Wiederaufführungsversion aus der Tonfilmzeit (Disc 1) als auch in einer restaurierten, originalen Stummfilmversion präsentiert (Disc 2).
Erleben Sie mit, wie der Tramp der schrecklichsten Not komische Seiten abgewinnt, wenn er als Thanksgiving-Festmahl seinen gekochten Schuh verspeist, in einer über dem drohenden Abgrund balancierenden Blockhütte herumrutscht, einen skurrilen Brötchentanz choreografiert und jeder Gefahr unerschrocken und tapfer ins Auge blickt.«

»Gremlins – Kleine Monster« / »Gremlins« * * * * *
USA 1984, Länge: 108 Minuten, Regie: Joe Dante, Buch: Chris Columbus, Kamera: John Hora, Musik: Jerry Goldsmith, Produzent: Steven Spielberg.
Mit: Zach Galligan, Hoyt Axton, Frances Lee McCain, Phoebe Cates, Polly Holliday, Scott Brady, Glynn Turman, Dick Miller, Don Steele, John Louie, Keye Luke, Arnie Moore, Judge Reinhold.

Einer der umwerfendsten "Weihnachtsfilme“, liebenswert und zynischgemein. Klasse! Der Plot: Ein seltenes puscheliges süßes Kuscheltier bekommt, weil die neuen Besitzer die Gebote nicht befolgen und die Warnungen nicht achten, bösartige Ableger, garstige Mini-Tyranno-Vampir-Drachen, die sich durch Kontakt mit Wasser explosionsartig vermehren und eine weihnachtliche amerikanische Kleinstadt terrorisieren. Das alles ist umwerfend komisch und ist eine Mordssatire.
Hier einige der großen Momente: Der Familienvater ist Erfinder, aber alle seine Maschinchen funktionieren nicht wie gedacht, sie taugen nur etwas als Vernichtungsapparate für die bösen Gremlins, womit sie aber im von Gremlins unterwanderten Haushalt überraschend nützlich sind. Urkomisch: Die Hausfrau wird von einem Weihnachtsbaum auf den Rücken gelegt und förmlich vergewaltigt, wobei der natürlich unschuldige Weihnachtsbaum nur auf sie fällt, weil einer der Fies-Gremlins drin sitzt. Rasant böse: Die Gremlins vermehren sich ausgerechnet im Schwimmbad des YMCA, des "Christlichen Vereins Junger Männer“ (in Deutschland: CVJM), ein ganz besonderes "Taufwasser“ also; anschließend sitzt die ganze bunte Chaos-Gremlin-Truppe im Kino und lacht sich über Disneys Schneewittchen-Film schlapp und kaputt – eine völlig irre * * * * * *-Szene: als sich die Tür zum Kinosaal öffnet, traut man seinen Augen nicht – toll, toll, toll!. Und noch eins (von vielem): Das junge vaterlose Mädchen im Film erzählt eine traurige Weihnachtsgeschichte. Denn ausgerechnet an Weihnachten war einst der Vater verschwunden. Viel später merkte man, daß mit dem Kamin was nicht stimmte – tja, da steckte der Vater drin, der für seine Familie den Weihnachtsmann hatte machen wollen.
Also: ganz großes Juchhuu, unbedingt an den Weihnachtstagen zu gucken. Wirkt bestens gegen zuviel Süßes.

»Große Freiheit Nr.7« * * * *
D 1943/44, Länge: 109 (Original 112) Minuten, Regie: Helmut Käutner, Buch: Helmut Käutner, Richard Nicolas, Kamera: Werner Krien, Musik: Werner Eisbrenner, Schnitt: Anneliese Schönnenbeck, Produzent: Hans Tost.
Mit: Ilse Werner, Hans Albers, Gustav Knuth, Helmut Käutner, Günther Lüders, Hans Söhnker.

Wunderbarer Film, trotz Drehzeit im totalen Krieg kein bißchen vom Nazismus kontaminiert. Ganz nebenbei ein Beleg für den richtigen Durchhaltewillen, nämlich den von Künstlern – und ihre Kunst die Kunst über diese Zeit zu retten. Käutner dafür hoch zu rühmen. Sein folgender Film "Unter den Brücken" ist für mich bis auf den heutigen Tag der schönste deutsche Film, der noch im Krieg das zeigt, was kommen wird: Frieden, freie Menschen.

Text zur DVD: »Die Matrosen Fiete, Jens und Karl sind gemeinsam mit dem großen Hannes auf der "Padua" zur See gefahren. Als sie in Hamburg vor Anker gehen, statten sie ihrem alten Freund einen Besuch ab. Hannes ist jetzt Stimmungs-Sänger im "Hippodrom" auf St. Pauli. Gerne denkt er an die schöne Zeit auf See zurück. Doch auch im "Hippodrom", wo es rauh, aber herzlich zugeht und Liebe und Alkohol groß geschrieben werden, fühlt sich der Mann mit dem goldenen Herzen und der unverwechselbaren Stimme wohl. Kurz nach der Wiedersehensfeier jedoch stirbt Hannes Bruder. Auf dem Sterbebett bittet er ihn um einen Gefallen: Hannes soll sich um seine Braut Gisa kümmern, die er einst sitzen ließ. Hannes holt Gisa zu sich nach Hamburg, doch die Begegnung droht den starken Mann aus der Bahn zu werfen. Obwohl Gisa Interesse an ihm zeigt, kann Hannes sich nicht entscheiden. Erst als er sie an den jungen Werftarbeiter Willem zu verlieren droht, merkt er durch seine Eifersucht, wie sehr er sich zu ihr hingezogen fühlt. Seine drei ehemaligen Kollegen versuchen währenddessen, Hannes zu überreden, wieder mit ihnen zur See zu fahren. Er muss sich entscheiden...«

»Günstling einer Königin« / »The Private Lives of Elizabeth and Essex« * * * *
USA 1939, Länge: 107 Minuten, Regie: Michael Curtiz, Buch: Norman Reilly Raine und Aeneas MacKenzie, Kamera: Sol Polito und W. Howard Greene, Musik: Erich Wolfgang Korngold, Produzent: Hal B. Wallis.
Mit: Bette Davis, Errol Flynn, Olivia De Havilland, Donald Crisp, Alan Hale, Vincent Price, Leo G. Carroll, Nanette Fabares, Henry Stephenson, Henry Daniell, James Stephenson, Ralph Forbes.

Fabelhaft, wie Bette Davis mit Unschönheit den smarten Errol Flynn an die Wand spielt. Diese verdammte Bette Davis muß man auch hier gesehen haben.

Text zur DVD: »In Günstling einer Königin stellten Bette Davis und Errol Flynn das faszinierende Privatleben von Königin Elizabeth I. und dem Earl of Essex der Öffentlichkeit vor: Der verschwenderisch ausgestattete Technicolor-Bilderbogen erzählt von der zum Scheitern verurteilten Liebe zwischen der alternden Monarchin und dem schneidigen Edelmann. In dieser Rolle verzichtete die zweifache Oscar®-Preisträgerin Bette Davis völlig auf ihr Glamour-Image – sie ließ sich die Augenbrauen und den Haaransatz rasieren und das Gesicht kalkweiß schminken. Dennoch spielt sie die Königin derart intelligent, energisch und intensiv, dass man ihr die Romanze mit dem Jahrzehnte jüngeren Essex unbedingt abnimmt (Flynn mit seinem bemerkenswert guten Aussehen und seiner sportlichen Präsenz stand damals im Zenit seiner Karriere). Die Verfilmung des Theaterstücks Königin Elizabeth von Maxwell Anderson inszenierte Michael Curtiz – fünf Oscar®-Nominierungen waren die Belohnung. Das Drehbuch nimmt es mit den historischen Tatsachen nicht so genau, macht aber bei der Dramatik der Ereignisse keine Abstriche.«

»Hatari« * * *
USA 1961, Länge: 159 Minuten, Regie: Howard Hawks, Buch: Leigh Brackett, Kamera: Russell Harlan, Joseph Brun, Musik: Henry Mancini, Produzent: Howard Hawks.
Mit: John Wayne, Elsa Martinelli, Hardy Krüger, Red Buttons, Gérard Blain, Michèle Girardon, Valentin de Vargas, Eduard Franz, Bruce Cabot.)

Frau und das Rudel der 12 Kinder meinen, dieser elefantöse Film gehöre unbedingt in jede Best-of-Movie-Liste, also auch in diese. Meinetwegen: mindestens der »Baby-Elephant-Walk« vom großen Henry Mancini gehört ja auch tatsächlich zur Filmgeschichte.
Mein Freund Jochen weist übrigens ganz richtig darauf hin, daß es in »Hatari« letztens Endes darum geht, die Frau einzufangen, und daß der toughe Großwildjäger John Wayne damit keine kleinen Schwierigkeiten hat.

Text zur DVD: »Eine Handvoll Großwildjäger geht in Ostafrika einem harten Job nach. Mit Spezialjeeps jagen sie für Zoos wilde Tiere. Ihr Boss ist die energische Brandy, vor der hartgesottene Kerle wie Sean und Kurt Respekt haben. Für einige Verwirrung sorgt die attraktive Fotografin Dallas, die eine Bildreportage über afrikanische Großwildjagd machen möchte, jedoch mit den harten Bedingungen für diesen Job ihre liebe Not hat. Doch Dallas schafft es, nicht nur den Männern den Kopf zu verdrehen, sondern sich auch in dem eingeschworenen Team durchzusetzen.«

»Heat« * * * * *
USA 1995, Länge: 170 (164) Minuten, Regie: Michael Mann, Drehbuch: Michael Mann, Kamera: Dante Spinotti, Schnitt: Pasquale Buba, William Goldenberg, Dov Hoenig, Tom Rolf, Musik: Elliot Goldenthal, Produktion: Art Linson, Michael Mann, Gusmano Cesaretti, Kathleen M. Shea.
Mit: Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Diane Venora, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan.

Filmhai.de konstatiert treffend: "Spannender, atmosphärisch dichter Thriller von archaischer Wucht, der neben einem furiosen Actionspektakel ein mitreißendes Psychogramm zweier seelenverwandten Protagonisten bietet, die von Robert De Niro und Al Pacino auf den Punkt gespielt werden. Bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt."

Kann man wohl sagen. »Heat« ist einer der besten Cop-/Gangsterfilme überhaupt, gehört ganz klar zur Alltime-Spitze, im Augenblick des Erscheinens ein Klassiker. In allen cinematographischen Kategorien von atemberaubender Exzellenz: Darsteller, Buch, Regie, Kamera, Schnitt, Musik - größte Klasse. Und sträflich misshandelt: Wie man dem verkrampft konstruierten, satt mißglückten, völlig belanglosen »The Departed« (deutsch: »Departed: Unter Feinden«) einen Oscar geben kann, während der haushoch bessere »Heat« mit einer verwandten Story im selben Genre einst leer ausging, kann niemand verstehen können. Wahrscheinlich mußte Scorcese mit Gewalt endlich einen Academy Award kriegen, weil er in dem Alter ist, wo jeder Film der letzte sein kann. »The Departed« war jedenfalls: Das Letzte. Nicht cool, noch nicht mal lauwarm. Aber es gibt ja: Heat.

»Heimat« * * * * *
Eine Chronik in elf Teilen von Edgar Reitz
BRD 1984, Länge: 924 Minuten, Regie: Edgar Reitz, Buch: Edgar Reitz, Peter Steinbach, Kamera: Gernot Roll,  Musik: Nikos Mamangakis, Ton: Gerhard Birkholz, Besetzung: Robert Busch, Ausstattung: Franz Bauer, Schnitt: Heidi Handorf, Produktionsleitung: Inge Richter.
Mit: Marita Breuer, Jörg Richter, Sabine Wagner, Gertrud Bredel, Dieter Schaad, Gudrun Landgrebe, Michael Lesch, Eva Maria Bayerswaltes, Johannes Metzdorf, Peter Harting, Michael Kausch, Karin Kienzler, Gabriele Blum, Johannes Lobewein, Rüdiger Weigang, Hans-Jürgen Schatz, Karin Rasenack, Kurt Wolfinger, Willi Burger, Kurt Wagner, Jörg Hube, Eva Maria Schneider, Frank Wies, Wolfram Wagner, Mathias Kniesbeck, Markus Reiter, Rolf Roth.

Das Erste, die ARD, das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland, das dieses zugleich einfache und monumentale, zarte und gewaltige Werk möglich gemacht hat, faßt zusammen: »Die erste Staffel der legendären Heimat-Reihe wurde 1984 im Ersten ausgestrahlt. Sie bestand aus elf Filmen mit einer Gesamtlänge von 15 Stunden, die die Chronik einer Familie im Hunsrück von 1919 bis 1982 erzählte:
Heimat beschrieb das Leben der Familie während der Nazi-Zeit, dem Krieg und im neu gewonnenen Frieden. 1967 stellt sich das Wirtschaftswunder ein und alles scheint möglich. Eine Familien-Saga, die stets dicht mit der deutschen Geschichte verwoben war. 

Das Buch. Trilogie, weil auch mit Heimat 2 und Heimat 3.Die Chronik beginnt 1919, als Paul Simon aus dem Ersten Weltkrieg in das fiktive Hunsrückdorf Schabbach zurückkehrt. Er heiratet Maria Wieland und bekommt mit ihr zwei Söhne: Anton und Ernst. Doch dann lässt Paul seine Familie in Stich, verschwindet nach Amerika und Maria muss sich und die Kinder alleine durchbringen. 
Der Zweite Weltkrieg geht auch an Schabbach nicht spurlos vorüber, die Nazis spalten das Dorf. Maria lernt einem neuen Mann kennen, der bald darauf umkommt, ihr jedoch noch ein Kind schenkt: den kleinen Hermann, genannt "Hermännchen". 
Als Jugendlicher verliebt sich Hermann in ein Dienstmädchen und ruft damit den heftigen Widerstand der Familie hervor. Die Zwänge im Dorf und der Familie treiben Hermann davon: Er will fort aus dem Hunsrück und nie mehr zurückkehren. Hermann flieht nach München und versucht sein Glück als Künstler und Komponist. Die Saga endet mit Marias Tod im Jahr 1982. Zu Beerdigung kommt die Familie noch einmal in Schabbach zusammen.«

Die elf Teile: 
1. Fernweh 1919–1928 / 2. Die Mitte der Welt 1929 – 1933 / 3. Weihnacht wie noch nie 1935 / 4. Reichshöhenstraße 1938 / 5. Auf und davon und zurück 1938 – 1939 / 6. Heimatfront 1943 / 7. Die Liebe der Soldaten 1944 / 8. Der Amerikaner 1945 – 1949 / 9. Hermännchen 1955 – 1956 / 10. Die stolzen Jahre 1967 / 11. Das Fest der Lebenden und der Toten 1982

Die Chronik in 11 Teilen auf 5 DVDs.»Würde ein Lebewesen von einem fernen Planeten uns die Frage stellen, welche Filme man sehen müsste, um Auskunft zu bekommen über Deutschland im 20. Jahrhundert, so würde der Heimat-Zyklus von Edgar Reitz wohl zu den wichtigsten Empfehlungen gehören. Rund 25 Jahre, ein halbes Arbeitsleben, hat der Autor und Regisseur damit verbracht, eine Familien-Geschichte zu erzählen, die in einem kleinen Hunsrückdorf beginnt und mit ihren Zentrifugalkräften die Figuren weit durch Deutschland und andere Länder treibt und sie doch immer wieder zurückkehren lässt an ihren Ausgangspunkt.« (Süddeutsche Zeitung - 21.09.2004) / »Von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg über den Nationalsozialismus bis in die Sechziger und Siebziger hatte Edgar Reitz in seiner Heimat-Serie die Chronik ihrer Familie erzählt, als Generationen- und Epochenreigen, der eine Art kollektives deutsches Fernsehgedächtnis ergab. In diesen breit ausholenden, manchmal seltsam überhöhten Filmen fanden sich die politischen Katastrophen und soziologischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts genauso wieder wie die Tonlagen der einzelnen Jahrzehnte.« (Die Zeit - 09.09.2004)

»Help!« * * * *
Großbritannien 1965, deutsch "Hi-Hi-Hilfe!" (!!!). Länge: 91 Minuten, Regie: Richard Lester, Buch: Marc Behm und Charles Wood, Kamera: David Watkin, Musik: Ken Thorne, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Schnitt: John Victor-Smith, Produzent: Walter Shenson.
Mit: John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison, Roy Kinnear, Leo McKern, Eleanor Bron, Victor Spinetti, John Bluthal, Patrick Cargill.

Schöner Film mit den Beatles, skurril, zitiert das jedem Briten bekannte Buch von Wilkie Collins "Der Monddiamant". Natürlich herrlichste Musik: Help / The Night Before / You've Got To Hide Your Love Away / I Need You / Another Girl / You're Going To Lose That Girl / Ticket To Ride.

Ende 2007 ist eine restaurierte Fassung auf DVD herausgekommen. Wunderbar gelungen. So schön hat man den herrlichen Film noch nie sehen können. Ein großes Glück und Juchhu. Auch im Sound. Wahrscheinlich deshalb keine deutsche Synchronisation. War sowieso nicht das Gelbe vom Ei und bei einem Musikfilm mit den genialen Fab Four eh überflüssig. Extra: Großes (teures) limitiertes Package mit reichlich Devotionalien: Drehbuch, Foto-Album, Kopien von Schaukasten-Fotos, Making of ..., Dokumentation der Restaurierung, Trailer. Dies aber nur für Super-Fans a must.

»High Noon - 12 Uhr mittags« * * * * * *
USA 1952, Länge: 85 Minuten, Regie: Fred Zinnemann, Buch: Carl Foreman, Kamera: Floyd Crosby, Musik: Dimitri Tiomkin, Ned Washington (Titel-Song gesungen von Tex Ritter), Schnitt: Elmo Williams, Produzent: Stanley Kramer.
Mit: Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado, Lloyd Bridges,  Thomas Mitchell, Otto Kruger, Ian MacDonald, Lee Van Cleef, Sheb Wooley, Robert Wilke, Jack Elam.

Bester Western aller Zeiten. Die Quintessenz. Über das Genre hinaus ein unfaßbar großartiges Meisterwerk. Keine überflüssige Sekunde. Unerbittlich vorwärtsschreitend wie die Zeit, stoisch wie der Takt der immer sichtbaren Uhren; wie in ihrem Inneren greift alles präzise ineinander. Motive und Bilder, die einen Kanon gesetzt haben, auch einen ikonographischen Katalog, aus dem sich unzählige Filmemacher bedient haben und noch bedienen werden, bewußt oder unbewußt; in krassester Manier natürlich Sergio Leone in "Spiel mir das Lied vom Tod", dessen gesamte ausgedehnte Anfangssequenz die unverhohlene cinemascopische Variation eines Hauptmotivs von "High Noon" ist (natürlich eine Hommage, kein Diebstahl). Auch Leone sah: Dieser Film hat die wunderbare Makellosigkeit einer Skulptur von Michelangelo (Buonarroti!), bei der vom Stein nur das Wichtige geblieben ist.

Text zur DVD-Veröffentlichung: »Am Tag seiner Hochzeit steht Sheriff Will Kane vor einer schweren Gewissensentscheidung. Eigentlich wollte er mit seiner jungen Frau Amy die Stadt verlassen. Doch der gefürchtete Mörder Frank Miller hat sich angekündigt, um sich für die sieben Jahre Zuchthaus zu rächen. Soll Kane sich, von Freunden und Mitbürgern verlassen, in der ausgestorbenen Stadt Miller und seinen drei Komplizen stellen? Oder Amy's Bitten nachgeben, die als Quäkerin jede Form der Gewalt verabscheut?
Als um zwölf Uhr Mittag der Zug in der glühenden Hitze im Bahnhof einrollt, kommt alles ganz anders...« 
Beziehungsweise, sagen wir mal so: es kommt wie es kommen muß! (H.M.) Achja, nicht zu vergessen, auch so ein bemerkenswertes Kunststück: Filmzeit = Realzeit.

»House Of Flying Daggers« / »Shi Mian Mai Fu« * * * * 
(* * * * * * Der Kampf im Bambuswald)
VR China/Hongkong 2004, Länge 120 Minuten, Regie: Zhang Yimou, Buch: Zhang Yimou, Li Feng, Wang Bin, Kamera: Zhao Xiaoding, Musik: Umebayashi Shigeru, Schnitt: Cheng Long, Produzent: Zhang Yimou, William Kong.
Mit: Andy Lau, Song Dandan, Takeshi Kaneshiro, Zhang Ziyi Mei.

Ein vor Schönheit und Stilbewußtsein strotzender Film, den man sich schon allein wegen zweier unglaublicher Sequenzen ansehen muß: Eine blinde Tänzerin soll tanzend um sie herum aufgestellte Gongs treffen, und zwar so, wie die zuvor von geworfenen Steinchen getroffen und zum Tönen gebracht wurden – es werden immer mehr prasselnde Steine, Töne ...

Und dann: Das Liebespaar wird von Soldaten durch einen Bambuswald gejagt. Diese Soldaten aber bewegen sich durch die Wipfel - atemberaubend, auch wegen der überwältigenden Schönheit der Szene resp. Sequenz.

Das unverzichtbare »Lexikon des Internationalen Films« (per Internet stets aktuell) spricht mir wieder mal aus dem Herzen:

»Abenteuerliches Melodram um eine blinde Tänzerin, die heimlich einer Untergrundorganisation angehört und gegen einen tyrannischen Herrscher antritt, wobei ihre Liebe und ihre Glückshoffnungen von der unerbittlichen Macht der Geschichte zerstört werden.

Das grandiose Drama verbindet furiose Martial-Arts-Duelle und Verfolgungsjagden mit einer ausgefeilten Bildsprache und besticht nicht zuletzt durch schiere Schönheit.

Reich an Bezügen zur alten chinesischen Malerei sowie zur Ästhetik der Peking-Oper, fesselt der Film zudem durch seine eigenwillige Landschaftspoetik sowie seine durchdachte Farbdramaturgie, die das Geschehen kommentiert und vertieft.«


Genauer gesagt: Wenn Sie hier klicken.


* Abbildungen stammen sämtlich aus frei zugänglichen Quellen ohne Urheberrechtsvorbehalte und dienen nur der Dokumentation der Filmempfehlung auf dieser privaten nicht-kommerziellen Homepage von Hubert Maessen, eMail: hmaessen/at/web.de*. */at/ eingesetzt zum Schutz vor JunkMail-Robotern. Bitte /at/ also durch das korrekte Adresszeichen @ ersetzen.

Daten und Anregungen aus vielen Quellen...
Namentlich: Aus dem »Zweitausendeins-Lexikon des Internationalen Films«, das zusammen mit seiner Online-Ergänzung (www.filmevona-z.de) unentbehrlich ist. Natürlich »International Movie Database« im WWW (www.imdb.com). Im Netz auch die schnelle kleine Datenbank deutscher Tageszeitungen »www.prisma-online.de«, die gesuchte Filme mit den nächsten TV-Terminen listet, was nützlich ist – auch 2001 bietet einen solchen Service für Abonnenten sogar mit eMail-Benachrichtigung!
Hervorzuheben für angelsächsische Filme ist die ganz außerordentliche »www.filmsite.org« von Tim Dirks. Ausführliche kenntnisreiche Besprechungen seiner »Greatest Films«, angereichert mit Zitaten/Dialogen. Was er von sich schreibt, ist nicht übertrieben:
»Since mid-1996, an award-winning, unique resource for classic film buffs and all who are interested in films. Includes interpretive and detailed plot synopses, review commentary, an unparalleled wealth of film reference material, and historical background for hundreds of classic Hollywood/American and other English-language films in the last century. According to the Encyclopedia Britannica, this site has a »rich collection of commentary and information about masterpieces of American cinema.« In mid-2003, Variety featured the site in an article titled: »Filmsite has unique spin on top pix.«
Tim Dirks' Best-of-Listen teile ich nicht ganz, aber doch mit viel Sympathie und Zustimmung. Leider  beschränkt er sich auf angelsächsische Filme, begründet das aber gut und ehrlich: »The Greatest Films selected do not include foreign films or non-English language films for purposes of specialization and focus. No negative judgment on foreign films is intended.«
Ist ja auch wahr: Mit »Hollywood/American and other English-language films« hat man ja schon rund 90 Prozent aller wichtigen. Mindestens.

Wichtige Film-Seite, vor allem für Klassiker, auf hohem Niveau: www.jump-cut.de von Ekkehard Knörer.

Informativ sind auch die Seiten der Video-/DVD-Versender www.amazon.de und www.jpc.de, die in der Dokumentation unterschiedliche Schwerpunkte setzen, also beide gleichermaßen genutzt werden sollten; es empfiehlt sich ja auch der Preisvergeich, wenn man einen Film kaufen will.

Die Dokumentation von Filmplakaten ist sehr gut organisiert bei www.filmdb.de und www.unzeit.de (letzterer seit Herbst 2007 wegen "Server-Crash dauernd vorübergehend off-line!).

Quellen von Zitaten sind selbstverständlich vermerkt. Sollten Urheberrechte tangiert oder verletzt sein, bitte ich um Benachrichtigung (hmaessen/at/web.de*) und siehe auch Impressum dieser Homepage).
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Was die Laufzeiten der Filme betrifft:
Ein handfestes Problem! Zum einen gibt es Fassungen verschiedener Länge. Früher durch Zensur und unfaßbare Eingriffe deutscher Verleiher. Später auch (heute!) kastrierte Video- und (Privat-)TV-Versionen, damit Fassungen für 16jährige oder 12jährige herauskamen; sogar in »Indiana Jones« wurde für die Ausstrahlung vor 22 Uhr spritzendes Blut und die dramaturgisch wichtige zischend-qualmende Handverbrennung des finsteren Nazi-Agenten beim Griff nach der ägyptischen Scheibe radikal-ridikül rausgeschnitten — weshalb man überhaupt nicht begreifen konnte, woher die Nazis dann den Abdruck der Scheibe hatten! Was für eine bodenlose Banausenhaftigkeit. Der großartige »Robocop« wurde gleich komplett verstümmelt, um rund 20 Minuten gekürzt! Irre! Den versteht man in der deutschen Video-Fassung überhaupt nicht mehr. Dann weichen die Video-/Fernsehfassungen von Originalen auch ab, weil 25 Bilder pro Sekunde gezeigt werden, früher aber mit 24 Bildern gedreht wurde; das macht sich also schon mit ein paar Minuten (!) Differenz bemerkbar. Außerdem geht es auch in den seriösen Quellen ziemlich durcheinander: Mal wird die Kinozeit als Laufzeit genannt, mal die technisch bedingt kürzere Laufzeit der Video-/DVD-(TV)-Fassung. Mal gibt es beide Zeiten, mal Hinweise auf gekürzte Fassungen, die in Umlauf sind. Zeiten sind deshalb ohne Gewähr, sind als Näherungswerte zu betrachten. Im Zweifel ist die etwas kürzere Laufzeit die des Videos, der DVD.
Merke: Den Film in der richtigen Länge, in der richtigen Tonhöhe, den gibt es bislang nur im Kino zu sehen. Das ändert sich, wenn auch die Kinos digital vorführen.Schön wäre dennoch, wenn es die Technik schaffte, die älteren Filme in der Origianl-Laufzeit, also Geschwindigkeit, auf DVD oder sonstwas zu bringen. Bei den zukünftig digital produzierten Filmen stellt sich das Problem dann nicht mehr.


Es ist ganz einzigartig, also konkurrenzlos & wichtig.
Die  Werbung von »2001« übertreibt durchaus nicht:

 "Unverzichtbar für Cineasten und Filmgourmets", stellt die Neue Presse den Stellenwert des Lexikons klar. Und es hat sogar alle Aussichten, eines "der wenigen unersetzlichen Standardwerke der Filmgeschichte zu werden" (Rheinzeitung). Es ist nicht nur ein zuverlässiger "Wegweiser im Filmdschungel" (Südkurier) oder ein fast allwissender Reiseführer durch den Kosmos von über 100 Jahren Filmgeschichte. Es ist wahrscheinlich sogar das umfassendste Filmlexikon der Welt. Das Lexikon enthält 60.000 Einträge zu 52.000 Filmen, die seit 1945 im Kino, auf Video oder im Fernsehen in der Bundesrepublik, der DDR und in Gesamtdeutschland bis Dezember 2001 Premiere hatten; d.h. zu sämtlichen Kinofilmen, aber auch zu den meisten der großen Fernsehproduktionen (wie Fackeln im Sturm, Shogun, Der Tunnel, Die Manns von Heinrich Breloer oder Dark Angel von James Cameron).

Jeder Film wird mit einer Bewertung (zum Teil leider überholt, kontaminiert vom Urteil des Katholischen Filmdienstes, der die alte Basis des Werkes ist - H.M.) vorgestellt, mit Inhaltsbeschreibung, mit ausführlichen technischen Angaben zu Verleih, Produktion, Laufzeit und den wichtigsten Mitwirkenden: 160.000 Regisseure, Drehbuchautoren, Kameraleute und Hauptdarsteller. Sogar das Jugendschutz-Urteil der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) und das beliebte Prädikat der Filmbewertungsstelle Wiesbaden ("Besonders wertvoll!") sind verzeichnet. Außerdem gibt's die Information, welche Filme in Deutschland auf Video und DVD (und in welchem Format) herausgekommen sind. 

Für (in diesem Fall den Preis werte - H.M.) 99 € erhalten Sie das "Lexikon des Internationalen Films" (Stand: Dezember 2001) mit rund 60.000 Einträgen. Dazu über 130 Berichte und Essays, die hier erstmals enthalten sind. Rund 4.800 Seiten mit 12.000 Lexikon-Spalten. 4 Bände. Lexikon-Großformat 17x24 cm. Dünndruck. Fadenheftung. Leinen mit Schutzumschlag. 5 kg schwer.

Im Preis enthalten: Das 12-Monatsabo für den Vollzugriff auf www.FILMEvonA-Z.de im Wert von 49 €.
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