Diese Seite ist in Produktion. Sie ist vorläufig. Heute ist sie auf dem Stand vom 12.2.2009. Die Liste ist alphabetisch, nach ganzem Filmtitel; Artikel (Das, Der, Die, Ein) eingeschlossen. Maßgebend sind hierzulande geläufige Titel, z.B. "Total Recall" statt "Die totale Erinnerung".
Meine persönlichen Bewertungen: * * * * * * = Unsterbliche Werke & Meisterwerke. * * * * * = Großartig, Meilensteine in den Genres. * * * * = Köstliche Filme, sollte man auch auf die Insel mitnehmen, wenn dafür Platz in Koffer und Seekiste ist. * * * = Sehenswert, noch über dem guten Durchschnitt bzw. auf jeden Fall filmgeschichtlich von Belang. * * = Mißglückt, sollten Cineasten aber kennen. * = Hat für Hardcore-Filmfreaks interessante Ansätze und schadet nicht.
3sat anläßlich der Ausstrahlung 2003: »Kichizô ist der Besitzer eines Geisha-Hauses, in dem auch Sada als Dienerin und Prostituierte arbeitet. Zwischen beiden entwickelt sich eine Leidenschaft, die alle Tabus und Konventionen hinter sich lässt und zunehmend obsessiver wird. Die Außenwelt verliert für beide immer mehr an Bedeutung. Die anfänglich noch spürbare Eifersucht des Paares auf andere Personen verschwindet in der Bedingungslosigkeit, mit der sich beide in ihrer körperlichen Liebe immer wieder einander hingeben. Die Lust, die beide in ihrer Ekstase empfinden, wird gesteigert durch den Schmerz: Sada verlangt von Kichizô, dass er sie schlägt, während sie ihn wiederum beim Sex stranguliert. An einem Tag lieben sie sich bis zur totalen Erschöpfung. Mit Kichizôs Einverständnis erdrosselt Sada den Geliebten beim Akt der Vereinigung und schneidet ihm das Geschlechtsteil ab. Nagisa Oshimas 1976 entstandener Spielfilm "Im Reich der Sinne" ist in seiner Darstellung von Sexualität – neben Bernardo Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" (in 3sat am 12.9.2003, ab 22.30 Uhr) – eines der radikalsten Werke der Filmgeschichte. Losgelöst von psychologischen Fragestellungen, die verstörende Nähe von Lust und Schmerz betonend, lotet der Film in Anlehnung an George Batailles Theorie des "Erotisme" das Wesen der Sexualität bis in seine dunkelsten Tiefen aus. In streng komponierten Szenen, die in der Tradition der Shunga-Bilder eines Utamaro (1750-1806) zu stehen scheinen, werden die Begegnungen des Paares gezeigt. In Großaufnahmen und in aller Selbstverständlichkeit kommen Lust und Schmerz, die sich auf ihren Gesichtern zeigen, zum Ausdruck. Oshima musste den in Japan gedrehten Film, der auf eine reale Begebenheit aus dem Jahr 1936 zurück gehen soll, in Frankreich fertig stellen, da er sonst sofort der strengen japanischen Zensur zum Opfer gefallen wäre. Als er 1977 im Forum-Programm der Berlinale aufgeführt werden sollte, kam es zum Eklat: "Im Reich der Sinne" wurde als "harte Pornographie" beschlagnahmt, ein Jahr später aber für die Kinos ungekürzt freigegeben und erhielt von der Filmbewertungsstelle sogar das Prädikat "besonders wertvoll". In Japan allerdings kam das kompromisslose Meisterwerk nur in einer stark geschnittenen Fassung zur Aufführung.« [Die eigenwillige Rechtschreibreformorthografie "fertig stellen" etc. von mir zähneknirschend nicht geändert - H.M.]
»Im Westen nichts Neues« / »All Quiet on the Western Front« * * * * USA 1930, Länge: 140 Minuten, Regie: Lewis Milestone, Buch: Del Andrews, Maxwell Anderson, George Abbott, Lewis Milestone, Kamera: Arthur Edeson, Karl Freund, Musik: David Broekman, Schnitt: Milton Carruth, Edgar Adams, Produzent: Carl Laemmle jr.. Mit: Lew Ayres, Louis Wolheim, Slim Summerville, John Wray, Arnold Lucy, Russell Gleason, Ben Alexander, Richard Alexander, Harold Goodwin, William Bakewell, Beryl Mercer, Scott Kolk, Edmund Breese, Raymond Griffith.
»Erster Weltkrieg: In der allgemeinen Kriegsbegeisterung zieht eine ganze Klasse junger Oberschüler freiwillig in das vermeintliche "Feld der Ehre". In den Schützengräben der Westfront müssen Paul Bäumer und seine Kameraden aber bald die ganze Brutalität des Krieges erfahren: Für heldisches Pathos ist im mörderischen Stellungskrieg kein Platz mehr...
Diese kongeniale Verfilmung des Romans von Erich Maria Remarque wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen und noch heute muß sich jeder neue Anti-Kriegsfilm an der zeitlosen Qualität dieses Werkes messen lassen. Von Militaristen aller Art wurde der Film jedoch erbittert bekämpft und zensiert, gekürzt, entstellt oder gar völlig verboten. Die vorliegende restaurierte Fassung präsentiert den preisgekrönten Klassiker wieder in seiner ursprünglichen Form und Länge.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
Lexikon des Internationalen Films: »Bedeutendster und ehrlichster Antikriegsfilm der USA - eine realistische Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg, nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque. In Deutschland zu seiner Zeit von nationalen und faschistischen Kreisen verunglimpft, zensiert und verstümmelt, wurde der Film nach der Urfassung rekonstruiert und neu synchronisiert.«
»Im Zeichen des Bösen« / »Touch of Evil« * * * * * USA 1957, Länge: 95 (Original 105, so auch im TV auf DVD) Minuten, Regie: Orson Welles, Harry Keller, Buch: Orson Welles, Kamera: Russell Metty, Musik: Henry Mancini, Produzent: Albert Zugsmith, Rick Schmidlin. Mit: Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Calleia, Victor Millan, Joseph Cotten, Dennis Weaver, Valentin De Vargas, Mort Mills, Ray Collins, Joanna Moore.
Nervenzerfetzender bösartiger Film. Grandiose, immer wieder gepriesene Opening-Sequenz, minutenlang ohne Schnitt: soghaft.
Der ältere Orson Welles ist ein ungeheuer gefährlicher Polizei-Gangster, von brutaler Intelligenz und Raffinesse – als Schauspieler viel beeindruckender als in dem allweil etwas zu hoch gerühmten »Citizen Kane«, der keineswegs der beste Film aller Zeiten ist. Davor kommen noch ein paar andere!
»In 80 Tagen um die Welt« / »Around the World in Eighty Days« * * * * USA 1956, Länge: 143/178 Minuten, Regie: Michael Anderson, Buch: John Farrow, S. J. Perelman, James Poe, Kamera: Lionel Lindon, Musik: Victor Young, Produzent: Michael Todd. Mit: David Niven, Cantinflas, Robert Newton, Shirley MacLaine, Marlene Dietrich, Trevor Howard, Basil Sydney, Charles Boyer, John Carradine, Noël Coward, John Gielgud, Peter Lorre, Buster Keaton, Robert Morley, Frank Sinatra, Fernandel, Harcourt Williams, Cedric Hardwicke, Red Skelton, Martine Carol, Finlay Currie, José Greco, Cesar Romero, Ronald Colman, Charles Coburn, George Raft, Joe E. Brown, Victor McLaglen, John Mills, Walter Fitzgerald, Glynis Johns, Jack Oakie.
Großes Unterhaltungskintopp mit nie wieder erreichtem Aufgebot von Weltstars. Man müßte mal nachzählen: vielleicht sind es ja auch 80. Also: Eine herrliche Kinoreise, auch durch die Welt der damals (heute noch) berühmten Filmstars. Kino!
»In den Wind geschrieben« / »Written on the Wind« * * * * * USA 1956, Länge 99 Minuten, Regie: Douglas Sirk, Buch: George Zuckermann, George Zuckerman, Kamera: Russell Metty, Musik: Frank Skinner, Produzent: Albert Zugsmith. Mit: Rock Hudson, Lauren Bacall, Robert Stack, Dorothy Malone, Robert Keith, Grant Williams, Robert J. Wilke.
Das ist das, was der Deutschmeister des filmischen Dilettantismus, Fassbinder also, gern gekonnt hätte. Hätte.
Extra sehenswert: Die knalligen Bonbonfarben. Auch die: dick aufgetragen!
Auf seiner superklasse Homepage »www.filmsite.org« kommentiert Tim Dirks: »Written on the Wind (1956) is generally regarded as the best of director Douglas Sirk's 1950s lush, vibrantly colorful melodramatic masterpieces. His absorbing, flamboyant, overwrought potboiler films were noted for their glossy and excessive style, soap opera-ish and brightly-colored film noirish characteristics, and exaggerated and overheated emotions. This film provides Sirk's clear commentary and critique of the underlying hollowness and shallowness of American society in the placid 1950s, and misfit lives stunted and corrupted by mental anguish, alcoholism, sexual frustration, and corruptible materialistic wealth.«
P.S.: Gibt es seit 2005 endlich auch auf DVD.
»In der Hölle ist der Teufel los« / »Hellzapoppin« * * * * * USA 1941, Länge: 83 Minuten, Produzent: Jules Levy, Regie: Henry C. Potter, Drehbuch: Nat Perrin, Warren Wilson, Kamera: Elwood Bredell, Musik: Charles Previn, Schnitt: Milton Carruth. Mit Jane Frazee, Ole Olsen, Chic Johnson, Hugh Herbert, Mischa Auer, Martha Raye.
Größte irreste Groteske überhaupt. Kann man nur vergleichen mit Blake Edwards' / Peter Sellers' "The Party", auf deutsch "Der Partyschreck". Der aber ist leise & gemein, jener ist laut & turbulentös. »In die Kinogeschichte eingegangene Verfilmung des Broadwayerfolgs von Olsen und Johnson: Eine Folge verrückt-exzentrischen Klamauks mit pausenlosen Trickgags. Der übermütige Nonsens nimmt seinen Ausgang von den Dreharbeiten für ein Revuelustspiel. Durch die Rasanz von Inszenierung und Montage ein ungemein witziges Vergnügen.« (Lexikon des Internationalen Films)
»In jenen Tagen« * * * * Deutschland 1947, Länge: 111 (Video/DVD 98 - so steht es im 2001-Lexikon -) Minuten, Regie: Helmut Käutner, Buch: Helmut Käutner und Ernst Schnabel, Kamera: Igor Oberberg, Musik: Bernhard Eichhorn, Schnitt: Wolfgang Wehrum, Produzent: Helmut Käutner und Helmut Beck. Mit: Carl Raddatz, Winnie Markus, Gert Schäfer Sr., Karl John, Werner Hinz, Ida Ehre, Willy Maertens, Erich Weiher, Hermann Speelmans, Elly Klippe, Bettina Moissi, Erich Schellow, Gert Schaefer, Hans Nielsen, Franz Schafheitlin, Alice Treff, Gisela Tantau, Rudolf Jugert, Erica Balqué, Eva Gotthardt, Hermann Schomberg, Kurt Meister, Fritz Wagner, Hans Mahnke, Isa Vermehren, Margarete Haagen, Erwin Geschonneck, Birgit Schoregge, Franz Weber.
»Zwei Arbeiter schlachten unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein altes Auto aus. Sieben Requisiten, die sie in oder an dem Wagen finden, führen zu sieben Geschichten zurück, die dieses Auto seit Beginn der NS-Diktatur "miterleben" musste und nun erzählt. Da ist ein Datum in die Windschutzscheibe geritzt – der 30.Januar 1933, der Tag von Hitlers Machtergreifung; ein Kamm führt zurück zu einem verfemten Komponisten; eine vergessene Hutklammer stellt die Verbindung her zum Schicksal zweier Menschen in einer so genannten "Mischehe"; ein illegal Tätiger verschwindet plötzlich; die Erinnerung an den 20. Juli 1944 wird wach; dann bahnt sich der Wagen seinen Weg durch den Winter an der Ostfront, und endlich ist er wieder daheim – gerade zur rechten Zeit, um auch das düstere Ende mitzuerleben.« (filmportal.de/Deutsches Filminstitut – DIF e.V.)
»Indiskret« / »Indiscreet« * * * * USA 1958, Länge: 96/100 Minuten, Regie: Stanley Donen, Buch: Norman Krasna, Kamera: Freddie Young, Frederick A. Young, Musik: Kenneth V. Jones, Richard Bennett, Kenneth Victor Jones und Richard Rodney Bennett, Richard Rodney Bennett und Sammy Cahn, Produzent: Cary Grant und Stanley Donen. Mit: Ingrid Bergman, Cary Grant, Cecil Parker, Phyllis Calvert.
Exquisites Boulevardstück von höchster Eleganz und intelligentem Witz. Sowas gibt’s heute nicht mehr. Wahrscheinlich weil es auch die Gesellschaft nicht mehr gibt, die sich hier so illuster spiegelt. Und Ingrid Bergman und Cary Grant sind ja (leider) auch tot - pardon: im Himmel.
»Reich, unabhängig und berühmt: Der Bühnenstar Anna hat alles, was sich eine Frau nur wünschen kann – bis auf einen Mann. Da lernt sie eines Tages den charmanten Nato-Diplomaten Philip Adams kennen und verliebt sich leidenschaftlich in ihn. Er ist zwar verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Einer Affäre steht also nichts im Weg. Zufällig erfährt Anna, dass er seine Ehe nur vorgibt, um sein Junggesellendasein zu bewahren. Anna sinnt auf Rache. Sie lässt sich mit ihrem vermeintlichen Liebhaber überraschen – gerade als Philip ihr den ersehnten Heiratsantrag machen will ...« (Text zur DVD)
»Jäger des verlorenen Schatzes« / »Raiders of the Lost Ark« * * * * * * Indiana Jones Nr.1, USA 1980, 115 (fürs jugendfreie Fernsehen frevelhaft & unverschämt gekürzt auf 105) Minuten, Regie: Steven Spielberg, Buch: Lawrence Kasdan, Kamera: Douglas Slocombe, Paul Beeson, Musik: John Williams, Schnitt: Michael Kahn, Produzent: Frank Marshall. Mit: Harrison Ford, Karen Allen, Paul Freeman, Wolf Kahler, Ronald Lacey, John Rhys-Davies, Anthony Higgins, Alfred Molina, William Hootkins, Denholm Elliott.
Der Abenteuerfilm überhaupt. Mit mehr Intelligenz, Filmkunst und Filmverstand als im gesamten deutschen Autorenkino des Oberhausener Manifests und der 68er-Generation. Außerordentliches Vergnügen auch die bislang zwei weiteren Indiana-Adventures, besonders das dritte, die Suche nach dem Gral im Wettlauf mit den Nazis. Umwerfend Sean Connery als Altertums-Professor und Vater von Indiana. Ach! Was sind das für herrliche Schmöker-Filme!
»Jakobowsky und der Oberst« / »Me and the Colonel« * * * USA 1958, Länge: 111 Minuten, Regie: Peter Glenville, Buch: George Froeschel und Samuel Nathaniel Behrman, Kamera: Burnett Guffey, Musik: George Duning, Schnitt: William A. Lyon, Produzent: William Goetz. Mit: Danny Kaye, Curd Jürgens, Nicole Maurey, Françoise Rosay, Akim Tamiroff, Martita Hunt, Alexander Scourby, Liliane Montevecchi, Ludwig Stossel. »Frankreich 1940. Die deutschen Truppen rücken immer näher auf Paris zu. Für den liebenswerten polnischen Juden Jakobowsky (Danny Kaye) ist es wieder soweit: Er muß fliehen. Auch sein Landsmann, der aristokratische Oberst Prokozny (Curd Jürgens), muß Frankreich so schnell wie möglich verlassen. Er hat eine geheime Mission zu erfüllen. Der polternde Militärheld kann Juden nicht ausstehen. Trotzdem läßt er sich auf die gemeinsame Flucht mit Jakobowsky in den Süden ein. Mit seiner unvergleichlichen Überredungskunst gelingt es Jakobowsky sogar mitten im Krieg einen Rolls Royce und Benzin aufzutreiben. Unterwegs retten die beiden ungleichen Partner die Geliebte des Oberst aus den feindlichen Reihen. Den unfreiwilligen Freunden gelingt es, auf ihrer turbulenten Odysee der Besatzungsmacht ein Schnippchen nach dem anderen zu schlagen.« So steht es bei Amazon. Und eben dort äußert sich die Kunden-Rezensentin Agnes Prince sehr liebenswürdig: »Dieser Film ist einfach nur wunderschön, von einer unbeschreiblichen Menschlichkeit! Obwohl das Thema so ernst und eigentlich ein grauenhafter Teil der Geschichte ist, (...) mit unvergleichlichem Humor und wundervollen leisen menschlichen Zwischentönen vor der Kulisse des Naziterrors. So wie Oberst Prokozny sich immer von seinen Geliebten zu verabschieden pflegte, sage auch ich: In der Kathedrale meines Herzens wird immer eine Kerze für diesen Film brennen!« Und dem stimme ich (aus vollem Herzen) zu.
»Jason und die Argonauten« / »Jason and the Argonauts«/» Jason and the Golden Fleece« * * * USA 1962, Länge: 100/104 Minuten, Regie: Don Chaffey, Buch: Beverly Cross, Jan Read, Kamera: Wilkie Cooper, Effekte/Tricks: Ray Harryhausen* * * * *, Produzent: Charles H. Schneer, Musik: Bernard Herrmann, Schnitt: Maurice Rootes. Mit: Todd Armstrong, Honor Blackman, Michael Gwynn, Gary Raymond als Acastus, Laurence Naismith, Nancy Kovack.
Hübscher Film, aber herausragend und unbedingt sehenswert die Tricksequenzen von Ray Harryhausen, vor allem der Schwert-Kampf mit Skeletten; wie der große Harryhausen das ohne Computer gemacht hat, ist gar nicht zu begreifen - und das ist auch gut so.
Text zur DVD: »Eine Geschichte aus der reichen griechischen Mythologie, gedreht von dem Team, das auch "Sindbad und das Auge des Tigers" und "Kampf der Titanen" produziert hat. Auf der Suche nach dem sagenhaften goldenen Vlies führt Jason die Argonauten durch eine Welt voller Abenteuer und tödlicher Gefahren. Grausame Ungeheuer müssen bezwungen werden; darunter die siebenköpfige Hydra, die blutdürstigen Harpyien und der unbesiegbare Bronzegott.«
»Jules und Jim« / »Jules et Jim« * * * Frankreich 1961, Länge: 107 Minuten, Regie: François Truffaut, Buch: François Truffaut und Jean Gruault, Kamera: Raoul Coutard, Musik: Georges Delerue, Schnitt: Claudine Bouché, Produzent: Marcel Berbert. Mit: Oskar Werner, Henri Serre, Jeanne Moreau, Marie Dubois, Boris Bassiak, Vanna Urbino, Sabine Haudepin, Kathe Noelle, Anny Nelson, Bernard Largemain, Christiane Wagner.
ARTE-TV über den bedeutenden Film der "Nouvelle Vague": Jules liebt Catherine, Jim liebt Catherine, und Catherine liebt sie beide. Doch das ist nur der Anfang. "Jules und Jim", François Truffauts Klassiker aus dem Jahr 1961, erzählt melancholisch und heiter zugleich die Geschichte dieser Menage à trois mit Jeanne Moreau und Oskar Werner in den Hauptrollen. Jules, ein junger Deutscher, und Jim, ein junger Franzose, lernen sich vor dem Ersten Weltkrieg im Pariser Künstlerviertel kennen. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt treffen die beiden Catherine und sind fasziniert von dieser unberechenbaren und leidenschaftlichen Frau. Catherine liebt sie beide, doch fühlt sie sich mehr von dem etwas linkischen Charme Jules' angezogen. Noch vor Kriegsbeginn heiratet Catherine Jules und geht mit ihm nach Deutschland. Der Krieg trennt die Freunde. Als Jim die beiden nach dem Krieg in deren Domizil im Schwarzwald besucht, erkennt er, dass die Ehe unglücklich verläuft, und Catherine enttäuscht ist. Die alte Leidenschaft zwischen Catherine und Jim flammt wieder auf.Um seine Frau und den Freund nicht ganz zu verlieren, duldet Jules ihr intimes Verhältnis in seinem Haus. Zu Catherines großer Enttäuschung, bleibt die Verbindung zwischen ihr und Jim kinderlos. Als dieser wieder nach Paris geht, ahnt Catherine, dass sie ihn für immer verlieren wird. Durch einen Zufall begegnen sich die drei Freunde Jahre später wieder, jedoch haben sich die Vorzeichen inzwischen geändert. Catherine spürt, dass sie endgültig verloren hat. Ohne Liebe allerdings hat das Leben für sie keinen Sinn mehr. Nach einer Spazierfahrt steuert sie den Wagen, mit Jim an ihrer Seite, vor den Augen Jules' in die Seine. Auf der Suche nach einer, seiner Meinung nach wichtigen Rolle für Jeanne Moreau fand François Truffaut in dem Roman von Henri-Pierre Roché den geeigneten Stoff, um ihre Persönlichkeit endlich angemessen herausstellen zu können. In der Rolle der Catherine dient sie als Katalysator zwischen Freunden, die durch den 1. Weltkrieg aufgrund ihrer unterschiedlichen Nationalität eigentlich zu Feinden werden sollten, deren enge Bindung aber nicht nur den Krieg, sondern auch die wechselnde Bevorzugung durch Catherine verkraftet. Catherine ist nicht besonders hübsch, noch intelligent, .., aber sie ist eine richtige Frau..., die wir lieben... und die alle Männer begehren," beschreibt sie Jules, der junge Deutsche. Der Film ist nicht nur eine feinsinnig gesponnene Schilderung einer Menage à trois, die sich zeitweilig um einen vierten, den Maler Albert, erweitert, er ist vor allem auch ein schillerndes, filmisches Spiel mit verschiedenen Ebenen, mit Widersprüchen und Parallelen, einem Merkmal fast aller Truffaut-Filme. Wie auch in anderen seiner Filme nutzt Truffaut in "Jules und Jim" das Stilmittel des parallelen Kommentars, der sowohl ironische Distanz wie Kontrast zu den Bildern darstellt, dabei aber nie die Leichtigkeit der Inszenierung beeinträchtigt. Truffaut selber bezeichnete seinen Film, der einer seiner berühmtesten werden sollte, als "heiter", trotz des tragischen Endes. Für Jeanne Moreau und Oskar Werner, beide drehten später weitere Filme mit Truffaut, bedeutete "Jules und Jim" eine Neuorientierung ihrer Karrieren. Es war Truffaut, der als erster ihre schauspielerische Persönlichkeit entdecken und angemessen in Szene setzen konnte.
»Jurassic Park« * * * * * * USA 1993, Länge: 121/126 Minuten, Regie: Steven Spielberg, Buch: Michael Crichton, David Koepp, Kamera: Dean Cundey, Effekte: Industrial Light and Magic, Dennis Muren, Phil Tippet, Michael Lantieri, Stan Winston, Musik: John Williams, Schnitt: Michael Kahn, Produzent: Gerald R. Molen, Kathleen Kennedy. Mit: Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough, Martin Ferrero, B.D. Wong, Joseph Mazello, Ariana Richards, Samuel L. Jackson, Wayne Knight, Bob Peck.
An Spannung, Witz, Intelligenz und fantastischen Bildern nur schwer zu überbietender Film vom Meister.
»Einem reichen Unternehmer ist es gelungen, nach genetischem Code neu geschaffene Dinosaurier zu züchten, für die er auf „Isla Nublar“ im Pazifik einen riesigen Freizeit- und Vergnügungspark einrichtet. Als er den Park von einem Archäologen-Paar, einem Mathematiker und seinen beiden Enkelkindern testen lassen will, setzt ein geldgieriger Mitarbeiter das Sicherheitssystem außer Kraft. In dem computergesteuerten Park kommt es zum Chaos, und die fleischfressenden Saurier gehen auf Menschenjagd.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
»Karl May« * * * * BR Deutschland 1974, Länge: 187 Minuten, Regie: Hans Jürgen Syberberg, Buch: Hans Jürgen Syberberg, Kamera: Dietrich Lohmann, Musik: Gustav Mahler, Frédéric Chopin, Franz Liszt. Mit: Helmut Käutner, Kristina Söderbaum, Käthe Gold, Attila Hörbiger, Rudolf Fernau, Lil Dagover. Ganz und gar ungewöhnlicher eigenartiger Künstlerfilm ohne Beispiel. Höchst sehenswert! »Karl Mays Kampf um moralische und schriftstellerische Anerkennung gegen die Schatten seiner unrühmlichen Vergangenheit und Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Zum Seelendrama hochstilisierter Film, der den Heldenmythos von Mays berühmten Romanfiguren aus seinem eigenen Läuterungsprozeß entwickelt und den Autor und sein Werk als Botschaft national deutscher Ideale und Ausdruck von Ursehnsüchten der Menschen versteht. Mit kritischer Ironie gegen den wilhelminischen Zeitgeist als aufwendige Unterhaltung inszeniert und mit einem imposanten Schauspielerensemble interessant besetzt.« (Lexikon des Internationalen Films)
»Kinder des Olymp« / »Les enfants du paradis« * * * * Frankreich 1943, Länge: 177/189 Minuten, Regie: Marcel Carné, Buch: Jacques Prévert, Kamera: Roger Hubert, Musik: Maurice Thiriet, Joseph Kosma und Georges Mouqué, Produzent: Fred Orain. Mit: Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur, Pierre Renoir, Maria Casarès, Marcel Herrand, Louis Salou, Jane Marken, Gaston Modot, Fabien Loris.
Wirklich sehr schöner Film, aber nicht so überragend wie sein Ruf.
Text zur DVD-Veröffentlichung: »Paris im 19. Jahrhundert. Im Milieu der Diebe, Gaukler und Komödianten begegnen sich die schöne Garance, der Pantomime Debureau, der Schauspieler Frederic und der anarchistische Gauner Lacenaire. Garance verlässt Lacenaire und wendet sich dem träumerisch-poetischen Baptiste zu. In diesen ist aber auch Baptistes Kollegin Nathalie heimlich verliebt. Baptiste wird sehr schnell von dem selbstbewussten Frédéric verdrängt. Schließlich verlieren beide Garance, die den Grafen de Monteray heiratet. Jahre später: Inzwischen sind Baptiste und Frédéric berühmt geworden und Baptiste ist verheiratet. Die Liebe holt beide wieder ein. Doch während Frédéric sich schnell mit einer anderen tröstet, verlässt Baptiste wegen Garance Frau und Kind. Auch Lacenaire taucht wieder auf... Eine betörend schöne Frau und drei Männer, so verschieden wie Tag und Nacht. Trotz brennender Gefühle werden sie einsam bleiben. Unter Bedingungen der Illegalität während des Kriegs im besetzten Frankreich gedreht, gelangte Marcel Carnés Liebesgeschichte nach über zwei Jahren Drehzeit in die französischen Kinos und rührte ein ganzes Land zu Tränen.«
Reclams Filmführer: »Eines der reifsten, schönsten Werke der französischen Filmkunst.«
»King Kong und die weiße Frau« / »King Kong« * * * * * USA 1933, Länge: 96 (Neufassung TV 100) Minuten, Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack, Buch: James A. Creelman, Ruth Rose, Kamera: Edward Linden, Vernon L. Walker, J.O. Taylor, Duke Krantz, George Weiss, Musik: Max Steiner, Produzent: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack. Mit: Robert Armstrong, Bruce Cabot, Fay Wray, Frank Reicher, Sam Hardy, Noble Johnson, James Flavin, Victor Wong.
Auch heute, in den Zeiten ausgebuffterer Trick-Technik, ein packender, kluger Abenteuer-Film. Ein Meisterwerk, das noch nicht ins Museum gehört. Die Mutter aller Jurassic-Parks. Man sieht, daß nicht die Mega-Technik entscheidet, sondern immer noch die Story, die einen packt.
Text zur DVD: »Ein Regisseur aus Amerika ist mit seinem Team auf der Suche nach einer Kulisse für seinen Abenteuerfilm. Mit ihnen reist der Filmstar Ann Darrow. Sie entdecken eine einsame Insel, deren Dschungel die Heimat vieler riesiger Urwelttiere ist. King Kong, ein Riesenaffe ist der König dieser Welt und entführt die schöne Schauspielerin in sein Reich. Das behaarte Monstrum verliebt sich in die weiße Frau. Schließlich gelingt es ihr, ihrem unheimlichen Entführer zu entkommen. Nach einer atemberaubenden Verfolgung kann das Filmteam den Affen betäuben. Sie wollen ihn nach Amerika mitnehmen um ihn dort als 8. Weltwunder vorzuführen. Bei der feierlichen Präsentation in einem Theater reißt sich King Kong los und flieht mit der Schauspielerin als Gefangene durch den Großstadtdschungel New Yorks...«
»Königliche Hochzeit« / »Royal Wedding« * * * * USA 1951, Länge: 93 Minuten, Regie: Stanley Donen, Buch: Alan Jay Lerner, Kamera: Robert Planck, Musik: Johnny Green, Johnny Green (Ltg.), Alan Jay Lerner, Alan Jay Lerner (Songs), Burton Lane, Burton Lane (Songs), Produzent: Arthur Freed. Mit: Fred Astaire, Jane Powell, Peter Lawford, Sarah Churchill, Keenan Wynn, Albert Sharpe, Viola Roache, Henri Letondal, James Finlayson.
Tanz* * * * * * (auch mit Filmtricks) zum Staunen! Muß man gesehen haben.
»Koyaanisqatsi – Prophezeiung« * * * * USA 1982, Länge: 87 Minuten, Regie: Godfrey Reggio, Buch: Godfrey Reggio, Ron Fricke, Michael Hoenig, Alton Walpole, Kamera: Ron Fricke, Musik: Philip Glass.
Seinerzeit ein formal umwerfender Film, einflußreich auch wegen seiner enorm eindrucksvollen Kritik an Naturzerstörung durch Zivilisation. Heute wegen allgegenwärtiger Videoclips formal natürlich nicht mehr so überraschend: was er anregte, hat ihn auf diesem Gebiet überholt - das ist der Lauf der Welt und des Films. Auch politisch fehlt ihm einstige Verve; wir haben in Deutschland ja erlebt, daß es auch ein verheerendes Zerstörungspotential naiver und doof-ideologischer Grünen-Politik gibt.
Bei »filmrezension.de« ist Tobias Vetter von »Koyaanisqatsi« begeistert und vergibt maximale Punkt-Zahl: »Am Anfang war die Natur. Die ruhige Kamera zeigt unendliche Weiten. Doch die Kamerafahrten werden immer schneller, und schließlich ist man am Übel angelangt: An der Zivilisation. Ein riesiger Lastwagen transportiert die Natur (symbolisch dargestellt durch Erde) ab, und von nun an sieht man nur noch Kultur im Sinne des nicht von Menschen geschaffenen. Die Schluchten bestehen nicht mehr aus bewaldeten Berghängen und einem Fluß in der Tiefe, sondern aus riesigen Wolkenkratzern, und unten rauscht der Verkehr. Die Filmgeschwindigkeit nimmt stetig zu, immer schneller rasen die Autos auf den Betonpisten, tauchen Menschen wimmelnd wie Ameisen über Rolltreppen in U-Bahn-Schächte ab. Schnell hat die Geschwindigkeit ein schwindelerregendes Ausmaß erreicht. Eine Ahnung beschleicht den Zuschauer: Die Ahnung der Katastrophe. Unausweichlich steuert der Mensch auf das Ende des Fortschritts- und Zivilisationswahns zu, das symbolisch angedeutet wird durch die Zerstörung des Superlativs der Technik und der Zivilisation: Der Rakete. Auf andere Planeten wird der Mensch sein Verhalten nicht übertragen können. Technisch ist der Film perfekt. Kein einziges Wort wird im Film gesprochen. Der Ton ist auf die Musik von Philipp Glass reduziert, die jedoch den Zuschauer die gezeigten Bilder in ihrer Aussageabsicht um ein Vielfaches stärker empfinden läßt.«
»L.A. Confidential« * * * * * USA 1997, Länge: 132/136 Minuten, Regie: Curtis Hanson, Buch: Brian Helgeland, Curtis Hanson, Kamera: Dante Spinotti, Musik: Jerry Goldsmith, Produzent: Curtis Hanson, Arnon Milchan, David L. Wolper. Mit: Kevin Spacey, Kim Basinger, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, David Strathairn, Danny DeVito, Graham Beckel, Simon Baker-Denny.
Großartig: Ein Film Noir 50 Jahre später gedreht, auf der Höhe beider Zeiten, mit ganzer böser Wucht.
»Sechs Tote, darunter ein Cop: Ein scheinbar sinnloses Blutbad bringt die Polizei von Los Angeles zum Kochen. Die drei Top-Agenten der Stadt übernehmen den Fall und stoßen bei ihren Ermittlungen auf einen unbeschreiblichen Sumpf aus Drogen, Mord und Korruption. Jetzt zeigt die "Stadt der Engel" ihr wahres Gesicht - ein Gesicht, dass man nur einmal lebend zu sehen bekommt ...« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
»La Belle et la Bête« * * * * * Frankreich, 1946. Deutsche Titel auch: »Es war einmal«, »Das Untier und die Schöne«, »Die Schöne und die Bestie«, Länge: 90 Minuten, Erstaufführung: April 1947, Produzent: André Paulvé, Regie: Jean Cocteau, Drehbuch: Jean Cocteau, Kamera: Henri Alekan, Musik: Georges Auric, Schnitt: Claude Ibéria. Mit: Jean Marais, Marcel André, Josette Day, Mila Parély, Nane Germon, Michel Auclair, Raoul Marco.
Dieser Film eines Poeten ist immer noch einer der schönsten Märchenfilme. Obwohl man natürlich heute mühelos fantastischste, viel phantastischere Zauberwelten auf Film bannen kann, gegen die Cocteaus schwarz-weiße Wunder einfach schlicht wirken, theaterhaft. Aber trotzdem sind sie schön und beinahe noch eindrücklicher. Die für Heutige etwas altertümliche Anmutung stärkt das Märchenhafte. Außerdem: Man sieht den filmschen Zaubereien Cocteaus das Künstliche an, und damit auch das Kunstvolle. Steinerne Statuen, die mit lebendigen Augen umherblicken und die Köpfe fast unmerklich und doch sichtbar bewegen, körperlose lebendige fleischliche Arme, die dienstbar sind, die Kerzenleuchter halten, den Wein einschenken, ein Handschuh, der einen augenblicklich dahin bringt (beamt!), wohin man will. Erhitzungen der Gefühle, die Körper dampfen lassen, Arme und Hände, die aus Wänden greifen (wie später bei Polanski in »Repulsion/Ekel«). Das ist der andere Teil des Zauberhaften, es ist die deutliche gewollte Modernität des Surrealen (dem Cocteau in all dessen künstlerischen Hervorbringungen bekanntlich engst verbunden ist), die zum "Reaktionären" der feudalen Märchenwelt überhaupt keinen Widerspruch setzt, sondern sich im Metaphysischen höchst tief berührend vereint.
Der deutsch-französische öffentlich-rechtliche Fernsehsender »arte« hat 2005 die restaurierte Fassung dankenswerterweise einmal mehr ausgestrahlt und sie mit den folgenden Informationen begleitet: »Ein erfolgloser Händler lebt mit seinem Sohn Ludovic und seinen drei Töchtern auf dem Land. Die Schwestern Félicie und Adélaide sind selbstsüchtig und boshaft und nutzen ihre schöne Schwester Belle als Dienerin aus. Eines Tages verirrt sich ihr Vater im nebligen Wald in ein seltsames, düsteres Schloss. Als er im Garten eine Rose für Belle pflückt, taucht plötzlich der Besitzer des Schlosses auf, ein Furcht einflößendes Ungeheuer, halb Mensch, halb Bestie, das mit magischen Kräften ausgestattet ist. Das Biest verurteilt den Händler zum Tode. Nur im Tausch gegen eine seiner Töchter will es ihm die Freiheit schenken. Belle erbarmt sich ihres Vaters und begibt sich in die Hände des Monsters. Angesichts ihrer Schönheit und Zuwendung entpuppt sich dieses als weniger wild und grauenvoll als es zunächst den Anschein hatte. Jean Cocteaus "Die Schöne und die Bestie" gehört zu den frühen Meisterwerken des poetischen Märchenfilms. Die in stimmungsvollen Bildern erzählte Fabel über Erscheinung und Wesen, Hingabe und Treue, beruht auf einem Märchen von Madame Leprince de Beaumont aus dem Jahre 1757. Gedreht wurde der Film unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter äußerst schwierigen Bedingungen. Es fehlte an Geld, Elektrizität und Filmmaterial, und der Darsteller Jean Marais, damals bei der Besatzungsarmee in Deutschland stationiert, musste für die Dreharbeiten freigestellt werden. Die Firma Gaumont war aufgrund der widrigen Umstände aus der Produktion des Films ausgestiegen. Auch Nachfolger André Paulvé war im Begriff aufzugeben, als seine Frau beim Sichten einer Probeszene vor Rührung in Tränen ausbrach und damit das Projekt vor dem Aus rettete. Unzählige Kopien hatten das Filmmaterial mit den Jahren zerschlissen und zerkratzt, an fast 50 Stellen fehlten Bilder und auch der Ton war unbrauchbar geworden. Nur dank aufwendiger Restaurationsarbeiten konnte der Filmklassiker, der bereits 1946 mit dem Louis Celluc-Preis ausgezeichnet wurde, gerettet werden und 1995 einen zweiten Kinostart erleben.«
Und ergänzend prisma-online.de: »"Es war einmal..." So fangen alle Märchen an, und dieses Märchen von der alles besiegenden Macht der Liebe gehört zu den schönsten Filmmärchen. Cocteau hat hier eine zauberhafte Atmosphäre entwickelt. Da ist das magische Schloß im Nirgendwo, die lange Halle mit den von Menschenhand gehaltenen Kerzen, die Musselinvorhänge im Korridor, die sich im Winde bauschen, die Maske des Ungeheuers und seine prunkvolle Kleidung - hinreißendes, magisches Kino der Phantasie. "Ich bin kein Filmemacher", sagt Cocteau einmal, "ich bin ein Dichter, der die Kamera als Vehikel benutzt, das es allen ermöglicht, gemeinsam ein und denselben Traum zu träumen - einen Traum, der nicht Traum im Schlaf ist, sondern Wachtraum, der nichts anderes ist als jener irreale Realismus".«
»Ladykillers« / »The Ladykillers« * * * Großbritannien 1955, Länge: 89 Minuten, Regie: Alexander Mackendrick, Buch: William Rose, Kamera: Otto Heller, Musik: Tristram Cary, Produzent: Michael Balcon. Mit: Katie Johnson, Alec Guinness, Cecil Parker, Herbert Lom, Peter Sellers, Danny Green, Jack Warner, Philip Stainton, Frankie Howerd, Phoebe Hodgson, Helene Buris, Evelyn Kerry, Edie Martin.
Hübsch amüsantes Kammerspiel-Kino des britischen Humors, der sowohl Klischee wie auch Tatsache ist (Klischees sind immer auch wahr!). Kleine skurrile Story, von besten Schauspielern hoch veredelt. Ohne solche Filme (danach auch Marty Feldmann im TV mit der "Marty Feldmann Comedy Machine" sowie der vierfingrige trinkfreudige (Ire) Dave Allen mit "Daven Allen Special", "At Large" und dann natürlich die Monty-Python-Truppe) wäre Loriot ganz sicher auch nicht das geworden, was fast alle deutschen Jung-Comedians nur verschämt bewundern können. Britische Schule!
»Lawrence von Arabien« / »Lawrence of Arabia« * * * * * Großbritannien 1962, Länge: 227 Minuten (214/187) (DVD 218 Minuten: Der Film wurde 1990 erneut herausgebracht, und zwar in der von Richard A. Harris rekonstruierten, von David Lean autorisierten 30 Minuten längeren Version ), Regie: David Lean, Buch: Robert Bolt, Robert Bolt und Michael Wilson, Kamera: Freddie Young, Frederick A. Young, Musik: Maurice Jarre, Produzent: Sam Spiegel. Mit: Peter O'Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, Anthony Quayle, Arthur Kennedy, José Ferrer, Claude Rains, Gamil Ratib, Donald Wolfit, Jack Gwillim, Zia Mohyeddin, I.S. Johar, I. S. Johar, Howard Marion-Crawford.
Lexikon des Internationalen Films: »Der aufwendige Dreieinhalb-Stunden-Film entwirft ein Porträt des britischen Offiziers T. E. Lawrence, der im Ersten Weltkrieg die Araber gegen die Türkei führte. Von David Lean perfekt inszenierte Superproduktion mit hervorragenden Bildern aus der Wüste.«
»Le Bonheur - Glück aus dem Blickwinkel des Mannes« * * * * F 1964, deutsch auch: »Das Glück«, Länge: 82 Minuten, Regie und Buch: Agnès Varda. Mit: Sandrine Drouot, Oliver Drouot, Jean-Claude Drouot, Marie-France Boyer, Claire Drouot.
Raffiniert verstörender, nur scheinbar naiver Film über die un/mögliche glückliche Liebe zu Dritt. Auch über das Modell sexueller Libertinage (»Befreiung!«), wie es in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts von der revoltierenden studentischen Jugend plus »Oswald Kolle« gegen die bourgeoise Spießerschaft propagiert wurde. Das Filmhaus Nürnberg faßt 2003 für eine Werkschau zusammen: »Die Geschichte eines Mannes, der zwei Frauen liebt und dessen Geliebte wenige Zeit nach dem Tod seiner Ehefrau die Rolle der Familienmutter und Kindererzieherin übernimmt. Agnès Vardas Versuch über das Glück hat kontroverse Diskussionen und unterschiedlichste Interpretationen provoziert.«
Eine außerordentlich lesenswerte, kluge Kritik hat Ekkehard Knörer verfaßt, publiziert auf seiner für Film-Liebhaber höchst empfehlenswerten Web-Seite www.jump-cut.de. »Le Bonheur beginnt mit einem klassischen Natureingang: die französische Kleinfamilie im Grünen, ein locus amoenus der Liebe als Fest der Farben und der Musik von Mozart, die von hier aus durch den ganzen Film flutet. Abwesend ist am Anfang die Gesellschaft - und wenn sie dann auftritt, bleibt ihre Darstellung naturförmig. Francois, der überaus glücklich verheiratet ist, lernt auf dem Postamt Emilie kennen, sie verlieben sich, schlafen miteinander - aber Konkurrenzansprüche zur Familie sollen daraus nicht entstehen. Agnes Vardas Film zeigt all das ungerührt, selbst verführerisch in der Schönheit seiner Bilder, im Rhythmus seiner Schnitte, der nicht weniger musikalisch ist als die Musik, immer wieder Mozart. Aus einer Abfolge von Thereses Handgriffen im Haushalt macht Varda eine kleine Symphonie, das erste Zusammentreffen von Francois und Emilie an deren Wohnungstür, in deren Wohnung, ist komponiert aus Schnitten, wie man sie so noch nie gesehen hat, einleuchtend, überwältigend, diese merkwürdige Neuerfindung der Liebe wird plausibel in den immer wieder überraschenden Blicken der Kamera und des Films. Ein Meisterstück ist die Inszenierung eines Dorffestes, bei dem im Tanz mit wechselnden Partnern das konkurrenzfreie Miteinander von Francois und seinen beiden Frauen geradezu utopisch dargestellt wird - und bei dem die Kamera mehrmals langsam von links nach rechts und zurück schwenkt, immer wieder an einem Baumstamm vorüber, auf den die Kamera für die Momente, in denen nichts als dieser Stamm im Bild ist, auch fokussiert, als wäre er eine der Figuren. Links und rechts des Baumstamms kommt dann Francois ins Bild, mal mit Therese tanzend, mal mit Emilie, dazu dann ausnahmsweise Tanzmusik, nicht Mozart. Man weiß nie so recht, ob nicht in diesen wunderbaren formalen Lösungen, auch in den oft atemberaubend direkten Dialogen, eine tiefe Ironie steckt; eine objektive Ironie liegt auf jeden Fall in der bereits erwähnten Naturförmigkeit der Darstellung (für die dieser Baumstammschwenk noch einmal eine Metapher ist): die Personen erscheinen nicht als Handelnde, sondern als blindlings (aber in ihr Glück) Getriebene, die diesem Getriebensein nichts entgegenzusetzen haben. Einen anderen Begriff von Glück hat Le Bonheur nicht als den, den etwa auch ein Tier haben könnte, das die Sonne genießt, solange sie da ist. Die Liebe, die Francois erlebt, ist – das behauptet der Film wieder und wieder – ein Naturereignis wie die Sonne, nicht beeinflussbar, aber auch teilbar und kein Grund zur Eifersucht. Es gibt keine Aufschlüsse über Reflexionen der Figuren oder Innenleben (genauer: es ist als gebe es das überhaupt nicht), das gilt besonders für Therese, deren Tod erst gar nicht, dann – ohne, dass dadurch etwas erklärt würde – in zwei kurzen Flashbacks gezeigt wird, die aber auch einfach kurze Fantasien von Francois sein könnten. Dieser Tod ist ein weiteres Naturereignis, die Frage nach Motivationen, Psychologie, Moral (die sozusagen zuallererst) ist fehl am Platz. Nur konsequent ist der (sieht man ihn mit anderen Augen als denen des Films: empörende) Fortgang des Geschehens, die Ersetzung von Therese durch Emilie, wiederum völlig ungerührt gezeigt, auch Mozart ist gleich wieder zur Stelle. Das Atemberaubende an Le Bonheur ist, dass einem der Film jedes Fundament, von dem aus man werten, erklären, begreifen könnte, was da geschieht, entzieht. Man kann nicht mitfühlen, mitleiden, sich nicht identifizieren, aber auch nicht verabscheuen. Der Film ist reine, perfekte Zweidimensionalität, schmerzhaft schön, ohne jede Tiefe, pure Oberfläche, deren Komposition und Rekomposition alles ist, was man an Anhaltspunkten bekommt. Zutiefst ironisch (oder eben auch wieder überhaupt nicht; es lässt sich nicht sagen) dann der Schluss, der Naturausgang sozusagen, der dem Anfang korrespondiert, wiederum: die Kleinfamilie im Grünen, ein Fest der Farben, dazu betörender Mozart. Statt Therese jetzt eben Emilie.« (Zitiert mit freundlicher Genehmigung des Autors Ekkehard Knörer, www.jump-cut.de. Herzlichen Dank!)
»Leaving Las Vegas« * * * * * * USA 1996, Länge: 111 (DVD 107) Minuten, Regie: Mike Figgis, Buch: Mike Figgis, Kamera: Declan Quinn, Musik: Mike Figgis, Produzent: Lila Cazes, Annie Stewart. Mit: Nicolas Cage, Elisabeth Shue, Julian Sands, Richard Lewis, Steven Weber, Kim Adams, Laurie Metcalf, Emily Procter, Stuart Regen, Valeria Golino, Al Henderson, Ed Lauter, Lucinda Jenney, R. Lee Ermey.
Erschütternde Liebesgeschichte von ungeheurer Intensität. Dazu sagenhafte Filmmusik vom Regisseur und Autor Mike Figgis höchstpersönlich.
»Der Drehbuch-Autor und Alkoholiker Ben Sanderson (Nicolas Cage) hat alles verloren: seinen Job, seine Frau und jeglichen Willen, weiter zu leben. Er beschließt, nach Las Vegas zu reisen, um sich nach allen Regeln der Kunst zu Tode zu saufen. Dabei trifft er das einsame Edel-Callgirl Sera (Elisabeth Shue), die – wie er – am Rande der Gesellschaft lebt. Bald verbindet die beiden eine bedingungslose Liebe, die so stark ist, dass sie selbst vor einem tragischen Schicksal nicht kapituliert. Für seine überragende schauspielerische Leistung wurde Nicolas Cage mit dem Oscar® als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
»Leoparden küßt man nicht« / »Bringing Up Baby« * * * * * USA 1938, Länge: 94 Minuten in der ursprünglichen deutschen Verleihfassung, die ohne Sinn und Verstand gekürzt war; das Original hat 102 Minuten, das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland zeigt den Film in Originallänge, die seinerzeit nicht sychronisierten Auslassungen sind untertitelt eingefügt. Regie: Howard Hawks, Buch: Hagar Wilde, Dudley Nichols, Robert F. McGowan und Gertrude Purcell, Kamera: Russell Metty, Musik: Roy Webb, Produzent: Howard Hawks. Mit: Cary Grant, Katharine Hepburn, Charles Ruggles, May Robson, Walter Catlett, Barry Fitzgerald, Fritz Feld, Leona Roberts, George Irving, Tala Birell, Virginia Walker, John Kelly, Stanley Blystone, Ward Bond, Geraldine Hall, Edward Gargan, Buck Mack, William Benedict, Buster Slaven, Pat West, Jack Carson, Richard Lane, Pat O'Malley, Billy Bevan, Frank M. Thomas, George Humbert, Ernest Cossart, Judith Ford, Corrigan D'arcy.
Mein nicht nur Filme liebender Freund Jochen behauptet steif und fest, in diesem Komödien-Klassiker gehe es vor allem um die GV-Variante, die mit "a tergo" bezeichnet wird. Ob das hinten und vorne stimmt? Vielleicht auch Grieche sucht Griechin? Naja, sehen Sie selbst.
Das Kino im Zeughaus vom Deutschen Historischen Museum meint: »Bringing Up Baby zählt zu den Screwballcomedies, die in den 1930er und 1940er Jahren in den USA sehr populär waren. Laut Anke Sterneborg verdanken die Screwballcomedies ihren Namen einem bestimmten Ballwurf: „Durch eine Drehung aus dem Handgelenk verändert der Ball seine Flugbahn. Wenn man den verwirrten Lauf des Balles auf den menschlichen Geist überträgt, dann lässt sich das getrost mit >eine Schraube locker haben<. übersetzen.“ Vollkommen zu Recht schrieb Enno Patalas in der Filmkritik 1966, dass es unmöglich sei, die Handlung von Bringing Up Baby wiederzugeben, „weil der Film überhaupt nur aus Handlung bestehe“. Frieda Grafe versucht es in einer Kurzkritik folgendermaßen: „Komisch, böse und hemmungslos irre. Über einen Fachidioten, der von einer Frau gejagt wird. Er seinerseits hetzt einem Knochen nach, den der Hund der Frau ihm geklaut hat. Grant ist Paläontologe. Nur für Leute mit starken Nerven, die Karikaturen verkraften.“ „Hawks zeigt action in der Karikatur. Katharine Hepburns Beine bewegen sich im gleichen Tempo wie ihr Mund.“«
»Lichter der Großstadt« / »City Lights« * * * * USA 1931, Länge: 86 Minuten, Regie: Charlie Chaplin, Buch: Charlie Chaplin, Kamera: Roland H. Totheroh, Musik: Charlie Chaplin, Produzent: Charlie Chaplin. Mit: Charlie Chaplin, Virginia Cherrill, Harry Myers, Florence Lee, Allan Garcia.
Text zur DVD: »Lichter der Großstadt beginnt mit einer brüllend komischen Persiflage pompöser Förmlichkeiten und endet in einer der berühmtesten Schlusseinstellungen der Filmgeschichte. Er geht uns von Anfang bis zum Schluss derart ans Herz und erschüttert unser Zwerchfell, dass er 1998 vom American Film Institute in die Liste der 100 Besten amerikanischen Filme aufgenommen wurde. Der Tonfilm hatte sich bereits durchgesetzt, als sich Charles Chaplin hartnäckig gegen die neue Art des Filmemachens stemmte und diesen unsterblichen Klassiker ohne Dialog drehte – auf der Tonspur sind nur Musik und Geräusche zu hören. Die Geschichte zeigt die Versuche des Tramps, Geld für eine Operation zu verdienen, durch die ein blindes Blumenmädchen das Augenlicht wieder erlangen soll. Dadurch schafft sich der Star einen idealen Rahmen für Gags und große Gefühle. Der Tramp jobbt abwechselnd als Straßenkehrer und Boxer, er gibt sich als reicher Mann aus und bewahrt einen Millionär vor dem Selbstmord. Die Botschaft des Films wird zwar nicht ausgesprochen, aber dennoch in aller Welt verstanden: Liebe macht blind.« Mit Verlaub, dieser letzte Satz ist natürlich kompletter Unsinn: Das Gegenteil stimmt: Liebe macht sehend, das ist Chaplins Botschaft.
»Lohn der Angst« / »Le salaire de la peur« * * * * * * F/I 1952, Länge 150 (DVD 142) Minuten (Achtung! Es ist auch die gekürzte deutsche Kinofassung in Umlauf), Regie: Henri-Georges Clouzot, Buch: Henri-Georges Clouzot, Jérome Géromini, Kamera: Armand Thirard, Musik: Georges Auric, Produzent: Louis Wipf. Mit: Yves Montand, Charles Vanel, Peter Van Eyck, Vera Clouzot, Folco Lulli, William Tubbs, Dario Moreno, Jo Dest.
Einer der besten je gedrehten Filme, und das wird er auch bleiben. Existenzialistischer Minimalismus, nervenzerfetzend, radikal modern, große Kunst, perfekter Action-Thriller. Kann man nur Szene für Szene ehrfürchtig und atemlos bestaunen.
Meint auch die gesamte Weltkritik. Und in BRD: »Hochexplosiver, schnörkelloser Actionklassiker. Setzte Maßstäbe für das gesamte Genre.« ("Cinema") / »Meisterwerk als einer der spannendsten Filme aller Zeiten, Muster an Präzision in permanenter Steigerung von Suspense-Situationen.« ("VideoWoche")
Hochinteressant wichtige Information im "Dirk Jasper Filmlexikon" (www.djfl.de), das sowieso beonders wertvoll ist: »Jedes Land hatte seine eigenen Vorstellungen davon, wie mit sozialkritischen Aspekten im Film umzugehen sei. Daraus entstand eine fast unüberschaubare Anzahl von Schnittfassungen: 1953: Original (F): 151 Minuten / 1953: BRD: 150 Minuten / 1954: USA: 138 Minuten / 1957: DDR: 144 Minuten / verschiedene TV-Fassungen: zwischen 124 und 127 Minuten / 1999: DVD Criterion: 148 Minuten / 2003: TV-Fassung ZDF: 144 Minuten / 2004: DVD Concorde: 142 Minuten. Die deutsche Fassung des Films, die 1953 mit 150 Minuten in die Kinos kam, wurde 2003 vom ZDF restauriert, allerdings war nur eine verkürzte Fassung aufzufinden. Die Originalsprecher waren verstorben, daher mussten die ergänzten Szenen mit anderen Sprechern nachsynchronisiert werden. Die 2004 veröffentlichte DVD der deutschen Langfassung wurde wieder um einige Minuten gekürzt (ZDF 2003: 144 Minuten, DVD Concorde: 142 Minuten).« Zusätzliche Verwirrung gibt es natürlich durch die technisch bedingte kürzere Laufzeit im TV und auf Video/DVD: 25 Bilder pro Sekunde werden da in Deutschland gezeigt, im Kino nur 24, was bei der Länge schon einen erheblichen Unterschied ausmacht.
»Ludwig II.« / »Le Crepuscule des Dieux« * * * * BR Deutschland, Frankreich, Italien 1972, Länge: 235 (gekürzt 144) Minuten, Regie: Luchino Visconti, Buch: Luchino Visconti, Enrico Medioli, Suso Cecchi d'Amico, Kamera: Armando Nannuzzi, Musik: Robert Schumann, Richard Wagner, Jacques Offenbach, Franco Mannino, Schnitt: Ruggero Mastroianni, Produzent: Ugo Santalucia. Mit: Helmut Berger, Romy Schneider, Trevor Howard, Silvana Mangano, Helmut Griem, Nora Ricci, Sonja Petrowa, Gert Fröbe, John Moulder-Brown.
»... ein subjektives, aufwendig und historisch penibel gestaltetes Kammerspiel über das Leben und Leiden des Märchenkönigs Ludwig II. Der Regisseur folgt ... den Interessen des, nach Visconti, „letzten absolutistischen Herrschers, der lieber mit der Kunst als mit der Politik regieren wollte“.« (Wikipedia)
»Ludwig II.« * * * BR Deutschland 1954, Länge: 115 Minuten, Regie: Helmut Käutner, Buch: Georg Hurdalek und Peter Berneis, Kamera: Douglas Slocombe, Musik: Heinrich Sutermeister und Richard Wagner, Produzent: Conrad von Molo und Wolfgang Reinhardt. Mit: O. W. Fischer, Ruth Leuwerik, Marianne Koch, Paul Bildt, Friedrich Domin, Rolf Kutschera, Herbert Hübner, Robert Meyn, Rudolf Fernau, Klaus Kinski, Willy Rösner, Fritz Odemar, Erik Frey.
Der Film ist überhaupt keine deutsche Königsschnulze, was viele wegen der verdächtigen Besetzung (O. W. Fischer, Ruth Leuwerik, Marianne Koch) vermuten oder gar fest glauben. Nein, so was könnte der große Helmut Käutner beim schlechtesten Willen doch überhaupt nicht drehen. Es ist vielmehr ein sehenswertes Künstlerdrama: Die Macht (Ludwig), welche die Kunst (Wagner) sucht, die Kunst, die die Macht sucht. Und sie haben dabei die schnöde Welt gegen sich.
»M – eine Stadt sucht einen Mörder« * * * * * * Deutschland 1931, Länge: 117 (108 / fr.99) Minuten, Regie: Fritz Lang, Buch: Thea von Harbou und Fritz Lang, Kamera: Fritz Arno Wagner und Karl Vash, Musik: Motiv aus "Peer Gynt" von Edvard Grieg, gepfiffen von Fritz Lang, Produzent: Ernst Wolff, Seymour Nebenzahl. Mit: Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen, Theodor Loos, Inge Landgut, Georg John, Ellen Widmann, Hertha von Walther, Lotte Loebinger, Ernst Stahl-Nachbaur, Friedrich Gnaß, Fritz Odemar, Franz Stein, Rudolf Blümner, Karl Platen, Gerhard Bienert, Rosa Valetti.
»"M" wurde im Anschluss an einen ähnlichen Kriminalfall und in Anlehnung an die Zeitungsreportage "Der Vampyr von Düsseldorf" gedreht. Der Film schildert, wie ein Kindermörder von einer ganzen Stadt und sogar von seinen "Kollegen" gejagt wird. "M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER ist bemerkenswert wegen der Meisterschaft, mit der hier sichtbare Bewegung, Ton und symbolische Details vereint wurden. Thematisch steht im Hintergrund das Problem, welches das gesamte Tonfilmschaffen Langs bestimmt - die Frage der Schuld. Der Film löste in Deutschland eine erbitterte Diskussion um die Todesstrafe aus" Fritz Langs erster Tonfilm wurde 1931 zwar zugelassen, doch für Jugendliche unter 18 Jahre untersagt. Im Juli 1934 wurde er ganz verboten. In Jahr 1931 wurde M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER als künstlerisch wertvoll anerkannt und 1995 als wichtigster deutscher Film des 20. Jahrhunderts gewählt.« (Deutsches Filminstitut)
»Manche mögen's heiß« / »Some Like It Hot« * * * * * USA 1959, Länge: 120 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond, Kamera: Charles Lang jr., Musik: Adolph Deutsch, Schnitt: Arthur Schmidt, Produzent: Billy Wilder. Mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon, Tony Curtis, Joe E. Brown, George Raft, Pat O'Brien, Nehemiah Persoff.
Wußten Sie das?: Diese legendäre Komödie war einst in Deutschland erst ab 18 freigegeben, jetzt ab 16, dabei kann man die jedem vernünftigen Kind zeigen, aus dem mal was werden soll!
»Mars Attacks« * * * * USA 1996, Länge: 106 Minuten, Regie: Tim Burton, Buch: Jonathan Gems, Kamera: Peter Suschitzky, Musik: Danny Elfman, Produzent: Tim Burton und Larry Franco. Mit: Jack Nicholson, Glenn Close, Pierce Brosnan, Annette Bening, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Natalie Portman, Danny DeVito, Martin Short, Lukas Haas, Rod Steiger, Sylvia Sidney, Pam Grier, Jack Black.
Völlig abgespacet.
»Maschinenpistolen« / »White Heat« * * * * * USA 1949, deutscher Titel auch: »Sprung in den Tod«, Länge: 90 Minuten, Regie: Raoul Walsh, Buch: Ivan Goff und Ben Roberts, Kamera: Sid Hickox, Musik: Max Steiner, Produzent: Louis F. Edelman. Mit: James Cagney, Edmond O'Brien, Virginia Mayo, Steve Cochran, John Archer, Margaret Wycherly, Wally Cassell, Mickey Knox, Ian MacDonald, Ford Rainey, Robert Osterloh.
Enorm berühmter Filmschluß! James Cagney (ödipaler Gangster-Sohn einer Gangster-Mutter) auf einem Gaskessel, der gleich mit ihm in die Luft fliegen wird: "Made it, Ma! Top o' the world!"
»Mäusejagd« / »Mouse Hunt« * * * * USA 1997, Länge: 99 Minuten, Regie: Gore Verbinski, Drehbuch: Adam Rifkin, Musik: Alan Silvestri, Kamera: Phedon Papamichael, Spezialeffekte: Charles Gibson (Supervisor), Ausstattung: Linda De Scenna, Schnitt: Craig Wood, Kostüme: Jill Ohanneson, Produzenten: Alan Riche, Tony Ludwig, Bruce Cohen für DreamWorks. Mit: Nathan Lane, Lee Evans, Christopher Walken,William Hickey.
Liebenswerte, höchst amüsante, fantastisch trickreich gemachte Groteske über eine Maus, die sich dagegen wehrt, daß ihr Haus verhökert wird. Urkomisch! Ganz großes Juchhu!
»Meisterdetektiv Blomquist« / »Mästerdetektiven Blomkvist« * * * Schweden 1947, Länge: 91 Minuten (Original), Regie: Rolf Husberg, Drehbuch: Rolf Husberg (nach dem Buch von Astrid Lindgren), Kamera: Rune Ericson, Musik: Gunnar Johansson, Jules Sylvain, Ton: Per Lönndahl, Lars Nordberg, Schnitt: Rolf Husberg, Ausstattung: Bibi Lindström, Produzent: Schamyl Bauman. Mit: Olle Johansson (Kalle Blomquist), Ann-Marie Skoglund (Eva-Lotta / Eva-Lotte Lisander), Sven-Axel Carlsson (Anders Bengtsson), Sigge Fürst (Wachtmeister Björk), Henrik Schildt (Onkel Einar), Anna-Stina Wåglund (Frau Blomquist), Björn Berglund (Kolonialwarenhändler Blomquist), Solveig Hedengran (Frau Lisander), Gösta Jonsson (Bäckermeister Lisander), Bernt Callenbo (Sixten), Ulf Törneman-Stenhammar (Benka), Roberto Günther (Jonte), Magnus Kesster (Arthur), Peter Lindgren (Tjommen), Carl Reinholdz (Friedrich mit dem Fuß), Fritiof Billquist (Polizeiinspektor), Birger Sahlberg (Polizeichef).
Dieser wunderhübsche allererste Kalle-Blomquist-Film (von Dreien) ist wie vom Erdboden verschwunden. Im (normal zugänglichen) Fernsehen wird er nicht mehr gezeigt; beim KinderKanal (angesiedelt beim MDR in den Neuen Bundesländern) ist er dem zuständigen Redakteur (2004) völlig unbekannt; außerdem, sagt der, hätten die Kids heute mit Schwarz-Weiß-Streifen größte Schwierigkeiten - soll heißen, die braucht man gar nicht mehr zu zeigen. Skandalös. Bei keinem Verleih ist dieser Blomquist-Film gelistet, an dem Astrid Lindgren, die Große, höchstpersönlich mitgearbeitet haben soll; auf Video oder gar DVD gibt es ihn auch nicht. Es ist zum Heulen. (Mehr über Kalle Blomquist und Astrid Lindren bei den Buch-Tips: hier.)
»Menschen am Sonntag« * * * * Deutschland 1929, Länge: Länge: 74 (früheresVideo 58 laut 2001-Lexikon, rekonstruierte 74'-Fassung auf DVD) Minuten, Regie: Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer, Rochus Gliese, Curt Siodmak, Fred Zinnemann, Buch: Billy (Billie) Wilder, Robert Siodmak, Kamera: Eugen Schüfftan, Musik: Elena Kats-Chernin, Otto Stenzel, Produzent: Moriz Seeler. Mit: Brigitte Borchert, Christl Ehlers, Annie Schreyer, Wolfgang von Waltershausen, Erwin Splettstößer, Valeska Gert, Kurt Gerron, Ernst Verebes.
Das muß man sich mal klarmachen, welche (späteren) Meister hier ihr Gesellenstück machten: Eugen Schüfftan, Curt und Robert Siodmak, Edgar Ulmer; Billy Wilder, Fred Zinnemann. Und Meister waren die dann wo? Ja, genau. Dazu paßt: Gab es im Ursprungsland Deutschland lange Jahre nicht auf DVD, aber in englischer Fassung. Deshalb hier etwas befremdlich abgebildet: "People On Sunday".
»Metropolis« * * * * * Deutschland 1926, Länge: 93 (Original 148), restaurierte Fassung: 147 Minuten, Regie: Fritz Lang, Buch: Thea von Harbou, Kamera: Karl Freund, Günther Rittau, Musik: Gottfried Huppertz, Giorgio Moroder (in einer Neufassung, sozusagen einer filmischen Coverversion mit neuem Schnitt, Effekten, beraten vom Filmkritiker Enno Patalas) bzw. Bernd Schultheis, der für die derzeit aktuellste Rekonstruktionsfassung mit einer Länge von 150 Minuten eine neue Musik komponierte; diese Fassung wird auch im deutschen TV ausgestrahlt. Mit: Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Alfred Abel, Rudolf Klein-Rogge, Heinrich George, Fritz Rasp, Helene Weigel, Theodor Loos.
»Metropolis – die Stadt der Zukunft. Fritz Langs monumentaler Science-Fiction-Film verbindet visuelle Kraft mit einer Liebesgeschichte um die Versöhnung von Arbeit und Kapital: Hoch über der Stadt herrscht Joh Fredersen, während unter der Erde die Arbeiter schuften. Fredersens Sohn Freder verliebt sich in die Arbeiterführerin Maria. Gleichzeitig erschafft Rotwang, der Erfinder, einen stählernen Roboter, dem er auf Fredersens Anweisung das Aussehen Marias gibt. Die falsche Maria wiegelt die Arbeiter auf, die ihre Maschinen verlassen und damit die Überflutung der Stadt auslösen. Erst durch Freders und Marias Einsatz kann Metropolis gerettet werden. Herr der Stadt und Arbeiter erkennen, dass "Hirn" und "Hände" zusammengehören.« (filmportal.de/Deutsches Filminstitut – DIF e.V.)
»Meuterei auf der Bounty« / »Mutiny on the Bounty« (1935!) * * * * USA 1935, Länge: 135 Minuten, Regie: Frank Lloyd, Buch: Talbot Jennings, Carey Wilson und Jules Furthman, Kamera: Arthur Edeson, Musik: Herbert Stothart, Produzent: Irving Thalberg. Mit: Charles Laughton, Clark Gable, Franchot Tone, Herbert Mundin, Eddie Quillan, Donald Crisp, Dudley Digges, Henry Stephenson, Movita.
Eindeutig besser, vor allem wegen Laughton, als die durchaus ansehnliche Verfilmung von 1962, die auch mit großen Namen in See stach: Regie: Lewis Milestone, Buch: Charles Lederer, Eric Ambler (!), Marlon Brando (ganz gut), Trevor Howard (sehr gut), Richard Harris. In beiden Verfilmungen ist der Bösewicht, der sadistische Kapitän die beste Rolle (Laughton/Howard), der Gute (Marlon Brando, 1962) ist eine langweilige Erscheinung.
Also: It’s the Bösewicht, stupid!
»Misery« * * * * USA 1990, Länge: 108 Minuten, Regie: Rob Reiner, Buch: William Goldman, Kamera: Barry Sonnenfeld, Musik: Marc Shaiman, Produzent: Andrew Scheinman, Rob Reiner und Steve Nicolaides. Mit: James Caan, Kathy Bates * * * * *, Richard Farnsworth, Frances Sternhagen, Lauren Bacall, Graham Jarvis, Jerry Potter, Thomas Brunelle, June Christopher.
Prisma-online.de bemerkt zutreffend: »Regisseur Rob Reiner inszenierte hier eine hervorragende Umsetzung der Stephen King-Geschichte "Sie". Der kammerspielartige Film bezieht seine Spannung aus der klaustophobischen Situation des Schriftsteller, der auf Gedeih und Verderb seiner vermeintlichen Wohltäterin ausgeliefert ist. Kathy Bates erhielt für ihre brillante schauspielerische Leistung als Psychopathin den Oscar und den Golden Globe.« Die ist ja auch klasse. In "Titanic" spielt sie genauso glänzend eine herzensgute, mehr als lebenstüchtige Dame. Kommt verdientermaßen ins Rettungsboot.
»Mississippi Burning - Die Wurzel des Hasses« / »Mississippi Burning« * * * * USA 1988, Länge: 127 Minuten, Regie: Alan Parker, Buch: Chris Gerolmo, Kamera: Peter Biziou, Musik: Trevor Jones, Produzent: Frederick Zollo, Robert F. Colesberry. Mit: Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Gailard Sartain, Stephen Tobolowsky, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Badja Djola, Kevin Dunn.
Gene Hackman auch hier überragend. Ein Mann von unheimlicher, subtiler Kraft, um ihn immer eine Aura von lächelnder tödlicher Gefahr. Sagenhaft.
2001-Lexikon meint und hat recht: »Die Ermordung dreier Bürgerrechtskämpfer im amerikanischen Süden führt 1964 zu einer Aktion des FBI gegen den Ku-Klux-Klan und den Rassismus in der Bevölkerung. Im Handlungsablauf dem Schema eines Western nicht unähnlich, rückt der Film die Folgen jahrhundertelanger Unterdrückung der Farbigen überzeugend ins Bild - im Zentrum stehen freilich einmal mehr die Weißen. Vorzüglich gespielt und dicht inszeniert.«
»Moby Dick« * * * * * USA 1956, Länge: 115 Minuten, Regie: John Huston, Buch: John Huston und Ray Bradbury (!), Kamera: Oswald Morris, Musik: Philip Stainton, Produzent: John Huston, Vaughan N. Dean. Mit: Gregory Peck, Orson Welles, Richard Basehart, Leo Genn, James Robertson Justice, Harry Andrews, Bernard Miles, Seamus Kelly, Tamba Alleney, Edric Connor, Mervyn Johns, Friedrich Ledebur.
Großer Film, bei der Kritik oft sträflich unterschätzt, vor allem völlig blinde Mäkelei an Gregory Peck; der smarte schöne Hollywoodstar sei die falsche Besetzung, der könne gar keinen finsteren Ahab geben etc. Dummes Zeug. Wie mein Freund Jochen zutreffend bemerkt, ist es ja von erheblicher Bedeutung, daß Kaptän Ahab gerade kein Monsterwiderling ist, sondern ein kluger, gesellschaftsfähiger Mann und meisterlicher Schiffsführer. Wie sonst wäre der Abgrund der Besessenheit so groß, die Bitternis über die Verletzung so verzehrend, so verzweifelt die Suche nach Heilung durch die Harpune (im »Parsifal« von Richard Wagner der Speer: »Nur eine Waffe taugt, die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug!«)!? Nein, großartiger Film, auch technisch ausgezeichnet, kein bißchen veraltet. Herrliches Kino. Wunderbar schon der Anfang, wie der Erzähler von einer Quelle ausgehend mit immer größeren Bächen und schließlich dem breiten Fluß ans Meer kommt, wo er seine Bestimmung findet, nämlich das zu erleben, von dem am Ende nur er uns berichten kann, gerettet durch einen Sarg. Also, um Alfred Kerr zu variieren: Vorhang geht auf, und wir sagen: "Schon klasse!" Leider ist die erste (aktuelle) DVD nur die unbearbeitete Kopie einer ziemlich abgenudelten Zelluloid-Fassung. Was sich ein Verleih dabei denkt, möchte man vielleicht gar nicht wissen.
»Moderne Zeiten« / »Modern Times« * * * * * USA 1937, Länge: 83/87 Minuten, Regie: Charles Chaplin, Buch: Charles Chaplin, Kamera: Roland H. Totheroh, Ira Morgan, Musik: Charles Chaplin. Mit: Charles Chaplin, Paulette Goddard, Henry Bergman, Allan Garcia, Chester Conklin, Stanley J. Sanford, Stanley Blystone, Sam Stein.
»Mensch gegen Maschine! Wenn Charlie Chaplins Tramp es mit den Schrecken der Fließbandarbeit aufnimmt, dann profitieren vor allem die Comedy-Fans davon. Dieser Filmklassiker wurde 1998 vom American Film Institute in die Liste der 100 besten amerikanischen Filme aufgenommen. Der kleine Tramp versucht sein Glück als Arbeiter in einer Fabrik, in der verrrückte Erfindungen wie die Mitarbeiter-Füttermaschine die einstündige Mittagspause auf 15 Minuten reduzieren soll. Als er seinen Job verliert und auf der Straße landet, tut er sich mit einem obdachlosen Mädchen (Paulette Goddard) zusammen, um nach besseren Zeiten und einer Lohntüte Ausschau zu halten. Kein Glück hat er als Knastbruder, Rollschuh fahrender Nachtwächter oder als urkomischer, Nonsens singender Kellner. Am Ende gehen der Tramp und das Mädchen Arm in Arm unsicheren Zeiten entgegen. Wir wissen zwar, dass sie die Seligkeit nicht gefunden haben, und Lohntüten bekommen sie auch nicht - dafür aber einander. Moderne Zeiten ist und bleibt eine zeitlose Satire.« (Werbender, trotzdem guter Text zur DVD-Veröffentlichung)
Lexikon des Internationalen Films: »Eine berühmte sozial- und gesellschaftskritische Tragikomödie über den Menschen im Räderwerk der modernen Technik. Eine Tragikomödie von bitter-ironischer Schärfe; mit einfachsten Mitteln, viel Bildwitz und Galgenhumor gestaltet.«
»Modesty Blaise – die tödliche Lady« / »Modesty Blaise« * * * * Großbritannien 1965, Länge: 119 Minuten, Regie: Joseph Losey, Buch: Evan Jones, Kamera: Jack Hildyard, Musik: John Dankworth, Johnny Dankworth, Produzent: Joseph Janni, Norman Priggen und Michael Birkett. Mit: Monica Vitti, Terence Stamp, Dirk Bogarde, Harry Andrews, Michael Craig, Scilla Gabel, Tina Aumont.
Herrliche Bond-Satire in allerschönster Pop-Op-Art.
Unvergeßlich: Snob Dirk Bogarde zwecks Folter auf heißem Sand an Armen und Beinen gefesselt ausgespannt, der brennenden Sonne ausgesetzt. Er wirft den Kopf hin und her, bewegt die Lippen, die Kamera fährt auf ihn zu, näher und näher, und jetzt hören wir, was der Durstende murmelt: "Champagner, Champagner ...".
Kann ich gut verstehen, hat was.
»Mon Oncle« * * * * Frankreich, Italien 1958, Länge: 109 Minuten, Regie: Jacques Tati, Buch: Jacques Tati mit Jacques Lagrange und Jean L'Hôte, Kamera: Jean Bourgoin, Musik: Norbert Glanzberg, Frank Barcellini und Alain Romans, Produzent: Specta Films/Gray Film/Alter Films, Louis Dolivet. Mit: Jacques Tati, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servantie, Alain Bécourt, Lucien Frégis, Dominique Marie, Betty Schneider, Yvonne Arnaud.
»Mordsache Dünner Mann« / »The Thin Man« * * * * USA 1934, Länge: 93 Minuten, Regie: W. S. Van Dyke, Buch: Albert Hackett und Frances Goodrich, Kamera: James Wong Howe, Musik: William Axt, Produzent: Hunt Stromberg. Mit: William Powell, Myrna Loy, Maureen O'Sullivan, Nat Pendleton, Minna Gombell, Porter Hall, Henry Wadsworth, William Henry, Harold Huber, Cesar Romero, Natalie Moorhead.
Werbender, dennoch sehr zitierenswerter Text zur DVD-Veröffentlichung: »Nick und Nora Charles laden Sie herzlich ein, bei "Der dünne Mann" ihr eigenes Alibi vorzuweisen: Mit dieser übermütigen Krimikomödie stiegen William Powell und Myrna Loy in die Champagner-Elite der Privatdetektive auf. In schlagfertigen Salonscharmützeln und bei Spaziergängen mit ihrem geliebten Hund Asta versuchen sie einander Cocktail für Cocktail und Indiz für Indiz zu übertrumpfen – eine gelungene Mischung aus Screwball-Romanze und Krimi. Das Ergebnis war ein Kino-Triumph, der vier Oscar®-Nominierungen* (darunter in der Kategorie Bester Film) einsackte und fünf Fortsetzungen nach sich zog. Regisseur W. S. „Woody“ Van Dyke erkannte als Erster, dass Powell und Loy das ideale Leinwandpaar abgeben: Das Studio genehmigte den Film, weil Van Dyke versprach, diese brillante Verfilmung des Romans von Dashiell Hammett innerhalb von drei Wochen abzudrehen. Er brauchte dann nur zwölf Tage. Den Spitznamen „One-Take Woody“ („Bei mir klappt jede Einstellung beim ersten Mal“) hat er also nicht umsonst bekommen…«
»Moulin Rouge« (1952) * * * Großbritannien 1952, Länge: 111 Minuten, Regie: John Huston, Buch: Anthony Veiller und John Huston, Kamera: Oswald Morris, Musik: Georges Auric, Produzent: John Huston. Mit: José Ferrer, Colette Marchand, Zsa Zsa Gabor, Suzanne Flon, Claude Nollier, Katherine Kath, Christopher Lee, Muriel Smith, Georges Lannes, Mary Clare, Walter Crisham, Harold Kasket, Jim Gérald, Lee Montague, Maureen Swanson, Tutte Lemkow, Jill Bennett, Theodore Bikel, Peter Cushing, Charles Carson, Michael Balfour, Jean Claudio, Francis De Wolff, Fernand Fabre, Jean Ozenne, Eric Pohlmann.
Auch filmhistorisch ein bemerkenswertes Werk; das 2001-Lexikon des Internationalen Films notiert: »John Huston unternimmt einen wichtigen und bemerkenswerten Versuch, Farbdramaturgie bewußt einzusetzen - er gestaltet die Welt des Malers in dessen eigenen Formen und Farben und macht sie zum Stilprinzip des Films. Sehenswert: José Ferrer in der Hauptrolle.«
»Moulin Rouge« (2001) * * * * * * USA, Australien 2001, Länge: 128 Minuten, Regie: Baz Luhrmann, Buch: Baz Luhrmann, Craig Pearce, Kamera: Donald M. McAlpine, Musik: Craig Armstrong, Marius de Vries, Steve Hitchcock. Mit: Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Leguizamo, Jim Broadbent, Richard Roxburgh, Garry McDonald, Jacek Koman, Matthew Whittet, Kerry Walker, Caroline O'Connor, David Wenham, Christine Anu, Natalie Jackson Mendoza, Lara Mulcahy, Kylie Minogue.
Völlig überdreht in Tempo und Kitsch, verwirbelt Cancan mit Videoclip, zieht alle Register von Show und Tricks der Traumfabrik. Einzigartig überdreht - und schon deshalb sehenswert. Der Film wird von vielen als manieriert kritisiert. Das ist er auch. Aber was daran in diesem Fall kritikwürdig sein soll, ist mir unerfindlich. Baz Luhrmann setzt bewußt auf Manierismus als angemessenes Stilmittel und erreicht vollkommen, was er will.
»My Fair Lady« * * * * USA 1963, Länge: 166/173 Minuten, Regie: George Cukor, Buch: Alan Jay Lerner, Kamera: Harry Stradling Jr., Musik: Frederick Loewe, Produzent: Jack L. Warner. Mit: Audrey Hepburn, Rex Harrison, Stanley Holloway, Wilfrid Hyde-White, Gladys Cooper, Jeremy Brett, Theodore Bikel, Isobel Elsom.
Eindeutig eine der besten Verfilmungen eines klassischen Musicals; man amüsiert sich, und das nicht unter Niveau.
»Für ein wissenschaftliches Experiment nimmt der exzentrische Professor Higgins das ungebildete Blumenmädchen Eliza unter seine Fittiche: Er will beweisen, dass die Sprache eines Menschen auch seinen Charakter formt und dass er Eliza innerhalb weniger Wochen in eine echte Lady verwandeln kann…
George Cukors berauschendes Fest der opulenten Bilder und der unvergesslichen Musik war die Sensation der Oscar®-Verleihung 1964: Acht Trophäen gewann das gefeierte Musical der Superlative, unter anderem für den Besten Film und die Beste Regie, für den Besten Hauptdarsteller (Rex Harrison) und erwartungsgemäß für die Besten Kostüme und die Beste Ausstattung.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
Lexikon des Internationalen Films meint zutreffend: »Witzig, gescheit und romantisch. Ein intellektueller Genuß, beispielhaft in der Filmgeschichte des Musicals.«
»Nacht und Nebel« / »Nuit et Brouillard« — singulärer Film, Bewertung nicht nötig. Frankreich 1955, Dokumentarfilm, Länge: 32 Minuten, Regie: Alain Resnais, Drehbuch: Jean Cayrol, Paul Celan, Musik: Hanns Eisler.
An dieser Stelle ein Hinweis, weil dieser Film aus dem Rahmen jeder Film-Liste fällt: »Nacht und Nebel« ist ein ca. halbstündiger "Kurzfilm" über die deutschen KZs, die Vernichtungslager, der - wiewohl mit höchster Kunstfertigkeit montiert, vertont - sein Thema nicht zum Objekt künstlerischen Tuns macht. Dies unterscheidet ihn wichtig vom durchaus ehrbaren Versuch »Schindlers Liste« des großen Steven Spielberg und vor allem von der unsäglichen KZ-Klamotte »Das Leben ist schön« des auch hier noch peinlich eitlen Roberto Benigni. Resnais widersteht der Versuchung, die industrielle Menschenvernichtung mit Kino-Mitteln zu dramatisieren. Erschütterung erzeugt er nicht mit dem Griff ins Repertoire filmischer Emotionalisierung. Gerade seine emotionslos, stoisch vorgeführte Bilanz des unfaßbaren Verbrechens trifft den Zuschauer mit kalter Wucht, ohne jede Möglichkeit dem auszuweichen oder das Gezeigte ästhetisch zu diskutieren und damit (auch nur!) banal zu "bewältigen".
»Nachts, wenn der Teufel kam« * * * BR Deutschland 1957, Länge: 101/105 Minuten, Regie: Robert Siodmak, Buch: Werner Jörg Lüddecke, Kamera: Georg Krause, Musik: Siegfried Franz, Produzent: Robert Siodmak. Mit: Mario Adorf, Claus Holm, Hannes Messemer, Peter Carsten, Werner Peters, Karl Lange, Carl Lange, Annemarie Düringer, Monika John, Rose Schäfer, Christiane Nielsen, Lukas Ammann, Ernst Fritz Fürbringer, Käthe Itter, Margarete Jahnen, Walter Janssen, Georg Lehn.
»Berlin während des Zweiten Weltkriegs. Kommissar Kersten kommt dem geistesgestörten Bruno Lüdke auf die Spur, auf dessen Konto zahlreiche Frauenmorde gehen. Da wird von höchster Stelle Stillschweigen angeordnet. Das Eingeständnis, dass eine 80fache Mordserie jahrelang unentdeckt geblieben ist, ist politisch unerwünscht. Doch für einen dieser Morde sitzt in Hamburg ein Mann in der Todeszelle. Und so weigert sich Kersten, den „Fall Lüdke“ befehlsgemäß zu vergessen...
Im Dritten Reich vertuscht, erst Jahre später enthüllt und von Robert Siodmak filmisch aufgearbeitet: Der „Fall Bruno Lüdke“.« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
»Napoleon« * * * * Frankreich 1955, Länge: 183 Minuten, deutsche Fassung mit 105 (!) Minuten förmlich guillotiniert (auf der DVD sind allerdings beide Versionen), Buch/Regie: Sacha Guitry, Kamera: Pierre Montazel, Musik: Jean Françaix. Mit: Michèle Morgan, Maria Schell, Dany Robin, Daniel Gélin, O. W. Fischer, Jean Gabin, Jean Marais, Orson Welles, Jean-Pierre Aumont, Micheline Presle, Clement Duhour, Patachou, Danielle Darrieux, Raymond Pellegrin, Robert Manuel, Sacha Guitry, Lana Marconi, Yves Montand, Erich von Stroheim, Nicole Maurey. »Am 5. Mai des Jahres 1821 erzählt der greise Fürst und Politiker Monsieur de Talleyrand vor einem kleinen Kreis begieriger Zuhörer das Leben Napoleons, von dessen Tod er soeben erfahren hat. So erinnert er sich etwa daran, dass schon der zehnjährige Napoleon eine Vorahnung seines großen Schicksals gehabt haben muss... Sacha Guitry drehte eine großangelegte Filmbiographie, die in Rückblenden Napoleons Leben von seiner Kindheit über die militärischen Erfolge über das Debakel von Waterloo bis hin zu seinem einsamen Tod erzählt. Auch wenn es hier mit der Geschichte nicht immer so genau wurde, handelt es sich um faszinierende Unterhaltung.« Meint prisma-online und hat - wie ganz oft - vollkommen recht.
»Ninotschka«/ »Ninotchka« * * * * USA 1939, Länge: 108 (0riginal 110) Minuten, Regie: Ernst Lubitsch, Buch: Charles Brackett, Billy Wilder, Walter Reisch, Kamera: William Daniels, Musik: Werner R. Heymann, Produzent: Ernst Lubitsch. Mit: Greta Garbo, Melvyn Douglas, Felix Bressart, Sig Rumann, Alexander Granach, Ina Claire, Bela Lugosi, Gregory Gaye, Rolfe Sedan, Edwin Maxwell, Richard Carle.
Werbung damals: "Die Garbo lacht!" - Das Herz des Zuschauers auch, noch heute.
Text zur DVD: »Die Garbo spricht! hieß es in der Werbung, als Garbos erster Tonfilm in die Kinos kam. Neun Jahre und zwölf klassische Leinwanddramen später wollte die begabte Kinolegende wieder einmal etwas Neues ausprobieren: Die Garbo lacht! hieß es in den Veröffentlichungen zu ihrer ersten gutgelaunten Komödie über eine pflichtbewusste russische Kommissarin, die ihre Weiblichkeit hinter kommunistischer Kameradschaft versteckt, bis sie sich in einen charmanten Pariser Schwerenöter (Melvyn Douglas) verliebt. Billy Wilder war an den geschliffenen Dialogen des cleveren Drehbuchs beteiligt, und keiner wusste besser als Regisseur Ernst Lubitsch, wie man anspruchsvollen Witz mit Raffinesse und Kultiviertheit verbindet. „Mindestens zweimal am Tag wirken selbst die ehrwürdigsten Menschen absolut lächerlich“, erklärte er seinen berühmten Lubitsch-Touch. Und genauso erleben wir Garbos verliebte Ninotschka: Würdevoll und gelassen, aber auch auf sympathische Weise lächerlich. Greta Garbo lacht. Und wir mit ihr.«
»No Way Out – Es gibt kein Zurück« * * * * * USA 1987, Länge: 114 Minuten, Regie: Roger Donaldson, Buch: Robert Garland, Kamera: John Alcott, Musik: Maurice Jarre, Produzent: Laura Ziskin und Robert Garland, Laura Ziskin und Roger Garland, Roger Garland und Laura Ziskin. Mit: Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton, George Dzundza, Howard Duff, Jason Bernard, Iman, Fred Dalton Thompson, Leon Russom, Dennis Burkley, John Di Aquino, Nicholas Worth, Edith Fields.
Ungeheuer spannender, höchst intelligenter Politit-Thriller über Spionage, Intrigen, Machtspiele in Washington. Der Film ist kein cineastisches Kunststück, aber, was ja meistens sowieso viel besser ist, erstklassige, handwerklich supersolide Unterhaltung. Schauspieler hervorragend, besonders der psychopathische Assistent des Verteidigungsministers und ganz besonders (wie eigentlich immer) der überragende Gene Hackmann.
»Navy Offizier Tom Farrell (Kevin Kostner) lässt sich auf ein gefährliches Abenteuer ein: Hals über Kopf stürzt er sich in eine Affäre mit der schönen Susan Atwell (Sean Young). Ohne Schwierigkeiten bringt er sie dazu, sich von ihrem bisherigen Liebhaber zu trennen. Was Tom nicht weiß: Es ist sein Vorgesetzter, der Verteidigungsminister David Brice (Gene Hackman).« Heyne Filmjahrbuch: »Ein erstklassig gebauter Polit-Thriller von teuflischer Spannung. Nach allen Regeln des Reißerhandwerks blendend inszeniert: Sarkastisch böse im Politgeschäft, knallhart und rasant im kriminalistischen Bluff- und Puzzle-Spiel.« (Text zur DVD)
»Nosferatu« * * * * * Deutschland 1921, Länge: 84 Minuten, Regie/Produktion: Friedrich Wilhelm Murnau, Buch: Henrik Galeen, Kamera: Fritz Arno Wagner, Günther Krampf, Musik:Hans Erdmann (1921/22), diverse Neuvertonungen. Mit: Max Schreck, Gustav Von Wangenheim, Greta Schröder, John Gottowt, Alexander Granach, Georg H. Schnell, Gustav Botz, Max Nemetz, Wolfgang Heinz, Albert Venohr. »Ein Meisterwerk des deutschen Stummfilmexpessionismus und genialer Vorläufer und Maßstab aller späteren Dracula-Verfilmungen. Virtuos nutzte Murnau die technischen, poetischen und emotionalen Effekte des Mediums.« (freiburger film forum 1998)
»Notorious« * * * * * * USA 1946, deutsch auch: »Berüchtigt«, Länge: 97 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Ben Hecht, Kamera: Ted Tetzlaff, Musik: Roy Webb, Produzent: Alfred Hitchcock. Mit: Cary Grant, Ingrid Bergman, Claude Rains, Louis Calhern, Reinhold Schünzel, Leopoldine Konstantin, Moroni Olsen, Ivan Triesault, Alex Minotis, Alexis Minotis, Wally Brown, Fay Baker.
Es gibt eine gefälschte Synchronfassung, die erste fürs deutsche Kino: »Weißes Gift«. Hier ist aus nach Atomwaffen strebenden Nazis eine Rauschgiftbande gemacht worden. Irre.
Text zur DVD: »Alicia Huberman, Tochter eines als Nazi-Spion verurteilten Amerikaners, lernt auf einer Party einen amerikanischen Abwehragenten kennen. Sie erklärt sich (aus Liebe zu ihm! H.M.) bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten, um in Rio de Janeiro eine Agentenzentrale der Nazis auszuheben. Um den Auftrag erfolgreich durchzuführen, heiratet sie den Chef der Gruppe. Doch dieser entdeckt schon bald die wahren Absichten seiner jungen Gattin und versucht daraufhin, sie langsam und unauffällig zu vergiften.«
»O Brother, Where Art Thou?« * * * * USA, 2000, deutsch auch: »O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi Odyssee«, Länge: 107 Minuten, Regie: Joel Coen, Buch: Ethan Coen, Joel Coen, Kamera: Roger Deakins, Musik: T-Bone Burnett, Produzent: Ethan Coen. Mit: George Clooney, John Turturro, Tim Blake Nelson, John Goodman, Holly Hunter, Chris Thomas King, Charles Durning, Del Pentecost, Michael Badalucco, J. R. Horne, Brian Reddy, Wayne Duvall, Ed Gale, Ray McKinnon, Daniel von Bargen, Royce Applegate, Frank Collison, Quinn Gasaway, Lee Weaver.
An Homers Odyssee längs geschriebener schlauer und amüsanter Film. Toller preisgekrönter Country-* * * * * *-Soundtrack. Und Clooney ist mordskomisch.
»Mitten in der Depressionszeit, mitten in Mississippi, mitten in einem Maisfeld: drei Kettensträflinge machen sich aus dem Staub. Da wäre Everett Ulysses McGill (George Clooney), der selbstbewusste Anführer mit dem schicken Bleistiftbärtchen. Dann gibt es Delmar (Tim Blake Nelson), immer freundlich zwar, geistig aber eher schwerfällig. Und schließlich noch Pete (John Turturro), der zeitweise zu einem ziemlichen Hitzkopf werden kann. Everett hat seine Kumpane mit dem Versprechen auf einen sagenhaften Goldschatz zur Flucht überredet – doch zunächst hat das Trio wahrlich andere Sorgen. Denn auf ihrem Weg in die Freiheit und zu dem vermeintlichen Schatz warten ein hinterhältiger Vetter, der das Trio in Hoffnung auf die Belohnung an die Polizei verrät, der Bankräuber Baby Face Nelson, der auf der Flucht fast eine Kuh überfährt, verführerische Sirenen, die am Flussufer lauern, ein einäugiger Bibelverkäufer (John Goodman), dem man besser nicht trauen sollte, eine nächtliche KuKluxKlan-Parade sowie ein Gouverneur, der verzweifelt die Wahlen gewinnen will. Und als dann Delmar und Pete erfahren, dass es eigentlich gar keinen Goldschatz gibt, sondern Everett nur schnellstmöglich zu seiner Ex-Gattin Penny wollte, um deren neuerliche Heirat zu verhindern, sitzen die drei so richtig in der Tinte. Doch nachdem die Platte, die die drei Jungs nebenbei bei einem blinden Chef einer Radiostation aufgenommen haben, um schnell an etwas Bares zu kommen, sich zu dem Überraschungshit des Jahres entwickelt, scheint doch noch alles gut zu werden. Wäre da nicht jener rachsüchtige Sheriff, der den Sträflingen seit ihrer Flucht auf der Spur war – und der hat leider von der Begnadigung der drei noch nichts erfahren hat und ist ein strammer Anhänger der Todesstrafe...« (Text zur DVD-Veröffentlichung)
»Ossessione« * * * * * Italien 1943, Länge: 143 Minuten (3923 m), Deutschland 103 Minuten (2818 m), USA 112 Minuten (134 Video 130 Minuten – sagt 2001-Lexikon), Regie: Luchino Visconti, Buch: Antonio Pietrangeli, Giuseppe de Santis, Luchino Visconti, Mario Alicata und Gianni Puccini (nach der Erzählung »The Postman Always Rings Twice« von James M. Cain), Kamera: Aldo Tonti, Domenico Scala, Musik: Giuseppe Rosati, Produzent: Libero Solaroli. Mit: Clara Calamai, Massimo Girotti, Juan De Landa, Elio Marcuzzo, Dhia Cristiani, Vittorio Duse, Michele Riccardini, Michele Sakara.
Wenn der Postmann zweimal klingelt« als ganz frühe italienische Verfilmung vom später ganz großen Luchino Visconti. »... a work of extraordinary beauty, in which the influence of Renoir can be detected and appreciated in the merging of character and landscape, and the stunning lyricism of the camerawork. ... recognized as the first true neorealist film ...« (Pacific Film Archive)
»Visconti achieved in Obsession a magnificent linkage between his tragic protagonists and their environment. ... it prepared Italian filmmakers, if not the Italian public or the critics, for an entirely different intellectual and aesthetic climate in which to work.« (Peter Bondanella, »Italian Cinema from Neorealism to the Present«)
»... le film laisse une impression globale de laconisme, de réserve, de sécheresse, qui l'a empêché de vieillir.« (Jacques Lourcelles, »Dictionnaire du cinéma«)
»PACIFIC 231« * * * * * Frankreich 1949, Regie/Schnitt Jean Mitry, Länge 10 Minuten, Musik: Arthur Honegger. Prix pour le montage - court métrage Cannes 1949.
Zur Musik von Honegger geschnittene Eisenbahnfahrt; eins der großen Exempel für Bild-Schnitt-Ton.
»Panzerkreuzer Potemkin« / »Bronenosez "Potemkin"« * * * * * * UdSSR 1925, weitere Titel: 1905 God (UdSSR). Länge: 75 Minuten, Regie Sergej Eisenstein, Buch: Nina Agadshanowa-Schutko, Kamera: Edouard Tissé, Musik: Edmund Meisel, Nikolai Krjukow, Schnitt: Sergej M. Eisenstein, Produktionsfirma: Goskino (Moskau). Mit Alexandr Antonow, Wladimir Barskij, Grigori Alexandrow, Mihail Gomorow.
»Berühmter Revolutionsfilm zum 20. Jahrestag der Meuterei auf einem Kriegsschiff vor dem Hafen von Odessa. Dieser Meilenstein der Filmgeschichte, von Eisenstein nach dem klassischen Tragödien-Prinzip inszeniert, hat auch heute noch Vorbild-Charakter. Einige besonders eindringliche Szenen dieses Stummfilms werden von modernen Regisseuren nach wie vor kopiert oder geschickt weitergeführt.« ("Filmkanon – 35 ausgewählte Filme" der "Bundeszentrale für Politische Bildung")
»Parade im Rampenlicht« / »Footlight Parade« * * * * * USA 1933, Länge: 104 Minuten, Regie: Lloyd Bacon, Busby Berkeley, William Keighley, Buch: James Seymour, Manuel Seff, Kamera: George Barnes, Musik: Irving Kahal, Harry Warren, Al Dubin, Sammy Fain, Schnitt: George Amy, Produzent: Darryl F. Zanuck. Mit: Claire Dodd, Dick Powell, James Cagney, Ruby Keeler, Ruth Donnelly, Frank McHugh, Hugh Herbert, Joan Blondell.
2001-Lexikon des Internationalen Films: »Perfektes Hollywood-Musical im absolut unwirklich-künstlichen Stil der Traumfabrik; hervorragende Darstellerleistungen und besonders die Choreografie von Busby Berkeley machen den Film zu einem Höhepunkt der Musikfilme der 30er Jahre.« So ist es.
»Peeping Tom - Augen der Angst« / »Peeping Tom« * * * Großbritannien 1960, Länge: 101 Minuten, Regie: Michael Powell, Buch: Leo Marks, Kamera: Otto Heller, Musik: Brian Easdale, Produzent: Michael Powell. Mit: Karlheinz Böhm, Moira Shearer, Anna Massey, Maxine Audley, Brenda Bruce, Esmond Knight, Shirley Ann Field, Bartlett Mullins, Michael Goodliffe.
»Seit ihn sein Vater in Kindheitstagen mit fragwürdigen psychologischen Experimenten traktierte, pflegt Filmassisstent Mark Lewis eine ungewöhnliche Obsession: die menschliche Furcht. Bewaffnet mit einem in das Stativ seiner Kamera eingelassenen Stilett gaukelt er jungen Frauen, die er auf der Straße anspricht, karrierefördende Photosessions vor, um sie anschließend in seinem Appartment vor dem Objektiv zu ermorden. Eine junge Nachbarin, die sich für den charmanten Sonderling interessiert, dringt hinter das schreckliche Geheimnis.« (Text zur DVD-Veröffentlichung) Und bei Wikipedia finden wir: »"Krankhaft, abwegig und peinlich geschmacklos“, so urteilte der Katholische Filmdienst bei der Erstaufführung. Das deutsche Kinopublikum wurde zum ersten Mal mit der Lust an Gewalt konfrontiert und protestierte heftig. Auch im Ausland waren die Kritiken vernichtend. Michael Powell fand nach dem Skandal, den der Film auslöste, längere Zeit keine Geldgeber mehr für seine Projekte. Und auch die Karriere von Karlheinz Böhm erlitt einen Einbruch. Niemand wollte den Traumprinzen von Sissi als „peeping Tom“, als einen perversen Spanner und Frauenmörder sehen. Heute zählt der Film zu Powells Meisterwerken. Gelobt werden das klare und logische Drehbuch von Leo Marks, die Beleuchtung, die Farbgestaltung und die detailverliebte Ausstattung.«
»Pépé le Moko - Im Dunkel von Algier« / »Pépé le Moko« * * * * Frankreich 1937, Länge: 90 Minuten, Regie: Julien Duvivier, Buch: Henri Jeanson, Henri La Barthe, Roger d'Ashelbe, Julien Duvivier, Jacques Constant, Kamera: Jules Kruger und Marc Fossard, Schnitt: Marguerite Beaugé, Musik: Vincent Scotto und Mohamed Yguerbouchen, Produzent: Robert Hakim, Raymond Hakim. Mit: Jean Gabin, Mireille Balin, Line Noro, Gabriel Gabrio, Lucas Gridoux, Fernand Charpin, Saturnin Fabre, Gilbert Gil, Roger Legris, Gaston Modot.
»arte«, deutsch-französisch und öffentlich-rechtlich und besonders-wertvoll über diesen enorm intensiven Film: »Der französische Abenteurer Pépé le Moko ist in Algier Anführer einer Diebesbande. Seit geraumer Zeit versucht die Polizei ihn zu fassen. Doch er kann sich immer wieder in den labyrinthartigen Gassen der Kasbah von Algier verstecken. Dann verliebt sich Pépé in die schöne Touristin Gaby. Getrieben von seiner Liebe und gepackt von Heimweh, will er sich um jeden Preis mit ihr nach Frankreich einschiffen. Um zum Hafen zu kommen, muss der charismatische Bandenchef allerdings die Sicherheit der Altstadt verlassen. Seine eifersüchtige ehemalige Geliebte Inès, die von seinen Plänen weiß, denunziert Pépé bei der Polizei. Und sein langjähriger Verfolger, Inspektor Slimane, nutzt geschickt die Gelegenheit, um Pépé eine Falle zu stellen.
Der brillante Film lebt von den überzeugenden darstellerischen Leistungen und der beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotografie, die gekonnt die eigenwillige Atmosphäre des maurischen Altstadtviertels von Algier einfängt.
Das im Geiste des poetischen Realismus von Jean Renoir und Marcel Carné atmosphärisch dicht inszenierte Gangstermelodram ist ein herausragendes Werk des französischen Kinos der 30er Jahre und war einer der erfolgreichsten Filme jener Zeit. Im Jahr 1941 gewann er den NBR Award als bester fremdsprachiger Film.
Mit “Pépé le Moko” hat Julien Duvivier eine Paraderolle für Jean Gabin in einem seiner besten Filme geschaffen. Der Regisseur führte bei über 70 Filmen Regie und ließ Gabin auch schon in Filmen wie “Das Kreuz von Golgotha” (1935) jenen kraftstrotzenden, zugleich aber auch verzweifelten, dem Schicksal ausgelieferten Charakter spielen.«
"Mr. Gabin was no stranger to playing doomed men on film, and his Pépé is the grandest of the damned." (Gary Dowell, Dallas Morning News) / "[Gabin] magnetically holds the viewer just as Pepe rules the casbah - with suavity, charm, machismo and a powerful aura of fallen divinity." (Shawn Levy, Oregonian) / "An irresistibly entertaining drama of dreamy, doom-laden romantic fatalism, a vividly atmospheric film noir years before noir was cool." (Joe Leydon, San Francisco Examiner) / "Julien Duvivier’s 1937 classic Pepe le Moko influenced everything from the American version ... it spawned just one year later ... to Casablanca, film noir ..." (David Lee Simmons, Gambit Weekly/ New Orleans, LA) / "One of the most purely enjoyable films ever made." (Elvis Mitchell, NY Times) / "Beautifully crafted, movingly acted, still involving and entertaining, this is just the kind of film people are talking about when they say they don't make them like this anymore." (Kenneth Turan, Los Angeles Times)
»Performance« * * * * Großbritannien 1969, Länge: 105 Minuten, Regie: Donald Cammell, Nicolas Roeg, Buch: Donald Cammell, Kamera: Nicolas Roeg, Musik: Jack Nitzsche, Mick Jagger, Produzent: Sandy Lieberson, David Cammell. Mit: James Fox, Mick Jagger, Anita Pallenberg, Michele Breton, Michèle Breton, Ann Sidney, Stanley Meadows.
Höchstwahrscheinlich Der 68er-Film, anarchisch, psychedelisch, orgiastisch.Toller Score, Höhepunkt der großartige * * * * *-Jagger-Song: »Memo from Turner«!
»Peter Pan« * * * * * USA 1953, Disney-Zeichentrick, Länge: 76 Minuten, Regie: Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, Buch: Milt Banta, William Cottrell, Winston Hibler, Bill Peet, Erdman Penner, Joe Rinaldi, Ted Sears, Ralph Wright, Musik: Sammy Cahn, Frank Churchill, Sammy Fain, Jack Lawrence, Edward H. Plumb, Ted Sears, Oliver Wallace, Produzent: Walt Disney. Sprecher: Bobby Driscoll, Kathryn Beaumont, Paul Collins, Tommy Luske, Bill Thompson, Hans Conried, Heather Angel, Candy Candido, Tom Conway, Roland Dupree.
Es fällt nicht leicht, aus all den herrlichen Disney-Zeichentrick-Klassikern einen zum persönlichen Favoriten zu küren. Aber nun doch: Für mich ist es »Peter Pan«, auch wenn etwa »Schneewittchen« im Kino-Kosmos sicher der größere und wichtigere Film ist. Peter Pans großes Thema ist die glückliche Kindheit und das unabweisliche Geschick, erwachsen werden zu müssen. Nur zu ertragen, wenn man die Wunderwelt der Kindheit in sich bewahrt. Wie sagt der Vater, als er in den Wolken über London das Piratenschiff segeln sieht: »Mir ist, als hätte ich dieses Schiff schon einmal gesehen – vor langer Zeit, als ich noch ein Kind war.« »Peter Pan« bringt einen für mehr als eine Stunde unbeschwert zurück, in die Kindheit, nach »Nimmerland«. Wunderbar!
Doug Thomas kommentiert für »Amazon.com«: »Peter Pan has a special place in the realm of classic animated Disney films: it instills an element of childlike wonder. The 1953 version of James M. Barrie's story is colorfully told and keeps on the straight and narrow of the book. Barrie's wondrous focus on child's play is the key to its longevity: kids who don't grow up, shadows that run away from their owners, pirates, a fairy, and the magic ability to fly. In short, you can't help wishing the adventure would happen to you. Fueled by a few memorable songs (the stunner being "You Can Fly") and the strong impression of the pixie fairy Tinkerbell and the goofy Captain Hook, Disney's version of this story neither supplants nor lessens the Broadway version with Mary Martin that was produced for television the same decade. Unlike some classics, Peter Pan never ages along the way.«
Übrigens: »Hook«, der Peter-Pan-Film vom großen Kind Steven Spielberg, kann dem Disney-Film das Wasser nicht reichen. Macht aber nichts. Dafür hat er ja z.B. »E.T.« gedreht.
»Pinocchio« (1940) * * * * * USA 1940, deutsch auch: »Walt Disneys Geschichte vom hölzernen Bengele«, Zeichentrickfilm, Länge: 87 Minuten, Produzent: Walt Disney, Regie: Hamilton Luske, Ben Sharpsteen, Drehbuch: Aurelius Battaglia, William Cottrell, Webb Smith, Joseph Sabo, Ted Sears, Erdman Penner, Otto Englander, Musik: Leigh Harline, Ned Washington, Paul J. Smith.
Im 2001-Lexikon des Internationalen Films lesen wir erfreut zustimmend: »Nach "Schneewittchen" (1937) konnte Walt Disney seinen zweiten abendfüllenden Zeichentrickfilm ganz nach eigenen Vorstellungen realisieren. Collodis moralische Initiationsgeschichte vom "hölzernen Bengel" wird mit visueller Fantasie, Witz und Musikalität erzählt. In einer Kaskade von Rhythmen, Tönen und Farben, die sich mit der Stimmung wandeln, folgt eine gelungene Überraschung auf die andere. Eine der liebenswürdigsten Schöpfungen des Genres von großer formaler Geschlossenheit. Schon die Eröffnungssequenz, die scheinbar ins Innere eines Bildes (ent-)führt, bestimmt die Suggestionskraft des Films, die zuweilen beklemmende Intensität erreicht.«
Wunderschön die Sequenz mit den tickenden und schlagenden geschnitzten Uhren. Die ist übrigens als Hommage sehr schönwitzig zitiert in "Zurück in die Zukunft" von Zemeckis und dem produzierenden Disney-Fan Spielberg; apropos: es finden sich ja auch in "Indiana Jones" komplette Einstellungen aus Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks. Wirklich gut die deutsche Synchronisation; sensationell das Kind, das Pinocchio spricht. Herrlich der deutlich erkennbare Harald Juhnke, der einen der Gauner sowas von schmierig-böse gibt, als habe er sich jahrelang statt auf der Schauspielschule in zwielichtigen Berliner Spelunken herumgetrieben. Hat er? Lassen wir mal dahingestellt. Allerdings, auch das soll zu Disneys »Pinocchio« gesagt sein: Der düster drohende, moralisch mahnende Zeigefinger altvorderer Grusel-Pädagogik bereitet einem normalen Menschen heutzutage doch arge Bauchschmerzen. Das muß man also einfach historisch gelassen sehen.
»Point Blank« * * * * * USA 1967, Länge: 92 Minuten, Regie: John Boorman, Buch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse, Kamera: Philip Lathrop, Musik: Johnny Mandel, Schnitt: Henry Berman. Mit: Lee Marvin, Angie Dickinson, Sharon Acker, Michael Strong, Lloyd Bochner, Keenan Wynn, Carroll O'Connor, John Vernon.
Ein Film wie ein Bruder von "Der Tod eines Killers". Auch hier die unerbittliche Suche in die Vergangenheit eines Verbrechens, bis zum Kern: Ergründung als Notwendigkeit von Heilung. Sehr spannend, äußerst intelligent, filmisch höchstes Niveau. Dazu zwei identische Hauptdarsteller hier und da: Lee Marvin und Angie Dickinson, beide wieder großartig, aber Ensemble insgesamt erstklassig, so wie der ganze atemberaubende Film. Er ist kälter, deutlich kunstvoller als Don Siegels Film, der mich aber doch noch mehr fesselt, weil er so einfach daherkommt und deshalb aus dem Hinterhalt der Kintopp-Naivität noch härter zuschlägt und trifft. Jedoch, zugegeben, »Point Blank« ist fraglos mit klarem Abstand mehr das filmische Meisterwerk. Große Klasse.
Der Film hat alles, was die Europäer für ihr "europäisches Kino" der Neuzeit reklamieren und so gut wie nie hinkriegen. Hollywood hat immer auch die besten "europäischen" Filme gedreht, Ausnahmen im wesentlichen die Franzosen (par exemple Chabrol, Melville) und der singuläre Fellini.
Aber die Deutschen? Wenn er »Point Blank« gesehen hat, was kann z.B. Wim Wenders dann noch machen? Untertauchen. Selbstmord. Beruf wechseln. Das Publikum um Vergebung bitten. (Letztens widerstrebend, trotzdem gutwillig, nochmal den "Himmel über Berlin" gesehen, weil meine Frau daran so eine gute sentimentale Erinnerung hatte. Bestätigung pur: Wenders kann einfach keine Filme drehen: Ein bedeutungsschwanger sein sollender Dilettantismus hoch Zehn, so grauenhaft schlecht, dass man nur noch hohnlachen kann. Irre – natürlich auch das 68er ff. Publikum, welches sowas schätzt. Korreliert sicher mit grünwählen etc.
Doch zurück zu den erfreulichen Dingen des Lebens und der Kunst, hier also zu »Point Blank«. Das Lexikon des Internationalen Films kurz und bündig und richtig: »Nach verbüßter Haftstrafe rächt sich ein alternder Gangster blutig an seinem Komplizen, der ihn verriet, und an seiner Frau, die ihn betrog. Meisterhaft und mit eisiger Kälte inszenierter Thriller von konsequent pessimistischer Grundhaltung.«
Im Blog von filmforen.de schreibt "Der Außenseiter", mit dem ich ganz oft Sicht und Meinung teile: »John Boormans Meisterwerk ist eine Lehrstunde für jeden Filmemacher. Das Timing des Filmes ist so konsequent und geradlinig, dass die hallenden Schritte in einer meisterhaft montierten Szene zu Beginn nicht nur über die einzelnen Bilder schreiten, sondern auch im heimischen Wohnzimmer noch lange nachklingen. Lee Marvin in seiner vielleicht besten Rolle als Gangster Walker. Und „walken“ ist auch das was ihn auszeichnet. Wie eine Wand geht er durch den Film und wirkt dabei so kalt wie Charles Bronson und der Terminator in einer Person. Perfektes Timing, hervorragende Bildmontage, blasse Farben, Brechungen linearer Zeitabläufe durch suggestive Zeitlupeneinstellungen bis hin zum Standbild. POINT BLANK ist modern, POINT BLANK ist zeitlos, POINT BLANK ist der moderne Gangsterfilm. Walker rules.«
»Pretty Woman« * * * * USA 1990, Länge: 115 Minuten, Regie: Garry Marshall, Buch: J. F. Lawton, Kamera: Charles Minsky, Musik: James Newton Howard. Mit: Richard Gere, Julia Roberts, Ralph Bellamy, Laura San Giacomo, Hector Elizondo, Jason Alexander, Alex Hyde-White, Amy Yasbeck, Patrick Richwood.
Smarter Geschäftsmann auf Business-Trip kauft sich in L.A. ein am Bordstein jobbendes Callgirl, nimmt sie mit ins imposante »Beverly Wiltshire«-Hotel gegenüber dem fashionablen »Rodeo Drive«. Die beiden verlieben sich. Sie verwandelt sich (Aschenputtel! Pygmalion! My Fair Lady!) in eine umwerfend elegante und dabei menschlich-liebenswerte Schönheit. Er lernt, daß es außer kapitalistischem Haifischbecken noch andere wichtige und vielleicht bessere Orte gibt, zum Beispiel die riesige Hotelbadewanne.
Ein modernes Märchen, das mit viel Geschmack und Leichtigkeit erzählt wird. War ein Mega-Erfolg, verdientermaßen. Ist wirklich Entertainment der Spitzenklasse.
»Psycho« * * * * * USA 1960, Länge: 110 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Joseph Stefano, Kamera: John L. Russell, Musik: Bernard Herrmann, Produzent: Alfred Hitchcock. Mit: Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin, John McIntire, Martin Balsam, Lurene Tuttle.
Prisma-online.de: »... hochspannender und perfekt inszenierter Thriller-Klassiker von Alfred Hitchcock. Unvergessen: der sehr krasse Duschmord, mit dem der Film seinerzeit für Furore sorgte. Hitchcock hatte die Szene aus 70 Kameraeinstellungen zusammengestückelt, bis die gewünschte Intensität erreicht war.«
Richtig! Duschsequenz: * * * * * *!
Und Tim Dirks: »Alfred Hitchcock's powerful, complex psychological thriller, Psycho (1960) is the "mother" of all modern horror suspense films (...) The nightmarish, disturbing film's themes of corruptibility, confused identities, voyeurism, human vulnerabilities and victimization, the deadly effects of money, Oedipal murder, and dark past histories are realistically revealed. The low-budget ($800,000), brilliantly-edited, stark black and white film came after Hitchcock's earlier glossy Technicolor hits Vertigo (1958) and North by Northwest (1959) ...«
»Pulp Fiction« * * * * * USA 1993, Länge: 154 Minuten, Regie: Quentin Tarantino, Buch: Quentin Tarantino, Roger Avary, Kamera: Andrzej Sekula, Musik: Karyn Rachtman, Produzent: Lawrence Bender. Mit: John Travolta, Bruce Willis, Uma Thurman, Samuel L. Jackson, Harvey Keitel, Ving Rhames, Tim Roth, Amanda Plummer, Maria de Medeiros, Rosanna Arquette, Christopher Walken, Eric Stoltz, Quentin Tarantino, Steve Buscemi, Paul Calderon.
Das 2001-Lexikon fragt: »Kann ein Film, in dem Leuten die Köpfe weggeschossen werden, Kunst sein? In "Pulp Fiction" wirbelt Tarantino die etablierten Kultur-Levels gründlich durcheinander. Er kreuzt das "hohe" mit dem "niederen" Niveau (...); er ist ebenso trivial wie sophisticated, grob wie raffiniert, ebenso plakativ wie subtil. (...) unberechenbar, aber (...) folgerichtig zwischen Sitcom und Mystik, zwischen Slang und Samuel Beckett. Intelligent und in perfekt geschliffener Form meditiert "Pulp Fiction" über die Grob- und Dummheiten unserer Zivilisation.«
»Rächer der Unterwelt« / »The Killers« * * * * * USA 1947, Länge 103 Minuten, Regie: Robert Siodmak, Buch: Anthony Veiller, John Huston (!) nach der Story "The Killers", Kamera: Elwood Bredell, Musik: Miklos Rozsa, Produzent: Mark Hellinger. Mit: Burt Lancaster, Ava Gardner, Edmond O'Brian, Albert Dekker, Sam Levene, John Miljan, Charles McGraw, William Conrad, Virginia Christine, Vince Barnett.
Siehe auch: »Tod eines Killers«, nach derselben Geschichte von Ernest Hemingway. Prisma-online.de notiert: »Der Film machte den seinerzeit 33-jährigen Burt Lancaster in einem der fulminantesten Debüts der Filmgeschichte über Nacht zum Star.«
Der blieb er auch. Und was für einer! Sogar als weißer Herrscher über Tonga!
In "Filmkanon – 35 ausgewählte Filme" der "Bundeszentrale für politische Bildung" heißt es: »Eine Vergewaltigung und ein Mord im Japan des 12. Jahrhunderts. Der Tathergang stellt sich in Rückblenden aus der jeweiligen subjektiven Sicht von vier Beteiligten in vier unterschiedlichen Versionen dar. Hervorragend gespielter und besonders durch seinen virtuosen Schnittrhythmus äußerst kraftvoller und eindringlicher Film, der elementare Einsichten in die Natur des Menschen vermittelt. Ein echter Klassiker, oft kopiert.«
»Rattennest« / »Kiss Me Deadly« * * * * * * USA 1955, Länge 99/104 Minuten, Regie: Robert Aldrich, Buch: A. I. Bezzerides, nach Erzählung von Mickey Spillane, Kamera: Ernest Lazlo, Art Direction: William Glasgow, Musik: Frank DeVol ("Rather Have the Blues" gesungen von Nat King Cole, Musik/Text: DeVol), Sound: Jack Solomon, Schnitt: Michael Luciano, Special Effects: Lee Zavitz, Produktion: Robert Aldrich für Parklane Productions, United Artists. Notabene: Production time: November 27, 1954 - December 23, 1954, Cost: $410,000. Mit: Ralph Meeker, Albert Dekker, Paul Stewart, Cloris Leachman, Maxine Cooper, Nick Dennis, Marion Carr, Jack Elam.
Sagenhafter film noir, hammerhart, grenzverletzend, überragend stilbewußt, pur hard-boiled. Stilbildend auch für die Nouvelle Vague, für Godard etc. Das atemberaubende (auch im Sound!) Finale zitiert/kopiert der große Steven Spielberg unverhohlen im ersten Indiana Jones »Jäger des verlorenen Schatzes« – klare Hommage an einen der einflußreichsten, modernsten Filme Hollywoods.
Bei Tim Dirks (der eine der weltweit besten Film-Webseiten unterhält und schreibt: filmsite.org) findet sich als Zusammenfassung seiner ausführlichen Darstellung: »Kiss Me Deadly (1955) is the definitive, apocalyptic, nihilistic, science-fiction film noir of all time - at the close of the classic noir period. The hard-edged film's 50's Los Angeles hero (transplanted from New York), created by pulp novel writer Mickey Spillane, follows in the footsteps of other detective heroes from the pens of Raymond Chandler (Phillip Marlowe), Dashiell Hammett and James M. Cain.«
Mordlust.de sieht es so (Orthografie original) : »Nur mit einem Mantel bekleidet rennt eine Frau barfuss eine nächtliche Straße entlang. Ihr panisches Keuchen füllt alles aus. Angst und Entsetzen verzerren ihr Gesicht. Plötzlich ein grelles Licht, sie reißt die Arme hoch und bleibt wie angewurzelt stehen. Ein Wagen rast auf sie zu, kann mit quietschenden Reifen gerade noch ausweichen. In ihm sitzt Privatdetektiv Mike Hammer (Ralph Meeker), der die seltsame Frau mitnimmt. Er schützt sie sogar vor der Polizei, obwohl er ahnt, dass die Fremde eine entflohene Irre ist. Auf der Flucht vor etwas oder jemandem, der ihr schreckliche Angst macht. Kurz darauf wird das ungleiche Paar überfallen und entführt. Die Frau gefoltert und getötet, während Hammer bei einem getürkten Autounfall ums Leben kommen soll. Aber er überlebt und wacht bald darauf im Krankenhaus auf. Alle Warnungen in den Wind schlagend, nimmt er die Spur der ermordeten Fremden auf. Damit beginnt die Jagd nach einer geheimnisvollen schwarzen Kiste, hinter der üble Gangster und weitere Verschwörer her sind. Und die machen vor Gewalt und Mord nicht halt. Ziemliches Pech, dass ihnen Hammer an Brutalität in nichts nachsteht ... Schöne Frauen, einige davon wahnsinnig, harte Verbrecher und ein noch härterer Mike Hammer - Kiss Me Deadly, basierend auf Mickey Spillanes gleichnamigen Bestseller. Verfilmt von Robert Aldrich unter der meisterhaften Kameraarbeit von Ernest Laszlo. Ein kalter, bedrückender Noir der klassischen Periode und für damalige Verhältnisse recht gewalttätig - mit einem der bedrückendsten Todesschreie des ganzen Film noir. Isolierte Figuren in einer Welt voller Schatten, mit zum Teil sehr extremen Kameraperspektiven und Lichteffekten. In Zeiten des Kalten Krieges und der McCarthy-Ära (Drehbuchautor A. I. Bezzerides stand auf der schwarzen Liste des House of Un-American Activities Committee, Regisseur Aldrich in deren Aufmerksamkeit) bleibt kaum Platz für Gefühle und Vertrauen, idealer Boden für den zynischen Mike Hammer - dargestellt von Ralph Meeker, einem Bühnenschauspieler, der später für einige Filme und TV-Serien arbeitete. Vor Erscheinen musste Kiss Me Deadly dann auch etliche Beanstandungen durch die Kefauver Congressional Commission über sich ergehen lassen. Die DVD enthält das ursprüngliche Ende - Hammer und Velda gelingt die Flucht aus dem Inferno, sie schleppen sich mühsam ins Meer, während das Strandhaus explodiert.«
Auf der Webseite jump-cut.de/backlist-rattennest.html findet sich eine lesenwerte Kritik von Ekkehard Knörer: »Eine Straße, die nackten Füße einer rennenden Frau, Schnitt auf die Frau, bekleidet nur mit einem Trenchcoat, wieder Schnitt auf die Straße, die Füße, den Mittelstreifen. Eine Begegnung, die sie erzwingt, indem sie sich einem Auto entgegenstellt. So kann eine Geschichte beginnen, von Sex und Crime. Der Mann, dem sie begegnet, ist Mike Hammer, Mickey Spillanes alles andere als sympathischer Detektiv. Seine Fehler spuckt ihm die Frau, deren Leben er beinahe rettet, sogleich ins Gesicht: seine Muskeln deuten auf Selbstverliebtheit. Als sie stirbt und er fast mit ihr, muss er dann aber doch alles wissen: Wer sie getötet hat und warum. Daraus entwickelt sich eine alles andere als einfache Geschichte, labyrinthisch in jeder Hinsicht, voller Dunkelmänner und schräger Kameraperspektiven. Mike Hammer gerät zwischen die Fronten, deren Verläufe unklar bleiben, ist immer mittendrin, mehr als eine Frau bemüht sich um ihn, er bemüht sich um nichts. Es ist, als fehlte alle Haftung zu Personen oder Ereignissen, die Stelle, an der die Fäden des Plots zusammen laufen (natürlich zusammenlaufen! Verdammte Neue "Recht"schreibung! - HM) müssten, also die Stelle des Protagonisten, des Ermittlers, bleibt seltsam leer. Kein Wunder, dass der Film aufs Spillanes Romane dominierende "Ich" verzichtet. Der Held von "Rattennest" ist ein Agent ohne Affiliationen: an Personen und das, was geschieht. Was er sucht, wüsste man nicht zu sagen. Die Wahrheit, Gerechtigkeit: lächerlich. Was er findet, ist umso erstaunlicher und spätestens hier, wenn die Frau, die nicht die ist, die sie schien, den Koffer, um den sich alles gedreht haben wird, öffnet, wird klar, dass der Film nichts mit einer straight erzählten Hardboiled-Geschichte zu tun haben will, sondern mit ihrer Dekonstruktion. Alles ist da, was man braucht, aber nichts funktioniert wie gewohnt. Nicht der Held, nicht der MacGuffin, nicht die Beziehungen zu den Frauen, auch nicht die Auflösung. Ja, der Film hat sogar zwei Enden: lange existierte nur das ambivalente, das das Überleben Hammers fraglich ließ, später fand man eine Flucht ins Meer, in den Armen der Frau. So wie so: "Rattennest" ist das fehlende Bindeglied zwischen dem Film Noir und der Nouvelle Vague.«
Eine Warnung: ARD/NDR begleitet die (verdienstvolle) TV-Ausstrahlung von »Rattennest« mit einem an entscheidender Stelle krass fehlerhaften Text; einfach nicht beachten, nur den Film ansehen. Unbedingt!
»Rebecca« * * * * USA 1940, Länge: 130 Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: Robert E. Sherwood und Joan Harrison, Kamera: George Barnes, Musik: Franz Waxman, Produzent: David O. Selznick. Mit: Laurence Olivier, Joan Fontaine, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Florence Bates, C. Aubrey-Smith, Gladys Cooper, C. Aubrey Smith, Reginald Denny, Melville Cooper, Leonard Carey, Leo G. Carroll, Edward Fielding, Lumsden Hare, Forrester Harvey, Philip Winter, Billy Bevan, Leyland Hodgson, Edith Sharpe.
»Eine schüchterne Gesellschafterin hält sich gerade mit ihrer langweiligen (wiewohl herrlich gemein exzentrischen! – H.M.) Arbeitgeberin in Monte Carlo auf, als sie den wohlhabenden Maxim de Winter kennen lernt. Max steht noch unter dem Eindruck des Todes seiner Frau Rebecca, die bei einem Bootsunfall ein Jahr zuvor ums Leben gekommen ist. Sie und Max verlieben sich ineinander, heiraten und kehren zu seinem großen Anwesen Manderley in Cornwall zurück. Dort angekommen trifft die zweite Mrs. de Winter auf die Haushälterin Mrs. Danvers und entdeckt, dass Rebecca noch immer einen seltsamen Einfluss auf alle im Hause hat. Besonders Mrs. Danvers treibt die junge Ehefrau allmählich zum Wahnsinn.« (Wikipedia/IMDb)
»Red River« * * * * USA 1948, Länge: 130 (gekürzte Version 92) Minuten, Regie: Howard Hawks, Buch: Borden Chase und Charles Schnee, Kamera: Russell Harlan, Musik: Dimitri Tiomkin, Produzent: Howard Hawks. Mit: John Wayne, Montgomery Clift, Joanne Dru, Walter Brennan, Coleen Gray, John Ireland, Noah Beery jr., Chief Yowlatchie, Harry Carey sr., Harry Carey jr., Paul Fix, Hank Worden, Mickey Kuhn.
Prisma-Online sagt alles und wie es ist: »Rancher Tom Dunson bricht nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs gemeinsam mit seinem Ziehsohn Matt - Dunson fand ihn nach einem Indianerüberfall als einzigen Überlebenden - auf, um eine riesige Rinderherde von Texas nach Missouri zu treiben. Doch der Viehtreck entwickelt sich mehr und mehr zu einer wahren Strapaze, zumal Dunson rechthaberisches und autoritäres Gebaren an den Tag legt. So kommt es vor allem zwischen ihm und Matt zu Spannungen, die schließlich in einem erbitterten Zweikampf enden... Howard Hawks genial inszeniertes Werk – übrigens Hawks' erste Zusammenarbeit mit John Wayne – verbindet epische und psychologische Elemente zu einer packenden Abenteuergeschichte rund um den Treck. Selten erreichte ein klassischer Western so perfekte Harmonie zwischen der Dramaturgie, der Kameraführung, der Musik und der Besetzung. Für die damalige Zeit war ein Budget von über drei Millionen Dollar relativ hoch. Fast die Hälfte des Budgets gab man für ganze Landstriche sowie 5000 Rinder aus.«
»Reporter des Satans« / »Ace in the Hole« * * * * USA 1951, Länge: 111 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, Walter Brown Newman, Lesser Samuels, Kamera: Charles Lang jr., Musik: Hugo Friedhofer, Produzent: Billy Wilder. Mit: Kirk Douglas, Jan Sterling, Bob Arthur, Porter Hall, Frank Cady, Richard Benedict, Ray Teal, Frank Jaquet.
»Charles Tatum, ein heruntergekommener Reporter, nimmt eine Arbeit bei einer kleinen Zeitung in New Mexico an. Seine Tätigkeit ist langweilig, bis er einen Mann entdeckt, der in einer Mine eingeschlossen ist. Er ist fasziniert von der Möglichkeit, sich einen Namen zu machen, in dem er sich um die Rettung kümmert, sie aber gleichzeitig in die Länge zieht, um seine Reportagen in den großen Blättern unterzubringen. Es gelingt ihm (brutalst skrupellos – H.M.), daraus eine nationale Medien-Sensation zu machen.« (Wikipedia/IMDb)
»Rhythmus hinter Gittern« / »Jailhouse Rock« * * * * USA 1957, Länge: 96 Minuten (Kino), 93 Minuten (Video/DVD).Regie: Richard Thorpe, Buch: Guy Trosper, Kamera: Robert Bronner, Musik: Jeff Alexander. Mit: Elvis Presley, Judy Tyler, Mickey Shaughnessy, Vaughn Taylor, Luigi Batzella, Anne Neyland, Jennifer Holden.
Film-Klassiker des Rock’n’Roll. Billigst produziert, aber einer der zehn erfolgreichsten Filme des Jahres 1957 in den USA. Klasse. Hier sieht und hört man, warum Elvis Presley einer der unsterblichen Giganten der Musik des 20. Jahrhunderts wurde. By the way: Auch ganz ansehnliche Musik-Filme um und mit Elvis: »Love me tender« – deutsch »Pulverdampf und heiße Lieder« ! – mit dem schönen titelgebenden Song, 1956, und »King Creole« – »Mein Leben ist der Rhythmus« (Deutsche Titel immer wieder: Würg!) von 1958, bei dem immerhin ein gewisser Walter Matthau mitspielt und dies unter der Regie von – man höre und staune – Michael Curtiz. Ja, genau: »Casablanca«. Elvis als Schauspieler, ohne Songstory, ist sehenswert zu besichtigen in »Flammender Stern« von Don Siegel.
»Rififi« / »Du rififi chez les hommes« * * * * Frankreich 1955, Länge 105 Minuten, Regie: Jules Dassin, Buch: Jules Dassin, René Wheeler und Auguste le Breton, nach einem Roman von Auguste le Breton, Kamera: Philippe Agostini, Schnitt: Roger Dwyre, Musik: Georges Auric, Song "Rififi" von M. Philippe-Gérard. Mit: Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Jules Dassin, Marie Sabouret, Janine Darcey, Claude Sylvain, Marcel Lupovici, Pierre Grasset, Robert Hossein, Magali Noël, Dominique Maurin u.a.
Klassiker über einen raffinierten Juwelenraub. In "Rififi-Manier" wurde zum geflügelten Wort, das Musik-Motiv konnte in den 50er Jahren jeder moderne Mann pfeifen, auch angehende wie ich selber. Berühmt die Sequenz des Einbruchs, in nahezu Echtzeit: 18 Minuten lang wird kein Wort gesprochen.
»Rio Bravo« * * * * USA 1959, Länge: 140 Minuten, Regie: Howard Hawks, Buch: Jules Furthman, Leigh Brackett, Kamera: Russell Harlan, Musik: Dimitri Tiomkin, Produzent: Howard Hawks. Mit: John Wayne, Dean Martin, Ricky Nelson, Walter Brennan, Angie Dickinson, Ward Bond, John Russell, Claude Akins, Estalita Rodriguez, Pedro Gonzales-Gonzales, Harry Carey jr., Malcolm Atterbury, Bob Steele, Myron Healy, Ted White, Bob Terhune, Riley Hill, Fred Graham, Tom Monroe, Andrew Brennan.
Einer der erfolgreichsten Western der Filmgeschichte. »John T. Chance ist Sheriff der Stadt Rio Bravo. Als er einen Mörder einsperrt, geraten er und sein Gehilfe in große Bedrängnis, da der Bruder des Täters das Gefängnis stürmen lassen will. Der stadtbekannte Säufer Dude, der früher, nämlich vor einer unglücklichen Frauengeschichte, sein Stellvertreter war, und ein junger Revolverheld schließen sich Chance an. Und so nehmen die vier unterschiedlichen Männer den Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Feind auf. Bemerkenswert ist eine Szene, in der Dean Martin und Ricky Nelson gemeinsam musizieren.« (Wikpedia) »Herausragender Western von Howard Hawks, der die einfache, aber spannende Geschichte mit professioneller Gelassenheit inszeniert, wobei er Raum läßt für selbstironische Zwischentöne und liebevolle Typencharakterisierung.« (Lexikon des internationalen Films)
»Robocop« * * * * USA 1987, Länge 78/84/101 Minuten, Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Michael Miner, Edward Neumeier, Kamera: Jost Vacano, Musik: Basil Poledouris, Schnitt: Frank J. Urioste, Effekt: Peter Ronzani, Rob Bottin, Craig Davies, Bill Purcell, Peter Kuran, Dale Martin. Mit: Peter Weller, Nancy Allen, Ray Wise, Felton Perry, Kurtwood Smith, Dan O'Herlihy, Miguel Ferrer, Ronny Cox.
Vorsicht: Es gibt unfassbar verstümmelte gekürzte deutsche Fassungen auf dem Markt, damit der Film total »jugendfrei« ist. Statt 101 Minuten dauert »Robocop« dann auf DVD 78 (!!!) Minuten und ist überhaupt nicht mehr zu verstehen*. Eine Unverschämtheit skrupelloser Verleiher – wie so oft in Deutschland, man denke nur an Hitchcocks »Notorious«, in dem fürs deutsche Kino aus Atomwaffen besorgenden Nazis eine Bande von Rauschgifthändlern gemacht wurde.
Auch das oft gut und nützlich kommentierende 2001-Lexikon des Internationalen Films liegt bei »Robocop« leider gewaltig daneben. Es beklagt (in der gedruckten Ausgabe, nicht online!) sinnlose Brutalität und meint: »Wir raten ab.« Da schlägt die alte katholische Filmdienstwurzel des Lexikons durch; es wäre höchste Zeit für eine Revision!
* Eine um auch noch fast 20 Prozent auf 84 Minuten gekürzte deutsche Fassung zeigt das deutsche Fernsehen (im Herbst 2006 die ARD). Besonders peinlich ist dieses Verfahren, wenn man gleichzeitig den Film als sehenswert rühmt, aber sich jeden Hinweis auf die brutale Verstümmelung des ganz außerordentlichen Films verschämt oder unverschämt verkneift, so wie das z.B. das SWR-Fernsehen tat. So:
»Mittwoch, den 22.11.2006 um 23.01 Uhr Science-Fiction-Woche: Robocop Spielfilm USA 1987 Detroit in einer nicht allzu fernen Zukunft: Terror, Gewalt und organisierte Bandenkriminalität beherrschen das Straßenbild. Der Mischkonzern OCP, unter dessen Leitung auch die privatisierte Polizei steht, will die Situation in den Griff bekommen und versetzt immer mehr Polizisten in den Brennpunkt, darunter auch den jungen Officer Alex J. Murphy (Peter Weller). Obwohl er sein Bestes gibt, gerät Murphy gleich im ersten Einsatz in einen Hinterhalt und wird von Bandenchef Clarence Boddicker und seinen Komplizen lebensgefährlich verletzt. Klinisch für tot erklärt, gerät Murphy in die Hände des ehrgeizigen Nachwuchsmanagers Bob Morton, der im Auftrag von OCP ein ehrgeiziges Projekt zur Aufrüstung der Polizei leitet: Murphys Gehirn wird in eine stählerne, hochgerüstete Law & Order-Maschine eingepflanzt. Der unbesiegbare Cyborg namens Robocop, der sich nur in Alpträumen an seine frühere Existenz erinnert, geht auf Streife und erweist sich zunächst als der perfekte Polizist. Die Medien feiern den Terminator als Helden, doch als Robocop bei einem seiner Einsätze auf Clarence und seine Gang trifft, werden Reste der Erinnerung an sein früheres Leben als Mensch wach. Robocop will wissen, wer er ist - doch dabei findet er heraus, dass der Schurke Clarence im Auftrag der Chefetage von OCP arbeitet. Als er den Drahtzieher verhaften will, muss Robocop feststellen, dass seine Macht begrenzt ist ... Das furios in Szene gesetzte Actionspektakel um den modernen Frankenstein zählt zu den Meilensteinen des Science-Fiction-Films. Geschickt verbindet der Holländer Paul Verhoeven ("Basic Instinct", "Total Recall") die geradlinige Dramaturgie eines tricktechnisch beeindruckenden Comic-Abenteuers mit einer düsteren Zukunftsvision. Auf den zweiten Blick überzeugt der Genre-Klassiker auch durch augenzwinkernde Insidergags sowie eine Fülle von medien- und gesellschaftskritischen Anspielungen. Damit endet die "Science-Fiction-Woche" im SWR Fernsehen. 84 min.«
Auf meine Anfrage zur kommentarlosen Verstümmelung dieses "Meilensteins des Science-Fiction-Films" entschuldigt sich die Redaktion damit, das sei eben die Verleihfassung, die man zur Sendung bekomme. Meinetwegen, aber die Verleiher sind eben nicht die Redaktion, die den Zuschauer zumindest über den ausgestrahlten Torso ("Robocöpchen") zu informieren hätte, mitzuteilen hätte, daß man kein Original sendet, sondern ein am Regisseur vorbei verbrochenes Machwerk. Wenn sie diese Aufklärung nicht leistet, betrügt sie den Zuschauer zumindest leichtfertig. In jedem Fall ein Fall von Inkompetenz. Wenn eine Redaktion nicht imstande ist, Filme integral zu zeigen oder wenigstens über die zensierenden Schnitte der gesendeten Version redlich aufzuklären, dann ist sie nicht nur schlecht, dann macht sie sich natürlich auch überflüssig. Beim Verleih bestellen kann auch der Hausmeister.
»Rosemaries Baby« / »Rosemary's Baby« * * * * USA 1967, Länge: 137 Minuten, Regie: Roman Polanski, Buch: Roman Polanski, Kamera: William A. Fraker, Musik: Krzysztof Komeda, Produzent: William Castle. Mit: Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon, Sidney Blackmer, Maurice Evans, Ralph Bellamy, Angela Dorian, Patsy Kelly, Elisha Cook jr., Emmaline Henry, Miaranne Gordon, Philip Leeds, Charles Grodin, William Castle.
Metaphysischer Thriller, mit kopulierendem Satan persönlich. Wirklich beängstigend.
Aus der Amazon.de-Redaktion von Jeff Shannon: »Rosemary (Mia Farrow) ist eine junge, arglose New Yorker Hausfrau, deren Mann (John Cassavetes) -- ein Schauspieler -- buchstäblich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. In den Bann gezogen von einer Gesellschaft von Teufelsanbetern, die sich in ihrem Wohnblock einquartiert haben, sorgt der junge Ehemann dafür, dass seine Frau im Gegenzug für ein Engagement am Broadway vom Satan persönlich geschwängert wird. Für Rosemary verläuft die Schwangerschaft ganz normal und glücklich -- bis sie zunehmend misstrauisch gegenüber dem bösen Einfluss ihrer Nachbarn wird. Polanski schafft zuerst diese scheinbar harmlose Grundlage und fügt dann nach und nach teuflische kleine Details mit einer derart beunruhigenden Subtilität ein, dass der Film zu einem greifbaren Maß an Schrecken und Paranoia eskaliert. Rosemary's Baby ist einer der wenigen modernen Horrorfilme, von denen man behaupten kann, sie seien wahrhaft Grauen erregend. Ein unvergessliches Filmerlebnis, das Ihnen die Haare zu Berge stehen lassen wird.«
»Rosen für den Staatsanwalt« * * * * BR Deutschland 1959, Länge: 97 Minuten, Regie: Wolfgang Staudte, Buch: Georg Hurdalek, Kamera: Erich Claunigk, Musik: Raimund Rosenberger, Produzent: Kurt Ulrich. Mit: Martin Held, Walter Giller, Ingrid van Bergen, Camilla Spira, Wolfgang Neuss, Paul Hartmann, Wolfgang Müller, Werner Peters, Inge Meysel, Werner Finck, Ralf Wolter, Roland Kaiser, Henry Lorenzen, Wolfgang Preiss, Wolfgang Wahl, Burkhard Orthgies.
Herrlicher Film vom ruhmreichen Wolfgang Staudte über "Vergangenheitsbewältung" in den Wirtschaftswunderzeiten der jungen, aber nicht unschuldigen Bundesrepublik. Prominentest besetzt! Ein Hochgenuss der großartige Martin Held, einer der besten deutschen Schauspieler in jenen Jahren. Ganz nett sexy die rauchige und an den richtigen Stellen runde Ingrid van Bergen. Superschmierig der tolle Werner Peters. Und mit Esprit die Auftritte der Groß-Kabarettisten Werner Fink, Wolfgang Müller & Wolfgang Neuss. Nicht nur ein Film: auch ein Dokument!
»Sabrina« * * * * USA 1954, Länge: 113 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, Samuel Taylor, Ernest Lehman, nach einem Roman von Samuel Taylor, Kamera: Charles Lang jr., Musik: Friedrich Hollaender, Produzent: Billy Wilder. Mit: Humphrey Bogart, Audrey Hepburn, William Holden, Walter Hampden, Martha Hyer, Nella Walker, John Williams, Joan Vohs, Marcel Dalio, Marcel Hillaire, Francis X. Bushman, Ellen Corby.
Wunderschöner Märchenfilm von Billy Wilder. Unsterblich, und wirklich besser als das Remake.
»Schindlers Liste« / »Schindler`s List« * * * * * USA 1993, Länge: 187/194 Minuten, Regie: Steven Spielberg, Buch: Steven Zaillian, Kamera: Janusz Kaminski, Musik: John Williams, Produzent: Steven Spielberg, Gerald R. Molen, Branko Lustig. Mit: Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Jonathan Sagalle, Caroline Goodall, Embeth Davidtz, Malgoscha Gebel, Shmulik Levy, Mark Ivanir, Beatrice Macola, Bettina Kupfer, Friedrich von Thun, Martin Semmelrogge, Götz Otto, Gerald Alexander Held.
Ein sehr zu achtender, aber auch höchst problematischer Versuch, die Vernichtung der europäischen Juden – die »Endlösung« – in einem Spielfilm für die Multiplexe zu thematisieren. Denn obwohl Spielberg in hart-kopiertem Schwarzweiß einen dokumentarischen Stil anwendet, wird er doch das dem Film als Artefakt immer eignende Fiktionale nicht los – weil das unmöglich ist. Dennoch: Spielberg bringt in der Nachstellung auch die Bilder ans Licht, die sogar die Nazis ihrem Herrenvolk und der Welt zu zeigen nicht wagten. Der Film ist wichtig, aber man muß ihn mit großer Vorsicht und einiger Kenntnis der Fakten des »Holocaust« betrachten. Oskar Schindler (großartig verkörpert von Liam Neeson) als Retter vieler Menschenleben wird mit dem Film ein verdientes Denkmal gesetzt, aber die naheliegende Frage, warum nicht alle so waren, ist leider überhaupt keine Antwort. (siehe oben: »Nacht und Nebel« von Alain Resnais)
»Schneewittchen« / »Snow White And The Seven Dwarfs« * * * * * * USA 1937, Zeichentrick, Länge: 82 Minuten, Regie: David Hand, Buch: Dorothy Ann Blank, Richard Creedon, Merrill De Maris, Otto Englander, Earl Hurd, Dick Rickard, Ted Sears, Webb Smith, Musik: Frank Churchill, Leigh Harline, Larry Morey, Paul Smith, Produzent: Walt Disney. Sprecher: Adriana Caselotti, Harry Stockwell, Lucille La Verne, Moroni Olsen, Billy Gilbert, Pinto Colvig, Otis Harlan, Scotty Mattraw, Roy Atwell, Stuart Buchanan.
Epochal! Erster abendfüllender Zeichentrickfilm. Und gleich das ganz große Meisterwerk. Auf ewig bezaubernd und erstaunend.
»Schtonk« * * * * Deutschland 1991, Kurzweil: 105 Minuten, Regie: Helmut Dietl, Buch: Helmut Dietl, Ulrich Limmer, Kamera: Xaver Schwarzenberger, Musik: Konstantin Wecker, Produzent: Günter Rohrbach, Helmut Dietl. Mit: Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Harald Juhnke, Rolf Hoppe, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Hermann Lause, Martin Feifel.
Lichtblick im deutschen Kino des doch achsograuenhaften Dummbeutelhumors mit Schwulenwitzen von Anno Tobak und dem Fäkalhumor von Töpfchensitzern bzw. dem angestrengten Pennäler-Intellektualismus der Kluge-Fraktion.
Dietl ist ein echter Könner, hat er ja auch mit der grandiosen TV-Serie »Kir Royal« auf immer bewiesen. Wirklich witzig. Durchaus in der Tradition von Wilder, Lubitsch, jedenfalls mutig nach ihrer Klasse strebend.
»Sein letztes Kommando« / »They Died with Their Boots on« * * * * USA 1941, Länge: 80 (Original 140 / im TV 133’58") Minuten, Regie: Raoul Walsh, Buch: Wally Klein und Aeneas MacKenzie, Wally Kline und Aeneas MacKenzie, Kamera: Bert Glennon, Musik: Max Steiner, Produzent: Hal B. Wallis. Mit: Errol Flynn, Olivia De Havilland, Arthur Kennedy, Charley Grapewin, Charley Grapewine, Gene Lockhart, Anthony Quinn, Stanley Ridges, John Litel, Walter Hampden, Sydney Greenstreet, Regis Toomey, Hattie McDaniel, George P. Huntley, jr., Frank Wilcox, Joseph Sawyer, Minor Watson, Gig Young, Aileen Pringle, Lane Chandler, Frank Ferguson, Russell Hicks, Roy Barcroft, Ray Teal.
Erstklassiger Western, von einer antiamerikanisch vernagelten deutschen Filmkritik leider abgeschossen.
»Sein oder Nichtsein« / »To Be Or Not To Be« * * * * * * USA 1942, Länge: 93/98 Minuten, Regie: Ernst Lubitsch, Drehbuch: Edwin Justus Mayer, Kamera: Rudolph Maté, Musik: Werner R. Heymann, Schnitt: Dorothy Spencer, Produzent: Vincent Korda. Mit: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Stanley Ridges, Tom Dugan, Felix Bressart.
Wie kann man solch einen Film drehen? Eine Komödie über Polen und Nazis, mit dem Hintergrund von Krieg und Konzentrationslager? Wie kann man sich als Zuschauer bei einem solchen Film vor Vergnügen und Lachen kugeln und fast in die Hose machen? Da fallen doch die Nazis mit der Deutschen Wehrmacht in Polen ein, sie werfen Bomben, zerstören, tyrannisieren, töten Widerständler, unterjochen die Menschen. Und da gibt es einen heimtückischen schneidend gefährlichen Verräter, der patriotische Polen ans Messer liefern will; da gibt es im besetzten Warschau einen machthabenden Nazi, dessen Spitzname »Konzentrationslager-Erhardt« ist: »Soso, man nennt mich also Konzentrationslager-Erhardt?! Haha, hahahaha!!!« Und da spielt eine Schauspieltruppe statt »Hamlet« um das echte »Sein oder Nichtsein«, nämlich um ihr Leben und das der Landsleute; sie spielt den Nazis Nazis vor – inklusive Führer.
Dieses groteske Boulevard-Theater, die Vertauschung von Nazis und Widerstand, das Wechselspiel von Bühne und böser Realität ist urkomisch und es ist erhellend: Die echten Nazis, die sind ja im wirklichen Leben mit ihrem ganzen Uniform-Mummenschanz und der kompletten schurkischen Dummheit die gräßlichsten Knattermimen und schlimmsten Schmierenkomödianten weit und breit – die Schauspieler behalten auch hinter der Maske der Verbrecher-Idioten ihre Würde. Wie geht das alles im Kino? Wie funktioniert das mit dem Lachen über das Grauen? Das geht, wenn Ernst Lubitsch, der große Regisseur mit dem »Lubitsch-Touch«, ans Werk geht. Dieser Menschenkenner mit Durchblick, bis zu den Absurditäten, bis in die Abgründe. Dieser überragende Künstler, der das Komische und das Tragische zugleich sieht, die Berührungen und die Gegensätze. Nur dieses Genie der Filmkunst, nur Lubitsch konnte eine Komödie drehen, die mit dem Entsetzen über die Nazi-Verbrecher einen befreienden Scherz treibt und sie der Lächerlichkeit aussetzt, die tötet. Das Lachen über und gegen die Nazis, zusammen mit den tapferen Theaterleuten, das ist die Humanität, die am Ende immer siegen wird über die Finsternis und Menschenschinder.
Lubitsch soll gesagt haben, er hätte den Film nicht drehen können, wenn er damals, 1942, die ganze Wahrheit gewußt hätte, gewußt hätte von »Auschwitz«. Gut, daß er es nicht gewußt hat.
»Sherlock Holmes« mit Basil Rathbone * * * * USA 1939-1946, Regie und Produktion: Roy Willam Neill. Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce.
Überaus kuriose, ganz eigenartig-einzigartige Holmes-Abenteuer aus den 30er/40er Jahren des 20. Jhdts. Denn der allergößte Teil der ca. einstündigen Episoden spielt nicht im viktorianischen England von Conan Doyles genialer Detektiv-Figur, sondern im Zweiten Weltkrieg! In diesen Hollywood-Filmen muß Holmes also den allergrößten Gaunern auf die Spur kommen, und das sind die Nazis nebst ihren Komplizen. Es ist höchst interessant, wie mühelos diese Transformation gelingt und wie spannend unterhaltend auch diese Ermittlungen gegen Faschisten und für Freiheit sind. Die Schwarz-Weiß-Filme sind äußerst stimmungsvoll und mit Liebe zum gruseligen Detail inszeniert, durchweg alles bestes Filmhandwerk, von der (auch gemalten) Kulisse bis zur Besetzung.
Großartig ist Basil Rathbone als Holmes: Schärfster eleganter Intellekt, durch enorm coole Überlegenheit ins Arrogante spielend, aber, weil absolut überlegen, immer wieder auch von freundlich-generöser Milde. Holmes zur Seite ein bodenständiger, liebenswert vertrottelter Doktor Watson, gegeben vom famosen Nigel Bruce, den Hitchcock-Fans auch aus "Rebecca" kennen, wo er einen ähnlichenTypus verkörpert. Die deutschen Fernsehfassungen sind aus (mir bislang) unerfindlichen Gründen in der DDR gemacht worden. Es fehlen dabei historisch propagandistische Epiloge von Rathbone über Freiheit etc. Und weil die Kommunisten ja nicht anders können, als die Wirklichkeit mit Gewalt zurechtzubiegen und die Wahrheit zu fälschen, haben sie es auch hier gemacht. Obwohl es US-Produktionen aus Hollywood sind, heißt es im DDR-Vor-und-Nachspann: "englische Kriminalserie". Kalter Krieg bis in die Credits! Was für kleinkarierte Menschheitsbeglücker. Allerdings: Die Synchronsprecher sind klasse – alles, was recht ist.
Über die englische Ausgabe ("Sherlock Holmes - The Definitive Collection") schreibt bei Amazon Martin H. (Wien) so zutreffend, daß ich mir erlaube, ihm auch an dieser Stelle das Wort zu geben und dabei kleine Fehler stillschweigend zu korrigieren:
"Basil Rathbones Sherlock Holmes rettet die freie Welt – Basil Rathbone gilt für viele als der beste Sherlock-Holmes-Darsteller. Immerhin verkörperte Rathbone den berühmten Detektiv zwischen 1939 und 1946 gleich 14mal und spielte Holmes auch in einer Radioshow. In der Filmreihe stand ihm Nigel Bruce als Dr. Watson zur Seite. Allerdings ist Watson hier nicht der unterstützende Partner von Holmes, sondern fungiert eher als eine Art comic sidekick, dessen Aufgabe es ist, mit liebenswerter Tolpatschigkeit und kriminalistischer Unbeholfenheit dafür zu sorgen, den genialen Intellekt von Holmes noch heller erstahlen zu lassen. Rathbone ist absolut perfekt in der Rolle des Sherlock Holmes. Grandios, wenn er immer wieder in verschiedene Verkleidungen schlüpft und der exzentrischen Romanfigur durch hohes schauspielerisches Können Leben einhaucht. Wer Doyles Geschichten gelesen hat, wird zustimmen: Genauso wie Rathbone hat Holmes auszusehen, zu sprechen und zu agieren! Die Filme selbst haben nicht besonders viel, manchmal sehr wenig und oft absolut gar nichts mehr mit den Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle gemein. Spielen die ersten zwei Filme (produziert von 20th Century Fox) noch in den 1890ern, macht Holmes ab seinem dritten Abenteuer "The Voice of Terror" (nun bei Universal-Studios) einen kleinen Zeitsprung. Holmes sei "alterslos, unbesiegbar und unveränderlich ..." sagt uns der Vorspann und es ginge nun um "signifikante Probleme der Gegenwart...". Wir schreiben also ab jetzt 1942! Vorbei sind die Zeiten Queen Viktorias mit Gaslaternen, Kutschen und Nebelschwaden, Holmes löst seine Fälle im weltkriegsgeschüttelten zerbombten London und natürlich haben sich auch die Feinde geändert. Sherlock Holmes bekämpft nun auch Nazispione und Saboteure und am Ende fast jeden Films hat Basil Rathbone einen kleinen Monolog wo er über die Lage der Welt philosophiert und das Böse, das es in ihr gibt, und über England spricht, seine Menschen und die Probleme, die noch auf sie zukommen werden, über den Zusammenhalt und darüber, daß das Gute letztendlich immer triumphieren wird. Rathbone verzichtet dabei gänzlich auf propagandaüblichen übertriebenen Pathos; er spricht seinen Text mit trockener Ehrlichkeit und sein Holmes wird dadurch zu einem Symbol der Vernunft in einer Welt, die verrückt geworden zu sein scheint.
Die 14 Basil Rathbone Holmesfilme in chronologischer Reihenfolge: THE HOUND OF THE BASKERVILLES (1939) Klassischer Holmes, der sich ziemlich genau an das Buch hält. Nebel überm Moor. Grimmiger großer Hund. Super. THE ADVENTURES OF SHERLOCK HOLMES (1939) Prof. Moriarty plant das Verbrechen des Jahrhunderts, um Holmes zu demütigen und will sich danach zur Ruhe setzten. Das Duell des Intellekts endet in einen Faustkampf im Tower of London. Genial!! THE VOICE OF TERROR (1942) Saboteure versetzen England in Angst und Schrecken. Holmes muss die bösen Spione ausfindig machen. Lieb: wenn sich geheime Nazis in England in ihren geheimen Geheimverstecken treffen, tragen sie glänzende SS-Uniformen. SECRET WEAPON (1943) Holmes verhilft Wissenschaftler zur Flucht nach England, doch Prof. Moriarty möchte dessen Pläne für eine Geheimwaffe an Hitlerdeutschland verkaufen. SHERLOCK HOLMES IN WASHINGTON (1943) Wie der Titel so schön sagt, reist Holmes über den Atlantik, um einen verschwundenen Agenten zu suchen, der wichtige kriegsentscheidende Informationen bei sich hatte. Ich hoffe es ist kein Spoiler wenn ich sage; die Nazis haben ihn! SHERLOCK HOLMES FACES DEATH (1943) Mysteriöse Morde geschehen in einem Heim für Soldaten in dem Watson Dienst versieht. Ein geheimes Dokument das Millionen wert ist. Sherlock Holmes eilt zu Hilfe. Sehr gut! THE SPIDER WOMAN (1944) Eine mysteriöse Selbstmordwelle erschüttert London. Holmes trifft auf eine brilliante Verbrecherin mit höchst interessanten Mordmethoden THE SCARLET CLAW (1944) Holmes ist in Kanada. Dort treibt in dem Örtchen LaMort Rouge angeblich ein mysteriöses mordendes Gespenst sein Unwesen. Tolle Sache!! THE PEARL OF DEATH (1944) Ein wertvolles Schmuckstück und der mit Abstand coolste Killer der Serie: Rondo Hatton als "The Creeper". Very spooky!! THE HOUSE OF FEAR (1945) Nette Version a la "10 Little Indians" mit äußerst originellem Ende. WOMAN IN GREEN (1945) Wieder eine geniale Verbrecherin als Antagonist. Diesmal soll Holmes im Auftrag von Moriarty hypnotisiert werden! Großartig: Henry Daniell als Moriarty! PURSUIT TO ALGIERS (1945) Holmes und Watson fungieren als Leibwächter für einen Thronerben aus irgendeinem Land irgendwo in Europa. Natürlich ist dessen Überleben extrem wichtig für den Demokratisierungsprozess in der Welt! TERROR BY NIGHT (1946) Ein wertvoller Diamant muss auf der langen Zugfahrt von London nach Edinburgh bewacht werden. Nicht nur wird er gestohlen, sondern es geschieht auch ein Mord. Zum Glück hat Holmes auch ein Bahnticket gekauft. DRESSED TO KILL (1946) Schöne intelligente Frauen sind offensichtlich Holmes Lieblingsgegner. So auch in dem letzten Film mit Rathbone, in dem es um drei kleine Musikboxen geht, deren Melodien eine versteckte Botschaft enthalten.
All diese Filme wurden nun endlich liebevoll restauriert und erstrahlen auf dieser Sherlock Holmes The Definitive Collection Box in sehr guter Bild und Tonqualität. Es gibt viele Extras wie Trailer, Photo und Filmplakatgalerien und bei fünf Filmen gibt es Audiokommentare von Filmhistorikern und Sherlock-Holmes-Experten. Äußerst empfehlenswert für Freunde von alten Mystery- und Kriminalfilmen und absoluter Pflichtkauf für Basil-Rathbone-Fans. Genau das Richtige für verregnete kühle Herbstabende, die ja langsam auf uns zukommen."
»Sherlock Holmes« mit Jeremy Brett * * * * GB 1983-1994. Mit: Jeremy Brett, David Burke, Edward Hardwicke. Der einzige, der es mit Basil Rathbones Holmes aufnehmen kann, ist Jeremy Brett in den nun auch schon legendären Holmes-Verfilmungen der britischen Granada-TV – berühmt wegen der enorm peniblen, sichtbar kostspieligen Produktion, die mit stupendem Aufwand und erstklassigen Darstellern das viktorianische England lebendig werden läßt. Höhepunkt aber ist eindeutig und atmberaubend Jeremy Brett. Während Rathbone den intellektuell-eleganten Gentleman gibt, ist Brett das exzentrische Genie nahe am Wahnsinn, eine fast schon unheimliche Intelligenzbestie. Wo Rathbone leicht arrogant ist, gefällt sich Bretts Holmes in kaltem Hochmut. Wo Rathbone scharfsinnig Rätsel löst, ist Brett der unter Spannung bebende nervös witternde Jäger, bei dem gefährliche animalische Instinkte den schneidenden Intellekt ergänzen. Sagenhaft! Größte Klasse!
»Shining« * * * * * USA 1980, Länge: 115/119 (USA: 143) Minuten, Regie und Produktion: Stanley Kubrick, Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson nach dem Roman von Stephen King (dessen Drehbuchfassung Kubrick jedoch abgelehnt haben soll), Kamera: John Alcott, Garrett Brown (Steadicam - dazu Information von Warner Bros.: »Who invented the Steadicam (and operated it on the film)? Garrett Brown, for which he won a Science and Technical Academy Award in 1978«), Schnitt: Ray Lovejoy, Musik: Wendy Carlos, Béla Bartók, Krzysztof Penderecki, György Ligeti, Ton: Ivan Sharrock, Richard Dani, Toneffektschnitt: Wyn Ryder, Dino di Campo, Jack Knight, Produzent: Stanley Kubrick, Jan Harlan (Executive Producer). Mit: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson, Philip Stone, Joe Turkel, Lia Beldam, Billie Gibson.
Es ist merkwürdig, daß dieser kommerziell (jedenfalls bis zum Jahr 2000) erfolgreichste Kubrickfilm von der Kritik und der sektiererischen Verehrerschaft nicht sehr geschätzt wurde und wird. Wegen des Erfolgs? Vermutlich. Das ist ja eine der Krankheiten verkrampfter Intellektueller/Cineasten, daß alles beim Volk Erfolgreiche für sie nur minderwertig sein kann; übrigens sind das meist dieselben Leute, die sich für Groß-Demokraten halten – lächerlich. Doch das nur nebenbei. Mich hat der Film seinerzeit auf Anhieb fasziniert, und er tut das bei jedem Sehen aufs Neue. Denn »Shining« ist einer der besten Horrorfilme, voller intelligenter Subtilität, natürlich vor allem in den Bildern. Trotz kalter Kubrickscher Intellektualität (oder gerade davon geschärft?) ein ungeheuer packender magischer Film. Außerdem: Mit einem zu sich selbst kommenden (also außer sich geratenden) Jack Nicholson, der nicht nur seiner Film-Familie schreckliche Angst macht. Dazu, wie bei Kubrick nicht anders zu erwarten, ausgesucht exquisite Filmmusik.
Die Kurzkritik aus dem 2001-Lexikon des Internationalen Films ist gekonnt: »In einem eingeschneiten Berghotel in Colorado verfällt ein Schriftsteller, der dort mit seiner Familie als Hausmeister den Winter verbringt, langsam dem Wahnsinn. Das labyrinthische Haus provoziert Halluzinationen und Angstträume, stürzt den Mann in eine Identitätskrise und treibt ihn zur zwanghaften Wiederholung einer Bluttat, die vor Jahren im Hotel geschah: Er attackiert seine Frau und seinen Sohn, die mit knapper Not dem Mordanschlag entgehen. Nur an der Oberfläche ein effektvoller Horrorthriller, ist der Film eine virtuos inszenierte Studie über die Wechselwirkung von Wirklichkeit und Schein, Realität und Illusion, über die traumatischen Abgründe, die sich jenseits des gesunden Menschenverstandes auftun. (...) Der filmhistorisch interessante USA-Import beinhaltet die 143-minütige Fassung des Films.«
Der Verleih Warner Bros. publiziert auf seiner Website »kubrickfilms« höchst interessante Informationen zum Vergleich der beiden veröffentlichten Fassungen: What are the differences between the U.S. and international versions of the film? Kubrick cut some 20 minutes from The Shining before its international release, which were later restored on the home video version. Here is a list of the major cuts (from Monthly Film Bulletin, November 1980):
-The beginning of Jack’s interview for the caretaker position at the Overlook Hotel - The scene of a doctor (Anne Jackson) examining Danny after he first "sees" the Grady twins. - During their tour of the Overlook, Ullman shows Jack and Wendy the Colorado Lounge. Most of this scene, where Ullman talks about the hotel’s past, has been cut - The beginning of the scene where Ullman shows Jack and Wendy the hotel grounds and the hedge maze. - Much of the scene leading up to Halloran’s first appearance, where Ullman shows off the Gold Room and remarks how all the liquor has been removed for insurance purposes. - The end of Halloran’s scene in the kitchen with Danny, where Danny asks if Halloran is scared of the Overlook and Halloran says "…the Overlook Hotel here has something about it that’s like shining." - The end of the Torrances’ first night in the hotel, when Wendy brings Jack breakfast and they talk about their vastly different impressions of the place. - After Danny and Wendy explore the maze, a scene of Wendy working in the kitchen while a news report on the TV talks about an incoming snowstorm. - The title THURSDAY after Jack banishes Wendy from the lounge while he’s working. - After the scene where the Grady girls invite Danny to play with them "for ever and ever," Wendy and Danny watch TV. - Some dialogue from the middle of the scene in the Gold Room, where Jack is served a drink by Lloyd the bartender. - A scene of Wendy crying and talking to herself, right after the scene of Jack and Grady in the red bathroom. - A scene of Halloran trying to contact the Overlook, which takes place right after the scene where Jack sabotages the radio. - The title 8 A.M. before the shot of Halloran’s plane in flight. - A dialogue scene of Halloran on the plane talking to a stewardess, then his scene of landing at the airport and talking to garage owner Durkin (Tony Burton) on the phone. - The beginning of the scene where Wendy goes into Jack’s lounge and finds his type-written pages of "All work and no play makes Jack a dull boy." This showed Wendy and Danny watching TV and Wendy taking the baseball bat as she leaves the room. - During the climax, when Wendy is running through the hotel being confronted by ghosts, a few shots of a scene showing skeletons sitting at a table with a champagne bottle and glasses. -It’s interesting to note that almost all of the scenes of the Torrances watching TV were removed for this version, perhaps to enhance their isolation or remove pop culture references.
»Singin’ in the Rain« * * * * * USA 1952, deutscher Titel auch: »Du sollst mein Glücksstern sein«. Länge: 100 Minuten, Regie: Gene Kelly und Stanley Donen, Buch: Adolph Green und Betty Comden, Kamera: Harold Rosson, Musik: Nacio Herb Brown, Produzent: Arthur Freed. Mit: Gene Kelly, Debbie Reynolds, Donald O'Connor, Jean Hagen, Cyd Charisse, Millard Mitchell.
Ein ewig vergnüglicher Unterhaltungsklassiker, der mit viel Witz Hollywoods Wandel vom Stumm- zum Tonfilm auf die Schippe nimmt. Überaus kunstvolles Entertainment aus der Broadway-Tradition, sowieso eins der wundervollen Geschenke Amerikas an die Welt. Großartige Tanz-Musik-Nummern, die ganz eindeutig das avantgardistische Tanz-Theater (z.B. Pina Bausch) animiert haben und frühe Pop-Art sind: Gegenstände tanzen mit, die Tänzer bringen alles in Bewegung: Regenmäntel machen Ballett, Sofas wirbeln etc. Riesig die weltberühmte Nummer von Gene Kelly "Singin' in the Rain", der durch Pfützen tanzt, Regen, Wasser, Trottoir, Laterne, Bordstein und den Schirm mittanzen läßt. Eine Film-Sequenz, die genauso wertvoll ist wie die "Mona Lisa" im Louvre, wie ein Konzert von Mozart, wie ein Dialog von Shakespeare oder ein Gedicht von Goethe, ganz klar. Daß Stanley Kubrick in "Clockwork Orange" den gewalttätigen Alex "Singin' in the Rain" zur Begleitung seiner Schandtaten schmettern läßt, seine Tritte zum Tanz macht, ist eine besonders kraftvolle Form sentimentaler Verehrung durch den zynischen Meister und sarkastischen Musikliebhaber.
»Spiel mir das Lied vom Tod« / »Once Upon a Time in the West« * * * * * Italien, USA 1968, Länge: 164 (Original 176) Minuten, Regie: Sergio Leone, Buch: Sergio Leone, Sergio Donati, Bernardo Bertolucci, Dario Argento, Kamera: Tonino Delli Colli, Musik: Ennio Morricone, Produzent: Fulvio Morsella, Bino Cicogna. Mit: Henry Fonda, Claudia Cardinale, Charles Bronson, Jason Robards, Gabriele Ferzetti, Frank Wolff, Paolo Stoppa, Keenan Wynn, Marco Zuanelli, Lionel Stander, Woody Strode, Jack Elam.
Wie sagte Sergio Leone: »Wenn bei John Ford jemand aus dem Fenster sieht, blickt er in eine strahlende Zukunft. Wenn bei mir jemand ein Fenster öffnet, wird er sofort erschossen.«
Auf der Homepage marionfehr.de beschreibt Marion Fehr sehr schön, witzig, kundig, warum sie sich dieses Meisterwerk sogar im privaten Werbefernsehen in Stücke gehackt ansieht (was ich prinzipiell niemals tue und tun würde - aber egal):
»Selbst die 45 Minuten Werbeunterbrechung bringen mich auch bei der wahrscheinlich 672. Wiederholung nicht davon ab, Klingel und Telefon abzuschalten, es mir auf meinem Sofa gemütlich zu machen, um vor Ergriffenheit erstarrt das grandiose Meisterwerk "Spiel mir das Lied vom Tod" zu geniessen. Leones Erzählstränge sind einzigartig und von einer Ästhetik, die fast schon pervers anmutet, wenn sich nach und nach die Geschichte des mit stoischer Ruhe agierenden Lonesome Cowboy, eindrucksvoll verkörpert von Charles Bronson, erklärt. Sämtliche Charaktere agieren äußerst würdevoll, Henry Fonda als der eiskalte Killer fasziniert auf unglaublich ansprechende, fast schon sympathische Art durch sein emotionsloses Spiel. Fast tut es mir leid, dass er am Ende ins Gras beißt, weil ich trotz all der Unmenschlichkeit, die er verkörpert, jedesmal, wenn ich mir den Film ansehe, das Gefühle habe, er würde sich diesmal sicher läutern. Meine Lieblingszene ist übrigens die, wenn ganz am Ende der Racheengel (Charles Bronson) zusammen mit seinem Outlaw-Kumpel (Jason Robbards) das Kaff Sweetwater verlässt, nach einigen Minuten schweigsamen gemeinsamen Reitens Cheyenne vom Pferd absteigt, und sagt: "Mundharmonika, du must alleine weiterreiten. Ich kann nicht mit." Die fleischgewordene Gleichgültigkeit Charles Bronson steigt ungerüht ab, schiebt die Jacke des anderen zurück, sieht eine Schussverletzung am Bauch und sagt: "Ja". Wow, das sind Dialoge, die ich liebe. Kein Schwafeln, kein Faseln, kein überflüssiges Wort und vor allem keine Rührseligkeit.«
»Stagecoach« * * * * USA 1939, Länge: 94 (Original 97) Minuten, Regie: John Ford, Buch: Ernest Haycox, Dudley Nichols, Ben Hecht, Kamera: Bert Glennon, Musik: Louis Gruenberg, Richard Hageman, W. Franke Harling, John Leipold, Leo Shuken, Gerard Carbonara, Schnitt: Dorothy Spencer, Walter Reynolds, Produzent: Walter Wanger, John Ford. Mit: Claire Trevor, John Wayne, Andy Devine, John Carradine, Thomas Mitchell, Louise Platt, George Bancroft, Donald Meek, Berton Churchill, Tim Holt, Tom Tyler, Dorothy Appleby, Frank Baker, Chief John Big Tree, Danny Borzage, Francis Ford, Whitehorse.
Deutsch heißt der Western-Klassiker auch – man glaubt es nicht: »Ringo« / »Höllenfahrt nach Santa Fé«, eine blödsinnige Titelei, die mit dem Film überhaupt nichts zu hat, da gibt’s keinen Ringo und kein Santa Fé!
Und auch das noch: Im Film bekommt eine Frau ein Kind, ein Mädchen. In der ersten deutschen Synchronisation, die via Fernsehen auch immer wieder mal ans Licht gerät, heißt es dazu allerdings entscheidend verbessert: »Es ist ein Junge!«
Ja, da ist man fassungslos. Auch als Mann.
»Straßen in Flammen« / »Streets of Fire« * * * * * USA 1984, Länge: 94 Minuten, Regie: Walter Hill, Buch: Walter Hill, Larry Gross und Walter Hill, Larry Gross, Kamera: Andrew Laszlo, Musik: Ry Cooder. Mit: Michael Pare, Diane Lane, Michael Paré, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Deborah van Valkenburgh, Rick Rossovich.
Das 2001-Lexikon des Internationalen Films mit einer interessanten Anmerkung: »Actionballade in Form eines Großstadtwesterns, der die Mythen der Rock 'n' Roll-Lyrik bruchlos mit denen des Western verbindet. Unter Verzicht auf Psychologisierung wird auf die Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen einer verlorenen Generation in einer kalten Welt angespielt. Filmhistorisch bedeutsam wegen der Einführung eines neuartigen Negativfilms, der als Innovation für Studiofilme einen direkten Einfluß auf deren Bildästhetik hat.«
»Stunde Null« * * * * BR Deutschland 1976, Länge: 108/112 Minuten, Regie: Edgar Reitz, Buch: Peter Steinbach und Edgar Reitz, Kamera: Gernot Roll, Musik: Nicos Mamangakis, Produzent: Edgar Reitz in Zusammenarbeit mit Solaris-Film, München, für den Westdeutschen Rundfunk, Herstellungsleitung Bernd Eichinger. Mit: Kai Taschner, Anette Jünger, Herbert Weissbach, Klaus Dierig, Günter Schiemann, Erika Wackernagel, Thorsten Henties, Erich Kleiber, Bernd Linzel, Edith Kunze.
Dieser wunderschöne Film hat 1977 den Bundesfilmpreis bekommen, 300.000 DM, das Filmband in Silber bei den Berliner Filmfestspielen 1977, den Adolf Grimme Preis in Silber 1978, ist irgendwann auch im mitproduziert habenden Fernsehen gelaufen und dann von ihm anscheinend gründlich vergessen geworden, denn zu sehen ist er schon lange nirgends mehr; kein Video; keine DVD. Und das obwohl Reitz mit seiner »Heimat« doch berühmt und filmisch-prominent geworden ist. Schandbar! Die »Stunde Null« ist eine der subtilsten Studien über diese ganz eigene Zeit zwischen den Zeiten, nach dem 2. Weltkrieg, vor dem neuen gespaltenen Deutschland – politisch luzide und menschlich schön. Ein kleiner Film, ein großes Kunstwerk.
Zum Inhalt der Landesmediendienst Bayern: »Joschi, einer der vielen Jugendlichen, die nach dem Ende des zweiten Weltkrieges durchs Land treiben, macht sich mitten durch die abziehenden amerikanischen Truppen auf den Weg nach Leipzig-Möckern. Er will den Nazischatz heben, der dort vergraben sein soll. Die meisten Bewohner aus Möckern sind aus Angst vor den Russen geflüchtet. Geblieben sind der alte Eisenbahner Mattiske, die stämmige Frau Unterstab, ein Flüchtlingsmädchen, der Invalide Paul, trotz seiner Erfahrung ohne Einsicht und der ewige Opportunist Franke. Sie alle vertreiben sich die Zeit bis zum Einmarsch der roten Armee. Dann plötzlich sind die Russen da, ziehen mit Kühen und Pferdewagen statt mit Panzern ein. Und Joschi flüchtet mit Isa in Richtung Westen.«
Urteil von 2001-Lexikon des Internationalen Films: »Ein atmosphärisch dichter und stilistisch klarer Film von Edgar Reitz ("Heimat", 1981/84), der die zwischen Hoffnung und Erinnerung schwankende Gefühlslage der 'Stunde Null' treffsicher wiedergibt.«
»Tagebuch einer Kammerzofe« / »Le journal d'une femme de chambre« * * * * Frankreich/Italien 1963/1964, Länge: 97 Minuten, Regie: Luis Buñuel, Buch: Luis Buñuel und Jean-Claude Carrière, Kamera: Roger Fellous, Produzent: Serge Silberman. Mit: Jeanne Moreau, Georges Géret, Michel Piccoli, Daniel Ivernel, Françoise Lugagne Muni, Jean Ozenne, Dominique Sauvage-Dandieux.
Erstklassige Besetzung (Moreau! Piccoli!) und ein Buñuel in anti-bourgeoiser, anti-klerikaler Bestform. Gut an dem Film ist auch, daß es in diesem »Spielfilm« die sterilen und zum Überdruß langweiligen Dada-Mätzchen des Bürgerschrecks B. nicht gibt; sie machen ja die meisten seiner späteren Filme (70er Jahre) so kindisch und so ungenießbar.
Das »Kino Kunstmuseum« in Bern beschreibt den Film: »Die Kammerzofe Célestine, eine sorglose, leichtlebige Pariserin, kommt zur Gutsbesitzerfamilie Monteil in die Normandie. Hinter der Maske bürgerlicher Wohlanständigkeit trifft sie auf ein Panoptikum der absonderlichsten Charaktere: Madame ist frigide, ihr Mann ein Lüstling, der Schwiegervater hat eine Vorliebe für Damenstiefelchen und der Hausdiener Joseph ist ein fanatischer Faschist. Célestine verrät Joseph und heiratet den reichen Nachbarn. Damit hat sie ihr Ziel erreicht: den gesellschaftlichen Aufstieg um jeden Preis. Mit Journal d'une femme de chambre kehrte Buñuel zu den irrationalen Sujets seiner surrealistischen Zeit zurück, in denen sich die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verwischt und sogar aufhebt. Ursula Vossen«
Zu einer Retrospektive der Werke Buñuels im Berliner »Arsenal« publizierten die »Freunde der Kinemathek«: »Le journal d’une femme de chambre (Das Tagebuch einer Kammerzofe, 1964) erwies noch einmal, wie eng im Werk Buñuels politisch-ideologische und poetisch-surreale Elemente miteinander verbunden sind. Ausgehend von dem gleichnamigen Roman Octave Mirbeaus entwarf Buñuel ein abschreckendes Bild der Klassengesellschaft eines Provinzstädtchens. Die Exponenten der Oberschicht – die Familie Monteil, bei der das Mädchen Célestine in Diensten steht, aber auch ihre Nachbarn sind korrupt, heuchlerisch und arrogant: auf Wahrung bürgerlich-herrschaftlicher, patriotischer Formen bedacht, führen sie ein Leben der Überflüssigkeit und der Frustration. Die Beschränktheit des Bewußtseins, das bei ihnen herrscht, reproduziert sich in der Welt der Dienstboten: Hier keimen aus dem Geist subalterner Ergebenheit dumpfe faschistische und antisemitische Ressentiments. Buñuel deckt die absurde, halb lächerliche, halb unheimliche Mechanik der bürgerlichen Gesellschaftsordnung auf, wobei er seiner Untersuchung eine surrealistische Optik gibt und mit Vorliebe so beunruhigende Details einfängt wie das Bild einer Schnecke, die über das Bein eines ermordeten Mädchens kriecht. – Texte nach: »Geschichte des Films ab 1960« von Ulrich Gregor.«
»Tanz der Vampire« / »Dance of the Vampires« * * * * Großbritannien 1967, Länge: 103 Minuten. Titel in USA auch: »The Fearless Vampire Killers Or Pardon Me, But Your Teeth Are In My Neck«*, Regie: Roman Polanski, Buch: Roman Polanski und Gérard Brach, Kamera: Douglas Slocombe, Schnitt: Alastair McIntyre, Musik: Krzysztof Komeda. Mit: Roman Polanski, Jack MacGowran, Sharon Tate, Ferdy Mayne, Terry Downes, Alfie Bass, Jessie Robins.
Einer der schönsten Vampirfilme und zugleich die beste Persiflage des Genres. Großer Klassiker Polanskis, dem nicht alles gelang. Sehenswert vor allem seine frühen polnischen Kurzfilme (»Zwei Männer und ein Schrank«) und dann »Das Messer im Wasser«, »Ekel«, »Rosemaries Baby« und – für mich schon mit Abstrichen – »Chinatown«, alles Weitere sichtlich ambitioniert, aber – seien wir ehrlich – doch mehr oder weniger Durchschnittsware der etwas besseren Art. Aber, wie gesagt, »Tanz der Vampire«: »Die Klischees und Handlungsmuster des Vampir-Genres werden zu einer amüsanten Persiflage genutzt, in der makabre Schocks durch liebevolle Typenkomik ausbalanciert werden. Eine Hommage an das alte Horrorkino und seine Effekte, zugleich eine Satire auf die tragikomischen Bemühungen bürgerlich-aufklärerischer Biedermänner im Kampf mit einer buchstäblich blutsaugerischen Aristokratie. Ein fantasievoll-intelligentes Vergnügen, das erneut Polanskis Thema der Menschlichkeit in einer feindlichen Umwelt anklingen lässt.« (Lexikon des Internationalen Films) Achtung: Die TV-Ausstrahlungen in den Jahren nach 2000 sind farblich total verfälscht, der gesamte Film ist quasi in helles gelbliches Sonnenlicht getaucht, was bei diesem Stoff ja sowieso völlig irrsinnig ist. Es sind nicht die Originalfarben der Kinofassung, und der Film ist dadurch völlig verdorben und Sondermüll. Ich hoffe, das ist nicht auch die digitale Abtastung der neueren DVDs (SZ-Cinemathek?), die ich noch nicht gesehen habe.
Ein ausgesucht schönes Detail im »Tanz der Vampire« wird in der deutschen Fassung aus ekliger Feigheit & peinlicher Dummheit kaputtsynchronisiert: Bekanntlich hilft es gegen Vampire, wenn man denen ein Kruzifix vor die Nase hält. Als der zum Vampir gewordene jüdische Wirt Shagal damit am Biß gehindert werden soll, winkt er nur spöttisch lächelnd ab und erklärt: "Das hilft doch nur bei den anderen Vampiren" - nämlich bei den christlichen! Die (noch vom Antisemitismus kontaminierte) deutsche Fassung macht daraus ein völlig blödsinniges: "Das hilft doch nur bei den alten Vampiren". Die Filmkritikerin der Süddeutschen Zeitung, Martina Knoben, die für die DVD-Veröffentlichung in der verdienstvollen Cinemathek-Reihe des Blattes den "Tanz der Vampire" (Nr. 49) neu besprach, hat von den Zusammenhängen keinen blassen Schimmer und schwadroniert wörtlich diesen lächerlichen Stuß: "Dass Vampire keinen Knoblauch mögen, dass sie Kreuze verabscheuen und im Tageslicht verdampfen – Polanski konnte mit diesen Versatzstücken spielen, sie veralbern, sie allzu wörtlich nehmen. Ein Kreuz beispielsweise hilft bei ihm nur gegen ehemals christliche, gläubige Vampire; und die Wirkung des Knoblauchs beruht auf seinem libidotötenden Gestank." Ehemals christliche, gläubige Vampire - schon interessant, was man sich als deutsche Intellektuelle so zusammenreimt, wenn man gar nichts weiß, wenn man schlicht und einfach keine Ahnung hat. Als ich Frau Knoben auf diesen unglaublichen Unsinn ansprach, fiel sie aus allen Wolken und gestand ein, das Original und z.B. genau diesen kleinen aber gewaltigen Unterschied überhaupt nicht zu kennen. Was soll man als Kollege dazu sagen? Tut so, als rede sie von Polanski, geht aber wie ein blutiger Laie der unfähigen deutschen Synchronisation auf den Leim und phantasiert die noch ein bißchen klügelnd aus. Schrecklich. Breiten wir den Mantel der jüdischen Nächstenliebe darüber, auch wenn es untot-bleibend in den SZ-DVDs steht. P.S.: Schlauer als die sowieso überschätzte »Süddeutsche Zeitung« ist die »VideoWoche«, die folgendes beisteuert: »Blendend schön photographierte, aufwendig inszenierte Horrorkomödie von Stimmungsmagier Roman Polanski, der hier selbst in der Rolle des etwas tölpelhaften (Anti-)Helden Alfred an der Seite seiner später von Charles Manson ermordeten Ehefrau Sharon Tate vor die Kamera tritt. Mit Wonne knöpft sich Polanski zu parodistischen Zwecken wohlbekannte Gruselklischees vor und arbeitet virtuos mit den Mitteln Slapstick und Ethnic Jokes, was sich freilich in der deutschen Version (z.B. aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf jüdische Mitbürger) nicht immer so lustig anhört. Ein rundes Vergnügen, das auch Jahrzehnte nach seiner Premiere nichts an Effektivität eingebüßt hat.«
"Roman Polanski hat mit 'Tanz der Vampire' 1967 einen der ganz großen Genre-Klassiker geschaffen. Murnaus 'Nosferatu' ist wahrscheinlich der unheimlichste und Coppolas 'Dracula' der prächtigste Film des Genres, 'Tanz der Vampire' ist zweifelsohne der lustigste. Polanski und sein Koautor Brach bauten so viel Skurriles in ihren Film ein, dass es schon fast aberwitzig zu nennen ist: haarsträubende Verfolgungsjagden, tuntige Vampire, jüdische Vampire [wie gesagt: nicht in der deutschen Fassung!!! H.M.], bei denen Kruzifixe nicht mehr wirken, knalltütige Vampirjäger und irgendeine pfiffige Idee in fast jeder Szene" (VampireWorld).
*Um das Budget für seinen "Kultfilm" (Roman Polanski) zusammenzubekommen, hatte er den Produzenten Martin Ransohoff beteiligt. Ransohoff bekam die Verwertungsrechte für Kanada und die USA zugesprochen, Polanski reservierte für sich den "Rest der Welt". Damit war das Schicksal des Films in Nordamerika besiegelt. Ransohoff wütete wie ein Berserker: "Ich begriff sofort, dass es ein Riesenfehler von mir gewesen war, ihm den endgültigen Schnitt für die USA und Kanada zu überlassen; das ganze Ausmaß meiner Dummheit erkannte ich allerdings erst viel später. Aus dem englischen Filmtitel 'Dance of the Vampires' machte er 'The Fearless Vampire Killers, or Pardon Me, Your Teeth Are in My Neck'. Sämtliche Stimmen waren neu synchronisiert, damit sie amerikanischer klangen. Auch hatte Ransohoff an Komedas Musik herumgepfuscht und aus dem Film nicht weniger als 20 Minuten herausgeschnitten, wodurch er die Handlung verstümmelte. Zum Ausgleich gab es einen Zeichentrick-Vorspann, ein lächerliches Produkt, das als Einführung dienen sollte. Ich schämte mich, mit meinem Namen für einen solchen Streifen geradezustehen, doch mein Vertrag ... gab mir keine Handhabe, ihn löschen zu lassen." (Roman Polanski in seinen Memoiren "Roman Polanski")
Ransohoff hatte sich mit seiner Verstümmelungsaktion keinen Gefallen getan. "The Fearless Vampire Killers" floppte total und spielte weniger ein als Polanskis Version in Taiwan. Erst Jahre später kam das nordamerikanische Publikum (USA, Kanada) in den Genuß der Originalfassung.
»Tarzan, der Affenmensch« / »Tarzan the Ape Man« * * * * * USA 1932, Länge: 95/99 Minuten, Regie: William S. Van Dyke, Buch: Cyril Hume, Ivor Novello nach dem Roman von Edgar Rice Burroughs, Kamera: Harold Rosson, Clyde de Vinna. Mit: Johnny Weissmüller, Neil Hamilton, Maureen O'Sullivan, C. Aubrey Smith, Doris Lloyd, Forrester Harvey, Ivory Williams.
Wie der erste »King Kong« ein über jedwede Mäkelei erhabener Klassiker! Jener ist die wirklich klasse Mutter aller Jurassic Parks, Tarzan ist die Erfindung der Naturburschen, die Erschaffung von Menschen, die sich vor der Zivilisation und ihrer Bösartigkeit in die göttliche Natur retten, die sie beherrschen, weil sie von ihnen respektiert wird. Tarzan steckt verschlungen auch in »Indiana Jones« und vor allem aber in »Greenpeace« und »Robin Wood«. Steckt nicht mehr in den deutschen Grünen – die kommen noch nicht mal mehr auf den Ast, vom Baum ganz zu schweigen. Und Lianen? Joseph "Joschka" Fischer würde sie natürlich mit Frauen verwechseln.
»Tatis Schützenfest« / »Jour de Fête« * * * * * * Frankreich 1947, Länge: 76/79 Minuten, Regie: Jacques Tati, Buch: Jacques Tati, René Wheeler und Henri Marquet, Kamera: Jacques Mercanton, Jacques Sauvageot, Marcel Franchi, Musik: Jean Yatove, Produzent: Fred Orain. Mit: Jacques Tati, Paul Frankeur, Guy Decomble, Santa Relli, Maine Vallée, Roger Rafal, Jacques Beauvais.
Lexikon des internationalen Films: »Eine unendlich liebevoll gezeichnete Dorfchronik voller witziger Beobachtungen, mit der Tati ein ebenso zärtliches wie poetisches Meisterwerk geschaffen hat.«
»Taxi Driver« * * * * USA 1976, Länge: 114 Minuten, Regie: Martin Scorsese, Buch: Paul Schrader, Kamera: Michael Chapman, Musik: Bernard Herrmann, Produzent: Michael Phillips, Julia Phillips. Mit: Robert De Niro, Cybill Shepherd, Peter Boyle, Albert Brooks, Leonard Harris, Harvey Keitel, Jodie Foster, Richard Higgs, Steven Prince, Martin Scorsese.
Mehr Info demnächst in diesem Netheater!
»That’s Entertainment« (I&II) * * * * * I: USA 1974, deutsch: »Das gibt's nie wieder«, Regie: Jack Haley jr., Buch: Jack Haley jr., Kamera: Gene Polito, Ernest Laszlo, Russell Metty, Ennio Guarnieri und Allan Green, Musik: Henry Mancini. Mit: Fred Astaire, Bing Crosby, Gene Kelly, Peter Lawford, Liza Minnelli, Elizabeth Taylor, Frank Sinatra, James Stewart, Donald O'Connor, Debbie Reynolds, Mickey Rooney. II: USA 1976, Regie: Gene Kelly, Buch: Leonard Gershe, Kamera: George J. Folsey jr., Musik: Nelson Riddle, Produzent: Saul Chaplin und Daniel Melnick. Mit: Gene Kelly, Fred Astaire, John Barrymore, Lionel Barrymore, Judy Garland, Maurice Chevalier, Doris Day, Marx Brothers, Spencer Tracy, Katharine Hepburn, Clark Gable, Greta Garbo, Bing Crosby, Louis Armstrong, Frank Sinatra, Ginger Rogers, Cyd Charisse, Mickey Rooney, Esther Williams, Robert Taylor, Greer Garson, Kathryn Grayson, Leslie Caron.
»The Girl Can't Help It« / »Schlagerpiraten« * * * * USA 1956, Länge: 97 Minuten, Regie: Frank Tashlin, Buch: Frank Tashlin, Herbert Blaker, Kamera: Leon Shamroy, Musik: Lionel Newman, Produzent: Frank Tashlin. Mit: Jayne Mansfield, Tom Ewell, Edmond O'Brien, Henry Jones, John Emery, Julie London, Ray Anthony, Fats Domino, The Platters, Little Richard, Gene Vincent, Eddie Cochran, Barry Gordon.
Komische Superklamotte vom Meister Frank Tashlin mit allerschönster Rockmusik und einer nicht nur aus zwei Gründen sehenswerten wasserstoffblonden Sexbombe Jayne Mansfield. Bleibende Gag-Klassiker, zum Beispiel wie dem Milchmann beim Anblick der Mansfield die Milchflaschen eruptiv hochgehen und wie die Mansfield sich zwei Milchflaschen unschuldigst vor die Brust hält. Da gibt's noch mehr davon, und man wundert sich, daß die US-Zensoren jener Zeit nicht den Deckel drauf gemacht haben. Muß man gesehen haben! Und gehört: Be-Bop-A-Lula!!!
»The Good, the Bad and the Ugly« / »Zwei glorreiche Halunken« / Orginaltitel: »Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo« * * * * * Italien 1966, Länge: 159 (TV 141; rek. Fassung ca 170; Orig. 180) Minuten (Angaben von »2001«), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Sergio Leone, Agenore Incorocci, Furio Scarpelli, Kamera: Tonino Delli Colli, Musik: Ennio Morricone, Schnitt: Nino Baragli, Produzent: Alberto Grimaldi. Mit: Clint Eastwood, Eli Wallach, Lee van Cleef u.a., nämlich: Aldo Giuffrè, Aldo Sambrell, Al Mulock, Claudio Scarchelli, Rada Rassimov, Luigi Pistilli, Mario Brega, Antonio Casale, Enzo Petito, Livio Lorenzon, Chelo Alonso.
Gut. Böse. Schön.
Die Gelehrten streiten, aber ich meine mit meinem Adlerauge zu sehen: "Spiel mir das Lied vom Tod" trifft doch noch besser in die Zwölf - siehe oben.
»The Truman Show« * * * * * USA 1998, Länge: 103 Minuten, Regie: Peter Weir, Buch: Andrew Niccol, Kamera: Peter Biziou, Musik: Philip Glass und Burkhard Dallwitz, Produzent: Scott Rudin, Edward S. Feldman, Adam Schroeder und Andrew Niccol. Mit: Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Holland Taylor, Ed Harris, Philip Baker Hall, Brian Delate, Paul Giamatti.
Verblüffender, toll gemachter, kluger Film über fürs TV inszeniertes Leben. Ganz sicher ein moderner Klassiker.
»Titanic« * * * * * * * USA 1997, Laufzeit 194 Minuten, Regie: James Cameron, Buch: James Cameron, Kamera: Russell Carpenter, Musik: James Horner. Mit: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Billy Zane, Kathy Bates, Bill Paxton, Frances Fisher, Bernard Hill, Gloria Stuart, Jonathan Hyde, Victor Garber, David Warner, Suzy Amis, Lewis Abernathy, Nicholas Cascone, Dr. Anatoly M. Sagalevitch, Danny Nucci, Jason Barry, Ewan Stewart, Ioan Gruffudd, Jonathan Phillips, Mark Lindsay Chapman, Richard Graham, Paul Brightwell, Eric Braeden, Charlotte Chatton, Bernard Fox, Michael Ensign, Fannie Brett.
Es hilft nichts: Das ist einfach einer der allerbesten Filme! Wahrscheinlich sogar der beste, alles in allem. Titanisch. Rauscht sogar dem 2001-Raumschiff des Großmeisters Kubrick leicht davon.
Der Hauptverband Deutscher Filmtheater e. V. (HDF) funkt folgende Message vom Kap der Guten Filmhoffnung: »Ein Film allerdings überbot alle Rekorde: James Camerons "Titanic". Im Januar 1998 gestartet, brachte er bis Anfang 1999 mehr als 18 Millionen Besucher in deutsche Filmtheater - eine in Jahrzehnten beispiellose Zahl.« (Ist aber wirklich kein Wunder - der Film ist es.)
Man kann ja von Auszeichnungen halten, was man will. Man kann vor allem den "Oscar" für blöd halten, weil so viele große Filmemacher, so viele große Kinowerke ihn nicht oder zu spät oder für den falschen Film bekamen. Man kann meinen, die 11 Rekord-Oscars bedeuteten nicht viel, weil nicht nur der große Ben Hur auch 11 bekam, sondern sogar der mittelmäßige Kiddiefilm "Herr der Ringe". Aber "Titanic" hat ja nicht bloß Oscars gewonnen. Hier ist die Liste von IMDB:
ASCAP Film and Television Music Awards 1999 Won ASCAP Award Most Performed Songs from Motion Pictures: James Horner / Will Jennings For the song "My Heart Will Go On". 1998 Won ASCAP Award Top Box Office Films: James Horner
Academy Awards 1998, USA Won Oscar Best Art Direction-Set Decoration: Peter Lamont (art director), Michael Ford (set decorator) Best Cinematography: Russell Carpenter Best Costume Design: Deborah Lynn Scott Best Director: James Cameron Best Effects, Sound Effects Editing: Tom Bellfort, Christopher Boyes Best Effects, Visual Effects: Robert Legato, Mark A. Lasoff, Thomas L. Fisher, Michael Kanfer Best Film Editing: Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris Best Music, Original Dramatic Score: James Horner Best Music, Original Song: James Horner (music), Will Jennings (lyrics). For the song "My Heart Will Go On", performed by Céline Dion. Best Picture: James Cameron, Jon Landau Best Sound: Gary Rydstrom, Tom Johnson, Gary Summers, Mark Ulano Nominated Oscar Best Actress in a Leading Role: Kate Winslet (... hätte ihn natürlich bekommen müssen!/H.M.) Best Actress in a Supporting Role: Gloria Stuart Best Makeup: Tina Earnshaw, Greg Cannom, Simon Thompson
Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, USA 1998 Won Saturn Award Best Supporting Actress: Gloria Stuart Nominated Saturn Award Best Action/Adventure/Thriller Film
Amanda Awards, Norway 1998 Won Amanda Best Foreign Feature Film (Årets utenlandske spillefilm): James Cameron
American Cinema Editors, USA 1998 Won Eddie Best Edited Feature Film: Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris
American Society of Cinematographers, USA 1998 Won ASC Award Outstanding Achievement in Cinematography in Theatrical Releases: Russell Carpenter
Annie Awards 1998 Won Annie Best Individual Achievement: Technical Achievement
Art Directors Guild 1998 Won Excellence in Production Design Award Feature Film: Martin Laing (production designer/art director), Charles Dwight Lee (art director), Neil Lamont (art director), Robert W. Laing (art director), Bill Rea (art director), Steven Lawrence (assistant art director), Héctor Romero (assistant art director)
Awards of the Japanese Academy 1998 Won Award of the Japanese Academy Best Foreign Film
BAFTA Awards 1998 Nominated Anthony Asquith Award for Film Music: James Horner BAFTA Film Award Best Cinematography: Russell Carpenter Best Costume Design: Deborah Lynn Scott Best Editing: Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris Best Film: James Cameron, Jon Landau Best Make Up/Hair: Tina Earnshaw, Simon Thompson, Kay Georgiou, Best Production Design: Peter Lamont Best Sound: Gary Rydstrom, Tom Johnson, Gary Summers, Mark Ulano, Best Special Effects: Robert Legato, Mark A. Lasoff, Thomas L. Fisher, Michael Kanfer David Lean Award for Direction: James Cameron
BMI Film & TV Awards 1998 Won Most Performed Song from a Film: Will Jennings for the song "My Heart Will Go On".
Blockbuster Entertainment Awards 1999 Won Blockbuster Entertainment Award Favorite Song from a Movie: Céline Dion for the song "My Heart Will Go On". Nominated Blockbuster Entertainment Award Favorite Soundtrack 1998 Won Blockbuster Entertainment Award Favorite Actor – Drama: Leonardo DiCaprio Favorite Actress – Drama: Kate Winslet Favorite Supporting Actor – Drama: Billy Zane Favorite Supporting Actress – Drama: Kathy Bates
Blue Ribbon Awards 1998 Won Blue Ribbon Award Best Foreign Language Film: James Cameron
Bogey Awards, Germany 1998 Won Bogey Award in Titanium
Brit Awards 1999 Won Brit Best Soundtrack
British Society of Cinematographers 1998 Nominated Best Cinematography Award: Russell Carpenter
Broadcast Film Critics Association Awards 1998 Won BFCA Award Best Director: James Cameron Nominated BFCA Award Best PictureCasting Society of America, USA 1998 Nominated Artios Best Casting for Feature Film, Drama: Mali Finn
Chicago Film Critics Association Awards 1998 Won CFCA Award Best Cinematography: Russell Carpenter Best Original Score: James Horner Nominated CFCA Award Best Director: James Cameron Best Picture
Cinema Audio Society, USA 1998 Won C.A.S. Award Outstanding Achievement in Sound Mixing for a Feature Film: Gary Rydstrom (re-recording mixer), Tom Johnson (re-recording mixer), Gary Summers (re-recording mixer), Mark Ulano (production mixer)
Czech Lions 1999 Won Audience Award: James Cameron César Awards, France 1999 Nominated César Best Foreign Film (Meilleur film étranger): James Cameron (director) USA.
Dallas-Forth Worth Film Critics Association Awards 1998 Won DFWFCA Award Best Director: James Cameron Directors Guild of America, USA 1998 Won DGA Award Outstanding Directorial Achievement in Motion Pictures: James Cameron, Grant Hill (unit production manager) (plaque), Anna Roth (unit production manager) (plaque), Sharon Mann (unit production manager) (plaque), Jon Landau (unit production manager) (plaque), Josh McLaglen (first assistant director) (plaque), Sebastián Silva (second assistant director) (plaque), Kathleen 'Bo' Bobak (second assistant director) (plaque),
Empire Awards, UK 1999 Won Empire Award Best British Actress: Kate Winslet Best Film
European Film Awards 1998 Won Audience Award Best Actress: Kate Winslet Nominated Outstanding European Achievement in World Cinema: Kate Winslet
Florida Film Critics Circle Awards 1998 Won FFCC Award Best Cinematography: Russell Carpenter Best Film
Golden Camera, Germany 2001 Won Golden Camera Film – International: Kate Winslet
Golden Globes, USA 1998 Won Golden Globe Best Director - Motion Picture: James Cameron Best Motion Picture - Drama Best Original Score - Motion Picture: James Horner Best Original Song - Motion Picture: James Horner (music), Will Jennings (lyrics), For the song "My Heart Will Go On" Nominated Golden Globe Best Performance by an Actor in a Motion Picture – Drama: Leonardo DiCaprio Best Performance by an Actress in a Motion Picture – Drama: Kate Winslet Best Performance by an Actress in a Supporting Role in a Motion Picture: Gloria Stuart Best Screenplay - Motion Picture: James Cameron
Golden Satellite Awards 1998 Won Golden Satellite Award Best Director of a Motion Picture: James Cameron Best Motion Picture – Drama: James Cameron, Jon Landau Outstanding Art Direction: Peter Lamont Outstanding Costume Design: Deborah Lynn Scott Outstanding Film Editing: Richard A. Harris. Conrad Buff IV Outstanding Original Score: James Horner Outstanding Original Song: James Horner (composer), Will Jennings (lyricist), for the song "My Heart Will Go On" Nominated Golden Satellite Award Best Motion Picture Screenplay – Original: James Cameron Best Performance by an Actor in a Motion Picture – Drama: Leonardo DiCaprio Best Performance by an Actress in a Motion Picture – Drama: Kate Winslet Outstanding Cinematography: Russell Carpenter Outstanding Visual Effects: Robert Legato
Golden Screen, Germany 1999 Won Golden Screen - Special Award For more than 18,000,000 admissions. 1998 Won Golden Screen Golden Screen - Special Award For more than 15,000,000 admissions. Golden Screen with 1 Star Golden Screen with 2 Stars Golden Screen with 3 Stars
Grammy Awards 1999 Won Grammy Best Song Written Specifically for a Motion Picture or for Television: James Horner, Will Jennings, for the song "My Heart Will Go On"
Hochi Film Awards 1998 Won Hochi Film Award Best Foreign Language Film: James Cameron Hollywood Film Festival 1998 Won Hollywood Digital Award: Robert Legato, Crystal Dowd International Monitor Awards 1999 Won Monitor Theatrical Releases - Color Correction: David Bernstein, James Cameron
Kansas City Film Critics Circle Awards 1998 Won KCFCC Award Best FilmKids' Choice Awards, USA 1998 Won Blimp Award Favorite Movie
Las Vegas Film Critics Society Awards 1998 Won Sierra Award Best Cinematography: Russell Carpenter Best Director: James Cameron Best Original Song: James Horner (music), Will Jennings (lyrics), for the song "My Heart Will Go On" Best Picture
London Critics Circle Film Awards 1999 Nominated ALFS Award British Actress of the Year: Kate Winslet Director of the Year: James Cameron Film of the Year
Los Angeles Film Critics Association Awards 1997 Won LAFCA Award Best Production Design: Peter Lamont
MTV Movie Awards 1998 Won MTV Movie Award Best Male Performance: Leonardo DiCaprio Best Movie Nominated MTV Movie Award Best Action Sequence: For the ship sinking scene. Best Female Performance: Kate Winslet Best Kiss: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet Best Movie Song: Céline Dion for "My Heart Will Go On". Best On-Screen Duo: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet Best Villain: Billy Zane (Stimmt! Aber sein Wachhund ist auch gut bzw. echt schlecht – als Mensch)
Mainichi Film Concours 1999 Won Reader's Choice Award Best Foreign Language Film: James Cameron
Mexican Cinema Journalists 1998 Won Silver Goddess Best Foreign Film (Mejor Película Extranjera) USA.
Motion Picture Sound Editors, USA 1998 Won Golden Reel Award Best Sound Editing - Dialogue and ADR: Gwendolyn Yates Whittle (supervising dialogue editor), Hugh Waddell (supervising adr editor), Claire Sanfilippo (dialogue editor), John H. Arrufat (dialogue editor), Richard Quinn (dialogue editor), Sue Fox (adr editor), Harriet Fidlow (adr editor), Richard Corwin (adr editor), Cindy Marty (adr editor), Lee Lemont (adr editor) Best Sound Editing - Music (Foreign & Domestic): Jim Henrikson (supervising music editor), Joe E. Rand (music editor) Best Sound Editing - Sound Effects & Foley: Tom Bellfort (supervising sound editor), Christopher Boyes (supervising sound editor/sound designer), Thomas W. Small (supervising foley editor), Ethan Van der Ryn (sound effects editor), Scott Guitteau (sound effects editor), Christopher Scarabosio (sound effects editor), Shannon Mills (sound effects editor), Scott Curtis (foley editor), Tammy Fearing (foley editor), Michael Dressel (foley editor), David L. Horton Jr. (foley editor)
National Board of Review, USA 1997 Won Special Citation: James Cameron for the use of special effects technology.
Online Film Critics Society Awards 1998 Won OFCS Award Best Director: James Cameron Best Supporting Actress: Gloria Stuart Nominated OFCS Award Best Actress: Kate Winslet Best Film
PGA Golden Laurel Awards 1998 Won Motion Picture Producer of the Year Award: James Cameron, Jon Landau
People's Choice Awards, USA 1999 Won People's Choice Award Favorite Dramatic Motion Picture Favorite Motion Picture
Screen Actors Guild Awards 1998 Won Actor Outstanding Performance by a Female Actor in a Supporting Role: Gloria Stuart Tied with Kim Basinger for L.A. Confidential (1997). Nominated Actor Outstanding Performance by a Cast: Suzy Amis, Kathy Bates, Leonardo DiCaprio, Frances Fisher, Victor Garber, Bernard Hill, Jonathan Hyde, Bill Paxton, Gloria Stuart, David Warner, Kate Winslet, Billy Zane, Danny Nucci, Bernard Fox Outstanding Performance by a Female Actor in a Leading Role: Kate Winslet
Writers Guild of America, USA 1998 Nominated WGA Award (Screen) Best Screenplay Written Directly for the Screen: James Cameron
»Todeskuß« /»Kiss of Death« * * * * * USA 1947, Länge: 100 Minuten, Regie: Henry Hathaway, Buch: Charles Lederer, Ben Hecht (!), Kamera: Norbert Brodine, Musik: David Buttolph. Mit: Victor Mature, Richard Widmark, Karl Malden. Brian Donlevy, Coleen Gray, Taylor Holmes.
Eigentlich ein durchschnittlicher Hollywood-Streifen: Im Grunde seines Herzens guter Gangster verrät seine Juwelen-Raub-Komplizen nicht, geht in den Knast, weil die Kumpane versprochen haben, für seine Frau und die beiden süßen Töchter zu sorgen und ihn mit Hilfe des üblichen Winkel-Advokaten auf Bewährung aus dem Knast zu holen. Aber nichts geschieht. Der gute Gangster (Victor Mature) erfährt, daß seine Frau Selbstmord begangen hat, aus Not und wegen Verführung durch einen Komplizen des Mannes. Guter Gangster macht Deal mit dem Staatsanwalt, sagt aus und lebt gefährlich. Hinter ihm her ist Richard Widmark als irrer Gangster Tommy Udo. Und der ist sensationell, diese Figur hebt den Film aus der Masse der Movies. Richard Widmark ist wirklich irre, irre böse, irre gut. Und wurde mit diesem Film zu recht und schlagartig irre berühmt. Muß man gesehen haben! Ähnlich gemein böse und angsteinflößend ist nur Robert Mitchum in "Die Nacht des Jägers". Richard Widmark war nie wieder so gut. Lag aber bestimmt nicht an ihm, sondern an den Drehbüchern, Rollen, Regisseuren - und am großen Geld für den Mainstream. Übrigens: DVD enthält (unsynchronisiert) auch die kurzen Takes, die vom einstigen deutschen Verleih aus unerfindlichen Gründen herausgeschnitten waren.
»Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen« / »Tom Jones« * * * * Großbritannien 1962, Länge: 128 Minuten, Produktion und Regie: Tony Richardson, Drehbuch: John Osborne (!), Kamera: Walter Lassally, Musik: John Addison, Schnitt: Anthony Gibbs. Mit: Albert Finney, George Devine, Hugh Griffith, Edith Evans, Diane Cilento, Susannah York, Joan Greenwood.
Wunderbarst die legendäre erotische Mahlzeit: * * * * * ! Wie da mitten im Film gefingert, geschlürft, geknackt, gelutscht, geleckt, gezüngelt und zugebissen wird! Bei Tisch! Was sagt der Amerikaner/die Amerikanerin: »Eat me!«. Eben.
»Total Recall« * * * * * USA 1990, deutsch auch: »Die totale Erinnerung«, Länge: 113 (DVD: USA 124, UK 109, Deutschland 106) Minuten, Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Dan O'Bannon, Gary Goldman, Ronald Shusett, Kamera: Jost Vacano, Musik: Jerry Goldsmith, Schnitt: Frank J. Urioste. Mit Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone, Mel Johnson jr., Rosemary Dunsmore, Michael Champion, Roy Brocksmith, Marshall Bell, Rachel Ticotin, Michael Ironside, Ronny Cox.
Rasanter schlauer fesselnder Science-Fiction-Film, ein fantastisches Vexierspiel mit Vergangenheit und Zukunft, Realität und Traum. Auch Arnie ganz große Klasse. Mein immer wieder konsultiertes 2001-Lexikon des Internationalen Films liegt diesmal total daneben: »Seine tricktechnischen Leistungen sind die einzige Originalität des inhaltlich epigonalen und uninspirierten Films, der die wirre Erlösergeschichte um falsche Identitäten lediglich ausbreitet, um eine rabiate Action-Maschinerie zu entfesseln.« Wer diesen Unfug geschrieben hat, steht leider nicht im Lexikon.
"Der Außenseiter", dessen Blog-Beiträge in filmforen.de ich aufmerksam beachte und schätze, sehr oft zustimmend, hat spät, aber nicht zu spät gerafft, was man im Gedächtnis behalten muß:: »Paul Verhoevens Achterbahnfahrt um Identitäten, Gewalt und bunte Comicfarben hat mich diesmal so vom Hocker gehauen, dass ich danach erst mal fix und fertig war. Ich wurde förmlich durchgefickt, danach in die Ecke geworfen und leckte mir die Wunden. Meine Freundin zog gar nicht mal so falsche Parallelen zu BRAZIL, nur dass Arnie am Ende nicht in seinem Sessel entlarvt wird. Paul Verhoeven hat mit diesem Film dem amerikanischen Mainstream ein kleines Schnippchen geschlagen und in der Rückschau erscheint der Film um Längen besser, als bei erster Sichtung. Warum kann so was nicht bloß öfter der Fall sein.« Kann ja, wenn man besser hinguckt und sich zu diesem Behufe vor allem den blöden und kotz-langweiligen Mainstream-Anti-Amerikanismus / Anti-Hollywoodismus aus dem Kopf schlägt.
Und Achtung: Alles, was auf Video oder DVD kürzer als 109 Minuten ist, wurde garantiert kastriert!
»Tote schlafen fest« / »The Big Sleep« * * * * * USA 1946, Länge: 114 Minuten, Regie: Howard Hawks, Buch: Jules Furthman, Leigh Brackett, William Faulkner (!), Kamera: Sid Hickox, Musik: Max Steiner, Schnitt: Christian Nyby, Produzent: Howard Hawks, Mit: Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Dorothy Malone, Charles Waldron, Louis Jean Heydt, Elisha Cook jr., Martha Vickers.
Prisma-Online: »Nach dem Roman "The Big Sleep" von Raymond Chandler inszenierte Howard Hawks einen Klassiker des film noir, der eine hoffnungslose Gesellschaft in einem düsteren Großstadtdschungel abbildet. Dabei achtete Hawks allerdings mehr auf die Wirkung der Bilder als auf die Logik der Handlung. Hawks gab sogar zu, dass auch er die Geschichte nicht ganz verstehe. Wem am Ende nicht klar ist, wer nun eigentlich Chauffeur Owen Taylor ermordete, der kann sich mit Marlowes Spruch trösten: "In dieser Stadt gibt es zu viel Waffen und zu wenig Hirn."«
»Tote tragen keine Karos« / »Dead Men Don't Wear Plaid« * * * * USA 1981, Länge: 88 Minuten, Regie: Carl Reiner, Buch: Carl Reiner, George Gipe, Steve Martin, Kamera: Michael Chapman, Musik: Miklos Rozsa, Produzent: David V. Picker, William E. McEuen. Mit: Steve Martin, Rachel Ward, Carl Reiner, Reni Santoni, Alan Ladd, Barbara Stanwyck, Frank McCarthy, Ava Gardner, Ray Milland, Burt Lancaster, Humphrey Bogart, Cary Grant, Ingrid Bergman, Veronica Lake, Bette Davis, Lana Turner, Kirk Douglas, James Cagney, George Gaynes, Joan Crawford, Charles Laughton.
Prisma-online.de: »Steve Martin agiert hier mit einem Aufgebot legendärer Hollywood-Stars, das seinesgleichen sucht. Diese Bombenbesetzung ist einem gelungenen Experiment zu verdanken: Regisseur Carl Reiner kombinierte neu gedrehtes Material so gekonnt mit Originalausschnitten aus alten Kino-Klassikern, dass der Eindruck eines durchgehenden Handlungsablaufs entstand. So wurde die vergnügliche Parodie des Genres zugleich eine Hommage an unvergessliche Leinwandidole der Vierziger- und Fünfzigerjahre. Ob Alan Ladd, Humphrey Bogart, James Cagney, Bette Davis, Burt Lancaster oder Lana Turner - hier trifft sich alles, was damals Rang und Namen hatte. Einen besonderen parodistischen Knalleffekt hob sich der Regisseur für den verrückten Schluss auf: Als Offizier Wilfried von Kluck tritt er selbst vor die Kamera.«
»Über den Dächern von Nizza« / »To Catch A Thief« * * * * USA 1955, Länge: 108 (DVD/TV 102) Minuten, Regie: Alfred Hitchcock, Buch: John Michael Hayes, David Dodge, Kamera: Robert Burks und Wallace Kelley, Musik: Lyn Murray, Produzent: Alfred Hitchcock und Herbert Coleman. Mit: Cary Grant, Grace Kelly, Jessie Royce Landis, Charles Vanel, John Williams, René Blancard, Brigitte Auber, Rene Blancard, Jean Martinelli, Georgette Anys, Roland Lesaffre, Roland Lessaffre, Jean Hebey, Dominique Davray, Russell Gaige, Marie Stoddard, Frank Chelland, Alfred Hitchcock.
Amüsanter mediterraner Klassiker des Meisters, auch hübsch sexy. Woran mich Wikipedia wieder erinnert hat: »In der Szene von Robie mit dem Versicherungsagenten H. H. Hughson unterhalten sich die beiden über die sensiblen Hände der Köchin. Die deutschsprachige Version unterscheidet sich hier komplett vom Original. Im englischen Original: Robie erwähnt, dass sie einmal einen deutschen General erwürgt habe, ohne dass ein Laut zu hören gewesen sei. In der deutschen Synchronisation: Robie erwähnt, dass sie einmal einen aus einem Zirkus entlaufenen Löwen mit bloßen Händen gefangen habe.«
»Unter den Brücken« * * * * * * Deutschland 1944/45 (1950), Länge: 99 Minuten, Regie: Helmut Käutner, Buch: Helmut Käutner, Walter Ulbrich, Kamera: Igor Oberberg, Musik: Bernhard Eichhorn, Schnitt: Wolfgang Wehrum, Produzent: Walter Ulbrich. Mit: Carl Raddatz, Gustav Knuth, Hannelore Schroth, Margarete Haagen, Hildegard Knef, Ursula Grabley, Walter Groß.
Wunderbarer Film. Einer der besten deutschen Filme überhaupt. Deutsches Kino hatte mal Weltklasse! Und hätte es weiter haben können. Wären doch bloß nicht Edgar Wallace, Alexander Kluge, Rainer Werner Faßbinder, Wim Wenders und die Jung-"Wixxer" dazwischengekommen! Übrigens: Die Knef in einer klitzekleinen, rührenden Rolle, ihrer ersten.
Wegen der überragenden Bedeutung des Films ausführliche Anmerkungen & Materialien:
Film, Geschichte, Rezeption: Der Bayerische Rundfunk, also das Fernsehen des BR, hat den außerordentlichen Film zum 25. Todestag Käutners (1908-1980) im Frühjahr 2005 gezeigt und mit dem folgenden Text angekündigt/gewürdigt:
»Hendrik und Willy haben gemeinsam eine große Liebe. Sie heißt "Liese-Lotte" und ist ihr Schleppkahn. Wenn sie auf seinen Planken unter den Brücken hindurch gleiten, möchten sie mit niemandem tauschen. Hendrik kennt in Havelberg zwar ein Mädchen, das ihn gern heiraten würde, aber soviel bedeutet das Mädchen ihm nicht. Willy wiederum findet die Serviererin Vera recht proper, eine Frau fürs Leben ist sie jedoch auch nicht. An einem späten Sommerabend, als die beiden Schiffer mit der "Liese-Lotte" in Potsdam festgemacht haben, sehen sie auf einer Brücke eine junge Frau, die sich anscheinend in den Fluss stürzen will. Hendrik und Willy eilen zu Hilfe, können jedoch nur einen Zehnmarkschein aus dem Wasser fischen: die vermeintlich Lebensmüde ist nämlich gar nicht gesprungen. Als ehrliche Finder fahren die beiden ihr nach (mit dem Fahrrad, nicht mit dem Schiff -H.M.). Anna - so heißt die Beinahe-Selbstmörderin - erweist sich als sehr hübsch. Zunächst besteht sie darauf, in Ruhe gelassen zu werden, aber dann willigt sie doch zögernd ein, auf dem Kahn zu übernachten. Sie lebt nämlich in Berlin und muss einsehen, dass sie zu dieser späten Stunde in Potsdam kaum noch eine Unterkunft finden dürfte.
Am nächsten Tag fährt Anna mit Hendrik und Willy auf der "Liese-Lotte" nach Berlin. Die beiden haben sich Hals über Kopf in sie verliebt und würden sie gern an Bord behalten, aber eine ungeschickte Bemerkung des biederen Willy macht die gemeinsame Hoffnung zunächst zunichte. Anna verlässt das Schiff. Hendrik hat es indessen verstanden, sich ihre Adresse zu beschaffen. Er sucht Anna auf; es dauert nicht lange, da ist auch Willy bei ihr. Bei dieser Gelegenheit erfahren die beiden von Annas großer Enttäuschung, die sie fast in den Tod getrieben hätte. Aus den Freunden sind nunmehr Rivalen geworden, aber trotzdem geht es sehr fair zwischen ihnen zu. Willy glaubt, eine Lösung zu wissen: Wer Anna gewinnt, muss runter vom Kahn, damit dem anderen wenigstens die "Liese-Lotte" bleibt.«
(Zwischenschnitt — www.filmportal.de erzählt auch den Schluß: »Siegesgewiss geht Willy an Land und kümmert sich rührend um Anna. Doch bald spürt er, dass sie in Hendrik verliebt ist. Er ist ehrlich genug, Hendrik das zu sagen. Und letzten Endes mag er Hendrik auch viel zu gern, um auf der Erfüllung des Abkommens zu bestehen. So werden Anna, Hendrik und Willy künftig gemeinsam auf dem Kahn fahren.«)
Weiter im BR-Text von 2005: »"Unter den Brücken", der neunte Spielfilm des deutschen Regisseurs Helmut Käutner - er starb vor 25 Jahren im Alter von 72 Jahren -, gilt als eines seiner Meisterwerke. Mitten während der schlimmsten Bombenangriffe drehte Käutner seine Idylle voller Poesie. Nichts von der grauenvollen Wirklichkeit ist zu erkennen, obwohl geordnete Dreharbeiten im Mai 1944 kaum noch möglich waren. Der Film entstand auf der Spree, auf dem Landwehrkanal, auf der märkischen Havel. Für Helmut Käutner war "dieser Film eine friedliche Demonstration unserer eigenen Wünsche. Wir lebten verträumt neben der Zeit und lenkten uns durch die Arbeit von all dem Schrecklichen ab".
Im März 1945 gibt Goebbels' Zensur den Film frei, doch er kommt nicht mehr in die Kinos. Die Zerstörung Berlins, der Film-Stadt Babelsberg und die Kapitulation am 08. Mai verhindern die deutsche Uraufführung. Über Umwegen gerät aber eine Kopie des Films 1946 nach Schweden und wird im gleichen Jahr in Locarno bei den Filmfestspielen vorgestellt. Die Kritik zeigte sich begeistert; so heißt es unter anderem in der Züricher Zeitung "Die Tat": "Helmut Käutners "Unter den Brücken" ist künstlerisch, stilistisch und geistig betrachtet die letzte Sensation des deutschen Films und eine der größten Filmsensationen der letzten Jahre in Europa überhaupt. Dieser Mann scheint ganz für sich allein die filmischen Erkenntnisse mit dem Löffel gegessen zu haben: Er wagte es, mit drei Schauspielern, einem Milieu, fast keiner Handlung und einem spärlichen Dialog an einen abendfüllenden Spielfilm zu gehen und füllte den Abend mit einer herrlichen Bildererzählung, die uns endlich deutsches Leben ohne die geringste Verzerrung und ohne eitlen Firnis nahe bringt."
Erst 1950, am 18. Mai, bekommt auch das deutsche Publikum diese "Filmsensation" zu sehen. Curt Riess schreibt in seiner Geschichte des deutschen Films "Das gibt's nur einmal" zu "Unter den Brücken": "Mit welch unendlicher Leichtigkeit, mit wieviel Poesie und welcher Zartheit ist das alles inszeniert! Es ist alles so selbstverständlich. Die Geräusche allein bilden schon eine kleine Symphonie. Die Photographie ist Poesie. Die drei Hauptdarsteller agieren nicht. Sie sind einfach da. Sie weinen ein bißchen, sie lachen ein bißchen, sie schwimmen, sie kochen, sie schrubben, sie rauchen. Man riecht das Wasser. Man riecht den Schilf. Der Film nennt sich "eine deutsche Romanze". Er ist es wirklich - im besten Sinne des Wortes."«
Das Deutsche Filminstitut (DIF): »Helmut Käutners poetisches Meisterwerk Unter den Brücken. Zwischen Mai und Oktober 1944 in und um Berlin gedreht, schlägt der Film inmitten von Krieg und Zerstörung sensible Töne an – gäbe es das „Flussmovie„ als weichere, passivere Schwester des Roadmovies, Käutner hätte eines der besten geschaffen. Der Zwischenraum Fluss, Diesseitsgrenze und offener Raum, ist Spielort einer Dreiecksgeschichte, der Kahn die Arche, auf der sich Geschlechterbeziehungen im Kammerspielblick verdichten: Hendrik und Willi, zwei junge Seelaute haben sich einen Schleppkahn zusammengespart und treiben die Havel lang. Sie teilen Alltagsfreuden und Sorgen, gelegentliche Liebschaften bringen die Freunde nicht auseinander, bis eines Tages Anna zu ihnen stößt und beiden den Kopf verdreht...«
Kommunales Kino Freiburg, 2004: »UNTER DEN BRÜCKEN ist eine sensibel umgesetzte Liebesgeschichte, die – ähnlich wie viele italienische Werke jener Zeit – einen starken Hang zum Neorealismus besitzt. Der Film wurde in den Monaten Mai bis Oktober 1944 auf der Havel in der Nähe von Berlin gedreht, und es kostete den Regisseur alle Mühe, mit der Kamera nach den verheerenden Zerstörungen überhaupt noch intakte Brücken und unzerstörtes Gelände zu finden. Immer wieder musste das Drehteam die Aufnahmen unterbrechen, während über seine Köpfe hinweg die alliierten Bomberströme flogen und dann wieder abschwenkten. Schauspieler Carl Raddatz erinnerte sich an die seltsame Atmosphäre, die während der Aufnahme herrschte: »Wir haben damals alle mit großer Liebe an den BRÜCKEN gearbeitet. Unsere Motive, Glienicker Brücke, die ganze Havel, Ketzin, Havelwerder, es war eine idyllische, fast romantische Drehzeit ...««
Harvard Film Archive (24 Quincy Street, Harvard Square, Cambridge, MA 02138): »Under the Bridges is one of a number of transitional endeavors—so called "carryovers" (Überläufer)—which, although produced during the Third Reich, were not premiered until after the war. Its narrative recalls Jean Vigo’s L’Atalante, just as its style brings to mind the poetic realism of the early Renoir’s Boudu and Toni. A romantic triangle unfolds on a small boat that wends its way up and down the Havel near Berlin. Käutner took leave of the artifice of studios and, while bombs continued to fall on the Reich, shot on location. His film also took leave of Ufa production values and departed from the Nazi era’s script-bound predilections, rediscovering the wonder of immediacy and physical reality and, in so doing, intimating new directions for a postwar German cinema.«
Credits: Der Film verdient komplette Credits. Hier sind sie in der Fassung von www.deutscher-tonfilm.de. Produktionsstab: Regie: Helmut Käutner, Regie-Assistenz: Rudolf Jugert, Buch: Walter Ulbrich und Helmut Käutner nach dem Manuskript "Unter den Brücken von Paris" von Leo de Laforgue, Kamera: Igor Oberberg, Schnitt: Wolfgang Wehrum, Ton: Gustav Bellers, Bauten: Anton Weber, Bauten-Assistenz: Herbert Kirchhoff, Musik: Bernhard Eichhorn, Standfotos: Lars Looschen. Rollen und ihre Darsteller: Anna Altmann... Hannelore Schroth / Hendrik Feldkamp... Carl Raddatz / Willy... Gustav Knuth / Kellnerin Vera... Ursula Grabley / Wirtschafterin... Margarete Haagen / Mädchen in Havelberg... Hildegard Knef / Mann auf der Brücke... Walter Gross / und: Helmut Helsig, Erich Dunskus, Klaus Pohl, Helene Westphal, Hildegard König. Produktionsdaten: Produktion: Ufa-Filmkunst GmbH, Berlin, Herstellungsleitung: Walter Ulbrich, Produktionsleitung: Kurt Fritz Quassowski, Aufnahmeleitung: Viktor Eisenbach und Kurt Paetz, Erst-Verleih: Gloria-Filmverleih, München, Außenaufnahmen: Glienicker Brücke, Havelwerder, Ketzin, Potsdam, Berliner Tiergarten, Drehzeit: 08.05.1944 bis Anfang Oktober 1944, Format: 35 mm, s/w, 1:1,18, Länge: 2721 Meter, Laufzeit bei Kinoprojektion: (24 Bilder/Sekunde): 99'27'', Laufzeit bei Fernsehprojektion: (25 Bilder/Sekunde): 95'28'', Zensur: März 1945, FSK: 23.06.1950: Jugendfrei, ff, Uraufführung: September 1946, Locarno (IFF), 15.05.1950, Göttingen Lieder: Muschemusch und Auf der Brücke Taledu (Musik: Bernhard Eichhorn / Text: Hans Leip)
20. November 2006: Ein Freudentag! Endlich ist "Unter den Brücken" in digital restaurierter Fassung auf DVD erschienen.
Transit-Film und Murnau-Stiftung, als Verwalter deutschen Filmerbes Inhaber der Rechte, hatten jahrelang rumgetrödelt, den bis auf den heutigen Tag schönsten deutschen Film endlich aus dem Trockendock des Verleihs herauszulassen - zu befreien. Auf meine Erkundigung (so um das Jahr 2004), warum es nicht möglich sei, ein solch überragendes Meisterwerk zu veröffentlichen, sagte man mir, man wolle es eben richtig machen, digital restauriert zum Beispiel, aber das sei leider ein finanzielles Problem. Was für eine Schande für dieses Land und seine Kulturfähigkeit: Eins der größten deutschen Kunstwerke muß mit Finanz-Problemen kämpfen. Schwamm drüber, freuen wir uns riesig darüber, daß Helmut Käutners unvergleichliches Meisterwerk jetzt jederzeit uns allen gehört. Claudius Seidl begrüßt die DVD in der Sonntags-F.A.Z. vom 3.12.2006 mit einer Bemerkung, die schon seit Jahren auf dieser Homepage felsenfest steht: Daß es sich um den "schönsten deutschen Film" handelt. In seinem sowieso höchst lesenswerten Artikel fegt Claudius Seidl die aus einem völlig verkorksten und blödblinden Zwangs-Antifaschismus (siehe: Antifa und Konsorten) konstruierten Einwände beiseite, der Film zeige verdammenswerter Weise eine verlogene Idylle, nämlich ein sommerlich friedliches Berlin, während doch in Wahrheit die judenfreie Stadt in Trümmer fiel, der Film zeige verliebte junge Menschen und nicht die herrschenden Nazis etc.pp. Seidl weist darauf hin, daß aber der antinazistische Widerstand des Filmes gar nicht zu übertreffen ist: Käutner zeigt nämlich, wie es sein könnte, sein sollte: Ohne Nazis, ohne Krieg. Er negiert radikal den totalitären Anspruch Verbrecher und ihr Unheil. Er entwirft in völliger Klarheit und damit offen subversiv eine befreiende und beflügelnde Utopie: ein Leben ohne Nazis, ohne Krieg, ohne Unmenschlichkeit. Jedoch, auch wenn man gar nicht wüßte, wann und wo und wie und wogegen der Film entstanden ist: er ist ein wunderbares, in Deutschland ganz einzigartiges Meisterwerk, so schön, so zauberhaft, so zeitlos, daß man es gar nicht fassen kann. Jetzt also jederzeit in DVD-Qualität zu sehen. Endlich!
P.S.: Der Film ist in sehr anständiger Qualität auf die DVD gebracht, aber von einer richtig guten "digitalen Restaurierung" darf man sich mehr erwarten. Es gibt Bildsprünge, auch Streifen, der Ton rauscht noch. Internationales Niveau der digitalen Bearbeitung ist das nicht. Und: Die Extras sind jämmerlich. Ein Biopic über Hildegard Knef, die in dem Film höchstens 1 (eine) Minute im Bild ist: Blödsinn, fehl am Platze. Dann unsortierte, nicht erschlossene Standbilder und über mehrere "Tafeln" ausgewalzte Text-Infos zu Käutner und Hauptdarstellern - naja. Oberpeinlich: Bei den Credits taucht ein "Museumsdirektor" auf. Im Film gibt es aber nur einen uniformierten "Museumsdiener", und den findet man immer schon in den guten Informationen über den Fiilm. Wie man bei einer so wichtigen DVD-Produktion derart schlampen kann, ist mir völlig schleierhaft.
»Verdammt in alle Ewigkeit« / »From Here to Eternity« * * * * USA 1953, Länge: 115 Minuten, Regie: Fred Zinnemann, Buch: Daniel Taradash, Kamera: Burnett Guffey, Musik: Morris W. Stoloff, Produzent: Buddy Adler. Mit: Burt Lancaster, Deborah Kerr, Montgomery Clift, Frank Sinatra, Donna Reed, Ernest Borgnine, Philip Ober, Jack Warden, Mickey Shaughnessy, Harry Bellaver, George Reeves, John Dennis, Merle Travis, Tim Ryan, Barbara Morrison.
Das Pearl-Harbor-Trauma der USA in seiner besten Verfilmung. Sagenhafte Besetzung. Und eine der legendären Filmszenen, eines der unauslöschlichen Bilder, eine der großen Ikonen des Kinos (wie der im Maisfeld vom Flugzeug gejagte Cary Grant, wie die den Beinüberschlag wechselnde Sharon Stone, wie Marlene Dietrich mit Straps und Zylinder, wie die Monroe mit wehendem Rock überm U-Bahn-Schacht, wie Charlie Chaplin am Fließband und im Räderwerk der Maschine, wie die zum Leben erweckte Roboterin in Metropolis, wie Gary Cooper einsam auf der Main Street, wie Humphrey Bogart vorm Whisky-Glas in Rick's Cafe u.v.a.m.): Burt Lancaster und Deborah Kerr leidenschaftlichst umschlungen am Starnd, am Meeressaum, Wellen rollen im Rhythmus des Ozeans über sie – und durch sie auch. Berühmt in alle Ewigkeit!
»Verfluchtes Amsterdam« / »Amsterdamned« * * * * Niederlande 1987, Länge: 105 Minuten, Regie: Dick Maas, Buch: Dick Maas, Kamera: Marc Felperlaan, Musik: Dick Maas, Produzent: Laurens Geels und Dick Maas. Mit: Huub Stapel, Monique Van De Ven, Serge-Henri Valcke, Tanneke Hartzuicker, Wim Zomer, Hidde Maas, Lou Landre, Tatum Dagelet.
Irrwitzige Verfolgungsjagd durch die Grachten:* * * * * *. Das muß man mindestens einmal im Leben gesehen haben.
Ist überhaupt ein spannender Film von internationalem Format. Die Niederlande liegen eben doch viel näher an Angelsachsen als am Nachbarn Deutschland. Das beweist auch der deutsche Verleih: Wie ist es möglich "Amsterdamned" mit "Verfluchtes Amsterdam" zu übersetzen? (Hätte natürlich heißen müssen "Veramsterdammt" oder – ganz klar – "Verdammtes Amsterdam".)
»Verrat in Fort Bravo« / »Escape from Fort Bravo« * * * * Western, USA 1953, Länge: 98 Minuten, Regie: John Sturges, Buch: Frank Fenton, Kamera: Robert Surtees, Musik: Jeff Alexander, Produzent: Nicholas Nayfack. Mit: William Holden, Eleanor Parker, Richard Anderson, John Forsythe, Carl Benton Reid, William Demarest, William Campbell, John Lupton, Polly Bergen, Alex Montoya, Fred Graham, Charles Stevens, Glenn Strange, Harry Cheshire.
Kaum bekannter aber erstklassiger Western. Höhepunkt: Ein Indianerangriff (* * * * *), bei dem aller Army- und Siedler-Heroismus niedergepfeilt wird.
Prisma-Online trifft auch ins Schwarze, voll in die Kritik-Zwölf: »Während des amerikanischen Bürgerkrieges fliehen gefangene Südstaatler aus Fort Bravo in Arizona in die Wüste. Als sie dort von ihren Verfolgern gestellt werden, müssen Freund und Feind sich gemeinsam gegen einen übermächtigen Gegner behaupten: die Mescalero-Apachen... William Holden ist hier als tapferer Soldat Roper zu sehen, der bei den gefangenen Südstaatlern allerdings als scharfer Hund verschrien ist, und sich in die Fluchthelferin Carla Forester alias Elenaor Parker verliebt. Mit "Verrat in Fort Bravo" begründete John Sturges seinen Ruf als führender Western-Regisseur der Fünfzigerjahre, später folgten Klassiker wie "Der letzte Zug von Gun Hill" und "Die glorreichen Sieben". Besonders beeindruckend: der Indianerüberfall in der Wüste, der in der Geschichte des Genres seinesgleichen sucht. Dank Drehbuchautor Frank Fenton kommt wenigstens ein Häuflein Weißer mit dem Leben davon.«
»Viva Maria!« / »Viva Maria« * * * * Frankreich, Italien 1965, Länge: 118 Minuten, Regie: Louis Malle, Buch: Louis Malle, Jean-Claude Carrière, Kamera: Henri Decaë, Musik: Georges Delerue, Produzent: Oscar Dancigers, Louis Malle. Mit: Jeanne Moreau, Brigitte Bardot, George Hamilton, Gregor von Rezzori, Paulette Dubost, Claudio Brook, Carlos Lopez Moctezuma, José Angel Espinoza, Francisco Reiguera, Jonathan Eden.
Hübsch. Sogar sehr hübsch. Operettenrevolution in Ches America plus Erfindung des natürlich dito revolutionären Stripteases. Allerdings sind hier nicht nur Dessous und das darin Eingepackte die Waffen der Frauen. Die Bardot bringt mehr als Sexbomben zur Explosion und zusammen mit der Moreau weiß sie auch das Phallussymbol überhaupt zu handhaben: MG. Hübsch nicht nur für die alten Revoluzzer & Frankophilen, deren Schwärmerei für Bardot und Moreau statt für Monroe und Russel sie mit einem männlichen Hauch von Maquis und Resistance parfümierte. (War das der Hintergrund für Fischers & Schröders USA-Irak-Politik?)
»Vom Winde verweht« / »Gone with the Wind« * * * * * USA 1939, Länge: 230 Minuten, Regie: Victor Fleming, Buch: Sidney Howard und William Cameron Menzies, Sidney Howard, William Cameron Menzies, Kamera: Ernest Haller und Ray Rennahan, Ernest Haller, Ray Rennahan, Ray Rennahan und Lee Garmes, Musik: Max Steiner, Produzent: David O. Selznick. Mit: Vivien Leigh, Clark Gable, Leslie Howard, Olivia De Havilland, Thomas Mitchell, Hattie McDaniel, Rand Brooks, Carroll Nye, Eveyn Keyes, Evelyn Keyes, Cammie King, Barbara O'Neil, Laura Hope Crews, Harry Davenport, Ona Munson, Ann Rutherford, Butterfly McQueen, Victor Jory.
Ein Monument der (Farb-)Filmgeschichte. Ist inzwischen über jede Kritik erhaben.
»Was der Himmel erlaubt« / »All that Heaven Allows« * * * * USA 1955, Länge: 88 Minuten, Regie: Douglas Sirk, Buch: Peg Fenwick, Peggy Fenwick, Kamera: Russell Metty, Musik: Frank Skinner und Joseph Gershenson, Joseph Gershenson, Frank Skinner, Produzent: Ross Hunter. Mit: Jane Wyman, Rock Hudson, Agnes Moorehead, William Reynolds, Virginia Grey, Gloria Talbott, Conrad Nagel, Charles Drake.
Melodramatischer Kitsch hoch Zehn! Zum Heulen schön. Ein Rehlein schaut zum Fenster herein – das muß man gesehen haben.
»Was geschah wirklich mit Baby Jane?« / »Whatever Happened to Baby Jane?« * * * * * USA 1962, Länge: 132 Minuten, Regie: Robert Aldrich, Buch: Lukas Heller, Kamera: Ernest Haller, Musik: Frank De Vol, Produzent: Robert Aldrich. Mit: Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Anna Lee, Maidie Norman, Marjorie Bennett, Dave Willock, Anne Barton.
Brutale rückhaltlose Auseinandersetzung Hollywoods mit sich selbst. Wie selbstmörderisch rückhaltlos hier zwei der größten weiblichen Hollywood-Stars agieren, das ist ungeheuerlich und kann gar nicht genug bewundert werden. Tim Dirks (»filmsite.org«) bemerkt: »A great psychological thriller, black comedy, and over-the-top camp classic is this great trashy melodrama. It features the bizarre (and sole) pairing of two legendary -- and rival -- screen legends in a gothic, macabre, Grand Guignol horror film, directed by Robert Aldrich (known earlier for the great nihilistic film noir Kiss Me Deadly (1955).«
»Wasser für Canitoga« * * * Deutschland 1939, Länge: 119 (gekürzte Nachkriegsfassung 110) Minuten, Regie: Herbert Selpin, Buch: Walter Zerlett-Olfenius, Emil Burri und Peter Francke, Kamera: Franz Koch, Josef Illig, Musik: Peter Kreuder. Mit: Hans Albers, Charlotte Susa, Hilde Sessak, Peter Voß, Josef Sieber, Hans Mierendorff, Karl Dannemann, Heinrich Schroth, Andrews Engelmann, Beppo Brem, Heinrich Kalnberg.
Das ist der herrlich schmökerhafte Abenteuerfilm, in dem Hans Albers den während des Nazi-Krieges verbotenen Erfolgsschlager "Good bye, Johnny" * * * * singt.
Die DDR-Hymne ("Auferstanden aus Ruinen") war in der Melodie ein verblüffendes Plagiat dieses Schlagers von Ernst Kreuder; es soll vorgekommen sein, daß sich DDR-Menschen vom Sitz erhoben, wenn der Schlager begann, weil sie dachten, es werde ihre Nationalhymne gespielt!
»Wege zum Ruhm« / »Paths of Glory« * * * * * USA 1957, Länge: 86 Minuten, Regie: Stanley Kubrick, Buch: Stanley Kubrick, Calder Willingham, Jim Thompson, Kamera: Georg Krause, Musik: Gerald Fried, Produzent: James B. Harris, Kirk Douglas. Mit: Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menjou, George MacReady, Wayne Morris, Richard Anderson, Joseph Turkel, Timothy Carey, Peter Capell.
»Wenn die Gondeln Trauer tragen« / »Don't Look Now« * * * * * Großbritannien 1973, Länge: 109 Minuten, Regie: Nicolas Roeg, Buch: Akos Tolnay, Allan Scott, Chris Bryant, Kamera: Anthony B. Richmond, Musik: Pino Donaggio, Pino Donnagio, Produzent: Peter Katz, Anthony B. Unger. Mit: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serato, Renato Scarpa, Leopoldo Trieste, Ann Rye, Giorgio Trestini, David Tree, Nicholas Salter.
Übersinnlich unheimlich. Nervenaufreibend verwunderlich. Ausgezeichnete Darsteller. Wunderschöne Liebesszene, gegen ihr banales Ende geschnitten.
»Ein Höhepunkt des europäischen Kinos, einer der schönsten, traurigsten und verwirrendsten Filme der ohnehin glorreichen siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.« (Dominik Graf, Süddeutsche Zeitung).
»Wenn es Nacht wird in Paris« / »Touchez pas au grisbi« * * * * Frankreich, Italien 1954, Länge: 96 Minuten, Regie: Jacques Becker, Buch: Jacques Becker, Maurice Griffe und Albert Simonin, Kamera: Pierre Montazel, Musik: Jean Wiener, Schnitt: Marguerite Renoir, Produzent: Robert Dorfmann. Mit: Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Dora Doll, Lino Ventura, Paul Oettly, Delia Scala.
»Es gibt viele gute Möglichkeiten, französische Filme zu machen. Auf italienisch, wie Jean Renoir mit La carozza d’oro. Auf wienerisch, wie Max Ophüls. A la New York, so wie Melville. Aber nur Becker war und blieb französisch auf französisch.« (Jean-Luc Godard) »Touchez pas au grisbi steht am Anfang eines neuen Genres, des französischen Unterweltfilms, der sich stilistisch bewußt als ›film noir‹ ausdrückt, in dem die Protagonisten keine amerikanisierten Kopien sind, sondern eigenständige einheimische bürgerliche Gangster und Ganoven, die sich nach einem Heim und Ruhe sehnen...« (Hans Gerhold)... und nach einem seidenen Pyjama. Der alternde Gangster Max (Jean Gabin) hat mit seinem Freund Riton bei einem spektakulären Coup auf dem Flughafen Orly Goldbarren im Wert von 50 Millionen Franc erbeutet. Die beiden hoffen, jetzt endlich ein bürgerliches Leben führen zu können. Doch dann macht Riton einen entscheidenden Fehler: Er erzählt seiner Freundin Josy (Jeanne Moreau) von dem Raub – nicht ahnend, dass sie längst die Geliebte des Rauschgifthändlers Angelo ist. Angelo entführt nun Riton, um von Max die Beute als Lösegeld zu kassieren. Der Traum der beiden Freunde scheint ausgeträumt zu sein...« (Deutsches Historisches Museum, Zeughauskino 2004)
»Wer den Wind sät« / »Inherit the Wind« * * * * USA 1959, Länge: 128 Minuten, Produzent: Stanley Kramer, Regie: Stanley Kramer, Buch: Nathan E. Douglas, Harold Jacob Smith, Kamera: Ernest Laszlo, Musik: Ernest Gold, Schnitt: Frederic Knudtson. Mit: Spencer Tracy, Fredric March, Gene Kelly, Donna Anderson, Florence Eldridge, Dick York, Claude Akins.
Packendes Gerichtsdrama um Tradition und Aufklärung: Bibel contra Darwin. Großartige Schauspieler. Und besonders bemerkenswert: Fulminante Kamera!
Übrigens ein Konflikt, der 2004/2005 wieder virulent wird!
»West Side Story« * * * * * USA 1961, Länge: 151 Minuten, Regie: Robert Wise, Jerome Robbins, Buch: Ernest Lehman, Vorlage: Bühnenstück "Westside Story" von Arthur Laurents, Musik: Saul Chaplin, Johnny Green, Sid Ramin, Irwin Kostal, Leonard Bernstein, Kamera: Daniel L. Fapp, Ausstattung: Boris Leven, Victor A. Gangelin, Schnitt: Thomas Stanford, Kostüme: Irene Sharaff, Ton: Fred Hynes, Gordon E. Sawyer, Choreographie: Jerome Robbins, Produzent: Robert Wise. Mit Natalie Wood (Maria), Richard Beymer (Tony), Russ Tamblyn (Riff), Rita Moreno (Anita), George Chakiris (Bernardo), Tucker Smith (Ice), Jose de Vega (Chino), Jay Norman (Pepe), Gus Trikonis (Indio), Simon Oakland (Lt. Schrank), Bill Bramley (Officer Krupke).
Mehr Info demnächst in diesem Netheater!
»Wettlauf zum Mond« / »Space Race« * * * * GB/R/D 2005, Länge: ca. 180 Minuten, Regie/Autor: Christopher Spencer, Mark Everest, Kamera: Eric Maddison, Rob Goldie. Mit: Richard Dillane (als Wernher von Braun), Steve Nicolson (als Sergej Korolew), Eric Lorenz, Vitalie Ursu, John Warnaby, Stuart Bunnen, Ravil Isaynov, Simon Day u.a. Eine Sternstunde des Fernsehens ist diese internationale TV-Produktion. Ungeheuer aufwendige und nicht nur wegen der glänzenden Machart imponierende Doku-Fiction über den Konkurrenzkampf der Supermächte des Kalten Krieges bei der Eroberung des Weltraums. Die Produzenten schreiben über ihr Werk: "Mit aufwendigen Computeranimationen sowie einer Mischung aus Spielfilm-Elementen und nie gesendetem Archiv-Material erzählt diese vierteilige Dokumentation den "Wettlauf zum Mond" und lässt die Geschichte der Weltraumfahrt in einem neuen Licht erscheinen. Sie schaut hinter die Kulissen der offiziellen Darstellungen der ehrgeizigen Weltraumprogramme und berichtet über die hektischen Aktivitäten der Geheimdienste, über die Menschen, die bei den Raketen-Projekten umkamen, und über die Skrupellosigkeit, mit der die Programme vorangetrieben wurden. Die internationale Koproduktion erzählt zum ersten Mal die wahre Geschichte des Wettlaufs zum Mond: eine Geschichte über zwei rivalisierende Supermächte und zwei geniale Wissenschaftler: Wernher von Braun und Sergej Koroljov. Episoden: 01 Der Aufbruch ins All / 02 Der Sputnik-Schock / 03 Der erste Mensch im All / 04 Die Apollo-Mission." Auch das "Lexikon des Internationalen Films" ist angetan: "Der spannende Film arbeitet mit detailfreudig inszenierten Spielhandlungen, Archivmaterial und hervorragenden Trickeffekten und überzeugt durch die überbordende Faktenfülle." So ist es, und GOTTseidank gibt es das alles auf DVD!
»Wie ein wilder Stier« / »Raging Bull« * * * * * USA 1980, Länge: 129 Minuten, Regie: Martin Scorsese, Buch: Paul Schrader, Mardik Martin, Jake La Motta, Kamera: Michael Chapman, Musik: Michael Chapman, Produzent: Robert Chartoff, Irwin Winkler. Mit: Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci, Frank Vincent, Nicholas Colasanto, Theresa Saldana, Frank Adonis, Mario Gallo, Frank Topham, Johnny Barnes, Lori Anne Flax.
Bester Box-Film. Schlägt alle anderen in der ersten Runde k.o.
Mehr Info demnächst in diesem Netheater!
»Willkommen, Mr. Chance« / »Being There* * * * USA 1979, Länge: 129 Minuten, Regie: Hal Ashby, Buch: Jerzy Kosinski, Kamera: Caleb Deschanel, Musik: Johnny Mandel, Produzent: Andrew Braunsberg. Mit: Peter Sellers, Shirley MacLaine, Melvyn Douglas, Jack Warden, Richard Dysart, Richard Basehart, Sam Weisman, Arthur Rosenberg.
Seit frühen Kindertagen hat ein Gärtner die Welt jenseits von Beet, Baum und Gartenmauer nur durchs Fernsehen erlebt. Als er plötzlich auf der Straße der fremden Welt steht, kommt er mit dem Washingtoner Establishment in Kontakt und macht dort mit seinen banalen Naturweisheiten Furore; man hält sie nämlich für tiefsinnige politische Kommentare. Herrlich verschrobener Film! Ein politisches Märchen, das einem als Utopie über die triste Realität des regierenden Wurstelns einerseits, des menschenverachtenden Zynismus der Macht andererseits hinweghilft. Mindestens für die Dauer des schönen Films. Muß man es erwähnen?: Peter Sellers begnadet.
»Wir Kellerkinder« * * * * BR Deutschland 1960, Länge: 86 Minuten, Regie: Jochen Wiedermann, Buch: Wolfgang Neuss, Produzent: Hans Oppenheimer. Mit: Wolfgang Neuss, Karin Baal, Ingrid van Bergen, Helmut Käutner, Jo Herbst, Willi Rose, Inge Egger, Ralf Wolter, Hilde Sessak, Eckart Dux.
»Deutschland 1959. Zwei Reporter der "Neuen Wochenschau" werden von einem Mitarbeiter eines Ministeriums gebeten, Bilder über Hakenkreuz-Schmierereien aus dem Archiv zu suchen. Zu ihrem Erschrecken müssen sie aber feststellen, dass solche Aufnahmen nur im Osten existieren, nicht aber in den West-Archiven. Um sich nicht zu blamieren, beauftragt man zwei Fotografen, entsprechendes Bildmaterial nachzustellen. Die beiden Reporter stoßen auf drei junge Männer, die sich an dem Dreh beteiligen. Aber: Die Polizei kommt dazwischen, die Männer müssen fliehen. Und im beschützenden Jazz-Keller erzählt Macke Prinz (Wolfgang Neuss) sein Leben, das er vorwiegend in Kellern verbrachte: Als Kind bereits entdeckte er die Segnungen der Kellergewölbe und versteckte zur Nazi-Zeit den Kommunisten Knösel ausgerechnet in seinem Luftschutz-Keller. Knösel überlebte und später musste der Keller als Zufluchtsstätte für Mackes Vater herhalten, der von der Polizei als Alt-Nazi gesucht wurde. Irgendwann treibt Macke das ewige Versteckspiel jedoch ins Irrenhaus, wo er sich mit zwei Leidensgenossen anfreundet: Toilettenmann Adalbert (Jo Herbst) wurde aufgrund seines Oberlippenbarts für die Reinkarnation Hitlers gehalten - so lange, bis er nur noch Männer auf die Toilette ließ, die ihm den "deutschen Gruß" entboten. Arthur (Wolfgang Gruner) ist leidenschaftlicher Jazz-Musiker - hat aber damit in der DDR seine Probleme. Alle Drei sollen aus der Klapsmühle entlassen werden, wenn sie in Freiheit beweisen können, dass sie vollständig geheilt sind... Kabarettist Wolfgang Neuss ("Der Mann mit der Pauke") schrieb selbst das Buch zu dieser Kino-Satire. Klar, dass mit den "Kellerkindern" nicht nur die Personen im Film gemeint waren, sondern dass Neuss auf das gesamte "deutsche Volk" anspielte. Unübersehbar auch die Anspielung auf den zwei Jahre zuvor erschienenen Erfolgsfilm "Wir Wunderkinder". Neuss zur Seite stehen viele Schauspieler, die auch in den folgenden Jahrzehnten in Film und Fernsehen vielbeschäftigt waren, wie Erik Ode, Ralf Wolter oder Achim Strietzel. Den Biss wie in diesem Streifen erreichten sie aber fast alle nicht mehr. "Wir Kellerkinder" hält allen Opportunisten und Wendehälsen jener Zeit den Spiegel vor - aber immer mit Augenzwinkern.« (So in MovieMaster, www.moviemaster.de, Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher.)
»Wir Wunderkinder« * * * * BR Deutschland 1958, Länge: 107 Minuten, Produzent: Eberhard Krause, Hans Abich, Regie: Kurt Hoffmann, Buch: Heinz Pauck, Günther Neumann, Kamera: Richard Angst, Musik: Franz Grothe, Schnitt: Hilwa von Boro. Mit: Lina Carstens, Robert Graf, Ingrid van Bergen, Hansjörg Felmy, Elisabeth Flickenschildt, Johanna von Koczian, Jürgen Goslar, Liesl Karlstadt, Wera Frydtberg.
»Der Film erzählt die Geschichte von Hans Boeckel und seinem Mitschüler Bruno Tiches über einen Zeitraum von vierzig Jahren, von der Ära Wilhelms II. bis in die Wirtschaftswunderzeit nach dem 2. Weltkrieg. Die verbindende Rahmenhandlung wird dabei von einem "Erklärer" und einem ihn begleitenden Klavierspieler gestellt. Schon während der gemeinsamen Schulzeit beweist Bruno Talent, sich nach den Zeichen der Zeit zu richten. Während Hans studiert und sich in Vera verliebt, beginnt Bruno mit den Nationalsozialisten zu sympathisieren und tritt der NSDAP bei. Hans und Vera verloben sich, doch dann erkrankt Vera und muss in ein Sanatorium. Kurze Zeit später lernt Hans auf einer Faschingsfeier eine dänische Austauschstudentin namens Kirsten kennen. Hans ist Vera jedoch treu. Als Vera wieder gesund ist, machen sie und Hans Urlaub in Italien. Dabei stellen sie fest, dass nicht mehr zusammenpassen und trennen sich. Durch Bruno verliert Hans kurz darauf seine Arbeit bei einer Tageszeitung. So findet ihn Kirsten, die zwischenzeitlich nach Hause zurückgegangen war, bei ihrer Rückkehr in einer Buchhandlung, wo er Bücher in Kisten packt. Sie nimmt ihn nach Dänemark mit, wo sie heiraten. Kurz nach Kriegsende treffen sich Bruno und Hans wieder. Bruno, der sich als Schwarzmarkthändler betätigt, geht es wieder gut, Hans lebt mit Kirsten und ihren zwei Kindern zur Untermiete in einem kleinen Zimmer auf dem Land. Ein paar Jahre später, während des Wirtschaftswunders, schreibt Hans für die Zeitung, bei der er arbeitet, einen Artikel über die Vergangenheit von Bruno, der inzwischen unter anderem Namen wieder Karriere gemacht hat. Bruno beschwert sich daraufhin persönlich bei Hans' Vorgesetztem, der Hans hinzuruft. Hans lässt sich jedoch von Bruno nicht mehr einschüchtern und verweigert die verlangte Gegendarstellung. Vor lauter Wut übersieht Bruno nach seinem Abgang daraufhin ein Warnschild am Aufzug und stürzt in den Schacht.
Nach einer selbstauferlegten einjährigen Produktionspause konnte die Filmaufbau GmbH Göttingen mit dem Gewinn aus der Verfilmung des Filmes "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ihre Produktionstätigkeit mit der Verfilmung des Romans "Wir Wunderkinder" von Hugo Hartung wieder aufnehmen. Der Film war eine Auftragsproduktion der Filmaufbau GmbH für den Constantin Filmverleih. Dadurch trug die Filmaufbau GmbH kein eigenes Risiko, da ihr die Handlungsunkosten erstattet wurden. Die Gewinnbeteiligung war allerdings dementsprechend gering. Nach der Uraufführung am 28.10.1958 entwickelte sich der Film zu einem großen kommerziellen Erfolg im In- und Ausland. Er erhielt den Bundesfilmpreis 1959 und Auszeichnungen auf den Filmfestspielen in Moskau und Acapulco. Zudem wurde der Drehbuchautor Kurt Hoffman mit dem "Golden Globe" ausgezeichnet. Von der damaligen Tages- und Fachpresse wurde der Film zumeist positiv kritisiert. Nur die allzu oberflächliche Darstellung der geschichtlichen Hintergründe wurde bemängelt, da sie z.B. den Nationalsozialismus als eine Art "Betriebsunfall" erscheinen ließ.«
So im "Kulturachiv". Das Kulturarchiv am Fachbereich IK (Informations- und Kommunikationswesen) der FH Hannover wurde im Dezember 1995 gegründet im Rahmen einer Kooperation zwischen der Fachhochschule Hannover, der Universität Hannover und der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Aufgabe des Kulturarchivs ist die Sammlung, Archivierung und Dokumentation von Schrift-, Bild-, Ton- und Filmmaterial, das nicht zum Sammlungsbereich staatlicher Archive gehört. Das Kulturarchiv unterstützt die wissenschaftliche Forschung, vor allem der beteiligten Hochschulen, und dient dem Praxisbezug der Studiengänge am Fachbereich IK. In der Gründungsphase des Kulturarchivs wurden die umfangreichen Bestände der Gesellschaft für Filmstudien e.V. (GFS) als Dauerleihgabe zur weiteren Archivierung und Dokumentation übernommen. Hieraus ergab sich der Sammlungschwerpunkt "Filmmaterialien", der seitdem weiter ausgebaut wird. Besondere Berücksichtigung finden Materialien mit lokalem, regionalem oder landesweitem Bezug. Hervorzuheben sind die umfangreichen Nachlässe von drei Filmproduktionsfirmen [wichtig nach WK2 - H.M.]: Filmaufbau GmbH Göttingen / Junge Film-Union Bendestorf / Rudolf W. Kipp - Filmproduktion.
»Wonder Boys« / »Die WonderBoys« * * * * USA 2000, Länge: 111 Minuten, Regie: Curtis Hanson, Drehbuch: Steve Kloves, Kamera: Dante Spinotti, Musik: Christopher Young, Schnitt: Dede Allen, Produzent: Curtis Hanson, Scott Rudin. Mit: Michael Douglas, Tobey Maguire, Katie Holmes, Terry Crabtree, Richard Thomas, Frances McDormand.
Prisma-online.de skizziert und meint: »Mittlerweile wirkt der Englischprofessor Grady Tripp schon etwas heruntergekommen. Seit seinem überwältigendem Debütroman, der nicht nur in Literaturkreisen heiß begehrt war, sind sieben Jahre ins Land gezogen und jeder fragt sich, wann nun endlich eine Folgewerk des Meisters erscheint. Doch den Literatur-Star plagen ganz andere Sorgen: Seine Frau hat ihn verlassen, seine Geliebte ist schwanger und sein Lektor braucht sein neues Buch. Dann taucht unverhofft der überaus talentierte Student James in Tripps Leben auf... Auch wenn die Story dieser Komödie über einen Professor in der Midlifecrisis irgendwie dahinplätschert, zieht sie einen doch in ihren Bann. Die stimmige Atmosphäre, die grandiosen Darsteller – allen voran Michael Douglas mit Mut zur Hässlichkeit – und die perfekte Inszenierung sorgen für gehobene Unterhaltung. Bob Dylan erhielt für seinen Filmsong "Things have change" 2001 den Oscar und den Golden Globe.« (Übrigens: Echt lesenswerte ausführliche Rezension im Web bei FilmevonA-Z.de!)
»Z - Anatomie eines politischen Mordes« / »Z« * * * * Frankreich, Algerien 1968, Länge: 126 Minuten, Regie: Constantin Costa-Gavras, Buch: Constantin Costa-Gavras und Jorge Semprun, Kamera: Raoul Coutard, Musik: Mikis Theodorakis. Mit: Yves Montand, Irene Papas, Jean-Louis Trintignant, François Périer, Georges Géret, Jacques Perrin, Pierre Dux, Charles Denner.
Prisma-online.de schreibt: »In einem imaginären Staat wird der linke Oppositionspolitiker "Z"(? - H.M.), ein pazifistisch engagierter Universitätsprofessor, bei einer eher unbedeutenden Provinzveranstaltung ermordet. Als ein Staatsanwalt die Schuldigen ermitteln will, stößt er auf erheblichen Widerstand von offizieller Seite. Doch der aufrechte Ermittler lässt sich nicht beirren und entdeckt bald eine Verschwörung, die in die höchsten politischen Kreise weist... Der berühmte Polit-Thriller von Constantin Costa-Gavras ist an authentische Ereignisse angelehnt. Mit einer gehörigen Portion Wut, aber auch eiskaltem Kalkül beobachtet Costa-Gavras die Hintergründe des von der NATO unterstützen Obristen-Putsches in Griechenland und der Ermordung des Oppositionspolitikers Lambrakis. Die Musik stammt von Mikis Theodorakis, der übrigens ein guter Freund von Lambrakis war. Der Film bekam den Oscar als bester nichtenglischsprachiger Film und in Cannes wurde er mit dem Spezialpreis der Jury und dem Preis für den besten Darsteller, Jean-Louis Trintignant, ausgezeichnet.«
»Zelig« * * * * USA 1983, Länge: 79 Minuten, Regie: Woody Allen, Buch: Woody Allen, Kamera: Gordon Willis, Musik: Dick Hyman, Produzent: Robert Greenhut. Mit: Woody Allen, Mia Farrow, Garrett M. Brown, John Buckwalter, Stephanie Farrow, Marvin Chatinover, Will Holt, Stanley Swerdlow, Sol Lomita, Paul Nevens, Susan Sontag, Saul Bellow, Bruno Bettelheim.
Lexikon des Internationalen Films: »Fiktive Biografie eines menschlichen "Chamäleons", dessen Anpassungssucht so weit geht, daß es auch die physischen Eigenschaften der ihn umgebenden Menschen annimmt. In Stil und Gestus eine perfekte Vortäuschung eines gängigen Dokumentarfilms über eine Person der Zeitgeschichte. Eine meisterliche Satire auf Pathos, Verlogenheit, Authentizitätsgehabe und Sensationsgier einer medienbestimmten Öffentlichkeit, aber auch ein filmisches Essay über Identität und Anpassung in der modernen Welt.«
»Zeugin der Anklage« / »Witness for the Prosecution« * * * * * * USA 1957, Länge: 114 Minuten, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, Harry Kurnitz, Larry Marcus, Kamera: Russell Harlan, Musik: Matty Malneck, Produzent: Arthur Hornblow jr., Edward Small. Mit: Charles Laughton, Marlene Dietrich, Tyrone Power, Elsa Lanchester, John Williams, Norma Varden, Henry Daniell, Una O'Connor, Ian Wolfe, Torin Thatcher, Francis Compton.
Raffiniertes Stück, meisterhaft und spannend inszeniert, fabelhaft gespielt. Ein ewiges Film-Vergnügen.
»Zu neuen Ufern« * * * * Deutschland 1937, Länge: 105 Minuten, Regie: Detlef Sierck (später in den USA: Douglas Sirk), Buch: Detlef Sierck, Kamera: Franz Weihmayr, Musik: Ralph Benatzky. Mit: Zarah Leander, Willy Birgel, Viktor Staal, Erich Ziegel, Hilde von Stolz, Edwin Jürgensen, Carola Höhn, Robert Dorsay, Iwa Wanja, Ernst Legal, Lina Carstens, Mady Rahl.
Ein Melodram wie es sein muß! Betrogene Liebe! Unerfüllte Liebe! Unglück, Strafe, tiefer Fall! Hoffnung, Sehnsucht, wahre Liebe! Erlösung? Die Inhaltsangabe der DVD verrät die entsprechende Handlung, aber den Schluß natürlich nicht:
»Im London des 19. Jahrhunderts feiert die populäre Varietésängerin Gloria große Erfolge. Wegen einer Wechselfälschung, die sie aus Liebe zu Sir Albert auf sich nimmt, wird sie zur Zwangsarbeit in Paramatta, Australien, verurteilt. Vergebens hofft sie auf Hilfe des Geliebten. Um dem Straflager zu entkommen, stellt sie sich zur Brautschau und findet in dem Farmer Henry einen gutmütigen Mann. Doch lange hält sie dieses Leben nicht aus. Sie flieht und will zu Sir Albert, der inzwischen auch in Australien lebt und sich, zu Glorias großer Enttäuschung, mit der Tochter des Gouverneurs verlobt. Im Nachtclub "Sidney Casino", wo Gloria nun als Chansonnette auftritt, begegnen sich die beiden wieder. Albert beschwört sie, ein neues Leben mit ihm zu beginnen, aber sie kann ihm nicht verzeihen. Sir Albert begeht daraufhin Selbstmord. Einsam kehrt Gloria nach Paramatta zurück, in der Hoffnung, dass Henry sie wieder aufnehmen wird …«
Zarah Leander große Klasse. Unsterbliche Schlager/Chansons von Ralph Benatzky, u.a.: Ich steh' im Regen (Warten im Regen), Yes Sir!, Tiefe Sehnsucht (Ich hab' eine tiefe Sehnsucht in mir). Regie übrigens Detlef Sierck, später in Hollywood Douglas Sirk, auch dort der Meister des Melodrams.
»Zurück in die Zukunft« / »Back to the Future« * * * * * USA 1985, Länge: 113 Minuten, Regie: Robert Zemeckis, Drehbuch: Robert Zemeckis, Bob Gale, Kamera: Dean Cundey, Musik: Alan Silvestri, Schnitt: Arthur Schmidt, Harry Keramidas, Produktion: Steven Spielberg. Mit: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Claudia Wells, Thomas F. Wilson, Lea Thompson, Crispin Glover, Wendie Jo Sperber, Harry Waters, Billy Zane, Marc McClure.